Kategorie: Modernes Antiquariat

NEU: Modernes Antiquariat – Ein Buch und Ihre Geschichte dazu

Carl Spitzweg - Der Bücherwurm - 1850
Carl Spitzweg – Der Bücherwurm – 1850

Das Moderne Antiquariat. Hier ist Platz für Menschen und Ihre Bücher.
Haben Sie ein Buch, das Ihnen besonders wichtig war oder ist? Haben Sie mit einem oder durch ein Buch Besonderes erlebt? Dürfen wir Sie dazu befragen und dann Ihre Geschichte erzählen sowie das Buch vorstellen? Oder möchten Sie vielleicht beides selbst gestalten?
Alle bisherigen Einträge finden Sie hier unter der Rubrik „Modernes Antiquariat“.

Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen. Bitte an: redaktion@derblaueritter.de

Kurt Tucholsky – Der Mensch

Tucholsky in Paris 1928 - Fotorechte bei Sonja Thomassen
Tucholsky in Paris 1928 – Fotorechte bei Sonja Thomassen

Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenns ihm gut geht, und eine, wenns ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion. 
Der Mensch ist ein Wirbeltier und hat eine unsterbliche Seele, sowie auch ein Vaterland, damit er nicht zu übermütig wird.
Der Mensch wird auf natürlichem Wege hergestellt, doch empfindet er dies als unnatürlich und spricht nicht gern davon. Er wird gemacht, hingegen nicht gefragt, ob er auch gemacht werden wolle.Weiterlesen

DE PROFUNDIS – Ein Essay von Walther Rathenau (aus 1920)

Ein Mensch spricht:
Ich bete.
Warum bete ich?
Ich will danken, preisen, verströmen. Ich will. Ich muss.
Ist das wahr?
Ja, es ist wahr.
Nein, es ist nicht wahr. Ich will mehr.
Was will ich?
Ich will Leidesende. Ich will Glück, ich will Seligkeit.
Also kaufen will ich, werben will ich, bitten will ich, betteln will ich.

Was heißt das? Vorteil um leichte Mühe. Vorteil vor wem? Vor anderen, die ehrlicher und stolzer sind. Vorteil von wem? Von Mächten, die sich bereden, beschwatzen, bebetteln lassen.
Also bete ich aus Neid, aus Gier, aus Unehrlichkeit. Und solches Gebet soll erhört werden — darf erhört werden?
Ach, es ist wahr: selig sind die geistig Armen. Sie kennen den Zweifel nicht. Sie sind Kinder, man fragt nicht, man erhört sie. Doch ich bin nicht geistig arm. Ich will geistig arm sein. Ich will alles Wissen und Denken abtun. Ich will vergessen.
Ach! je heißer ich will, desto kälter empfinde ich, dass ich nicht geistig arm bin. Dass ich mich immer weiter von geistiger Armut entferne, dass ich den letzten Flaum der Naivität verliere. Weil ich mich ans Heil klammere, deshalb entgleitet mir das Heil.Weiterlesen

Das Mondtal – Meine Geschichte zum Buch von Jack London

Jack_London_Mondtal1976 – wir wohnten damals in einer westfälischen Kleinstadt gewohnt. Im Nirgendwo zwischen Dortmund und Paderborn. Meine Eltern hatte eine Bekannte, die uns hin und wieder besuchte. Ihren Nachnamen werde ich wohl nie vergessen; ein Gesicht dazu habe ich nicht mehr. Sie hieß DelNardo.  An diesem Abend brachte sie zwei Geschenke mit: einen frisch geschossenen Fasan und ein Buch für mich: Das Mondtal von Jack London. Bis dahin kannte ich vornehmlich Bücher von Enid Blyton und vom „Autorenkollektiv“ Die Drei Fragezeichen und natürlich Walt Disney.  Weiterlesen

Kaufmann des Königs – Jacques Coeur und seine Welt

Jacques Coeur - Ölgemälde - undatiert
Jacques Coeur – Ölgemälde – undatiert

Jacques Coeur (ca. 1395—1456) hatte Genua im Jahre 1447 mit Hilfe der ligurischen Familien Fieschi und deren Mitstreiter – darunter Kolumbus‘ Vater Domenico und dessen Bruder Antonio – für René von Anjou eingenommen. Dieser Kaufmannssohn aus Bourges war Hoflieferant des französischen Königs und deshalb an Luxusgütern wie Edelmetallen, Seide, Gewürzen und Heilmitteln aus dem Orient besonders stark interessiert. Er brachte die französisch-genuesische Handelsflotte wieder auf Vordermann und es folgte eine atemberaubende Karriere. Sein Erfolg brach abrupt ab, als ihn der französische König – der unterdessen zu seinem Hauptschuldner geworden war – in Haft nahm. Zwar gelang es Coeur, dem Gefängnis zu entfliehen und auf einer abenteuerlichen Flucht mehreren Mordanschlägen zu entgehen, doch er hatte seinen Zenit bereits überschritten. Immer noch auf der Flucht, begab er sich nach dem Fall Konstantinopels 1453 mit dem Segen des Papstes Calixtus III. mit 16 Galeeren auf einen Kreuzzug in die Levante. Im Jahre 1456 starb Jacques Coeur auf der genuesischen Kolonie Chios. Je nach Geburtsdatum ist eine Teilnahme Kolumbus’ an diesem Kreuzzug nicht ganz ausgeschlossen. Sehr wahrscheinlich reiste Kolumbus aber erst in den frühen siebziger Jahren nach Chios, als sich der französische König Louis XI. vornahm, den Gewürzhandel in der Levante mit Hilfe einer grossen franco-genuesischen „Compagnie“ unter seine Kontrolle zu bringen.

Bourges - Front des Palais von Jacques Cœur
Bourges – Front des Palais von Jacques Cœur

Zwei recht unterschiedliche Biografien:

Hendrik de Man – Jaqques Coeur, der königliche Kaufmann A. Francke AG Verlag Bern

Michel Mollat – Der königliche Kaufmann, Jacques Coeur oder der Gesit des Unternehmertums, Verlag C.H. Beck, München

Beitragsbild: musée-de-Berry-Bourges