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E. T. A. Hoffmann | Beethovens Instrumentalmusik

Sollte, wenn von der Musik als einer selbständigen Kunst die Rede ist, nicht immer nur die Instrumentalmusik gemeint sein, welche, jede Hilfe, jede Beimischung einer andern Kunst (der Poesie) verschmähend, das eigentümliche, nur in ihr zu erkennende Wesen dieser Kunst rein ausspricht? – Sie ist die romantischste aller Künste, beinahe möchte man sagen, allein echt romantisch, denn nur das Unendliche ist ihr Vorwurf. – Orpheus‘ Lyra öffnete die Tore des Orkus. Die Musik schließt dem Menschen ein unbekanntes Reich auf, eine Welt, die nichts gemein hat mit der äußern Sinnenwelt, die ihn umgibt und in der er alle bestimmten Gefühle zurückläßt, um sich einer unaussprechlichen Sehnsucht hinzugeben.

Kupferstich (1795) von Tommaso Piroli (1752 – 1824) nach einer Zeichnung (1793) von John Flaxman (1755 – 1826).
Quelle: Antiquariat Dr. Haack Leipzig

Habt ihr dies eigentümliche Wesen auch wohl nur geahnt, ihr armen Instrumentalkomponisten, die ihr euch mühsam abquältet, bestimmte Empfindungen, ja sogar Begebenheiten darzustellen? – Wie konnte es euch denn nur einfallen, die der Plastik geradezu entgegengesetzte Kunst plastisch zu behandeln? Eure Sonnaufgänge, eure Gewitter, eure Batailles des trois Empereurs usw. waren wohl gewiß gar lächerliche Verirrungen und sind wohlverdienterweise mit gänzlichem Vergessen bestraft.
In dem Gesange, wo die Poesie bestimmte Affekte durch Worte andeutet, wirkt die magische Kraft der Musik wie das wunderbare Elixier der Weisen, von dem etliche Tropfen jeden Trank köstlicher und herrlicher machen. Jede Leidenschaft – Liebe – Haß – Zorn – Verzweiflung etc., wie die Oper sie uns gibt, kleidet die Musik in den Purpurschimmer der Romantik, und selbst das im Leben Empfundene führt uns hinaus aus dem Leben in das Reich des Unendlichen.
So stark ist der Zauber der Musik, und, immer mächtiger werdend, mußte er jede Fessel einer andern Kunst zerreißen.
Gewiß nicht allein in der Erleichterung der Ausdrucksmittel (Vervollkommnung der Instrumente, größere Virtuosität der Spieler), sondern in dem tieferen, innigeren Erkennen des eigentümlichen Wesens der Musik liegt es, daß geniale Komponisten die Instrumentalmusik zu der jetzigen Höhe erhoben.

Adam Setkowicz [1876-1945] Wizya Beethovena. Die Vision Beethovens. Rechte Seite: Wydawnictwo „POCZTÓWKI“ w Krakowie. Postkarten-Edition Krakau | Nicht in den Verkauf gelangt.
Mozart und Haydn, die Schöpfer der jetzigen Instrumentalmusik, zeigten uns zuerst die Kunst in ihrer vollen Glorie; wer sie da mit voller Liebe anschaute und eindrang m ihr innigstes Wesen, ist – Beethoven! – Die Instrumentalkompositionen aller drei Meister atmen einen gleichen romantischen Geist, welches in dem gleichen innigen Ergreif en des eigentümlichen Wesens der Kunst liegt; der Charakter ihrer Kompositionen unterscheidet sich jedoch merklich. – Der Ausdruck eines kindlichen, heitern Gemüts herrscht in Haydns Kompositionen. . Seine Sinfonien führen uns in unabsehbare grüne Haine, in ein lustiges buntes Gewühl glücklicher Menschen. Jünglinge und Mädchen schweben m Reihentänzen vorüber; lachende Kinder, hinter Bäumen, hinter Rosenbüschen lauschend, werfen sich neckend mit Blumen. Ein Leben voll Liebe, voll Seligkeit wie vor der Sünde, in ewiger Jugend; kein Leiden, kein Schmerz, nur ein süßes, wehmütiges Verlangen nach der geliebten Gestalt, die in der Ferne im Glanz des Abendrotes daherschwebt, nicht näher kommt, nicht verschwindet, und solange sie da ist, wird es nicht Nacht, denn sie selbst ist das Abendrot, von dem Berg und Hain erglühen. – In die Tiefen des Geisterreichs führt uns Mozart. Furcht umfängt uns, aber ohne Marter ist sie mehr Ahnung des Unendlichen.
Liebe und Wehmut tönen in holden Geisterstimmen; die Nacht geht auf in hellem Purpurschimmer, und in unaussprechlicher Sehnsucht ziehen wir nach den Gestalten, die, freundlich uns in ihre Reihen winkend, in ewigem Sphärentanze durch die Wolken fliegen. (Mozarts Sinfonie in Es-Dur, unter dem Namen des Schwanengesanges bekannt.)

El Greco | A Boy Blowing On An Ember To Light A Candle | 1570;
Manierismus (Späte Renaissance)
Quelle: www.the-athenaeum.org

So öffnet uns auch Beethovens Instrumentalmusik das Reich des Ungeheuern und Unermeßlichen. Glühende Strahlen schießen durch dieses Reiches tiefe Nacht, und wir werden Riesenschatten gewahr, die auf- und abwogen, enger und enger uns einschließen und uns vernichten, aber nicht den Schmerz der unendlichen Sehnsucht, in welcher jede Lust, die schnell in jauchzenden Tönen emporgestiegen, hinsinkt und untergeht, und nur in diesem Schmerz, der Liebe, Hoffnung, Freude in sich verzehrend, aber nicht zerstörend, unsere Brust mit einem vollstimmigen Zusammenklange aller Leidenschaften zersprengen will, leben wir fort und sind entzückte Geisterseher!
Der romantische Geschmack ist selten, noch seltener das romantische Talent, daher gibt es wohl so wenige, die jene Lyra, deren Ton das wundervolle Reich des Romantischen aufschließt, anzuschlagen vermögen.
Haydn faßt das Menschliche im menschlichen Leben romantisch auf; er ist kommensurabler, faßlicher für die Mehrzahl.
Mozart nimmt mehr das Übermenschliche, das Wunderbare, welches im Innern Geiste wohnt, in Anspruch. Beethovens Musik bewegt die Hebel der Furcht, des Schauers, des Entsetzens, des Schmerzes und erweckt eben jene unendliche Sehnsucht, welche das Wesen der Romantik ist. Er ist daher ein rein romantischer Komponist, und mag es nicht daher kommen, daß ihm Vokalmusik, die den Charakter des unbestimmten Sehnens nicht zuläßt, sondern nur durch Worte bestimmte Affekte, als in dem Reiche des Unendlichen empfunden, darstellt, weniger gelingt?
Den musikalischen Pöbel drückt Beethovens mächtiger Genius; er will sich vergebens dagegen auflehnen. – Aber die weisen Richter, mit vornehmer Miene um sich schauend, versichern, man könne es ihnen als Männer von großem Verstande und tiefer Einsicht aufs Wort glauben, es fehle dem guten B. nicht im mindesten an einer sehr reichen, lebendigen Phantasie, aber er verstehe sie nicht zu zügeln! Da wäre denn nun von Auswahl und Formung der Gedanken gar nicht die Rede, sondern er werfe nach der sogenannten genialen Methode alles so hin, wie es ihm augenblicklich die im Feuer arbeitende Phantasie eingebe. Wie ist es aber, wenn nur eurem schwachen Blick der innere tiefe Zusammenhang jeder Beethovenschen Komposition entgeht? Wenn es nur an euch liegt, daß ihr des Meisters, dem Geweihten verständliche, Sprache nicht versteht, wenn euch die Pforte des innersten Heiligtums verschlossen blieb? – In Wahrheit, der Meister, an Besonnenheit Haydn und Mozart ganz an die Seite zu stellen, trennt sein Ich von dem Innern Reich der Töne und gebietet darüber als unumschränkter Herr. Ästhetische Meßkünstler haben oft im Shakespeare über gänzlichen Mangel innerer Einheit und inneren Zusammenhanges geklagt, indem dem tieferen Blick ein schöner Baum, Blätter, Blüten und Früchte, aus einem Keim treibend, erwächst; so entfaltet sich auch nur durch ein sehr tiefes Eingehen in Beethovens Instrumentalmusik die hohe Besonnenheit, welche vom wahren Genie unzertrennlich ist und von dem Studium der Kunst genährt wird. Welches Instrumentalwerk Beethovens bestätigt dies alles wohl in höherm Grade als die über alle Maßen herrliche tiefsinnige Sinfonie in c-Moll. Wie führt diese wundervolle Komposition in einem fort und fort steigenden Klimax den Zuhörer unwiderstehlich fort in das Geisterreich des Unendlichen. Nichts kann einfacher sein, als der nur aus zwei Takten bestehende Hauptgedanke des ersten Allegros, der, anfangs im Unisono, dem Zuhörer nicht einmal die Tonart bestimmt. Den Charakter der ängstlichen, unruhvollen Sehnsucht, den dieser Satz in sich trägt, setzt das melodiöse Nebenthema nur noch mehr ins klare! – Die Brust, von der Ahnung des Ungeheuern, Vernichtung Drohenden gepreßt und beängstet, scheint sich in schneidenden Lauten gewaltsam Luft machen zu wollen, aber bald zieht eine freundliche Gestalt glänzend daher und erleuchtet die tiefe, grauenvolle Nacht. (Das liebliche Thema in G-Dur, das erst von dem Horn in Es-Dur berührt wurde.) – Wie einfach – noch einmal sei es gesagt – ist das Thema, das der Meister dem Ganzen zum Grunde legte, aber wie wundervoll reihen sich ihm alle Neben- und Zwischensätze durch ihr rhythmisches Verhältnis so an, daß sie nur dazu dienen, den Charakter des Allegros, den jenes Hauptthema nur andeutete, immer mehr und mehr zu entfalten. Alle Sätze sind kurz, beinahe alle nur aus zwei, drei Takten bestehend, und noch dazu verteilt in beständigem Wechsel der Blas- und der Saiteninstrumente; man sollte glauben, daß aus solchen Elementen nur etwas Zerstückeltes, Unfaßbares entstehen könne, aber statt dessen ist es eben jene Einrichtung des Ganzen sowie die beständige, aufeinander folgende Wiederholung der Sätze und einzelner Akkorde, die das Gefühl einer unnennbaren Sehnsucht bis zum höchsten Grade steigert. Ganz davon abgesehen, daß die kontrapunktische Behandlung von dem tiefen Studium der Kunst zeugt, so sind es auch die Zwischensätze, die beständigen Anspielungen auf das Hauptthema, welche dartun, wie der hohe Meister das Ganze mit allen den leidenschaftlichen Zügen im Geist auffaßte und durchdachte. – Tönt nicht wie eine holde Geisterstimme, die unsre Brust mit Hoffnung und Trost erfüllt, das liebliche Thema des Andante con moto in As-Dur? – Aber auch hier tritt der furchtbare Geist, der im Allegro das Gemüt ergriff und ängstete, jeden Augenblick drohend aus der Wetterwolke hervor, in der er verschwand, und vor seinen Blitzen entfliehen schnell die freundlichen Gestalten, die uns umgaben. – Was soll ich von der Menuett sagen? – Hört die eignen Modulationen, die Schlüsse in dem dominanten Akkorde Dur – den der Baß als Tonika des folgenden Themas in Moll aufgreift – das immer sich um einige Takte erweiternde Thema selbst! Ergreift euch nicht wieder jene unruhvolle, unnennbare Sehnsucht, jene Ahnung des wunderbaren Geisterreichs, in welchem der Meister herrscht? Aber wie blendendes Sonnenlicht strahlt das prächtige Thema des Schlußsatzes in dem jauchzenden Jubel des ganzen Orchesters. – Welche wunderbare kontrapunktische Verschlingungen verknüpfen sich hier wieder zum Ganzen. Wohl mag manchem alles vorüberrauschen wie eine geniale Rhapsodie, aber das Gemüt jedes sinnigen Zuhörers wird gewiß von einem Gefühl, das eben jene unnennbare ahnungsvolle Sehnsucht ist, tief und innig ergriffen, und bis zum Schlußakkord, ja noch in den Momenten nach demselben wird er nicht heraustreten können aus dem wunderbaren Geisterreiche, wo Schmerz und Lust, in Tönen gestaltet, ihn umfingen. – Die Sätze ihrer Innern Einrichtung nach, ihre Ausführung, Instrumentierung, die Art, wie sie aneinandergereiht sind, alles arbeitet auf einen Punkt hinaus; aber vorzüglich die innige Verwandtschaft der Themas untereinander ist es, welche jene Einheit erzeugt, die nur allein vermag den Zuhörer in einer Stimmung festzuhalten. Oft wird diese Verwandtschaft dem Zuhörer klar, wenn er sie aus der Verbindung zweier Sätze heraushört oder in den zwei verschiedenen Sätzen gemeinen Grundbaß entdeckt, aber eine tiefere Verwandtschaft, die sich auf jene Art nicht dartut, spricht oft nur aus dem Geiste zum Geiste, und eben diese ist es, welche unter den Sätzen der beiden Allegros und der Menuett herrscht und die besonnene Genialität des Meisters herrlich verkündet.

A Long Minuet as Danced at Bath | Henry William Bunbury | 1787

Wie tief haben sich doch deine herrlichen Flügel-Kompositionen, du hoher Meister! meinem Gemüte eingeprägt; wie schal und nichtsbedeutend erscheint mir doch nun alles, was nicht dir, dem sinnigen Mozart und dem gewaltigen Genius Sebastian Bach angehört. – Mit welcher Lust empfing ich dein siebzigstes Werk, die beiden herrlichen Trios, denn ich wußte ja wohl, daß ich sie nach weniger Übung bald gar herrlich hören würde. Und so gut ist es mir ja denn heute abend geworden, so daß ich noch jetzt wie einer, der in den mit allerlei seltenen Bäumen, Gewächsen und wunderbaren Blumen umflochtenen Irrgängen eines phantastischen Parks wandelt und immer tiefer und tiefer hineingerät, nicht aus den wundervollen Wendungen und Verschlingungen deiner Trios herauszukommen vermag. Die holden Sirenenstimmen deiner in bunter Mannigfaltigkeit prangenden Sätze locken mich immer tiefer und tiefer hinein. – Die geistreiche Dame, die heute mir, dem Kapellmeister Kreis1er, recht eigentlich zu Ehren das Trio Nro. 1 gar herrlich spielte und vor deren Flügel ich noch sitze und schreibe, hat es mich recht deutlich einsehen lassen, wie nur das, was der Geist gibt, zu achten, alles übrige aber vom Übel ist. Eben jetzt habe ich auswendig einige frappante Ausweichungen der beiden Trios auf dem Flügel wiederholt. – Es ist doch wahr, der Flügel (Flügel-Pianoforte) bleibt ein mehr für die Harmonie als für die Melodie brauchbares Instrument. Der feinste Ausdruck, dessen das Instrument fähig ist, gibt der Melodie nicht das regsame Leben in tausend und tausend Nuancierungen, das der Bogen des Geigers, der Hauch des Bläsers hervorzubringen imstande ist. Der Spieler ringt vergebens mit der unüberwindlichen Schwierigkeit, die der Mechanism, der die Saiten durch einen Schlag vibrieren und ertönen läßt, ihm entgegensetzt. Dagegen gibt es (die noch immer weit beschränktere Harfe abgerechnet) wohl kein Instrument, das so wie der Flügel in vollgriffigen Akkorden das Reich der Harmonie umfaßt
und seine Schätze in den wunderbarsten Formen und Gestalten dem Kenner entfaltet. Hat die Phantasie des Meisters ein ganzes Tongemälde mit reichen Gruppen, hellen Lichtern und tiefen Schattierungen ergriffen, so kann er es am Flügel ins Leben rufen, daß es aus der Innern Welt farbicht und glänzend hervortritt. Die vollstimmige Partitur, dieses wahre musikalische Zauberbuch, das in seinen Zeichen alle Wunder der Tonkunst, den geheimnisvollen Chor der mannigfaltigsten Instrumente bewahrt, wird unter den Händen des Meisters am Flügel belebt, und ein in dieser Art gut und vollstimmig vorgetragenes Stück aus der Partitur möchte dem wohlgeratnen Kupferstich, der einem großen Gemälde entnommen, zu vergleichen sein. Zum Phantasieren, zum Vortragen aus der Partitur, zu einzelnen Sonaten, Akkorden usw. ist daher der Flügel vorzüglich geeignet, so wie nächstdem Trios, Quartetten, Quintetten etc., wo die gewöhnlichen Saiteninstrumente hinzutreten, schon deshalb ganz in das Reich der Flügelkomposition gehören, weil, sind sie in der wahren Art, d. h. wirklich vierstimmig, fünfstimmig usw. komponiert, hier es ganz auf die harmonische Ausarbeitung ankommt, die das Hervortreten einzelner Instrumente in glänzenden Passagen von selbst ausschließt.
Einen wahren Widerwillen hege ich gegen all die eigentlichen Flügelkonzerte. (Mozartsche und Beethovensche sind nicht sowohl Konzerte als Sinfonien mit obligatem Flügel.) Hier soll die Virtuosität des einzelnen Spielers in Passagen und im Ausdruck der Melodie geltend gemacht werden; der beste Spieler auf dem schönsten Instrumente strebt aber vergebens nach dem, was z. B. der Violinist mit leichter Mühe erringt.
Jedes Solo klingt nach dem vollen Tutti der Geiger und Bläser steif und matt, und man bewundert die Fertigkeit der Finger u. dergl., ohne daß das Gemüt recht angesprochen wird.
Wie hat doch der Meister den eigentümlichsten Geist des Instruments aufgefaßt und in der dafür geeignetsten Art gesorgt!
Ein einfaches, aber fruchtbares, zu den verschiedensten kontrapunktischen Wendungen, Abkürzungen usw. taugliches, singbares Thema liegt jedem Satze zum Grunde, alle übrigen Nebenthemata und Figuren sind dem Hauptgedanken innig verwandt, so daß sich alles zur höchsten Einheit durch alle Instrumente verschlingt und ordnet. So ist die Struktur des Ganzen; aber in diesem künstlichen Bau wechseln in rastlosem Fluge die wunderbarsten Bilder, in denen Freude und Schmerz, Wehmut und Wonne neben- und ineinander hervortreten. Seltsame Gestalten beginnen einen luftigen Tanz, indem sie bald zu einem Lichtpunkt verschweben, bald funkelnd und blitzend auseinanderfahren und sich in mannigfachen Gruppen jagen und verfolgen; und mitten in diesem aufgeschlossenen Geisterreiche horcht die entzückte Seele der unbekannten Sprache zu und versteht alle die geheimsten Ahnungen, von denen sie ergriffen.
Nur der Komponist drang wahrhaft in die Geheimnisse der Harmonie ein, der durch sie auf das Gemüt des Menschen zu wirken vermag; ihm sind die Zahlenproportionen, welche dem Grammatiker ohne Genius nur tote, starre Rechenexempel bleiben, magische Präparate, denen er eine Zauberwelt entsteigen läßt.
Unerachtet der Gemütlichkeit, die vorzüglich in dem ersten Trio, selbst das wehmutsvolle Largo nicht ausgenommen, herrscht, bleibt doch der Beethovensche Genius ernst und feierlich. Es ist, als meinte der Meister, man könne von tiefen, geheimnisvollen Dingen, selbst wenn der Geist, mit ihnen innig vertraut, sich freudig und fröhlich erhoben fühlt, nie in gemeinen, sondern nur in erhabenen, herrlichen Worten reden; das Tanzstück der Isispriester kann nur ein hochjauchzender Hymnus sein.
Die Instrumentalmusik muß da, wo sie nur durch sich als Musik wirken und nicht vielleicht einem bestimmten dramatischen Zweck dienen soll, alles unbedeutend Spaßhafte, alle tändelnden Lazzi vermeiden. Es sucht das tiefe Gemüt für die Ahnungen der Freudigkeit, die herrlicher und schöner als hier in der beengten Welt, aus einem unbekannten Lande herübergekommen, ein inneres, wonnevolles Leben in der Brust entzündet, einen höheren Ausdruck, als ihn geringe Worte, die nur der befangenen irdischen Lust eigen, gewähren können. Schon dieser Ernst aller Beethovenschen Instrumental- und Flügelmusik verbannt alle die halsbrechenden Passagen auf und ab mit beiden Händen, alle die seltsamen Sprünge, die possierlichen Capriccios, die hoch in die Luft gebauten Noten mit fünf- und sechsstrichigem Fundament, von denen die Flügelkompositionen neuester Art erfüllt sind. – Wenn von bloßer Fingerfertigkeit die Rede ist, haben die Flügelkompositionen des Meisters gar keine besondere Schwierigkeit, da die wenigen Läufe, Triolenfiguren u. d. m. wohl jeder geübte Spieler in der Hand haben muß; und doch ist ihr Vortrag bedingt recht schwer. Mancher sogenannte Virtuose verwirft des Meisters Flügelkomposition, indem er dem Vorwurfes sehr schwer! noch hinzufügt: und sehr undankbar! – Was nun die Schwierigkeit betrifft, so gehört zum richtigen, bequemen Vortrag Beethovenscher Komposition nichts Geringeres, als daß man ihn begreife, daß man tief in sein Wesen eindringe, daß man im Bewußtsein eigner Weihe es kühn wage, in den Kreis der magischen Erscheinungen zu treten, die sein mächtiger Zauber hervorruft. Wer diese Weihe nicht in sich fühlt, wer die heilige Musik nur als Spielerei, nur zum Zeitvertreib in leeren Stunden, zum augenblicklichen Reiz stumpfer Ohren oder zur eignen Ostentation tauglich betrachtet, der bleibe ja davon. Nur einem solchen steht auch der Vorwurf: und höchst undankbar! zu. Der echte Künstler lebt nur in dem Werke, das er in dem Sinne des Meisters aufgefaßt hat und nun vorträgt. Er verschmäht es, auf irgendeine Weise seine Persönlichkeit geltend zu machen, und all sein Dichten und Trachten geht nur dahin, alle die herrlichen, holdseligen Bilder und Erscheinungen, die der Meister mit magischer Gewalt in sein Werk verschloß, tausendfarbig glänzend ins rege Leben zu rufen, daß sie den Menschen in lichten, funkelnden Kreisen umfangen und, seine Phantasie, sein innerstes Gemüt entzündend, ihn raschen Fluges in das ferne Geisterreich der Töne tragen.

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Aus: E. T. A. Hoffmann | Beethovens Instrumentalmusik | Essay
Theorie der Romantik | 1814

Musik | Charly Antolini | drum pet

Eine Schlange, eine Schlange. Warum geht mir dieses Tier nicht aus dem Kopf?
Es war mein erster Gedanke und es war jener, der immer wieder kehrte, wenn ich über eine Snare, über den Klang einer Snare nachdachte. Er gefiel mir nicht, dieser Gedanke, genauso wenig wie ich das Tier, wie ich Schlangen mochte. Diese beinlosen Wesen, die zischelnd über den Boden oder von Bäumen herab gleiten, boten allenfalls im scharfen, schnellen Laut ihrer Zungen eine kleine, klitzekleine Ähnlichkeit mit jenen Tönen, die man mit einer Snare zu erzeugen vermag.
Ein Vogel könnte es sein, einer der verschiedene Tierstimmen imitieren kann, ein leises Zischeln, ein lautes Rasseln, ein dumpfes doch dröhnendes Schnarren. Vielleicht aber auch, so dachte ich, ein Krabbeltier, ein kleines Tier mit vielen kleinen Füßen, ein Krabbeltier mit der Kehle eines Vogels, mit der schnellen Zunge einer Schlange, ihre raschelnden Bewegungen beim Gleiten über den Boden, durch Büsche hindurch mit kleinen, schnellen Schritten nachahmend.
Ein Krabbeltier, das seine unzähligen Füße dazu einsetzen könnte, auf dem ausgetrockneten Boden eines Feldes einen dumpfen, tot klingenden Ton zu erzeugen, auf dem feuchten, Laub bedeckten Boden eines Waldes aber ein weiches Streichen, so, als würde man mit dem Besen über das Fell der Snare fahren.
Was immer es ist, es ist nie nur das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint.

All das begleitet mich wiederkehrend beim Lauschen von
Charly Antolinis drum pet (1966) vom Album drum beat

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Foto: Fusslkopp at de.wikipedia | Charly Antolini in Bonn
Foto: Fusslkopp at de.wikipedia | Charly Antolini in Bonn

Charly Antolini (*1937 in Zürich) ist ein Schweizer Jazz-Schlagzeuger. Antolini lernte die traditionelle Schweizer Basler Trommel zu spielen bevor er 1956 nach Paris ging, wo er mit Sidney Bechet, Bill Coleman ua. spielte. In der Oldtime-Jazz-Band „The Tremble Kids“ kam er dann mit dem Trompeter Oscar Klein und dem Klarinettist Werner Keller zusammen. Ab 1962 lebte er dann in Stuttgart, wo er 5 Jahre mit dem Bassisten Peter Witte und dem Pianisten Horst Jankowski in der SWR Big Band von Erwin Lehn arbeitete. Hinzu kamen Engagements in den Big Bands von Kurt Edelhagen, Peter Herbolzheimer und Max Greger in der NDR Bigband gespielt.

1976 folgte dann die Gründung seiner eigene Band: „Charly Antolini Jazz Power“, die ursprünglich mit Steve Hooks (Tenorsax); Andrei Lobanov (Trompete); David Gazarov (Keyboards) und Rocky Knauer (Bass) besetzt war. Später kamen Len Skeat und Brian Lemon hinzu.

In den 1980er Jahren tourte er in Deutschland, Italien und Dänemark mit Benny Goodman, Lionel Hampton, Barbara Dennerlein, Albert Mangelsdorff, Earl Hines, Roy Eldridge, Jimmy Giuffre, Art Farmer, Oliver Nelson, Art Van Damme, Stuff Smith, Baden Powell und anderen. Später tourte Antolini auch durch die Sowjetunion.

Charly Antolini lebt in München und tourt regelmäßig mit seiner eigenen Band „Jazz Macht“.

charlie-antolini-drum-beat-innenteilCharly Antolini – Drum beat

Label : MPS / SABA
Pressung : 1586 ST – GERMANY
Jahr : 1966
Genre : JAZZ|SOUL

Musik | Christoph Stiefel Trio | 7meilenStiefel

Wieder und wieder höre ich „Continuum“, denke an „Movimiento Continuo“ von Astor Piazzolla, denke an die fallenden Blätter vor meinem Fenster, ich sehe sie, sehe sie ohne hinaus zu schauen, sehe sie in einem kleinen Super-8-Film, meinem eigenen kleinen Kopfkino, sehe das Wirbeln der Blätter, die vom Herbstwind getrieben im 30 Grad Winkel durch die Luft tanzen, freue mich, freue mich kindisch über die bewegten Bilder auf der Leinwand meiner Lider.

Cover | Front
Cover | Front

Und dann, nach vier Minuten einnehmender Klangathmosphäre dieser eingängig und fast schon dramatisch schlicht komplexen Melodie, sehe und höre ich ein paar Takte lang die Sonne, ein paar Strahlen nur, bevor die Klänge wieder ins Continuum zurückkehren, Der Drummer Papaux, scheint nun sein Schlagwerk zu erobern, sanft & hartnäckig zugleich.
Ich stecke in einem Raum-Zeit-Kontinuum, im Gleichschritt und -klang höre, atme, denke ich, seit Tagen schon, seit ich die Platte des Christoph Stiefel Trios zum ersten Mal hörte.
Ich höre dieses „Continuum“ wieder und wieder und wieder. Meine Lieblingsstücke von Esbjörn Svensson durchfließen meine Sinne, verwerfe aber diese Querläufer. Denke für einen Moment an das Brad Mehldau Trio, an Herrn Piazzolla, an The Bad Plus, an Medeski Martin Wood. Und, als könne ich mit einem Tippen auf die Repeat-Taste all diese Gedanken auslöschen, höre ich wieder und wieder „Continuum“. Faszinierend, welche Assoziationen die Musik dieses Trio auslöst.
Und jetzt? Jetzt sitze ich hier mit meinem laienhaften Musikwissen, mit zwei Händen, die die Saiten des Basses rudimentär zupfen können, einem Paar guter Ohren, einem Kopf voller Musikstücke und vielen vielen „Jener Augenblick, als der Bassist…“ und „Der Moment, als…“-Erinnerungen, abrufbar, jederzeit, im Sinn.
Sitze hier und ärgere mich, nie Musik studiert zu haben, ärgere mich darüber, meine Empfindungen beim Hören nicht mit präziser ausdrücken zu können.
Verwerfe den den Gedankenstrudel. Setze Kopfhörer auf, laut, sehr laut will ich hören, was das Trio Stiefel, Papaux und Moret macht, mit mir macht.

Cover | Rückseite
Cover | Rückseite

Das Ergebnis? Wiederholungen – oder: Continuum. Acht Minuten und 16 Sekunden, dsüchtig machend, acht Minuten und 16 Sekunden Glück und Lachen und Drama und Melancholie und Leichtsinn und Schwermut. Acht Minuten und 16 Sekunden, die meine Gedanken übernehmen, meine Gefühle, inten Wünsche, meine Sehnsucht. Acht Minuten und 16 Sekunden Leben.
Nachdem ich mich losreiße von „Continuum“, höre das erste Stück des Albums „7meilenStiefel“: Seeking Solid Ground. Und schon stecke ich wieder mittendrin, mittendrin im Kontinuum des Lebens, möchte Christoph Stiefel die Fähigkeit des Gedankenlesens unterstellen: Woher kennt er das Tempo meines Lebens?“
So rasant wie diese Melodie mich erobert, so schnell läuft sie weiter, immer weiter, einfach und doch komplex, immer weiter, egal was passiert, immer weiter, weiter wie das Herz schlägt, solange es schlägt, weiter, aufgeben gibt es nicht, niemals. Und so klingt das Stück aus, leise und klingt doch weiter im Kopf, weiter in vielen großen, kleinen, schnellen, ruhigen, festen Schritten durch dieses Album bis zum letzten Stück: Home.

Angekommen. Angekommen in dieser Musik bin ich, seit dem allerersten Hören, fühle mich darin zu Hause. Was Christoph Stiefel und seine Mitstreiter machen, kommt mir vertraut vor, erinnert mich an vieles und ist doch anders.

„Isorhythm Nr. 12“ lese ich hinter dem Namen des ersten Stücks, erfahre im Booklet, dass Isorhythmen gleiche Rhythmen sind, die mit verschiedener Melodik kombiniert werden, „wobei sich dadurch für den Hörer absolut ungewohnte rhythmische, harmonische wie auch melodische Überlagerungen der verschiedenen Ebenen ergeben“.

Isorhythmen also. | Isorhythmik ist die Rhythmik des Lebens, meines Lebens. Und so wie mich Christoph Stiefels Trio mit 7meilenStiefeln durch elf atemberaubend schöne Stücke treibt, mich die Platte nun schon zum 26. Mal innerhalb von vier Tagen hören lässt, so wie ich immer wieder staune und die Luft anhalte, staune über eine wunderschöne Interpretation von „The Girl from Ipanema“, so oft ich immer wieder die gleichen Stellen anspiele, immer wieder die gleichen Stücke höre, mit Kopfhörer, ohne Kopfhörer, wieder und wieder, leise, laut, so sehr festigt sich der Wunsch, ein einziger Wunsch: mehr davon, denn das tut gut.

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Christoph Stiefel (* 29. Juli 1961 in Zürich) ist ein Schweizer Jazz-Pianist, Keyboarder, Komponist, Arrangeur, Produzent und Bandleader. | Zur Website von Christoph Stiefel.

Das Album 7meilen Stiefel stammt aus dem Jahre 2006.
Beitragesfoto: NZZ

Musik | The Cinematic Orchestra | Ma Fleur

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The Cinematic Orchestra | „Ma Fleur“ | Cover

Am Tisch im Wohnzimmer. Der Blick auf die leere Straße. Und ich schrieb und schrieb, hörte, wanderte durch die Zimmer und hörte, schrieb, schrieb, weinte, hörte, lächelte vor mich hin, weinte, fuhr, schrieb, schrieb, hörte, lauter, lauter. Länger, immer länger wurde der Text, Gedanken, nie ausgesprochen, ja, nicht einmal zu Ende gedacht. Und bevor es mir das Herz zerriss, löschte ich wieder.
Und ich hörte, lauter, lauter, und ich fuhr und ich filmte und hörte und filmte. Und stellte fest, dass alles, was mir an Technik und Wissen zur Verfügung steht, nicht ausreicht, noch nicht, um meine Gedanken sichtbar und hörbar zu machen, sichtbar, hörbar, ohne sie wirklich beim Namen zu nennen. Und ich löschte wieder.
Wiederzugeben, gleich wie, was geschieht, mit mir, wenn ich „Ma Fleur“ höre, vom ersten bis zum letzten Stück, immer wieder „To Build A Home“ mit der feinen Stimme von Patrick Watson fünf-, sechs-, siebenmal hintereinander höre, dann wieder alle Stücke von eins bis elf, den Takt von „As The Stars Fall“ ab 00:57 schlage, versuche zu schlagen, den Kopf dazu bewege, „der Kerl ist krank“ würde jemand denken, der mich nur sieht und nicht hört was ich höre, wiederzugeben also, was geschieht, mit mir, das käme dem Versuch gleich, mein Leben an einem Abend zu erzählen, bebildert, dabei alle Namen zu nennen, kleine Geschichten am Rande inklusive.
Einfach hinsetzen und heulen. Wäre eine Möglichkeit. Und käme ich in Erklärungsnot, würde ich verständlich machen wollen, warum Weinen glücklich macht.
Mir kommt der Satz in den Kopf „… kann man nicht beschreiben, … muss man erleben.“. Faulheit, Dummheit, Discount-Koketterie.
Ich glaube eher an: „Was man nicht beschreiben kann, das gibt es nicht.“.

tco-e-5-stevedoubleThe Cinematic Orchestra (TCO) kommt aus Großbritannien. Sie wurde Ende der 1990er Jahre von Jason Swinscoe gegründet. Ihr Stil lässt sich gut mit einem Mix aus Jazz, Downbeat, Popmusik, Electronica umschreiben.
Die Band besteht derzeit aus: Bassist Phil France, Gitarrist Stuart McCallum, Pianist Nick Ramm, Saxophonist Tom Chant,  Schlagzeuger Luke Flowers und Singer-Songwriter Patrick Watson sowie verschiedenen Gastmusikern.
Aufmerksamkeit erregte die Band mit einer Überarbeitung der Filmmusik zu Dsiga Wertows experimentellen Stummfilm Der Mann mit der Kamera. Die Filmmusik wurde von TCO 2000 in Porto [der damaligen Kulturhauptstadt Europas] während der Aufführung live eingespielt.
Auf ihren Alben Every Day und „Ma Fleur“ arbeitete die Band zudem mit der amerikanischen Soul-Sängerin Fontella Bass zusammen.

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The Cinematic Orchestra | „Ma Fleur“.
Erscheinungsdatum | 2007
Label | Ninja Tune
Musikgenre | Jazz, Downbeat, Popmusik, Electronica

Diskografie
1999 – Motion
2000 – Remixes 1998–2000
2002 – Every Day
2003 – Man With A Movie Camera
2007 – Ma Fleur (April)
2008 – Live at the Royal Albert Hall
2009 – Das Geheimnis der Flamingos (The Crimson Wing: Mystery of the Flamingos) – Soundtrack
2010 – Late Night Tales: The Cinematic Orchestra
2012 – In Motion #1

Musik | Ein Schnupperdenker sein | Mit Musik von Jori Hulkkonen & Hint

SCHNUPPERDENKER
Mit Musik von Jori Hulkkonen &  Hint

Das frisch gebackene Brot duftet aus der Küche bis in mein Büro hinein, die asiatische Tütennudelsuppe in der weißen Porzellanschale, die bis eben die zwanzig Zentimeter Raum auf meinem Schreibtisch zwischen Tischkante und Laptop ausfüllte, mag ich nicht mehr riechen. Trinke gierig einen großen Schluck Wasser, stelle den kleinen Rest Suppe aufs Fensterbrett, weit weg von meinem Tisch, noch ein Schluck Wasser, es reicht nicht, um den künstlichen Geschmack aus meinem Mund zu vertreiben, dieser Geschmack, der sich irgendwo im hinteren Bereich meines Gaumens festgebissen hat, dieser Geschmack stört mich beim Riechen, beim Riechen des frisch gebackenen Brotes. Hints „Count your blessings“ treibt mich an, diese eingängige, kleine Melodie auf dem Synthezizer treibt meine Gedanken an, schnell noch eine kleine Idee, gruselig muss sie sein, gruselig wie das fade Blau des Himmels, das mich an die Farbe von 1,5-Liter-Plastik-Wasserflaschen erinnert, dann ein paar Ideen für den Herbst sammeln.

Der Herbst. Beginnen, meine Freu-dich-auch-drauf-CDs zusammen zu stellen. Wenn, wollte, würde. Ich experimentiere ein bisschen mit Jam, Jori Hulkkonens „Science“ passt so wunderschön zu Hints „Count your blessing“, Besser aber dann Joris „Black Books“.  Komme mit dem PCProgramm nicht sehr gut klar, wünsche mir, mal wieder, immer wieder, zwei 1210er und jede Menge Vinyl. Stattdessen zupfe ich mir ein kleines Stückchen von der knusprigen Kruste des Brotes ab, liebäugle mit der vierten Tasse Kaffee mit Tobleronestückchen und bin glücklich. Glücklich, weil niemand sehen kann, was ich alles gleichzeitig, nacheinander, nebeneinander her tue, wie ich mich ablenke, um mich wieder konzentrieren zu können, wie ich mit den nackten Zehen Dehnungsübungen auf kleinstem Raum mache, auf dem Fußboden, mit hochgezogenen Beinen, unter dem Po auf dem Stuhl verschränkt, weil niemand sehen kann, wie ich den linken Ärmel meines T-Shirts lang ziehe, ein Stückchen Stoff zwischen Daumen und Finger nehme, eine Faust bilde damit und am Stoff schnuppere, schnuppere und denke.

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Musik | Cindy Lauper | „Girls Just Want To Have Fun“ | Songs, die mich geprägt haben

Ich hörte Cindy Lauper wahrscheinlich zum ersten Mal im Radio, während meiner Jugendzeit in der Pfalz.

Cover - Quelle: wikipedia
Cover – Quelle: wikipedia

Ich hörte nicht wirklich Pop-Musik in dieser Zeit, weil meine Eltern meistens auf Jazz und Klassik waren. Also war alles neu und spannend, was im Radio lief. Und „Girls Just Want To Have Fun“ gehörte eindeutig dazu.
Mehr als alles andere, machte mich dieses Lied wirklich glücklich. Ich erinnere mich, wenn ich mich mit meinen Freunden traf, lief dieser Song rauf und runter um dazu zu tanzen. Es war unser Lebensgefühl damals. Es war wie: Wir sind Mädchen, und wir wollen Spaß haben. Dieser Song war perfekt auf uns zugeschnitten.

Das Leben war ziemlich einfach damals. Ich ging zur Schule, hing mit meinem älteren Nachbarn herum, und spielte an den Wochenenden Tennis. Ich glaube, ich war zu jung, Cyndi Lauper als feministische Ikone oder so etwas zu schätzen zu wissen. Noch heute kenne ich nur ihre großen Hits. Ich weiß nicht einmal, was ich sagen würde, wenn ich sie träfe. „Gute Arbeit. Sie haben einige erstaunliche Dinge in Ihrem Leben vollbracht. “ – Mehr käme wahrscheinlich nicht über meine Lippen. Ich versuche wirklich Leute nicht zu vergöttern oder sie auf ein Podest zu stellen.

Dieses Ding mit der Mode und der Popularität sind mir eigentlich zu kompliziert. Sie sind beide nur seltsame Wettbewerbe unter Menschen. Und wenn es um meine eigene Arbeit geht, versuche ich, nicht über diese Art von Dingen zu viel nachzudenken. Ich versuche Songs für mich selbst zu schreiben – Musik, die ich selbst hören möchte. Und wenn man es schafft, diese Frage nach dem Erfolg aus seinem Hirn zu verbannen, ist das schon toll. Aber realistisch gesehen, ist es eine ziemlich harte Sache, manchmal härter als zu komponieren.
Musik kann manchmal komisch sein. Es gibt gute Sachen, die völlig unbemerkt bleiben und es gibt schlechte Sachen, die unverdient über den grünen Klee gelobt werden. Ich denke, in diesem Kontext wurde Cyndi Lauper nicht so cool,wie einige andere Bands empfunden. Man kann ein bisschen komisch über die 80er Jahre denken. Es gab damals eine Menge verrückter und belangloser Dinge, aber es gab tatsächlich einige verdammt gute Songs. Zudem, wenn das nicht gewesen wäre, die 90er Jahre wären völlig anders verlaufen. Es hätte diesen Drang nicht gegeben, etwas zu tun, das genau das Gegenteil war.
Hatte „Girls Just Want to Have Fun“ tatsächlich diesen Einfluss wie ich suggeriere? Ich denke nicht.

Vielleicht. Es ist ein perfekt produzierter Pop-Song, oder? Es ist so verdammt eingängig und nicht platt. Man kann den Text vergessen, aber niemals diesen Refrain. Ich bin immer ein Fan eines guten Refrains gewesen. Zum Beispiel liebte ich als Kind Nirvana. Und wenn man mal darüber nachdenkt, haben sie eigentlich nur trübseligen, wütenden Popkram gemacht. Ihre Songs sind sehr eingängig, aber klingen aber wie ein überpflügter Acker. Mit kaputter Krume.
Ich habe nie versucht zu lernen, wie man „Girls Just Want to Have Fun“ spielt, aber es wäre mal ein Spaß es zu versuchen. Es würde bei mir wahrscheinlich nicht so gut klingen. Es wäre arg schwer, die gleiche Haltung und Stimmung rüber zu bringen. Manchmal denken die Leute, je einfacher ein Lied ist, desto leichter sei es zu lernen, aber das ist in der Regel nicht der Fall. Wenn ich es täte, würde es vermutlich wie bei einer High-School-Cover-Band klingen.

Aber ich denke es ist immergut, eine Interpretationdes Stückesin der Hinterhand zu haben. Es ist gut, sich immer wieder daran zu erinnern, wie skurril ein Lied sein kann. So übertrieben und doch so gut. Es verströmt gute Stimmung – Party Stimmung. Und es versetzt dich in die richtige Stimmung zu tanzen.

Ich hasse Musik, die durch die Ritzen flieht | Nach Reinhard Mey

Ich hasse Musik, die durch die Ritzen flieht.
Musik, die mir den Spaß an der Musik verdirbt,
Zu leise, um sie richtig zu hören,
Aber grad‘ laut genug, um mich zu stören.

Ich liebe Musik, die atmet und bewegt,
Ich liebe Musik, wenn dabei der Rhythmus bebt,
Ich liebe die Stille, die mich aufhorchen lässt.

Ich liebe alle Geräusche, nur eines hass‘ ich wie die Pest:
Musik aus Ritzen & Löchern in der Wand
Musik, die dann an dir klebt.

Vladimir Posener – nach einem Motiv von Reinhard Mey

Hartmut Fladt • Der Musikversteher • Was für fühlen, wenn wir hören • aufbau Verlag

Hartmut Fladt • Der Musikversteher • Was für fühlen, wenn wir hören

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Klappentext
Was hören wir – und wenn ja, warum?
Warum lieben wir die eine und hassen die andere Musik? Wer erschuf den mächtigsten musikalischen Orgasmus der Geschichte? Wie können wir uns vor Ohrwürmern schützen? Hartmut Fladt entschlüsselt die Magie unserer Lieblingslieder, ohne sie kaputt zu analysieren, und erzählt Geschichten über ihre Schöpfer. Ob Vivaldi, Michael Jackson oder die No Angels: Wenn Hartmut Fladt die Ohren spitzt, lüften sich die Klangschleier, und wir finden endlich bewiesen, dass E nicht besser ist als U und die Beatles künstlerisch so wertvoll sind wie Mozart. Denn Musik ist eine uralte Sprache, die wir alle verstehen können. Hartmut Fladt reicht uns das Handwerkszeug dazu – unterhaltsam, lässig, witzig.

Von Helge Schneider bis Beethoven, von Bach bis Tokio Hotel – Hartmut Fladt lehrt uns die Sprache der Musik zu verstehen.
Was Richard David Precht für die Philosophie tut, leistet Hartmut Fladt für die Musik. [Diesen Satz hätte sich der Verlag wirklich sparen können!]

Rezension
Kann man Musik genießen lernen? Warum bringt uns Musik zum Weinen, und wie nistet sich ein Ohrwurm ein? Solchen Fragen geht der Musiktheoretiker Professor Hartmut Fladt nach.Was recht spannend ist: Der Autor zeigt auf, wie die Rockband Queen Johann Sebastian Bach gecovert hat.

Mein Fazit
Als Hobbymusiker macht es Spaß,  die Analysen des Autors Fladt nachzuvollziehen. Durch die vielen Beispiele aus der Musikwelt, wirkt das Buch nicht zu theoretisch, weitgehend gut lesbar,-  die musikalischen Grundlagen –  Von Johnny Cash „I walk the Line“ bis Deep Purple „Smoke on the water“  – Statt theoretisch-abstrakter Harmonielehre berieten die vielen Beispiele auch dem Laien Vergnügen. Dieses Buch füllt eine Lücke und hat mich in meinem Spiel weitergebracht.

Prof. de:Hartmut Fladt beim Radio Eins Parkfest (2013) - Foto: Frank Guschmann  - CC BY-SA 3.0
Prof. de:Hartmut Fladt beim Radio Eins Parkfest (2013) – Foto: Frank Guschmann – CC BY-SA 3.0

Der Autor
Hartmut Fladt, geboren 1945 in Detmold, studierte Komposition, Philosophie und Musikwissenschaft. Seit 1981 ist er Professor für Musiktheorie an der Universität der Künste in Berlin. In einer wöchentlichen Sendung auf Radio Eins erklärt er seinen Fans an aktuellen Beispielen aus den Charts das Phänomen Musik. Er lebt in Berlin.

trennlinie2Gebundene Ausgabe: 329 Seiten
Verlag: Aufbau Verlag; Auflage: 2 (20. August 2012)
ISBN-10: 3351027532
ISBN-13: 978-3351027537
Mehr über das Buch beim Verlag

Mariza • Mundo • Musical Fado

AlbumCover - Marzia Mundo - Warner
AlbumCover – Marzia – Mundo – Warner

Die portugiesische Fado-Sängerin Mariza [Marisa dos Reis Nunes] hat im Oktober 2015 nach 5-jähriger Schaffenspause ein neues Album veröffentlicht. In der Ankündigung zum Album „Mundo“ versprach die Sängerin „ein anderes Konzept“. Es ist wahr, das hat sie geliefert. „Mundo“ ist bemerkenswert, nicht wegen ihrer Auswahl der Lieder, sondern wegen der Qualität ihres Gesangs.
Ihr letztes Album aus dem Jahre 2010, Fado Tradicional, war überzeichnet und scheiterte weil es zu sehr Bezug auf ihre hoch emotionalen Live-Auftritten nahm. Mundo ist dagegen von „Musical Fado“ dominiert, in dem Mariza die Stücke traditionell interpretiert – und mit ihrem Gesang in ein Farbenmeer taucht. Vom gedankenvollen Rio de mágoa über die zarte Öffnung in Paixão, lernen wir eine entspannte, persönliche und intime Mariza kennen. Die Songs reichen vom robusten Fado Klassiker Anda O Sol Na Minha Rua (bekannt durch Amália Rodrigues) bis hin zum argentinischen Tango; ein beschwingter Song von den Kapverdischen Inseln und fadogefärbte portugiesische Balladen. Zudem hat Mariza einige Stücke in englischer Sprache gesungen.

All diese Lieder lässt die Sängerin durch ihre bemerkenswerte und verzaubernde Stimme erblühen.

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MUNDO
2015 – Warner

PLAYLIST
01. Rio de Mágoa 02. Melhor de Mim 03. Alma 04. Saudade Solta 05. Sem Ti 06. Maldição (Fado Cravo) 07. Padoce do Céu Azul 08. Caprichosa 09. Paixão 10. Anda o Sol na Minha Rua 11. Adeus 12. Missangas 13. Sombra 14. Meu Amor Pequenino

trennlinie2MUSIKER:
José Manuel Neto – Portuguese Guitar
Pedro Jóia – Acoustic Guitar
Charlie Mendes – Acoustic Bass guitar
Alfonso Pérez – Piano and Keys
Israel Suárez “Piraña” – Drums and Percussion
Professor Joel Pina – Acoustic Bass Guitar in “Maldição” and “Anda o Sol na Minha Rua”
Rui Veloso – Piano in “Meu Amor Pequenino”
Javier Limón – Flamenco Guitar in “Alma”
Carlos Leitão – Acoustic Guitar in “Maldição” and “Anda o Sol na Minha Rua”

Produced by Javier Limón

Haydn – Über seine Vorbilder und wen er verehrte

[avatar user=“KonradKollek“ size=“medium“ align=“left“ link=“http://derblaueritter.de/?s=konrad+kollek“]Konrad Kollek [/avatar]

Joseph Haydn, Schwerpunkt des diesjährigen SHMF, galt als Genie und Musikerneuerer. In loser Folge veröffentlichen wir Beiträge zu diesem musikalischen Vorbild.

Franz Joseph Haydn (Rufname: Joseph, * 31. März oder 1. April 1732 in Rohrau, Niederösterreich; † 31. Mai 1809 in Wien) war Komponist zur Zeit der Wiener Klassik. Er war Bruder des Komponisten Michael Haydn und des Tenors Johann Evangelist Haydn.

Den größeren Teil seiner beruflichen Laufbahn verbrachte Haydn als Hofmusiker auf dem Landsitz der wohlhabenden ungarischen Familie Esterházy, wo er deren Orchester und Oper leitete. Die Abgeschiedenheit von anderen Komponisten und musikalischen Strömungen beschrieb er mit dem bekannten Zitat: „Ich war von der Welt abgesondert, niemand in meiner Nähe konnte mich an mir selbst irremachen und quälen, und so musste ich original werden.“

1797 vertonte Haydn für den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Franz II. das hierzu bei Lorenz Leopold Haschka ebenfalls vom Hof bestellte Gedicht Gott! erhalte Franz, den Kaiser, Unsern guten Kaiser Franz!. Die Melodie war bis zum Ende der Habsburgermonarchie 1918 die der Österreichischen Kaiserhymnen und fand auch danach noch in der Ersten Republik Anwendung. Im Jahr 1841 wurde ihr das extra hierzu gedichtete Lied der Deutschen von Heinrich Hoffmann von Fallersleben unterlegt, das in dieser Form 1922 die Hymne des damaligen Deutschen Reiches wurde.

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Nicola Antonio Porpora - Maler unbekannt - 18. Jhrdt.
Nicola Antonio Porpora – Maler unbekannt – 18. Jhrdt.

Obgleich Haydn einmal scherzhaft äußerte, dass er von allen geliebt und geachtet werde, ausgenommen von Musikgelehrten , so waren doch gerade die größten Musiker stets bereit, der anderen Größe anzuerkennen. Haydn selbst scheint von Eifersucht gänzlich frei gewesen zu sein. Seine Bewunderung für den berühmten italienischen Komponisten und Gesangslehrer Nicola Antonio Porpora ging so weit, dass er sich entschloss, sich Zutritt zu seinem Hause zu verschaffen und sein Diener zu werden. Nachdem er die Bekanntschaft der Familie gemacht hatte, in der der „Virtuose der italienischen Arie“ lebte, betraute man ihn mit dieser Aufgabe. Jeden Morgen bürstete er jetzt den Rock des alten Herrn aus, putzte die Schuhe und brachte seine Perücke in Ordnung. Zuerst war Porpora über den Eindringling aufgebracht; aber sein Unwille besänftigte sich bald und ging in Zuneigung über. Er entdeckte das Genie seines Dieners und geleitete ihn durch entsprechenden Unterricht auf jene Bahn, auf welcher Haydn später solche Bedeutung erlangte.

Haydn selbst war ein begeisterter Bewunderer Händels. »Er ist unser aller Vater,« sagte er einst. Scarlatti folgte voll Bewunderung Händel durch ganz Italien und wenn sein Name genannt wurde, bekreuzigte er sich zum Zeichen der Verehrung. Mozart zollte dem großen Komponisten nicht weniger herzliche Bewunderung. »Wenn Händel will,« sagte er, »so fährt er drein wie der Donnerkeil.« Beethoven pries ihn als den »König im Reiche der Musik.«

Als Beethoven auf dem Sterbebett lag, sandte ihm einer seiner Freunde Händels Werke in vierzig Bänden als Geschenk. Sie wurden in sein Zimmer gebracht und sie mit wieder erstrahltem Glanz in den Augen in sich aufsog. Dann rief er aus, mit dem Finger auf sie zeigend: »Hier – hier ist die Wahrheit!«

Joseph Haydn - KompositionHaydn erkannte nicht nur das Genie derer an, die vor ihm lebten, sondern auch seiner jungen Zeitgenossen wie Mozart und Beethoven. Engstirnige Menschen mögen auf ihre Genossen neidisch sein, aber wahrhaft große Männer suchen und lieben einander. Über Mozart schrieb Haydn: »Ich wünschte nur, ich könnte jedem Freunde der Musik und besonders großen Männern dieselbe Tiefe musikalischer Sympathie und die Wertschätzung der unnachahmlichen Musik Mozarts mitteilen, die ich empfinde und genieße; dann würden Nationen miteinander ringen, um solch ein Juwel in ihren Grenzen zu besitzen. Prag sollte sich nicht nur bemühen, diesen köstlichen Mann festzuhalten, sondern ihn auch gebührend zu belohnen; denn ohne dies ist die Geschichte eines großen Genies wahrhaft traurig …. Es bringt mich auf, dass der unvergleichliche Mozart noch nicht von einem kaiserlichen oder königlichen Hof engagiert worden ist. Vergebt mir meinen Zorn; aber mir ist der Mann so teuer.«
Mozart erkannte ebenfalls die Verdienste Haydns hochherzig an. »Mein Herr,« sagte er zu einem Kritiker, als sie von jenem redeten, wenn Sie und ich verschmolzen würden, so würden wir noch nicht genug Material für einen Haydn liefern.« Und als Mozart zum ersten mal Beethoven hörte, bemerkte er: »Hören Sie diesem jungen Manne zu, und seien Sie versichert, dass er sich in der Welt einen großen Namen erringen wird.«

Daniel Barbiero • Die Anamnesis von Platon • musikalisch interpretiert

Wiedererinnerungtrennlinie2Daniel Barbiero  • Anamnesis

 Lizenz: Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 3.0 United States – Quelle: http://freemusicarchive.org/music/Daniel_Barbiero/Solo_Double_Bass/

„Wie nun die Seele unsterblich ist und oftmals geboren, und, was hier ist und in der Unterwelt, alles erblickt hat, so ist auch nichts, was sie nicht hätte in Erfahrung gebracht, so daß nicht zu verwundern ist, wenn sie auch von der Tugend und allem andern vermag sich dessen zu erinnern was sie ja früher gewußt hat. Denn da die ganze Natur unter sich verwandt ist, und die Seele alles inne gehabt hat: so hindert nichts, daß wer nur an ein einziges erinnert wird, was bei den Menschen lernen heißt, alles übrige selbst auffinde, wenn er nur tapfer ist und nicht ermüdet im Suchen. Denn das Suchen und Lernen ist demnach ganz und gar Erinnerung.“ (Platon, Menon 81c f.)

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Anamnesis (auch Anamnese, griechisch ἀνάμνησις anámnēsis „Erinnerung“) ist ein zentrales Konzept in Platons Erkenntnistheorie und Seelenlehre, dem zufolge alles Wissen in der unsterblichen Seele immer schon vorhanden ist, aber bei der Geburt vergessen wird. Der menschliche Intellekt erschafft kein neues Wissen, sondern erinnert sich nur an das vergessene. Somit beruht jede Erkenntnis auf Erinnerung. Das Wissen steht der Seele zwar immer potentiell zur Verfügung, sie hat aber für gewöhnlich keinen Zugriff darauf. Ein Zugang entsteht, wenn das vergessene Wissen durch äußere Anstöße wieder in das Bewusstsein zurückgerufen wird. Durch die Anstöße, die ein Lehrer gezielt gibt, erinnert sich die Seele des Lernenden an etwas, das ihr eigentlich bereits vertraut ist. Platon erörtert das Anamnesis-Konzept in den Dialogen Menon, Phaidon und Phaidros.

Den Ursprung des latenten Wissens verortete Platon gemäß seiner Ideenlehre im transzendenten Bereich der Ideen. Mit seinem Anamnesis-Konzept gab er den Anstoß zur philosophischen Auseinandersetzung mit dem Problem einer apriorischen – von der sinnlichen Erfahrung unabhängigen – Erkenntnis. – Quelle: wikipedia

HIer sehen Sie Bilder aus der Collage in angenehmer Größe:

Emanuel Moór • Serenade für Streich-Orchester • Op. 16

Emanuel Moór • Serenade für Streich-Orchester • Op. 16

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Pablo Casals, Jacques Thibaud und Emanuel Moór. Foto: Henrik und Emanuel Moor Stiftung

Emanuel Moór war meiner Meinung nach ein echtes Genie, einer der wirklich bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts. Dazu war er ein glänzender Pianist und bemerkenswerter Erfinder. – Pablo Casals.

Als Casals ihn in Lausanne kennen lernte, spürte er etwas Bedeutendes an diesem Mann. Die Intensität seines Wesens sprach bereits aus seinem Gesicht. Er lud Moór mit dem Wunsch zu sich ein, seine Partituren anschauen zu können. Kaum setzte sich der Komponist ans Klavier war dem Cellisten klar: Emanuel Moór war ein Künstler von außergewöhnlichem Format. Seine Musik überwältigte Casals.

Wir haben zum Kennenlernen die Serenade für Streich-Orchester ausgewählt. Viel Vergnügen beim Lauschen.

I. Moderato

II. Allegro con brio

III. Adagio religioso

IV. Allegro energico

Komponist: Emanuel Moór
Opus/Katalognummer: Op.16
Anzahl Sätze/Teile: 4
Jahr der Komposition: 1881
Interpreten: Steve’s Bedroom Band (Streicher) // Leitung: Steve Jones
Urheberrecht:Creative Commons Attribution 3.0
Anmerkung:Streichquartett plus „Bass“trennlinie2

Emánuel Moór - Selbstporträt
Emánuel Moór – Selbstporträt

Emánuel Moór [ˈɛmaːnuɛl ˈmoːr] (* 19. Februar 1863 in Kecskemét, Ungarn; † 20. Oktober 1931 in Chardonne, Schweiz) war ein ungarischer Komponist, Pianist und Erfinder.
Emanuel Moór wurde als Sohn des Opernsängers und Kantors Rafael Moór geboren, der ihm den ersten Unterricht gab. Er studierte Komposition in Budapest bei Robert Volkmann, in Wien bei Anton Door und Anton Bruckner. Mit 18 Jahren wurde er Lehrer für Klavier am Musikkonservatorium in Szeged. Er unternahm zwischen 1885 und 1897 Konzertreisen, die ihn bis in die USA führten, bei denen er auch mit der Sängerin Lilli Lehmann auftrat. 1888 heiratete er Anita Burke in England und wurde britischer Staatsbürger. George Henschel setzte sich für seine Orchestermusik ein. Von dort zog er 1901 in die Schweiz.

Seit einem Treffen mit dem Cellisten Pablo Casals 1905 förderte dieser entschieden seine Musik und deren Verbreitung bei seinen Kollegen. Das zweite Cellokonzert ist Pablo Casals gewidmet und das Cellodoppelkonzert, das von Casals und seiner damaligen Lebensgefährtin Guilhermina Suggia europaweit aufgeführt wurde. Für das Trio Casals, Alfred Cortot und Jacques Thibaud schrieb Moór ein Tripelkonzert. Casals, André Hekking, Joseph Salmon und Diran Alexanian bestritten die Uraufführung des Celloquartetts op. 95[1].

Nach dem Krieg widmete er sich dem Musikinstrumentenbau und erfand ein Doppelklavier, das Duplex-Coupler Grand Pianoforte, bei dem zwei übereinander liegende Manuale gekoppelt werden konnten, das unter anderem von Pleyel, Bechstein (1929) und Bösendorfer gebaut wurde. Nach dem Tod der ersten Frau Anita 1922 heiratete er 1923 die Pianistin Winifred Christie[2], die die eifrigste Verfechterin des Doppelmanualflügels wurde.

Neben fünf Opern und acht Sinfonien komponierte er vier Klavier-, vier Violin- und zwei Cellokonzerte, ein Bratschen- und ein Harfenkonzert, ein Tripelkonzert für Violine, Cello und Klavier, kammermusikalische Werke, ein Requiem und Lieder. – Quelle: wikipedia

Quelle der Aufnahmen: imslp.org/wiki/Serenade_for_String_Orchestra,_Op.16_(Mo%C3%B3r,_Emanuel)

Taylor Swift “1989” – 13 Songs und eine verborgene Liebesgeschichte

Taylor Swift “1989”

Anstatt einer Ansammlung von verschiedenen Titeln mit unterschiedlicher Bedeutung hat die Sängerin zu ihrem Album „1989“ angemerkt, dass es sich dabei um handelt. Der rote Faden durch das Album ist eine Liebesgeschichte. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und diese freigelegt. Die Textauszüge habe ich im Original gelassen, da sie gut verständlich sind.

Hier nun die ganze, zarte Geschichte:

“Welcome to New York“

Once upon a time, there was a girl who moved to New York…

“Blank Space”

…and this girl was known by everyone and no one at the same time.

“Style”

…Sadly, she fell in love with someone who simply couldn’t stay.

“Out of the Woods”

The loved each other like crazy and without abandon.

“All You Had To Do Was Stay”

However, things didn’t work out and they paid the price.

“Shake It Off”

So, she danced the night away to forget about him.

“I Wish You Would”

…He drove past her street every night – he wasn’t over her.

“Bad Blood”

…Along the way, she made friends and she made some enemies.

“Wildest Dreams”

…Meanwhile, he dreamed about her every single night.

“How To Get The Girl”

…Then, one day, he came back and tried to get her back.

“This Love”

…Timing really is a funny thing.

“I Know Places”

…Everyone was watching them to see what would happen.

“Clean”

In the end, she lost him again, but fortunately, she found herself in the process.  Somehow that was all she needed.

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Was das Album selbst betrifft: hier vollzieht Swift den Wechsel vom Country zur Pop-Musik. Alles recht simpel gestrickt, also eingängig und somit gut verkäuflich. Die Musik ist angenehm und nervt nicht, eignet sich also gut als Hintergrundrauschen. Was die Liebesgeschichte angeht: Eher ein Marketinggag als herzerwärmend. Jedenfalls soweit gelungen, dass sich ein Fremdhörer aufmacht um die Geschichte auszugraben. Den  Rest übernimmt dann im Idealfall das Kopfkino.

Mili Alexejewitsch Balakirew – Mazurka No.1 – Klassik zum Hören

Mili Alexejewitsch Balakirew – Mazurka No.1

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Mili Alexejewitsch Balakirew – um 1900

Komponist: Mili Alexejewitsch Balakirew
Interpretation: Matthew Hughes – Gespielt auf zwei Klarinetten
Aufnahme vom 04.02.2015
Jahr der Erstveröffentlichung: 1864
Stil des Stückes: Romantik
Instrumentierung: Klavier
Urheberrecht: Creative Commons Attribution 4.0
Anmerkungen: arrangement by Matthew Hughes and dedicated to Louis Kaufman
Quelle: http://imslp.org/wiki/Mazurka_No.1_%28Balakirev,_Mily%29

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Mili Alexejewitsch Balakirew (russisch Ми́лий Алексе́евич Бала́кирев – * 21. Dezember 1836jul in Nischni Nowgorod; † 16. Maijul in Sankt Petersburg) war ein russischer Komponist, Pianist und Dirigent.
Balakirew hat eine große Bedeutung als Begründer einer ganzen Epoche. Der Komponist Balakirew ist heute kaum mehr in den Konzertsälen vertreten, obwohl seine Werke große Originalität und auch eine gute Technik aufweisen. Der Grund für diese Vernachlässigung ist historisch zu sehen: Balakirew wandte sich in den 1860er Jahren überwiegend der Förderung seiner Mitstreiter zu, komponierte aber selbst nur wenig und ließ seine Kompositionen meistens unvollendet liegen. In den folgenden Jahren geriet er in die o.g. Krise, und erst seit den 1880er Jahren komponierte er wieder. Nun befasste er sich wieder mit seinen unvollständigen Werken, doch sein Stil veränderte sich nicht. Von daher waren seine Werke, die nun erst vollendet und aufgeführt wurden, nicht mehr auf der Höhe ihrer Zeit. Hätte Balakirew sie bereits in den 1860er Jahren aufgeführt, wären sie als revolutionäre Pioniertaten in die Geschichte eingegangen. So aber blieb ihm nur das Los des zu spät Gekommenen. Leider sind daher die meisten seiner eigentlich bemerkenswerten Kompositionen bis heute kaum beachtet geblieben. – Quelle: wikipedia

Cats Gedankenwelt: Alltägliche Störgeräusche

Wenn Geräusche uns den letzten Nerv rauben ...
Wenn Geräusche uns den letzten Nerv rauben …

Unsere Ohren sind 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche im Dauereinsatz. Während wir zum Schlafen unsere Augen schließen können, können wir die Ohren (leider) nicht einfach stumm schalten oder zuklappen. Dabei bekommt unser Hörorgan einiges mit – von Geräuschen, die angenehme Gefühle auslösen, bis hin zu absoluten Nervenkillern. Ein Alphabet der nervigsten Geräusche, gesammelt in meinem Facebook-Netzwerk.

Atem im Nacken – Ob im überfüllten Bus oder auf einer Großveranstaltung, ein bisschen Respektabstand muss sein. Zumindest so viel, dass man nicht jeden Atemzug seines Hintermanns hört.

Baulärm – Klar, Bauarbeiten müssen sein. Trotzdem gehört Baulärm, vor allem auf lange Dauer gesehen, zu den nervigsten Geräuschen. Vor allem, wenn man schlafen oder konzentriert arbeiten will.

Chipstüten und Co – Da gibt es dieses leicht knirschende Geräusch, das entsteht, wenn eine Chipstüte oder andere Aluverpackung mit zu viel Schwung aufgerissen und allzu energisch darin herumgewühlt wird. Kurzfristig erträglich, auf die Dauer Kopfschmerzalarm.

Durchdringendes Piepen – So wie bei meiner Waschmaschine, die solange piept, bis ich aufstehe und sie ausstelle. Oder bei McDonalds, wenn die Pommes und Burger fertig sind.

"Ich will ja nicht meckern, aber ... Geht das auch etwas leiser?"
„Ich will ja nicht meckern, aber … Geht das auch etwas leiser?“

Endlostelefonate in Hörweite – Das passiert mir vor allem auf meinen allwöchentlichen Bahnreisen. Danke, mich interessiert nicht, warum euer Prof euch nur eine 2,3 statt einer 1,7 gegeben hat und was genau die blonde, überschminkte Tussi auf der leizten Party verbockt hat. Übrigens, der Windelinhalt eurer Babys und euer Milchfluss sind mir auch herzlich egal. Also seid doch so gut und erspart wildfremden Mitreisenden die Details.

Fingernägel auf Tafel oder metallischen Flächen – Da muss nicht mehr zu gesagt werden, oder?

Gabeln, die über Teller kratzen – Essgeräusche sind eine Sache für sich und über vieles lässt sich streiten. Gabeln und Messer, die aggressiv über Teller kratzen, sind allerdings echte Strapazen für die Ohren anderer „Mitesser“,

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Gemeinsam essen ist etwas Tolles – solange der Geräuschpegel erträglich bleibt!

Handydisco – Ebenso ein typisches Zugphänomen: zumeist jüngere Mitfahrer, die irgendwelche aggressiven Rapperreime oder Technobeats in voller Dröhnung über das Handy laufen lassen, um die Kumpels mit zu unterhalten. Während Musikgeschmack, oder was jeder so nennen möchte, sicher etwas Individuelles ist, sind wir uns aber einig, dass Handysound ab einer bestimmten Lautstärke eher grottig und blechern klingt, oder?

Irreführende Navi-Anweisungen – Auch wenn die monotone Navigationsstimme im Normalfall eher beruhigend wirkt – gibt sie die falschen Informationen, verwirrt sie und fällt damit auch unter Ablenkungsmanöver.

Jingles – Manche Werbespots bleiben nur im Kopf, weil sie einfach so unendlich nervig sind. Meine aktuellen Spitzenreiter sind „Saitenbacher Müsli, Müsli von Saaaaitenbacher“ und „Hornbach- es gibt immer was zu tun! Ho, ho, ho, ho, ho!“. Ach ja, dicht gefolgt von „Media Markt – Hauptsache, ihr habt Spaß!“ Jingles entfalten ihr besonderers Nervpotenzial übrigens am effektivsten in Fernsehwerbepausen oder im Radio.

Brüllende Trotzkinder, Handy-Disco und betrunkene Mitfahrer: Vor allem Bahnfahrer brauchen starke Nerven
Brüllende Trotzkinder, Handy-Disco und betrunkene Mitfahrer: Vor allem Bahnfahrer brauchen starke Nerven

Knackende Gelenke und knirschende Zähne – Zugegeben, manchmal knirschen Zähne halt unbewusst oder es knackt mal im Knie. Fingerknacken als Freizeitbeschäftigung oder in Dauerschleife kann allerdings die Ohren jedes Gegenübers auch ganz gut strapazieren.

Lallen und Gröhlen – Man kennt es von jeder feuchtfröhlichen Party: Irgendwann sind die ersten Gäste so betrunken, dass sie kein gerades Wort mehr über die Lippen bekommen oder schief jeden bekloppten Liedtext mitbringen. Für sie selbst „voll normal“ – für jeden, der noch halbwegs ber Verstand ist, auf die Dauer aber ein Zeichen, dass diese Personen dringend eine kalte Dusche oder ein Bett gebrauchen könnten.

Mama, ich WILL aber!“ – Kinder schreien, weinen und kreischen manchmal, das ist normal. Strapaziös wird es für alle Beteiligten, inklusive der betroffenen Eltern jedoch, wenn kurzes Quengeln oder Geschrei in einen wahren Trotzanfall erster Güte ausartet. Nervig, aber kommt vor – wobei ich oft nicht weiß, ob es den Eltern selbst nicht noch viel mehr am Geduldsfaden reißt.

Nachtropfende Wasserhähne – Plopp, plopp, plopp … Wenn die Dusche oder der Wasserhahn in der Küche nur ein bisschen undicht sind und auch nach Zudrehen immer weitertropfen, kann das unter Umständen ganz schön auf die Ohren gehen.

Ohrwürmer – Manche Melodien und Rhythmen sind so eingängig, dass sie einfach im Gehörgang hängenbleiben

"Aber scheiß drauf, Malle ist nur enmal im Jaaaahr ...." Ohrwürmer sind eine echte Epidimie
„Aber scheiß drauf, Malle ist nur enmal im Jaaaahr ….“ Ohrwürmer sind eine echte Epidemie

und dort in Endlosschleife weiterlaufen. Und irgendwann wollen sie auch raus – gesummt, gepfiffen oder gesungen. Was sie so hinterhältig macht, ist ihre … „Einfachheit“ bis unendliche Flachheit. Und natürlich die Tatsache, dass man sich seines Ohrwurms manchmal nicht mehr bewusst ist und er anderen drumherum dafür tierisch auf die Nerven geht.

Ping“ und „Plopp“ – Oder auch: Messengertöne von WhatsApp, Skype, Facebook und Konsorten. Einzeln auftretend sind sie nicht weiter nervig, aber im „Rudel“ und auf Dauerfrequenz in öffentlichen Verkehrsmitteln eine echte Ohrenplage. Die „revolutionäre“ Erfindung des Kopfhörers scheint vielen scheinbar noch gänzlich unbekannt zu sein.

Quietschende Fahrräder und Autos – Wenn Metall auf Metall schabt und ein schrilles Quietschen hinterlässt, ist da eindeutig was nicht in Ordnung. Einmal bitte Bremsen checken, Ketten einfetten und den Keilriemen beim Auto kontrollieren!

Rauschen – Ob unklares Bild und undeutlicher Ton, oder die Störung im Lieblingsradiosender, Rauschen nervt. Schließlich sind klare Tatsachen immer besser als undeutliche Zwischentöne.

Das Rauschen eines Baches wirkt beruhigend - nachtropfende Wasserhähne nerven einfach nur
Das Rauschen eines Baches wirkt beruhigend – nachtropfende Wasserhähne nerven einfach nur

Summen von Mücken – Bssssssss … Bsssssss… Manchmal hat man einfach eines dieser kleinen, summenden Stechbiester im Schlafzimmer, die sich einfach nicht fangen lassen. Mal abgesehen von den juckenden Stellen, die sie hinterlassen.

Türenknallen – Warum zum Geier gibt es eigentlich Menschen, die nie gelernt haben, was der Zweck einer Türklinke ist? Manchen Nachbarn und anderen Zeitgenossen möchte man da ja gerne einen (Lärm-)Dämpfer verpassen – oder eine Sprungfeder in der Tür, nur für den pädagogischen Effekt natürlich.

Na - auch wieder vom nervigen Wecker geweckt worden?
Na – auch wieder vom nervigen Wecker geweckt worden?

Uhrenticken und Weckerklingeln – So manche Wanduhr kann einen mit lautem, monotonem Ticken schon ziemlich auf den Zeiger gehen. Gleiches gilt übrigens für Uhren „mit erweiterter Funktion“, unsere Wecker, die uns mit lautem Klingeln, Piepen oder Radiomusik aus dem Schlaf reißen. Dennoch, kein Grund, undankbar zu sein. So ein Wecker macht schließlich auch nur seinen Job.

Verkehrslärm – Es gibt einfach Menschen, denen man die Hupen aus dem Auto ausbauen sollte. Einfach wegen des inflationären Gebrauchs in eigentlich ungefährlichen Situationen. Warum manche Autofahrer grundsätzlich mit quietschenden Reifen anfahren müssen, habe ich übrigens bis heute nicht verstanden. Ist das so eine Art Imponiergehabe?

Weihnachtsmusik außerhalb der Adventszeit – Reicht es nicht, dass im September schon die Lebkuchen im Regal stehen und „Last Christmas“ spätestens zum ersten Advent in Dauerschleife durchs Radio dudelt? Selbst dann kann die Dauerschleife übrigens zur Ohrenfolter werden …

Merry Christmas? Ja bitte - aber nur zur Weihnachtszeit!
Merry Christmas? Ja bitte – aber nur zur Weihnachtszeit!

Xylophon & Co – „Übung macht den Meister“ gilt auch beim Erlernen eines Instruments. Dennoch – wenn der in einer Rockband spielende Nachbar stundenlang nonstop „auf die Pauke haut“ oder das Nachbarskind schon seit einer gefühlten Ewigkeit die immergleiche Passage auf der Posaune „spielt“, kann es einem schon mal in den Ohren klingeln.

Zahnarztgeräte – Niemand geht gerne zum Zahnarzt, um genau zu sein, ist der Zahnarzt für viele die Person, vor der sie im Leben am meisten Angst haben. Kein Wunder also, dass Geräusch von Bohrer, Schleifgerät und Luftsonden ebenso vielen kalte Schauer über den ganzen Körper jagt!

Ihr habt auch ein persönliches „Horrorgeräusch?“ Lasst es mich wissen – hier im Blog oder über Facebook oder Twitter!

Joachim Andersen ℵ Ballade et Danse des Sylphes, Op.5 ℵ Audio

Carl Joachim Andersen (* 29. April 1847 in Kopenhagen; † 7. Mai 1909 in Bagsværd bei Kopenhagen) war ein dänischer Flötist, Dirigent und Komponist.

Erstveröffentlichung: 1884
Interpreten: Paolo Dalmoro (Flöte) – Valentina Lombardo (piano)
Urheberrecht: Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0
Anmerkungen:Gespielt auf historischen Instrumenten – Flöte nach-Meyer 8-keyed (1880), Bluthner Grand Piano (1866)
Quelle: http://imslp.org/wiki/Ballade_et_Danse_des_Sylphes,_Op.5_%28Andersen,_Joachim%29

Roy Agnew Φ Painoforte Solo Φ interpretiert von Andrew Helberg

„In Meditation“ und „Looking Back“ von Roy E. Agnew

Roy Ewing „Robert“ Agnew (*23 August 1891 – † 12 November 1944) was ein australischer Komponist and Pianist. Er galt als der bedeutendste australische Komponist des frühen 20. Jahrhunderts.


Andrew Helberg (Klavier) – The Southern Euphrosyne Musicological Society
Urheberrecht: Creative Commons Attribution 3.0
Anmerkungen:Aufgenommen in der Southern Euphrosyne Musicological Society (Workshop-Aufnahme)
Quelle: http://imslp.org/wiki/2_Piano_Solos_%28Agnew,_Roy%29

 

Nicolaus Bruhns ∴ De Profundis ∴ Audio ∴ Klassik

Nicolaus (Nikolaus) Bruhns (oder auch Bruhn/Bruns) * Dezember 1665 in Schwabstedt; † 29. Märzjul./ 8. April 1697greg. in Husum.
Bruhns war ein Komponist der norddeutschen Orgelschule sowie Orgel- und Geigenvirtuose. Sein überliefertes Werk umfasst vier vollständige Orgelwerke sowie zwölf geistliche Kantaten und enthält einige außergewöhnlich originelle Stücke. – Quelle: wikipedia

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Interpreten: Rebel Baroque Orchestra
Aufnahme: Boston – Isabella Stewart Gardner Museum – 2010
Lizenz: Creative Commons Attribution Non-commercial No Derivatives 3.0
Quelle der Aufnahme: http://imslp.org/wiki/De_Profundis_%28Bruhns,_Nicolaus%29

Frank Bridge – Lament H.117 ‰ Jean Dubé (Klavier – Liveaufnahme)

Frank Bridge (* 26. Februar 1879 in Brighton; † 10. Januar 1941 in Eastbourne) war ein englischer Komponist, Bratschist und Dirigent und gilt heute trotz eines nicht ausgesprochen umfangreichen Werks als einer der bedeutendsten Komponisten Großbritanniens.

Bridge schrieb hauptsächlich Kammermusik und einige groß angelegte Orchesterwerke, anfangs in konventionellem Stil, im Laufe der Zeit weisen seine Werke jedoch immer modernere Strukturen auf. Während sein Frühwerk The Sea (Tongedicht) die prachtvolle Darstellung des Meeres in allen möglichen Stimmungen und Facetten von tragisch bis idyllisch bietet, wartet sein Spätwerk Enter Spring (Tongedicht) mit deutlichen Anklängen an Arnold Schönbergs Zwölftonmusik auf.trennlinie640

Interpret: Jean Dubé (Klavier) – Website des Pianisten.
Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0
Live-Aufnahme – Januar 2014

Hugo Distler – Kleine Orgelchoral-Bearbeitungen, Op.8 No.3 – 1938

Hugo-Distler-1941Hugo Distler (* 24. Juni 1908 in Nürnberg; † 1. November 1942 in Berlin) war ein deutscher Komponist und evangelischer Kirchenmusiker. Er gilt als der bedeutendste Vertreter der Erneuerungsbewegung der evangelischen Kirchenmusik nach 1920.

Der deutsche Komponist gilt als einer der bedeutendsten Repräsentanten evangelischer Chor- und Orgelmusik im 20. Jahrhundert, die er aus ihrer barocken Fixierung löste. HIer können Sie vier Stück aus den kleinen Orgelchoral-Bearbeitungen, Op.8 No.3 lauschen:

  1. Wie schön leuchtet der Morgenstern.

2. Vorspiel „Das alte Jahr vergangen ist“ (Neujahr)

3. Drei Vorspiele „Christe, du Lamm Gottes“ (Passion)

4. Vorspiel „Mit Freuden zart“ (Ostern)

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Mykola Leontovych – Carol of the Bells – Komponist aus der Ukraine

Klassik, die es zu entdecken lohnt….

Mykola_leontovychMykola Dmytrowytsch Leontowytsch (* 1. Dezemberjul./ 13. Dezember 1877greg.; † 23. Januar 1921) war ein ukrainischer Komponist, Chorleiter und Lehrer. Seine internationale Bekanntheit geht heute vor allem auf sein Werk Schtschedryk zurück, das 1936 von Peter J. Wilhousky auf Englisch unter dem Titel Carol of the Bells adaptiert wurde. In dieser Version zählt es heute, vor allem im angloamerikanischen Raum, zu den bekanntesten Weihnachtsliedern.

Nach einem theologischen Studium arbeitete Mykola Leontowytsch zunächst als Lehrer in den Gouvernements Kiew, Jekaterinoslaw (heute Dnipropetrowsk) und Podolien. Bald entschloss er sich aber zu einem Musikstudium, für das er Kurse in Sankt Petersburg und Kiew besuchte. Dort erwarb er sich schnell den Ruf eines versierten Chorleiters. Ab 1918 lehrte er am Konservatorium von Kiew und am Lysenko Institut für Musik und Schauspiel.Weiterlesen

Tor Aulin – Akvareller – Vier Stücke für Violine & Klavier – Audio

Tor Aulin 1914
Tor Aulin 1914

Tor Aulin (* 10. September 1866 in Stockholm; † 1. März 1914 in Saltsjöbaden) war ein schwedischer Komponist.

Aulin studierte von 1877 bis 1883 am Stockholmer Konservatorium und von 1884 bis 1886 in Berlin bei Émile Sauret und Philipp Scharwenka. Von 1889 bis 1902 war er Konzertmeister an der Königlichen Oper in Stockholm, danach Dirigent des Stockholmer Konzertvereins und ab 1909 der Göteborger Symphoniker. Großes Ansehen genoss das von ihm 1887 begründete Streichquartett Aulin.
Aulin komponierte neben zahlreichen kleinen Werken für die Violine eine Violinsonate, drei Violinkonzerte und eine Orchester-Suite.

Wir stellen Ihnen hier folgende 4 Stücke aus Akvareller vor. Erstveröffentlichung: 1899

Idyll:

Humoresk:

Vaggsång (Berceuse):

Polska:

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Mládí ♠ Jugend – Leoš Janáček Nur eine Randfigur der „Neuen Musik“? – AUDIO

Klassik, die es zu entdecken gilt: Mládí / Jugend von Leoš Janáček

Leoš Janáček mit seiner Frau Zdeňka 1881
Leoš Janáček mit seiner Frau Zdeňka 1881

Leoš Janáček * 3. Juli 1854 in Hukvaldy; † 12. August 1928 in Mährisch Ostrau) war ein tschechischer Komponist, Musikpädagoge, Musikforscher und -schriftsteller.

Janáček ist nach Bedřich Smetana und Antonín Dvořák der dritte große tschechische Meister und einer der Wegbereiter der „Neuen Musik“.

Leos Janácek: Viele halten ihn für eine Randfigur der Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts. Auf die Frage nach der Wirkung der Musik Leoš Janáčeks in den 1950er und ’60er Jahren bekennt der Dirigent Gerd Albrecht, man sei damals zu sehr mit dem traditionellen Repertoire und der Neuen Musik beschäftigt gewesen: „Der erste, der rehabilitiert wurde, war Gustav Mahler. (…) Dann arbeitete man die ‚Zweite Wiener Schule‘ wieder auf:  Schönberg, Berg, Webern. (…) Als man damit fertig war, haben die meisten Schluss gemacht.“

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Kleine Sterne: Mary Lambert * 26 * Sängerin aus den USA

dbr-mary-lambert-heart-on-sleeve-320x320Die frühere Brunchkellnerin und Barfrau aus Seattle, hat ihr erstes Buch „500 Tipps  für fette Mädels“ auf ihrer Website (2013) veröffentlicht.  Im Juli desselben Jahres hat sie die Single
“She keeps me warm” veröffentlicht. Das Stück ist inspiriert durch das Hiphopduo Macklemore und Ryan Lewis‘ und ihrer Hymne auf die gleich-geschlechtige Ehe “Same Love” aus dem Jahre 2012.  Mary Lambert, 26, selbst eine Lesbierin, die regelmäßig eine Pfingstkirche besucht, verarbeitet in ihren Liedern ihre eigenen inneren Konflikte „Sexualität vs. Religion“.
„Meine Lieder sind eine Art Beichtstuhl – meine Wahrheit zu verkünden, ist die einzige Art, die es mir erlaubt zu leben,“ sagt sie auf ihrer Website dazu…

Das Stück findet sich auf dem feinen Album aus 2014:“Hands on my sleeve“
….und für die Mannsbilder: Kopfkino erlaubt..aber behaltet es für Euch.

Das Video zum Song auf youtube.

Die Website der Sängerin.

Konrad Kollek – Meine Musikwelten – eine neue Kolumne

Konrad KollekRIch möchte mich Ihnen kurz vorstellen: Geboren in München zu Beginn der  1960er Jahre – studierter Historiker & Politikwissenschaftler –  engagierter Hobbymusiker (Klavier) – jüdisch und seit 1998 aus beruflichen Gründen in Melbourne/Australien lebend. In meiner Kolumne erzähle ich von meiner Leidenschaft, der Musik. Ein Part wird sein, dass ich Ihnen mein monatliches Hörprogramm vorstelle. Musikalben, die ich in dem vergangenen Monat gehört habe; egal ob aus meiner Sammlung oder frisch eingekauft. Der Schwerpunkte liegen dabei auf Klassik, Jazz & Weltmusik.

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Jansons - Oslo Philharmiker - Manfred-SinfonieAls Student habe ich mit Tschaikowskis Manfred-Sinfonie intensiv beschäftigt. Warum? Weil meine damalige Freundin ihre Diplomarbeit darüber schrieb und ich ihr bei den Recherchen zur Hand ging. Es hat mich von Anfang an beeindruckt, wie viel von Tschaikowskys wahrem Charakter in die Figur des Byron einfließt – große Passagen seiner eigenen Lebensgeschichte finden sich hier wieder. Ich habe mir jede Aufnahme die bisher erschienen ist angehört und finde es interessant zu sehen, wie die verschiedene Dirigenten das Stück zu interpretieren. Verliebt habe ich mich dabei in die Aufnahme der Oslo Philharmoniker unter Mariss Jansons. Seither lausche ich sowohl Jansons selbst mit besonderem Interesse als auch diesem Album. Ich besitze eine Aufnahme aus dem Jahr 1992. Wer das Werk nicht kennt:

Die Manfred-Sinfonie (opus 58) ist eine Sinfonie in vier Bildern von Pjotr Iljitsch Tschaikowski nach der dramatischen Dichtung Manfred von Lord Byron aus dem Jahre 1816. Die Uraufführung fand am 11. März 1886 unter Max Erdmannsdörfer in Moskau statt. Die vier Bilder sind die vier Sätze der Sinfonie.

Die Manfred-Sinfonie wurde nicht in die durchnummerierte Reihe von Tschaikowskis Sinfonien aufgenommen, vermutlich wegen seiner schwankenden Haltung dem Werk gegenüber. Erst bezeichnete er sie als „unter unaussprechlicher Mühe und Anstregung entstandene“ Partitur und als seine „beste Sinfonie“. Nach der wenig glücklichen Uraufführung verschmähte er sie aber als abstoßendes Werk
Tschaikowski wurde die Vertonung des Manfred 1882 von Mili Balakirew angetragen. Zuvor hatte Hector Berlioz (1803–1869) das Thema aus Gesundheits- und Altersgründen abgelehnt. Balakirew hatte sehr genaue Vorstellungen zum Inhalt und selbst zu den Tonarten. Auch Tschaikowski lehnte zunächst ab, da er nicht glaubte, der von ihm geliebten Manfred-Komposition Robert Schumanns etwas Neues hinzufügen zu können.
Die Dichtung von Lord Byron können Sie übrigens auch hier im Magazin lesen:

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Georg Philipp Telemann – Ein vergessener Meister – AUDIO – Suite in A Moll für Flöte und Streicher

William Kincaid


Suite in A Moll für Flöte und Streicher – eine Audioaufnahme mit dem  Philadelphia Orchestra – Eugene Ormandy, Dirigent und William Kincaid, Flöte aus dem Jahr 1941:

Overtüre

Les Plaisirs

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Sufjan Stevens – „Carrie & Lowell“ – Wenn die Brücken zur Vergangenheit ins Nichts führen

AlbumCover
AlbumCover

Eigentlich hatte Sufjan Stevens vor, Alben zu jedem der 50 US-Staaten aufzunehmen. Bekannt ist er durch zwei von diesen geworden: die schmerzend-schönen Konzept-Folkalben „Greetings From Michigan: The Great Lake State“ (2003) und „Illinoise“ (2005) – dabei ist es bisher leider geblieben. Auf die anderen 48 wartet auch niemand mehr ernsthaft.

Dafür hat Sufjan Stevens zehn (!) Alben mit weihnachtlicher Musik aufgenommen, wunderbaren Elektropop gemacht und die HipHop-Band Sisyphus gegründet. Sein aktuelles Album „Carrie & Lowell“ ist seiner verstorbenen Mutter gewidmet & in seiner Musik schließt sich ein Kreis – eine Reise nach Hause.

„Carrie & Lowell“ ist eine Interpretation seiner Kindheitserinnerungen und der Emotionen, die ihn durch den Tod seiner Mutter überwältigt haben; diese Intensität kannte er bisher kaum. Und obwohl Stevens‘ Darbietung des realen Lebens eine große Kunst ist – manchmal scheint es sehr bzw. zu intim für den Hörer zu werden. Der Rezensent hat diese Stellen dazu genutzt, Parallelen zu seinem eigenen Leben zu suchen –zur Selbstreflexion.Weiterlesen

Ein Wochenende in Berlin – Walther Ruttmann – Ein rein akkustischer Film von 1930

Walther-Ruttmann-Sinfonie einer Großstadt-Berlin
Walther-Ruttmann-Sinfonie einer Großstadt-Berlin

Ruttmanns kurze Audiomontage, aufgezeichnet 1930,  bleibt eine der bedeutendsten KlangExperimente die je gemacht wurden. Ein „Film ohne Film“. Wochenende wurde ursprünglich entwickelt, um das Potenzial des Klangs in der Filmtechnologie zu erkunden. Inhalt: Die Geschichte von einem Wochenende in Berlin: eine Symphonie aus Klang, Sprachfragmenten und Stille, durch Schneiden und Mischen perfektioniert. Eine rein akkustischer Film …

Walther Ruttmann – Klanmontage „Wochenende“ – 1930 – Dauer: 11 min.

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Anouar Brahem – The Astounding Eyes Of Rita (ECM 2075)

eyes of rita
Cover – ECM

Ein perfektes Zusammenspiel der Musiker zeichnet dieses Album in erster Linie aus; häufig eingeleitet durch die virtuos gespielte Bassklarinette von Klaus Gesing, in die Anouar Brahem sein  räumlich sehr präsentes Oud-Spiel einfließen lässt, ergänzend und nie aufdringlich.  Björn Meyers dezentes Bassspiel führt die Riege an; ergänzt durch den noch  Libanesen Khaled Yassine der mit Darbouka bzw. Bendir eine dezente musikalische Spur des Okzident einfließen lässt. Die von Anouar komponierte Musik ist dem 2008 verstorbenem palästinensischem Philosophen Mahmoud Darwisch gewidmet, auf dessen Gedicht „Rita and the Rifle“ sich Brahem mit dem Titel der CD bezieht.  (Das Gedicht finden Sie am Ende des Artikels)
Mein Fazit: Arabische Musik verbinde ich in der Regel mit hellen, für meine Ohren teils schrille Klänge. Das Anouar Brahem auf seinem Album der Bassklarinette viel Raum gibt, war der erste „ear catcher“. Die Klänge haben einen Sog, derbereits mit dem ersten Stück „The Lover Of Beirut“ Kopfkino auslöst:. Ein Bummel durch das „Paris des Nahen Ostens“ und stets in Begleitung von „Rita“ – der schönen Frau auf dem Cover.
Das funktioniert mitallen Stücken, insbesondere mit dem titelgebenden 4ten Stück: The Astounding Eyes Of Rita – unterstützt vom angedeuteten Gesang entspinnt sich ein Spaziergang an der Hafenpromenade….Wer sich entspannen und die Gedanken treiben lassen möchte ist hier gut aufgehoben. Das Album hat keinerlei Aufreger und dennoch stimmungsvoll….mit Betonung auf den leisen Tönen.

Klaus Gesing - Anouar Brahem / Photo: Przemek Wozny
Klaus Gesing – Anouar Brahem / Photo: Przemek Wozny

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The Free Design – Cosmic Peekaboo – Marina Records

The Free Design - c thefreedesign
The Free Design – c thefreedesign

Immernoch gelten „The Free Design“  etwas für eingefleischte Insider. Ist das gerechtfertigt?  Ich denke nicht. In ihrer ersten Zeit , den 1960igern war diese Gruppe ein besonderer Tipp für Menschen, die diese Zeit mit allen Sinnen aufsaugen wollten. Heute würde so etwas nicht mehr funktionieren. Unsere Gesellschaft und das Lebens sind zu konfus und nur noch als vorbeihuschender Schatten wahrnehmbar. Daher erscheint mir diese Musik mit ihrer Philosophie und dem disziplinierten Anspruch an mehrstimmigen Satzgesang ein kleiner Fixpunkt. Viele Zeitgeister taten es ihren damals gleich,  die Carpenters, die Mamas and Papas usw.. Auch diese haben zum Erfolg des Easy Listening beigetragen – als Gegenpol zur Schnellebigkeit.
Cosmic Peekaboo als Spätwerk täuscht nicht darüber hinweg, daß die Stimmen der Gruppe doch eher unausgebildet sind und auch so rüberkommen; kompensiert wird dieser Mangel durch ein hohes Maß an Disziplin in der Ausführung. Daher lassen sie sich wirklich gut anhören.  Das Experiment der Vielstimmigkeit überzeugt auch heute und findet sicher weiterhin seine Liebhaber. „Cosmic Peekaboo“ erscheint mir als das wertigste ihrer Album – und das nach 30 Jahren! Den Spaß, den die BAnd bei den Aufnahmen hatten, erkennt man besonders bei dem Titel „McCarran airport „.
Hier stimmt alles: Komposition, Arrangement und musikalische Ausdruckskraft. Chris Dedrick und seine MitstreiterInnen vermittelt besonders in diesem Album viel Wärme und Harmonie im Gesang der Vier.
Fazit: Meine Hochachtung für dieses 50-jährige Experiment in der Musikgeschichte, wenn dieses auch nicht vom verdienten Erfolg gekrönt wurde. The Free Design sind für mich eine Perle des Pop.


Bandgeschichte

The Free Design waren ein Familien-Projekt: die Familie Dedrick: Zur Urbesetzung gehörten Christopher Dedrick (1947-2010), der die meisten Songs schrieb, seine Schwester Sandy und Bruder Bruce. Später kamen die jüngere Schwester Ellen dazu, so wie eine Zeit lang ihr Cousin Jeff Dedrick. Gegen Ende der 1970er-Jahre kam noch die jüngste Schwester Stefanie hinzu. Der Vater der Geschwister – Art – war arrangierte die Songs und spielte zudem Trompete. Weiterlesen

Das Triumvirat – drei Kriminalhörspiele von Gisbert Haefs – Rezension

Das Triumvirat - drei Kriminalhörspiele. 3 CDs - c Audiobuch
Das Triumvirat – drei Kriminalhörspiele. 3 CDs – c Audiobuch

Inhalt:
Ein Pfarrer, ein Arzt und ein pensionierter Oberst spielen regelmäßig miteinander Skat. Dabei unterhalten sie sich auch über die aktuellen Ereignisse ihrer Stadt. Fast nebenbei finden die drei geniale Lösungen für die heimischen Kriminalfälle. Die Hörspiele um das Triumvirat sind Krimi-Klassiker. Die geistreichen Dialoge und Sticheleien der drei Hauptfiguren wecken dabei mindestens ebensoviel Interesse wie der zu lösende Kriminalfall.

Die Sprecher:
Heinz Trixner – Dr. Korff
Hans Korte – Oberst a. D. Albrecht
Peter Pasetti, Harald Leipnitz – Pfarrer Bargmann

Kritik:Weiterlesen

Last Dance – Keith Jarrett & Charlie Haden

Last Dance - Charlie Haden - Keith Jarrett - ECM - 2014
Last Dance – Charlie Haden – Keith Jarrett – ECM – 2014

Im Jahr 2010 veröffentlicht ECM Jasmine, eine zwanglose Archivaufnahme von Standards zwischen alten Freunden, die seit mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr miteinander gearbeitet hatten. Die Aufnahmen entstanden 2007 in Keith Jarretts Cavelight Heimstudio. Die neun Stücke auf „Last Dance“ entstammen der gleichen Session: Es gibt zwei alternative Aufnahmen von Stücken des früheren Albums. „Where Can I Go Without You“ wird in einem ähnlichen Tempo gespielt, bietet aber noch mehr Einsatz von Charlie Haden. Gordon Jenkins „Goodbye“ – ein bekanntes Benny Goodman Thema, schließt die Reihe. Weiterlesen

Ray Brown – Helden am Bass

Ray Brown am Kontrabass - The Man -  2009
Ray Brown am Kontrabass – The Man – 2009

Ich habe mal wieder in meiner CD-Sammlung gewühlt um eine Aufnahme aus der „van Dusen-Chronik“ zu finden. Dabei ist mir stattdessen eine meiner frühen Bass-Idole in die Hände gefallen: “Some of my best friends are … The Piano Players” . Ich finde es immer wieder faszinierend, wie dieser alte Herr es schaffte, Jazz-Standards seinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Jeder Bassist, der sich schon mal an Coltrane´s „Giant Steps“ probiert hat, weiß was ich meine, fast taktweise Wechsel in einem Tempo fern von Gut und Böse. Aber Ray Brown schafft es, das ganze locker gestrichen zu spielen. Absolut meisterhaft. Weiterlesen

HUGH LAURIE – Didn’t It Rain (2013)

HughLaurie
Foto: Warner Bros.

Das zweite Album von Dr. House: Hielt sich der Brite mit seinem ersten Album recht strikt und souverän an den von New-Orleans geprägten Blues, nimmt er sich mit seinem  zweiten Album mehr Freiheiten. Als Fundament bleibt er dem Blues treu, lässt zudem Einflüsse von Billie Holiday bis Randy Newman einfließen. Dadurch erschafft HUGH LAURIE daraus etwas Eigenständiges. Dieses Werk hat nichts mit dem Zynismus seiner Rolle als Dr. House zu tun hat und auch nur entfernt mit seinen Büchern als Satiriker. FAZIT: ein wirklich gut gelungenes Album, das einen rasch aus den Alltagstrott trägt.Weiterlesen

Es ist Unstillbar… – über Jazz live… – Vladimir Posener schwelgt in Erinnerungen

Uri Caine - Photo by Simon Miele
Uri Caine – Photo by Simon Miele

Es ist ein Lächeln, das zum Grinsen wird, einem breiten, lang, sehr lang andauernden Grinsen, just in dem Moment, da Uri Caine den ersten Ton spielt, seinen Oberkörper dicht über das Fender Rhodes gebeugt, den Kopf dreht er zu Timothy Lefebvre, Timothys rechte Hand ruht noch an den Saiten seines E-Basses wie die Hand eines Cowboys in einem kitschigen Wildwest-Film am Halfter einer Pistole, entspannt, gespannt, bereit, bereit brummende, wabernde Bass-Salven abzufeuern, Timothy grinst jetzt ebenfalls, vielleicht weil er sich auf seinen Einsatz freut, vielleicht, weil er genauso fasziniert ist wie ich vom Tempo mit dem Zach Danziger auf sein Schlagzeug einpeitscht. Weiterlesen

Luna Hotel – jellyfish kiss – Wie Musik und Comic zusammenpassen

jellfish kiss - luna hotel Illustration: Andrea Caprez
jellfish kiss – luna hotel
Illustration: Andrea Caprez

Während die einen Geschichten mit  Pinseln und Buchstaben erzählen, setzen die anderen Bassgitarre und Akkordeon ein.
Die Schweizer Band jellyfish kiss (1989 – 99) hat 1993 ein MusikAlbum mit dem Titel Luna Hotel veröffentlicht.

Über das Album:
Mit Luna Hotel (1994), ihrem zweiten Album,  entwickelte sich die Gruppe hin zu Volksmusik und östlichen Melodien. Diese sind  durchsetzt mit Anklängen von Klezmer-Musik.
Produziert wurde das Album von Max Lässer, der zudem Dobro und Slide-Gitarre spielte.

Außerdem wurde damals ein Comic-Band zur CD veröffentlicht. Die Zeichnungen wurden von Andrea Caprez (auch Sängerin der Band) angefertigt; die Texte lieferte Christoph Schuler.
Zu jedem einzelnen Moritat wurden Illustrationen angefertigt. Rund ums das Hotel Luna wurden Geschichten erzählt: mal geht es um Adrian, einen enttäuschten Witwer, der jeden Abend im skurrilen Kostüm in halbleeren Sälen auf der Bühne stand. Oder um Georg, den Kellner des Hotels, ein ängstlicher Fremdenhasser. Das frustrierte Ehepaar Jane und Joe Limbrowski, die Figuren Susanne und Betty liefern wunderbaren Stoff für miteinander verwandte Musik- und Comic-Episoden.
Die Musik ist feinfühlig und geben die jeweiligen Stimmungen sehr gut wider.

ellfish kiss - luna hotel Illustration: Andrea Caprez
ellfish kiss – luna hotel
Illustration: Andrea Caprez

Der dazu gehörende Comic-Band ist in der Edition Moderne erschienen und ist auch ohne die Musik eine Augenweide.

Über die Band:
Die zürcherisch-bündnerische Gruppe Jellyfish Kiss wurde 1989 von Andrea Caprez (Gesang, Gitarre), Gaudenz Jehli (Akkordeon), Anna-Maria Meier (Bass) und Olivier Monney (Schlagzeug) gegründet. Sie exitierte bis 1999. Für die Texte zeigte sich Christoph Schuler verantwortlich (u.a. Mitherausgeber de Schweizer Comic-Magazins Strapazin und für seine „Retuschen“ im Magazin bekannt).
Einen ersten Radiohit hatte die Gruppe 1989 mit „Micky Mosquito“. Neben endlosen Tingeleleien durch verrauchte Kellerbars und schummrige Kneipen folgten diverse Singles, die von Presse und Publikum mit großem Interesse aufgenommen wurden.“ jellyfish kiss“ reisten damals mit der Bahn an ihre Konzerte, da keiner der Beteiligten über einen Autoführerschein verfügte. Andrea Caprez‘ Stimme wurde schon bald mit der von Bob Dylan oder Mink de Ville verglichen.
Recht amüsant ist der Schweizer Dialekt mit dem die englischen Texte vorgetragen werden.

jellyfish kiss - luna hotel cd-back
jellyfish kiss – luna hotel cd-back

 

 Youtube hält 8 Videos der Band bereit.

Händel’s Messiah – A soulful celebration – Quincy Jones

Georg_Friedrich_Händel
Georg Friedrich Händel

Georg Friedrich Händel (1685—1759) schuf sein größtes Werk innerhalb dreier Wochen im Jahre 1741. Das Libretto wurde von Charles Jennens aus Bibelworten zusammengestellt. Die Uraufführung fand dann am 13.April 1742 in Dublin statt.
Handel’s Messiah, A Soulful Celebration ist eine Bearbeitung des Händel-Oratoriums Messias im afro-amerikanischen Stil – eine Black Music-Version voller Jazz- und SoulElemente vom Big-Band-Klassiker über Reggae bis zum Hip-Hop. Das Werk erschien im Jahr 1992 auf CD und gewann den Grammy (den Oscar der Musik) in der Kategorie »Bestes  zeitgenössisches Soul-Gospel Album«. Man merkt dem Werk die 1990er Jahre an. Heute würden sicher viele Stücke anderes arrangiert. Wer dieses Musikjahrzehnt mag, ist hier gut aufgehoben.
Handels Messiah_CD8Produziert von den Szenegrößen Quincy Jones, Mervyn Warren und M. O. Jackson, kommt auf der CD die Crème der amerikanischen schwarzen Musikszene zusammen: Stevie Wonder, Al Jarreau, Diane Reeves, Chaka Khan und Patti Austin.
Zugleich würdigt sie die Kunst des Georg Friedrich Händel, der eines der größten Werke der abendländischen Kultur hervorbrachte: sein Oratorium Messias, das er 1741 in London komponierte und das vor allem durch das Halleluja bekannt geworden ist.
Übrigens ist die Idee des Neu-Arrangierens und Anpassens kein moderner Schnickschnack unserer Zeit: Schon Mozart bearbeitete den Messias, um das Meisterwerk der Generation der Klassik zugänglich zu machen.
Die moderne Interpretation schmückt die Melodien Händels; das Werk wird gut behandelt. Allerdings ist es auch Musik, die „gehört werden“ will und nicht als Hintergrundmusik geeignet ist. Man sollte sich also Zeit und Muße nehmen, die Musik genießen und damit die musikalische und künstlerische Leistung der Musiker würdigen.  Anders ist man schnell genervt von den stetigen Stil- und Tempiwechseln.
Die Soulful Celebration zeigt aber nicht nur, dass eine gute Melodie 265 Jahre überlebt. Sie gibt ein umfassendes Bild dessen, was „schwarze“ Musik bedeutet, welche Stile sie umfasst und welche Entwicklung sie genommen hat. Die Auswahl der Stücke bezieht sich vornehmlich auf den 1. weihnachtlichen Teil des „Messiah“. In jedem Fall eine besinnliche Musik; wenn auch nicht im klassischen Sinne.

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Larry Gus – mediterrane Klänge treffen auf Elektronik, Soul, Hip-Hop und Psychedelia

Larry Gus ist Grieche und macht Musik. Mit Bouzouki, Sirtaki, Mikis Theodorakis oder Alexis Sorbas hat das aber nichts zu tun. Stattdessen erwarten uns  Elektronik, Soul, Hip-Hop, Disco und Psychedelia. Alles mit dem entsprechenden Einschlag mediterraner Klänge.  Klingt wirr? Ist es nicht. Nur keine Musik, die sich in Schubladen pressen lässt, sondern erfahren werden will.

Larry Gus - Years Not LivingDrei Jahre nach seinem Debut-Album «Stitches» meldet sich Multiinstrumentalist, Produzent und Sänger Larry Gus zurück mit der neuen CD «Years Not Living», erschienen beim New Yorker Label DFA (LCD Soundsystem, Holy Ghost). Larry Gus, mit bürgerlichem Namen Panagiotis Melidis, verbindet Komponenten des Free-Jazz der späten 60er-und frühen 70er-Jahre und verknüpft diese mit teils klaren, teils psychedelischen Pop-Melodien und perkussiven Elementen. Auf seiner Seite tumblr.com erkennt man schon rein visuell, wie er tickt und die Stimmung ist seiner Musik ist. Ergänzend dazu finden Sie auf Soundcloud die passenden Töne dazu.

http://larrygus.tumblr.com/ (viele, viele Fotos)
https://soundcloud.com/larrygus 

Über Irland – Beschützerinstinkte und Heidi Talbot

Woran ich merkte, dass ich nun doch zum „alten Sack“ mutiert bin? Es war die CD „The last star“ von Heidi Talbot. Ich saß in  einem Öko-Kunst-Café im Hamburger Stadtteil St. Georg und wurde mit ihrer Stimme beschallt. Diese mädchenhafte Stimme, die bei mir den Beschützereflex auslöste und gleich danach der Schüttelreflex, wie bei einem erschreckten Tier, welche Frau will denn heute noch beschützt werden, das machen die doch lieber selbst.Weiterlesen

Ladinisch – Wenn Sprache singt – über das Südtiroler Trio Ganes

Können Sie Ladinisch? Ich eher nicht.
Auf einem Geschäftstermin in Zürich; es liegen zwei inspirierende Tage liegen hinter mir. Mein Gastgeber hat mir zum Abschied eine CD mitgegeben; für die lange Fahrt.  Während ich durchs Gebirge gen Norden fahre, lausche ich einer fremden Sprache: dem Ladinischen. Diese Sprache wird inzwischen nur noch von etwa 30 Tausend Menschen genutzt und ist vergleichbar mit dem Schweizer Rätoromanischen.  Der Name Ladinien bezeichnet ein geographisches Gebiet in den Dolomiten in Norditalien. Der Begriff wurde wahrscheinlich im 19. Jahrhundert als Bezeichnung für das ladinischsprachige Gadertal geprägt.
Naturgemäß verstehe ich kein Wort und doch ist die jeweilige Stimmung angenehm eingängig.  Es ist das aktuelle Album der Südtiroler Band Ganes. Sie besteht aus den Schwestern und Cousinen Marlene und Elisabeth Schuen sowie Maria Moling. Marlene Schuen studierte Violine und Jazzgesang, Elisabeth Schuen absolvierte ein Studium als Opernsängerin und spielt wie ihre Schwester Geige. Maria Moling studierte in Klagenfurt Musik. Der Bandname hat übrigens seinen Ursprung in dem Mythos lokaler Sagengestalten. Aus den fließenden Rhythmen erheben sich ihre drei Stimmen; mal zart mal fröhlich, mal fordernd. Die Sprache eignet sich wunderbar für den Gesang; sie für sich genommen sehr melodisch. Weiterlesen

Welches Instrument passt zu mir?

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Sie wollen ein Instrument spielen lernen oder spielen eines aus Gewohnheit, obwohl sie es eigentlich nicht mögen. Welches kommt nun in Frage? Eine Schwierige Frage, schließlich gibt es Dutzende – und nicht jedes passt zu jedem. Wir haben darum eine Checkliste komponiert: Welches Instrument harmoniert mit Ihnen und umgekehrt?! Natürlich ergibt das Testergebnis nur Vorschläge.

Denn nicht geht über das Ausprobieren.  Denn am Ende entscheiden Sie allein, welches Instrument Sie für sich dich entdecken – und was Sie dann damit machen!

1. Welche Musik hören Sie?

  • Lieder, bei denen ich gut mitsingen kann. [A]
  • Hauptsache, es rockt! [B]
  • Musik zum Träumen. [C]

2. Mitglieder Ihres Freundeskreises veranstalten ein Konzert.  Mitspielen können Sie nicht: Sie beherrschen ja noch kein Instrument. Was machen Sie stattdessen?

  • Ich komme und höre zu, das reicht doch. [C]
  • Ich führe durchs Programm. [A]
  • Stühle stellen und Karten abreißen. [B]

3. Bei der Weiterbildung: Eine Übung bei etwas Neuem will nicht auf Anhieb gelingen. Was nun?

  • Jetzt erst recht! Ich übe, übe, übe, bis mir die Kräfte schwinden. [C]
  • Ich mogle mich durch, fällt schon keinem auf. [B]
  • Das wusste ich vorher – und habe „zufällig“ den Turnbeutel vergessen. [A]

4. Damals in der Schule: Zur Musikstunde wird ein Vorsänger gesucht. Was war mit Ihnen?

  • Ich melde mich und frage, ob ich zur Toilette darf. [C]
  • Klar, mehr als blamieren kann ich mich ja nicht. [A]
  • Warum nicht – wenn noch meine beste Freundin mitmacht. [B]

5. Freunde sagen, Sie sind …

  • … spontan und ein echter Kumpel. [B]
  • … dickköpfig, aber voller Tatendrang. [A]
  • … feinfühlig und die Freundlichkeit in Person. [C]

6. Auf einer Party läuft Ihr Lieblingslied. Was machen Sie?

  • Ich stürme die Tanzfläche und lege eine echte Show hin. [A]
  • Wenn zwei, drei andere tanzen, komme ich auch aufs Parkett. [B]
  • Ich bleibe am Rand stehen und wippe ein wenig zum Takt der Musik. [C]

7. Sie sind im Theater. Das Stück ist gähnend langweilig.

  • Ich warte ab, vielleicht kommt am Ende ja noch der große Knaller. [C]
  • Ich spiele mit meinen Sitznachbarn Schiffeversenken. [B]
  • Ich schleiche mich raus. Weiter zuschauen ist pure Zeitverschwendung! [A]

8. Letzte Frage: Wie sieht Ihr ideales Wochenende aus?

  • Ich treffe mich mit Freunden, da geht immer irgendwas. [B]
  • Musik hören, Bücher lesen, Fernsehen schauen. [C]
  • Ist der Test nun endlich vorbei? Ich will los: Party, Party, Party! [A]
Musikunterricht - Foto: Peter Bosse
Musikunterricht – Foto: Peter Bosse

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Zählen Sie nun zusammen, wie oft Sie A, B und C als Antwort angekreuzt haben.

Typ A: Die Bühne gehört Ihnen!

Sie haben überwiegend mit A geantwortet
Sind Sie etwa mit Bill Kaulitz verwandt oder die kleine Schwester von Rihanna? Fest steht jedenfalls, Sie geben gern den Ton an. Im Rampenlicht fühlen Sie sich pudelwohl, egal, ob als Vorsänger oder ob Sie einen Vortrag halten. Lampenfieber: Fehlanzeige! Darum empfehlen wir Ihnen Instrumente, mit denen Sie solistisch auftreten können – also keine Begleitung brauchen. Zum Beispiel Klavier, Gitarre oder Saxophon. Oder spielen Sie gern die erste Geige? Dann dürfen Sie allerdings eine ganze Menge Ausdauer mitbringen. Aber es lohnt sich!

Typ B: Richtig Abhandeln

Sie haben überwiegend mit B geantwortet
Ohne Ihre Freunde geht gar nichts. Wenn Sie aber mit Ihren Leuten unterwegs sind, bilden sie eine schlagkräftige Combo. Dann sind Sie die fantastischen Vier oder Fünf oder Sechs. In einer Band würden Sie sich daher sicher sehr wohlfühlen. Entsprechend raten wir Ihnen, mit einem Instrument anzubändeln, das auch in einer Rockband stets gebraucht wird: Keyboard, E-Bass oder Schlagzeug. Und wenn Sie den Mund gern voll nehmen: Auch Trompeter für kleine Solo-Einlagen sind in Bands sehr willkommen.

Typ C: Zusammen spielt man weniger allein

Sie haben überwiegend mit C geantwortet
„Musik allein – das muss nicht sein“, könnte Ihre Devise lauten. Denn Musik, sagen Sie sich, wird doch erst zu Musik, zu einem echten Erlebnis, wenn viele zusammenspielen. Musiker wie Sie sind darum in Orchestern oder Big Bands bestens aufgehoben. Oboe, Harfe oder Cello könnten daher passende Instrumente  sein. Damit werden Sie auch nicht in der Masse untergehen. Denn gerade Oboe und Harfe haben immer wieder Solo-Einsätze. Zum Glück haben Sie eine Menge Geduld – die ist nötig, um diese Instrumente zu lernen.

trennlinie640Was Sie auch stattdessen machen können: Sie tasten sich vor. Probieren Sie Instrumente für Rhythmus und die für die Melodien aus. Der Autor dieses Artikel stand vor genau der gleichen Frage: welches Instrument darf es sein. In seiner Jugend „musste“ er Gitarre lernen; ohne besondern Erfolg und widerwillig. In späteren Jahren nutzte er, zunächst unreflektiert, jede Gelegenheit eine Trommel zu bearbeiten. In einem klassichen Konzert mit Musik von Dvorak beobachtete er sich, welches Instrument ihm besonders gefiel: es war der Kontrabass! Nun raten Sie mal, welche Instrumente er heute spielt?