Kategorie: espresso bar

Umschlag zu Berlin-Alexanderplatz | Alfred Döblin

Alle Berlin-Romane verblassen immer noch vor dem Werk eines Ostberliner Nervenarztes , Sohn eines kleinen Stettiner Schneiders: Berlin-Alexanderplatz von Alfred Döblin. Es ist große, anspruchsvolle Literatur, in vielen seiner Mittel – dem inneren Monolog, der Allgegenwärtigkeit der Stadtheit in Gestalt ihrer Ladenschilder und Reklame-Inschriften – nicht ohne James Joyce und seien Ulysses denkbar, aber dann wieder urberlinerisch und in vieler Hinsicht menschlicher, herzbewegender als das mythologische Dublin-Panorama des Iren. Von den vielen anderen Büchern des aus der Emigration als französischer Kulturoffizier und Zeitschriftenherausgeber zurückkehrenden Döblin hat keines den Erfolg jener Geschichte von Franz Biberkopf erreicht, obgleich manche Kenner seine Ausflüge in ein mythisches China oder Babylon oder gar in das utopische dritte Jahrtausend von Berge, Meere und Giganten noch höher schätzen.

Umschlagzeichnung zu dem buch Alfred Döblins Berlin-Alexanderplatz, das 1925 erschien. Künstler: G. Salter
Umschlagzeichnung zu dem Buch Alfred Döblins Berlin-Alexanderplatz, das 1925 erschien. Künstler: G. Salter

Die Tage des Jahres | #160

Kreative Aufgabe: Jemand klopft an Deine Tür. Wer ist es?

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Dirk Wobedo lebt in einer Düsseldorfer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Er leidet unter dem s.g. Down-Syndrom.  Dirk sagt von sich: Ich kann zeichnen wie ein Fußball zum Frühstücksei taugt.

Im der blaue ritter stellt er sich täglich einer zeichnerischen Aufgabe.

Die Tage des Jahres | #159

Kreative Aufgabe | Was entspricht dem Tag eher:  einer Champagnerflöte, einem Glas Martini oder einem Pott Kaffee?

Tag 159 | 2017 @ Dirk Wobedo

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Dirk Wobedo lebt in einer Düsseldorfer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Er leidet unter dem s.g. Down-Syndrom.  Dirk sagt von sich: Ich kann zeichnen wie ein Fußball zum Frühstücksei taugt.

Im der blaue ritter stellt er sich täglich einer zeichnerischen Aufgabe.

Die Tage des Jahres | #158

Kreative Aufgabe | Edward Hopper | Nighthawks

Entwerfe eine eigne kleine Version dieser Diner-Szene.

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Dirk Wobedo lebt in einer Düsseldorfer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Er leidet unter dem s.g. Down-Syndrom.  Dirk sagt von sich: Ich kann zeichnen wie ein Fußball zum Frühstücksei taugt.

Im der blaue ritter stellt er sich täglich einer zeichnerischen Aufgabe.

Der schleimige Strich, den sie über den Weg zog

Im kleinen Gehölz am Ende des Parks trat er beinah auf eine rote Wegschnecke. Langsam bog er seinen Rücken, um sie zu beobachten. Und unendlich vorsichtig richtete er sich wieder auf, als befürchtete er, das Tier könnte beim geringsten Laut explodieren. Der schleimige Strich, den sie über den Weg zog, schnitt ihm für immer ein Stück Erde ab.
Seine Frau Johanna brachte ihn nicht mehr dazu, das Gehölz zu betreten. Den Rest des Tages blieb er verstimmt.

Den Bienen aber ging er fleißig nach, seitdem Johanna ihm an einer Pflanze des Löwenmauls gezeigt hatte, wie sie mit winzigen Kopfstößen in die Blüten ihren Schatz von Süßigkeit hoben.
»Was für ein gescheiter Kopf«, rief er ein übers andre Mal.
Auf den Fußspitzen näherte er sich dem Beet und forschte durch die Lesebrille wie durch eine Vitrine eines Naturalienkabinetts.
Dem Umstand, dass die Bienen neben dem Löwenmaul auch andre Blumen angingen, schenkte er keinerlei Beachtung. Beim Löwenmaul suchte er sie und nirgendwo anders, so wie er auch von den Gartengerüchen einzig und allein den Duft des späten Phloxes anerkannte, den er mit selbstbewusster Miene ›sehen ging‹, sobald er ihn witterte.

Vor der Rabatte angelangt, setzte er die Stahlbrille auf und beugte sich über die Dolden, um den Duft gewissermaßen durch die Gläser einzuatmen.

espresso-art | Das Löwenmaul | Foto: Oliver Simon

Die Eissphinx

…. In der Nacht vom 12. zum 13. März stieg nach Abflauung der Brise ein ziemlich dichter Nebel auf. Das war bedauerlich, denn es vermehrte die Gefahr eines Zusammenstoßes mit dahintreibenden Eismassen. Das häufigere Vorkommen von Nebeln konnte in jenen Breiten freilich nicht überraschen. Weit auffallender erschien es dagegen, daß die Schnelligkeit unseres Fahrzeuges sich, obgleich der Wind fast eingeschlafen war, allmählich beschleunigte. Von einer schnelleren Strömung konnte das nicht herrühren, denn das Anklatschen des Wassers am Vordertheil bewies uns, daß wir noch schneller als jene vorwärts kamen.
Diese Erscheinung dauerte bis zum Morgen an, ohne daß wir uns über das, was dabei eigentlich vorging, Rechenschaft geben konnten, wo dann, gegen zehn Uhr, der Nebel, wenigstens in den unteren Luftschichten, sich auflöste. Das westliche Ufer – ein Felsengestade ohne dahinter liegende Berge – wurde wieder sichtbar.
Da zeigte sich, etwa eine Viertelmeile von uns, eine Masse, die die Ebene um ungefähr fünfzig Toisen überragte und die einen Umfang von zwei- bis dreihundert Toisen haben mochte. Ihrer seltsamen Gestalt nach ähnelte die Masse einer gewaltigen Sphinx mit erhobenem Oberkörper und ausgestreckten Tatzen, in der Haltung des geflügelten Ungeheuers, das die griechische Mythologie auf die Straße von Theben versetzt hat.
War es ein lebendes Thier, ein riesiges Ungeheuer, ein Mastodon, doch tausendmal größer als die mächtigen Vettern der Elephanten der Polargebiete, von denen sich noch jetzt Ueberreste finden? Bei dem Geisteszustande, in dem wir uns befanden, hätte man das glauben – hätte man auch befürchten können, daß das Mastodon sich auf unser Fahrzeug stürzen würde, um es unter seinen Krallen zu zertrümmern.
Nach den ersten Augenblicken unverständiger Beunruhigung erkannten wir, daß es sich um eine Bergmasse von eigenthümlicher Gestalt handelte, deren Gipfel oder Kopf eben aus der Dunsthülle klarer hervortrat.
Ah … diese Sphinx! … Da tauchte in mir eine Erinnerung auf, die nämlich, daß ich in der Nacht, wo sich der Umsturz des Eisberg ereignete und die »Halbrane« in die Höhe gehoben wurde, von einem fabelhaften Thiere geträumt hatte, das auf dem Pole der Erde saß und dem nur ein Edgar Poë, mit seiner scharfsinnigen Genialität, seine Geheimnisse zu entlocken verstanden hatte.
Da sollten aber noch wunderbarere Erscheinungen unsere Aufmerksamkeit erregen, unser Staunen erwecken und uns in Schrecken und Angst versetzen. …

Aus: Jules Verne: Die Eissphinx. Zweiter Band – Kapitel 16 | deutsch: 1898

espresso art | oliver simon | Die Eissphinx

Mein Freund Bleistift | Der Zeichner

Wenn ich zeichne, so geschieht es in der Regel nicht mit irgendeinem Bleistift — im Gegenteil, ich bin sogar sehr wählerisch. Die Mine soll geschmeidig und ausgeglichen sein; ist sie es nicht und bin ich grad daran, zum Beispiel die feinen Haare eines Mädchens oder die hauchdünnen Blätter einer Blüte zu zeichnen, so gibt es plötzlich einen unangenehm kratzigen Strich — das passt dann gar nicht zur Zärtlichkeit des darzustellenden Gegenstandes, und ich ärgere mich. Um derartige Unliebsamkeiten von Anfang an zu verhüten, wähle ich zur Arbeit die mir passenden Bleistifte in zwei oder drei Härtegraden. Die sogenannten «praktischen» oder «neuzeitlichen» Luxusstifte in ihren kühlen, gewichtigen Metallhüllen aus schwerem Silber oder gar vergoldet mag ich nicht zum Zeichnen; sie sind mir irgendwie «hinten zu schwer», nicht im Gleichgewicht, zu kompliziert und wider das Gefühl. Hingegen benütze ich gerne die leichten, eisernen Röhrchen für zu kurz gewordene Bleistifte, die ich auf diese Weise bis zum kleinsten Stummel aufbrauche.
Nehme ich also einen einfachen, guten Zeichenstift zur Hand, so trete ich zu ihm in eine Art freundschaftlichen Verhältnisses; sehr sorgfältig spitze ich sein edles, wohlriechendes Holz und die Mine (die geringen Sorten erkennt man meistens schon am abscheulichen Holz), aber beileibe nicht mit der «Spitzmaschine» so charakterlos mechanisch, sondern ich nehme mir die Zeit und tue es eigenhändig mit meinem immer wieder geschärften Sackmesser, das ich schon seit 25 Jahren benütze. Mit dem Spitzen beginnt also bereits mein Handwerk; das Werkzeug passt sich meiner Hand und meinen persönlichen Wünschen an. Sobald ich die ersten Striche auf das gleichfalls ausgewählte Papier setze, denke ich kaum mehr an den zeichnenden Stift; dieser ist mit meiner Hand wie verwachsen, nimmt meine Empfindungen und Regungen gewissermaßen in sich auf und überträgt sie auf die Unterlage. Um Zartes oder Feines wiederzugeben, berührt er sie kaum; Helles und Dunkles vermag er auszudrücken, auch Hartes und Scharfliniges oder Weiches. Überaus viele Möglichkeiten enthält er, Abstufungen vom hellsten Grau bis zum tiefsten Schwarz, es liegt nur an mir, alles herauszuholen. Immer wünsche ich mir das Gelingen, und jedes Mal möchte ich’s beim nächsten Versuch besser machen!

Ist das schon Kunst oder?!

Ist das schon Kunst oder ? | Farbspiele mit dem Klebeband

Jeder kennt die glasklaren, farblosen Klebebänder, Verpackungsfolien und dünnwandigen Behälter aus Kunststoff. Sie können eine überraschende Pracht zeigen – im polarisierenden Licht.
Bei nur schwacher Vergrößerung kann man unterm Mikroskop eine erstaunliche Fülle von Farben und Formen entdecken, und diese durch verschiedene Anordnungen beeinflussen.

Neunte Kunst aus Finnland – Kuvasia

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autorenkollektivs Tampere.

Neunte Kunst aus Finnland – Ilmaa von Mika Torvinen

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.