Kategorie: Menschenbilder

Ein entmenschtes Weib: Die Engelmacherin Wiese – Interessante Kriminalfälle vor Gericht

Elisabeth Wiese - Engelmacherin
Elisabeth Wiese – Engelmacherin

»Ehret die Frauen, sie flechten und weben himmlische Rosen ins irdische Leben«. Als Schiller diese Worte niederschrieb, hat er jedenfalls nicht geahnt, daß eine Person in Gestalt eines Weibes sich dereinst vor einem Schwurgerichtshof im Herzen Deutschlands wegen der grausigsten Verbrechen wird verantworten müssen. Das Fehlen von Findelhaüsern in Deutschland hat schon so manchem kleinen Wesen das Leben gekostet. Die folgende Gerichtsverhandlung ergab, daß die »Engelmacherei«, wenn sie gewerbsmäßig betrieben wird, sogar sehr gewinnbringend ist. Vor einigen Jahren erschienen in Hamburger Zeitungen Anzeigen, in denen Dienstmädchen, Kinderfräuleins usw. ihre unehelich geborenen Kinder gegen Zahlung von Kostgeld zur Pflege anboten. Auf solche Anzeigen meldete sich vielfach eine Frau Wiese. Sie erbot sich, die Kinder gegen Zahlung von Kostgeld in Pflege zu nehmen. Sobald sie aber vermutete, die Mädchen befinden sich im Besitz von größeren Geldbeträgen, machte sie ihnen den Vorschlag, ihr eine einmalige größere Abfindungssumme zu zahlen. Sie werde nach London, Manchester, Wien, Berlin oder anderen Orten fahren, da sie in Erfahrung gebracht habe, daß dort eine Grafen- oder Fürstenfamilie ein Kind zu adoptieren wünsche. In mehreren Fällen erklärten sich die Mädchen, wenn auch mit schwerem Herzen, bereit, sich von ihren Lieblingen für immer zu trennen, zumal sie ja dann von der Bezahlung des Kostgeldes befreit waren. Nach einiger Zeit gewann jedoch die Mutterliebe wieder die Oberhand. Sie verlangten von der Wiese den Aufenthalt ihrer Kinder zu erfahren. Die Wiese gab den Mädchen die Versicherung, die Kinder werden in Seide gebettet. Sie befinden sich in einem gräflichen oder fürstlichen Schloß, es fehle ihnen nichts weiter als das Himmelreich, eine weitere Auskunft könne sie ihnen nicht geben. Die Mädchen gaben sich aber damit nicht zufrieden, um so weniger, als sie die Wiese im Verdacht hatten, es sei ihr nur um Erlangung der Abfindungssumme zu tun gewesen, und der ihr übergebenen Kinder habe sie sich in verbrecherischer Weise entledigt. Die Mädchen machten schließlich der Polizei Anzeige. Letztere schritt sofort ein, zumal der Wiese, aus Anlaß ihrer vielen Vorstrafen, von der Polizei untersagt war, Kostkinder in Pflege zu nehmen. Benachbarte Hausbewohner hegten schon längst Verdacht, daß Frau Wiese die »Engelmacherei«, d.h. den Kindermord gewerbsmäßig betreibe, ja, verschiedene Vorkommnisse führten zu der Vermutung, daß Frau Wiese die kleinen Wesen verbrenne. Sie soll bisweilen so stark geheizt haben, daß die Herdplatten zersprangen. Außerdem soll ein fürchterlicher Geruch wahrgenommen worden sein. Es wurde auch behauptet, Frau Wiese sei beobachtet worden, als sie am Spätabend mit einem schweren Paket noch einen Spaziergang nach den Ufern der Elbe gemacht habe und ohne Paket zurückgekehrt war. Ferner wurde ermittelt, daß bei Frau Wiese einmal eine schwindsüchtige Tänzerin gewohnt habe. Diese hatte sich auf Grund eines ärztlichen Rezepts von Frau Wiese Morphium besorgen lassen. Die Tänzerin ist nach einiger Zeit von Hamburg nach Berlin übergesiedelt und dort gestorben. Das Rezept soll aber im Besitz der Wiese geblieben sein, und darauf soll sie sich Morphium beschafft haben. Endlich meldeten sich Zeugen, die beobachtet haben wollten, daß Frau Wiese das uneheliche Kind ihrer Tochter sofort nach der Geburt getötet habe. Aus diesem Anlaß schritt schließlich die Polizei zur Verhaftung der Wiese.Weiterlesen

Sokrates und sein Prozess – Felix Pirner

Paul Gauguin, Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? (1897/98)
Paul Gauguin, Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir? (1897/98)

Nach dem Peloponnesischen Krieg fragten sich die Athener, wer das Land derart in Not und Niederlage gebracht habe. Die schuldigsten erschienen ihnen jetzt die beiden, denen sie vordem am lautesten zugejubelt hatten: Der nichtsnutzig verwegene Alkibiades und der brutale Kritias, einer der Dreißig Tyrannen. Beide waren freilich schon tot, beide aber auch Schüler dieses Sokrates, der noch immer auf allen Gassen stand und den biederen Bürgern seine Redensarten anhing. Man warf ihm vor, er treibe es nicht anders als die Sophisten. Und den Sophisten war nichts zu groß, nichts zu alt, heilig und ehrwürdig, dass sie nicht ihr freches Wort dagegen warfen, die Jugend zu gleichem Frevel verführten und so allmählich die Grundlagen des Staates unterwühlten.Weiterlesen

Der Prozess der Sokrates – Kapitel 1: Der Philosoph – Felix Pirner

Sokrates - ProzessUnter den tausendmal tausend Halmen der Wiese blüht immer wieder eine seltene, einzigartige Blume. So auch ersteht inmitten der Menschen immer wieder ein stiller, nachdenklicher Mann, ein Weiser, ein Philosoph. Er braucht nicht gelehrt zu sein, kein Examen zu bestehen, keinen großen Geldbeutel zu besitzen. Auch ist er an kein Volk, keine Zeit und an keinen Stand gebunden. So war im alten Rom der gewaltige Heerführer und Kaiser Marc Aurel ein begnadeter Philosoph, aber der arme schlesische Schuster Jakob Böhme, der vierzehnhundert Jahre später lebte, war es nicht minder. Wie ein granitenes Mal steht immer wieder ein Weiser auf dem Jahrmarkt des Lebens. So vielgestaltig die Welt des Philosophen sich auch darbietet, so einheitlich blieb sein Gesicht von der fernsten Urzeit bis in unsre Tage: Der Philosoph erfährt Lust und Leid, Sehnsucht, Liebe, Geburt, Tod, Irrtum und Wahrheit in und um sich wie jeder andere. Er weicht dem Leben nicht aus, er geht auch nicht darin unter. In aller wirren Vielfalt sucht er die Einfalt und das Gesetz. Zu lauschen, zu schauen ist ihm gegeben. Wo andere nur obenhin sehen und hören und weiter rennen, verweilt er und forscht hinter den blinkenden Schein und drängt zum Grund aller Wesen. Auch beugt er sich zum Staub und hebt auf, was keinem sonst des Aufhebens wert scheint. Und was er so aufhebt, erlauscht, erschaut, das trägt er zusammen in sein Innerstes. Wie auf Dürers Bild „Hieronymus im Gehäuse“ lebt der Philosoph in der Geborgenheit seiner Seele, indes hinter den bunten Butzenscheiben draußen das Leben tobt, indessen Löwe wie Hund, Leidenschaft, Gier und Wildheit eingeschlafen liegen. Er sitzt und knüpft das Getrennte zusammen, ordnet und windet den Kranz um die Stirne der Gottheit. Und diese Stille und Geborgenheit, sein „Gehäuse“, trägt der Philosoph dann überall und immer mit sich. Die um ihn leben, wissen es nicht und spüren doch die Wohltat. Denn es ist gut mit ihm leben, man meint sich irgendwie gehegt und geborgen und trägt leichter, was man zu tragen hat. Nicht verstoßen, verfluchen, verzweifeln ist seine Art, sondern trösten, beistehen, aufrichten, das liegt ihm an. Erfolgreich im kaufmännischen Sinne, also reich an münzbaren Erfolgen wird der Philosoph nicht sein. Dafür beschäftigt ihn zu viel, was nur der Seele dient. Er wird aber auch niemand zur Last fallen, oder, wenn er schon eines andern Brot isst, wird er königlich dafür bezahlen mit einem Geschenk aus seiner Seele.Weiterlesen

Marina Metzler über ihr Konzept „Abnehmen beginnt mit Annehmen“

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Marina Metzler

Sagen Sie bitte etwas zu Ihrem beruflichen Werdegang.
Zu meinen Lieblingsfächern neben Deutsch, Mathe, Sport, Physik, zählte vor allem Biologie. Schon damals faszinierten mich die verschiedene Entwicklungsprozesse in der Natur und aller Lebewesen. Daher absolvierte ich zunächst eine Ausbildung als Medizinische Fachangestellte in der Chirurgischen Universitätsklinik in Heidelberg. Anschließend wurde ich schwanger und genoss zunächst meine Elternzeit mit meinen wunderbaren Söhnen.
Danach arbeitete ich einige Jahre als Study Nurse in einer Facharztpraxis. In dieser Zeit hatte ich die Möglichkeit gehabt, einen intensiven, einfühlsamen Kontakt zu allen Patienten aufzubauen, welche sich für eine freiwillige Teilnahme an einer Medikamenten-Studie entschieden haben.
Während dieser interessanten Zeit, entschied ich mich für das Ernährungsstudium, welches ich dann auch mit viel Begeisterung erfolgreich abschloss.
Die Idee, aber ein Buch zu schreiben und es publik zu machen, diesen Wunsch hegte ich wohl unbewusst schon seit dem Tag , als ich selbst anfing, Bücher zu lesen… 🙂

Warum Ernährungsberatung?
Soweit ich mich an meine Kinder- und Jugendzeit erinnern kann, war ich schon immer schlank gewesen. Als ich mit 20 Jahren schwanger wurde, verschlang ich zunächst alle Informationen über Schwangerschaft. Andererseits verschlang ich auch wohl einiges an überflüssigem Essen, da ich zu dem Zeitpunkt die Überzeugung in mir hatte, „für Zwei essen zu müssen“. Lange Rede, kurzer Sinn nahm ich während der Schwangerschaft mehr als 35 Kilogramm zu. Insgeheim dachte ich, dass die paar Pfunde schnell wieder weg sein werden. Umso mehr schockierte und beunruhigte mich die Tatsache, dass mein „Übergewicht“, metaphorisch gesehen, sich erst recht hartnäckig verhielt und sich weigerte von dannen zu ziehen.
Aus der Unzufriedenheit und gewisser Ohnmacht heraus, fing ich damals an, mich noch intensiver mit der Ernährung in ganzheitlichem Sinne zu befassen.
Durch persönliche Erfahrungen sowie durch Beobachtungen in der Arbeit mit den Patienten bemerkte ich, welche tiefgreifenden Zusammenhänge zwischen Wohlbefinden, Gesundheit und guter seelischer Verfassung, die ausgewogene und vollwertige Ernährung darstellt.

Sie sagen, der menschliche Körper ist vollkommen.
a) Wie ist das im Allgemeinen zu verstehen?
Das ist komplett wörtlich zu verstehen, dass der menschliche Körper vollkommen ist. Andererseits, kann ich mir vorstellen, dass bei vielen Menschen unter „vollkommen oder vollkommener Körper“ eigene Assoziationen zu Tage kommen. Alles hat seine Berechtigung.
Mein Anliegen in diesem Buch beginnt schon daher schon in erstem Kapitel „Ein klares JA zu meinem Körper“, in dem ich den Leser/ die Leserin auf eine Entdeckungsreise in seinen/ihren beeindruckenden Wunderwerks, namens Körper, mitnehme. Denn, wenn ich mich dem Wissen öffne, welch‘ faszinierende Leistungen jede Körperzelle, der gesamte Organismus für mich jede Sekunde meines Lebens vollbringt, umso mehr Hochachtung, Dankbarkeit erfüllt escmein Herz. Und umso mehr kann ich mich mit meinem Körper anfreunden, ihn einfach annehmen.

b) Was kann der Einzelne für sich daraus ziehen?
Der Körper ist ein kostbares, lebendiges Geschenk an jeden von       uns. Wie wir damit letztlich umgehen, behutsam und liebevoll oder ablehnend und achtlos, liegt in der Eigenverantwortung jedes einzelnen Menschen.

Marina Metzler
Marina Metzler

Was bedeutet Übergewicht für Körper, Geist und Seele?
Meiner Ansicht nach bedeutet es, dass das dynamische und harmonische Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele aus den Fugen geraten ist. Wobei hier individuell nach der Ursache des Übergewichts, am besten in allen Bereichen, geforscht werden sollte.
Vor kurzem meinte ein Klient zu mir: „Ich habe nur 10 Kilogramm an Übergewicht, fühle mich gut und brauche eigentlich gar nicht abzunehmen.“ „Ok“, meinte ich dann zu ihm. „Sei aber jetzt mal ganz ehrlich zu dir selbst. Wie würdest du dich fühlen, wenn du diese 10 Kilos nicht hättest?“

Sie sagen: Abnehmen beginnt mit Annehmen. Das klingt toll. Ist das für viele nicht bereits eine sehr große Hürde?
Diese Hürde in Form von den nicht hinterfragten Gedanken, beginnt im Kopf. In der Physik gibt es eine schöne These „Druck erzeugt Gegendruck“, welche das – Nicht Annehmen – so gut veranschaulicht.
Mit anderen Worten, wenn ich z.B. meinen Körper ablehne, erzeuge ich durch destruktive Gedanken und Emotionen, langfristig Blockierungen, aus denen sich bestimmte Erkrankungen resultieren können. Denn, genau in diesem Moment kommt die Seele mehrfach ins Spiel. Die Seele jedes Menschen will sich in dem menschlichen Körper wohlfühlen, das Leben mit allen Sinnen erfassen und wertvolle Erfahrungen sammeln. Spürt sie aber diese Ablehnung, so schickt sie feine Signale auch Botschaften genannt, an den jeweiligen Menschen, sich mit sich zu befassen. Sich mehr Entspannung, mehr Lebensfreude etc. zu gönnen. Oder auch auf die Ernährung zu achten, wenn man z.B. etwas nicht verträgt oder sich nach bestimmten Lebensmitteln schlecht und lustlos fühlt.     Daher ist der beste Ratgeber für jeden Menschen, sein eigener Körper, sein eigenes „Bauchgefühl“.

Wie kann ich etwas annehmen, wenn ich darunter leide? Wie macht man das?
Indem ich anfange die Gedanken, die in meinem Bewusstsein immer und wieder auftauchen, zu hinterfragen und zu analysieren. „Das Schlimmste im Leben ist ein nicht hinterfragter Gedanke“. Dieses Zitat von Byron Katie liebe ich sehr, denn es offenbart die ganze Wahrheit, schlicht und ergreifend. Denn, in Wirklichkeit haben viele dieser „leidvollen“ Gedanken ihren Ursprung in Überzeugungen und Glaubenssätzen, welche uns unbedacht schon in unserer frühesten Kindheit suggeriert wurden. Und da wir damals, diese fremden Gedanken uns zu Herzen, also als die volle Wahrheit, (an-)genommen hatten, denken wir noch als Erwachsene teilweise noch immer so.
In meinem Buch „Ein klares JA zu meinem Übergewicht. Abnehmen beginnt mit Annehmen“ gehe ich auf dieses wichtige Thema sehr ausführlich ein. Denn, es gibt nicht nur 4 Ebenen der Überzeugungen, sondern vielen Menschen ist es eventuell die Macht und die außerordentliche Kraft des eigenen Unterbewusstseins (noch) nicht im vollen Ausmaß bewusst.

Viele sagen, sie können wegen ihres Übergewichtes keinen Sport treiben. Stimmt das? Welche Alternativen gibt es?
Meiner Meinung nach gibt es für jedes Problem eine Lösung. Wobei für mich das Problem eher eine Herausforderung darstellt. Im wahrsten Sinne des Wortes fordert eine gewisse Lebens-situation oder in unserem Fall das Übergewicht denjenigen Menschen heraus, aus der Trägheit, aus der Apathie oder ähnlichem endlich auszusteigen.
Und, wieder sich ehrlich zu fragen: „Stimmt das wirklich, dass ich überhaupt keinen Sport treiben kann?“
Was stellt das Übergewicht dar? Ganz einfach, die Summe vieeeeeler Mini-Entscheidungen, die das Übergewicht begünstigten. Genauso, kann man jetzt im Umkehrschluss bewusst vieeeeele Mini-Entscheidungen wie täglich 15 Minuten spazieren gehen oder 15 Minuten schwimmen, treffen. Nach dem Motto: „Lieber mäßig, dafür aber regelmäßig“. Und ein neues Resultat wird sich schon in geraumer Zeit erkenntlich zeigen. Garantiert!
Zu den Alternativen zähle ich Bereitschaft sich jeden Tag und nur 5 (!) Minuten zur Lieblingsmusik in eigenem Tempo nach Herzenslust zu bewegen. Einfach diese kleine Tanzchallenge mindestens einen Monat lang ausprobieren. Ich freue mich über die Rückmeldungen dazu.  🙂

Sie schreiben intensiv über das Thema. Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Ihren Leser/Innen gemacht?
Diese Frage bringt mich zum Schmunzeln. Denn, wenn Jemand hört, er oder sie müsse ihr Übergewicht, ihre finanzielle Lage oder unharmonische zwischenmenschliche Beziehungen bejahen, erzeugt das anfangs Unbehagen und Ablehnung. Warum sollte ich Jemand als Beispiel eigene Eltern bedingungslos annehmen, wo sie doch mich als Kind ständig kritisiert oder auf andere Art und Weise gekränkt haben. Das ist die sogenannte schöne Fassade, scheinbar sichere Schutzmauern, die wir schon sehr früh um unser Herz aufbauen, damit andere Menschen mich, mein Herz nicht mehr verletzen können.
Wenn wir aber unser Herz von der Außenwelt verschließen, so leben wir dann nicht wirklich, wir existieren nur irgendwie.
Daher erkenne ich die „Dicke dieser Schutzwall“ an der Reaktion meiner Leser/Leserinnen in Bezug auf den Titel meines Buches. Je heftiger und emotionaler sie ausfällt, umso mehr könnte man bei der jeweiligen Person, seelisch gesehen, „tiefergraben“.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders Spaß? Und was überhaupt nicht?
Ich liebe es, mich mit den Menschen auszutauschen und von ihnen zu lernen. Mir bereitet es große Freude, wenn ich der betreffenden Person nützliche Impulse mit auf den Weg geben kann, welche sein Leben im ganzheitlichen Sinne zum Positiven verändern. Diese Arbeit liegt mehr sehr am Herzen, daher macht sie mir auch Spaß!

Ist eine überwiegend basische Ernährung ein wichtiger Schlüssel zum Wohlfühlen? Warum ist das so? Oder: warum nicht?
Tatsächlich liegt ein wichtiger Schlüssel zum Wohlfühlen, wenn wir uns überwiegend basisch ernähren. Die Regel lautet dazu: Die Ernährung sollte ungefähr bis zu 80 % aus basisch bildenden und aus circa 20 % aus säurebildenden Lebensmitteln bestehen.
Denn, ein gesunder pH-Wert unseres Blutes liegt in einem leicht alkalischen (basischen) Bereich von 7,35 bis 7,45. Damit alle Stoffwechselvorgänge im Körper optimal ihre lebenswichtigen Funktionen erfüllen können, müsste dieser enge Bereich im Blut eingehalten werden. Geschieht das nicht, so verschiebt sich der pH-Wert in den sauren Bereich und begünstigt dadurch die Stoffwechselentgleisungen wie etwa Übergewicht oder Verschlackungen, die unnötig den Körper belasten.
Auch diesen wichtigen Segment behandele ich in meinem Buch und stelle gleichzeitig auch diese beiden Gruppen mit ihren entsprechenden Nahrungs- und Lebensmittel vor.

Haben Sie einen Tipp, wie sich der Gewohnheitsmensch einer gesunden Ernährung nähern kann, ohne das Gefühl des Verzichts zu haben?
Ja. Vor einigen Jahren leitete ich kleine Workshops zum gesunden Frühstück in einer Grundschule. Ich benannte es „Regenbogen Frühstück“. Vor dem Workshop bat ich die Kinder 3 verschieden-farbige Lebensmittel zum ausgemachten Termin von zu Hause aus mitzubringen.
Das taten sie bereitwillig und als sie ihre gesunden Schätze mitbrachten, kreierten wir aus ihnen einen schönen Regenbogen.
Der Grundgedanke hinter dieser Aktion war, zunächst diese wunderbare Fülle und Vielfalt an Lebensmitteln visuell darzustellen und andererseits sich über die ganze Woche hinweg sich bunt, also abwechslungsreich zu ernähren.
Ergänzend kommt noch der bewusste Tausch mit den alternativen Lebensmitteln ins Spiel. Dazu macht man mit sich selbst eine feste Abmachung aus. Anstatt 3 oder 4-mal am Tag zu naschen, erlaubt man sich und genießt so richtig eine Handvoll Portion an Süßem. Die anderen Portionen ersetzt man durch leckeren Obstsalat oder frischgepressten Saft, Smoothie etc. Ganz wichtig wäre bei allem Neuen, das man ausprobiert, sich selbst zu beobachten und zu fragen: „Wie fühle ich mich dabei? Energielos und matt oder schwungvoll und happy?“

Gibt es einen Unterschied zwischen gesunder Kost bei Mann und Frau?
Das ist eine sehr gute Frage. Mein Gefühl sagt mir, dass der Unterschied in der Verstoffwechslung der jeweiligen Grundelemente der Kohlenhydrate, Fette und Proteine liegt. Denn das ist absolut individuell und hängt noch zudem von dem aktuellen Zustand des Magen-Darm-Trakts sowie der Darmflora im Ganzen des jeweiligen Menschen ab.
Auch in diesem Fall würde Selbstbeobachtung über einen bestimmten Zeitrahmen gute Dienste leisten. Wenn Jemand z.B. morgens sich überwiegend kohlenhydratreich ernährt und sich danach sehr müde fühlt, so könnte er die Kohlenhydrate mal weglassen oder durch andere Lebensmittel austauschen und wiederum genauestens eigenes Befinden erforschen.
Zusammenfassend verbraucht unser Körper die meiste Energie für die Verdauung. Der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahmen, die Zusammensetzung und die Qualität der eingenommenen Lebensmittel, die Stimmung (Emotionen), in der man die Mahlzeit eingenommen hat, all‘ das trägt wesentlich zur besseren und hochwertigeren Verstoffwechslung im Körper bei.

Gibt es etwas worauf Männer besonders achten sollten?
Teilweise habe ich diese Frage schon in der vorangegangenen Frage beantwortet. Ansonsten fällt mir dazu nur ein, eventuell mit dem eigenen Körper achtsamer und liebevoller umzugehen.

Gibt es einen Traum (oder zwei, oder drei), den Sie sich beruflich/persönlich noch erfüllen möchten?
Oh, ja. Da gibt es einige Träume, die ich mir noch erfüllen möchte. Vor einigen Jahren leitete ich in einer Volkshochschule einen 6-wöchigen „Abnehm“Workshop mit den 11- und 12-jährigen Heranwachsenden. Während dieser Zeit erwachte in mir der Wunsch, ein Trainingszentrum a la „Fit for real Life“ zu gründen, in dem es Kenntnisse zur gesunder, vollwertiger Ernährung, Fitness, Eigenverantwortung, den Umgang mit den unangenehmen Emotionen sowie Lebensfreude und Lebensbestimmung etc. den Jugendlichen & Heranwachsenden ganzheitlich vermittelt werden.
Zudem möchte ich ein neues Buch zu Persönlichkeitsentwicklung & LebensSinn herausbringen und persönlich möchte ich wieder eine schöne Wanderung auf der Insel Kreta mit meiner Familie unternehmen.

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Ihr Buch „Ein klares JA zu meinem Übergewicht. Abnehmen beginnt mit Annehmen.“

Fotos/Buchcover: Marina Metzler

Cat’s Couch: Nackte Tatsachen

Drei Badende am Strand - Paul Gustav Fischer (1860 - 1394 )- dänischer Maler
Drei Badende am Strand – Paul Gustav Fischer (1860 – 1394 )- dänischer Maler

Der Sommer naht und so mancher Mann freut sich jetzt schon auf den Anblick kurzer Röcke, tiefer Ausschnitte und Shorts, die gerade so das Nötigste bedecken. Vielen Frauen hingegen gruselt es vor der heißen Saison und ihrer neuen „Kleiderordnung“ – und vor allem vor dem „Ganzkörperscan“, der ihnen nun ständig bevorsteht.
Am nächsten Wochenende soll es heiß werden, das sagt zumindest der Wetterbericht. Also raus mit den Sandalen, dem kurzen Kleidchen und der Hotpants? Die Zuverlässigkeit der Wettervorhersage ist eine Sache – das mit der knappen Bekleidung eine andere. Denn es wird sich auch diesen Sommer nicht jede Frau trauen, sich darin ungezwungen im öffentlichen Raum zu bewegen. Dies zu tun, ohne sich ständig begafft zu fühlen wie ein Tier im Zoo, ist wohl eine der größten Hürden, die den Meisten bald begegnen wird. Weiterlesen

Interessante Kriminalfälle vor Gericht – Der Hochverratsprozeß gegen Liebknecht, Bebel und Hepner

Der Hochverratsprozeß gegen Karl Liebknecht, August Bebel und Adolf Hepner vom 11. bis 26. März 1872 vor dem Leipziger Bezirks-Schwurgericht – von Hugo Friedländer

Hugo-FriedländerIn meiner langen Berufstätigkeit habe ich keinem zweiten Prozeß als Berichterstatter beigewohnt, der auch nur entfernt an die politisch-historische Bedeutung herangereicht hat, wie dieser Hochverratsprozeß, der am 11. März 1872, also vor nunmehr … Jahren, vor dem Leipziger Bezirks-Schwurgericht begann.Weiterlesen

Mannsbilder – James K. Polk – 11. Präsident der USA

James k. Polk und seine Frau Sarah Childress Polk - Fotograf unbekannt
James k. Polk und seine Frau Sarah Childress Polk – Fotograf unbekannt

James Knox Polk (* 2. November 1795 in Pineville, Mecklenburg County, North Carolina; † 15. Juni 1849 in Nashville, Tennessee) war vom 4. März 1845 bis zum 4. März 1849 elfter Präsident der Vereinigten Staaten. Davor wirkte er als Gouverneur des Bundesstaats Tennessee (1839 bis 1841) und Sprecher des Repräsentantenhauses (1835 bis 1839). Polk gehörte der Demokratischen Partei an.Weiterlesen

Walt Whitman – Der große amerikanische Lyriker im Porträt

EINFÜHRUNG – Wer ist Walt Whitman?

Walt Whitman
Walt Whitman

Der erste große eigentümlich amerikanische Dichter im 19. Jahrhundert. So könnte man ihn bezeiclmen und hätte damit doch nur die Hälfte seiner Bedeutung erkannt. Man könnte ihn auch den ersten stolzen Bekenner der jugendlichen Kultur Amerikas nennen, obwohl er zugleich einer der schärfsten Kritiker der Gefahren des „Amerikanismus“ war, des Übermaßes von Wohlstand, von „Geschäft“, Weltlichkeit und Materialismus. Er war der begeisterte Künder der Freiheit, der Technik, der Großstädte, obwohl er niclit weniger leidenschaftlich auch die Flucht aus Industrie und Weltstadt, die vollkommene Hingabe an Natur und Einsamkeit besingt und ein glühender Verfechter der Erhöhung des Einzelmenschen ist. Weiterlesen

GEORGE STEPHENSON – Der Erfinder der Eisenbahn im Porträt

„Ich bin der Sohn eines Kohlenarbeiters!“

George Stephenson war ein englischer Ingenieur und Hauptbegründer des Eisenbahnwesens. Er war Autodidakt und erwarb sich umfangreiche technische Kenntnisse.
George Stephenson war ein englischer Ingenieur und Hauptbegründer des Eisenbahnwesens. Er war Autodidakt und erwarb sich umfangreiche technische Kenntnisse.

Am Eingang zu den Stollen der Kohlenwerke des Lords Ravensworth standen ein paar Arbeiter und sahen besorgt auf den Förderkorb. Die Maschine, die ihn betätigen sollte, war in Unordnung. Vergeblich versuchten die Leute, von denen sich jeder heimlich für einen Sachverständigen hielt, sie wieder zur Vernunft zu bringen. Schließlich sagte einer: „Man muß John holen, er ist der einzige, der etwas davon versteht. Er wird sich zwar wieder gebärden wie der Hahn auf dem Mist, der aufgeblasene Bursche, aber was sollen wir tun? Wir finden doch nicht heraus, wo der Schaden liegt.“ „Laßt mich’s nochmals versuchen“, schlug ein anderer vor, „vielleicht gelingt’s mir. Es ist sicher nichts! Man „braucht nur die Stelle herauszufinden, an der man das Ding streicheln muß.“ Aber alles Streicheln und Herumprobieren half nichts. Weiterlesen

Jean-Henri Fabre – Verhaltensforscher – InsektenForscher – Begründer der Ökologie als Wissenschaft

Jean-Henri_Fabre_peinture_anonymeJean-Henri Casimir Fabre (* 1823 in Saint-Léons du Lévézou; † 1915 in Sérignan-du-Comtat, Vaucluse) war ein französischer Naturwissenschaftler (Entomologe), Dichter und Schriftsteller, Mitglied der Académie Française und der Légion d’honneur. Er gilt als ein Wegbereiter der Verhaltensforschung und der Ökophysiologie.

Bauern, gewohnt in der kargen Welt der Cevennen zwischen Rodez und Millan ihr Brot zu finden, waren die Vorfahren Jean Henri Fabres, der wie nur wenige die großen Vorzüge der Menschen des Mittelmeerraumes, die an den Bewohnern seiner gebirgigen Teile am deutlichsten sichtbar werden, in sich vereint: Bedürfnislosigkeit, Zähigkeit, Lebensklugheit und Klarheit des Denkens. Reichtümer sind auf den steinigen Hängen der Cevennen nicht zu gewinnen, es ist ein ärmliches Land mit Roggen-, Hafer-, Kartoffel- und Hanffeldern und noch viel mehr Ödland, auf dem Schafe ihr Auskommen finden. Herren der kleinen Herden sind die Kinder des Dorfes, die mit diesem ersten Dienst frühzeitig in das arbeitsreiche Landleben hineinwachsen. Als Schaf- oder Ziegenhirt hat man viel Zeit zu müßiger Träumerei. Der junge Jean Henri ist ein sehr aufmerksamer Beobachter, nichts entgeht seinen flinken Augen, und er macht sich bald seine eigenen Gedanken über Art, Wesen und Ordnung der Gräser, Blumen und Bäume, über alles, was kreucht und fleucht. Der Pfarrer, aufmerksam geworden auf den intelligenten Jungen, gibt ihm ein paar Unterrichtsstunden in Naturkunde. Die einfache Dorfschule, zu deren Heizung jeder Schüler im Winter ein Scheit Holz mitbringen muß für den Ofen, der nebenbei auch das Futter für die Schweine des Lehrers kocht, vermittelt die ersten systematischen Kenntnisse von Pflanzen- und Tierkunde, wobei der Anschauungsunterricht durch Absuchen der Schnecken von den Gemüsebeeten des Herrn Lehrers zu dem weniger geschätzten Anschauungsunterricht gehört.

Jean_Henri_Fabre_Foto von NadarJ. H. Fabre ist zehn Jahre alt, als der Vater sein Glück in der Stadt Rodez als Inhaber eines kleinen Kaffees versucht. Um das Schulgeld zu sparen, singt Jean Henri im Kirchenchor und übernimmt das Amt des Meßdieners. Der Pfarrer gibt ihm Lateinunterricht, aber mehr noch als die Sprache, in der er als der Muttersprache auch seiner eigenen urtümlichen provengalischen Mundart bald heimisch wird, interessiert der Inhalt des lateinischen Lehrund Lesebuches: Vergils Landleben mit seinen bis ins einzelne gehenden Tierschilderungen. Nach nur dreijährigem Aufenthalt in Rodez zieht die Familie, deren wirtschaftliche Lage sich eher verschlechtert als verbessert hat, noch weiter nach dem Süden, nach Toulouse. Dort kann Jean Henri wenigstens die fünfte Klasse der Volksschule vollenden. Bald aber wird das wenige Umzugsgut wieder auf den Wagen geladen, und es geht nach Montpellier. An Schule ist nicht mehr zu denken, die Familie ist bettelarm geworden. „Und jetzt, mein Kleiner, Gott befohlen! Verdiene dir, so gut du kannst, deine Bratkartoffeln!“ Mit diesen Abschiedsworten wird der Sechzehnjährige vom Vater in die Fremde entlassen.
Auf Jahrmärkten verkauft er Zitronen, arbeitet als Erdarbeiter an einer Eisenbahnstrecke bei Nimes, muß hungern, schläft unter Brücken und verbringt eine Elendszeit, deren er sich noch nach sechzig Jahren mit Schaudern erinnert. Im Juli 1840 kommt er in Nimes mit nur drei Franken in der Tasche an und ersteht dafür statt eines guten Mittagessens die Gedichte des Bäckerpoeten Jean Raboul, denn fast noch wichtiger als die leibliche ist ihm die geistige Kost. Und darum übersieht er auch nicht den Anschlag am Rathaus, der eine Auswahlprüfung in der Provinzhauptstadt Avignon bekanntgibt. Schüler, die sie bestehen, bekommen einen Freiplatz und können Volksschullehrer werden. Fabre geht als Erster aus der Prüfung hervor, weiß endlich wieder, wie er morgen satt wird, und kann jede Möglichkeit wahrnehmen, sich in den Naturwissenschaften weiterzubilden.

Jean-Henri-Fabre-beim StudiumMit neunzehn Jahren verläßt Fabre das Lehrerseminar, um seine erste Stelle mit siebenhundert Franken im Jahr anzutreten. Beim Feldmeßunterricht, der natürlich im Freien stattfindet, sieht er, wie die Schüler — meist Bauernsöhne aus der Provinz — die Nester der Mörtelbiene öffnen und den Honig mit einem Strohhalm herausschlürfen, eine Kenntnis und Kunst, die bereits von den Jägern und Sammlern der Vorzeit geübt wurde. Fahre schaut interessiert zu,* und er möchte gern mehr wissen über dieses Tier, das bereits im 18. Jahrhundert den großen Reaumur beschäftigt hatte.
Als er in einer Buchhandlung das bekannte illustrierte Insektenbuch von Castelnau, Blanchard und Lucas findet, opfert er dafür ein ganzes Monatsgehalt seiner kleinen, nicht immer regelmäßig ausgezahlten Volksschullehrerbesoldung. Diese Ausgabe war so wenig Verschwendung wie seinerzeit in Nimes, als er sich für die letzten drei Franken den Gedichtband kaufte. Es war die Sicherheit eines Berufenen, der sich sein Handwerkszeug besorgte. Wenige Monate später hätte er das Geld allerdings wieder bitter nötig gehabt. Denn kaum volljährig geworden, heiratet Fabre die junge Lehrerin Marie Villard aus Carpentras. Aus dieser Ehe entsprießen nicht weniger als fünf Kinder.
Wohl hat der junge Ehemann inzwischen auch die Lehrbefähigung für Physik und Mathematik an höheren Schulen erworben, doch wird er erst nach längerer ungeduldiger Wartezeit seinem Examen entsprechend verwendet und bezahlt. Als er seine erste bedeutende wissenschaftliche Arbeit veröffentlicht, wird man in Paris auf ihn aufmerksam. Der Unterrichtsminister Napoleons III. besucht ihn in Avignon, läßt ihn nach Paris kommen, wo er dem Kaiser vorgestellt wird und das Kreuz der Ehrenlegion erhält.

Jean-Henri Fabre_am SchreibtischDen Tagen des Glücks und der Erfolge folgen schwere Zeiten. Da beginnt Fabre, seine Erfahrungen, Beobachtungen und Forschungen aus der Insektenwelt in einem zehnbändigen Werk niederzulegen, das er „Souvenirs entomologiques“ — ,Erinnerungen an Insekten‘ — nennt; fast dreißig Jahre schreibt er an diesen Büchern, die auch heute noch höchst lesenswert sind. Er spricht darin den Gedanken aus, „daß die Insekten geradeso unbewußt zweckmäßig handeln, wie etwa das Herz oder ein anderes Organ, dessen Tätigkeit der Erhaltung des Körpers dient, ohne daß es selbst ein Bewußtsein davon hat“. Die populärwissenschaftliche Buchreihe findet großen Absatz, und Fabre, der auch ein herrliches Sternenbuch geschrieben hat, steht lange Zeit im Mittelpunkt der Interessen des geistigen Frankreich. Fabre war, wie der große Darwin in der „Entstehung der Arten“ feststellte, ein „unnachahmlicher Beobachter“, aber auch ein einfallsreicher Experimentator, dessen Forschungsergebnisse teilweise bis heute Gültigkeit haben. Sein Wohnsitz Harmas in Sevignan ist heute eine vom Museum für die Geschichte der Naturkunde in Paris betreute Gedenkstätte.

Joseph Fraunhofer – ER BRACHTE UNS DIE GESTIRNE NÄHER

Joseph von Fraunhofer
Joseph von Fraunhofer

Joseph Fraunhofer, seit 1824 Ritter von Fraunhofer (* 1787 Straubing; † 1826 München) war ein deutscher Optiker und Physiker.

Am 1. Juni 1801, um die Mittagsstunde, trug sich in der kurfürstlichen Haupt- und Residenzstadt München ein sonderbares Unglück zu, von dem die Leute noch lange zu erzählen wußten. Nahe beim Dom Unserer Lieben Frau stürzte plötzlich das Haus des Glasschleifers und Spiegelmachers Weichselberger mit fürchterlichem Krachen in sich zusammen. Der Meister selbst und sein kleines Mädchen konnten sich mit eigener Kraft aus den Trümmern befreien, seine Frau aber und sein Lehrbub waren verschüttet. Ohne viel Hoffnung, sie noch lebend bergen zu können, machte man sich an die schwierigen Aufräumungsarbeiten; auch der Kurfürst Max Joseph kam von der nahen Residenz zur Unglücksstätte und ließ sich von dem Geschehen berichten. Nach vierstündiger Arbeit brachten die Männer den Lehrbuben wieder ans Tageslicht, leicht verletzt, aber lebendig. „Ein armer Waisenknabe . ..“, flüsterte man dem Kurfürsten zu. „Nun denn, so will ich fortan sein Vater sein!“ sagte der Landesherr, schenkte dem Geretteten achtzehn Goldstücke und versprach, auch weiterhin für ihn zu sorgen. Das Unglück wurde für den jungen Joseph Fraunhofer — so hieß der Lehrbub — zum Segen und zum Tor in eine hellere Zukunft. Als elftes Kind eines armen Glasers war er in Straubing zur Welt gekommen. Die Mutter war früh gestorben; als Elfjähriger verlor er auch den Vater, und um dem Waisenhaus zu entgehen,
entschloß er sich, ein Handwerk zu erlernen und sich sein Brot selbst zu verdienen. Er kam nach München in die Lehre, zum Glasschleifer Weichselberger, auf eine sechsjährige Lehrzeit verpflichtet, weil er kein Lehrgeld zahlen konnte. Weiterlesen

Alois Senefelder – AUF DASS DIE STEINE REDEN – Ein Porträt

Alois Senefelder
Alois Senefelder (1771 — 1834) ist der Erfinder der Lithografie. Außerdem war er Theaterschriftsteller, Sänger, Musiker und Komponist.

„Leutein, nehmt’s die Wasch von der Leine — die Komödianten kommen…!“ So wenig schmeichelhaft wie überall damals in der Welt begrüßt man in der Altstadt von Prag auch die wandernde Schauspielertruppe, der Herr Senefelder aus München angehört. Der „Jugendliche Liebhaber“ aber freut sich über den ersten Sohn, Alois, den die Gattin ihm während des Prager Gastspiels schenkt, und zu dritt kehrt die Familie in die bayerische Heimat zurück. Der kunstsinnige Kurfürst beruft Senefelder als Hofschauspieler an sein Münchner Residenztheater; auch Alois zieht’s zum Theater, jedoch der Vater will seinem Ältesten die bitteren Erfahrungen der eigenen Jugend ersparen und bestimmt den Hochbegabten zum Juristen. Fleißig, aber ohne große Begeisterung, studiert der Junge an der Universität zu Ingolstadt Rechtswissenschaft, bis der allzufrühe Tod des Vaters alle Pläne zunichte macht. Mutter Senefelder eröffnet eine kleine Wäscherei, mit der sie ihre neun Kinder zu ernähren hofft, während Alois, der ehemalige Rechtsstudent, sich als Schauspieler und Lustspieldichter versucht. Nicht ohne Erfolg übrigens, seine Theaterstücke werden freundlich aufgenommen, aber es fehlt das Geld, sie drucken zu lassen. Selber drucken müßte man können!

Steindruckschnellpresse von Hugo Koch, um 1880 - Quelle: wikipedia.org
Steindruckschnellpresse von Hugo Koch, um 1880 – Quelle: wikipedia.org

Einmal will es der Zufall — so wird er später in seinem „Lehrbuch des Steindrucks“ berichten —, daß er für die Mutter eine eilige Wäscherechnung schreiben soll, doch in dem ärmlichen Haushalt sind weder Papier noch- Tinte zu finden. Da schreibt er in der Eile die Rechnung mit Wachstinte auf eine Solnhofener Steinplatte, die er sonst zum Farbeanreiben benützt. Eine flüchtige Laune läßt ihn — mal sehn, was daraus wird! — die Platte mit Scheidewasser ätzen, und als die von der Wachstinte geschriebenen Worte erhaben im Stein stehen bleiben, da fühlt er sich als glücklicher Erfinder eines funkelnagelneuen Druckverfahrens. Als er erfahren muß, daß die Steinhochätzung eine altbekannte Sache ist, versucht der Enttäuschte sein Glück als Soldat in der bayerischen Armee, bis man auf der Schreibstube dahinterkommt, daß der Alois Senefelder ja in Prag geboren ist, und den „Ausländer“ schleunigst nach Hause schickt. Hier bastelt und bosselt er weiter; er verbessert seine „Steintinte“ und seine kleine Druckpresse, er schreibt Musiknoten auf Papier, druckt sie auf Stein über und kommt so zum ersten Umdruckverfahren von Papier auf Stein, das er unermüdlich fortsetzt. Seine beiden Brüder, die der Arbeit gern aus dem Weg gehen, weiht der Gutmütige in sein Erfindergeheimnis ein, auf das ihm ein bayerisches Privileg für vorläufig fünfzehn Jahre erteilt wird.

Nun winken Ehre, Ruhm und Reichtum —• es kommen die verlockendsten Angebote, und ein namhafter Offenbacher Musikverleger läßt den jungen Mann auf eigene Kosten nach London reisen, damit er dort mit englischen Privilegien eine Steindruckerei eröffnen kann. An der Themse aber siegt wieder Senefelders Phantasie über Alltag und Wirklichkeit, er läßt Geschäft Geschäft sein und macht sich an die Erfindung eines lenkbaren Luftschiffes und eines Perpetuum mobile. Die Mühen enden mit Enttäuschung und ruhmloser Heimkehr. Inzwischen haben seine nichtsnutzigen Brüder in München die Erfindung des Steindrucks weiterverkauft an den bayerischen Staat, der unter Mißachtung des von ihm an Senefelder erteilten Privilegs eigene „Lithographische Anstalten“ errichtet. Erst als der Heimgekehrte vor Gericht seine Ansprüche vertritt, erfährt der Kurfürst, nun König von Napoleons Gnaden, von dem begangenen Unrecht; er befiehlt schleunigste Wiedergutmachung und ernennt Alois zum Inspektor an der Königlichen Vermessungsdruckerei. Der Senefelder aber ist für ein ruhiges, sorgenfreies Beamtendasein nicht geschaffen, er verkauft seine so hart umkämpften Erfinderrechte wieder, verkauft sie — was man ihm übelnimmt — gleich zweimal. Seine hochfliegenden Pläne einer Staatsdruckerei in Paris verwirklichen sich ebensowenig wie seine Träume von eigenen großen Fabriken in England. Mit seiner an Leichtsinn grenzenden Sorglosigkeit in Geldsachen schiebt er ein glänzendes Angebot aus Wien achtlos beiseite und stürzt sich mit Feuereifer in neue, phantastische Projekte. Während er sich mit diesen Erfindungen erfolglos abmüht, tritt sein „Flachdruckverfahren“, das ihm eine Sternstunde seiner Jugend geschenkt, den Siegeszug durch die Welt an, fast so bedeutend wie Gutenbergs Tat für die Verbreitung des Wissens und die Erweiterung der Bildungsmöglichkeiten. Die „Steingravur“, die der achtundzwanzigjährige Senefelder „so nebenbei“ erfunden hatte, begründet den Weltruf der deutschen Anstalten für Landkartendruck, und mit seinem Verfahren der Steinzeichnung schaffen Menzel, Daumier, Gericault und andere die ersten Spitzenleistungen der Künstlerlithographie. Zu neuer Blüte gelangt sie später durch die Bildwerke Manets, Renoirs, Toulouse-Lautrecs, Munchs, Liebermanns, Corinths, Kokoschkas, Barlachs und der Käthe Kollwitz. „Ich bin und bleib‘ ein armer Lump .. .“

Aber allen Rückschlägen und Enttäuschungen zum Trotz nennt sich der rastlos Tätige einen „glücklichen Erfinder“. Wer weiß — vielleicht hätte der gute alte Gänsekiel als Schreibinstrument sich noch hinübergerettet ins technische Zeitalter, wenn Senefelder nicht auf den Gedanken gekommen wäre, breite, stählerne Uhrfedern zu „Schreibfedern“ zu zerschneiden und durch Ausglühen und blitzschnelles Abkühlen zu härten. So entstand die Stahlfeder, über ein Jahrhundert lang das bevorzugte Schreibwerkzeug der zivilisierten Welt — die Stahlfeder, die noch in den Goldfedern unserer Füllhalter fortlebt. Die Engländer entwickelten diese Erfindung Senefelders — für die er nie einen Groschen erhalten hat — zu einem Industriezweig, der Millionengewinne erbrachte. Noch am Ende seines reichen und bewegten Lebens erinnert sich der Sohn des fahrenden Komödianten an das fehlende Stückchen Papier in der Waschküche seiner Mutter: „Hätte ich damals das nötige’Geld gehabt, so würde ich mir Lettern, eine Buckdruckpresse und Papier gekauft haben zum Druck meiner Theaterstücke, und die Steindruckerei wäre wahrscheinlich so bald nicht erfunden worden. Ich habe den Wunsch, daß meine Erfindung der Menschheit durch vortreffliche Erzeugnisse vielfältigen Nutzen bringen und zu ihrer größten Veredelung gereichen, niemals aber zu einem bösen Zweck mißbraucht werden möge . . .“

Pseudodimitri I. – vom Hofdiener zum Zaren – ein Porträt von Irina Norbekov

Der falsche Dimitri - Grigori Otrepjew
Der falsche Dimitri – Grigori Otrepjew

Hinter dem Eisernen Vorhang

Bis ins 17. Jahrhundert hinein blieb Rußland dem Westen wie hinter einer undurchdringlichen Wand von Finsternis und Grauen verborgen. Nur selten gelang es Reisenden, bis nach Moskau vorzudringen. Was man erfuhr, war nicht verlockend. Christlich und heidnisch-barbarisch war die Natur des Staatswesens, orientalischer Brauch, übernommen oder aufgedrängt von den Tataren, beherrschte das armselige, freudlose Dasein der Menschen. Wenig einladend war auch das rauhe Klima und die Trostlosigkeit der unermeßlichen Steppen, in denen Edelleute wie Bauern, Kaufleute wie Handwerker in Selbsterniedrigung, in Trägheit, im Kriechen vor der Knute und ausgebeutet von herzlosen Steuereinziehern dahinvegetierten. Die Natur war hier des Menschen Feind. In engstem Kreis, auf des Leibes Notdurft ausgerichtet, bewegte sich das Leben, und jeder Fremde galt als Schmarotzer, der den kargen Besitz schmälerte. Kein Laut des Weltgeschehens drang bis an die Moskwa, und so völlig unzugänglich war die Haltung der Russen den Ausländern gegenüber, daß noch um 1664 ein russischer Schriftsteller schreiben konnte: „Die Ausländer haben in unsere Grenzen eine Bresche geschlagen und können deshalb unsere inneren Angelegenheiten ohne Mühe im Auge behalten: das geschieht mit Hilfe der jüngst eingerichteten Briefpostverbindung, die vielleicht dem Zaren finanzielle Vorteile bringt, dem Land aber nur schadet. Was auch bei uns geschehen mag, von allem wissen die Ausländer gleich . . . Weiterlesen

Franz Schubert – ein Porträt von Dr. Fabian Schulte – Teil 1

Franz Schubert - Illustration: Stefan Otte
Franz Schubert – Illustration: Stefan Otte

Im kaiserlichen Konvikt

Still liegt der stattliche Bau des Kaiserlichen Konvikts zu Wien im Dunkel der Nacht. Das Lärmen der Gymnasiasten, Studenten und Sängerknaben der Hofkapelle, die in dem großen Internat zusammenleben, ist verstummt. Nur aus einem Fenster dringt noch Lichtschein. Hinter seinem Schreibpult grübelt ein Schüler über einem Bogen unbeschriebenen Papiers. Er ist klein und untersetzt, und lebendige, braune Augen, die sich in schnellem Wechsel vom begeisterten Leuchten zu melancholischer Tiefe verändern, schauen unter einer hohen Stirn und einem dunklen Wuschelkopf hervor. Der Fünfzehnjährige trägt die Uniform des Internats: einen altmodischen, rund ausgeschnittenen schwarzbraunen Rock, kurze Beinkleider mit Schnallen, lange Weste, weißes Halstuch und Schnallenschuhe. Der niedere Dreieckshut liegt achtlos auf das Bett geworfen. Auf dem goldenen Schulterstück, das dem schäbigen Rock des Schülers ein wenig Eleganz verleihen soll, spielt das Licht der Kerze. Unschlüssig dreht der Junge den Gänsekiel zwischen den Fingern. Endlich setzt er zum Schreiben an: „Wien, 24. November 1812.“ Noch einmal ruft er sich das Bild des Bruders vor Augen. Ja, vor ihm, dem Lieblingsbruder Ferdinand, braucht er nichts zu verbergen. Und er schreibt jetzt ohne Stocken: „Gleich heraus damit, was mir am Herzen liegt, und Du wirst nicht durch liebe Umschweife lang aufgehalten. Schon lange habe ich über meine Lage nachgedacht und gefunden, daß sie im ganzen genommen zwar gut sei, aber doch noch hie und da verbessert werden könnte; Du weißt aus Erfahrung, daß man doch manchmal eine Semmel und ein paar Äpfel essen möchte, um so mehr, wenn man nach einem mittelmäßigen Mittagsmahle nach achteinhalb Stunden erst ein armseliges Nachtmahl erwarten darf. Dieser schon oft mir aufgedrungene Wunsch stellt sich nun immer mehr ein, und ich mußte nolens volens eine Abänderung treffen. Die paar Groschen, die ich vom Herrn Vater bekomme, sind in den ersten Tagen beim Teufel, was soll ich denn die übrige Zeit tun? Die auf dich hoffen, werden nicht zuschanden werden. Matthäus, Kap. 3, V. 4. So dachte auch ich. — Wie wär’s denn auch, wenn Du mir monatlich ein paar Kreuzer zukommen ließest. Du würdest es nicht einmal spüren, indem ich mich in meiner Klause für glücklich hielte und zufrieden sein würde. Wie gesagt, ich stütze mich auf die Worte des Apostels Matthäus der da spricht: Wer zwei Röcke hat, der gebe einen den Armen usw. Indessen wünsche ich, daß Du der Stimme Gehör geben mögest, die Dir unaufhörlich zuruft, Dich zu erinnern Deines Dich liebenden armen, hoffenden und nochmals armen Bruders Franz.“ Weiterlesen

Peter Altenberg – Selbstbiographie

Peter Altenberg
Peter Altenberg

Ich bin geboren 1862, in Wien. Mein Vater ist Kaufmann. Er hat eine Eigenheit: Er liest nur französische Bücher. Seit 40 Jahren. Über seinem Bette hängt ein wunderbares Bildnis seines Gottes »Victor Hugo«. Er sitzt abends in einem dunkelroten Lehnstuhle, liest die »Revue des deux Mondes« und hat einen blauen Rock an, mit breitem Sammetkragen à la Victor Hugo. Nein, einen solchen Idealisten gibt es nicht mehr auf dieser Welt. Man fragte ihn einmal: »Sind Sie nicht stolz auf Ihren Sohn?!«

Er erwiderte: »Ich war nicht sehr gekränkt, daß er 30 Jahre lang ein Tunichtgut gewesen ist. So bin ich nicht sehr geehrt, wenn er jetzt ein Dichter ist! Ich gab ihm Freiheit. Ich wußte, daß es ein Va-banque-Spiel sei. Ich rechnete auf seine Seele!«
Jawohl, edelster, merkwürdigster aller Väter, lange habe ich dein göttliches Geschenk der Freiheit mißbraucht, habe edle und ganz unedle Damen heiß geliebt, bin in Wäldern herumgelungert, war Jurist, ohne Jus zu studieren, Mediziner, ohne Medizin zu studieren, Buchhändler, ohne Bücher zu verkaufen, Liebhaber, ohne je zu heiraten, und zuletzt Dichter, ohne Dichtungen hervorzubringen! Denn sind meine kleinen Sachen Dichtungen?! Keineswegs. Es sind Extrakte! Extrakte des Lebens. Das Leben der Seele und des zufälligen Tages, in 2-3 Seiten eingedampft, vom Überflüssigen befreit wie das Rind im Liebig-Tiegel! Dem Leser bleibe es überlassen, diese Extrakte aus eigenen Kräften wieder aufzulösen, in genießbare Bouillon zu verwandeln, aufkochen zu lassen im eigenen Geiste, mit einem Worte, sie dünnflüssig und verdaulich zu machen. Aber es gibt »geistige Mägen«, welche Extrakte nicht vertragen können. Alles bleibt schwer und ätzend liegen. Sie bedürfen 90 Prozent Brühe, Wässerigkeiten. Womit sollten sie die Extrakte auflösen?! »Mit eigenen Kräften« vielleicht?!Weiterlesen

Cat’s Couch: Mauerblümchen – na und?

Foto: Privat
Foto: Privat

Graue Maus, Mauer-blümchen, nichts-sagend, Langweilerin … Es gibt viele abwertende Begriffe für Frauen, die nicht viel Aufwand darauf verwenden, im Mittelpunkt zu stehen und alle Augen und Ohren auf sich zu ziehen. Aber warum eigentlich so herablassend? Immerhin hat Unscheinbarkeit auch ihre Vorteile …

Jeder kennt die Menschen, die man eben kennen muss. Denn sie fallen auf wie bunte Hunde, kennen alles und jeden und ziehen die Aufmerksamkeit an wie das Licht die Motten. Wo eine Kamera ist, schauen sie hinein und geben ihr strahlendstes Lächeln, und auch bei auffälligen, besonders modischen Outfits sind sie ganz vorne mit dabei. Und der Rest? Der leistet auch Großes … nur in kleineren Schritten, und dort, wo es einen zweiten Blick benötigt. Etwas, das die „Showstars“ unter uns vielleicht nicht wissen – auch auf der Schattenseite lebt es sich angenehm und sogar zum Teil stressfreier.

Auf dem Beobachtungsposten. Menschen, die sich eher im Hintergrund aufhalten, sind zumeist gute Beobachter. Eine Frau kann viel über andere herausfinden, indem sie einfach deren Verhalten studiert und sich in aller Stille ein Bild davon machen kann. Dadurch kann sie eventuell auf längere Sicht eine clevere Strategie entwickeln, auf die ihre auf Außenwirkung bedachten Mitstreiterinnen oder Freundinnen nie gekommen wären.Weiterlesen

Ralph Waldo Emerson – Ein Porträt von Dr. Karl Federn

Ralph Waldo Emerson - 1803 bis 1882
Ralph Waldo Emerson – 1803 bis 1882

Am 27. April 1882 starb zu Concord bei Boston im achtzigsten Jahre seines Lebens Ralph Waldo Emerson, der letzte große Vertreter und Lehrer der idealistischen Philosophie. Die philosophische Schule, die im vorigen Jahrhundert durch Kant in Deutschland begründet wurde, sollte auf der entgegengesetzten Hemisphäre ihren spätesten, eigentümlichsten und poesievollsten Vertreter finden.

Ein amerikanischer Idealist – schon diese beiden Worte scheinen einen Widerspruch zu enthalten. Aber Emerson hat im Geistesleben der Vereinigten Staaten eine mächtige Wandlung hervorgerufen; Thomas Carlyle konnte ihm schreiben: »Sie sind eine neue Ära, mein Freund, in Ihrem neuen gewaltigen Lande.«

Obgleich sein Geist auch in Deutschland in immer weiteren Wellenkreisen zu wirken begonnen hat und man die Spuren seines Einflusses bereits vielfach verfolgen kann, ist diese Wirkung doch eine weit langsamere, als man nach der Bedeutung Emersons und bei der sonst so willigen Art, mit der gerade das deutsche Volk die großen Männer des Auslandes aufzunehmen pflegt, erwarten sollte.Weiterlesen

Das Kreuz mit der Lust – über meine Sexsucht

Die Fesseln der Sucht - Illustration: Stefan Otte
Die Fesseln der Sucht – Illustration: Stefan Otte

Jürgen*,  49, verheiratet, Vater von drei erwachsenen Kindern, in einem kaufmännischen Beruf tätig und wohnhaft in Norddeutschland. Hier erzählt er von seiner Last mit der Lust:

Ich bin sexsüchtig «und fühle mich meinem zwanghaften Begehren machtlos ausgeliefert». Vermutlich bin ich das schon seit meiner Jugend. Wirklich aufgefallen ist es mir erst vor etwa zehn Jahren. Vorher dachte ich einige Jahre lang, dass mein erhöhter Alkoholkonsum dafür verantwortlich sei, dass ich oft  Prostituierte aufsuchte oder schnellen Sex mit bekannten und unbekannten Frauen suchte. Ich ging zu den Anonymen Alkoholikern und lebte auch während einiger Jahre gänzlich ohne Alkohol. Doch dann merkte ich allmählich, dass «der übermäßige Drang» auch ohne Alkohol kam. Da wurde ich mir dann wirklich bewusst, dass ich kein Alkoholiker, sondern ein Sexsüchtiger bin.
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Lisa Katharina Bechter – Interview mit der Autorin des Romans Inselrose

„Ich lasse mich ungern in Modeerscheinungen oder aktuell angesagte Genres drängen“

Lisa Katharina Bechter
Lisa Katharina Bechter – Autorin – Foto: Privat

Lisa Katharina Bechter ist das, was man „Autorin aus Leidenschaft“ nennt. Dabei lässt sie sich ungerne Grenzen setzen – oder sich gar in eine Genreschublade pressen. Mit ihrer Gedichtesammlung „Stimmungszauberei“ und dem Erstlingsroman „Inselrose“hat sie bereits zwei Bücher publiziert, weitere sind in Planung.

Das Interview führte: Katherina Ibeling

Wann, wie und aus welchem Anlass hast du mit dem Schreiben begonnen?
Mit dem Schreiben habe ich als Teenager begonnen. Anfangs waren es allerdings ausschließlich Tagebucheinträge und eben persönliche Dinge, die ich auf diese Weise für mich verarbeiten konnte. Irgendwann habe ich mich dann an kleinen Geschichten versucht, diese aber immer wieder verworfen und schließlich ganz aufgehört zu schreiben. Durch die Geburt meiner Tochter kribbelte es schließlich dann doch wieder in den Fingern und kleine Kindergeschichten kamen zustande, die bisher allerdings noch unveröffentlicht sind. Und irgendwie haben mir diese kleinen Geschichten Mut gemacht und ich habe mich wieder intensiv mit dem Schreiben auseinandergesetzt.

Was war das erste Buch, das du in jungen Jahren gelesen hast und das dich inspiriert hat?
Das erste Buch, dass ich selbst gelesen und regelrecht verschlungen habe, war “Die Hexenkammer” von Wolf Serno, ein historischer Roman, den ich auch heute noch immer mal wieder zur Hand nehme und lese. Besonders war an dem Buch damals, dass ich in eine andere Zeit abtauchen konnte und das gab mir den Anreiz mich auf die Suche nach weiteren Geschichten zu machen, die mich abholen und eine Weile mit auf die Reise nehmen. Mittlerweile ist das Lesen ein ganz wichtiger Teil von mir, es vergeht wohl kaum ein Tag, an dem ich nicht lese.

Wer sind und waren deine wichtigsten Buchheldinnen und -helden?
Diese Frage fällt mir etwas schwer zu beantworten, denn es gibt ziemlich viele Bücher, dessen “Helden” oder Charaktere ich sehr besonders fand. Um ein paar Beispiele zu nennen:
Da wäre zum Beispiel Jack, der seit seiner Geburt ein mechanisches Herz in Form einer Kuckucksuhr hat, die jeden Tag aufgezogen werden muss. Er darf sich nicht verlieben, denn das würde die Uhr nicht aushalten. Doch ob Kuckucksuhr oder Herz, beides schlägt, und folgt doch dem ganz eigenen Weg … (“Die Mechanik des Herzens” von Mathias Malzieu)
Dann wäre da noch der kleine Junge aus “Sternenreiter – Kleine Sterne leuchten ewig” von Jando, der einem erwachsenen Mann hilft wieder den rechten Weg zu finden. Neben der ganz tiefen Freundschaft der beiden, sind es die Gedanken über das Leben und den Sinn, die mich besonders berührt haben.
Ja, und zu guter Letzt kommt mir noch Claire in  den Sinn, eine Frau die an Alzheimer erkrankt ist und mehr und mehr vergisst, wer sie ist und auch nach und nach ihre Töchter und ihren Mann nicht mehr erkennt. Eine unheimlich tragische Geschichte, da Claire noch nicht sehr alt ist und das Leben so ganz anders läuft, als es sollte. Für mich ist sie eine kleine Heldin, denn trotz der sich vermehrenden Lücken, versucht sie sich an den kleinen Erinnerungen festzuhalten … (“Einfach unvergesslich” von Rowan Coleman)
Wenn ich so darüber nachdenke, könnte ich noch eine ganze lange Reihe von kleinen und großen Buchhelden aufschreiben, doch das würde wohl den Rahmen hier sprengen.

Wie gehst du beim Schreiben vor – hast du eine bestimmte Strategie?
Eine Strategie, die ich immerzu anwende, habe ich nicht. Alles fängt meist mit einer Idee an. Kurzgeschichten und Gedichte schreibe ich dann einfach so auf, wie sie mir in den Kopf kommen und überarbeite sie, sobald ich das Gefühl habe, dass sie fertig sind. Bei größeren Projekten sieht das schon ein bisschen anders aus. Da ist die Idee natürlich auch der zündende Funke, allerdings mache ich mir dann eine kleine Stichpunktliste, an der ich mich dann ein bisschen orientieren kann, während dann meist beim Schreiben selbst Personen, Umgebungen etc. entstehen.

Lisa Katharina Bechter -- Inselrose Cover
Lisa Katharina Bechter — Inselrose Cover

 Mehr zum Buch finden Sie hier.

Welche Bücher hast du bisher verfasst und wie hast du sie verlegt?
Meinen erster Roman “Inselrose”, wurde vom Karina-Verlag verlegt und im Januar 2015 veröffentlicht.
Meine Stimmungszauberei wurde im vergangenen Jahr als eBook über Moon House Publishing verlegt und veröffentlicht. Nachdem ich mich aber entschlossen hatte den Band komplett aufzuarbeiten, habe ich schließlich für die Neuauflage, die im Februar 2015 veröffentlich wurde, den Selbstverlag gewählt, da so ein bisschen flexibler in der Gestaltung sein konnte. Man darf nicht vergessen, Lyrik ist für Verlage meist nicht sehr lukrativ, daher empfand ich es im Selbstverlag als den besten Weg für die kleine lyrische Sammlung.

Woher hast du die Inspirationen für deine Werke genommen, und worum geht es darin?
Bei meiner kleinen lyrischen Gedankensammlung “Stimmungszauberei” waren es einfach meine ganz persönlichen Gefühle und Empfindungen, die mich zu diversen Zeilen inspiriert und animiert haben. Im Vordergrund stehen bei dem Band viele Fragen rund um das Leben selbst, den Sinn und die Liebe.
Bei meinem Roman war es ganz klar neben der Idee selbst, das Land Irland. Die Geschichte spielt ja hauptsächlich dort und dieses Land übt auf mich eine unheimliche Faszination aus. Neben alten Sagen und Mythen ist es die Landschaft selbst, die mich einfach wahnsinnig in ihren Bann zieht.

Wie bist du mit deinen Verlagen in Kontakt gekommen?
Mit Moon House Publishing, für den ich seit geraumer Zeit als Lektorin tätig bin, bin ich durch eine Empfehlung einer ehemaligen Bekannten aufmerksam geworden. So haben sich schnell einige sehr nette und interessante Kontakte ergeben.
Zum Karina-Verlag, für den ich ebenfalls lektoriere und der meinen ersten Roman verlegt hat, bin ich durch das gemeinnützige Projekt “RESPEKT FÜR DICH” gekommen. Das Projekt wird geleitet von Karin Pfolz, die gleichzeitig auch die Verlagschefin des Karina-Verlages ist.

Wie muss die Atmosphäre sein, in der du Ideen entwickeln kannst?
Ideen kommen mir meistens ganz von selbst. Das können Kleinigkeiten im Alltag oder Eindrücke sein, die mir die Idee in den Kopf setzen. Zum Ausarbeiten brauche ich dann schon meine Ruhe und mein kreatives Chaos um mich herum. Manchmal hilft mir auch eine bestimmte Musik, um mich in gewisse Stimmungen zu versetzen oder die Ideen weiterzuentwickeln.

An welchem Genre würdest du dich gerne einmal probieren – und welches kannst du dir gar nicht vorstellen?
Das Genre Science Fiction kann ich mir gar nicht vorstellen. Was das Lesen und Schreiben angeht bin ich wirklich kaum aufs Genre festgelegt, aber dieses reizt mich so gar nicht.
Probieren würde ich mich gerne mal im Bereich Fantasy/historischer Roman, die Mischung der beiden bereiche reizt mich ungemein und eine Idee gibt es da auch schon.

Was ist dir neben dem Schreiben das Wichtigste im Leben?
Neben dem Schreiben und dem Lesen sind mir meine Kinder und meine Familie unheimlich wichtig. Ohne meine Lieben wäre ich nicht komplett.

Arbeitest du derzeit an einem neuen Projekt? Möchtest du darüber etwas erzählen?
Nachdem ich vor Kurzem einen Psychothriller mit einer sehr guten Freundin fertiggeschrieben habe, der auch in diesem Jahr noch im Karina-Verlag erscheinen wird (Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest), arbeite ich derzeit gemeinsam mit einer Illustratorin an einem Kinderbuch. Die Geschichten dazu sind schon vor einiger Zeit entstanden und wollen nun noch überarbeitet und bebildert werden. Auch die Idee im Fantasy/historischen Bereich zu schreiben liegt nicht auf Eis. Die Idee steht und auch die ersten Kapitel sind schon geschrieben, allerdings wird es allein durch Recherche etc. noch eine Weile dauern, bis ich dort nähere Informationen geben kann.

Wenn du deinen Schreibstil in nur drei Sätzen beschreiben müsstest, welche wären das?
Mein Schreibstil ist:
… gefühlvoll (egal ob es der Roman oder der Psychothriller ist, die Liebe findet sich in meinen Geschichten und Zeilen immer irgendwo wieder)
… vielfältig (Kreativität lässt sich nicht in Schubladen stecken)
… und beinhaltet immer mal wieder kleine Botschaften, versteckt zwischen den Zeilen.

Wie würden dich Familie und Freunde beschreiben?
Das müsste man meine Familie und Freunde wohl selbst fragen, denn ihr Eindruck ist ja nicht unbedingt auch meiner. Aber ich bin immer bemüht meinen Lieben zu zeigen, dass sie mir wichtig sind und ich für sie da bin, ich hoffe natürlich, dass sie das auch so empfinden. Ich neige oft dazu, allen alles Recht machen zu wollen und bin froh, den Rückhalt meiner Lieben zu haben, die mich auch immer mal wieder ermahnen auf mich selbst zu achten.

Schreibst du für eine bestimmte Leserzielgruppe?
In erster Linie schreibe ich, weil es mich einfach ausfüllt und ich es einfach ein schönes Gefühl ist, meiner Kreativität auf diese Weise Ausdruck zu verleihen. Ich lasse mich ungern in Modeerscheinungen oder aktuell angesagte Genres drängen und so richten sich meine Bücher und Projekte an die verschiedensten Leser und Zielgruppen.

William Cheselden – Osteologie oder die Anatomie der Knochen – Mit Bildergalerie

William Cheselden
William Cheselden

William Cheselden (* 1688 in Somerby, Leicestershire; † 1752 in Bath, Somerset) war ein englischer Chirurg, Urologe und Anatom, der großen Anteil an der Etablierung der Chirurgie als medizinische Wissenschaft hat.

1713 veröffentlichte er sein Werk Anatomy of the Human Body (deutsch:Anatomie des Menschlichen Körpers), das große Popularität erfuhr und in 13 Auflagen erschien. Der Hauptgrund für die Verbreitung des Werkes war, dass es – im Gegensatz zu dem damals üblichen Latein – in englischer Sprache erschien. 1718 wurde er zum Assistenz-Chirurgen des St Thomas‘ Hospitals in London ernannt. Im darauf folgenden Jahr wurde er Chirurg und als solcher auch an das St George’s Hospital berufen. 1710 wurde er in die Londoner Innung der Bader aufgenommen und 1712 als Wissenschaftler in die Royal Society gewählt.

1733 veröffentlichte er Osteographia or the Anatomy of Bones (deutsch: Osteologie oder die Anatomie der Knochen), die erste vollständige und korrekte Beschreibung der Anatomie des Menschlichen Skeletts.

Er starb 1752 in Bath (Somerset).

Hier einige meiner Favoriten aus dem Buch:

Ray Brown – Helden am Bass

Ray Brown am Kontrabass - The Man -  2009
Ray Brown am Kontrabass – The Man – 2009

Ich habe mal wieder in meiner CD-Sammlung gewühlt um eine Aufnahme aus der „van Dusen-Chronik“ zu finden. Dabei ist mir stattdessen eine meiner frühen Bass-Idole in die Hände gefallen: “Some of my best friends are … The Piano Players” . Ich finde es immer wieder faszinierend, wie dieser alte Herr es schaffte, Jazz-Standards seinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Jeder Bassist, der sich schon mal an Coltrane´s „Giant Steps“ probiert hat, weiß was ich meine, fast taktweise Wechsel in einem Tempo fern von Gut und Böse. Aber Ray Brown schafft es, das ganze locker gestrichen zu spielen. Absolut meisterhaft. Weiterlesen

Seine Bilder kaufte niemand, aber sein Grab besucht jeder

Paul Gauguin: Vincent van Gogh, Sonnenblumen malend (1888)[
Paul Gauguin – Vincent van Gogh, Sonnenblumen malend  – 1888

Sonntag. Das Dorf ist nahezu menschenleer. Vincent verlässt sein Zimmer in der Pension Ravoux. In seiner Tasche befindet sich eine Pistole. Eine geladene. Er verbirgt sich hinter dem Misthaufen eines benachbarten Hofes. Der Künstler setzt sich die Pistole auf die Brust und drückt ab. Aber Vincent hat schlecht getroffen.  Der Lebensmüde wankt. Auf seine linke Brust tropft Blut. Er presst seine Hand auf die Wunde, schwankt und schleppt sich zurück in die Pension. Er verliert zwei Tage später völlig das Bewusstsein. Der Amtsarzt drückt ihm die Augen zu.  – So die Legende.Weiterlesen

Über meine Schulden

GoldeselIch habe die Meisterschule absolviert und 6 Tsd. € an Reserven auf dem Konto. Arbeitslos war ich leider auch.. Ich konnte mir nicht vorstellen für einen Arschlochchef zu arbeiten, der in meiner Branche verdammt oft anzutreffen ist. Und die ganzen Mädels? Zickenterror.
Also habe ich beschlossen, mich lieber selbstständig zu machen. Freunde und Familie fanden die Idee klasse. Die 6 Tsd. € haben dafür natürlich nicht gereicht, daher habe ich mir noch 14 Tsd. von der Bank geliehen. Weiterlesen

Paracelsus – Arzt & Philosoph – Teil 4 – Einsame Jahre

Paracelsus - Wenceslaus Hollar
Paracelsus – Wenceslaus Hollar

Basel war die Stadt, in der Paracelsus am längsten sesshaft gewesen ist. Aber Ruhe ist ihm nicht beschieden. Wieder beginnt die Unrast des Wanderns. Theophrastus aber macht sich keine Sorgen, wie er weiter kommen und was er am morgigen Tag erfahren wird:
„Was geht die Zukunft des morgigen Tages den heutigen Tag an? Dieweil ein jeglicher Tag sich selbst trägt und es genug ist, dass er auf sich selb acht habe, auf die heutige Stund‘.“
Denn der Mensch, meint er, soll „den heutigen Tag in Sorge tragen, denn der morgige Tag tut ihm kein Schaden nicht, der Tod kommt nicht morgen, sondern heut'“.

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Paracelsus – Arzt & Philosoph – Teil 3 – Allerorten Kampf

Paracelsus - Holzschnitte von Astronomica et Astrologica, 1567.
Paracelsus – Holzschnitte von Astronomica et Astrologica, 1567.

Wir sind im Jahre 1524. Paraceilsus nimmt seinen ersten Aufenthalt in Salzburg. Nahe der alten Kumpfmühle hat er sein Quartier. Viele Kranke gehen bei ihm ein und aus, aber auch Männer, die dem Magistrat nicht recht geheuer sind. Man hat sie in Verdacht, mit den aufständischen Bauern in Verbindung zu sein. Dreizack und Morgenstern, Dreschflegel und Bauernsense stehen allerorten auf gegen das Ritterschwert. Die Bauern wollen ihr Recht, ihr Recht auf Freiheit und den gerechten Ertrag der harten Arbeit ihrer Hände. Sie lehnen sich gegen die mächtigen und einseitig bevorzugten Adelsstände auf.Weiterlesen

Cats Gedankenwelt: Armer Valentin

Foto: Katherina Ibeling
Foto: Katherina Ibeling

Kaum ist Weihnachten vorbei und es sind einige Wochen vergangen, da klingeln bei den Blumen- und Süßwarenhändlern wieder die Kassen. Genaugenommen in jeder Branche, die bereits im Januar verkündet: „Vergessen Sie nicht! Am 14. Februar ist Valentinstag“, oder: „Schenken Sie Liebe“. Aber kann man Liebe wirklich in Konsum ausdrücken? Und ist es vor allem nicht ein wenig makaber, den Tag der Liebe ausgerechnet auf ein Datum zu legen, wo der Namensgeber als Märtyrer hingerichtet wurde?Weiterlesen

Paracelsus – Arzt & Philosoph – Teil 2 – Wanderer & Forscher

Hier lesen Sie Teil1 – Die Welt im Umbruch.

Theophrast von Hohenheim - genannt Paracelsus
Theophrast von Hohenheim – genannt Paracelsus

Immer treibt es Paracelsus wieder aus Schulstuben und Bibliotheken hinaus in Wiesen, Wälder, Einöden und Gebirge. Und immer sucht und forscht er, um der Natur die verborgensten Kräfte und Rätsel abzulauschen und etwas vom Geheimnis des Lebens aus ihnen zu erfahren. Ihm ist die Natur längst nicht mehr das unheimliche Grenzgebiet gegen das Gottesreich, das man fürchtet und besser nicht betritt. Ihm ist gerade die Natur erfüllt von Gotte geheimsten Kräften, ganz werdendes und sich wandelndes Leben Lockung und Hoffnung. Den Zeitgenossen ist dieser Forschertrie‘ unheimlich, unheimlich wie so vieles in dieser gärenden Zeit. Paracelsus aber hat unmittelbar aus der Natur sein tiefstes Wissen erfahren. Dieses Erfahren bedeutet für ihn im ursprünglichen Sinne des Wortes ein Erfahren, ein Durchfahren, Landfahren, bedeutet: Wanderschaft!Weiterlesen

Warum ich Jäger bin – ein Weidmann erzählt

Franz von Defregger - Jäger - um 1900
Franz von Defregger – Jäger – um 1900

Ich bin als Junge schon immer viel im Wald gewesen, damals nannte man das noch einfach „Kind im Wald“… Viele natur- und tierkundliche Bücher habe ich damals verschlungen, Froschlaich umgesiedelt, Nisthilfen gebaut, im Wald biwakiert, mehrere Biotope mit angelegt und oft mit meinem Opa (Jäger) lehrreiche Zeit im Wald verbracht.

Später kamen dann noch Bücher von Jo Bentfeld, Nehberg und Buzek als Erstanschaffungen in meine eigene kleine Bibliothek, so dass ich von einem Selbstversorgerleben träumte. Damals schon reifte in mir der Gedanke, später Jäger zu werden, und zwar noch ohne, dass ich bis dahin überhaupt mal eine Waffe in der Hand hatte. Ich fand nur das Drumherum (Hege, Wissen über die Naturzusammenhänge, geschärfter Beobachtungssinn,…) so faszinierend. Beutetrieb hatte ich auch noch keinen. Es ging mir einzig um das Wissen und die Fertigkeiten. Das Beutemachen kam erst, als ich den Jagdschein bereits hatte, dann kam auch erst der Ernährungsaspekt. Den Jagdschein habe ich auch wegen eines längeren Auslandsaufenthaltes gemacht, was sich im Nachhinein als sehr richtig herausstellte.

Ergebnis einer nicht-repräsentativen Umfrage:Weiterlesen

Cats Gedankenwelt: Die (alltägliche) Wutprobe

Foto: Katherina Ibeling
Foto: Katherina Ibeling

Zu den beliebtesten guten Vorsätzen gehört auch der, einfach im neuen Jahr ein wenig netter, freundlicher, hilfsbereiter und höflicher zu werden. Das misslingt manchmal aber gewaltig. Einerseits, weil die Umwelt nicht mitspielt und man spätestens nach ein paar Wochen frustriert einsehen muss, dass andere offenbar das Ziel haben, sich noch eine Spur unfreundlicher, indiskreter und rücksichtsloser zu verhalten. Andererseits, weil zwar in jedem Menschen etwas Gutes steckt, aber längst nicht jeder zum absoluten „Gutmenschen“ taugt. Weiterlesen

Paracelsus – Arzt & Philosoph – Teil 1 – Die Welt im Umbruch

Theophrast von Hohenheim - Paracelsus genannt
Theophrast von Hohenheim – Paracelsus genannt

1493 – Die Welt im Umbruch

Winterwinde fegen über kahle Äcker und den dichten Wald, worin eingebettet die Schweizer Ortschaft Einsiedeln liegt. Bald wird der Schnee jeden Laut in seine Traumdecke hüllen. Dann wird das Leben der Menschen noch abgeschiedener sein als sonst und nur spärlich die Kunde vom großen Weltgeschehen zu ihnen dringen. Nicht nur voll Frieden und Frommheit werden ihre Träume sein, sondern auch von bösen Geistern durchzogen; steigen doch in dieser abergläubischen Zeit aus jedem Winkel Dämonen, Teufel und Hexen auf. So in sich versponnen, merkt Einsiedeln kaum, wie die Welt sich anschickt, ihre mittelalterlichen Grenzen einzureißen. Es ist die Zeit der kühnen Welteroberer. In den mächtigen Stadtstaaten Italiens, in den deutschen Kontoren der Fugger und Weiser, in Rom, in Spanien und Portugal werden die Geschicke der neuen Zeit bestimmt. Ein Jahr ist es her, seit Christoph Columbus Amerika entdeckte, und eben erst hat er zum zweiten Mal die Segel gesetzt, gen Westen, nach Dominika, Portoriko und Jamaika.Weiterlesen

Cats Gedankenwelt: Liebe im Zeitraffer

Zeitraffer
Zeitraffer – Foto: Boris Klein

Dass Zeit sich in der eigenen, subjektiven Wahrnehmung verdichten und einem viel kürzer vorkommen kann, als sie tatsächlich ist, stellen viele Menschen fest, wenn aus Freitag auf einmal wieder Montag wird oder aus Urlaub ein ganzer Berg Arbeit, der sich inzwischen angesammelt hat. Doch nicht nur alltägliche Aufgaben und „pflichtlose“ Stunden geben sich in diesem strammen Rhythmus die Klinke in die Hand – auch die Liebe auf Entfernung erfährt so eine rigide Taktung.Weiterlesen

Über Leben und Werk des THOMAS VON AQUIN

Wer je ein einziges Kapitel aus irgendeinem Buch des heiligen Augustinus gelesen hat, und sei es aus seinem unanschaulichsten, spekulativsten Werk, dem über die Göttliche der hat, während er las, notwendig den Dreieinigkeit — ganz unmittelbaren Eindruck verspürt: hier denkt und  schreibt ein Mensch von Fleisch und Blut. Tut man dagegen  einen Schritt in das strenge Gefüge der Theologischen Summe des heiligen Thomas von Aquin, so möchte man sich hin und wieder fragen: sind diese Sätze wirklich von einem lebendigen Menschen geprägt worden, oder hat sich in ihnen nicht vielmehr der objektive Sachverhalt selber zu Wort gebracht, nicht berührt — weder getrübt noch erwärmt — durch den Atem eines hier und jetzt lebendig-wirklichen Denkers? Die  leibgewordenen Gebilde augustinischen Denkens lassen uns nie den lebendigen Quellgrund personhaften Lebens vergessen, dem sie, wie eine Blüte aus Wurzel und Stamm, entsprossen sind; während die Sprachgestalt der Sätze des heiligen Thomas uns ihren Ursprung aus einer lebendigen Geisteskraft so wenig bedenken lässt, wie der Kristall den Gedanken wachruft an die Mutterlauge, aus der er sich gebildet. Nur ein flacher und unkundiger Sinn aber könnte aus der ungetrübten und ausgeruhten Heiterkeit des Werkes auf ein im Inneren wie Äußeren gleichfalls unbehelligt dahinfließendes Leben des Wirkenden selbst schließen wollen — so gewiss anderseits die Theologische Summe einzig einem letztlich befriedeten Herzen gelingen und geschenkt werden konnte. Nicht in der »stillen Klosterzelle« hat Thomas von Aquin das gewaltige Ordnungsgefüge der christlichen Lehre erschaut und aufgezeichnet; nicht in einem gegen das Weltgeschehen abgegrenzten Raum der Abgeschiedenheit oder gar der Idylle hat er sein Leben gelebt. Solche ebenso ungeschichtlichen wie unerlaubt vereinfachenden Vorstellungen aber färben oder vielmehr entfärben nicht nur auf vielfältige Weise das landläufige Thomas-Bild, sondern nicht selten auch ein wenig die biographischen Darstellungen von höherem Anspruch.Weiterlesen

Azrael ap Cwanderay – Interview mit dem Autor von „Zeitbeben“ & „MONTAGUES MONSTER“

Azrael ap Cwanderay„Kreativität ist der Funke des Lebens!“

Du hast ein sehr außergewöhnliches Pseudonym. Wie bist du darauf gekommen?
Der erste Teil beruht auf dem Roman „Azrael“, von Wolfgang Hohlbein, da ich ein großer WH Fan bin, und dieser Roman eines meiner liebsten Werke von ihm ist. Zudem ist Azrael ein Engel des Todes, was mir vom Mystischen her sehr gefällt.

Das ap Cwanderay ist dem Gälischen entlehnt und bedeutet „aus/von der Finsternis“. Alles zusammen entspricht also einem „Todesengel aus der Finsternis“, was ich als Pseudonym für Horror/Fantasy-Bücher ganz passend finde.

Worum geht es in deinen Romanen „Zeitbeben“ und „Montagues Monster“?
ZEITBEBEN: In dem Roman (der erste Teil einer Trilogie) geht es um das anstehende Wiedererwachen einer uralten Götzenrasse und den verzweifelten Versuch einer Handvoll sehr unterschiedlicher Menschen, genau dieses zu verhindern. Dabei spielt auch eine weit fortgeschrittene Rasse von Arachnoiden eine Rolle, deren letzter Vertreter über einen Knotenpunkt in Zeit und Raum wacht. Und am Ende des ersten Bandes mischt sich noch eine weitere Partei in den Kampf ein, mit der niemand auch nur ansatzweise gerechnet hätte.

MONTAGUES MONSTER: Dies ist eine fortlaufenden Serie über die Erlebnisse und Abenteuer eines Schotten, der sein Domizil in Kärnten/Österreich aufgeschlagen hat. Jedoch nicht ganz freiwillig, da er der Letzte in einer langen Ahnenreihe von Torwächtern ist, die dazu bestimmt sind, das TOR zu bewachen, einen Übergang in die Welt der dunklen Dimensionen, der Totensphären und der höllischen Gefilde. Die Serie behandelt die Kämpfe von Montague McGallagher mit diesen Kreaturen, beleuchtet seine mysteriöse Vergangenheit und ist leicht angelehnt an die klassischen Gruselheftromane wie John Sinclair und Tony Ballard.Weiterlesen

Solo und Selbstständig = Allein und Arm?

Solopreneur - Foto: Jana Schultz - Illustration: !so?
Solopreneur – Foto: Jana Schultz – Illustration: !so?

In den vergangenen 20 Jahren haben sich immer mehr Menschen selbstständig gemacht. Insbesondere die Zahl der so genannten Solopreneure stark angestiegen. Solopreneur bedeutet: auf eigene Rechnung, mit vollem wirtschaftlichen Risiko und ohne weitere Angestellte. Laut DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) Berlin ist die Anzahl um ca. 40 % auf etwa 2,6 Millionen angewachsen. Das bedeutet: rund 57 % aller Selbstständigen in Deutschland arbeiten allein. Die Studie zeigt weiter, dass sie im Durchschnitt besser qualifiziert sind als die Gesamtheit der Erwerbstätigen, allerdings nicht unbedingt besser verdienend. Ein Teil der Solopreneure erzielt ein durchaus überdurchschnittlich hohes Einkommen, doch mehr als ein Drittel kommt nicht über das Niveau des Niedriglohnsektors hinaus.
Daraus ergibt sich ein Problem: viel der Selbstständigen könne oder wollen keine finanziellen Rücklagen bilden.  Dadurch nehmen sie sich der Möglichkeit Auftragsflauten zu überbrücken oder für’s Alter vorzusorgen. Daher ist die Gefahr der Altersarmut bei Solopreneuren verbreitet, so die Studie. 
Die schlechten finanziellen Aussichten sind für viele der Grund dafür, die Selbstständigkeit nur als Etappe zu sehen; mit dem Ziel (darüber) wieder eine Festanstellung zu finden. In einer zur Studie gehörenden Umfrage geben nur 55% an, nach 5 Jahren noch selbstständig zu sein. Eine weitere Erkenntnis: wer selbstständig bleibt, arbeitet auch weiterhin allein. Nur ein Zehntel der Befragten hatte nach 5 Jahren Angestellte.

Ein weiterer Anstieg der Selbstständigenzahlen sei allerdings nicht  unbedingt wünschenswert, wie Analysten mahnen. Solopreneure erweisen sich nicht als Jobmotor, da viele aus einer Notsituation heraus selbstständig würden und daher jede Gelegenheit nutzen würden um wieder als Angestellte zu arbeiten. Oftmals würden einfach nur Funktionen aus deiner Festanstellung ausgelagert und dem entsprechend agieren Solopreneure auch: als verkappte Angestellte, die zudem bereit sind,  das wirtschaftliche Risiko zu tragen. Eine sehr bequeme Angelegenheit für größere Unternehmen ihre eigenen Risiken zu minimieren. 

 

Männer mit Damenwäsche – Wie eine geschundene Seele ihren Weg geht

Wäsche_Mix

Nähert man sich einem Thema, passieren manchmal wunderliche Dinge. Ursprünglich war geplant, nach dem Interview mit den Erotik-Produzenten Rafael Santeria die weibliche Seite dieses Filmgenre zu porträtieren. Die Recherche hat, für mich, zu einem ernüchternden Ergebnis geführt. Es wird von den Darstellerinnen eine Menge Glamour und Fannähe suggeriert, die einfach nicht da ist; zumindest in der Masse. Es hat etwas vom Rattenfänger von Hameln, nur dass diesmal Männer der Flötistin begeistert zu folgen haben.

Dann, nachdem ich das Thema fast ad acta gelegt hatte, traf ich in einem Social-Media-Kanal eine junge Frau, Angelina, die irgendwie anders zu sein schien. Sie fiel mir auf, weil sie ihr Profil gerade erst aufbaute und eher persönlich wirkte als amateurhaft. Ihr Angebot: sie bietet getragene Wäsche Männern an, die daran Gefallen finden. Angelina sagt, sie wolle damit kein Geld verdienen, sondern sie möge es als Frau, wenn Männer damit ihre Lust befriedigen. Da sich mir diese Form der Lustgewinnung in keiner Weise erschließt, hat sich Angelina angeboten, einen ihrer Kunden darüber zu befragen. Die Antwort hat mich nicht wirklich weitergebracht, dennoch spannend zu erfahren: “ich finde es sehr erotisch getragene Wäsche zu erwerben, da mich die verschiedenen Düfte und Geschmäcker erregen. Jede Frau hat ihren eigenen Duft und Geschmack. Daher hängt es für mich auch davon ab, wer die Wäsche getragen hat, denn die Frau muss mir von Typ und Art her zusagen. Kurz gesagt, es muss eine Frau sein, mit der ich mich auch eine reale Beziehung vorstellen könnte. Das Kopfkino besteht darin, dass ich bei der Selbstbefriedigung erregter bin, wenn ich Duft und Geschmack kenne. Da fällt die Vorstellung, mit dieser Dame gerade Sex (wenn auch nur im Kopf) zu haben, leichter und der Orgasmus wird intensiver.“ Über Geschmack lässt sich streiten; das Leben ist bunt. Man hört immer wieder von verschiedenen Vorlieben, ich persönlich kenne niemanden, der darüber offen berichtet. Nein man muss nicht alles wissen, was andere treiben im Leben. Manches kann helfen, wie Menschen ticken. Auch indirekt im Umgang mit uns.

phone-785396_640_HebiFotSie stellt klar, dass es keinerlei persönliche Treffen möglich seien. „Wenn ein Kunde mehr will, blocke ich das diskret ab und erkläre ihm auch warum. Er kann sich gerne wohl und geborgen fühlen mit mir, aber eine Beziehung wird sich nie daraus entwickeln. Ich bin glücklich mit meiner Frau!“ Nur mittels Telefonsex, den Angelina ebenfalls anbietet, lässt sich eine gewisse Nähe herstellen. Mit diesen individuellen Telefonservice finanziert die mehrfache Mutter ihren Urlaub. Sie mag diesen, weil „ich mich dabei auch befriedige und nicht wie andere bei den Hotlines nebenbei bügeln 🙁 . Ich mag es auch, weil man immer andere Männer und andere Vorlieben hat.“

Ihren Hauptverdienst erwirtschaftet Angelina in Pflege und Gastronomie. Wie kommt man auf solch eine Idee? Angelina sagt: „Angefangen habe ich damit 2007. Irgendwie kamen eine Freundin und ich auf die Idee mal zu schauen, ob Männer vielleicht getragene Slips kaufen wollen würden. Naja, um halt dran zu riechen beim xxx! Und das wurde dann die Idee. Erst über eine Webseite dessen Namen ich nicht mehr weiß; später über gesext.de und nun auch noch über Facebook. Die Männer geben mir ein paar Infos über sich und ich nutze diese dann… also z.B. möchte jemand einen schwarzen String in dem ich mich selbst befriedige. Dann mach ich es, schieße dabei Bilder oder drehe kurze Clips die der Mann dann mitbekommt. Der Slip kommt in einen Gefrierbeutel mit Zip-Verschluss und wird dem Mann dann per Post geschickt. Ich bleibe mit diesen Männern in Kontakt, um zu sehen was sie damit treiben, weil mich das selbst wiederum erregt. Andere Männer wollen Sachen wie Natursekt um sich einzureiben oder es zu trinken. Wenn du mein Profil gelesen hast, hast du gesehen, das es kein „Geld daran verdienen“ ist sondern ein geheimes Hobby, einer sexuell sehr aufgeschlossenen und offenen frau ;). Ich kaufe immer nach dem Budget der Männer ein. Manche Männer kaufen mir auch ein neues Spielzeug und bekommen dafür ein benutztes.“

guess-attic-837134_1280_RondellMellingAngelina sagt, sie mag Damenwäscheträger (DWT). Da ich damit überhaupt nichts Bewundernswertes verbunden habe, sagt sie auf Nachfrage: Der Mut, dass sie zu ihrem Fetisch stehen und diesen Ausleben. Bei Bedarf berät sie diese auch bei der Auswahl des Makeups und Kleidung.

Seit kurzem hält sie sich einen Sklaven um diesen zu erziehen. Beide haben sich gesucht und gefunden. Ihr Untergebener ist begeistert bei der Sache und lernwillig. Ich habe ihn gefragt, was ihn an dieser Rolle reizt: „Als Sklave finde ich es sehr erregend, diverse Dinge im Auftrag auszuführen und mich dadurch lächerlich zu machen bzw. mich erniedrigen und bestrafen zu lassen.“ Die Aufgaben die Angelina ihm zur Erledigung gibt sind erotischer Natur. Dem eher unaufgeschlossenen Leser würde bei der Schilderung wahrscheinlich die Schamesröte ins Gesicht steigen.

Man muss dieses Leben nicht mögen, sollte es aber zu schätzen wissen: eine Frau, die mit ihren aus misslichster Lage befreit wurde, daran nicht zerbricht und ihren Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder bestreiten kann. Dass sie zu sexuellen Handlungen gezwungen und misshandelt wurde, hat ihr nicht den natürlichen Spaß am Sex nehmen können. Viele andere hätten sich hier Ausweichhandlungen gesucht oder Vermeidungsstrategien entwickelt.

hans-boodt-1006004_640_chummelsIch habe sie gefragt, was sie von einem Mann erwartet. Ihre Antwort darauf: ich erwarte von „meinem“ Mann das er mich gut behandelt, etwas dominant ist und aufrichtig. Für eine Beziehung zählen drei Punkte als Basis definitiv: Treue, Vertrauen, Ehrlichkeit! Klassische Werte, die sich wohl nahezu jeder Mensch wünscht. Und: Er muss ein Bär sein, groß, breit, tätowiert. Ein kreativer und positiver Umgang, schlechtes neu zu interpretieren. Sie selbst ist tätowiert; vornehmlich um ihren Narben und verheilten Wunden ein neues Gesicht zu geben. Heute lebt Angelina in der Provinz mit ihren Kindern und zwei Menschen mit „gewissen Vorzügen“, wie sie es nennt. Der Mann, der sie befreit hat ist in ihrer Nähe und ihre Lebensgefährtin. Sie kümmert sich also aktiv um ihr Seelenheil und hat Vertraute um sich, wohl auch um wieder Vertrauen in andere fassen zu können. Das Vertrauen in sich selbst hat sie nie verloren. Ihre Werte lebt sie, auch wenn dies für Außenstehende nicht nachvollziehbar scheint. Angelina: „Ich habe mit der Bestätigung durch die ganzen Männer mein Selbstwertgefühl wieder aufgebaut. Ist ja so: je mehr Bestätigung ich bekomme, desto stärker werde ich.“

Das Leben bietet uns beizeiten Lebensentwürfe an, die wir niemals vorausgesehen haben. Im Umgang miteinander ist es wichtig, immer auch den Menschen an sich und seine gelebten Werte zu sehen und zu würdigen. Ich persönlich ziehe meinen Hut dafür, dass sie das jeweils Beste aus der Situation macht und mutig genug ist, ihre Sexualität, ihre Fantasien auszuleben. Das scheint vielen schwer zu fallen, auch wenn sie es nicht zugeben mögen. Sonst gebe es Frauen wie Angelina nicht. Sie ist ein gutes Beispiel zu reflektieren und sich aufzumachen, seinen eigenen lustvollen Weg zu gehen. Wie auch immer der aussehen mag.

Vielen Dank an Angelina und einige ihrer Kunden, die Rede und Antwort standen!

George W. Carver – Vorbild und Universalgenie

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[Quelle: neukirchener verlagsgesellschaft – mit freundlicher Genehmigung]

Ein Leben für die Freiheit

„Manche halten ihn für den beachtenswertesten Amerikaner aller Zeiten“, so beginnt die faszinierende Lebensgeschichte, die Lawrence Elliott über den Afroamerikaner George W. Carver geschrieben hat.
Es ist die Geschichte eines Kämpfers für die Würde und Rechte der Afroamerikaner, der allen Widrigkeiten zum Trotz Bildung und Wissen erwarb und mit seinem Einfühlungsvermögen in alles, was Gottes Schöpfung hervorgebracht hat, Hoffnung schenkte. Zu seinen großen Leistungen gehört, dass er den ausgemergelten amerikanischen Süden von der Herrschaft des Königs Baumwolle befreite, indem er die Farmer vom vielfältigen Nutzen des Erdnussanbaus überzeugte.Weiterlesen

Claudia Severin über Ihre Arbeit im Network-Marketing

Porträt_SeverinDu hast in einem facebook-Eintrag beklagt, dass so wenige dazu stehen, im Network-Marketing tätig zu sein um Dich dann direkt dazu zu bekennen. Wie kam es dazu? Worin siehst Du den Grund für diesen beschämten Umgang?
Zu wenig Überzeugung, und eine Umwelt natürlich, die den Berufsstand Network Marketing nicht hoch einschätzt, um es freundlich zu sagen.

Von Neulingen wird oft erwartet, dass sie zum Einstieg ihren Freundes- und Bekanntenkreis als Kunden akquirieren. Wie stehst Du dazu?
Ich kenne überhaupt niemanden, der gerne akquiriert wird, aber gerade die Menschen im persönlichen Umfeld wollen natürlich den Kumpel, Freund, Bruder, Schwester so haben, wie er schon die Jahre durch war. Zusätzlich brauchen die Menschen Anerkennung, und gerade das nahe stehende Umfeld positioniert sich in diesen Augenblicken zum selbst ernannten Experten, in dem man eben im Internet nach so vielen wie möglichen kritischen Punkten sucht. Und diese dann als abzuratendes Ergebnis präsentiert. Schließlich ist die Freundschaft dazu da, jemanden von ‚schlechten’ Dingen abzubringen.
Ich halte gerade das nächste Umfeld für die sprichwörtliche Höhle des Löwen und würde ohne weiteres meine Partner da nicht reinschicken.

Was mache ich als Neuling, wenn ich nur wenig Menschen kenne, ich dennoch vom Metier fasziniert bin und einsteigen möchte?
Eine Entscheidung treffen.

Gibt es eine bestimmte Lebensphilosophie, die notwendig um Multi-Level-Marketing bestehen zu können?
Ja, unternehmerisches Denken entwickeln. Sich von Anfang an auf Widerstände einstellen, auf Herausforderungen, mit diesen aber so spielerisch wie möglich umgehen. Persönliches Wachstum und überdurchschnittlicher Einsatz wird dein Durchbruch sein. Sofern du ihn anstrebst.

Wie definierst Du Dich in Deinem Job? Bist Du quasi Rund-um-die-Uhr im Dienst? Gibt es eine Trennung von Beruf und Privatperson?
Ich muss da mal was von Götz Werner herauskramen, dem Gründer der dm Drogerie…moment. Er sagt: «Streichen Sie die Begriffe Arbeitszeit und Freizeit aus Ihrem Wortschatz. Ersetzen Sie diese durch Lebenszeit und fragen Sie sich: Macht das Sinn, was ich mache?»
Ich bin einfach eine Person. Das was ich tue, ist Bestandteil von mir. Ob ich nun im Gespräch bin, eine Präsentation mache, im Garten was tue, ein Buch lese, oder auch diese Fragen beantworte – ich trenne da nichts. Würde aber immer bei engen Familienmitgliedern oder Freunden alles stehen und liegen lassen, um zu helfen, wenn es nötig ist.

Ich bedauere ein bisschen die Menschen, die von der Work-Life-Balance reden müssen, und sich von ihrer Arbeit in ihrem ‚Lebensbereich’ erholen müssen. Was ist dann Arbeit für sie? Der Tod? Das Übel? Also wenn das so ist, stimmt was mit dem Beruf nicht.

Was magst Du an Deinem Job besonders und was überhaupt nicht?
Beides mal:  menschliches Verhalten.

Wie gehst Du mit kritischen Stimmen um?
Kritik ist ja gut. Und zeigt, ob jemand und in wie weit sich jemand sogar mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Wenn die Kritik Substanz hat, spreche ich gerne weiter im Dialog. Wenn es ‚Gossen-Jargon’ ist und keine Substanz hat, interessiert es mich nicht. Diskutieren möchte ich sowieso nicht.

Kennst Du Angst vor dem Erfolg? Wie kann man damit umgehen?Ich glaube nicht, dass es den meisten klar ist, dass sie Angst vor dem Erfolg haben. Das ist etwas sehr unbewusstes. Dass ‚reiche’ Menschen zum Beispiel sich ihren Freunden abwenden, dass Erfolg Verzicht bedeutet. Dass der Charakter sich verändert. Und eigentlich sind ja Unternehmer auch Ausbeuter – das sind die Glaubenssätze in den Köpfen… und zu so was will man ja nicht werden.
Sehr wohl haben Menschen aber immer Angst vor neuen Dingen, die ihnen eigene Aktivität abverlangen. Dinge, die sie noch nie getan haben.
Ich weiß nicht, da scheinen einfach Ziele und Veränderungswünsche im Leben noch nicht klar genug zu sein. Sonst würde man einfach viel mehr über den berühmten Schatten springen.
Ja, hab ich gemacht, ich hatte eine Ur Angst vor Leuten zu sprechen. Ich habe mir Tonnen von Büchern gekauft, ich habe in der Theorie geübt und geübt. Ich habe gezittert, als ich die ersten Male vor einer kleinen Gruppe sprach. Ich konnte fast kein Wort rausbringen, bzw. ich dachte, bald brauch ich einen Übersetzer, es versteht mich keiner mehr, mein Mund war staubtrocken und klebte bei jedem Wort zu.
Hat das was mit Erfolg zu tun? Ich finde nicht. Nur die Häufigkeit, etwas zu tun, trotz der unsäglichen Angst oder trotz eines Widerwillens, das ist Erfolg. Man sagt, um Experte in einer Sache zu werden, brauchst du 10.000 Stunden Übung. Also fang an. Oder auch nicht. Es ist immer eine persönliche Entscheidung. Erfolg ist freiwillig.

Worauf sollten Interessierten Deiner Erfahrung nach achten, wenn Sie nach einem passenden Anbieter suchen?
Schau den Leuten ins Gesicht. Darin kannst du so viel lesen, schau auch dem Management ins Gesicht.
Wem helfen die Produkte? Liefern sie dem Markt Wert, oder helfen sie nur den Gründern und ‚Leadern’ die Taschen zu stopfen?

Warum hast Du Dich für Deine aktuelle MLM-Firma entschieden? Worum geht es dabei?
Um den Bereich von IT Technologie, Kommunikationsprodukten, in Bälde auch tragbaren Computerprodukten – und ein ganz gegensätzlicher Bereich: der Aufbau des größten Solarprojektes, wir wollen hier etwas schaffen, wo jeder partizipieren kann, aber auch jeder beitragen kann, dem Planeten zu helfen, saubere Energie  zu produzieren.
Mit 300.000 Geschäftspartnern insgesamt hat das Unternehmen in den ersten 3 Jahren bewiesen, etwas Außergewöhnliches zu tun und anzubieten. Für mich und meinen Lebensgefährten stimmten Produkt, das Management, der Zeitpunkt und das Warum.

Was ist Dein Traumjob?
Tja 😉

Welche Ziele hast Du Dir gesteckt? Was bedeuten Sie Dir?
Ich bin nicht so der Ziele Typ. Ja, ich habe persönliche Dinge, die ich erreichen will.
Ich halte, das Ziele-setzen in vielen Fällen für schädlich, demotivierend. Die meisten verlangen es ihren Geschäftspartnern ab, sich mit Zielen auseinanderzusetzen, diese klar zu fixieren. Aber haben sich die Leute wirklich Gedanken um ihre eigenen Ziele gemacht? Oder nur nachgeplappert, was andere meistens als Ziele, Wünsche, Träume nennen.
Werden sie parallel ausgebildet, überhaupt die Ziele realistisch erreichen zu können? Ist ihnen klar, wie sehr sie sich von ihren Zielen, mehrmals die Woche oft, selbst entfernen?
Was passiert mit Menschen, die wieder und wieder ihre Ziele nicht erreichen? Verlieren diese Menschen nicht irgendwann den Mut?
Ich bin überzeugt, wenn man immer und immer die richtigen Dinge tut, und seinen Focus auf sein großes Warum hält, hat man wie ein Bauarbeiter, der in den Alpen ein Loch bohrt, eines Tages seinen persönlichen Durchbruch.
Manchmal geht es schneller, Manchmal langsamer.

Interview: Oliver Simon
Headerfoto: _Andreas Carjell_pixelio.de
Porträt: Claudia Severin

Interview | Rafael Santeria • PornoProduzent | Männer sind egozentrische Bestien

Foto: Privat
Rafael Santeria – Foto: Privat

Rafael Santeria arbeitet in der Erotikbranche; was für den einen verrucht, ist für den anderen ein ganz normaler Job. Wir haben den Produzenten der Filmreihe EROdays (Stand 2014) interviewt, um eine Brücke zwischen anrüchig und alltäglich zu schlagen.

Wie denkst Du über Frauen?
Nur das Beste! Ganz frei heraus: Frauen sind kein besonders selbstständiges Geschlecht und drängen aus ihrer tiefsten Natur in Abhängigkeit zu überwiegend männlichen Partnern. Völlig wertungsfrei. Egal, ob vollzeitsouveräne Business-Frau oder devotes Girly, nach ein paar recht einfachen fast schon mechanischen Schritten kommt aus jedem Weibchen ein Kern ans Tageslicht. Nicht jeder Mann kriegt jede Frau und nicht jede Frau lebt die Impulse ihrer natürlichen Neigung auf die selbe Art und Weise aus. Aber ein oder mehrere Männer schaffen es, fast jede Frau in ihrer Fassade – sofern vorhanden – zu durchbrechen. Und dem störrischen Rest sieht man das Unharmonische und innerlich Gespaltene an. Frauen können trotzdem 120 Jahre alt werden, Kinder zeugen, Lebensqualität aufbauen, aber ein seelisches Potential bleibt in dieser beliebten Pseudounabhängigkeit ungelebt. Und solche Frauen interessieren mich immer weniger. Mein Respekt gilt denjenigen Weibchen, die den Mut aufbringen, ihr emotionales und kognitives Sturmwasser von einem führenden, selbstbewussten und fähigen Mann kanalisieren zu lassen. In diesem Modus werden die weiblichen Stärken am wirksamsten.

Nach welchen Kriterien suchst Du Deine SpielgefährtInnen aus?
Gute Frage, auch wenn ich bislang nicht groß als Darsteller in Erscheinung getreten bin. Mein Liebesleben lässt trotzdem eine Antwort zu: Meine Frauen sollen schön sein, attraktiv, überwiegend jung, schlank, stark sexuell, erotisch und charakterstark. Charakter definiert sich dabei über die eingangs erwähnten Kriterien: Ist meine Frau bereit, sich unter mein Regelsystem zu fügen? Ist sie bereit, ihre von Natur aus sprunghaftes Wesen von mir zu unserer beider Gunsten regulieren zu lassen? Auch ich erwarte eine hohe Liebesbereitschaft von einem schönen Mädchen in meiner Umgebung. Auch ich will ihre Obhut über meinen Seelenhaushalt erleben. Männer sind egozentristische Bestien. Eine gute Frau federt dieses Animalische ab, um die autodestruktiven und aggressiven Folgen zu mindern und einzudämmen.

Was würdest Du für einen Job machen, wenn Du auf den aktuellen keine Lust mehr hast?
Schwer zu sagen. Ich liebe dieses Leben, ich liebe diesen Beruf. Alternative könnte eine andere Form von Marketing sein. Aber ich wüsste nicht für was, da ich mich mit nichts so gut identifizieren kann zur Zeit wie mit diesem Lifestyle. Außerdem gibt es wohl keine Branche, die das lange mitmachen würde, was ich der Pornographie zumute. Selbst im Erotik-Biz ist das manchmal nicht ganz konfliktfrei.

Was müsste ich als Normalo, bzw. nicht zum Beuteschema passender Mann tun um Darsteller bei Deinen Produktionen zu sein? Worauf kommt es für dich an?
Mich voll und ganz im Umgang mit Frauen überzeugen. Die eigenen Schwächen kennen und geschickt, charmant und ästhetisch durch Stärken kompensieren. Ich mag Männer, die mich weder ausstechen noch nerven. Aber offen gestanden: Es wird immer schwerer, an meiner Seite zu bleiben. Ich bin eine Alpha-Hyäne. Ich kann mich gegen viele Männer weder charakterlich noch körperlich durchsetzen. Deswegen schließe ich sie einfach von meinen Vorteilen aus.

Man liest immer wieder: keine Körperbehaarung. Warum?
Liest man das? Interessant. Ich erlebe im deutschen Porno – zumindest bei den Männern – häufig eher das Gegenteil. Ich antworte aus eigener Perspektive: Ich liebe glatte, sterile Körper, ich mag es amerikanisch, künstlich, clean. Das ist letztendlich Geschmackssache, befürchte ich fast.

Wenn man die Szene beobachtet, scheint jeder jeden zu kennen; ist das ganze wie eine große Party?
Die deutsche Branche ist klein und überschaubar. Partyumgebung habe ich bisher noch nicht so sehr gesucht bei Produktionen, weil ich ein sehr ernsthafter und zielorientierter Mensch bin. Es soll gefälligst funktionieren, den Humor der meisten Menschen finde ich persönlich eh zu platt und zu berechenbar, um aufrichtig mitzulachen. Aber das Persönliche schätze ich dennoch sehr. Vertrautheit ist eine gute Voraussetzung für gute Ergebnisse.

Wie kalkulierst Du Deine Honorare? Wie kalkulierst Du eine Produktion? 
Das Kapital zahlt nicht gerne. Ich bin meiner Herkunft nach marxistischer Prägung und weiß darum, dass der Konflikt zwischen Arbeit und Kapital im Regelfall zu Gunsten des Profits gelöst wird. Also heißt die Devise: Wenig ausgeben, viel einnehmen. Aber ich bin dennoch darum bemüht, Win/Win zu schaffen: Also teilen wir gerne das Produkt zwischen den Darstellern und der Agentur auf – jeder darf das Material einschließlich der Vermarktungsrechte nach Hause nehmen und selbst damit wirtschaften. Sollte ich ausnahmsweise mal die Vollrechte haben wollen, orientiere ich mich an marktüblicher Vergütung.

Mal ganz blöd gefragt; wie ist das so mit vielen Frauen zu verkehren und sich längst nicht alle merken zu können?
Wiederum: Kein Darsteller, trotzdem kann ich als Privatcasanova antworten. Nicht jede Frau spielt in meinem Leben gleich eine zentrale Rolle. Aber wer es in mein Herz schafft, der ist so präsent wie ein Freund oder ein wichtiger Kumpane auch. Manchmal passiert es tatsächlich, dass ich einen Fick vergesse. Aber das hat dann meist auch seine Gründe. Befreundete Darsteller lösen das Ganze durch eine „Wall of Fuck“, auf der die besonderen Trophäen mit Foto und Namen erfasst werden.

Hast Du jemanden, der Dir das Administrative abnimmt, oder machst Du alles selbst?
Ich bin in der glücklichen Position, die meisten Angelegenheiten juristischer und wirtschaftlicher Natur dem Backoffice überlassen zu können. Auch Postproduktion liegt mittlerweile außerhalb meiner Hände. Dem Himmel sei Dank dafür 😉

Bist Du mit dem Einfallsreichtum der Frauen zufrieden?
Nein. Frauen sind, freundlich gesprochen, selten die treibende kreative Kraft. Weniger freundlich gesprochen sind sie oft Idioten.

Gibst Du den Ton an oder ist es wichtig, dass Frau führt?
Ich genieße aktive Frauen, aber leider sind die wenigsten Frauen dazu veranlagt. Also muss ich damit Umgang pflegen, dass man Frauen die Richtung vorgeben muss.

Wie sieht Dein Privatleben aus? Schützt Du das besonders? Oder bist Du öffentlich?
Ich habe mich als Privatperson damit arrangiert, mein Leben weitgehend transparent zu machen. Manchmal gibt die Firma ein paar Richtlinien vor, aber ich würde mich auch noch mit einem Magengeschwür vermarkten, wenn es der Realität entspricht.

Auf was für Typen stehst Du? Wie offen bist Du?
Grundsätzlich: freaky, nasty, fights for me. Sie muss verrückt sein, versaut und was dafür tun, mich zu bekommen. Wenn das stimmt, sehe ich über einige Defizite hinweg. Ansonsten haben attraktive, schlanke, junge Frauen den Vortritt. Ich stehe darauf, wenn man mich um meine Begleiterin beneidet. Ein guter Charakter ist eine gute Voraussetzung für’s Bleiben.

Wenn Du jemandem, der vielleicht etwas spießig ist, Deinen Job erklären solltest: was sagst Du ihm?
Ich bin eigentlich sehr umgänglich und ein Kommunikationsmensch. Einfühlsamer, verständnisvoller, bedachter Ansatz. Häufig habe ich aber auch gar nicht die Zeit, die Zivilbevölkerung aufzuklären. Ich arbeite viel zu viel.

Wie denkst Du über Safer Sex?
Sollte man, nicht wahr? Die Frage könnte ja auch heißen, wie ich über ungewollte Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten denke: Beides liegt mir nicht besonders.

Hast Du eigentlich ein Geschäftsmodell oder Businessplan erstellt oder machst Du einfach drauflos?
Einfach drauf los. Ich werde blöd, wenn ich meine wertvolle Zeit noch mit Vorausplanung verschwenden muss.

Wie bist Du zu Deinem Job gekommen?
Kurzversion: Praktikumsanfrage, Glück gehabt, Talent bewiesen, unverzichtbar geworden.

Was findest Du daran richtig geil?
Ich mag das Machtgefühl in dem Job. Ich liebe es, wenn ich Anerkennung und Bestätigung erfahre. Die Frauen sollen mich wollen, die Männer sollen so sein wollen wie ich. Das ist ein immenser Kick.

Was kotzt Dich an?
Die Bedürfnisse anderer Menschen, von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Hast Du einen Appell an die Frauen im Umgang mit Dir?
Keine Umwege. Ich habe keine Zeit für Spielereien. Eine Frau von guter Attraktivität kann und soll mich einfach mit klarem sexuellen Angebot anschreiben. Alles andere nehme ich zwar in Kauf, aber schätze ich nicht besonders.

Was ist Dir persönlich wichtig; was ist Dein Antrieb?
Geld, Macht, Ruhm, viele schöne Frauen und über kurz oder lang seelische Ausgeglichenheit und Lebensfrieden.

Vielen Dank für das Interview!

Wer mehr über Rafael Santeria wissen möchte:
http://youtube.com/rafaelsanteria
http://www.rafaelsanteria.com/ (NEU und ab 18!)

Erik Hansen – Zur Person

Bisher veröffentlichte Leseproben: Blutgeld & Wüstengeld.

Hansen PortraitErik Hansen ist das Pseudonym für einen Kenner Afrikas und langjährigen Berufssoldaten. Er hat fast 30 Jahr seines Lebens in Afrika gelebt und gearbeitet. Dadurch sind die Beschreibungen von Land und Leuten, sowie die Kampfszenen sehr authentisch. Erik Hansen lebt heute in einem kleinen Ort im oberösterreichischen Salzkammergut, wo er die Erlebnisse seiner Afrikajahre zu Romanen verarbeitet. Mehrmals jährlich zieht es ihn jedoch immer wieder in seine geliebte afrikanische Wildnis und die Inselwelt vor Ostafrika.

Fragebogen für ERIK HANSENWeiterlesen

Im Porträt | Rafael Santeria | Ich liebe dieses Leben, ich liebe diesen Beruf

Foto: Privat
Foto: Privat

Rafael Santeria arbeitet in der Erotikbranche; was für den einen verrucht, ist für den anderen ein ganz normaler Job. Wir haben den PornoProduzenten interviewt, um eine Brücke zwischen anrüchig und alltäglich zu schlagen.

Der Neu-Berliner, Jahrgang 1988, fällt auf: im ersten Eindruck durch seine markigen Sprüche, getreu dem Motto „Wir sind die Bösen“ und durch seine Tattoos. Soweit die Klischees.

Wer seine Aktivitäten verfolgt, sieht; Rafael Santeria versteht die Spielregeln seiner Branche. Seine Arbeit ist eher Berufung als Lohn- und Brotjob. Auf unsere Frage, welchen anderen Beruf er ausüben würde, gäbe es diesen nicht, sagt er: „Ich liebe dieses Leben, ich liebe diesen Beruf. “

Unterhält man sich persönlich mit ihm, ist man angenehm überrascht: unsere Fragen beantwortete Rafael eloquent, durchdacht und reflektiert. Der Kontakt ist von Höflichkeit geprägt. Ein schöner Kontrast zu der Rhetorik in Erotikfilmen. Sicher, der inhaltliche Schwerpunkt liegt eh woanders; mancher erwartet,aber wohl, dass die Menschen hinter den Kulissen ähnlich ticken. Dem ist nicht so.

Wir haben Rafael auch zu seinem Verhältnis zu Frauen, seiner Lebensphilosophie und über wirtschaftliche Aspekte der Filmproduktion befragt. Der Filmproduzent hat sich entschieden, sein Privatleben weitgehend öffentlich zu führen. Eine interessante Entwicklung im Zusammenhang mit der anhaltenden Diskussion über Privatsphäre. Auf die Frage hin, ob er mit Businessplänen arbeitet, entgegnet er, dass die Zeit zu kostbar sei um diese mit Vorausplanungen zu verschwenden. Vielleicht ist dieser Aspekt interessant in einem Land, wo vieles „zu Tode“ geplant wird.
Lesen Sie seine erfrischenden und überraschenden Antworten im Interview.

Zitate aus dem Interview: „Ich bin eine Alpha-Hyäne.“ – „Männer sind egozentrische Bestien.“ – Frauen sind, freundlich gesprochen, selten die treibende kreative Kraft.

Wer mehr über Rafael Santeria wissen möchte:
Rafaels youtube-Kanal
http://www.facebook.com/rafael.santeria
http://www.rafaelsanteria.com/ (NEU und ab 18!)

Prträtfoto: Rafael Santeria

Welches Instrument passt zu mir?

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Sie wollen ein Instrument spielen lernen oder spielen eines aus Gewohnheit, obwohl sie es eigentlich nicht mögen. Welches kommt nun in Frage? Eine Schwierige Frage, schließlich gibt es Dutzende – und nicht jedes passt zu jedem. Wir haben darum eine Checkliste komponiert: Welches Instrument harmoniert mit Ihnen und umgekehrt?! Natürlich ergibt das Testergebnis nur Vorschläge.

Denn nicht geht über das Ausprobieren.  Denn am Ende entscheiden Sie allein, welches Instrument Sie für sich dich entdecken – und was Sie dann damit machen!

1. Welche Musik hören Sie?

  • Lieder, bei denen ich gut mitsingen kann. [A]
  • Hauptsache, es rockt! [B]
  • Musik zum Träumen. [C]

2. Mitglieder Ihres Freundeskreises veranstalten ein Konzert.  Mitspielen können Sie nicht: Sie beherrschen ja noch kein Instrument. Was machen Sie stattdessen?

  • Ich komme und höre zu, das reicht doch. [C]
  • Ich führe durchs Programm. [A]
  • Stühle stellen und Karten abreißen. [B]

3. Bei der Weiterbildung: Eine Übung bei etwas Neuem will nicht auf Anhieb gelingen. Was nun?

  • Jetzt erst recht! Ich übe, übe, übe, bis mir die Kräfte schwinden. [C]
  • Ich mogle mich durch, fällt schon keinem auf. [B]
  • Das wusste ich vorher – und habe „zufällig“ den Turnbeutel vergessen. [A]

4. Damals in der Schule: Zur Musikstunde wird ein Vorsänger gesucht. Was war mit Ihnen?

  • Ich melde mich und frage, ob ich zur Toilette darf. [C]
  • Klar, mehr als blamieren kann ich mich ja nicht. [A]
  • Warum nicht – wenn noch meine beste Freundin mitmacht. [B]

5. Freunde sagen, Sie sind …

  • … spontan und ein echter Kumpel. [B]
  • … dickköpfig, aber voller Tatendrang. [A]
  • … feinfühlig und die Freundlichkeit in Person. [C]

6. Auf einer Party läuft Ihr Lieblingslied. Was machen Sie?

  • Ich stürme die Tanzfläche und lege eine echte Show hin. [A]
  • Wenn zwei, drei andere tanzen, komme ich auch aufs Parkett. [B]
  • Ich bleibe am Rand stehen und wippe ein wenig zum Takt der Musik. [C]

7. Sie sind im Theater. Das Stück ist gähnend langweilig.

  • Ich warte ab, vielleicht kommt am Ende ja noch der große Knaller. [C]
  • Ich spiele mit meinen Sitznachbarn Schiffeversenken. [B]
  • Ich schleiche mich raus. Weiter zuschauen ist pure Zeitverschwendung! [A]

8. Letzte Frage: Wie sieht Ihr ideales Wochenende aus?

  • Ich treffe mich mit Freunden, da geht immer irgendwas. [B]
  • Musik hören, Bücher lesen, Fernsehen schauen. [C]
  • Ist der Test nun endlich vorbei? Ich will los: Party, Party, Party! [A]
Musikunterricht - Foto: Peter Bosse
Musikunterricht – Foto: Peter Bosse

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Zählen Sie nun zusammen, wie oft Sie A, B und C als Antwort angekreuzt haben.

Typ A: Die Bühne gehört Ihnen!

Sie haben überwiegend mit A geantwortet
Sind Sie etwa mit Bill Kaulitz verwandt oder die kleine Schwester von Rihanna? Fest steht jedenfalls, Sie geben gern den Ton an. Im Rampenlicht fühlen Sie sich pudelwohl, egal, ob als Vorsänger oder ob Sie einen Vortrag halten. Lampenfieber: Fehlanzeige! Darum empfehlen wir Ihnen Instrumente, mit denen Sie solistisch auftreten können – also keine Begleitung brauchen. Zum Beispiel Klavier, Gitarre oder Saxophon. Oder spielen Sie gern die erste Geige? Dann dürfen Sie allerdings eine ganze Menge Ausdauer mitbringen. Aber es lohnt sich!

Typ B: Richtig Abhandeln

Sie haben überwiegend mit B geantwortet
Ohne Ihre Freunde geht gar nichts. Wenn Sie aber mit Ihren Leuten unterwegs sind, bilden sie eine schlagkräftige Combo. Dann sind Sie die fantastischen Vier oder Fünf oder Sechs. In einer Band würden Sie sich daher sicher sehr wohlfühlen. Entsprechend raten wir Ihnen, mit einem Instrument anzubändeln, das auch in einer Rockband stets gebraucht wird: Keyboard, E-Bass oder Schlagzeug. Und wenn Sie den Mund gern voll nehmen: Auch Trompeter für kleine Solo-Einlagen sind in Bands sehr willkommen.

Typ C: Zusammen spielt man weniger allein

Sie haben überwiegend mit C geantwortet
„Musik allein – das muss nicht sein“, könnte Ihre Devise lauten. Denn Musik, sagen Sie sich, wird doch erst zu Musik, zu einem echten Erlebnis, wenn viele zusammenspielen. Musiker wie Sie sind darum in Orchestern oder Big Bands bestens aufgehoben. Oboe, Harfe oder Cello könnten daher passende Instrumente  sein. Damit werden Sie auch nicht in der Masse untergehen. Denn gerade Oboe und Harfe haben immer wieder Solo-Einsätze. Zum Glück haben Sie eine Menge Geduld – die ist nötig, um diese Instrumente zu lernen.

trennlinie640Was Sie auch stattdessen machen können: Sie tasten sich vor. Probieren Sie Instrumente für Rhythmus und die für die Melodien aus. Der Autor dieses Artikel stand vor genau der gleichen Frage: welches Instrument darf es sein. In seiner Jugend „musste“ er Gitarre lernen; ohne besondern Erfolg und widerwillig. In späteren Jahren nutzte er, zunächst unreflektiert, jede Gelegenheit eine Trommel zu bearbeiten. In einem klassichen Konzert mit Musik von Dvorak beobachtete er sich, welches Instrument ihm besonders gefiel: es war der Kontrabass! Nun raten Sie mal, welche Instrumente er heute spielt?