Kategorie: Interview

Menschenbilder | Rafael Santeria

Rafael Santeria war einer unserer ersten Interviewpartner und löste in der damaligen Redaktion mehrere hitzige Diskussionen aus. Er arbeitet in der Erotikbranche und als Model; was für den einen verrucht, ist für den anderen ein ganz normaler Job. Wir haben Rafael interviewt, weil wir neugierig auf sein Weltbild waren und sind.
Der Weltenbummler, Jahrgang 1988, fällt auf: im ersten Eindruck durch seine markigen Sprüche und seine zahlreichen Tattoos. Spannend ist zudem sein Leben als „Digitalnomade“. Seine Arbeit ist eher Berufung als Lohn- und Brotjob. Auf unsere Frage, welchen anderen Beruf er ausüben würde, gäbe es diesen nicht, sagte er 2014: „Ich liebe dieses Leben, ich liebe diesen Beruf.“ Inzwischen ist er nicht mehr so enthusiastisch.
Rafael ist eloquent und reflektiert. Er weiß, was er will, und verfolgt seine Ziele hartnäckig; inklusive der notwendigen Nebenwege. Wir hatten ihn im ersten Gespräch zu seinem Verhältnis zu Frauen, seiner Lebensphilosophie und seinen Erfahrungen in der Pornobranche befragt. Nun, zwei Jahre später, sprechen wir mit Rafael Santeria über seine Modelkarriere, was sich zu damals verändert hat und seine Zukunftspläne.

Die Pseudounabhängigkeit der Frau. – Hat sich Deine Wahrnehmung inzwischen verändert?
Hand aufs Herz! Hätten mich nach meinem Einbruch 2015 keine Frauen durch emotionalen, organisatorischen und persönlichen Support begleitet, wäre ich vermutlich untergegangen. Psychologinnen, Unternehmensberaterinnen, Anwältinnen, Journalistinnen, Feministinnen, Freundinnen: Nichts und niemand wie die Krise hat mir so deutlich gezeigt, dass mein weltanschaulicher Herrenwitz eine Blamage für mich, nicht für die Frauenwelt, gewesen ist. Ich weiß aus vielseitigen Erfahrungen, dass es Unterschiede gibt zwischen den Geschlechtern, aber diese sind diffus und durchlässig. Ich habe Tränen geweint an den Schultern der Frauen, denen ich mangelnde Autonomie vorgeworfen habe.

Ist meine Frau bereit, sich meinem Regelsystem zu fügen? – Wie wichtig ist Dir Macht in Deinen Beziehungen, privat wie beruflich? Würdest Du das heute noch so definieren?

Rafael Santeria | Foto: @corneredring
Rafael Santeria | Foto: @corneredring

Im Grunde genommen eine ethische und psychologische Binsenweisheit: Beziehungen sollten sich vorrangig um Einverständnis, Gegenseitigkeit, Kommunikation, Mitgefühl und selbstverständlich Liebe drehen – oh Wunder! Zwischenmenschliche Beziehungen sind bis zu einem gewissen Grad von dynamischen Macht- und Dominanzstrukturen geprägt, aber das zu einer Philosophie zu verklären, dürfte nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen in Trennung, gegenseitiger Antipathie oder gar Gewalt enden. Wenn man sich nicht zufälligerweise gerade für den oberkrassesten Hatefucker hält, dürfte das den meisten Menschen missfallen. Womöglich geht es in langfristigen Beziehungen gerade darum, Machtverhältnisse abzubauen und durch liebevolles Einlassen zu verschmelzen: Für diese These fehlt mir allerdings noch die langfristige Erfahrung.

Ich liebe glatte, sterile Körper. – Ist das immer noch so?
Ja, das ist geblieben. Wobei ich es als berufliche und persönliche “Herausforderung” betrachte, mich mehr und mehr auch auf Körper einlassen zu können – jenseits meiner gewohnten und allgemeiner Schönheitsideale. Bei beidem spielt nämlich immer auch ein gewisser Grad an sozialem Druck eine Rolle. Und soziale Konvention sollte ja nun wirklich nicht die tiefere Sexualität dominieren.

Einfach drauf los. – Ist das immer noch Dein Motto?

Foto: Privat
Foto: Privat

Oh Himmel, nein. Ich wähnte mich damals in weitreichender Sicherheit vor ethischem und sozialem Ausschluss, vor Feindschaft und weitreichenden eigenen Fehlentscheidungen. Zwei, drei Jahre später sind meine persönliche Sensibilität und mein soziales Bewusstsein immens gewachsen. Heute sind kurz- und langfristige Entscheidungen durchdacht, zum Teil mit “Beraterstab” entwickelt. Bisher zahlt sich das aus.

Du arbeitest daran, Dich als Marke/Kunstfigur aufzubauen. Was bedeutet das konkret? Warum ist es Dir wichtig, als Markenprodukt in Erscheinung zu treten? Wie wichtig ist Dir dabei eine gewisse Privatsphäre?
Rafael Santeria ist eine sich selbst schreibende und von mir geschriebene Geschichte: Mein Leben war bis hierher unkonventionell und dramatisch. Aus diesem Leben kann ich mich reich bedienen, wenn ich die Öffentlichkeit unterhalten, faszinieren, bewegen möchte: Depressionen, Schmerzen, unvorstellbares Leid, ungeahnte Wendungen, durch nichts zu erklärendes Glück, Veränderung. Das Erzählen macht mir Spaß und hilft mir zudem bei der Verarbeitung. Meine Privatsphäre schütze ich dabei immer bewusster: Es braucht nicht jedes Detail meiner Geschichte bekannt zu sein, dann bleibt es spannend und ich erspare mir manche Konflikte mit mir selbst.

Du wurdest oft als Hatefucker bezeichet. Wenn Du zurück blickst: Wie geht es Dir mit diesem Stempel heute? Wie möchtest Du Dich aktuell gewertet wissen?

Foto: Privat
Foto: Privat

“Hatefuck” war ein ungeahnt erfolgreiches Branding, dabei war es seinerzeit gar nicht realitätsgerecht: Manchmal ging es härter zur Sache, aber auch nicht wesentlich mehr als bei vielen jungen Paaren heutzutage. Ich habe erschrocken und panisch das Image abgestreift, als ich bemerkt habe, dass Leute aus meiner Worthülse eine potentiell justiziable Realität gemacht haben. Ich habe mich über die Vorgänge damals ausführlich im feministischen Ressort des Vice-Magazins Broadly geäußert: “Ich fand mich selbst eklig” – in diesem Umfeld ist es seit dem auch nicht schöner geworden. Aktuell entwerfe ich einen neuen Produktionsstil, der eine Menge “von zart bis hart” abdeckt, aber klare und auch im Rahmen der Inszenierung sichtbare Grenzen sichtbar macht. Das Image-Produkt “Hatefuck” spielt dabei keine wirkliche Rolle mehr. Eine kleine Spielerei ist gerade in Überlegung, aber die ist noch nicht spruchreif.

Was ist Dir persönlich wichtig? Was ist Dein Antrieb? Geld, Macht, Ruhm, viele schöne Frauen und über kurz oder lang seelische Ausgeglichenheit und Lebensfrieden. – Hat sich das verändert? Warum?

Rafael Santeria | Foto: @benlaerk
Rafael Santeria | Foto: @benlaerk

Ich bin einigen Zielen auf unfreiwillige und zum Teil ganz merkwürdige Weise näher gekommen, vermutlich weil sich ihr Stellenwert verringert hat. Erfolg kann man nicht erzwingen – Seelenfrieden auch nicht. Moralisch integres Verhalten hingegen kann man sich im Zweifel sogar abverlangen. Ich habe mich von all zu konkreten Lebensentwürfen verabschiedet. Ich pokere auf Hoffnung, Geduld, Vertrauen und meinen mittlerweile etwas zivilisierteren Ehrgeiz, der mich selbst in den tiefsten Tälern immer noch vergleichsweise produktiv hat bleiben lassen.

Thema Depressionen: Du sagst, dass Du früher unter ihnen gelitten hast. Was hat sich geändert? Gibt es etwas, was Dich diese Krankheit gelehrt hat?
Die Depressionen haben sich immens verschlimmert, als mir alles in die Binsen gegangen ist. Demut. Leidensfähigkeit. Ich habe das “Durchhalten” erlernt. Einfach immer weitermachen. Es ist nicht (mehr) mein Lieblingsthema zugegebenermaßen. Ich danke dem Himmel für jeden Tag in Frieden und für das viele Glück, das ich am Ende hatte und zukünftig noch haben darf.

Du hast in den letzten Jahren einige Erfahrungen im Pornobiz gesammelt. Wie denkst Du heute über diese Szene?

Rafael Santeria | Foto: @julianpaul.pictures
Rafael Santeria | Foto: @julianpaul.pictures

Nun, ich wollte seinerzeit ja eine moderne Subkultur in die Branche hineingründen – mit Sicherheit ein etwas vermessener Anspruch. Ein erfahrenerer Darsteller hat mir irgendwann mal geraten, nicht weiter meine Lebenserfüllung im “Wegwerfprodukt” Porno zu suchen – der Ratschlag hat wehgetan, hat sich aber als sehr heilsam erwiesen. Ich halte mich heute eher am Rand der Branche auf und lasse mich nicht mehr von jedem Gerücht, Zoff, Drama, Skandal persönlich involvieren. Auch wenn mir das heute manch einer nicht mehr glaubt, aber ich hatte irgendwann mal richtig gute Absichten. Bedauerlicherweise habe ich durch eigenes Image-Fehlverhalten diese Absichten bestmöglich verschleiert. Manche Leute tragen mir bis heute noch nach, dass ich naiv Leute unterstützt habe, die für geringe oder auch gar keine Bezahlung bekannt waren. Ansonsten muss und möchte ich das Chaos gerne vor der Tür lassen. Es gibt funktionierende Systeme mit anständigen Leuten. Die Branche an sich ist zwar durcheinander, aber im Großen und Ganzen fair und verträglich.

Rafael Santeria | Foto: @julianpaul.pictures
Rafael Santeria | Foto: @julianpaul.pictures

Du bist inzwischen auch als Model tätig. Wie ist es dazu gekommen? Was verbindest Du für Dich mit diesem Job? Welche Ziele hast Du dabei?
Richtig! rafaelsanteriamodel.com — ein wie auch der Rest mittlerweile international ausgerichtetes Projekt, mit dem ich mich künstlerisch über Wasser gehalten habe, als mir alles andere zum Hals raushing. Es geschieht ohne jeden Zwang, die Fotografen sind dankbar für interessante Gesichter (mit Verlaub: hab ich) und ich bin dankbar für professionelle Fotos. Ein gewisses Talent ist erkennbar und die Nachfrage erstaunt mich manchmal selbst. Mal sehen, wohin das noch führt.

Was bedeutet für Dich „Moderne Pornographie“? Wie möchtest Du Deine Interpretation in die Köpfe bzw. Betten der Konsumenten bringen?

Foto: Privat
Foto: Privat

Noch ist mein neues Produkt kaum sichtbar. Im Inflagranti-Streifen “Kinky Euro Girls” habe ich mit liebevollen Verbündeten bereits vorgelegt, was möglich ist: Anspruchsvolle Technik, in diesem Fall hauptsächlich britische, junge, attraktive Darstellerinnen mit Schlagseite zum Szenemilieu: Bisschen Tattoo und Piercings, bisschen Porno, Erotik-Subkultur 2016. Pornographisch geht’s dabei recht klassisch zu: Gonzo, wenig bis gar kein Dialog, dafür aber etwas Behind-the-Scenes-Material. Es ist ein Innenanblick davon, wie ein Junge aus dem deutschen Punkrock Profi-Porno produziert. Zukünftig sollen mehr Lifestyle-Produkte eine Rolle spielen.

Wie denkst Du über Frauen?
Dankbar denke ich an und über sie. Ohne sie wäre ich nicht da und vermutlich nicht mehr da.

Wie definierst Du Männlichkeit? Wie äußern sich Frauen diesbezüglich Dir gegenüber?
Maskulinität definieren. Oh weia. Souveränität, Liebesfähigkeit, Mut, Hoffnung… Es hat Facetten, aber eine Definition würde mich gerade überfordern. Sprechen wir in weiteren zwei Jahren nochmal und auf dem Sterbebett im Alter von medizinisch modernen 190. Die Frauenwelt hat auf meine Wandlung überaus positiv reagiert: Manche Menschen, die ich wie Dreck oder nah dran behandelt hatte, haben mir tatsächlich verziehen. Die meisten hatten all das Getue eh recht neutral verarbeitet, wurde mir zurückgemeldet: Es war so offensichtlich kindisches Getue. Mittlerweile zeigen mir die größten aller Frauen, die ich kenne, wie tief ihr Einfühlungsvermögen ist und wie groß ihre Energie und Hilfsbereitschaft sind. Ich kann ihnen nur danken für ihre Großherzigkeit.

Dass sich eine Frau um Dich zu bemühen hat, ist für viele „normale“ Männer – insbesondere aus der Fraktion der Schüchternen & Introvertierten, der eher optisch ungünstig Veranlagten – mehr Wunschtraum als Realität. Anspruchsdenken reicht da sicherlich nicht. Hast Du den einen oder anderen Tipp?

Foto: Privat
Foto: Privat

Jeder von uns muss sich im Rahmen seiner Möglichkeiten “verbessern”, wenn er seinen “Marktwert” steigern möchte. Ich bin offenbar attraktiv genug, dass bei mir vor allem der Faktor Persönlichkeit erfolgssteigernd ist – und natürlich Psychologie, Kommunikation. Ich würde ganz allgemein raten, sich fortlaufend in den Bereichen zu steigern, in denen man sich nicht blockiert fühlt: Wenn man sich fürs Fitnessstudio nicht begeistern kann, dann sollte wenigstens der Anzug sitzen. Viele Künstler, Schauspieler, Rapper und Alltagsmenschen machen vor, wie man auch mit 150 Kilo oder anderen “Defiziten” eine anziehende Menschlichkeit entwickeln kann. Wenn ich mich mal wieder für YouTube aufraffen kann, werde ich mich dazu bestimmt auch nochmal ausführlicher äußern. Im Video “Wie reißt man Frauen auf? Sei kein Idiot!” habe ich schon mal erste Ausblicke gegeben.

Du hast mittels Social Media Deinen Lebensstil des modernen Nomaden veranschaulicht und indirekt die Umsetzung erleichtert. Wie denkst Du aktuell über diesen Lebensstil? Was sind Deine herausragenden Erfahrungen bisher dabei?
Autsch. Schwachpunkt. Ganz ehrlich: Der Weg war so steinig und belastet und obwohl mir Minimalismus und – zumindest theoretisch – globale Flexibilität ein paar Vorsprünge verschafft haben, würde ich das Experiment nicht uneingeschränkt weiter empfehlen. Ich habe viel zu stark in Abhängigkeit von sesshaften Strukturen gelebt, als dass ich hier ein Loblied auf meinen eigenen Wagemut singen könnte.

Wer mehr über Rafael Santeria wissen möchte:
Rafaels youtube-Kanal
facebook.com/rafael.santeria
rafaelsanteria.com/ (Pornografische Inhalte. Ab 18J.!)
rafaelsanteriamodel.com

Titelfoto: @julianpaul.pictures

Infos zu den Fotografen:
Katrin Steffer | @corneredring
Ben Laerk | @benlaerk
Julian Paul@julianpaul.pictures

Mein Leben auf Heroin – Peter Grau* über Alltag, Libido & Zukunft

Heroin-Medikamentenflasche von Bayer
Heroin-Medikamentenflasche von Bayer

Herr Grau*, Sie haben mit 14 Jahren erstmals Heroin genommen und sind heute 42 Jahre alt. Gab es dazwischen eine Zeit, in der Sie keine Drogen konsumiert haben?
Nein, ich führe ein Leben unter andauerndem Opiateinfluss.

Sie sind also seit 28 Jahren nie völlig nüchtern gewesen?
Ja, und ich weiß, dass das für Außenstehende tatsächlich schwer nachzuvollziehen ist. Die meisten haben ein gut funktionierendes soziales Umfeld, Familie und Arbeit – etwas, das ihr Leben erfüllt. Das hatte ich schon als Jugendlicher nicht. Heroin hat mir alles gegeben, was mir fehlte. Und es ist noch heute ein Ersatz für vieles, das ich nicht hatte.

Das klingt, als hätten Sie resigniert.
Das mag so klingen. Aber ich bin nicht unzufrieden mit der Situation. Klar wünscht man sich bisweilen, voll in der Gesellschaft integriert zu sein. Aber für mich hat sich diese Option nie ergeben.

Warum nicht?
Ich habe große Mühe, mich auf andere Menschen einzulassen oder mich einzugliedern. Das habe ich nie gelernt. Ich wurde bereits in der Schule ausgegrenzt und hatte große Probleme mit meinen Mitschülern. Zu Hause habe ich nie einen normalen, liebevollen Umgang erlebt. Mein Vater war gewalttätig und hat unsere Familie früh verlassen. Meine Mutter hat mich mit 15 Jahren in ein staatliches Heim gesteckt. Das hat mir das Herz gebrochen und es hat mich fürs Leben geprägt. Ich wurde zum Misanthrop, wollte nie ein bürgerliches Leben führen. Ich hatte auch oft den Wunsch, nicht mehr weiterzuleben. Die Drogen haben mir in solchen Momenten geholfen.

Wie muss man sich einen Heroin-Flash vorstellen?
Ich erlebe alle Glücksgefühle, die mir sonst im Leben verwehrt sind. Wärme und Geborgenheit durchströmen einen.
Sie nehmen heute im Rahmen einer Substitutionsbehandlung einer Suchtklinik zweimal täglich Heroin.

Wie sind Sie in dieses Abgabeprogramm gelangt?
In der Drogenszene ging sehr bald das Gerücht um, dass ein solches Programm starten wird. Bei der zweiten Anmeldungswelle im Jahr 1996 wurde ich in das Heroinabgabeprogramm aufgenommen. Ich war die Nummer 202. Daran erinnere ich mich noch ganz genau.

Wie hat sich Ihr Leben dadurch verändert?
Ganz ehrlich? Ich glaube, ohne dieses Programm wäre ich schon längst tot. Es war wie im Paradies. Nach dem Schock der Schließung mehrer Plätze waren wir alle froh, dass es solche Anlaufstellen gibt. Ich bekam reinen Stoff unter sehr hygienischen Bedingungen. Mein Alltag erlangte plötzlich Strukturen, was vorher nie der Fall war. Irgendwann brauchte ich auch keinen Beistand mehr und konnte in einer eigenen Wohnung leben. Das klingt alles ganz banal. Aber diese Veränderungen haben mir sehr viel abverlangt. Heute habe ich Stabilität und innere Ruhe gefunden.

War ein Umstieg auf Methadon keine Option?
Ich habe es etwa vor zehn Jahren versucht. Es hat nicht dieselbe Wirkung wie Heroin. Methadon macht träge, schläfrig und antriebslos. Deshalb konsumieren viele neben Methadon auch noch Kokain und Amphetamin. Ich persönlich vertrage es auch körperlich nicht gut. Deshalb nehme ich seit 1996 nur noch Heroin.

Wie sieht Ihr Alltag aus?
Es ist sicher nicht ein Alltag, den man als «normal» bezeichnen würde. Ich habe nie gearbeitet. Dazu bin ich weder physisch noch psychisch fähig. Ich lebe seit 1994 von einer Invalidenrente. Ich gehe regelmäßig spazieren. Sport kann ich allerdings nicht mehr treiben. Mein Körper ist zu kaputt. Aber ich habe ein Hobby gefunden, das meinen Tag erfüllt: Ich liebe Onlinegames und habe inzwischen einen Clan von etwa 40 Leuten aufgebaut, mit denen ich regelmäßig spiele.

Sind Sie Single?
Ja. Aber, ich lebe seit 20 Jahren mit einem Mann zusammen. Wir haben uns auf den Hansaplatz kennen gelernt und danach eine Zeit lang in einer städtischen Betreuungseinrichtung zusammengewohnt. Später haben wir uns wieder getroffen und leben heute in einer privaten 2½-Zimmer-Wohnung, die uns der Bruder meines Wohnpartners vermietet. Wir führen ein sehr glückliches Leben. Ich habe in ihm einen Menschen gefunden, dem ich bedingungslos vertrauen kann und der mich in allem unterstützt. Es ist aber eine rein platonische Beziehung. Ich bin heterosexuell. Meine Libido hat sich aber vor zehn Jahren verabschiedet.

Wegen der Opiate?
Ich denke schon. Heroin ist auch hier eine Art Ersatz. Wenn ich Heroin nehme, ist das wie ein erotischer Akt. Ich vermisse den Sex daher nicht. Abgesehen davon konnte ich mich als junger Mann halbwegs ausleben. Auf den Drogenstrich bin ich aber nie gegangen. Ich habe meine Sucht anders finanziert. Ein Jahr lang war ich wegen diverser Einbrüche in Haft. Ich bin nicht stolz auf dieses Kapitel in meinem Leben. Aber ich habe für meine Fehler gebüßt.

Hatten Sie nie den Wunsch, einen Entzug zu machen und ganz ohne Drogen zu leben?
Nein. Ich kenne nichts anderes und sehe darum auch nicht ein, was am Leben ohne Drogen erstrebenswert wäre.

Verstecken Sie sich hinter der Droge?
Das ist schon möglich. Und es gibt auch Tage, an denen ich es bereue, dass ich ein Leben in Abhängigkeit führe und deshalb nicht viel von der Welt sehen kann. Aber ich hatte die Wahl, und meine Wahl fiel immer auf die Drogen.

Kritiker der kontrollierten Drogenabgabe sind der Meinung, das Programm müsse auf den Ausstieg aus den Drogen hinzielen. Was sagen Sie dazu?
Man muss das etwas differenzierter sehen. Bei jungen Menschen, die frisch in die harten Drogen eingestiegen sind und den Absprung vielleicht noch schaffen, wäre ein Ausstieg als Programmziel sicher realistisch. Aber bei alten Junkies wie mir ist das keine Option mehr. Wer etwas anderes behauptet, lügt. Es gibt Menschen, die Drogen brauchen, um die Welt zu ertragen. Ich gehöre dazu. Es ist mir bewusst, dass das für Außenstehende schockierend wirkt, aber ich will nichts beschönigen.

Hatten Sie nie ein schlechtes Gewissen, das Sie komplett vom Staat leben?
Nein, weil ich dem Staat eine Mitschuld daran gebe, dass ich so geworden bin. Ich wurde in der Schule ausgestoßen und später auch von Menschen schlecht behandelt, die für den Staat arbeiten.

Ist Heroin noch angesagt?
Die Droge entspricht sicher nicht mehr dem Zeitgeist. Ich glaube, junge Leute setzen heute eher auf leistungsfördernde Drogen wie Kokain und Amphetamin. Wenn ich heute 16 Jahre alt wäre, dann hätte ich kaum Heroin genommen.

* realer Name der Redaktion bekannt.

Das Interview führte Oliver Simon

Sabina Heinsohn über das Wahrsagen und Ehrlichkeit im Leben

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Foto: Privat

Sabina Heinsohn arbeitet seit mittlerweile  über 10 Jahren erfolgreich als Hellseherin, Wahrsagerin, Reikimeisterin und Geopathologin. In ihren Beratungsgesprächen übersetzt sie persönlich und telefonisch die Energie der Seele.
Die Heilerin hat in verschiedenen Berufen gearbeitet, insbesondere im Mediengeschäft. Ihr privater Weg führte sie zu diverse Kulturen und in ferne Länder. In Brasilien bewahrheitete sich die Begegnung mit einem Amerikaner, der ihr den Weg zu den Hopi-Indianer in Arizona zeigte. Bereits der erste Kontakt zum Medizinmann sollte dabei ihr Leben völlig verändern.
Neben ihrer Gabe als Hellseherin und Kartenlegerin integrierte sie nach und nach schamanisches Wissen in ihren Alltag.  Auf Zypern lebend bestärkte sie ein sibirischer Heiler ihren Weg weiter zu gehen. Bedeutend und wegweisend allerdings war  ein Lichtkontakt, den sie bereits vor 18 Jahren hatte.

Im Interview erklärt sie uns, was Wahrsagen für sie bedeutet, wie sie es definiert und beschreibt Ihren Weg zum Geistigen Heilen.

Kartenorakel-242767_1280_AntraniasWie sieht Ihr Leben derzeit aus? Wie sind Ihre Pläne für den Rest des Jahres?
Zunächst würde ich die Frage gerne umformulieren. Wie sind Ihre Pläne für den Rest Ihres Lebens?
Ich habe lange Zeit in der freien Wirtschaft gearbeitet, habe verschiedene Berufe wie Werbegrafik, Kommunikationswirtin, Packungsgestaltung und Fotoredakteurin ausgeübt. Zum Ende (ich baute Gruner & Jahr die Fotoredaktion für die Gala auf) stellte ich jedoch nicht wirklich eine innere Zufriedenheit fest. Nein, ganz im Gegenteil. Meinem inneren Druck etwas wirklich Befriedigendes zu leisten, konnte ich nicht mehr widerstehen. Während einer längeren Reise lernte ich einen Amerikaner kennen, der mir den Weg zu den Hopi-Indianern eröffnete. Diese Begegnungen, so kann ich heute sagen, waren sicherlich ein maßgeblicher Anstoß für meine Entscheidung mich vor über 10 Jahren als spirituelle Lebensberaterin, Coach und Wahrsagerin selbstständig zu machen. Der einzige Plan für mein Leben ist, hierbei eine wirkliche Erfüllung zu finden und am Ende des Geschehens mit einer gewissen Zufriedenheit in den Spiegel schauen zu können.

Wie erklären Sie einem jungen Menschen, was Sie beruflich machen?
Aufgrund meines langjährigen Kontakts zu vielen Menschen, mit ihren täglichen Sorgen und Nöten, würde ich allen Menschen erklären, dass ich meine Arbeit als Wahrsagerin nicht nur auf Fragen des sogenannten passenden Partners/In beschränkt sehen möchte. Ich habe es mir zu Aufgabe gemacht, Menschen ihr Potential aufzuzeigen, um mutig selbstbestimmt ihr Leben im seelischen Einklang mit sich, der Umwelt und der Natur (Mutter Erde) zum Ausdruck zu bringen.

Was bedeutet Ihnen Ihre Arbeit?
Wirkliche Erfüllung zu erleben, dass Menschen aufgrund meiner Arbeit ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand nehmen. In der Praxis bedeutet dies z. B. sich einer evtl. krankmachenden Jobsituation zu entziehen, eine energieraubende Partnerschaft neu zu bewerten, ein besseres Verständnis für das Verhalten des eigenen Kindes zu bekommen. Wir alle (und alles) sind miteinander verbunden. Negative Energie gibt es genug. Dabei freue ich mich über jeden, der anfängt im Gleichklang mit sich und unserem Planeten zu schwingen.

Traumfänger-902508_1280_OrangefoxHaben Sie Ihre Aufgabe gefunden oder hat diese Sie gefunden?
Ich bin der Meinung, wir alle haben uns etwas vorgenommen, bevor wir hier angetreten sind. Damit meine ich, dass wir alle schon x Leben gelebt haben. Auch ich habe lange nicht auf meinen „innere Ruf“ (Berufung) der Seele gehört. Es war ein langer Prozess und auch ich befinde mich ständig im Entwicklungs- und Lernprozess. Alles andere wäre auch vergeudet und irgendwie auch sehr langweilig.

Sie schreiben auf Ihrem facebook-Profil: Ich biete eine seriöse und ehrliche Beratung mit hoher Trefferquote Was meinen Sie damit?
Mit ehrlich und seriös meine ich, der/ dem Ratsuchenden nicht nach dem Mund zu reden, oder gar eine Hoffnung zu schüren, die nur eine kurzfristige Beruhigung darstellt. Wenn die Dinge/ Aussagen vorwiegend nur positiv getroffen werden, rate ich kritisch hinzuschauen. Veränderungen tun oft weh und vor allem kommt ein Verlassen der eigenen Komfortzone teils sehr schwierig an. Flapsig sage ich < mir wächst kein Gras aus der Mütze> aber ich kann durchaus sagen, dass Menschen die Bereitschaft zeigen ihrer Botschaft (dabei betrachte ich mich als Vermittler) zu folgen, eine sehr hohe Quote aufweisen ihr Leben ins Positive zu wandeln.

Wie funktioniert wahrsagen?
Ich bekomme Bilder die ich sofort übersetze. Woher diese kommen kann ich nicht beantworten.

Ich kenne die Serie „The Mentalist“. Dort wiederholt der Hauptdarsteller immer wieder, dass es Wahrsagen nicht gäbe. Jeder, der aufmerksam ist, könne das, was als solches bezeichnet würde, auch leisten. Wie denken Sie darüber?
Die Serie habe ich nie gesehen, aber ich bin auch der Meinung, dass sehr viele Menschen dies können, oder besser gesagt könnten. Ich lehne ein gewisses Guru-Verhalten ab. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist eine wichtige Grundvoraussetzung. Meine Erfahrung zeigt mir, dass da bei vielen Menschen ein hohes Defizit herrscht.

Nostradamus (1503-1566), Marie-Anne Lenormand (1772-1843), Edgar Cayce (1877-1945), Madame Buchela (1899-1986), Aleister Crowley (1875-1947) sind Wahrsager, die in die Geschichte eingegangen sind. Sie wurden teils von Kirchenfürsten bekämpft. Es brauchte einen langen Weg bis heute der Zugang dem gemeinen Volk zugänglich wurde.

Wie funktioniert eigentlich das Geschäft an sich? Wie finden sich Kunden? Kalkulieren Sie Ihre Honorare? Haben Sie einen Businessplan erstellt?
Der schönste Neukundenkontakt ist immer eine Empfehlung. Um auf mich und meine Seite im Netz aufmerksam zu machen, bedarf es natürlich bei dem heutigen Massenangebot der Werbung. Dabei möchte ich deutlich festhalten, reich wird man dabei nicht, aber reich an Erfahrung und erfüllender Dankbarkeit.

Wie würden Sie Ihre Entwicklung von den Anfangszeiten zu Heute beschreiben?
Aufgrund meiner Neugier und meiner Bereitschaft immer Neues zuzulassen, empfinde ich meine Entwicklung bei heutiger Rückschau konsequent und bereichernd. Dass dies nicht ohne „Aua“ und seelischen Schmerz geschehen kann, ist mir heute natürlich mehr bewusst. Ich empfinde meine persönliche Entwicklung als eine Zurückeroberung meines Seins. Meine Erfahrungsschatz fließt heute natürlich in meinen Beratungen immer ein.

Was mögen Sie an Ihrer Arbeit und was überhaupt nicht?
Ich bin ein kontaktfreudiger Mensch und liebe den Kontakt zu meinen Klienten. Dass ich dabei Hilfestellung geben darf, freut mich und erfüllt mich Ich habe es mir seit langer Zeit angewöhnt, mich von Menschen und Situationen zu trennen, die ich nicht mag und die mir nicht gut tun, oder mich schlicht energetisch auslutschen.

Was bezeichnen Sie als Ihre besonderen Fähigkeiten?
Als meine wirklich besondere Fähigkeit nehme ich mein unerschütterliches Vertrauen in eine höhere Instanz.

Sind bei Ihrer Arbeit auf Ihrer Seite Gefühle im Spiel? Oder versachlichen Sie das Gespräch mit Ihren Kunden?
Für eine neutrale Sicht blende ich meine persönlichen Gefühle weitgehend aus, was mir jedoch auch nicht immer gelingt, und berate eher sachlich. Ich verlasse mich jedoch bei dem Gesprächsverlauf sehr auf meine Intuition. Meiner Erfahrung nach kann durch Humor jedoch eine gewisse Barriere fallen und vieles leichter angenommen werden.

Was muss jemand mitbringen, um in diesem Metier erfolgreich zu sein?
Als Basis sollte man ein Menschenfreund sein, Standhaftigkeit und Mut mitbringen, Menschen auch Dinge zu sagen, die nicht immer nur „rosarot“ erscheinen.

War das Ihr Traumberuf? Was würden Sie beruflich gern machen, wenn Sie frei wählen könnten?
Obwohl ich diese Gabe seit meiner Kindheit habe, habe ich nie davon geträumt. Ehrlicherweise muss ich sagen, hätte man mir dies vor 30 Jahren gesagt, hätte ich es nicht geglaubt. Alle meine Berufe habe ich erfolgreich mit Herz und Seele gefüllt. Mein Traumberuf war nie dabei. Ich würde meine heutige Arbeit nie aufgeben. Wenn ich jedoch noch mal ganz von vorne anfangen könnte, würde ich in Richtung Meeresbiologie, Astronomie und Physik gehen.

Traumfänger-902508_1280_OrangefoxSie sind ja schon länger „dabei“. Gibt es noch einen Traum (oder zwei, oder drei), den Sie sich noch erfüllen möchten?
Mein „Traum“ und ich denke, es ist kein Traum, da die gesamte Menschheit sich in einem Aufwachprozess befindet, ist es, das alle Regierungen, alle selbsternannten Vertreter Gottes auf unserer Welt endlich die Wahrheit sagen in Bezug auf unsere Geschichte, dass alle Volksvertreter dieser Welt endlich aufhören aufgrund von Ego und Profitgier ihre Bevölkerung zu unterdrücken und Kriege zu installieren. Ich wünsche mir, dass endlich unsere tierischen Mitbewohner dieses Planeten Achtung erfahren. Ich wünsche mir, dass man den indigenen Weisen endlich Gehör schenkt. Und ich wünsche mir, dass die, die sich momentan noch auf der sogenannten dunklen Seite befinden, das „Licht“ eintreten zu lassen. Wir alle haben dadurch mehr oder weniger gelernt. Jetzt ist die Zeit. Im Tarot gibt es einen Satz: Durch den Teufel zum Licht.

Hier geht es zur Website von Sabina Heinsohn.

Porträtfoto: Sabina Heinsohn

Songwriterin Christina Lux über ihre Musik, Inspiration und das Bühnenleben

Marc Hofmann und Sascha BendiksGäste: Jess Jochimsen & Christina Lux (Köln) & Titus Waldenfels/Michael Reiserer (München)www.dasliedzumsonntag.com
Marc Hofmann und Sascha Bendiks Gäste: Jess Jochimsen & Christina Lux (Köln) & Titus Waldenfels/Michael Reiserer (München) www.dasliedzumsonntag.com

Die Lux, wie sich selbst nennt,  steht seit 30 Jahren auf den Musikbühnen der Republik. Ihre Stilrichtung umschreibt sie mit Acoustic – Soul – Folk – Philosophies. Besonders ihre in deutsch gesungenen Lieder wirken so intim, dass man das Gefühl hat, Christina Lux singt für einen ganz allein. Neben ihrem Leben als Musikerin gibt sie seit Jahren Workshops in Songwriting. 

Im Interview beschreibt die Liedermacherin  ihr Leben mit der Musik, was ihr besonders an ihren Workshops gefällt und gibt einen kleinen Einblick in die Situation der Musikbranche:

Wie sieht Dein Leben derzeit aus? Wie sind Deine Pläne für den Rest des Jahres?
Es stehen noch etwa 25 Konzerte an und dann erst einmal dringend Pause machen.  😉

Was empfiehlst Du Menschen, die ein Instrument erlernen wollen?
Einfach ausprobieren und immer darauf achten, ob es Freude macht. Nicht jedes Instrument passt jedem.

Was macht man, wenn man musikalisch ist, aber keine Noten lesen kann?
Dann macht man es wie ich und lernt ohne Noten nach Gehör. ‚Trial and error‘ ist nicht das schlechteste Prinzip. Dennoch hilft ein wenig Wissen im Zusammenspiel enorm.

Hast Du Lampenfieber? Wie gehst Du damit um?
Manchmal ja, manchmal nein. Da muss man einfach durch. Am besten weiter atmen und daran denken, dass es meist nach den ersten Tönen vergeht.

Ich musste als Kind Gitarre lernen; seit dem hasse ich dieses Instrument. Hast Du einen Tipp, wie ich mich dem wieder annähern könnte? Es ist schließlich ein sehr praktisches Instrument, welches sich leicht transportieren lässt.
Das lernen müssen ist ein Graus. Such dir jemanden, bei dem es wirklich Freude macht zu lernen. Es gibt auch so viele Tutorials im Netz. Probier es einfach aus.

Kannst Du Deine Konzertatmosphäre mal beschreiben?
Da muss ich passen, weil das natürlich immer sehr unterschiedlich ist. Was sich immer ähnelt ist die schöne Lauschatmosphäre. Ich bin „story teller“ und das ist es auch, was die Leute, die zu mir kommen schätzen.

Wie entstehen Deine Songs?
Auch so eine Frage, die sehr unterschiedlich beantwortet werden kann. Meist muss ein Thema in mir solang brennen, bis es ein paar Worte auf ein Blatt Papier wirft und dann geht es weiter. Die Akkorde kommen dann meist schnell dazu. Es geht aber auch andersherum. Erst die Musik und dann der Text.

Wie wichtig ist Dir Feedback beim Komponieren? Holst Du Dir welches oder brauchst Du kreative Ruhe?
Meist schreibe ich für mich und das feedback kommt erst, wenn es Auftritte mit der Band gibt oder ich an die neue Platte gehe. Ich muss runterkommen zum Schreiben.

Wie schätzt Du die Situation auf dem Musikmarkt ein? Allgemein und für Dich?
Ich habe Glück, dass es mich schon seit 30 Jahren gibt. Neuanfänger haben es schwer. Es ist ein massives Angebot da und man muss seine Nischen finden. Das ist nicht ohne. Da ich bisher immer alles selbst gewuppt hab, weiß ich was für ein Kraftakt das ist, zu bleiben. Du weißt nie, was kommt, wenn deine neue CD rauskommt. Kann sich bewegen oder auch nicht. Ohne Live zu spielen, gäbe es mich schon nicht mehr. Das Internet ist Fluch und Segen. Es ist alles möglich und nichts. Du kannst darin verschwinden oder plötzlich in Bewegung kommen. Leider haben alle gepennt, als es darum ging, wie man nun Musik auch gegen Bezahlung verbreitet und ein Wertgefühl erhalten bleibt. Solange ich Live-Publikum habe, wird es mich geben.

Die Lux
Die Lux – Foto: Privat

Was ist Deine persönliche Lieblingsmusik?
Ui, ich mag alles, was mein Herz berührt. Und das kann sehr unterschiedlichen Genres angehören. Ich mag keine kalte Musik, ich mag tolle Stimmen und innige Texte. Man kann mich aber genauso mit schöner Instrumentalmusik erreichen.

Wenn ich an Musiker auf der Bühne denke, muss ich auch an die ewigen Geschichten um Groupies denken. Wie sieht das bei Songwritern aus? Gibt es da die Kulturgroupies, die dem Star bei Wein und Küchentischphilosophie nahe sein möchten? Oder gibt es da keine Unterschiede zu den Rock’n Rollern?
Groupies sind was für Stars. Da wo ich mich bewege findest du so etwas eher weniger.

Was ist leichter? Gefühle durch Text oder durch Melodien auszudrücken?
Kann man nicht sagen. Geht beides, kann beides.

Wie würdest Du einem tauben Menschen Deine Musik greifbar machen?
Ich denke ich brächte einen Übersetzer für die Texte und eine dicke Bassbox.

Was Vorteile hat es allein auf der Bühne zu stehen, im Gegensatz zur Band?
Du bist sehr frei im Arrangement, in der Time. Du kannst dich ohne Rücksicht auf alles einlassen, was da kommt. Und da ich auch gern mal improvisiere, ist das der Vorteil.

Kennst Du noch Tracy Chapmann (Talking about a revolution)? Sie wurde ja berühmt, als sie beim Nelson Mandela Tribute Concert 1988 kurzfristig einen ausgefallenen Musiker ersetzen sollte. Stell Dir vor, Du wärest in der gleichen Situation. Was würdest Du machen? Welche Lieder von Dir würdest Du spielen?
Das war ein solcher Glücksfall für sie. Hammer. ich würde die Songs spielen, die mir ganz nahe sind. Da weiß ich bin ich am intensivsten.

Du bietest auch Workshops an, in denen Ich lernen kann, Songs zu schreiben. Was magst Du besonders daran, Menschen dabei zu helfen ihre Gefühle mit Musik auszudrücken?
Ich mag besonders daran, dass jeder diese Türen hat. Nur weiß er oft nicht, wie man sie öffnet. Die Kreativität in jemandem freizuschaufeln, ist ein faszinierendes Geschenk. Zu sehen, wie die Leute sich entdecken und es ihnen eine Riesenfreude macht, was sie tun ist toll. Und das hat gar nichts mit Qualität zu tun. Es geht nur um das Schreiben und erzählen an sich. Genau da, wo jemand mit seinen Möglichkeiten fließt, entsteht etwas wirklich Authentisches und Schönes.

Kann es sein, dass diese Workshops auch häufig eine Art Turbo für die persönliche Entwicklung sind? Was für Feedback erhältst Du von Deinen Teilnehmern?
Mir hat es gezeigt, dass ich auch als Autodidakt durchaus so einige Werkzeuge am Start habe, die ich so erst richtig gesehen habe. Und das feedback ist wirklich sehr wohltuend. Man kann einiges davon auf meiner Webseite lesen.

Du stehst ja schon sehr lange auf der Bühne. Gibt es noch einen Traum (oder zwei, oder drei), den Du Dir noch erfüllen möchtest?
Ich würd nächstes Jahr gern noch einmal eine schöne Platte machen. Es ist 2015, ich werde 50. Alles fühlt sich nach etwas an, dass sich abrundet. Dafür hätte ich gern ein wenig den Rücken frei. Ich werde wahrscheinlich wieder ein kleines Crowdfunding machen und wünsche mir, dass sich alles findet und das die weiterhin Menschen Freude am Luxlauschen haben.

Fotos  © Christina Lux

Jörg Schulenburg | Über das Musikmachen

Jörg Schulenburg
Jörg Schulenburg

Bist Du ein musikalischer Mensch?
Musik ist seit meiner Kindheit ein fester Bestandteil meines Lebens. In der ersten oder zweiten Klasse machten wir einen Schulausflug ins Kulturhaus von Wittenberge, wo wir ein Orchester hörten und die verschiedenen Instrumente kennen lernten. Das war für mich wohl der Auslöser, dass ich auch ein Instrument lernen wollte. Auch in meiner Familie war Musik immer gegenwärtig. Mein Opa leitete jahrzehntelang den Gemeindechor der Schweriner Baptisten und hatte sich das Geigespiel selbst beigebracht. Die Stimmen spielte er den Sängern auf der Geige vor.

Das erste Instrument, was ich an der Musikschule lernte, war die Blockflöte. Dazu bekam ich gleich einen ganzen  Sack von Grundlagen, denn Notenlehre wurde in der DDR-Musikschule als extra Fach für jeden Schüler unterrichtet.  So vorgebildet war es für mich pippifax, wie wir  in der Grundschule mit Silben und Handzeichen (do, re, mi, …) ans Notenlernen herangeführt werden sollten. Ein erweitertes musikalisches Verständnis oder gar die Förderung des Vom-Blatt-Singens, welche durch die Solmisation bewirkt werden soll, konnte ich damals bei keinem meiner Klassenkameraden beobachten. Nach der Blockflöte lernte ich etwa ein dreiviertel Jahr das Geigespielen, konnte aber mit der Griffhaltung nicht warm werden. Mein Arm war dabei zu verspannt. Also wich ich auf die Oboe aus, welche mir auch gefallen hatte. Dieses Instrument lernte ich etwa 3 oder 4 Jahre und spielte es im Musikschulorchester und im Blasorchester des Reichsbahnausbesserungswerkes (RAW) Wittenberge, in dem ich nach der POS (10-klassige Schule der DDR) meine Ausbildung zum Zerspanungsfacharbeiter machte und dann noch 2 Jahre arbeitete. Neben dem Instrumentalspiel sang ich auch im Gemeindechor und später im DDR-Jugendchor imPuls, der zwischen 1986 und 1990 mehrere Tourneen durch die DDR und verschiedene Länder der sozialistischen Bruderstaaten machte. Einen örtlichen Kirchenjugendchor von Baptisten und Landeskirchlern habe ich in Wittenberge in den 1980er Jahren geleitet und dirigiert.

Um nun auf deine Frage zurück zu kommen: Ich würde mich als musikalisch bezeichnen. Mein Klassenleiter in der 5.-10. Klasse bezeichnete mich gerne mit dem Spitznamen „Generalmusikdirektor“.

Wie bist Du dazu gekommen, Klavier zu lernen? Gibt es eine Geschichte dazu?
Solange ich mich erinnern kann, habe ich mit meinen Fingern Melodien geklopft, wenn ich ein Lied oder eine Melodie vor mir her summte; ohne dass es bestimmte Noten waren, die ich mir dabei vorstellte. Als Kind hatte ich auch den Traum gehabt, einmal Orgelbauer zu werden. Bedingung wäre aber gewesen, dass ich Klavierspielen könnte, was aber nicht der Fall war. Grundsätzlich hat mir – so weit ich mich erinnere – aber meine extreme Kurzsichtigkeit einen Strich durch die Rechnung gemacht. Brillenträger waren wohl in diesem Beruf nicht erwünscht.

Ich war eigentlich immer fasziniert von der Fähigkeit der Pianisten, mich zu begleiten, wenn ich Oboe spielte. Auch für den Chorgesang war das Klavier eine perfekte Unterstützung. Aber irgendwie fehlte mir die Möglichkeit. Wir hatten kein Klavier zu Hause, hätten uns auch keines leisten können, geschweige denn den Platz dafür gehabt. Also nahm ich es, wie es war, und dachte gar nicht darüber nach, was wäre wenn…

Warum ausgerechnet Klavier?
In der Woche vor meinem 41. Geburtstag (am 21.2.2011) besuchte ich das Musikhaus Althen und Klausen in Schwerin. Während ich in dem Laden war, spielte der Verkäufer anderen Kunden etwas auf verschiedenen E-Pianos vor. Wieder einmal war ich fasziniert von dem Klang und den Möglichkeiten dieses Instruments. Kurze Zeit davor war meine liebe Mutti an einem furchtbaren Hirn-Krebsleiden gestorben, und ich hatte aus der Erbschaft etwas Geld zur Verfügung. Also überlegte ich nicht lange, sondern fasste den Beschluss, so schnell wie möglich mit dem Klavierlernen zu beginnen und mir ein E-Piano dafür zu kaufen. Schon eine Woche später hatte ich meine erste Klavierunterrichtsstunde bei Barbara Sielaff (in Hamburg), welche ich über Google gefunden hatte. Das E-Piano kam dann ein paar Tage später bei mir an. Vorher nutzte ich noch das Klavier zum Üben, was in der Aula der Schule herum stand, in welcher ich als Horterzieher arbeitete.

Wie sind Deine bisherigen Erfahrungen mit dem Lernen?
Ich denke mal, dass du das Lernen des Klavierspielens meinst. Schon in der ersten Unterrichtsstunde wurde ich von Barbara ordentlich gefordert. Als wir geklärt hatten, dass ich schon Noten lesen kann, aber keine Noten dabei hatte, meinte sie, dass sie schon ausreichend Noten hätte, so dass wir auch etwas Passendes finden würden. So begann ich mit dem Üben von „Leilas Theme“ aus dem Film Barfuß. Als Barbara meinte, dass es schon ganz gut ging – in der ersten Stunde – sollte ich dann auch gleich noch versuchen, ob ich das Pedal dazu bedienen könne. In meinem Kopf ging aber erst mal alles ganz schön durcheinander. Jetzt musste ich also gleich noch den Fuß mit beiden Händen koordinieren. Aber mit ein bisschen Übung ging das dann auch.

Bei der Auswahl der Noten hatte ich immer das Ziel vor Augen, nicht auf der Stelle zu treten. Also ließ ich mich – wieder bei Althen und Claussen in Schwerin – beraten und wählte mir ein Buch mit Übungsstücken mit wachsendem Schwierigkeitsgrad (Anne Terzibaschitsch: Tastenträume) und ein Buch mit relativ leichten Vorspielstücken, welches meinen Geschmack traf (Country Rock und Western – Piano Keyboard – easy to play). Beides zusammen war ein guter Einstieg und ich kam schnell mit dem Lernen voran. Jede Woche ging ich zum Unterricht und täglich übte ich. So hatte ich schon schnell ein recht großes Repertoire an Stücken gelernt.

Welche Etappenziele hast Du bisher erreicht?
Eine Herausforderung, aber auch ein Höhepunkt waren die Schülerkonzerte, welche Barbara Sielaff halbjährlich für ihre großen und kleinen, jungen und älteren  Schüler durchführte. Meine Nervosität war immer groß. Doch trotzdem war es ein gutes Gefühl, zu demonstrieren, was ich bisher gelernt hatte, und zu sehen, wie es die anderen Schüler angingen.

Schon im Oktober 2012 begann ich meinem Nachbarn Unterricht auf dem Klavier zu geben. Er hatte gehört, wie ich das Stück „Rondo alla Turca“ von Wolfgang Amadeus Mozart übte, und da er Türke ist und sich für klassische Musik begeistert, wollte er das auch gerne lernen. Einige Zeit später bekam ich dann noch eine zweite Klavierschülerin, welche jetzt schon seit fast 2 Jahren dabei ist. Sie lernt das Klavierspiel ganz klassisch von Anfang an, während mein Nachbar sich gleich Stücke raussuchte, an denen er zwischendrin auch wieder scheiterte, weil sie für ihn dann doch zu schwer waren.

Wie gehst Du mit „Niederlagen“ um? Manchmal hat man ja so Tage…
Im Dezember 2012 entschied ich mich, mir nun das größere Tasteninstrument – die Orgel – vorzunehmen, und mir einen Lehrer zu suchen, bei dem ich das Instrument spielen lernen könnte. Vom Klavierunterricht meldete ich mich gleichzeitig ab. Nachdem ich ein paar Stunden Unterricht bei dem Kantor Paul Fasang genommen hatte wurde ich von der fehlenden Möglichkeit, regelmäßig an der Orgel zu üben, und von meinen erschöpften finanziellen Mitteln gezwungen, den Traum vorerst aufzugeben.

Ich behalte den Traum sicherlich im Hinterkopf, bemühe mich aber nicht, etwas zu erzwingen. Beständigkeit und Ausdauer sind meine „Geheimwaffen“.

Hast Du Tipps für Anfänger? Bez. Stückauswahl, Technik, etc.
Anfängern wünsche ich einen Lehrer oder eine Lehrerin, die wie Barbara Sielaff auf die Wünsche und Geschmäcker ihrer Schüler eingeht und nicht steif vorgibt, was der Schüler zu spielen hat. Dann kann der Anfänger mit dem Lehrer klären, ob etwas schon machbar ist oder eher noch nicht. Zur Not lehrt auch der Versuch, einen Gang zurück zu schalten.

Ansonsten ist Beharrlichkeit beim Üben das einzige Mittel, Hürden zu nehmen und Ziele zu erreichen.

Beitragsfoto: Jörg Schulenburg

Interview mit dem schreibenden Ex-Söldner Erik Hansen

Hansen Portrait
Erik Hansen – Foto: Privat

Wann hast du angefangen, deine teils autobiografische Buchreihe zu schreiben und was hat dich dazu bewegt?
Schon seit vielen Jahren wurde mir von Freunden und Bekannten immer wieder nahegelegt, meine Afrikaerlebnisse endlich auch mal niederzuschreiben. Im Dezember 2013 war es dann soweit. Ich saß in einem Kaffeehaus mit Blick auf das nebelige, graue Wetter hier in Europa und fing an von meiner Zeit im warmen Afrika zu träumen. Die ersten Notizen machte ich dann sofort auf meinem Handy, um sie abends gleich auf meinen Laptop zu übertragen.

Woran denkst du, wenn du dich an Afrika erinnerst?
Da denke ich an die unendliche Weite, Wärme, die Freiheit, Landschaften, die vielfältige Tierwelt und natürlich auch an die fremden Kulturen. Erst danach tauchen auch wieder meine Erlebnisse auf.

Erik Hansen als Söldner – Erik Hansen als Privatmann. Wo liegen die entscheidenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten?
Der Söldner war auf der Flucht vor der sogenannten Zivilisation, der Enge hier in Europa. Auf der Suche nach Freiheit und Abenteuer. Geld spielte damals keine Rolle. Selbstverwirklichung war der Antrieb, auch die Kameradschaft und der Zusammenhalt zwischen uns.
Der Privatmann Erik Hansen sehnt sich aber doch nach Sicherheit, Privatleben und endlich wieder einem Platz, den er sein Zuhause nennen kann.
Was jedoch beide gemeinsam haben, ist das Fernweh und nur sehr wenige gute Freunde.

Was sind deine Prinzipien, nach denen du schreibst?
Mir geht es darum, einige meiner teilweise verblassenden Erinnerungen festzuhalten und damit auch meinen Lesern dadurch etwas Einblick in dieses Geschäft zu ermöglichen, sowie auch das wahre Afrika, fernab der Luxushotels an Stränden und in Nationalparks zu zeigen.

Moonhouse Cover NEU korr Blutgeld Erik HansenDu hast Moon House Publishing als Verlag gewählt – wie kam es dazu?
Das war eher ein Zufall: Ich habe die Gründerin des Verlags kennengelernt, die jemanden suchte, um ein Buch für sie ins Englische zu übersetzen. Ich habe ihr meine Dienste angeboten und ihr von meinen Jahren in Afrika erzählt. Sie war sofort Feuer und Flamme und hat mich gleich gedrängt, mit dem Schreiben zu beginnen.

Gibt es ein besonderes Erlebnis, woran du dich gerne oder auch nicht so gern erinnerst in deiner Söldnerzeit?
Da gibt es so einiges. Tagelange Fußmärsche durch die Wüste, unbeschreibliche Strapazen und Schmerzen, Hunger und Durst. Verwundungen und den Verlust guter Kameraden.
Aber auch die Nächte unter dem südlichen Sternenhimmel, die unendlichen Weiten Afrikas, das Rauschen der Wellen an einem einsamen Strand, Kameradschaft und das Glücksgefühl, es wieder mal geschafft zu haben.

Was hat dich dazu bewogen, als Söldner zu dienen?
Anfangs war es eine Flucht aus dem engen Europa und die Abenteuerlust. Später dann die Erfolgserlebnisse und immer wieder dieses Gefühl der Freiheit.

Welche Ziele und Pläne hast du noch als Autor?
Ich will noch viele meiner Erlebnisse niederschreiben, mir von der Seele schreiben. Meine Jahre in Afrika geben sehr viel Stoff für weitere Bände her.

DU MH Eric Hansen Wuestengeld Cover Lay 1 neu grossGibt es bestimmte Menschen, denen du dein Werk widmest?
Ich habe zwar keine Widmungen in meinen Büchern, aber doch ja. Meinem Vater, der ein eingefleischter Pazifist war und meinen Lebensstil ablehnt. Aber auch der erste Mensch war, der mich jemals angehalten hatte, zu schreiben.

Hand aufs Herz; Gibt es etwas, wofür du dich fürchtest?
Wirklich fürchten? Blind zu werden stelle ich mir sehr schlimm vor. Gliedmaßen können mit Prothesen einigermaßen gut ersetzt werden, aber Augen? Aber auch der Gedanke, hilflos an irgendwelche Maschinen im Krankenhaus angeschlossen zu sein und auf den Tod zu warten, lässt mir einen kalten Schauer den Rücken rauf- und runterlaufen.

Interview: Katherina Ibeling

Network-Marketing – Fluch oder Segen für die Karriere? – Claudia Severin

Wer auf der Suche nach einem Zweiteinkommen ist oder einer neuen Karriere ist, wird immer wieder mit Angeboten aus dem s.g. Networkmarketing / Mult-Level-Marketing konfrontiert. Die Branche hat bei vielen einen negativen Ruf, durch negative Mund-zu-Mund-Propaganda in Verbindung mit Verlusten bei den s.g. Vermögensoptimierern oder den zahlreichen Berichten über Menschen, die sich dort als Selbstständige versucht haben und hoch verschuldet gescheitert sind. Eine ganze Branche zu verteufeln ist genauso falsch, wie diese „über den grünen Klee“ zu loben. Im Grunde ist es eine Möglichkeit Zweiteinkommen zu erzielen oder gar hauptberuflich Karriere zu machen. Der Erfolg hängt stark vom Engagement der Person ab und sicher auch von der Fähigkeit zur Reflexion.

Foto: Privat
Foto: Privat

Wir haben Claudia Severin, eine erfolgreiche Network-Marketing-Expertin, interviewt. Ziel war es, die berufliche Perspektive differenziert darzustellen. Claudia Severin ist angenehm reflektiert und gibt wertvolle Tipps für Interessierte und Einsteiger.

Du hast in einem facebook-Eintrag beklagt, dass so wenige dazu stehen, im Network-Marketing tätig zu sein um Dich dann direkt dazu zu bekennen. Wie kam es dazu? Worin siehst Du den Grund für diesen beschämten Umgang?
Zu wenig Überzeugung, und eine Umwelt natürlich, die den Berufsstand Network Marketing nicht hoch einschätzt, um es freundlich zu sagen.

Von Neulingen wird oft erwartet, dass sie zum Einstieg ihren Freundes- und Bekanntenkreis als Kunden akquirieren. Wie stehst Du dazu?
Ich kenne überhaupt niemanden, der gerne akquiriert wird, aber gerade die Menschen im persönlichen Umfeld wollen natürlich den Kumpel, Freund, Bruder, Schwester so haben, wie er schon die Jahre durch war. Zusätzlich brauchen die Menschen Anerkennung, und gerade das nahe stehende Umfeld positioniert sich in diesen Augenblicken zum selbst ernannten Experten, in dem man eben im Internet nach so vielen wie möglichen kritischen Punkten sucht. Und diese dann als abzuratendes Ergebnis präsentiert. Schließlich ist die Freundschaft dazu da, jemanden von ‚schlechten’ Dingen abzubringen.
Ich halte gerade das nächste Umfeld für die sprichwörtliche Höhle des Löwen und würde ohne weiteres meine Partner da nicht reinschicken.

Was mache ich als Neuling, wenn ich nur wenig Menschen kenne, ich dennoch vom Metier fasziniert bin und einsteigen möchte?
Eine Entscheidung treffen.

Gibt es eine bestimmte Lebensphilosophie, die notwendig um Multi-Level-Marketing bestehen zu können?
Ja: unternehmerisches Denken entwickeln. Sich von Anfang an auf Widerstände einstellen, auf Herausforderungen, mit diesen aber so spielerisch wie möglich umgehen. Persönliches Wachstum und überdurchschnittlicher Einsatz wird dein Durchbruch sein. Sofern du ihn anstrebst.

Wie definierst Du Dich in Deinem Job? Bist Du quasi Rund-um-die-Uhr im Dienst? Gibt es eine Trennung von Beruf und Privatperson?
Ich muss da mal was rauskramen von Götz Werner, dem Gründer der dm Drogerie… Moment. er sagt: «Streichen Sie die Begriffe Arbeitszeit und Freizeit aus Ihrem Wortschatz. Ersetzen Sie diese durch Lebenszeit und fragen Sie sich: Macht das Sinn, was ich mache?»

Ich bin einfach eine Person. Das was ich tue, ist Bestandteil von mir. Ob ich nun im Gespräch bin, eine Präsentation mache, im Garten was tue, ein Buch lese, oder auch diese Fragen beantworte – ich trenne da nichts. Würde aber immer bei engen Familienmitgliedern oder Freunden alles stehen und liegen lassen, um zu helfen, wenn es nötig ist.
Ich bedauere ein bisschen die Menschen, die von der Work-Life-Balance reden müssen, und sich von ihrer Arbeit in ihrem ‚Lebensbereich’ erholen müssen. Was ist dann Arbeit für sie? Der Tod? Das Übel? Also wenn das so ist, stimmt was mit dem Beruf nicht.

Was magst Du an Deinem Job besonders und was überhaupt nicht?
Beides mal: menschliches Verhalten.

Wie gehst Du mit kritischen Stimmen um?
Kritik ist ja gut. Und zeigt, ob jemand und in wie weit sich jemand sogar mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Wenn die Kritik Substanz hat, spreche ich gerne weiter im Dialog. Wenn es ‚Straßenecken-Jargon’ ist und keine Substanz hat, interessiert es mich nicht. Diskutieren möchte ich sowieso nicht.

Kennst Du Angst vor dem Erfolg? Wie kann man damit umgehen?
ich glaube nicht, dass es den meisten klar ist, dass sie Angst vor dem Erfolg haben. Das ist etwas sehr unbewusstes. Dass ‚reiche’ Menschen zum Beispiel sich ihren Freunden abwenden, dass Erfolg Verzicht bedeutet. Dass der Charakter sich verändert. Und eigentlich sind ja Unternehmer auch Ausbeuter – das sind die Glaubenssätze in den Köpfen… und zu so was will man ja nicht werden.
Sehr wohl haben Menschen aber immer Angst vor neuen Dingen, die ihnen eigene Aktivität abverlangen. Dinge, die sie noch nie getan haben.
Ich weiß nicht, da scheinen einfach Ziele und Veränderungswünsche im Leben noch nicht klar genug zu sein. Sonst würde man einfach viel mehr über den berühmten Schatten springen.
Ja, hab ich gemacht, ich hatte eine Ur Angst vor Leuten zu sprechen. Ich habe mir Tonnen von Büchern gekauft, ich habe in der Theorie geübt und geübt. Ich habe gezittert, als ich die ersten Male vor einer kleinen Gruppe sprach. Ich konnte fast kein Wort rausbringen, bzw. ich dachte, bald brauch ich einen Übersetzer, es versteht mich keiner mehr, mein Mund war staubtrocken und klebte bei jedem Wort zu.
Hat das was mit Erfolg zu tun? Ich finde nicht. Nur die Häufigkeit, etwas zu tun, trotz der unsäglichen Angst oder trotz eines Widerwillens, das ist Erfolg. Man sagt, um Experte in einer Sache zu werden, brauchst du 10.000 Stunden Übung. Also fang an. Oder auch nicht. Es ist immer eine persönliche Entscheidung. Erfolg ist freiwillig.

Worauf sollten Interessierten Deiner Erfahrung nach achten, wenn Sie nach einem passenden Anbieter suchen?
Schau den Leuten ins Gesicht. Darin kannst du so viel lesen, schau auch dem Management ins Gesicht.
Wem helfen die Produkte? Liefern sie dem Markt Wert, oder helfen sie nur den Gründern und ‚Leadern’ die Taschen zu stopfen?

Warum hast Du Dich für Deine aktuelle MLM-Firma entschieden? Worum geht es dabei?
Um den Bereich von IT Technologie, Kommunikationsprodukten, in Bälde auch tragbaren Computerprodukten – und ein ganz gegensätzlicher Bereich: der Aufbau des größten Solarprojektes, wir wollen hier etwas schaffen, wo jeder partizipieren kann, aber auch jeder beitragen kann, dem Planeten zu helfen, saubere Energie zu produzieren.
Mit 300.000 Geschäftspartnern insgesamt hat das Unternehmen in den ersten 3 Jahren bewiesen, etwas Außergewöhnliches zu tun und anzubieten. Für mich und meinen Lebensgefährten stimmten Produkt, das Management, der Zeitpunkt und das Warum.

Was ist Dein Traumjob?
Tja 😉

Welche Ziele hast Du Dir gesteckt? Was bedeuten Sie Dir?
Ich bin nicht so der Ziele Typ. Ja, ich habe persönliche Dinge, die ich erreichen will.
Ich halte, das Ziele-setzen in vielen Fällen für schädlich, demotivierend. Die meisten verlangen es ihren Geschäftspartnern ab, sich mit Zielen auseinanderzusetzen, diese klar zu fixieren. Aber haben sich die Leute wirklich Gedanken um ihre eigenen Ziele gemacht? Oder nur nachgeplappert, was andere meistens als Ziele, Wünsche, Träume nennen.
Werden sie parallel ausgebildet, überhaupt die Ziele realistisch erreichen zu können? Ist ihnen klar, wie sehr sie sich von ihren Zielen, mehrmals die Woche oft, selbst entfernen?
Was passiert mit Menschen, die wieder und wieder ihre Ziele nicht erreichen? Verlieren diese Menschen nicht irgendwann den Mut?
Ich bin überzeugt, wenn man immer und immer die richtigen Dinge tut, und seinen Focus auf sein großes Warum hält, hat man wie ein Bauarbeiter, der in den Alpen ein Loch bohrt, eines Tages seinen persönlichen Durchbruch.
Manchmal geht es schneller, manchmal langsamer.

Wer mehr über Claudia Severin erfahren möchte oder auch mit Ihr in Kontakt treten möchte, kann sich hier informieren.

Maria Aronov – Ein Gespräch über Lyrik

Foto: Privat
Foto: Privat

Maria, Du schreibst Gedichte. Was machst Du außerdem?
Neben dem Schreiben unterrichte ich Deutsch als Fremdsprache. Das ist nicht nur mein Beruf, sondern auch mein Hobby.

Was bedeutet Dir Sprache? Warum ausgerechnet Lyrik?
Ohne Sprache könnte eine Zivilisation nicht existieren. Bereits in der Bibel wird erwähnt, dass am Anfang das Wort gewesen sei.  Die Sprache ist für mich der Anfang jeder einzelnen Wissenschaft, denn ohne sie könnten wir keine einzige Idee festhalten und verwirklichen.

Warum Lyrik?
Die Sprache ist ein Werkzeug, mit dem man seine Gefühle besser zur Geltung bringen kann und genau dasselbe tut auch die Musik. Die Lyrik ist für mich eine Verbindung zwischen Sprache und Musik und kann jede Laune,  Beobachtung und jeden Traum melodisch ausdrücken.

Was würdest Du einem Menschen, der bisher nichts mit Lyrik anfangen konnte, empfehlen damit er Lust bekommt sich das Dichtwerk zu erschließen?Weiterlesen

Ein Jahr Cats Couch – ein Gespräch mit unserer Kolumnistin Katherina Ibeling

Das Magazin „der blaue ritter“ gibt es nun seit Juli 2014. Seit dem 13.September des Jahres schreibt auch Katherina Ibeling Ihre Cat-Kolumnen für uns. Und darüber bin ich sehr froh und dankbar. Ihre Texte sind anregend, laden ein sich zu hinterfragen & bringen neue Ideen für den eigenen Lebensweg.

Anker1250
Zum einjährigen Jubiläum haben wir unserer Kolumnistin ein paar Fragen gestellt, damit Sie, liebe LeserInnen, Cat noch ein bisschen besser kennenlernen. Viel Vergnügen beim Lesen. All Ihre Kolumnen finden Sie auch hier.

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Was waren für Dich in den letzten 365 Tagen die Highlights?

Manchmal ässt Inspiration auf sich warten. Egal- "Show must go on!"Eigentlich hatte ich die Kolumne für den „Blauen Ritter“ damals nur als Experiment angefangen, um das „freie Schreiben“ neben der PR-Redaktionsarbeit nicht ganz aufzugeben. Insofern ist es ein Highlight für mich, dass es sie tatsächlich schon seit einem Jahr gibt und mir nicht die Ideen ausgegangen sind. Eine Besonderheit war und ist für mich die Freiheit, ein Forum für Kurztexte zu haben, deren Themen ich komplett nach eigenem Ermessen wählen kann – ob „Frauenthemen“ für Männer aufbereitet ( Cats Couch), generelle Fragen, die mich faszinieren (Cats Gedankenwelt) oder spezielle Medienthemen (Cats Medienkommentar) , da ich ja auch sonst in den Medien arbeite.

Was bedeutet Schreiben für Dich?

Devil1250Schreiben hat für mich viele Facetten. Ich bin Berufsschreiberin, wenn man so will, und habe im Verfassen von Branchen- und Produkttexten inzwischen eine gut funktionierende Routine. Das ist wiederum ein anderes Schreiben als Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel, die ein anderes Publikum ansprechen soll. Das Schreiben eines Buches, wo ich nicht so recht weiter komme zurzeit, ist noch eine ganz andere Dimension. Was die Kolumne betrifft, so ist sie in etwa mein „Ventil“, um das zu verarbeiten, was mehr oder weniger direkt meinen Alltag beeinflusst. Ich könnte also sagen: Schreiben ist hier eine Form der Bewusstwerdung, eine Art Spiegelung des Lebens.

 Gibt es ein Thema für Dich, worüber Du gern schreiben würdest aber es noch nicht angegangen bist?

Karussell1250An erotische Themen habe ich mich bisher nicht so recht herangetraut, ebenso wenig an Spirituelles. Einfach, weil ich finde, dass beides etwas sehr Privates und Intimes ist, womit man sich als Kolumnistin ziemlich in die Nesseln setzen kann. Jeder liebt, lebt und glaubt anders – deshalb ist es unheimlich schwierig, in diesem Bereich Leserinnen und Leser anzusprechen, ohne dass ich das Gefühl hätte, ihnen zu viel „reinzureden“. Ansonsten gibt es sicher Tausende Themen, die ich noch nicht textlich umsetzen konnte – die Impulse kommen einfach spontan; durch ein Gespräch, einen Ort, eine Alltagssituation …

Gibt es für Dich Vorbilder als Autorin?

Glastonbury1250Ich sehe mich ehrlich gesagt noch nicht recht als Autorin, da ich bisher die meiste Zeit in der Rolle der Leserin und Lektorin verblieben war; bei Letzterem pausiere ich aus Zeitgründen. Ich finde, die Kolumnen haben eher etwas einer Momentaufnahme als von einem zusammenhängenden Stück Literatur – aber da bin ich wohl auch eher konventionell geprägt. Als Leserin bin ich immer ein wenig „Anti-Mainstream“. Nicht absichtlich, aber viele Bestseller liegen mir einfach nicht – thematisch, oder vom Schreibstil. Für mich gehört Edgar Allan Poe zu den „Großen  der Literatur“ – überhaupt etwas tiefgründigere Thriller- und Mystery-Literatur, unabhängig von der Entstehungszeit. Auch Fantasygeschichten wie „Der Herr der Ringe“ von Tolkien oder die Serie „Das Schwert der Wahrheit“ (kenne ich nur in Filmform) faszinieren mich. Überhaupt bewundere ich die Autoren, die es schaffen, große und mehrschichtige Gefüge in Handlung und Charakteren zu einem stimmigen Puzzle zusammenzusetzen – wie Marion Zimmer Bradley, Schöpferin der Avalon-Trilogie. Ich denke einfach, da den Überblick zu behalten, ist schriftstellerisch eine Leistung.

Hast Du Pläne für Kolumnenthemen und andere Veröffentlichungen?

Maya1250In den nächsten Wochen und Monaten würde ich gerne wieder mehr Autoren- und Künstlerinterviews in Angriff nehmen – wer dafür in Frage kommt, wird sich zeigen.  Ich sehe mich sowohl in der Kolumne als auch bei anderen Texten vor allem als Fragende, Neugierige und nicht als die, die alle Antworten kennt. Das werde ich auch weiter tun – mich mit Fragen beschäftigen und mögliche Lösungen suchen. Derzeit versuche ich mich an einem eigenen Roman – allerdings wird das noch ganz schön lange dauern!

Was macht für Dich eine gute Kolumne aus?

Mira1250Für hat eine gute Kolumne vor allem drei Grundpfeiler: Authentizität, Argumentation und Neugierde. Damit ich als Leserin zum Beispiel anderen Kolumnisten etwas glauben kann, muss sich ihre Überzeugung im Text zeigen. Weiterhin lassen sich keine „Wahrheiten“ pauschal festlegen – eine Kolumne ist und bleibt für mich eine subjektive Textform. Wer überzeugen will, muss also argumentieren. Dabei lohnt es sich, immer neugierig zu bleiben und eine Sache auch mal von einem anderen Blickwinkel zu beleuchten, Vergleiche zu suchen … eben einen Kontext finden! Zuletzt gilt   meiner Meinung nach das Gleiche wie bei allen Textformen: Wer veröffentlicht, sollte einen (für sich) stimmigen Stil finden, sonst wirkt das Ganze leicht gekünstelt.

Was wären Deine Wünsche für das nächste Jahr „Cats Couch“- und was erwartet Deine Leser?

yWas genau das nächste Jahr bringen wird, kann ich nicht genau sagen – vielleicht werde ich neue Themenbereiche für mich entdecken, je nachdem, welche Facetten das Leben mir zeigt. Wenn es mir gelingen sollte, mit meinem Roman „weiterzukommen“, werde ich die eine oder andere Leseprobe liefern. Mir schwebt schon lange eine „Büro,Büro“ Serie mit lustigen „Wörterbucheinträgen“ aus dem Büroalltag vor. Da das alleine nicht zu stemmen ist, wären dafür allerdings Mitstreiter notwendig. Was ich mir wünsche? Dass meine Artikel (weiterhin) gut bei den Lesern ankommen – und auch von diesen einmal Themenvorschläge, Fragen oder Kommentare kommen. Das ist schließlich das, wovon Social Media lebt!


Liebe Katherina, vielen Dank für die vielen tollen Texte. Wir freuen uns auf viele weitere.

Oliver Simon

Marina Metzler über ihr Konzept „Abnehmen beginnt mit Annehmen“

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Marina Metzler

Sagen Sie bitte etwas zu Ihrem beruflichen Werdegang.
Zu meinen Lieblingsfächern neben Deutsch, Mathe, Sport, Physik, zählte vor allem Biologie. Schon damals faszinierten mich die verschiedene Entwicklungsprozesse in der Natur und aller Lebewesen. Daher absolvierte ich zunächst eine Ausbildung als Medizinische Fachangestellte in der Chirurgischen Universitätsklinik in Heidelberg. Anschließend wurde ich schwanger und genoss zunächst meine Elternzeit mit meinen wunderbaren Söhnen.
Danach arbeitete ich einige Jahre als Study Nurse in einer Facharztpraxis. In dieser Zeit hatte ich die Möglichkeit gehabt, einen intensiven, einfühlsamen Kontakt zu allen Patienten aufzubauen, welche sich für eine freiwillige Teilnahme an einer Medikamenten-Studie entschieden haben.
Während dieser interessanten Zeit, entschied ich mich für das Ernährungsstudium, welches ich dann auch mit viel Begeisterung erfolgreich abschloss.
Die Idee, aber ein Buch zu schreiben und es publik zu machen, diesen Wunsch hegte ich wohl unbewusst schon seit dem Tag , als ich selbst anfing, Bücher zu lesen… 🙂

Warum Ernährungsberatung?
Soweit ich mich an meine Kinder- und Jugendzeit erinnern kann, war ich schon immer schlank gewesen. Als ich mit 20 Jahren schwanger wurde, verschlang ich zunächst alle Informationen über Schwangerschaft. Andererseits verschlang ich auch wohl einiges an überflüssigem Essen, da ich zu dem Zeitpunkt die Überzeugung in mir hatte, „für Zwei essen zu müssen“. Lange Rede, kurzer Sinn nahm ich während der Schwangerschaft mehr als 35 Kilogramm zu. Insgeheim dachte ich, dass die paar Pfunde schnell wieder weg sein werden. Umso mehr schockierte und beunruhigte mich die Tatsache, dass mein „Übergewicht“, metaphorisch gesehen, sich erst recht hartnäckig verhielt und sich weigerte von dannen zu ziehen.
Aus der Unzufriedenheit und gewisser Ohnmacht heraus, fing ich damals an, mich noch intensiver mit der Ernährung in ganzheitlichem Sinne zu befassen.
Durch persönliche Erfahrungen sowie durch Beobachtungen in der Arbeit mit den Patienten bemerkte ich, welche tiefgreifenden Zusammenhänge zwischen Wohlbefinden, Gesundheit und guter seelischer Verfassung, die ausgewogene und vollwertige Ernährung darstellt.

Sie sagen, der menschliche Körper ist vollkommen.
a) Wie ist das im Allgemeinen zu verstehen?
Das ist komplett wörtlich zu verstehen, dass der menschliche Körper vollkommen ist. Andererseits, kann ich mir vorstellen, dass bei vielen Menschen unter „vollkommen oder vollkommener Körper“ eigene Assoziationen zu Tage kommen. Alles hat seine Berechtigung.
Mein Anliegen in diesem Buch beginnt schon daher schon in erstem Kapitel „Ein klares JA zu meinem Körper“, in dem ich den Leser/ die Leserin auf eine Entdeckungsreise in seinen/ihren beeindruckenden Wunderwerks, namens Körper, mitnehme. Denn, wenn ich mich dem Wissen öffne, welch‘ faszinierende Leistungen jede Körperzelle, der gesamte Organismus für mich jede Sekunde meines Lebens vollbringt, umso mehr Hochachtung, Dankbarkeit erfüllt escmein Herz. Und umso mehr kann ich mich mit meinem Körper anfreunden, ihn einfach annehmen.

b) Was kann der Einzelne für sich daraus ziehen?
Der Körper ist ein kostbares, lebendiges Geschenk an jeden von       uns. Wie wir damit letztlich umgehen, behutsam und liebevoll oder ablehnend und achtlos, liegt in der Eigenverantwortung jedes einzelnen Menschen.

Marina Metzler
Marina Metzler

Was bedeutet Übergewicht für Körper, Geist und Seele?
Meiner Ansicht nach bedeutet es, dass das dynamische und harmonische Gleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele aus den Fugen geraten ist. Wobei hier individuell nach der Ursache des Übergewichts, am besten in allen Bereichen, geforscht werden sollte.
Vor kurzem meinte ein Klient zu mir: „Ich habe nur 10 Kilogramm an Übergewicht, fühle mich gut und brauche eigentlich gar nicht abzunehmen.“ „Ok“, meinte ich dann zu ihm. „Sei aber jetzt mal ganz ehrlich zu dir selbst. Wie würdest du dich fühlen, wenn du diese 10 Kilos nicht hättest?“

Sie sagen: Abnehmen beginnt mit Annehmen. Das klingt toll. Ist das für viele nicht bereits eine sehr große Hürde?
Diese Hürde in Form von den nicht hinterfragten Gedanken, beginnt im Kopf. In der Physik gibt es eine schöne These „Druck erzeugt Gegendruck“, welche das – Nicht Annehmen – so gut veranschaulicht.
Mit anderen Worten, wenn ich z.B. meinen Körper ablehne, erzeuge ich durch destruktive Gedanken und Emotionen, langfristig Blockierungen, aus denen sich bestimmte Erkrankungen resultieren können. Denn, genau in diesem Moment kommt die Seele mehrfach ins Spiel. Die Seele jedes Menschen will sich in dem menschlichen Körper wohlfühlen, das Leben mit allen Sinnen erfassen und wertvolle Erfahrungen sammeln. Spürt sie aber diese Ablehnung, so schickt sie feine Signale auch Botschaften genannt, an den jeweiligen Menschen, sich mit sich zu befassen. Sich mehr Entspannung, mehr Lebensfreude etc. zu gönnen. Oder auch auf die Ernährung zu achten, wenn man z.B. etwas nicht verträgt oder sich nach bestimmten Lebensmitteln schlecht und lustlos fühlt.     Daher ist der beste Ratgeber für jeden Menschen, sein eigener Körper, sein eigenes „Bauchgefühl“.

Wie kann ich etwas annehmen, wenn ich darunter leide? Wie macht man das?
Indem ich anfange die Gedanken, die in meinem Bewusstsein immer und wieder auftauchen, zu hinterfragen und zu analysieren. „Das Schlimmste im Leben ist ein nicht hinterfragter Gedanke“. Dieses Zitat von Byron Katie liebe ich sehr, denn es offenbart die ganze Wahrheit, schlicht und ergreifend. Denn, in Wirklichkeit haben viele dieser „leidvollen“ Gedanken ihren Ursprung in Überzeugungen und Glaubenssätzen, welche uns unbedacht schon in unserer frühesten Kindheit suggeriert wurden. Und da wir damals, diese fremden Gedanken uns zu Herzen, also als die volle Wahrheit, (an-)genommen hatten, denken wir noch als Erwachsene teilweise noch immer so.
In meinem Buch „Ein klares JA zu meinem Übergewicht. Abnehmen beginnt mit Annehmen“ gehe ich auf dieses wichtige Thema sehr ausführlich ein. Denn, es gibt nicht nur 4 Ebenen der Überzeugungen, sondern vielen Menschen ist es eventuell die Macht und die außerordentliche Kraft des eigenen Unterbewusstseins (noch) nicht im vollen Ausmaß bewusst.

Viele sagen, sie können wegen ihres Übergewichtes keinen Sport treiben. Stimmt das? Welche Alternativen gibt es?
Meiner Meinung nach gibt es für jedes Problem eine Lösung. Wobei für mich das Problem eher eine Herausforderung darstellt. Im wahrsten Sinne des Wortes fordert eine gewisse Lebens-situation oder in unserem Fall das Übergewicht denjenigen Menschen heraus, aus der Trägheit, aus der Apathie oder ähnlichem endlich auszusteigen.
Und, wieder sich ehrlich zu fragen: „Stimmt das wirklich, dass ich überhaupt keinen Sport treiben kann?“
Was stellt das Übergewicht dar? Ganz einfach, die Summe vieeeeeler Mini-Entscheidungen, die das Übergewicht begünstigten. Genauso, kann man jetzt im Umkehrschluss bewusst vieeeeele Mini-Entscheidungen wie täglich 15 Minuten spazieren gehen oder 15 Minuten schwimmen, treffen. Nach dem Motto: „Lieber mäßig, dafür aber regelmäßig“. Und ein neues Resultat wird sich schon in geraumer Zeit erkenntlich zeigen. Garantiert!
Zu den Alternativen zähle ich Bereitschaft sich jeden Tag und nur 5 (!) Minuten zur Lieblingsmusik in eigenem Tempo nach Herzenslust zu bewegen. Einfach diese kleine Tanzchallenge mindestens einen Monat lang ausprobieren. Ich freue mich über die Rückmeldungen dazu.  🙂

Sie schreiben intensiv über das Thema. Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Ihren Leser/Innen gemacht?
Diese Frage bringt mich zum Schmunzeln. Denn, wenn Jemand hört, er oder sie müsse ihr Übergewicht, ihre finanzielle Lage oder unharmonische zwischenmenschliche Beziehungen bejahen, erzeugt das anfangs Unbehagen und Ablehnung. Warum sollte ich Jemand als Beispiel eigene Eltern bedingungslos annehmen, wo sie doch mich als Kind ständig kritisiert oder auf andere Art und Weise gekränkt haben. Das ist die sogenannte schöne Fassade, scheinbar sichere Schutzmauern, die wir schon sehr früh um unser Herz aufbauen, damit andere Menschen mich, mein Herz nicht mehr verletzen können.
Wenn wir aber unser Herz von der Außenwelt verschließen, so leben wir dann nicht wirklich, wir existieren nur irgendwie.
Daher erkenne ich die „Dicke dieser Schutzwall“ an der Reaktion meiner Leser/Leserinnen in Bezug auf den Titel meines Buches. Je heftiger und emotionaler sie ausfällt, umso mehr könnte man bei der jeweiligen Person, seelisch gesehen, „tiefergraben“.

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit besonders Spaß? Und was überhaupt nicht?
Ich liebe es, mich mit den Menschen auszutauschen und von ihnen zu lernen. Mir bereitet es große Freude, wenn ich der betreffenden Person nützliche Impulse mit auf den Weg geben kann, welche sein Leben im ganzheitlichen Sinne zum Positiven verändern. Diese Arbeit liegt mehr sehr am Herzen, daher macht sie mir auch Spaß!

Ist eine überwiegend basische Ernährung ein wichtiger Schlüssel zum Wohlfühlen? Warum ist das so? Oder: warum nicht?
Tatsächlich liegt ein wichtiger Schlüssel zum Wohlfühlen, wenn wir uns überwiegend basisch ernähren. Die Regel lautet dazu: Die Ernährung sollte ungefähr bis zu 80 % aus basisch bildenden und aus circa 20 % aus säurebildenden Lebensmitteln bestehen.
Denn, ein gesunder pH-Wert unseres Blutes liegt in einem leicht alkalischen (basischen) Bereich von 7,35 bis 7,45. Damit alle Stoffwechselvorgänge im Körper optimal ihre lebenswichtigen Funktionen erfüllen können, müsste dieser enge Bereich im Blut eingehalten werden. Geschieht das nicht, so verschiebt sich der pH-Wert in den sauren Bereich und begünstigt dadurch die Stoffwechselentgleisungen wie etwa Übergewicht oder Verschlackungen, die unnötig den Körper belasten.
Auch diesen wichtigen Segment behandele ich in meinem Buch und stelle gleichzeitig auch diese beiden Gruppen mit ihren entsprechenden Nahrungs- und Lebensmittel vor.

Haben Sie einen Tipp, wie sich der Gewohnheitsmensch einer gesunden Ernährung nähern kann, ohne das Gefühl des Verzichts zu haben?
Ja. Vor einigen Jahren leitete ich kleine Workshops zum gesunden Frühstück in einer Grundschule. Ich benannte es „Regenbogen Frühstück“. Vor dem Workshop bat ich die Kinder 3 verschieden-farbige Lebensmittel zum ausgemachten Termin von zu Hause aus mitzubringen.
Das taten sie bereitwillig und als sie ihre gesunden Schätze mitbrachten, kreierten wir aus ihnen einen schönen Regenbogen.
Der Grundgedanke hinter dieser Aktion war, zunächst diese wunderbare Fülle und Vielfalt an Lebensmitteln visuell darzustellen und andererseits sich über die ganze Woche hinweg sich bunt, also abwechslungsreich zu ernähren.
Ergänzend kommt noch der bewusste Tausch mit den alternativen Lebensmitteln ins Spiel. Dazu macht man mit sich selbst eine feste Abmachung aus. Anstatt 3 oder 4-mal am Tag zu naschen, erlaubt man sich und genießt so richtig eine Handvoll Portion an Süßem. Die anderen Portionen ersetzt man durch leckeren Obstsalat oder frischgepressten Saft, Smoothie etc. Ganz wichtig wäre bei allem Neuen, das man ausprobiert, sich selbst zu beobachten und zu fragen: „Wie fühle ich mich dabei? Energielos und matt oder schwungvoll und happy?“

Gibt es einen Unterschied zwischen gesunder Kost bei Mann und Frau?
Das ist eine sehr gute Frage. Mein Gefühl sagt mir, dass der Unterschied in der Verstoffwechslung der jeweiligen Grundelemente der Kohlenhydrate, Fette und Proteine liegt. Denn das ist absolut individuell und hängt noch zudem von dem aktuellen Zustand des Magen-Darm-Trakts sowie der Darmflora im Ganzen des jeweiligen Menschen ab.
Auch in diesem Fall würde Selbstbeobachtung über einen bestimmten Zeitrahmen gute Dienste leisten. Wenn Jemand z.B. morgens sich überwiegend kohlenhydratreich ernährt und sich danach sehr müde fühlt, so könnte er die Kohlenhydrate mal weglassen oder durch andere Lebensmittel austauschen und wiederum genauestens eigenes Befinden erforschen.
Zusammenfassend verbraucht unser Körper die meiste Energie für die Verdauung. Der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahmen, die Zusammensetzung und die Qualität der eingenommenen Lebensmittel, die Stimmung (Emotionen), in der man die Mahlzeit eingenommen hat, all‘ das trägt wesentlich zur besseren und hochwertigeren Verstoffwechslung im Körper bei.

Gibt es etwas worauf Männer besonders achten sollten?
Teilweise habe ich diese Frage schon in der vorangegangenen Frage beantwortet. Ansonsten fällt mir dazu nur ein, eventuell mit dem eigenen Körper achtsamer und liebevoller umzugehen.

Gibt es einen Traum (oder zwei, oder drei), den Sie sich beruflich/persönlich noch erfüllen möchten?
Oh, ja. Da gibt es einige Träume, die ich mir noch erfüllen möchte. Vor einigen Jahren leitete ich in einer Volkshochschule einen 6-wöchigen „Abnehm“Workshop mit den 11- und 12-jährigen Heranwachsenden. Während dieser Zeit erwachte in mir der Wunsch, ein Trainingszentrum a la „Fit for real Life“ zu gründen, in dem es Kenntnisse zur gesunder, vollwertiger Ernährung, Fitness, Eigenverantwortung, den Umgang mit den unangenehmen Emotionen sowie Lebensfreude und Lebensbestimmung etc. den Jugendlichen & Heranwachsenden ganzheitlich vermittelt werden.
Zudem möchte ich ein neues Buch zu Persönlichkeitsentwicklung & LebensSinn herausbringen und persönlich möchte ich wieder eine schöne Wanderung auf der Insel Kreta mit meiner Familie unternehmen.

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Ihr Buch „Ein klares JA zu meinem Übergewicht. Abnehmen beginnt mit Annehmen.“

Fotos/Buchcover: Marina Metzler

Lisa Katharina Bechter – Interview mit der Autorin des Romans Inselrose

„Ich lasse mich ungern in Modeerscheinungen oder aktuell angesagte Genres drängen“

Lisa Katharina Bechter
Lisa Katharina Bechter – Autorin – Foto: Privat

Lisa Katharina Bechter ist das, was man „Autorin aus Leidenschaft“ nennt. Dabei lässt sie sich ungerne Grenzen setzen – oder sich gar in eine Genreschublade pressen. Mit ihrer Gedichtesammlung „Stimmungszauberei“ und dem Erstlingsroman „Inselrose“hat sie bereits zwei Bücher publiziert, weitere sind in Planung.

Das Interview führte: Katherina Ibeling

Wann, wie und aus welchem Anlass hast du mit dem Schreiben begonnen?
Mit dem Schreiben habe ich als Teenager begonnen. Anfangs waren es allerdings ausschließlich Tagebucheinträge und eben persönliche Dinge, die ich auf diese Weise für mich verarbeiten konnte. Irgendwann habe ich mich dann an kleinen Geschichten versucht, diese aber immer wieder verworfen und schließlich ganz aufgehört zu schreiben. Durch die Geburt meiner Tochter kribbelte es schließlich dann doch wieder in den Fingern und kleine Kindergeschichten kamen zustande, die bisher allerdings noch unveröffentlicht sind. Und irgendwie haben mir diese kleinen Geschichten Mut gemacht und ich habe mich wieder intensiv mit dem Schreiben auseinandergesetzt.

Was war das erste Buch, das du in jungen Jahren gelesen hast und das dich inspiriert hat?
Das erste Buch, dass ich selbst gelesen und regelrecht verschlungen habe, war “Die Hexenkammer” von Wolf Serno, ein historischer Roman, den ich auch heute noch immer mal wieder zur Hand nehme und lese. Besonders war an dem Buch damals, dass ich in eine andere Zeit abtauchen konnte und das gab mir den Anreiz mich auf die Suche nach weiteren Geschichten zu machen, die mich abholen und eine Weile mit auf die Reise nehmen. Mittlerweile ist das Lesen ein ganz wichtiger Teil von mir, es vergeht wohl kaum ein Tag, an dem ich nicht lese.

Wer sind und waren deine wichtigsten Buchheldinnen und -helden?
Diese Frage fällt mir etwas schwer zu beantworten, denn es gibt ziemlich viele Bücher, dessen “Helden” oder Charaktere ich sehr besonders fand. Um ein paar Beispiele zu nennen:
Da wäre zum Beispiel Jack, der seit seiner Geburt ein mechanisches Herz in Form einer Kuckucksuhr hat, die jeden Tag aufgezogen werden muss. Er darf sich nicht verlieben, denn das würde die Uhr nicht aushalten. Doch ob Kuckucksuhr oder Herz, beides schlägt, und folgt doch dem ganz eigenen Weg … (“Die Mechanik des Herzens” von Mathias Malzieu)
Dann wäre da noch der kleine Junge aus “Sternenreiter – Kleine Sterne leuchten ewig” von Jando, der einem erwachsenen Mann hilft wieder den rechten Weg zu finden. Neben der ganz tiefen Freundschaft der beiden, sind es die Gedanken über das Leben und den Sinn, die mich besonders berührt haben.
Ja, und zu guter Letzt kommt mir noch Claire in  den Sinn, eine Frau die an Alzheimer erkrankt ist und mehr und mehr vergisst, wer sie ist und auch nach und nach ihre Töchter und ihren Mann nicht mehr erkennt. Eine unheimlich tragische Geschichte, da Claire noch nicht sehr alt ist und das Leben so ganz anders läuft, als es sollte. Für mich ist sie eine kleine Heldin, denn trotz der sich vermehrenden Lücken, versucht sie sich an den kleinen Erinnerungen festzuhalten … (“Einfach unvergesslich” von Rowan Coleman)
Wenn ich so darüber nachdenke, könnte ich noch eine ganze lange Reihe von kleinen und großen Buchhelden aufschreiben, doch das würde wohl den Rahmen hier sprengen.

Wie gehst du beim Schreiben vor – hast du eine bestimmte Strategie?
Eine Strategie, die ich immerzu anwende, habe ich nicht. Alles fängt meist mit einer Idee an. Kurzgeschichten und Gedichte schreibe ich dann einfach so auf, wie sie mir in den Kopf kommen und überarbeite sie, sobald ich das Gefühl habe, dass sie fertig sind. Bei größeren Projekten sieht das schon ein bisschen anders aus. Da ist die Idee natürlich auch der zündende Funke, allerdings mache ich mir dann eine kleine Stichpunktliste, an der ich mich dann ein bisschen orientieren kann, während dann meist beim Schreiben selbst Personen, Umgebungen etc. entstehen.

Lisa Katharina Bechter -- Inselrose Cover
Lisa Katharina Bechter — Inselrose Cover

 Mehr zum Buch finden Sie hier.

Welche Bücher hast du bisher verfasst und wie hast du sie verlegt?
Meinen erster Roman “Inselrose”, wurde vom Karina-Verlag verlegt und im Januar 2015 veröffentlicht.
Meine Stimmungszauberei wurde im vergangenen Jahr als eBook über Moon House Publishing verlegt und veröffentlicht. Nachdem ich mich aber entschlossen hatte den Band komplett aufzuarbeiten, habe ich schließlich für die Neuauflage, die im Februar 2015 veröffentlich wurde, den Selbstverlag gewählt, da so ein bisschen flexibler in der Gestaltung sein konnte. Man darf nicht vergessen, Lyrik ist für Verlage meist nicht sehr lukrativ, daher empfand ich es im Selbstverlag als den besten Weg für die kleine lyrische Sammlung.

Woher hast du die Inspirationen für deine Werke genommen, und worum geht es darin?
Bei meiner kleinen lyrischen Gedankensammlung “Stimmungszauberei” waren es einfach meine ganz persönlichen Gefühle und Empfindungen, die mich zu diversen Zeilen inspiriert und animiert haben. Im Vordergrund stehen bei dem Band viele Fragen rund um das Leben selbst, den Sinn und die Liebe.
Bei meinem Roman war es ganz klar neben der Idee selbst, das Land Irland. Die Geschichte spielt ja hauptsächlich dort und dieses Land übt auf mich eine unheimliche Faszination aus. Neben alten Sagen und Mythen ist es die Landschaft selbst, die mich einfach wahnsinnig in ihren Bann zieht.

Wie bist du mit deinen Verlagen in Kontakt gekommen?
Mit Moon House Publishing, für den ich seit geraumer Zeit als Lektorin tätig bin, bin ich durch eine Empfehlung einer ehemaligen Bekannten aufmerksam geworden. So haben sich schnell einige sehr nette und interessante Kontakte ergeben.
Zum Karina-Verlag, für den ich ebenfalls lektoriere und der meinen ersten Roman verlegt hat, bin ich durch das gemeinnützige Projekt “RESPEKT FÜR DICH” gekommen. Das Projekt wird geleitet von Karin Pfolz, die gleichzeitig auch die Verlagschefin des Karina-Verlages ist.

Wie muss die Atmosphäre sein, in der du Ideen entwickeln kannst?
Ideen kommen mir meistens ganz von selbst. Das können Kleinigkeiten im Alltag oder Eindrücke sein, die mir die Idee in den Kopf setzen. Zum Ausarbeiten brauche ich dann schon meine Ruhe und mein kreatives Chaos um mich herum. Manchmal hilft mir auch eine bestimmte Musik, um mich in gewisse Stimmungen zu versetzen oder die Ideen weiterzuentwickeln.

An welchem Genre würdest du dich gerne einmal probieren – und welches kannst du dir gar nicht vorstellen?
Das Genre Science Fiction kann ich mir gar nicht vorstellen. Was das Lesen und Schreiben angeht bin ich wirklich kaum aufs Genre festgelegt, aber dieses reizt mich so gar nicht.
Probieren würde ich mich gerne mal im Bereich Fantasy/historischer Roman, die Mischung der beiden bereiche reizt mich ungemein und eine Idee gibt es da auch schon.

Was ist dir neben dem Schreiben das Wichtigste im Leben?
Neben dem Schreiben und dem Lesen sind mir meine Kinder und meine Familie unheimlich wichtig. Ohne meine Lieben wäre ich nicht komplett.

Arbeitest du derzeit an einem neuen Projekt? Möchtest du darüber etwas erzählen?
Nachdem ich vor Kurzem einen Psychothriller mit einer sehr guten Freundin fertiggeschrieben habe, der auch in diesem Jahr noch im Karina-Verlag erscheinen wird (Veröffentlichungstermin steht noch nicht fest), arbeite ich derzeit gemeinsam mit einer Illustratorin an einem Kinderbuch. Die Geschichten dazu sind schon vor einiger Zeit entstanden und wollen nun noch überarbeitet und bebildert werden. Auch die Idee im Fantasy/historischen Bereich zu schreiben liegt nicht auf Eis. Die Idee steht und auch die ersten Kapitel sind schon geschrieben, allerdings wird es allein durch Recherche etc. noch eine Weile dauern, bis ich dort nähere Informationen geben kann.

Wenn du deinen Schreibstil in nur drei Sätzen beschreiben müsstest, welche wären das?
Mein Schreibstil ist:
… gefühlvoll (egal ob es der Roman oder der Psychothriller ist, die Liebe findet sich in meinen Geschichten und Zeilen immer irgendwo wieder)
… vielfältig (Kreativität lässt sich nicht in Schubladen stecken)
… und beinhaltet immer mal wieder kleine Botschaften, versteckt zwischen den Zeilen.

Wie würden dich Familie und Freunde beschreiben?
Das müsste man meine Familie und Freunde wohl selbst fragen, denn ihr Eindruck ist ja nicht unbedingt auch meiner. Aber ich bin immer bemüht meinen Lieben zu zeigen, dass sie mir wichtig sind und ich für sie da bin, ich hoffe natürlich, dass sie das auch so empfinden. Ich neige oft dazu, allen alles Recht machen zu wollen und bin froh, den Rückhalt meiner Lieben zu haben, die mich auch immer mal wieder ermahnen auf mich selbst zu achten.

Schreibst du für eine bestimmte Leserzielgruppe?
In erster Linie schreibe ich, weil es mich einfach ausfüllt und ich es einfach ein schönes Gefühl ist, meiner Kreativität auf diese Weise Ausdruck zu verleihen. Ich lasse mich ungern in Modeerscheinungen oder aktuell angesagte Genres drängen und so richten sich meine Bücher und Projekte an die verschiedensten Leser und Zielgruppen.

Azrael ap Cwanderay – Interview mit dem Autor von „Zeitbeben“ & „MONTAGUES MONSTER“

Azrael ap Cwanderay„Kreativität ist der Funke des Lebens!“

Du hast ein sehr außergewöhnliches Pseudonym. Wie bist du darauf gekommen?
Der erste Teil beruht auf dem Roman „Azrael“, von Wolfgang Hohlbein, da ich ein großer WH Fan bin, und dieser Roman eines meiner liebsten Werke von ihm ist. Zudem ist Azrael ein Engel des Todes, was mir vom Mystischen her sehr gefällt.

Das ap Cwanderay ist dem Gälischen entlehnt und bedeutet „aus/von der Finsternis“. Alles zusammen entspricht also einem „Todesengel aus der Finsternis“, was ich als Pseudonym für Horror/Fantasy-Bücher ganz passend finde.

Worum geht es in deinen Romanen „Zeitbeben“ und „Montagues Monster“?
ZEITBEBEN: In dem Roman (der erste Teil einer Trilogie) geht es um das anstehende Wiedererwachen einer uralten Götzenrasse und den verzweifelten Versuch einer Handvoll sehr unterschiedlicher Menschen, genau dieses zu verhindern. Dabei spielt auch eine weit fortgeschrittene Rasse von Arachnoiden eine Rolle, deren letzter Vertreter über einen Knotenpunkt in Zeit und Raum wacht. Und am Ende des ersten Bandes mischt sich noch eine weitere Partei in den Kampf ein, mit der niemand auch nur ansatzweise gerechnet hätte.

MONTAGUES MONSTER: Dies ist eine fortlaufenden Serie über die Erlebnisse und Abenteuer eines Schotten, der sein Domizil in Kärnten/Österreich aufgeschlagen hat. Jedoch nicht ganz freiwillig, da er der Letzte in einer langen Ahnenreihe von Torwächtern ist, die dazu bestimmt sind, das TOR zu bewachen, einen Übergang in die Welt der dunklen Dimensionen, der Totensphären und der höllischen Gefilde. Die Serie behandelt die Kämpfe von Montague McGallagher mit diesen Kreaturen, beleuchtet seine mysteriöse Vergangenheit und ist leicht angelehnt an die klassischen Gruselheftromane wie John Sinclair und Tony Ballard.Weiterlesen

Claudia Severin über Ihre Arbeit im Network-Marketing

Porträt_SeverinDu hast in einem facebook-Eintrag beklagt, dass so wenige dazu stehen, im Network-Marketing tätig zu sein um Dich dann direkt dazu zu bekennen. Wie kam es dazu? Worin siehst Du den Grund für diesen beschämten Umgang?
Zu wenig Überzeugung, und eine Umwelt natürlich, die den Berufsstand Network Marketing nicht hoch einschätzt, um es freundlich zu sagen.

Von Neulingen wird oft erwartet, dass sie zum Einstieg ihren Freundes- und Bekanntenkreis als Kunden akquirieren. Wie stehst Du dazu?
Ich kenne überhaupt niemanden, der gerne akquiriert wird, aber gerade die Menschen im persönlichen Umfeld wollen natürlich den Kumpel, Freund, Bruder, Schwester so haben, wie er schon die Jahre durch war. Zusätzlich brauchen die Menschen Anerkennung, und gerade das nahe stehende Umfeld positioniert sich in diesen Augenblicken zum selbst ernannten Experten, in dem man eben im Internet nach so vielen wie möglichen kritischen Punkten sucht. Und diese dann als abzuratendes Ergebnis präsentiert. Schließlich ist die Freundschaft dazu da, jemanden von ‚schlechten’ Dingen abzubringen.
Ich halte gerade das nächste Umfeld für die sprichwörtliche Höhle des Löwen und würde ohne weiteres meine Partner da nicht reinschicken.

Was mache ich als Neuling, wenn ich nur wenig Menschen kenne, ich dennoch vom Metier fasziniert bin und einsteigen möchte?
Eine Entscheidung treffen.

Gibt es eine bestimmte Lebensphilosophie, die notwendig um Multi-Level-Marketing bestehen zu können?
Ja, unternehmerisches Denken entwickeln. Sich von Anfang an auf Widerstände einstellen, auf Herausforderungen, mit diesen aber so spielerisch wie möglich umgehen. Persönliches Wachstum und überdurchschnittlicher Einsatz wird dein Durchbruch sein. Sofern du ihn anstrebst.

Wie definierst Du Dich in Deinem Job? Bist Du quasi Rund-um-die-Uhr im Dienst? Gibt es eine Trennung von Beruf und Privatperson?
Ich muss da mal was von Götz Werner herauskramen, dem Gründer der dm Drogerie…moment. Er sagt: «Streichen Sie die Begriffe Arbeitszeit und Freizeit aus Ihrem Wortschatz. Ersetzen Sie diese durch Lebenszeit und fragen Sie sich: Macht das Sinn, was ich mache?»
Ich bin einfach eine Person. Das was ich tue, ist Bestandteil von mir. Ob ich nun im Gespräch bin, eine Präsentation mache, im Garten was tue, ein Buch lese, oder auch diese Fragen beantworte – ich trenne da nichts. Würde aber immer bei engen Familienmitgliedern oder Freunden alles stehen und liegen lassen, um zu helfen, wenn es nötig ist.

Ich bedauere ein bisschen die Menschen, die von der Work-Life-Balance reden müssen, und sich von ihrer Arbeit in ihrem ‚Lebensbereich’ erholen müssen. Was ist dann Arbeit für sie? Der Tod? Das Übel? Also wenn das so ist, stimmt was mit dem Beruf nicht.

Was magst Du an Deinem Job besonders und was überhaupt nicht?
Beides mal:  menschliches Verhalten.

Wie gehst Du mit kritischen Stimmen um?
Kritik ist ja gut. Und zeigt, ob jemand und in wie weit sich jemand sogar mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Wenn die Kritik Substanz hat, spreche ich gerne weiter im Dialog. Wenn es ‚Gossen-Jargon’ ist und keine Substanz hat, interessiert es mich nicht. Diskutieren möchte ich sowieso nicht.

Kennst Du Angst vor dem Erfolg? Wie kann man damit umgehen?Ich glaube nicht, dass es den meisten klar ist, dass sie Angst vor dem Erfolg haben. Das ist etwas sehr unbewusstes. Dass ‚reiche’ Menschen zum Beispiel sich ihren Freunden abwenden, dass Erfolg Verzicht bedeutet. Dass der Charakter sich verändert. Und eigentlich sind ja Unternehmer auch Ausbeuter – das sind die Glaubenssätze in den Köpfen… und zu so was will man ja nicht werden.
Sehr wohl haben Menschen aber immer Angst vor neuen Dingen, die ihnen eigene Aktivität abverlangen. Dinge, die sie noch nie getan haben.
Ich weiß nicht, da scheinen einfach Ziele und Veränderungswünsche im Leben noch nicht klar genug zu sein. Sonst würde man einfach viel mehr über den berühmten Schatten springen.
Ja, hab ich gemacht, ich hatte eine Ur Angst vor Leuten zu sprechen. Ich habe mir Tonnen von Büchern gekauft, ich habe in der Theorie geübt und geübt. Ich habe gezittert, als ich die ersten Male vor einer kleinen Gruppe sprach. Ich konnte fast kein Wort rausbringen, bzw. ich dachte, bald brauch ich einen Übersetzer, es versteht mich keiner mehr, mein Mund war staubtrocken und klebte bei jedem Wort zu.
Hat das was mit Erfolg zu tun? Ich finde nicht. Nur die Häufigkeit, etwas zu tun, trotz der unsäglichen Angst oder trotz eines Widerwillens, das ist Erfolg. Man sagt, um Experte in einer Sache zu werden, brauchst du 10.000 Stunden Übung. Also fang an. Oder auch nicht. Es ist immer eine persönliche Entscheidung. Erfolg ist freiwillig.

Worauf sollten Interessierten Deiner Erfahrung nach achten, wenn Sie nach einem passenden Anbieter suchen?
Schau den Leuten ins Gesicht. Darin kannst du so viel lesen, schau auch dem Management ins Gesicht.
Wem helfen die Produkte? Liefern sie dem Markt Wert, oder helfen sie nur den Gründern und ‚Leadern’ die Taschen zu stopfen?

Warum hast Du Dich für Deine aktuelle MLM-Firma entschieden? Worum geht es dabei?
Um den Bereich von IT Technologie, Kommunikationsprodukten, in Bälde auch tragbaren Computerprodukten – und ein ganz gegensätzlicher Bereich: der Aufbau des größten Solarprojektes, wir wollen hier etwas schaffen, wo jeder partizipieren kann, aber auch jeder beitragen kann, dem Planeten zu helfen, saubere Energie  zu produzieren.
Mit 300.000 Geschäftspartnern insgesamt hat das Unternehmen in den ersten 3 Jahren bewiesen, etwas Außergewöhnliches zu tun und anzubieten. Für mich und meinen Lebensgefährten stimmten Produkt, das Management, der Zeitpunkt und das Warum.

Was ist Dein Traumjob?
Tja 😉

Welche Ziele hast Du Dir gesteckt? Was bedeuten Sie Dir?
Ich bin nicht so der Ziele Typ. Ja, ich habe persönliche Dinge, die ich erreichen will.
Ich halte, das Ziele-setzen in vielen Fällen für schädlich, demotivierend. Die meisten verlangen es ihren Geschäftspartnern ab, sich mit Zielen auseinanderzusetzen, diese klar zu fixieren. Aber haben sich die Leute wirklich Gedanken um ihre eigenen Ziele gemacht? Oder nur nachgeplappert, was andere meistens als Ziele, Wünsche, Träume nennen.
Werden sie parallel ausgebildet, überhaupt die Ziele realistisch erreichen zu können? Ist ihnen klar, wie sehr sie sich von ihren Zielen, mehrmals die Woche oft, selbst entfernen?
Was passiert mit Menschen, die wieder und wieder ihre Ziele nicht erreichen? Verlieren diese Menschen nicht irgendwann den Mut?
Ich bin überzeugt, wenn man immer und immer die richtigen Dinge tut, und seinen Focus auf sein großes Warum hält, hat man wie ein Bauarbeiter, der in den Alpen ein Loch bohrt, eines Tages seinen persönlichen Durchbruch.
Manchmal geht es schneller, Manchmal langsamer.

Interview: Oliver Simon
Headerfoto: _Andreas Carjell_pixelio.de
Porträt: Claudia Severin

Interview | Rafael Santeria • PornoProduzent | Männer sind egozentrische Bestien

Foto: Privat
Rafael Santeria – Foto: Privat

Rafael Santeria arbeitet in der Erotikbranche; was für den einen verrucht, ist für den anderen ein ganz normaler Job. Wir haben den Produzenten der Filmreihe EROdays (Stand 2014) interviewt, um eine Brücke zwischen anrüchig und alltäglich zu schlagen.

Wie denkst Du über Frauen?
Nur das Beste! Ganz frei heraus: Frauen sind kein besonders selbstständiges Geschlecht und drängen aus ihrer tiefsten Natur in Abhängigkeit zu überwiegend männlichen Partnern. Völlig wertungsfrei. Egal, ob vollzeitsouveräne Business-Frau oder devotes Girly, nach ein paar recht einfachen fast schon mechanischen Schritten kommt aus jedem Weibchen ein Kern ans Tageslicht. Nicht jeder Mann kriegt jede Frau und nicht jede Frau lebt die Impulse ihrer natürlichen Neigung auf die selbe Art und Weise aus. Aber ein oder mehrere Männer schaffen es, fast jede Frau in ihrer Fassade – sofern vorhanden – zu durchbrechen. Und dem störrischen Rest sieht man das Unharmonische und innerlich Gespaltene an. Frauen können trotzdem 120 Jahre alt werden, Kinder zeugen, Lebensqualität aufbauen, aber ein seelisches Potential bleibt in dieser beliebten Pseudounabhängigkeit ungelebt. Und solche Frauen interessieren mich immer weniger. Mein Respekt gilt denjenigen Weibchen, die den Mut aufbringen, ihr emotionales und kognitives Sturmwasser von einem führenden, selbstbewussten und fähigen Mann kanalisieren zu lassen. In diesem Modus werden die weiblichen Stärken am wirksamsten.

Nach welchen Kriterien suchst Du Deine SpielgefährtInnen aus?
Gute Frage, auch wenn ich bislang nicht groß als Darsteller in Erscheinung getreten bin. Mein Liebesleben lässt trotzdem eine Antwort zu: Meine Frauen sollen schön sein, attraktiv, überwiegend jung, schlank, stark sexuell, erotisch und charakterstark. Charakter definiert sich dabei über die eingangs erwähnten Kriterien: Ist meine Frau bereit, sich unter mein Regelsystem zu fügen? Ist sie bereit, ihre von Natur aus sprunghaftes Wesen von mir zu unserer beider Gunsten regulieren zu lassen? Auch ich erwarte eine hohe Liebesbereitschaft von einem schönen Mädchen in meiner Umgebung. Auch ich will ihre Obhut über meinen Seelenhaushalt erleben. Männer sind egozentristische Bestien. Eine gute Frau federt dieses Animalische ab, um die autodestruktiven und aggressiven Folgen zu mindern und einzudämmen.

Was würdest Du für einen Job machen, wenn Du auf den aktuellen keine Lust mehr hast?
Schwer zu sagen. Ich liebe dieses Leben, ich liebe diesen Beruf. Alternative könnte eine andere Form von Marketing sein. Aber ich wüsste nicht für was, da ich mich mit nichts so gut identifizieren kann zur Zeit wie mit diesem Lifestyle. Außerdem gibt es wohl keine Branche, die das lange mitmachen würde, was ich der Pornographie zumute. Selbst im Erotik-Biz ist das manchmal nicht ganz konfliktfrei.

Was müsste ich als Normalo, bzw. nicht zum Beuteschema passender Mann tun um Darsteller bei Deinen Produktionen zu sein? Worauf kommt es für dich an?
Mich voll und ganz im Umgang mit Frauen überzeugen. Die eigenen Schwächen kennen und geschickt, charmant und ästhetisch durch Stärken kompensieren. Ich mag Männer, die mich weder ausstechen noch nerven. Aber offen gestanden: Es wird immer schwerer, an meiner Seite zu bleiben. Ich bin eine Alpha-Hyäne. Ich kann mich gegen viele Männer weder charakterlich noch körperlich durchsetzen. Deswegen schließe ich sie einfach von meinen Vorteilen aus.

Man liest immer wieder: keine Körperbehaarung. Warum?
Liest man das? Interessant. Ich erlebe im deutschen Porno – zumindest bei den Männern – häufig eher das Gegenteil. Ich antworte aus eigener Perspektive: Ich liebe glatte, sterile Körper, ich mag es amerikanisch, künstlich, clean. Das ist letztendlich Geschmackssache, befürchte ich fast.

Wenn man die Szene beobachtet, scheint jeder jeden zu kennen; ist das ganze wie eine große Party?
Die deutsche Branche ist klein und überschaubar. Partyumgebung habe ich bisher noch nicht so sehr gesucht bei Produktionen, weil ich ein sehr ernsthafter und zielorientierter Mensch bin. Es soll gefälligst funktionieren, den Humor der meisten Menschen finde ich persönlich eh zu platt und zu berechenbar, um aufrichtig mitzulachen. Aber das Persönliche schätze ich dennoch sehr. Vertrautheit ist eine gute Voraussetzung für gute Ergebnisse.

Wie kalkulierst Du Deine Honorare? Wie kalkulierst Du eine Produktion? 
Das Kapital zahlt nicht gerne. Ich bin meiner Herkunft nach marxistischer Prägung und weiß darum, dass der Konflikt zwischen Arbeit und Kapital im Regelfall zu Gunsten des Profits gelöst wird. Also heißt die Devise: Wenig ausgeben, viel einnehmen. Aber ich bin dennoch darum bemüht, Win/Win zu schaffen: Also teilen wir gerne das Produkt zwischen den Darstellern und der Agentur auf – jeder darf das Material einschließlich der Vermarktungsrechte nach Hause nehmen und selbst damit wirtschaften. Sollte ich ausnahmsweise mal die Vollrechte haben wollen, orientiere ich mich an marktüblicher Vergütung.

Mal ganz blöd gefragt; wie ist das so mit vielen Frauen zu verkehren und sich längst nicht alle merken zu können?
Wiederum: Kein Darsteller, trotzdem kann ich als Privatcasanova antworten. Nicht jede Frau spielt in meinem Leben gleich eine zentrale Rolle. Aber wer es in mein Herz schafft, der ist so präsent wie ein Freund oder ein wichtiger Kumpane auch. Manchmal passiert es tatsächlich, dass ich einen Fick vergesse. Aber das hat dann meist auch seine Gründe. Befreundete Darsteller lösen das Ganze durch eine „Wall of Fuck“, auf der die besonderen Trophäen mit Foto und Namen erfasst werden.

Hast Du jemanden, der Dir das Administrative abnimmt, oder machst Du alles selbst?
Ich bin in der glücklichen Position, die meisten Angelegenheiten juristischer und wirtschaftlicher Natur dem Backoffice überlassen zu können. Auch Postproduktion liegt mittlerweile außerhalb meiner Hände. Dem Himmel sei Dank dafür 😉

Bist Du mit dem Einfallsreichtum der Frauen zufrieden?
Nein. Frauen sind, freundlich gesprochen, selten die treibende kreative Kraft. Weniger freundlich gesprochen sind sie oft Idioten.

Gibst Du den Ton an oder ist es wichtig, dass Frau führt?
Ich genieße aktive Frauen, aber leider sind die wenigsten Frauen dazu veranlagt. Also muss ich damit Umgang pflegen, dass man Frauen die Richtung vorgeben muss.

Wie sieht Dein Privatleben aus? Schützt Du das besonders? Oder bist Du öffentlich?
Ich habe mich als Privatperson damit arrangiert, mein Leben weitgehend transparent zu machen. Manchmal gibt die Firma ein paar Richtlinien vor, aber ich würde mich auch noch mit einem Magengeschwür vermarkten, wenn es der Realität entspricht.

Auf was für Typen stehst Du? Wie offen bist Du?
Grundsätzlich: freaky, nasty, fights for me. Sie muss verrückt sein, versaut und was dafür tun, mich zu bekommen. Wenn das stimmt, sehe ich über einige Defizite hinweg. Ansonsten haben attraktive, schlanke, junge Frauen den Vortritt. Ich stehe darauf, wenn man mich um meine Begleiterin beneidet. Ein guter Charakter ist eine gute Voraussetzung für’s Bleiben.

Wenn Du jemandem, der vielleicht etwas spießig ist, Deinen Job erklären solltest: was sagst Du ihm?
Ich bin eigentlich sehr umgänglich und ein Kommunikationsmensch. Einfühlsamer, verständnisvoller, bedachter Ansatz. Häufig habe ich aber auch gar nicht die Zeit, die Zivilbevölkerung aufzuklären. Ich arbeite viel zu viel.

Wie denkst Du über Safer Sex?
Sollte man, nicht wahr? Die Frage könnte ja auch heißen, wie ich über ungewollte Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten denke: Beides liegt mir nicht besonders.

Hast Du eigentlich ein Geschäftsmodell oder Businessplan erstellt oder machst Du einfach drauflos?
Einfach drauf los. Ich werde blöd, wenn ich meine wertvolle Zeit noch mit Vorausplanung verschwenden muss.

Wie bist Du zu Deinem Job gekommen?
Kurzversion: Praktikumsanfrage, Glück gehabt, Talent bewiesen, unverzichtbar geworden.

Was findest Du daran richtig geil?
Ich mag das Machtgefühl in dem Job. Ich liebe es, wenn ich Anerkennung und Bestätigung erfahre. Die Frauen sollen mich wollen, die Männer sollen so sein wollen wie ich. Das ist ein immenser Kick.

Was kotzt Dich an?
Die Bedürfnisse anderer Menschen, von wenigen Ausnahmen abgesehen.

Hast Du einen Appell an die Frauen im Umgang mit Dir?
Keine Umwege. Ich habe keine Zeit für Spielereien. Eine Frau von guter Attraktivität kann und soll mich einfach mit klarem sexuellen Angebot anschreiben. Alles andere nehme ich zwar in Kauf, aber schätze ich nicht besonders.

Was ist Dir persönlich wichtig; was ist Dein Antrieb?
Geld, Macht, Ruhm, viele schöne Frauen und über kurz oder lang seelische Ausgeglichenheit und Lebensfrieden.

Vielen Dank für das Interview!

Wer mehr über Rafael Santeria wissen möchte:
http://youtube.com/rafaelsanteria
http://www.rafaelsanteria.com/ (NEU und ab 18!)

Erik Hansen – Zur Person

Bisher veröffentlichte Leseproben: Blutgeld & Wüstengeld.

Hansen PortraitErik Hansen ist das Pseudonym für einen Kenner Afrikas und langjährigen Berufssoldaten. Er hat fast 30 Jahr seines Lebens in Afrika gelebt und gearbeitet. Dadurch sind die Beschreibungen von Land und Leuten, sowie die Kampfszenen sehr authentisch. Erik Hansen lebt heute in einem kleinen Ort im oberösterreichischen Salzkammergut, wo er die Erlebnisse seiner Afrikajahre zu Romanen verarbeitet. Mehrmals jährlich zieht es ihn jedoch immer wieder in seine geliebte afrikanische Wildnis und die Inselwelt vor Ostafrika.

Fragebogen für ERIK HANSENWeiterlesen