Kategorie: Leseszeit

Azrael ap Cwanderay – Zur Person

Kreativität ist der Funke des Lebens!“

Azrael ap CwanderayGeboren im Januar 1969, in der Stadt Menden im Sauerland (Deutschland) entdeckte der Autor schon in Kindheitstagen seinen Hang zum Geschichtenerzählen. Geschah dies erst in Comicform, so kamen in späteren Jahren Gedichte, Liedtexte und dann auch erste Romanversuche hinzu. Nach einer klassischen Schulausbildung war die Ausbildung zum Grafiker der nächste logische Schritt, um seinem künstlerischen Schaffen ein solides zeichnerisches Fundament zu bieten.

Anfang der 90er erfolgte dann der Umzug nach Österreich, wo dann auch die Arbeit am Erstlingswerk ZEITBEBEN begann. Es dauerte jedoch noch gute 20 Jahre, bis das Werk endlich vollendet war.

Derzeit lebt der Künstler mit seiner Lebensgefährtin, seiner kleinen Tochter und einem vorwitzigen Hund am Wörthersee und erschafft weitere Welten der Phantastik und des Staunens.

Azrael ap Cwanderay – Interview mit dem Autor von „Zeitbeben“ & „MONTAGUES MONSTER“

Azrael ap Cwanderay„Kreativität ist der Funke des Lebens!“

Du hast ein sehr außergewöhnliches Pseudonym. Wie bist du darauf gekommen?
Der erste Teil beruht auf dem Roman „Azrael“, von Wolfgang Hohlbein, da ich ein großer WH Fan bin, und dieser Roman eines meiner liebsten Werke von ihm ist. Zudem ist Azrael ein Engel des Todes, was mir vom Mystischen her sehr gefällt.

Das ap Cwanderay ist dem Gälischen entlehnt und bedeutet „aus/von der Finsternis“. Alles zusammen entspricht also einem „Todesengel aus der Finsternis“, was ich als Pseudonym für Horror/Fantasy-Bücher ganz passend finde.

Worum geht es in deinen Romanen „Zeitbeben“ und „Montagues Monster“?
ZEITBEBEN: In dem Roman (der erste Teil einer Trilogie) geht es um das anstehende Wiedererwachen einer uralten Götzenrasse und den verzweifelten Versuch einer Handvoll sehr unterschiedlicher Menschen, genau dieses zu verhindern. Dabei spielt auch eine weit fortgeschrittene Rasse von Arachnoiden eine Rolle, deren letzter Vertreter über einen Knotenpunkt in Zeit und Raum wacht. Und am Ende des ersten Bandes mischt sich noch eine weitere Partei in den Kampf ein, mit der niemand auch nur ansatzweise gerechnet hätte.

MONTAGUES MONSTER: Dies ist eine fortlaufenden Serie über die Erlebnisse und Abenteuer eines Schotten, der sein Domizil in Kärnten/Österreich aufgeschlagen hat. Jedoch nicht ganz freiwillig, da er der Letzte in einer langen Ahnenreihe von Torwächtern ist, die dazu bestimmt sind, das TOR zu bewachen, einen Übergang in die Welt der dunklen Dimensionen, der Totensphären und der höllischen Gefilde. Die Serie behandelt die Kämpfe von Montague McGallagher mit diesen Kreaturen, beleuchtet seine mysteriöse Vergangenheit und ist leicht angelehnt an die klassischen Gruselheftromane wie John Sinclair und Tony Ballard.Weiterlesen

Bei der Lebensberatung Ω Franz Liebau Ω Eine humorlose Kurzgeschichte

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Frau Sommer seufzt. Frau Sommer zögert. Dann zieht sie ihre Handschuhe an und geht zum „Institut für praktische Lebensberatung“. Der Inhaber, Dr. Max Prior, empfängt mit professionellem Auftritt.
„Mein Mann liebt mich nicht mehr“, sagt Frau Sommer.
„Wissen Sie das genau?“ fragt Dr. Prior.
„Ich vermute es nur“, murmelt Frau Sommer, „und eben deswegen komme ich zu Ihnen.“
„Machen Sie doch die Probe“, schlägt Dr. Prior vor. „Verreisen Sie. Irgendwohin. Und mit irgendeinem jungen Mann.“
„Mit einem jungen Mann?“ erschrickt Frau Sommer.
„Und dann? Und wenn ich zurückkomme?“
„Entweder“, doziert Dr.  Prior und schlägt in einem Büchlein nach, „verzeiht Ihnen Ihr Gatte im Handumdrehen. Dann hat er sie nie geliebt.“
„Oder?“flüstert Frau Sommer.
„Oder“, fährt Dr. Prior fort, „er lässt sich scheiden. Dann wog seine Liebe leicht wie eine Feder.“
„Aber wenn“, meint Frau Sommer noch, „wenn er in Raserei verfällt, mich an den Schultern packt, und aus dem dritten Stock aufs Straßenpflaster wirft?“
„In diesem Falle können Sie zufrieden sein“, erwidert Dr. Prius und schlägt das Büchlein zu. „In diesem Fall haben Sie den Beweis für die unverwandelbare Liebe Ihres Gatten.“

Autor: Franz Liebau 1941

Manuela Martini – Vamos a la playa – Eine Schriftstellerin wandert aus – Kapitel 3

Der Aufbruch – Kapitel 3                                    zu Kapitel 1

Cover-Vamos-a-la-playa-ebook-e1411317239650Wenn der Schnee geschmolzen ist, wenn die ersten Blumen durch die feuchte Erde brechen, wenn Knospen sprießen, der Matsch langsam trocknet, und die Sonne wärmt, starten Polarforscher ihre Expeditionen, und Bergsteiger richten ihre Basislager ein. Von Anfang an waren wir uns einig gewesen: Es kommt darauf an, genau zum richtigen Zeitpunkt abzureisen. Der Termin, wenn eine Rakete ins Weltall geschossen wird, wird auch nach ganz bestimmten Gesichtspunkten festgelegt, nach Mondumlaufbahn, Sonnenstand und Planetenkonstellation …
Am 21. März ist Frühlingsanfang. Astrologisch gesehen tritt die Sonne in das Sternzeichen Widder ein. Das heißt, erklärte eine Astrologie-Freundin von Simona, genau die richtige Zeit, um zu neuen Ufern aufzubrechen. Wir wanderten nach Spanien aus. Wir taten das, wovon viele träumten, was sie aber nicht wagten.
Wir hatten weder ein dickes Geldpolster noch ein Haus noch hatte Simona einen Job. Aber wir waren frei. Müsste das nicht ein wunderbares Gefühl sein?Weiterlesen

Die beiden Wahlbrüder – Serbisches Volksmärchen

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Einem armen Mann wollte nichts recht gelingen, was auch immer er anfing. Er verdiente nicht einmal das Geld für das tägliche Brot. So ging es Tag für Tag, und als er sah, daß er nie auf einen grünen Zweig kommen würde, beschloss er, durch Betrug zu Reichtum zu gelangen. Er füllte einen Sack mit Moos, legte Wolle obenauf und wollte ihn zum Markt tragen. Unterwegs traf er einen anderen armen Teufel. Der trug einen Sack voll Tannenzapfen, auf die er Nüsse gelegt hatte. Auch er wollte seinen Sack auf dem Markt verkaufen. Sie zogen gemeinsam weiter. Da fragte der eine den anderen:
„Was hast Du in deinem Sack?“
„Nüsse. Und Du?“
„Wolle.“
„Wollen wir tauschen? Nimm Du die Nüsse und gib mir die Wolle, damit mir meine Mutter Strümpfe daraus strickt, denn ich habe keine mehr.“
„Gut, warum sollen wir nicht tauschen? Ich esse Nüsse gern. Aber die Wolle ist teurer, du musst mir noch etwas draufzahlen.“

Sie begannen zu feilschen, denn jeder wollte den anderen betrügen. Schließlich einigten sie sich. Der, welcher den Sack mit den Nüssen hatte, sollte dem anderen für die Wolle noch zwei Groschen dazu zu zahlen. Da er aber kein Geld hatte, bat er um Aufschub und versprach, ihm das Geld später in seinem Hause zu zahlen. Der andere wusste genau, dass der Betrug dort herauskommen würde, und meinte, er könne solange warten. Über den guten Handel erfreut, schlossen die beiden Brüderschaft und tauschten die Säcke aus. Jeder ging seines Weges und schmunzelte, weil er glaubte, den anderen übertölpelt zu haben. Als sie aber nach Hause kamen, sahen beide, dass sie betrogen worden waren.
Nachdem einige Zeit vergangen war, machte sich derjenige, der Moos anstatt Wolle verkauft hatte, zu seinem Schuldner auf und verlangte die zwei Groschen. Er fand ihn im Haus des Popen, wo er sich als Knecht verdingt hatte.
„Bruder, Du hast mich betrogen!“
„Du hast mich auch betrogen, Bruder!“
„Gib mir wenigstens die zwei Groschen, die du mir noch schuldest!“
„Ich will sie dir gerne geben, denn ich pflege mein Wort zu halten. Aber ich kann es nicht, denn mein Beutel ist leer. Doch ich will Dir etwas sagen: Hinter dem Haus ist eine tiefe Grube. Da steigt der Pope oft hinein und gräbt. Sicher hat er da sein Geld versteckt. Wir wollen warten, bis es Abend wird, und dann lass mich in die Grube hinab! Was ich finde, wollen wir brüderlich teilen, und dann kann ich Dir auch die zwei Groschen zurückgeben.“
Gesagt, getan. Am Abend, als alles schlief, nahm der Knecht des Popen einen Sack und ein Seil, und die beiden Schlauberger gingen zur Grube. Der Knecht kroch in den Sack, und sein Wahlbruder ließ ihn hinab. Der Knecht suchte und grub überall, aber er fand nichts anderes als Weizenkörner. Er dachte bei sich:
„Wenn ich meinem Gefährten sage, dass ich nichts gefunden habe, so lässt er mich vielleicht in der Grube sitzen. Und Morgen wird mir der Pope den Buckel vollhauen.“
Er kroch also wieder in den Sack, band ihn am Seil fest und rief hinauf:
„Zieh, Bruder! Der Sack ist voll Gold!“
Der andere zog und dachte:
„Warum soll ich das Geld mit ihm teilen? Ich will den Sack fortschleppen und meinen Wahlbruder in der Grube lassen. Morgen wird ihn der Pope schon herausholen.“
Er warf den Sack über die Schulter und lief durchs Dorf. Die Hunde begannen zu bellen und schnappten nach ihm. Er lief und lief, bis er ganz erschöpft war. Bald rutschte ihm der Sack vom Rücken. Da meldete sich der Knecht aus dem Sack und rief: „Heb den Sack etwas höher, Bruder, die Hunde beißen mich!“
Der andere ließ den Sack vor Schreck zu Boden fallen, und sein Gefährte kam herausgekrochen.
„So so“, sagte der Knecht, „du wolltest mich also wieder übertölpeln.“
„Du hast mich ja auch betrogen“, erwiderte der andere.
Sie begannen mitten auf dem Weg zu streiten, wer der größere Lügner und Betrüger sei. Schließlich versprach der Knecht seinem Wahlbruder aufs Neue, ihm die zwei Groschen zurück zu geben, wenn er ein andermal käme.
Wieder verging eine geraume Zeit. Der Knecht hatte inzwischen geheiratet und war in das Haus seiner Frau gezogen. Eines Tages saß er auf der Schwelle und rauchte sein Pfeifchen. Da sah er seinen Wahlbruder kommen.
„Frau“, sagte er, „siehst Du den Mann dort? Dem schulde ich zwei Groschen. Ich habe versprochen, sie ihm zu geben, wenn er kommt. Ich werde mich tot stellen, du aber fang an zu klagen und zu weinen. Wenn er erfährt, dass ich tot bin, wird er denken, dass meine Schuld auch getilgt ist, und er wird fortgehen.“
So taten sie auch: Der Mann legte sich auf den Rücken und kreuzte die Hände. Seine Frau deckte ihn mit einem Leichentuch zu und fing an zu weinen, raufte sich das Haar und jammerte.
Da klopfte schon der Wahlbruder an der Tür. Die Frau trat verweint hinaus.
„Gott befohlen, Frau! Wohnt hier mein Wahlbruder?“ Und er nannte dessen Namen.
Die Frau antwortete unter Tränen:
„Ach, ich Ärmste! Drinnen liegt er, aber er ist tot!“
„Die Erde sei ihm leicht! Mein armer Wahlbruder! Wir haben zusammen gearbeitet und Handel getrieben. Wenn ihn so ein Unglück getroffen hat, so will ich ihn zu seiner letzten Ruhestätte begleiten und eine Handvoll Erde auf sein Grab werfen.“
Die Frau sagte ihm, daß das Begräbnis später stattfinden würde und er lieber gehen solle. Aber der andere blieb fest.
„Ich kann warten, und wenn es drei Tage dauert.“
Der Mann hörte das und sagte leise zu seiner Frau, sie möge zum Popen gehen und ihm sagen, dass er gestorben sei. Man solle ihn auf den Friedhof tragen, vielleicht würde der Wahlbruder dann fortgehen.
Die Frau holte den Popen. Er kam mit mehreren Leuten. Sie bahrten den Toten auf, brachten ihn in die Kirche und wollten ihn am nächsten Tag begraben.
Der Wahlbruder aber sagte zur Frau:
„Wir haben so viele Jahre Salz und Brot geteilt, ich werde bleiben und die Totenwache in der Kirche halten.“
In derselben Nacht waren Räuber in ein reiches Haus eingebrochen und hatten viel Geld, Kleider und Waffen geraubt. Als sie an der Kirche vorbei kamen, sahen sie drinnen ein Licht brenne und meinten:
„Am besten ist’s, wir gehen in die Kirche und teilen da unsere Beute.“
Als der Wahlbruder, der die Totenwache hielt, sah, dass in der Nacht Menschen in die Kirche kamen, dachte er, das könne nicht mit rechten Dingen zugehen, und versteckte sich hinter dem Altar. Die Räuber traten ein, setzten sich und machten sich daran, die Beute zu teilen:
Vom Geld immer eine voll mir, eine Mütze voll dir, und die Kleider und Waffen teilten sie, wie es gerade kam. Nun hatten sie alles aufgeteilt, bis auf ein Säbel. Jeder wollte ihn haben, und sie fingen an zu streiten. Da sprang einer auf, packte den Säbel und sagte:
„Wir wollen sehen, ob der Säbel wirklich so gut ist. Wenn er mit einem Streich den Kopf des Toten dort abschlägt, dann ist er gut!“
Sie gingen auf die Bahre zu. Der Tote aber sprang auf und schrie: „He, ihr Toten wo seid ihr?“
„Hier!“ Rief der Wahlbruder hinter dem Altar. Wir sind bereit. Sollen wir anfangen?“
Als die Räuber das hörten, ließen sie alles stehen und liegen davon, ohne sich noch einmal umzusehen.
Sie liefen und liefen, bis sie endlich im Wald anlangten, wo sie etwas Atem schöpften. Der Hauptmann aber sprach: „He, Brüder, wir sind Tag und Nacht durch die Welt gezogen, haben starke Festungen und Schlösser überfallen und uns mit so vielen Leuten geschlagen, ohne mit der Wimper zu zucken. Und jetzt sind wir vor einem Toten davongelaufen. Ist ein tapferer Kerl unter uns, der es wagt, in die Kirche zurückzugehen?“
„Ich gehe nicht!“ sagte der eine.
„Ich fürchte mich auch!“, sagte ein anderer.
„Gegen zehn Lebende trete ich zum Kampf an, aber mit einem Toten nehme ich es nicht auf!“ sprach ein dritter.
Aber schließlich fand sich ein Mutiger, der in der Kirche nachsehen wollte. Er ging zum Friedhof zurück, schlich sich leise unters Kirchenfenster und horchte. Die Wahlbrüder waren gerade dabei, die Beute zu teilen. Zu guter Letzt begannen sie um die zwei Groschen zu streiten und hätten sich fast geprügelt. Der Räber hörte den Streit.
„Und meine zwei Groschen! Gib mir meine zwei Groschen!“
Der Schuldner wandte sich um und sah die Pelzmütze des Räubers, der unterm Fenster stand. Rasch streckte er die Hand aus, packte die Mütze und warf sie auf die Erde.
„Da hast du deine vermaledeiten zwei Groschen.“
Der Räber erschrak sehr und lief, so schnell er konnte davon. Als er zähneklappernd bei den anderen Räubern ankam, war er vor Angst halbtot.
„Ach, Brüder, welch ein Glück, dass wir mit dem Leben davongekommen sind! Wir konnten das Geld mit einer Mütze verteilen, und jeder von uns hätte ein paar Mützen voll bekommen. Der Toten sind aber so viele, dass jeder nur zwei Groschen bekommt. Für einen langte es nicht einmal mehr. Da rissen sie mir meine Mütze vom Kopf und gaben sie ihm statt der zwei Groschen!“
Da machten sich die Räuber schleunigst aus dem Staube. Die beiden Wahlbrüder aber teilten sich die Beute, lebten froh und zufrieden und versuchten nie mehr, jemanden zu betrügen.

Manuela Martini – Vamos a la playa – Eine Schriftstellerin wandert aus – Kapitel 2 – Leseprobe

Der Aufbruch – Kapitel 2                                        zu Kapitel 1

Cover-Vamos-a-la-playa-ebook-e1411317239650Die Regentropfen wurden schwerer, die Pützen tiefer, und der Motor wurde heißer. „Ist wahrscheinlich normal“, meinte Simona auf einem Rastplatz irgendwo hinter Karlsruhe. Sie blickte auf die Kühlerhaube, aus der Dampf aufstieg.
Ich verstehe rein gar nichts von Autos und Motoren. In München hatten wir nur das Car Sharing genutzt und waren sonst mit dem Fahrrad oder mit Tram und Bus unterwegs gewesen. Ich machte mal die Haube auf. Aber da kochte nichts. Aus dem Kühlwasserbehälter stieg kein Dampf auf. Der kam von weiter unten. Ich ärgerte mich. War ich reingelegt worden?
Wir hatten den Opel Agila erst vor zwei Wochen gekauft. Ich hatte ihn im Internet gefunden und fand so einen Kleinwagen praktisch. Er passte in jede Parklücke einer spanischen Altstadt, und hatte einer große Ladeklappe, sodass Simona ihre Behandlungsbank hineinbekam. Außerdem war er weiß und hatte damit genau die richtige Farbe für den heißen Süden. „Das fängt ja gut an!“, sagte ich verärgert und ließ die Haube herunter. Gescheitert. Flug zum Mond abgebrochen. Mit einem blauen Auge davongekommen.
Ich stellte mir vor, wie wir den Wagen abschleppen lassen und mit dem Zug wieder zurückfahren mussten. Mein Vater würde sagen: „Es war ja auch eine verrückte Idee.“Weiterlesen

Manuela Martini – Vamos a la playa – Eine Schriftstellerin wandert aus – Kapitel 1

Der Aufbruch

„Partir c’est toujours un peu mourir“ Aufbrechen ist immer ein bisschen wie sterben

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Cover-Vamos-a-la-playa-ebook-e1411317239650Der Regen trommelte auf das Blech und die Scheibe des gebrauchten Opels, die Scheibenwischer wischten hektisch immer wieder neue Halbkreise frei, die Lüftung blies auf vollen Touren und schaffte es dennoch nicht, die beschlagenen Seitenscheiben zu trocknen.
Ich rückte näher ans Steuer, um besser sehen zu können, trotzdem konnte ich nicht allen Pfützen auf der Autobahn ausweichen. Wasser spritzte hoch, und der Wagen geriet immer wieder ins Schlingern.
„So ein Wetter haben wir bald hinter uns“, meinte Simona. Ich warf einen schnellen Seitenblick zu ihr, meiner Lebenspartnerin seit nunmehr sechs Jahren – meiner Ehefrau seit sechs Monaten. Zuversichtlich und gut gelaunt sah sie durch die Scheibe, als läge da vor uns nicht die regennasse Straße, sondern schon das Meer und überhaupt unsere verheißungsvolle Zukunft in einem neuen Leben. Ihre halblangen braunen Haare bauschten sich im Gebläse der Lüftung, als wären wir tatsächlich schon am Strand. Sie sah so jung aus mit ihrem zuversichtlichen Lächeln und ihrer glatten Haut, die sich wohl dank eines italienischen Vorfahren schon im schwächsten Sonnenschein bräunte. Ich hingegen wurde meist erst einmal rot, und am Ende blieb ein heller rotbrauner Hauch. Nein, ich hatte sie natürlich nicht nur wegen ihres Aussehens geheiratet! Ich glaube, auch wegen ihrer Schlagfertigkeit und weil sie ernsten Situationen auch eine komische Seite abgewinnen kann, weil sie die Dinge anpackt und nicht nur darüber redet – oder philosophiert – wie ich. Und dass wir das taten, was wir gerade taten, war auch ihrem Nichtlockerlassen zu verdanken. Wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat …
Sie schraubte den Deckel der Thermoskanne auf, goss Kaffee ein und hielt ihn mir mit einem aufmunternden Lächeln hin. „Dann gibt’s nur noch Sonne!“
„In Spanien regnet’s aber auch“, erwiderte ich, nahm den Becher und trank einen Schluck. Der Kaffee schmeckte ein bisschen nach Tee, der wahrscheinlich vorher in der Kanne gewesen war. Aber das störte mich jetzt kaum. In mir hatte sich ein dunkler Abgrund aufgetan, der mich jeden Moment vollends zu verschlingen drohte. Wenn es irgendwie möglich gewesen wäre, hätte ich die Zeit zurückgedreht. Um zwei Monate oder besser noch um acht Monate – bevor wir die zehn Tage Nerja/Südspanien gebucht hatten. Oder vielleicht doch lieber um zwei Jahre – bevor sich dieser Plan überhaupt herausbilden konnte – der Plan, auszuwandern.
„Mehr als dreihundertzwanzig Sonnentage“, beharrte sie. Weiterlesen

Manuela Martini – Schriftstellerin über ihr Buch: Vamos a la playa

Manuela_DSC2017-199x300Wer sind Sie?
Geboren wurde ich 1963 in Mainz. Schriftstellerin wollte ich schon immer werden. In meiner Fantasie Abenteuer erleben, Gefahren überstehen, gegen das Böse kämpfen und am Ende belohnt werden. Aber das Leben kam dazwischen und ich studierte und arbeitete in verschiedenen Jobs. Irgendwann drehte ich einen Dokumentarfilm in Australien und plötzlich war der Traum wieder da. Plötzlich fielen mir Geschichten ein und ich schrieb mein erstes Buch. Outback. Es wurde ein Erfolg. Ich schrieb weiter. Krimis, Romane, Kinderbücher und unter dem Pseudonym Fran Ray Thriller über Weltverschwörungen. Die Saat erregte internationales Interesse und wurde in sieben Sprachen übersetzt. Der Skandal und Das Syndikat folgten.

Mittlerweile bin ich mit meiner Lebensgefährtin nach Spanien ausgewandert und lebe auf einer Finca in Andalusien.Weiterlesen

Erik Hansen – Wüstengeld – Leseprobe

Leseprobe: Wüstengeld

DU MH Eric Hansen Wuestengeld Cover Lay 1 neu grossHansen rief Hermann,
„Hotel, Hotel – Alpha, lock sie an und dann fangen wir an!“
Hermann wusste, was zu tun war. Er sollte den Köder spielen. Mit einigen wenigen Männern ließ er sich nun auf der Straße nach Westen sehen.
Lautes Geheul stieg von den Rebellen auf. Hatten sie sich letzte Nacht wirklich von nur so wenigen Männern terrorisieren lassen? Wutentbrannt stürmte eine größere Anzahl mit ihren AK 47 auf die kleine Gruppe los und begannen wild zu feuern. Weiterlesen

Erik Hansen – Blutgeld – Leseprobe

Leseprobe: Blutgeld

Moonhouse Cover NEU korr Blutgeld Erik HansenHansen lehnte sich zurück und holte langsam ein Reservemagazin aus seiner Hosentasche, hob es in Augenhöhe und drückte vor den Augen seines Gegenübers die erste Patrone heraus, welche er provokant zwischen ihnen auf den Tisch stellte.
Wie gebannt starrte der Dicke auf die hässliche, fette Patrone mit dem Loch statt einer Spitze. Er schwitze nun noch mehr. Die beiden Muskelmänner vom Nebentisch hatten sich erhoben, als Franco an der Bar sein Taschenbuch mit einem Knall auf den Boden fallen ließ. Die Köpfe der beiden und des Dicken flogen zu ihm herum. Weiterlesen