Kategorie: bereits Veröffentlichte Texte

Lisa Katharina Bechter – Inselrose – Leseprobe

Lisa Katharina Bechter -- Inselrose
Lisa Katharina Bechter — Inselrose

Inselrose – Lisa Kathaerina Bechter
Verlag: Karina-Verlag
ISBN (Print) : 978-3-90-3056-09-1
ISBN (eBook) : 978-3-903056-10-7

Prolog

Der unendliche Knoten, ein keltisches Symbol der endlosen Verwobenheit des Daseins. Ein Schutzsymbol, in dem sich die bösen Geister unendlich verfangen sollen. Das Symbol für all die Liebenden, deren Verbindung zueinander, in der Liebe ihre Unendlichkeit findet …
Mit beiden Händen hält Marie das Kettchen mit dem silbernen Amulett um ihren Hals, den unendlichen Knoten, fest umschlossen. Ihre früher so leuchtenden blauen Augen haben schon lange an Glanz verloren. Tiefe dunkle Schatten zeichnen sich unter ihren Augen ab. Die sonst so weichen Gesichtszüge sind starr, der Körper in sich zusammengesackt und kraftlos. Ihre Haut hat die gesunde Farbe verloren und leuchtet so hell, wie eine Geistergestalt im Dunkeln. Wie dünnes Pergament liegt sie auf ihren Knochen und jede Ader scheint hindurch. In den letzten Wochen hat Marie rapide an Gewicht verloren, der Krebs frisst sie mehr und mehr auf. Er zerstört ihre Zellen und raubt ihr zunehmend die Kraft aus jeder noch so kleinen Reserve. Der Tod, er steht ihr buchstäblich ins Gesicht geschrieben.Weiterlesen

Gedanken über Glück – Nur Meinereiner – Leseprobe

Gedanken über GLÜCK 

Nur Meinereiner - Essays- Moonhouse-Verlag Foto: Privat
Nur Meinereiner – Essays- Moonhouse-Verlag
Foto: Privat

Wozu taugt der Glücksbegriff nur überhaupt? Vielleicht zur Beschreibung angenehmer und überraschender Zufälle, zur Formulierung von Lebenszielen und Handlungsmaximen, zur Charakterisierung von Lebensmomenten, Lebensabschnitten oder doch ganzer Leben?Weiterlesen

„Schreiben ist für mich meist eine Art von Selbstgespräch“ – Nur Meinereiner

Der Autor "Nur Meinereiner" - Foto: Privat
Der Autor „Nur Meinereiner“ – Foto: Privat

Im Interview mit dem Autor, der unter Nur Meinereiner die Essay-Sammlung Nur Meinereiner’s Gedanken herausgebracht hat, verriet er, woher er die Inspiration seine Momentaufnahmen zieht, welche Philosophie hinter seinem Buch steckt und wie er seine Leser zum Nachdenken bringen möchte. Zur Leseprobe.

Dein Pseudonym „Nur Meinereiner“ ist zugegebenermaßen etwas ungewöhnlich, wenn man es zum ersten Mal hört. Aus welchem Grund hast du es gewählt?
Meinereiner ist ein wunderbarer altösterreichischer Ausdruck aus der K&K-Zeit und bedeutet „für einen selbst“. Er kam zum Beispiel im Film „Hallo Dienstmann“ mit Hans Moser vor und er gefiel mir sofort. Das „Nur“ davor sollte dies auch noch betonen.

Wann hast du angefangen zu schreiben und gab es einen bestimmten Auslöser dafür?
So genau kann ich das eigentlich nicht konkretisieren. Ich habe schon immer Essays für mich selbst geschrieben, um Schicksalsschläge zu verarbeiten. Einer sehr lieben Freundin und bekannten Schauspielerin gab ich diese Essays zu lesen und bat sie um ihre Meinung. Anscheinend sehr beeindruckt, riet sie mir zu publizieren. Zunächst natürlich nur im kleinen Rahmen. 

Nur Meinereiner - Essays- Moonhouse-Verlag Foto: Privat
Nur Meinereiner – Essays- Moonhouse-Verlag
Foto: Privat

Erzähle mir ein wenig von deiner neuen Buchpublikation, die es nun als e-Book und Druckversion zu kaufen gibt.
Na ja, im Grunde ist es ein Auszug meiner Gedankenwelt. Es geht um Empfindungen, um Augenblicke und das Leben.

Es ist beabsichtigt, auf originelle Weise und in einfacher Sprache die wesentlichen Aspekte des Lebens darzulegen. Denkanstöße zu liefern. Es gefällt mir, ein Bild zu liefern, ob im einzelnen richtig oder falsch, zuträglich oder verwirrend, klar oder konfliktgeladen, einfach welch Wesen wir sind. Weshalb es auch in Frage gestellt werden kann oder auch soll.

Jeder Mensch hat Hobbys – welche sind deine? Neben dem Schreiben, natürlich.
Als ehemaliger Skirennläufer natürlich das Skifahren. Aber auch an der europäischen Geschichte samt seiner Architektur bin ich sehr interessiert. Eigentlich ist es die Baukunst, die Arbeitsweise sowie die Handwerkskunst, die mich fasziniert und die ich gerne hinterfrage.

Hattest du schon eine bestimmte Zielgruppe im Kopf, als du geschrieben hast, und welche sollte das sein?
Nein, ehrlich gesagt nicht. Denn Schreiben ist für mich meist eine Art von Selbstgespräch, von der ich mir erhoffe, dass sie jemand belauschen mag. Und wenn ich gelesen werde, dann bin ich nicht mehr allein.

Wenn du dein Buch in drei Sätzen beschreiben müsstest, wie würde das klingen?
Ich möchte es mit drei Wörtern beschreiben: Herz, Hirn und Bauch.

Hast du weitere Ideen und Pläne als Autor in naher Zukunft?
Derzeit ist es so, dass ich an zwei Romanen gleichzeitig arbeite. Unterschiedliche Thematiken, an denen ich abwechselnd schreibe. Das ist sehr spannend für mich.

Außerdem halte ich kabarettistische Lesungen, oftmals verbunden mit Vernissagen. Das ist für mich sozusagen ein Ausgleich für meine Gedankenwelt. Übrigens ein neues Programm ist in Arbeit.

Self-Publishing, Verlag oder Agentur – immer eine schwere Entscheidung für einen Autoren. Warum hast du dich letztendlich für einen und deinen Verlag entschieden?
Es kam so, dass der Verlag auf mich zukam und darüber war ich sehr froh. So konnte ich mich schon auf die nächsten Projekte vorbereiten und dafür recherchieren. Außerdem waren die Leseabende sehr zahlreich im letzten Jahr. So kam es erst gar nicht zu einer Entscheidung.

Welche Ideale und Prinzipien sind dir im Leben am wichtigsten und warum?
Ideale sind Wahrheiten. Und an den Wahrheiten bin ich versucht, ihnen näher zu kommen.

Schritt für Schritt, und eines Tages, so hoffe ich, bin ich dann dort, um aus meinem Ich jedes Du sein zu können. Dies ist für mich erachtenswert.

Nur Meinereiner als Leser – welche sind deine Lieblingsbücher und Autoren, die dich eventuell sogar für dein eigenes Werk inspirieren?
Als Leser primär natürlich das eigene Geschriebene. Da geht es um meine Seelenflügel, die ich redigieren und lektorieren muss, bis zu dem Zeitpunkt, wo ich sie freigebe.

Das Leben an sich inspiriert mich so. Das sind Begebenheiten, Augenblicke und zwischenmenschliche Situationen und Menschen.
Und wenn noch Zeit bleibt, Fachliteratur, abhängig von den jeweiligen momentanen Interessen, wo ich Antworten suche.

Welche Vermarktungsstrategien nimmst du selbst in die Hand (z.B. Lesungen, soziale Medien, Flyer …) ?
Vermarktungsstrategien, die ich selbst in die Hand nehme und in meinem Einfluss stehen, sind die Lesungen, die ich abhalte, die Mundpropaganda und das soziale Netzwerk. 

Zuletzt: Wenn du selbst eine Buchfigur sein könntest, welche wäre das?
Bei einem der gerade in Arbeit befindlichen Romane, bin ich selbst eine Figur darin. Mehr sei da nicht verraten. Ansonsten, gebe es da eine Reihe von Figuren in denen die Identifikation in Moralität und Loyalität stimmig ist.

Interview: Katherina Ibeling

Weitere Informationen zu „Nur Meinereiner’s Gedanken“ unter: HYPERLINK  .

Leseprobe „Die verrückten 70er“ von Kerstin Müller – Teil 2 von 2

„Die verrückten 70er“ – Leben im Arbeiter und Bauernstaat zwischen 1970 und 1980 von Kerstin Müller

Zu Teil 1

In der Wohnung über uns im 3. Stock thronte das Vermieterehepaar Gisela und Otto Nebel. Frau Nebel hielt ihre Mieter durch eiserne Unnahbarkeit auf Distanz. Ihr Lächeln beim Grüßen wirkte erzwungen. Mit den kostbaren Pelzen, die heutzutage Greenpeace-Aktivisten auf den Plan rufen würden, stellte sie deutlich klar in welcher privilegierten Position sie sich uns gegenüber befand. Otto Nebel hatte nicht viel zu melden.  Sie war die Erbin einer der letzten großen Dynastien in Sachsen. Ihren Eltern gehörten früher Unmengen von Häusern die nach und nach durch das kommunistische System enteignet wurden.  Dieses Haus war das letzte private Mietshaus was ihnen blieb um letztendlich, Anfang der 1970er, auch noch verstaatlicht zu werden. Sie blieben aber für uns das Vermieter-Ehepaar.Weiterlesen

Leseprobe „Die verrückten 70er“ von Kerstin Müller – Teil 1 von 2

„Die verrückten 70er“ – Leben im Arbeiter und Bauernstaat zwischen 1970 und 1980 von Kerstin Müller

Karl-Marx-Stadt, Elisenstraße, 70er Jahre. 
Meine Eltern und ich bewohnten eine kleine Zweiraumwohnung in der Elisenstraße. Das Haus wirkte schon mit seiner maroden Außenfassade auf Mieter und Besucher bedrückend. An fast allen Mauerstellen nagte der Zerfall. Ständig lösten sich kleine Putzpartikel, die unaufhörlich auf dem Bürgersteig rieselten. So wurde dann allmählich immer mehr Ziegelwand sichtbar. Das große massive hölzerne Eingangstor schien der Einzige feste Halt dieser grauen Tristesse zu sein. Im Hausflur wurde man erst einmal von einem ekelerregenden Gestank begrüßt der von den zwei kleinen Holzbottichen für Essensabfälle herrührte. Auch die darauf befindlichen Deckel konnten den Geruch der Fäulnis nicht aufhalten. In den Sommermonaten war es ganz besonders schlimm, weil dann ganze Scharen von Fliegen und Mücken um die Bottiche schwirrten. Hatte man diese Hürde überwunden befand man sich im Treppenhaus. Auch hier, nicht anders als draußen, bemerkte man wieder sofort den fortschreitenden Zerfall. Seit Anfang der 60er Jahre ist hier nicht viel gemacht worden. Man konnte aber noch eine gewisse Farbgestaltung alter Zeiten erahnen.  Weiterlesen

Azrael ap Cwanderay – MONTAGUES MONSTER Band 1 – Der geheimnisvolle Schotte – Leseprobe

„Der Engel der Finsternis wandelte auf Erden. Der Wald erstarrte zu leblosem Schweigen in seiner Anwesenheit, das fröhliche Vogelgezwitscher erstarb, das sanfte Rauschen der Baumwipfel erlosch. Ein Behemoth von 3 Metern Größe, ein Titan an gestaltgewordener Macht, so durchschritt der Gigant seine Umgebung. Tiefschwarze Haut glänzte wie poliertes Metall, während seine gewaltigen Schwingen aus manifestierter Dunkelheit über seine breiten Schultern hinausragten.
Schritt für Schritt ging er voran, und wo immer er seinen Fuß aufsetzte, verdorrte das Gras, brach die Erde und erstarb alles Leben, denn seine bloße Berührung brachte den Tod.
Ein Blick aus seinen rotglosenden Augen, wie zwei leuchtende Blutstropfen in einem ebenmäßigen Gesicht von bösartig-faszinierender Schönheit ruhend, traf einen verirrten Vogel, und noch ehe es sich das arme Tier versah, stürzte es leblos zu Boden, dahingerafft von der schieren Anwesenheit des dunklen Engels. Noch verbarg sich der Titan vor den Augen der Menschen, noch plante er seine Züge im Verborgenen.
Aber die Zeit seiner Offenbarung würde kommen, wie in einem Schachspiel setzte er seine Figuren, entwarf seine Strategien, um dann im geeigneten Moment den finalen Todeszug zu tätigen. Er war listig und verschlagen – und er hatte Zeit. 
Alle Zeit dieser Welt…Weiterlesen

Azrael ap Cwanderay – ZEITBEBEN Band 1 – Schattenspiele – Leseprobe

„Wir sind ja so was von am Arsch!“
Jesus Miguel Die Angeles Stimme vermochte kaum das Knistern der energetischen Entladungen zu übertönen, die jetzt im Sekundentakt in die schwarze Masse hieben und doch nicht mehr waren als Nadelstiche, die versuchten, eine gewaltige Flutwelle zu stoppen. 
Ihre Lage war hoffnungslos, sie waren am Arsch, wie es der Spanier so treffend formuliert hatte! „Wo bleibt deine positive Denkweise, Jesus?“ fragte Vanessa mit verkniffenem Gesicht. „Nur weil wir gerade von einer Tausendschaft mordlüsterner Schattenkreaturen überrollt werden und unsere Waffen bereits nur noch mit blindem Gottvertrauen und viel gutem Willen funktionieren? Also wirklich!“Weiterlesen

Azrael ap Cwanderay – Zur Person

Kreativität ist der Funke des Lebens!“

Azrael ap CwanderayGeboren im Januar 1969, in der Stadt Menden im Sauerland (Deutschland) entdeckte der Autor schon in Kindheitstagen seinen Hang zum Geschichtenerzählen. Geschah dies erst in Comicform, so kamen in späteren Jahren Gedichte, Liedtexte und dann auch erste Romanversuche hinzu. Nach einer klassischen Schulausbildung war die Ausbildung zum Grafiker der nächste logische Schritt, um seinem künstlerischen Schaffen ein solides zeichnerisches Fundament zu bieten.

Anfang der 90er erfolgte dann der Umzug nach Österreich, wo dann auch die Arbeit am Erstlingswerk ZEITBEBEN begann. Es dauerte jedoch noch gute 20 Jahre, bis das Werk endlich vollendet war.

Derzeit lebt der Künstler mit seiner Lebensgefährtin, seiner kleinen Tochter und einem vorwitzigen Hund am Wörthersee und erschafft weitere Welten der Phantastik und des Staunens.

Manuela Martini – Vamos a la playa – Eine Schriftstellerin wandert aus – Kapitel 3

Der Aufbruch – Kapitel 3                                    zu Kapitel 1

Cover-Vamos-a-la-playa-ebook-e1411317239650Wenn der Schnee geschmolzen ist, wenn die ersten Blumen durch die feuchte Erde brechen, wenn Knospen sprießen, der Matsch langsam trocknet, und die Sonne wärmt, starten Polarforscher ihre Expeditionen, und Bergsteiger richten ihre Basislager ein. Von Anfang an waren wir uns einig gewesen: Es kommt darauf an, genau zum richtigen Zeitpunkt abzureisen. Der Termin, wenn eine Rakete ins Weltall geschossen wird, wird auch nach ganz bestimmten Gesichtspunkten festgelegt, nach Mondumlaufbahn, Sonnenstand und Planetenkonstellation …
Am 21. März ist Frühlingsanfang. Astrologisch gesehen tritt die Sonne in das Sternzeichen Widder ein. Das heißt, erklärte eine Astrologie-Freundin von Simona, genau die richtige Zeit, um zu neuen Ufern aufzubrechen. Wir wanderten nach Spanien aus. Wir taten das, wovon viele träumten, was sie aber nicht wagten.
Wir hatten weder ein dickes Geldpolster noch ein Haus noch hatte Simona einen Job. Aber wir waren frei. Müsste das nicht ein wunderbares Gefühl sein?Weiterlesen

Manuela Martini – Vamos a la playa – Eine Schriftstellerin wandert aus – Kapitel 2 – Leseprobe

Der Aufbruch – Kapitel 2                                        zu Kapitel 1

Cover-Vamos-a-la-playa-ebook-e1411317239650Die Regentropfen wurden schwerer, die Pützen tiefer, und der Motor wurde heißer. „Ist wahrscheinlich normal“, meinte Simona auf einem Rastplatz irgendwo hinter Karlsruhe. Sie blickte auf die Kühlerhaube, aus der Dampf aufstieg.
Ich verstehe rein gar nichts von Autos und Motoren. In München hatten wir nur das Car Sharing genutzt und waren sonst mit dem Fahrrad oder mit Tram und Bus unterwegs gewesen. Ich machte mal die Haube auf. Aber da kochte nichts. Aus dem Kühlwasserbehälter stieg kein Dampf auf. Der kam von weiter unten. Ich ärgerte mich. War ich reingelegt worden?
Wir hatten den Opel Agila erst vor zwei Wochen gekauft. Ich hatte ihn im Internet gefunden und fand so einen Kleinwagen praktisch. Er passte in jede Parklücke einer spanischen Altstadt, und hatte einer große Ladeklappe, sodass Simona ihre Behandlungsbank hineinbekam. Außerdem war er weiß und hatte damit genau die richtige Farbe für den heißen Süden. „Das fängt ja gut an!“, sagte ich verärgert und ließ die Haube herunter. Gescheitert. Flug zum Mond abgebrochen. Mit einem blauen Auge davongekommen.
Ich stellte mir vor, wie wir den Wagen abschleppen lassen und mit dem Zug wieder zurückfahren mussten. Mein Vater würde sagen: „Es war ja auch eine verrückte Idee.“Weiterlesen

Manuela Martini – Vamos a la playa – Eine Schriftstellerin wandert aus – Kapitel 1

Der Aufbruch

„Partir c’est toujours un peu mourir“ Aufbrechen ist immer ein bisschen wie sterben

1

Cover-Vamos-a-la-playa-ebook-e1411317239650Der Regen trommelte auf das Blech und die Scheibe des gebrauchten Opels, die Scheibenwischer wischten hektisch immer wieder neue Halbkreise frei, die Lüftung blies auf vollen Touren und schaffte es dennoch nicht, die beschlagenen Seitenscheiben zu trocknen.
Ich rückte näher ans Steuer, um besser sehen zu können, trotzdem konnte ich nicht allen Pfützen auf der Autobahn ausweichen. Wasser spritzte hoch, und der Wagen geriet immer wieder ins Schlingern.
„So ein Wetter haben wir bald hinter uns“, meinte Simona. Ich warf einen schnellen Seitenblick zu ihr, meiner Lebenspartnerin seit nunmehr sechs Jahren – meiner Ehefrau seit sechs Monaten. Zuversichtlich und gut gelaunt sah sie durch die Scheibe, als läge da vor uns nicht die regennasse Straße, sondern schon das Meer und überhaupt unsere verheißungsvolle Zukunft in einem neuen Leben. Ihre halblangen braunen Haare bauschten sich im Gebläse der Lüftung, als wären wir tatsächlich schon am Strand. Sie sah so jung aus mit ihrem zuversichtlichen Lächeln und ihrer glatten Haut, die sich wohl dank eines italienischen Vorfahren schon im schwächsten Sonnenschein bräunte. Ich hingegen wurde meist erst einmal rot, und am Ende blieb ein heller rotbrauner Hauch. Nein, ich hatte sie natürlich nicht nur wegen ihres Aussehens geheiratet! Ich glaube, auch wegen ihrer Schlagfertigkeit und weil sie ernsten Situationen auch eine komische Seite abgewinnen kann, weil sie die Dinge anpackt und nicht nur darüber redet – oder philosophiert – wie ich. Und dass wir das taten, was wir gerade taten, war auch ihrem Nichtlockerlassen zu verdanken. Wenn sie sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hat …
Sie schraubte den Deckel der Thermoskanne auf, goss Kaffee ein und hielt ihn mir mit einem aufmunternden Lächeln hin. „Dann gibt’s nur noch Sonne!“
„In Spanien regnet’s aber auch“, erwiderte ich, nahm den Becher und trank einen Schluck. Der Kaffee schmeckte ein bisschen nach Tee, der wahrscheinlich vorher in der Kanne gewesen war. Aber das störte mich jetzt kaum. In mir hatte sich ein dunkler Abgrund aufgetan, der mich jeden Moment vollends zu verschlingen drohte. Wenn es irgendwie möglich gewesen wäre, hätte ich die Zeit zurückgedreht. Um zwei Monate oder besser noch um acht Monate – bevor wir die zehn Tage Nerja/Südspanien gebucht hatten. Oder vielleicht doch lieber um zwei Jahre – bevor sich dieser Plan überhaupt herausbilden konnte – der Plan, auszuwandern.
„Mehr als dreihundertzwanzig Sonnentage“, beharrte sie. Weiterlesen

Erik Hansen – Wüstengeld – Leseprobe

Leseprobe: Wüstengeld

DU MH Eric Hansen Wuestengeld Cover Lay 1 neu grossHansen rief Hermann,
„Hotel, Hotel – Alpha, lock sie an und dann fangen wir an!“
Hermann wusste, was zu tun war. Er sollte den Köder spielen. Mit einigen wenigen Männern ließ er sich nun auf der Straße nach Westen sehen.
Lautes Geheul stieg von den Rebellen auf. Hatten sie sich letzte Nacht wirklich von nur so wenigen Männern terrorisieren lassen? Wutentbrannt stürmte eine größere Anzahl mit ihren AK 47 auf die kleine Gruppe los und begannen wild zu feuern. Weiterlesen

Erik Hansen – Blutgeld – Leseprobe

Leseprobe: Blutgeld

Moonhouse Cover NEU korr Blutgeld Erik HansenHansen lehnte sich zurück und holte langsam ein Reservemagazin aus seiner Hosentasche, hob es in Augenhöhe und drückte vor den Augen seines Gegenübers die erste Patrone heraus, welche er provokant zwischen ihnen auf den Tisch stellte.
Wie gebannt starrte der Dicke auf die hässliche, fette Patrone mit dem Loch statt einer Spitze. Er schwitze nun noch mehr. Die beiden Muskelmänner vom Nebentisch hatten sich erhoben, als Franco an der Bar sein Taschenbuch mit einem Knall auf den Boden fallen ließ. Die Köpfe der beiden und des Dicken flogen zu ihm herum. Weiterlesen