Kategorie: Peter Jensen

Peter Jensen über Mann-Frau-Gespräche, Sex und dem Herz auf der Zunge

Eine Fragestellung aus meiner Praxis:

[avatar user=“PeterJensen“ size=“thumbnail“ align=“right“ link=“http://derblaueritter.de/peter-jensen/“]Dr. Peter Jensen[/avatar]

Ich trage, wie man so schön sagt, mein Herz auf der Zunge. Kürzlich habe ich einen Mann kennengelernt. Wir verstehen uns sehr gut; allerdings meint er, derzeit nicht bereit für eine Beziehung zu sein. Aber: den Sex mit mir möchte er nicht missen. Zudem betont er, wie sehr er meine Offenheit schätzt.
Nun zu meiner Frage: mache ich mich uninteressant bei ihm, wenn ich alles von mir preisgebe? Es fällt mir wirklich schwer, mein Seelenleben für mich zu behalten, das bin einfach nicht ich. Aber ich möchte es mir mit ihm auch nicht verscherzen. Er wäre genau mein Typ und so langsam kommen nicht nur lüsterne sondern auch tiefere Gefühle hinzu. Wie verhalte ich mich, wenn ich doch mehr als nur eine Bettgeschichte von ihm möchte?

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Zu dieser Thematik möchte ich zweierlei Antworten geben: Zunächst die geschätzte Offenheit. Wenn dieser Ausspruch in geschildertem Kontext fällt, dann heißt dies in der Übersetzung Mann-Frau // Frau-Mann:

Ich finde es wunderbar, dass wir Sex haben, ohne mich ernsthaft und verbindlich mit Dir auseinandersetzen zu müssen.

Wenn Sie also mehr als eine Bettgeschichte mit diesem Männlein haben möchten, wäre jetzt der ideale Zeitpunkt die Beine in die Hand zu nehmen und das Weite zu suchen. Das mit einer Beziehung über die Bettkante hinaus wird nichts. Wenn sie daran festhalten, werden Sie vielleicht noch einige schöne Schäferstündchen haben, aber auch ein Herz mit offener Wunde.

Männer sind in der Regel eher deutlich in ihrer Kommunikation. Wenn sie sich äußern. Hören Sie also, dass eine Beziehung kein Thema ist, Sex aber schon, dann bedeutet es das: eine Beziehung kein Thema ist, Sex aber schon.
Hören Sie auf, Dinge da hinein zu interpretieren, die nicht vorhanden sind! Das ist eine sehr dumme und für beide Seiten unangenehme Angewohnheit von Frauen.

Foto: nicholasrobb1989 / pixabay
Foto: nicholasrobb1989 / pixabay

Wenn Sie nun den Mund halten und eine Bettgeschichtenbeziehung pflegen, die sie eigentlich so nicht haben wollen, dann machen Sie es dem Manne sehr einfach. Denn alles was er im Moment haben möchte ist eine Frau, die im Bett mit ihm Geschichten schreibt und ansonsten den Mund hält. Zumindest solange, wie dieser fürs Reden gebraucht wird, wenn es um andere orale Praktiken geht wird mehr Interesse vorhanden sein, so könnte ich mir vorstellen. Aber das ist ein anderes Thema.

Generell möchte ich noch anführen, dass ein Herz auf der Zunge oft sehr angenehm ist; geradezu erfrischend bei der ganzen Taktiererei im Beziehungswahn. Es überfordert allerdings auch schnell, wenn Sie an den falschen Partner geraten. Denn der Umgang damit, nämlich zu filtern, ist nicht ganz so einfach, wenn dabei Emotionen im Spiel sind. Bei der Partnerwahl ist der Blick auf die Filtertechnik des Wunsch-Lebensgefährten also ganz sinnvoll.

Nachdenken über meine Beziehung • Ein paar Anregungen

"Junges Paar" von Günter Glombitza - 1970
„Junges Paar“ von Günter Glombitza – 1970

Welcher Einfall Ihrer Frau verdient das Prädikat >>echt genial<<?

Wie ist es Ihrer Frau immer wieder gelungen, Sie für Neues zu begeistern?

Mit was zaubert Ihnen Ihre Frau das feinste Lächeln auf Ihr Gesicht?

Was erleben Sie im Moment als sehr befriedigend in Ihrer Beziehung?

Was drückt Ihr Miteinander am besten aus?

Was sind die wichtigen Grundlagen Ihrer Partnerschaft?

In welchen Bereichen ergänzen Sie sich gut?

Wohin möchten Sie Ihre Beziehung gemeinsam entwickeln?

Womit können Sie Ihre Frau wirklich verwöhnen?

Wie machen Sie Zärtlichkeit alltagstauglich, so dass sie als solche wahr genommen wird?

Welches kleine Dankeschön verdient Ihre Frau für die bleibende Unterstützung im Alltag?

Auf welche ganz und gar eigene Leistung Ihrer Frau sind Sie besonders stolz? Haben Sie Ihr das auch schon gesagt?

Welche kleine Alltagsgeste Ihrer Liebe ist für Sie (beide) unverzichtbar?

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Was meinen Sie, wie Ihre Partner bzw. Ihre Partnerin reagiert, wenn sie gemeinsam über die Antworten sprechen?!

Dr. Peter Jensen: Darf ich bei der ganzen Scheiße die hier passiert, glücklich sein?

Jule hat mir geschrieben: In meinem Leben läuft alles rund. Ich, 23 Jahre jung, habe eine tolle Familie, sehr gute Freundinnen und Freunde auf die ich immer zählen kann und seit einem Jahr bin ich in einer glücklichen Beziehung. Im Sommer habe ich meine Lehre abgeschlossen und habe einen festen Job. Ich bin glücklich und zufrieden mit meinem Leben, habe alles was ich brauche und freue mich darüber; jeden Tag. Für die Zukunft habe ich tolle Ziele und viele Träume das gibt mir jeden Tag kraft und macht mich zufrieden, auch an Tagen an denen es nicht rund läuft (Job, Freunde, Stress etc.)! Sie sehen, ich schwärme geradezu von meinem Leben; was nicht nur daran liegt, dass ich ein Gefühlsdusel bin.
Jetzt zu meiner Frage: „Darf“ man überhaupt so glücklich sein? Es gibt auf der Welt so viele furchtbare und ungerechte Ereignisse, dass ich manchmal denke: Es ist angesichts des Grauens unangemessen und ungerecht, das ausgerechnet ich so glücklich bin und dies auch zeige.

Dr-Peter-JensenNun ja, das ist eine Frage, die sich ohne großen Aufwand mit ironischem Unterton beantworten lässt; insbesondere in Deutschland: Es ist in der Tat unangemessen, Sie leben in einem Land, in dem es en vogue ist, alles auf die gleiche Messlatte zu legen. Was bedeutet: wenn Sie ernst genommen werden wollen, müssen Sie im Gleichschritt gehen. Auch wenn heute so getan wird, als ob diese Zeiten lang vorbei sind; es ist eine „akzeptierte“ Lüge. Schauen Sie sich einfach mal die Diskussion um das „bedingungslose Grundeinkommen“ an. Aber das führt jetzt zu weit.

Mal im Ernst:
Es ist nicht nur Ihr gutes Recht, trotz allem was wir uns auf dieser Welt antun, glücklich zu sein. Es ist sogar Ihre „heilige Pflicht“! Sie leben in einem der sicheren und reichen Land. Sie haben die besten Startbedingungen für ein erfülltes und zufriedenes Leben. Und sind es dann meistens doch nicht. Weil wir als Mensch immer mehr wollen. Von allem. Wir sehen und begreifen nicht, was wir eigentlich (an uns) haben. Das empfinde ich als viel schlimmer an, als wenn wir trotz stürmischer Zeiten glücklich sind. Unsere ewige Unzufriedenheit ist eine wahrhaftige Ohrfeige ins Gesicht aller Flüchtlinge dieser Erde und jedes hungernden oder unterdrückten Menschen wo auch immer.

Wenn wir nicht begreifen, dass wir die Welt zu einer besseren machen, wenn wir unserer eigenen privilegierten Ausgangslage bewusst werden und aufhören, uns über Kleinkram zu grämen und ständig mehr wollen, anstatt das Vorhandene zu lieben und zu schätzen, dann haben wir den Sinn des Lebens nicht begriffen. Wir tragen Verantwortung dafür, dass wir es gut haben. Das heißt nicht, dass wir Schuldgefühle dafür hegen sollen, im Gegenteil. Aber es heißt, dass wir das beste daraus machen müssen und dafür sorgen, dass wir im Einklang mit uns selber und unseren Nächsten leben. Wenn Sie glücklich sind, liebe Jule, dann profitiert Ihr nächstes Umfeld direkt davon. Und davon wiederum das weitere Umfeld. “Nächstenliebe ist kein naives Konzept. Sie ist der erste Dominostein, der diese Welt zu einer besseren werden lässt.”

Genießen Sie Ihr Leben in vollen Zügen. Seien Sie so glücklich, wie Sie nur können. Und:teilen Sie dieses Gefühl mit möglichst vielen Menschen. Das ist Ihre Verpflichtung. Das ist Ihre Verantwortung.

Bringen Sie die Steine in Bewegung.

Ihr Peter Jensen

Dr. Peter Jensen • Ein Bekannter wird betrogen. Soll ich mich einmischen?

Ich weiß absolut sicher, dass ein Bekannter von mir betrogen wird. Soll ich es ihr sagen? Es ist kein enger Freund, aber man kennt sich halt. Das ist nicht das erste Mal, dass ich in dieser Situation bin. Damals habe ich geschwiegen. War das feige? Frank, 39

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Lieber Frank,

ich ein großer Verfechter der Wahrheit. Selbst dann, wenn sie wehtut. Und das tut sie halt leider oft, die liebe, gute Wahrheit.

Dr-Peter-Jensen
Dr. Peter Jensen

Hier ist das Ganze allerdings so eine Sache, weil komplizierter.  In der Liebe ist es eben selten ganz einfach. Und Sie schreiben ja selbst, dass es sich um einen Bekannten, und keinen engen Freund handelt. Das macht das Ganze noch schwieriger. Schließlich haben Sie KEINE Ahnung, was bei den beiden daheim der aktuelle Stand ist. Kann schon sein, dass der Mann das hintergangene Opfer und die Frau die “böse Fremdgeherin“ ist. Aber es gibt ebenso X andere Versionen, die ebenfalls zutreffen können.

Was, wenn die beiden eine offene Beziehung führen? Oder sich in einem Prozess befinden, in der sie herausfinden wollen, wohin die Beziehung weiter führen soll? Vielleicht weiß er ja auch davon und hat sich damit arrangiert. Ein Zustand, den ich übrigens sehr oft beobachte. Viele PartnerInnen ahnen, dass da nebenher noch was läuft, wollen es aber nicht allzu genau wissen oder wahrhaben. Häufig genug aus Angst vor Konsequenzen, wie dem Verlust der Komfortzone. Sie ist schließlich eine gute Mutter und treu sorgende Ehefrau, will man das wirklich alles aufgeben und der Sache auf den Grund gehen?

Zudem: aus der Geschichte wissen wir nur zu gut, dass der Überbringer von schlechten Nachrichten meistens gehängt wird. Und trotzdem gibt es Situationen, in denen man nicht die Klappe halten sollte. Da ich selber auch schon in dieser wirklich unangenehmen Lage war (nur hier war es  in der Konstellation umgekehrt), habe ich für mich selber eine goldene Regel geschaffen. Und die lautet so:

Wenn mir die Person so nahe steht, dass ich sie nach der Trennung, die aus dieser Nachricht ja resultieren könnte, für 2 Wochen bei mir wohnen lassen würde, dann sage ich ihr, was ich weiß. Wenn nicht, halte ich einfach mal meine Klappe und kehre weiter vor meiner eigenen Haustür.

Sie können diese Faustregel jetzt vielleicht unsinnig finden. Aber für mich funktioniert es. Denn nur so bin ich davor gefeit, mich in Dinge einzumischen, die mich ganz schlicht und ergreifend nichts angehen. Die Liebe hat so viele Gesichter und ich Maße mir nicht an zu urteilen, wie diese auszusehen haben. Und überdies schützt sie zuverlässig vor Aktionen, die nicht nur von reinem Altruismus geprägt sind. Denn nicht selten werden solche Beobachtungen von Schadenfreude begleitet. Und es wäre wirklich sträflich, wenn aus solch zwar menschlichen, und doch niederen Motiven, eine Beziehung gesprengt würde.

Ich hoffe sehr, dass meine Antwort Sie etwas aus der Bredouille holt. Und grüße Sie!

Ihr Peter Jensen

Dr. Peter Jensen: Wenn der Mensch-Köter sein Revier markiert

Vergangene Woche bin ich in einem etwas übervollen Einkaufszentrum von einem Mitmenschen ziemlich unsanft aus dem Weg geschoben worden. Ich war so erstaunt, dass ich darauf mit dem Mittelfinger reagiert habe. Wer von uns hat sich jetzt daneben benommen? – Michael, 35

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Lieber Michael,

je länger ich über Ihre Frage nachdenke, habe ich das Gefühl, sie seinen etwas auf den Hund zu kommen. Früher oder später lande ich bei einem Köter, der sein Revier mit dem Bepissen von Bäumen, Laternen, Autos, Hauswänden, Fahrrädern, Kinderwagen, Einkaufstaschen,… markiert.

Vielleicht ist der Zusammenhang für Sie nicht gleich ersichtlich, aber das Anrempeln im öffentlichen Raum ist in Tat und Wahrheit nichts anderes, als eine Ausweitung der eigenen Kampfzone, sprich des eigenen Territoriums.

Dr-Peter-JensenHunde tun dies vollkommen ungeniert und frei von jeglicher Scham ob dem eigenen „Egogewichse“. Menschen ebenso, wenn auch in etwas eleganterer Form. Da werden einem im Bus Rücksäcke um die Ohren gehauen, oder aber mit dem Designertäschchen freie Sitzplätze blockiert, als wäre die überteuerte Egoerweiterung in Leder ein eigenständiger, zahlender Fahrgast. (Entschuldigung, würden Sie vielleicht unter Umständen, wenn es Ihnen nichts ausmacht bitte Ihre Tasche vom Sitzplatz nehmen, damit ich mich hinsetzen kann, sie saublöde Schlampe mit den Kopfhörern in den Ohren, die vortäuschen sollen, dass sie mich nicht hören???) Wie auch immer es praktiziert wird, es geht eigentlich immer darum, den Raum um sich herum abzugrenzen gegen andere. Und obwohl uns hier in der Schweiz genügend Fläche zur Verfügung steht, sind wir immerfort damit beschäftigt, diese einzuzäunen und zu verteidigen. Sie dürfen dies gerne auch in einem größeren politischen Kontext verstehen, das ist sehr wohl auch meine Absicht.

Wenn man das große Glück hat, in einem Land voller Wohlstand aufzuwachsen und zu leben, dann kann es nämlich passieren, dass man plötzlich das Gefühl bekommt, man hätte diesen Ehrenplatz redlich verdient. Dass es großer Zufall ist, dass man in einem der reichen Länder das Licht der Welt erblickt hat und nicht die Arschkarte gezogen hat mit dem Land auf der anderen Seite der Statistik (nämlich Sierra Leone), blenden wir dabei großzügig aus. Anstatt zu teilen verstärken wir die Landesgrenzen und schotten uns und unseren Reichtum gegen Menschen mit weniger Dusel ab.

Die Verteidigung des eigenen Terrains findet demnach im Großen wie im Kleinen statt. Wobei ich damit nicht sagen möchte, dass Ihr Erlebnis geringfügig ist! Ich wurde selber einmal beim Einsteigen in den Zug von einem anderen Mann dermaßen grob zur Seite geschubst, dass ich nicht anders konnte, als eine Viertelstunde lang auf dem Bahnsteig stehen zu bleiben und die Abdrücke meiner Schuhsohlen stampfend im Beton zu verewigen. Der körperliche Angriff hatte mich so schockiert und in meiner persönlichen Integrität verletzt, dass ich leider nicht imstande war, den Mittelfinger zu mobilisieren. Wenn ich die Chance bekäme, die Zeit zurückzudrehen, dann würde ich dem Rüpel den Finger zeigen und gleichzeitig einen Tritt in Richtung des Gemächts verpassen. Weil dies leider nicht möglich sein wird, muss ich mich damit begnügen, etwas an Ihrer Reaktion zu partizipieren. In diesem Sinne danke ich Ihnen für die Genugtuungsbemühung und grüße Sie freundlich

Ihr Peter Jensen

Dr. Peter Jensen über glückliche & unglückliche Menschen

Lieber Peter Jensen. Was unterscheidet glückliche von unglücklichen Menschen? Jonas, 39

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Hallo Jonas!

Im Prinzip die An- oder Abwesenheit von Glück. Aber für das Dasein oder Fehlen dieses Zustands ist man selber verantwortlich. Das Glück fällt einem nur dann in den Schoss, wenn man die Beine etwas dafür spreizt.

Dr-Peter-JensenIch denke, dass glückliche Menschen in erster Linie über mehr Ressourcen in ihrem Leben verfügen, als es unglückliche tun. Und dabei verstehe ich unter ‘Ressourcen’ keinesfalls Geld oder andere Besitztümer im monetären Sinne, sondern vielmehr einen imaginären Rucksack voller positiver Eindrücke, Erinnerungen und Erfahrungen, auf die jederzeit zugegriffen werden kann. Für diese These würde auch sprechen, dass im Wohlstand lebende Menschen keinesfalls automatisch zufriedener sind, als solche die um ihre Existenz kämpfen müssen. Es scheint mehr die Gabe zu sein, sich an einem zaghaften Lächeln, dass einem im vollen Bus geschenkt wird, zu erfreuen.

Lebt man sein Leben in Achtsamkeit und ist man empfänglich für die kleinen Geschenke, die einem der Alltag macht, oder erwartet man Glück in einer vorgestanzten Form und mit einem gut leserlichen Preisschild versehen? Kann das Lieblingslied, dass im frühmorgendlichen Stau im Autoradio gespielt wird, ein Lächeln entlocken, oder regt man sich lieber darüber auf, dass die Songs davor und danach nicht in die persönliche Playliste passen?

Ich bin in meinem Therapie-Alltag immer wieder erstaunt, wie wenig Augenmerk auf persönliche Ressourcen gelegt wird. Viele Menschen wissen zwar haargenau, was ihnen gut tun würde, belassen es aber beim theoretischen Wissen, anstatt es sich zu gönnen. Andere haben schlicht keinen Zugang zu diesem oben erwähnten Rucksack, oder sind sich noch nicht einmal bewusst darüber, dass ein solcher existiert. Dabei beherrscht es praktisch jeder Mensch, sich ob der Erinnerung an einen ärgerlichen Moment in seinem Leben innert kürzester Zeit erneut zu erzürnen. Dass diese Methode auch in Richtung Glück und Freude funktioniert, realisieren aber wenige. Dabei sind es oft ganz kleine und unspektakuläre Dinge, die einem das Herz zu erwärmen vermögen. Die Kunst ist nur, diese zu erkennen und in mentaler oder buchstäblicher Griffnähe bei sich zu haben.

Für mich sind es genau in diesem Moment, in der ich Ihnen diese Antwort schreibe, der frisch gebrühte Kaffee aus der blassrosa Kapsel, den ich aus einem uralten handbemalten Tässchen, an welchem bereits die Farbe abblättert, trinke. Vermutlich würde der Kaffee aus einer unansehnlichen Kapsel und aus einem Plastikbecher nicht viel anders schmecken. Aber Glücksgefühle würde er mir keine entlocken.

Glückliche Menschen hadern auch mit ihrem Schicksal und fluchen auch über eine zu hohe Steuerrechnung. Aber sie haben den Trumpf vieler kleiner Daseinsfreuden und damit ein Werkzeug in der Hand, sich jederzeit in einen gewünschten Zustand zu versetzen. Sie erfreuen sich auch am Glück von anderen, anstatt grün vor Neid Gift und Galle zu spucken.

Mit herzlichem Gruß. Ihr Peter Jensen

Dr. Peter Jensen • Wir wünschen uns ein zweites Kind – bisher erfolglos

Hallo Herr Jensen! mein Mann und ich wünschen uns schon lange ein zweites Kind. es will einfach nicht klappen. meine Freundinnen sagen mir nun immer: es klappt nicht, weil ihr es euch zu sehr wünscht. meine Frage deshalb an sie: wie schafft man es, dass man sich etwas nicht mehr so wünscht? ist es wie mit dem Rauchen aufhören? ich wäre wirklich sehr dankbar für einen Rat.

Liebe Grüße. Alice, 35 trennlinie2

Liebe Alice,

mit dem lieben Nachwuchs ist es so eine Sache. Entweder kommt er unverhofft und unerwartet, oder aber er lässt einen vor der leeren Wiege schmoren.
Ihre Freundinnen mögen es ja gut meinen und darüber hinaus gar nicht so ganz unrecht haben, wenn Sie Ihnen sagen, dass Sie es sich einfach zu fest wünschen. Aber was bringt Ihnen dieser Rat? Es ist, als würde man Ihnen befehlen: “Du darfst auf gar keinen Fall an einen rosa Elefanten denken!” Es gelingt schlicht und ergreifend nicht.

Und es ist auch vollkommen ok, das sie daran denken. Schließlich führt Sie diese Stärke in anderen Bereichen genau dorthin, wo Sie wollen, nämlich zum Ziel. Sie können nichts dafür, dass es sich hier anders zu verhalten scheint.

Dr-Peter-JensenDie Analogie mit der Entwöhnung vom Rauchen ist nicht ganz falsch. Die meisten Bemühungen zielen darauf ab, es nicht mehr zu tun. Ich will jetzt nicht mehr rauchen! Aber auch das funktioniert in der Regel nicht, weil unser Hirn zwar extrem schlau, aber dennoch nicht fähig ist, Negationen zu verstehen. Und überhaupt! Stellen Sie sich einmal vor, wie ein verzweifelter Raucher aus der Wäsche guckt, wenn man ihm sagt, er solle doch einfach nicht mehr ans Rauchen denken und einfach damit aufhören…

Wie sehr Sie sich drum vornehmen, nicht mehr an das Baby zu denken, umso mehr denken Sie daran. Das ist nichts als logisch und funktioniert bei uns allen so. Das ist doppelt hinderlich, weil Sie damit genau das Gegenteil erzielen (also doppelt so oft an das Baby denken) und dabei vermutlich auch noch Schuldgefühle haben (weil Sie es einfach nicht schaffen, nicht an das Baby zu denken). Sie müssen selber zugeben, dass diese beiden Denkfallen recht viel Druck auf Sie und die ganze Situation ausüben.

Ich bin auch der Meinung, dass es nicht gerade förderlich ist, zwecks Vermehrung nach der inneren Eieruhr ins Bett zu steigen, aber das wissen Sie bestimmt selber und davon schreiben Sie ja auch nichts. Dennoch ist es äußerst schwierig, so einen starken Wunsch und Gedanken gänzlich beiseite zu schieben. Aber das müssen Sie auch gar nicht, keine Sorge.

Wenn Sie mit diesem Thema zu mir in die Praxis kommen würden, dann würde ich mit Ihnen gemeinsam versuchen herauszufinden, ob vielleicht noch etwas anderes, zusätzliches hinter dem Thema steht, als der nackte Kinderwunsch. Geht es vielleicht auch noch darum, dass man sich nur mit zwei Kindern als “richtige” Familie empfindet oder fühlt man sich dem vorhandenen Kind verpflichtet, weil man nicht möchte, dass es ein Einzelkind bleibt? Hinter jedem offensichtlichen Thema stecken meistens viele verborgene und es bringt schon sehr viel, wenn man diesen einmal etwas Raum gibt. Sobald hintergründige Aspekte ins Bewusstsein treten, kann man versuchen, für diese eine Lösung zu finden. Des Weiteren würde ich mit Ihnen nach einem Weg suchen, der Ihnen und Ihrem Mann etwas vom vorhandenen Druck wegnimmt. Es ist so unglaublich schwierig, sich von etwas weg zu bewegen, solange man nicht weiß, wohin man sich stattdessen bewegen könnte. Das “weg von” ist zwar ein starker Antrieb, reicht aber meistens nicht aus, solange kein attraktives “hin zu” vorhanden ist.

Überlegen Sie sich doch gemeinsam einmal, was es gibt, was Ihnen beiden grosse Freude macht. Geben Sie Ihrem Herzen und Ihrem Hirn neues Futter und locken Sie sie damit in eine andere Richtung. Das kann ein Tanzkurs sein, ein gemeinsames Projekt, oder was auch immer. Es geht dabei weniger darum, sich selber abzulenken (das funktioniert ja meistens eh nicht), sondern vielmehr darum, seine Aufmerksamkeit in eine neue Richtung zu lenken.

Vielleicht mag Ihnen dieser Rat nun allzu trivial erscheinen und die Wahrheit ist, er ist es auch! Aber oft sind es gerade die einfachen Sachen, die bestechend gut funktionieren. Man muss sich nur überwinden und ihnen eine Chance geben. Meistens sucht man viel zu weit und nach zu komplexen Antworten, weil man den naheliegenden nicht über den Weg traut. Aber ich bin der Meinung, dass man immer zuerst das simple ausprobieren sollte, bevor man es sich selber schwierig macht.

Kann gut sein, dass das gemeinsame Tango tanzen neue Leidenschaft für einander entfacht, die dem bestehenden Projekt in Schoss und Hände spielt. Und wenn nicht, haben Sie immerhin gemeinsame Zeit und Freude aneinander ver- und erlebt. Versuchen Sie so gut es geht, ziellos zu sein. Sobald Sie das gemeinsame Tanzen als Fruchtbarkeitsübung ansehen, können Sie es auch gleich wieder lassen.

Geben Sie allem Raum, was Leichtigkeit in die Liebe und die Beziehung bringt und wagen Sie gemeinsam Neues!

Mit ganz herzlichem Gruss! Ihr Peter Jensen

Dr. Peter Jensen • Der abgehauene Vater – suchen oder ziehen lassen?!

Eine Fragestellung aus meiner Praxis:
Ich war 2 Monate alt, als mein Vater abgehauen ist. Ich hatte nie das Gefühl, dass mir etwas fehlt im Leben. Trotzdem habe ich plötzlich das Bedürfnis, ich müsse ihn treffen bevor es zu spät ist. Wieso er uns sitzen liess, weiss ich nicht. Meine Mutter sprach nie von ihm. Mit 12 habe ich ihm geschrieben, dass ich ihn treffen will. Es hiess, er wolle mich nicht sehen, weil er eine andere Familie hat. Mit anderen Kindern. Er wohnt nur eine halbe Stunde entfernt. Ich habe extrem Anst vor einem Treffen. Zwar habe ich keine Erwartungen, er ist ja einfach ein fremder Mann. Was aber, wenn er ein kompletter Arsch ist? Soll ich mein Besuch ankündigen oder ihn einfach zu Hause überrumpeln? Θ Nora, 28

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Ich stelle mir Ihre Situation sehr gespalten vor. Auf der einen Seite gibt es einen Part, den Sie bis anhin nicht gekannt und kaum vermisst haben, auf der anderen Seite fehlt er eben trotzdem und lässt nicht los.

Das geht vermutlich jedem Menschen so, der in einer ähnlichen Situation aufgewachsen ist. Dass Ihre Mutter nicht über Ihren Vater sprechen mag, macht das Ganze natürlich nicht einfacher und ist im Grunde genommen auch nicht richtig. Sie trägt eine gewisse Mitverantwortung für Ihre Lage und es wäre wünschenswert, wenn sie Sie etwas unterstützen würde, indem sie sich Ihren Fragen stellt. Das heißt natürlich nicht, dass Ihre Mutter eine Verantwortung dafür trägt, dass Ihr Vater nach 2 Monaten abgehauen ist, aber zumindest dafür, dass Sie mit Ihnen darüber spricht. Vermutlich ist es für sie noch immer dermaßen schmerzhaft, dass Sie dazu nicht im Stande ist und darum sollten Sie ihr deswegen nicht böse sein.

Dr-Peter-JensenAber lassen Sie uns nun über Ihrem Vater sprechen. Sie haben ihm als 12jähriges Mädchen einen Brief geschrieben, welchen er nicht beantwortet hat. Das hat vermutlich verdammt viel Mut gekostet und darum kann ich mir nur zu gut vorstellen, wie groß Ihre Enttäuschung sein musste, dass er diesen Mut so gar nicht belohnt hat. Dafür kann es viele Gründe geben. Vielleicht war es Unfähigkeit oder Unwillen. Es gibt Männer und auch Frauen, die von einem Tag zum andern ihr altes Leben verlassen, um dann ein neues zu beginnen. Dieses möchten sie dann nicht mit dem vorhergehenden Dasein vermischen und denken nicht über die Konsequenzen für alle Beteiligten nach. So furchtbar egoistisch das auch klingt, ein absoluter Schnitt scheint gewissen Menschen in der gegebenen Situation die einzige für sie machbare Option.

Sein nicht-reagieren kann aber auch ein Resultat äußerer Einflüsse sein. Gut möglich, dass seine neue Frau damit nicht einverstanden ist, dass er zu Ihnen den Kontakt aufnimmt. Es ist ein verbreitetes Problem, dass Menschen eine ungeheure Eifersucht auf Ex-PartnerInnen entwickeln können und diese Angst scheint noch grösser zu sein, wenn ein Kind im Spiel ist. Es gibt so viele (auch unterschwellige) Gründe, die weder Sie noch ich kennen.

Ich verstehe Ihr Bedürfnis, ihn zu treffen sehr gut! Sie sind nun eine junge erwachsene Frau und wollen diesen blinden Fleck lösen, damit Sie endlich zur Ruhe kommen können. Und dazu rate ich Ihnen auch. Es kann gut sein, dass die Begegnung furchtbar unschön und schmerzhaft für Sie wird, ich persönliche kenne genau so eine Geschichte, die mit einer frustrierenden Begegnung am Hauptbahnhof geendet hat. Und trotzdem ist es besser, als sich den Rest des Lebens den Kopf darüber zu zerbrechen, was wäre wenn. Eine Verletzung, die man erfahren hat, kann heilen. Ein Phantomschmerz, der einen wegen Ungewissheit quält, verschwindet dagegen nie.

Sprechen Sie mit Ihrer Mutter darüber. Wenn möglich an einem neutralen Ort. Vielleicht ist sie bereit, den Kontakt zu Ihrem Vater aufzunehmen und zu vermitteln. Falls dies nicht möglich ist, schreiben Sie ihm einen Brief, in dem Sie Ihre Gefühle schildern. Erheben Sie keine Vorwürfe und versuchen Sie, so wenige Erwartungen wie möglich zu haben. Natürlich wäre es besser, wenn Sie ihn vor der eigentlichen Begegnung per Brief informieren, damit er sich vorbereiten kann. Falls das nicht möglich ist, weil seine Frau den Brief verschwinden lässt oder er von sich aus nicht darauf reagiert, müssen Sie sich auf seine Ablehnung gefasst machen. Dann wird er Sie kaum mit offenen Armen empfangen, wenn Sie plötzlich vor seiner Türe stehen.

Bereiten Sie sich auch auf dieses Szenario vor. Hier lohnt es sich durchaus, sich mit dem „worst case“ auseinanderzusetzen um dann nicht emotional zusammen zu brechen, falls er Sie vor der Türe stehen lässt. Bereiten Sie ein Notfallszenario vor. Bitten Sie eine Freundin Sie zu begleiten oder zumindest in sicherem Abstand zu bleiben. Sie sollten auf keinen Fall alleine sein, falls Ihr Vorhaben misslingt.

Und dennoch glaube ich, dass es für Sie gesünder ist, Ihren Vater eventuell von dieser Seite kennen zu lernen, als gar nicht. Mit einem Arschloch kann man besser umgehen, als mit einem Phantombild. Aber selbst wenn er der Begegnung aus dem Wege gehen sollte, muss das nicht automatisch bedeuten, dass das obengenannte Schimpfwort auf ihn zutrifft. Vermutlich wird Ihr Vater genau so viel Angst haben, wie Sie. Wenn nicht mehr. Und darüber hinaus noch durchtränkt sein von seinem schlechten Gewissen, Sie und Ihre Mutter im Stich gelassen zu haben. Männer kehren Angst oft in angebliche Stärke oder Kälte um, um sich selber zu schützen. Lassen Sie sich davon nicht blenden.

Ich wünsche Ihnen viel Kraft und Mut und grüße Sie herzlichst.

Peter Jensen

Wenn Sie auch eine Frage haben, senden Sie diese gern an redaktion@derblaueritter.de

So sind die Introvertierten – über den erfolgreichen Umgang mit einer unbeliebten Spezies

So sind die Introvertierten
•  Über den erfolgreichen Umgang mit einer unbeliebten Spezies • 

Edward Hopper - "Morning Sun" - 1952 - Öl auf Leinwand - Columbus Museum of Art, Ohio
Edward Hopper – „Morning Sun“ – 1952 – Öl auf Leinwand – Columbus Museum of Art, Ohio

Es gibt eine ganze Reihe von Eigenschaften, die introvertierten Menschen zugeschrieben werden. Die nachfolge Auswahl entstammt sowohl  Literaturquellen (inkl. Internetforen) als auch eigenen Erfahrungen (der Autor gehört zu eben solcher Spezies..).  Ein introvertierter Mensch nicht alle diese Eigenschaften aufweist. Wie bei allen anderen Menschen variieren diese und sind unterschiedlich ausgeprägt. Introvertiert zu sein hat übrigens nichts mit Schüchternheit zu tun.  Auch auf mich trifft nicht alles zu und bei mancher Eigenschaft bin ich froh, dass der Kelch an mir vorüber gegangen zu sein.

Einige dieser Merkmale lassen sich als Außenstehender erkennen, andere eher nicht. Viele Introvertierte werden versuchen, die als negativ empfundenen Eigenschaften zu unterdrücken, was mal mehr mal weniger funktioniert.
Zu bedenken gilt: neben Intro- und Extroversion weitere Persönlichkeitsmerkmale gibt, die das Verhalten eines Menschen beeinflussen.

Insofern ist die nachfolgende Liste nicht geeignet, um Menschen mit dem Stempel “introvertiert” zu versehen. Sie bietet allerdings Anhaltspunkte, um das Verhalten von Menschen – also auch von sich selbst – besser zu verstehen.

Da unsere Gesellschaft mit Introversion eher Nachteiliges verbindet, habe ist die Liste unterteilt in Eigenschaften, die für gewöhnlich positiv, neutral oder negativ einsortiert werden.

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Als eher positiv wahrgenommene Eigenschaften

  • Introvertierte sind die besseren Zuhörer. Sie mögen tief gehende Gespräche und diskutieren gerne[avatar user=“PeterJensen“ size=“medium“ align=“right“ link=“http://derblaueritter.de/peter-jensen/“]Dr. Peter Jensen – Heilpraktiker & Psychotherapeut[/avatar]die Probleme von anderen Menschen. Sie sind weniger darauf aus, selbst zu Wort zu kommen, sondern hören einfach zu.
  • Introvertierte sind aufmerksame Beobachter. Sie bemerken oft Dinge um sie herum oder Stimmungen, die anderen entgehen. Sie entdecken auch eher Fehler.
  • Introvertierte sind sehr gewissenhaft und verantwortungsbewusst. Ihnen ist wichtig, eine Aufgabe korrekt zu erledigen und Fehler zu vermeiden.
  • Introvertierte sind zuverlässig. Wenn sie etwas ankündigen oder versprechen, dann machen sie es meist auch.
  • Introvertierte sind pünktlich. Es ist ihnen unangenehm, wenn andere Menschen auf sie warten müssen.
  • Introvertierte bringen andere Menschen nicht in unangenehme Situationen. Wenn es sich doch nicht vermeiden lässt, leiden sie unter Schuldgefühlen.
  • Introvertierte lesen viel. Sie verbringen viel Zeit mit Büchern, denn Lesen ist für sie eine gute Möglichkeit, um Energie zu tanken und persönlich zu wachsen.
  • Introvertierte sind sehr kenntnisreich. Vor allem in der Tiefe sind sie gut informiert. Wenn sie sich für ein Thema interessieren, saugen sie das verfügbare Wissen förmlich auf.
  • Introvertierte sind sehr reflektiert. Über neue Erlebnisse und neues Wissen denken sie lange nach, um es zu verarbeiten. Entsprechend durchdacht sind ihre Antworten auf Fragestellungen (wenn man ihnen Zeit gibt).
  • Introvertierte hinterfragen vieles. Anstatt Informationen einfach hinzunehmen, hinterfragen sie oft die Bedeutung. Das trifft auch auf ganz einfache Alltagssituationen zu.
  • Introvertierte sind sehr mitfühlend. Die Stimmung anderer Leute kann sie berühren und in der eigenen Stimmungslage beeinflussen.
  • Introvertierte sind verständnisvoll. Sie hören besser zu, sind mitfühlend und reflektieren viel. All dies hilft, sich in ihre Mitmenschen besser hineinzuversetzen.
  • Introvertierte werden oft um Rat gefragt. Durch ihr bedachtes Auftreten und ihr tiefes Wissen, werden sie oft von anderen Menschen konsultiert. Introvertierte sind besonders häufig in beratenden Berufen tätig.
  • Introvertierte sind bescheiden. Sie stehen nicht gern im Mittelpunkt und neigen somit auch nicht zu Übertreibungen.
  • Introvertierte denken, bevor sie sprechen. Sie reden wenig, spät und langsam, weil sie nicht sprechen (können), ohne nachgedacht zu haben.
  • Introvertierte sind glaubwürdig. Durch Zuverlässigkeit, Bescheidenheit und bedachtes Sprechen werden sie oft für glaubwürdiger gehalten.
  • Introvertierte sind kreativ. Unter Beobachtung können sie diese Stärke nicht ausspielen, aber wenn sie allein sind mit ihren Gedanken, können Introvertierte äußerst kreativ sein. Viele Künstler sind introvertiert.
  • Introvertierte sind vorausschauend. Sie neigen dazu, nicht nur die positive Seite zu sehen, sondern erkennen schon frühzeitig mögliche Probleme. Dadurch wirken sie oft pessimistisch.
  • Introvertierte können gut planen. Sie versuchen, zu viele Überraschungen in ihrem Leben zu vermeiden. Das funktioniert am besten mit viel Planung.
  • Introvertierte sind gut vorbereitet. Wann immer sie sich jemandem oder einer Gruppe von Menschen präsentieren müssen, sind sie äußerst gut vorbereitet. Ein Vortrag wird beispielsweise bis zur Erschöpfung durchgesprochen, Informationen werden verinnerlicht.
  • Introvertierte sind ordentlich. Sie mögen kein unübersichtliches Chaos. Sie funktionieren besser, wenn ihr Umfeld überschaubar bleibt.
  • Introvertierte wollen wachsen. Sie haben einen besonders starken Drang nach persönlichem Wachstum. Dieses erreichen sie vor allem durch Lesen und Reflexion – aber auch durch neue Erlebnisse in einem für sie erträglichen Umfang.
  • Introvertierte gehen vom Guten im Menschen aus. Das heißt nicht, dass sie anderen Menschen früh vertrauen, aber sie gehen eher davon aus, dass andere Menschen gute Absichten verfolgen.
  • Introvertierte sind gute Führungskräfte. Sie können Teams von proaktiven Mitarbeitern besser führen als Extrovertierte.
  • Introvertierten sind selten gelangweilt. Auch wenn es so aussieht, als würden sie nichts tun, fühlen sie sich wohl in ihren eigenen Gedanken. Introvertierte können sich gut mit sich selbst beschäftigen.
  • Introvertierte sind geduldig und ausdauernd. Sie widmen sich Problemstellungen deutlich länger als ihre Mitmenschen und kommen so oft zu innovativen Lösungen.
  • Introvertierte sind vorsichtig. Sie gehen weniger Risiken ein, die sie nicht einschätzen können.
  • Introvertierte sind unabhängig. Sie machen ihre Gefühle weniger abhängig von anderen Menschen und können eine zeitlang allein sein. Auch beruflich sind sie ungern von anderen Menschen abhängig.
  • Introvertierte sind offen für Ideen. Sie hören bei Vorschlägen ihrer Mitmenschen besser zu und diskutieren gern neue Ideen und Lösungsvorschläge.
  • Introvertierte können sich tief konzentrieren. Wenn sie an einer Problemstellung arbeiten, können sie sich in ihr vertiefen.
  • Introvertierte sind sehr genau. Sie machen keine halben Sachen, sondern möchten das bestmögliche Ergebnis abliefern. Sie neigen zum Perfektionismus.
  • Introvertierte strahlen Ruhe aus. In turbulenten Zeiten werden sie weniger hektisch und treffen weiterhin bedachte Entscheidungen.
  • Introvertierte sind weniger materialistisch. Sie wenden sich eher ihrem Innenleben zu als externen Dingen. Daher sind ihnen Statussymbole weniger wichtig.

Als neutral gewertete Eigenschaften

  • Introvertierte sind ruhig. Was in turbulenten Zeiten Sicherheit gibt, löst in anderen Situationen weniger Begeisterung aus.
  • Introvertierte sind nachdenklich. Sie denken über neue Einflüsse von außen intensiv nach – bleiben aber hin und wieder in ihren Gedanken gefangen.
  • Introvertierte sind Tagträumer. Sie erleben die Welt nicht so intensiv wie Extrovertierte, sondern richten sich an die innere Welt der Gedanken.
  • Introvertierte haben wenige Freunde. Ihr soziales Umfeld ist wesentlich kleiner als das von Extrovertierten. Allerdings legen sie großen Wert auf enge Freundschaften. Qualität geht vor Quantität.
  • Introvertierte sind ernsthaft. Sie nehmen das Leben oft nicht so leicht wie Extrovertierte, sondern versuchen, den Sinn zu ergründen und zu interpretieren. Sie sehen bei jeder Situation die Probleme schon frühzeitig.
  • Introvertierte sind sensibel. Schon laut Definition sind sie sensibler für Stimulation und können eher überwältigt werden als Extrovertierte.
  • Introvertierte sind gern allein. Sie sind auch gern unter (wenigen) Menschen. Aber sie brauchen beides und genießen ihre Zeit für sich.
  • Introvertierte sind gern in der Natur. Die natürliche Umgebung wirkt beruhigend und weniger stimulierend als der moderne Alltag.
  • Introvertierte gehen nicht gern Shoppen. Einkaufen ist anstrengend durch viel Stimulation und viele Menschen.
  • Introvertierte entscheiden sich eher dazu, Single zu sein. Sie fühlen sich ohne Partner weniger einsam als Extrovertierte und verzichten aus verschiedenen Gründen bewusst auf eine Partnerschaft. Das heißt jedoch nicht, dass sie ihnen nicht gut tun würde.
  • Introvertierte reden wenig. Oft reden sie wesentlich weniger als ihre Gesprächspartner und konzentrieren sich auf das Zuhören und kurze – aber durchdachte – Antworten. Nur bei Themen, in denen sie sich sehr gut auskennen, reden auch Introvertierte viel.
  • Introvertierte arbeiten gern ohne Unterbrechung. Da sie mit ihren Gedanken arbeiten, werden sie ungern unterbrochen. Im modernen Büroalltag ist das jedoch keine Selbstverständlichkeit und kann negativ wahrgenommen werden.
  • Introvertierte stehen nicht gern im Mittelpunkt. Das heißt, dass sie stets versuchen, der Aufmerksamkeit durch andere auszuweichen. Eine öffentliche Anerkennung vor vielen Menschen mag also nicht in ihrem Sinne sein.
  • Introvertierte bzw. hoch sensible Menschen reagieren oft stärker auf Koffeein.
  • Introvertierte sind sehr empfänglich für Kunst und Musik. Sie können z.B. längere Zeit in Museen verbringen.
  • Introvertierte wirken mysteriös. Da sie sich ihrem Umfeld nur wenig mitteilen, wirken viele Introvertierte auf andere Menschen geheimnisvoll. Dabei haben Introvertierte nicht mehr zu verstecken als Extrovertierte.
  • Introvertierte ziehen sich gern zurück. Wenn sie zu viel Stimulation erfahren, ziehen sich Introvertierte gern in einen abgeschirmten Bereich zurück, um ihre Akkus wieder aufzuladen.
  • Introvertierte neigen zu Schuldgefühlen. Wenn sie das Gefühl haben, einem anderen Menschen Umstände zu bereiten oder ihn falsch behandelt zu haben, leiden sie schnell unter einem schlechten Gewissen.
  • Introvertierte können sehr direkt sein. Sie reden zwar nicht viel, können sich aber sehr direkt ausdrücken. Unter Umständen mag es so wirken, als fehle ihnen das nötige Taktgefühl.
  • Introvertierte sind weniger euphorisch. Ihr Belohnungssystem ist nicht so aktiv wie das von Extrovertierten, daher verspüren sie weniger Euphorie.

Als eher negativ empfundene Eigenschaften

  • Introvertierte sind gehemmt. In vielen Situationen fühlen sie sich nicht frei und locker, z.B. in Gruppen oder wenn sie sich öffnen sollen.
  • Introvertierte fühlen sich unwohl in großen Gruppen. “Je mehr Leute desto besser” könnte aus Sicht eines Introvertierten nicht falscher sein. Sie fühlen sich am wohlsten in kleinen Runden.
  • Introvertierte können schnell überstimuliert werden. In einer rasanten Welt sind Introvertierte erschöpft und überfordert, wenn sie gegen ihre Natur leben.
  • Introvertierte brauchen mehr Pausen, um das hohe Stimulationslevel in der extrovertierten Welt zu vertragen.
  • Introvertierte reden langsamer, denn sie denken bevor sie sprechen.
  • Introvertierte reden nicht gern vor anderen Menschen. Insbesondere spontane Reden sind für sie eine Horrorvorstellung (für viele andere Menschen aber auch).
  • Introvertierte reden eher leise.
  • Introvertierte drücken sich lieber schriftlich aus. Sie mögen keine Telefone, dafür E-Mail umso mehr.
  • Introvertierte sind bei einem hitzigen Streit den meisten Extrovertierten unterlegen, da zu schnell geredet wird.
  • Introvertierte tun sich schwer damit, Menschen mit Stories zu unterhalten.
  • Introvertierte mögen keinen Small Talk. Sie können es von Natur aus auch nicht besonders gut.
  • Introvertierte zögern oft bevor sie sprechen.
  • Introvertierte neigen dazu, über einige Dinge zu viel nachzudenken.
  • Introvertierte fühlen sich unwohl auf Parties.
  • Introvertierte feiern selbst in kleinem Rahmen (wenn überhaupt). Sie verbringen lieber Zeit mit 2-3 engen Freunden.
  • Introvertierte meiden Augenkontakt – vor allem beim Sprechen.
  • Introvertierte sind etwas langsamer bei der Erfüllung von einfachen Aufgaben oder bei der Entscheidungsfindung. Informationen werden ausführlicher verarbeitet und das dauert.
  • Introvertierte sind nicht besonders spontan. Sie beobachten lieber erst andere, bevor sie selbst aktiv werden.
  • Introvertierte sind schmerzempfindlicher (sensibler).
  • Introvertierte können sich nur schwer öffnen und erzählen nur wenig über sich selbst.
  • Introvertierte sind für andere Menschen sehr schwer zu lesen.
  • Introvertierte fühlen sich unwohl, wenn sie auf neue Leute treffen oder gar auf sie zugehen.
  • Introvertierte fühlen sich oft unterlegen, wenn sie auf Menschen mit mehr Erfahrung treffen.
  • Introvertierte werden unruhig, wenn sie zu viele Dinge auf einmal erledigen sollen.
  • Introvertierte werden nervös unter Beobachtung. Sie können ihre Leistung nicht abrufen, wenn sie sich beobachtet fühlen.
  • Introvertierte mögen keine gewalttätigen Filme.
  • Introvertierte verlieben sich schneller und heftiger.
  • Introvertierte haben ein geringeres Selbstbewusstsein. Das ist jedoch nur eine indirekte Eigenschaft, die durch die negative Einstellung der Gesellschaft zur Introversion hervorgerufen wird.
  • Introvertierte lächeln weniger. Sie sind nach innen gerichtet und laden die Außenwelt daher mit ihrem Gesichtsausdruck nicht zu Reaktionen ein. Das geschieht unbewusst und heißt nicht, dass sie weniger glücklich sind.
  • Introvertierte gehen nicht aus sich heraus, weil sie in einigen Situationen gehemmt sind und grundsätzlich weniger Euphorie verspüren.

Wertende Klischees in der Wahrnehmung

  • Introvertierte wirken unsozial, weil sie gern Zeit allein verbringen, anstatt unter Leute zu gehen.
  • Introvertierte wirken schüchtern, weil sie Augenkontakt meiden und ungern auf andere Menschen zugehen.
  • Introvertierte wirken passiv, weil sie etwas langsamer sind und vor allem wenig und erst spät reden.
  • Introvertierte wirken faul, weil sie langsamer sind, mehr Pausen benötigen und wenige Aufgaben gleichzeitig übernehmen können.
  • Introvertierte wirken langweilig, weil sie wenig reden und nicht so stark erlebnisorientiert sind.
  • Introvertierte wirken seltsam, weil man wenig über sie weiß.
  • Introvertierte wirken unglücklicher, weil sie weniger lächeln und weniger euphorisch sind.
  • Introvertierte wirken distanziert, weil sie wenig von sich preisgeben und gern Zeit allein verbringen.
  • Introvertierte wirken humorlos. Sie sind ernsthafter, gehen wenig aus sich heraus und bevorzugen etwas subtileren Humor. Das kann sie in einer Runde mit Extrovertierten humorlos erscheinen lassen.

  –  Fazit  –  

Egal, wie die Eigenschaften von Introvertierten im Einzelnen wahrgenommen werden. Sie ergänzen die Mängel der Extravertierten. Nüchtern betrachten wären Extravertierte ohne ihren Gegenpart nichts, denn es ist zu viel heiße Luft dabei und andersherum würde sehr viel Know how und Wissen verloren gehen, weil es Introvertierte nicht für erwähnenswert halten. Daher wäre es wünschenswert, wenn sich beide Pole mit mehr Respekt, Aufmerksamkeit und einer gewissen Dankbarkeit begegnen würden.