Kategorie: Cat`s Kolumnen

Cats Medienkommentar: Medienbranche – geschlossene Gesellschaft?

Der Einstieg in die Medienbranche ist oft langwierig

Wer „nichts mit Zahlen“ machen möchte, sucht sich gern „irgendwas mit Medien“. Doch auch die Medienbranche darf man als Berufsziel nicht unterschätzen. Besonders Berufseinsteiger, Eltern und Menschen mit anderweitiger Ortsbindung müssen oft mit Zähnen und Klauen um feste und adäquat bezahlte Stellen kämpfen. Ein Kommentar von der Bewerbungsfront.

Während meines Studiums hatte ich auf die Frage, wie ich mir meine berufliche Zukunft vorstelle, immer eine Antwort: „Einen guten Master-Abschluss machen, Volontariat und dann einen festen Job suchen. Was denn sonst?“ Familie? Sicher hatte ich das irgendwo im Hinterkopf. Aber eben erst, wenn die eigene Existenz und ein fester Wohnort durch eine unbefristete Stelle gesichert sind. Oder: „Kinder ohne gesichertes Einkommen, das ist doch unvernünftig.“ Diese „O-Töne“, die fast schon wie mein eigenes Mantra waren, betrachte ich heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Denn: Leben läuft nicht immer nach Plan und mancher Weg ist aus der Nähe betrachtet steiniger, als es die Landkarte verrät.

Nach dem Abschluss: Auf in den Kampf!

Nach dem Abschluss kommt die Euphorie, doch sie bleibt nicht immer lange

Nach einem erfolgreichen Bildungsabschluss herrscht erst einmal Euphorie. Ich meine dieses „Wonderwoman- Gefühl“, wenn man sein Zertifikat mit Auszeichnung in der Hand hält und fest daran glaubt, die Arbeitswelt zu erobern. Endlich raus aus der Uni und der finanziellen Abhängigkeit von den Eltern (oder der Bafög-Stelle) und rein ins „echte“ Leben. Teilhaben, mitmischen, Kontakte knüpfen, hinzulernen, aufsteigen. Ich wusste immer, dass es nicht leicht wird, die ersten Türen zur Wunschbranche zu öffnen. Mit einer Bewerbungszeit von zehn Monaten (überbrückt unter anderem mit Sprachtraining und Nachhilfejobs) hätte ich aber nicht gerechnet. Aber immerhin – im Bewerben bekommt man Routine. Es wird schneller als erwartet zu einem „zweiten Job“ und die Frustrationstoleranz steigt mit jeder Standardabsage. Umso größer dann die Freude, wenn der erste „echte“ Arbeitsvertrag unterschrieben ist – selbst wenn dieser nur ein Ausbildungsgehalt und eine automatische Befristung von zwei Jahren vorsieht. Branchenstandard eben – Erfolg fällt schließlich niemandem in den Schoß. Wer es in der Medienbranche schafft, einen Fuß in die Tür zu bekommen, hat schon einen entscheidenden Schritt geschafft. Zumindest glaubte ich fest daran.

Aller Anfang ist schwer

Jobs mit Ablaufdatum: eine gängige Praxis nicht nur in der Medienbranche

Ich möchte hier gar nicht klagen. Denn wer kein Fünf-Sterne-Menü erwartet, ist auch nicht enttäuscht, wenn er oder sie Hähnchen mit Pommes vom Imbiss nebenan bekommt. Mit gedrosselter Erwartungshaltung und einigen Kompromissen, was die Traumkarriere und die eigene Ortsfgebundenheit angeht, ist das Volontariat eine gute Zeit, um zu lernen, die eigenen Fähigkeiten anzuwenden und auszubauen und dem Hasen so hinterherzuhechten, wie er eben gerade läuft. Manchmal eine Schocktherapie und ein Sprung ins kalte Wasser – doch das schockt mich nicht mehr. Nichts ist ehrlicher und aufschlussreicher als „Reality-Bitch“, die Lehrerin des echten Lebens jenseits aller blumigen Floskeln und vorgefertigter Erwartungen. Ja, tatsächlich fand ich wirklich gefallen an diesem neuen, unverblümten Joballtag mit einer Menge skurriler Momente, aber auch einer Menge „Team-Spirit“ und spontaner Anlässe, laut loszulachen. Heute blicke ich schmunzelnd auf diese zwei Jahre zurück. Vermutlich wäre ich bei einem adäquaten Übernahmeangebot sogar geblieben – doch dann kam mein Kind. Und mein Vertrag endete, rechtmäßig einwandfrei natürlich, pünktlich zum Mutterschutz. So pünktlich, dass mich Kollegen schon fragten, ob ich das so geplant hätte …

Jobsuche mit Hindernissen

Auch das AGG begünstigt Standardabsagen, die Bewerber kaum weiterbringen

Seit Ende des Mutterschutzes und dem Beginn der Elternteilzeit für meinen Mann spiele ich nun also wieder „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Zumindest kommt es mir beizeiten so vor. Verlockende Stellenanzeigen, die wie in einem ewigen Zyklus immer wieder auf den Jobportalen erscheinen. Recherche über die inserierenden Firmen. Anschreiben erstellen, Unterlagen zusammenstellen, anpassen, als PDF-Datei an die potenziellen Brötchengeber senden. Abhaken, in eine Liste eintragen, und das Ganze wieder von vorn. Vermutlich erkennen sich hier so einige Leserinnen und Leser wieder. Es fühlt sich so an, als kämpfe man gegen die sprichwörtlichen Windmühlen. Oder als versuche man, einen Schatten zu greifen. Kurz: Jobsuche in der Medienbranche ohne nennenswertes “Vitamin B“ nervt. Neben Standardabsagen, für die ich per se grundsätzlich Verständnis habe (AGG und überbordende Bewerberzahlen lassen grüßen), liegen einem als familien-und ortsgebundene Person allerdings noch ein paar mehr Steine im Weg. Stichwort „sachgrundlose Befristung“: So lohnend mancher Job an einem entfernten Standort auf dem ersten Blick erscheint – gerade Eltern, Hausbesitzer oder Bewerber mit pflegebedürftigen Angehörigen und anderen Verpflichtungen müssen da oft leider passen. Jetzt einmal ernsthaft: Ein Umzug mit Kind(ern), Partner, Tieren und überhaupt einem ganzen Haushalt macht sich nicht von selbst. Man darf sich als Bewerber da durchaus fragen: Lohnt sich der ganze Aufwand mit einem Wohnortwechsel oder zwei Wohnsitzen überhaupt, wenn die Stelle sowieso „zunächst auf zwölf Monate befristet“ ist? Von der Notwendigkeit, sich schon am besten vor der Zeugung eines Kindes in die Wartelisten diverser Kindertagesstätten einzutragen, fange ich hier am besten gar nicht erst an. Das eskaliert und sprengt den Rahmen. Ich kann hier natürlich nur für „meine“ Branche, die Medienbranche sprechen. Aber manchmal komme ich mir vor wie eine Fremde, die hungrig bei einem Lokal ankommt und nur das Schild „Geschlossene Gesellschaft“ statt einer Speisekarte zu lesen bekommt. Eine Gesellschaft, zu der offenbar nur Kinderlose, Bonusmeilensammler, Singles und Kosmopoliten Zutritt haben – oder, in einem Wort, “Ungebundene“.

Ein Paradies für Workaholics und Jobnomaden?

Grenzenlos flexibel und immer auf Achse – auf den ersten Blick der ideale Bewerber

Es scheint so, als sei Beständigkeit einfach out und „sowas von gestern“. Wenn es nach den üblichen Stellenanzeigen geht, wird auch Einarbeitung schlicht überbewertet. Oftmals soll ein Redakteur am besten alles selbst und im Alleingang machen (können) – von der Keyword-Analysis für den Onlineauftritt über die komplette Realisierung mehrerer Printprodukte bis hin zum Responsive-Website-Content Management und der Social-Media-Etatplanung. Innerhalb der normalen 40-Stunden-Arbeitswoche, versteht sich. Oder in Teilzeit. Und wenn nicht? Dann läuft der Vertrag ja sowieso bald aus, ein Ende (in Kameradschaft oder mit Schrecken) ist also abzusehen. Da innerhalb eines Beschäftigungsverhältnisses auf Zeit noch eine lange Probezeit gilt, ist es kein Problem, unliebsame oder quer denkende Kollegen schnell und dezent wieder loszuwerden. Ein Paradies für erklärte Workaholics und Jobnomaden – eher eine Zitterpartie für diejenigen, die „einfach mal etwas Festes“ suchen und denen durch die gängigen Flexibilitätsanforderungen („Sie können doch für ein halbes Jahr im Ausland arbeiten, oder?“) der Boden unter den Füßen weggezogen wird.

Panikmache ist fehl am Platz

„Sie haben den Job!“ – ein magischer Satz für jeden Bewerber

Dann ist da noch die Sache mit der „mehrjährigen Berufserfahrung“ – oft sogar für Einstiegsjobs gefordert. Hier kommt es oftmals auf die Kulanz des Stellengebers an. Gilt eine Journalistenausbildung schon als Berufserfahrung – oder bestenfalls als Einstiegsqualifizierung? Nicht ganz zu Unrecht möchte ich hier aus Bewerbersicht zu bedenken geben, dass „Wunschzettel“ in Form von Ausschreibungen durchaus abschrecken können. Einfach, weil das gesuchte „Gesamtpaket“ zu umfangreich ist, um von einer einzelnen Person gepackt zu werden. Jedoch, so erzählte mir einmal ein befreundeter Personalverantwortlicher, reiche es in der Regel aus, 75 bis 80 Prozent des Zielprofils zu erfüllen. Ich weiß nicht, wie repräsentativ diese Aussage ist, aber sie macht mir Mut und klingt angesichts oben genannter Faktoren einfach plausibel. Auch sonst werde ich trotz aller Stolpersteine im Weg weitersuchen. Denn so viel es aus dem Bewerbungsprozess heraus zu meckern gibt, lässt sich für fast jedes Problem auch eine Lösung finden. Es gilt nun für mich und so viele andere, alternative Formen der Arbeitssuche zu entdecken. Fehlende Einzelqualifikationen (bei mir ist es Onlinemarketing beziehungsweise SEO/SEA) lassen sich mit etwas Geduld und Glück erwerben. Und schließlich zahlt sich Hartnäckigkeit in den meisten Fällen aus. Oder, wie meine Großmutter immer gesagt hat: „Bange machen gilt nicht“. Auch nicht in einer Medienbranche, die ihren Anwärtern eine Menge abverlangt. Für mich gibt es irgendwo da draußen einen Platz – mit der Familie vereinbar, ohne übermäßige Reisetätigkeit und wie für mich gemacht. Ich muss ihn nur finden, das dauert beizeiten etwas länger.

Herr Bürger im „Silbernen Krug“ – Postfaktische Gedanken

Herr Spieß, Herr Bürger, Herr Wutmann und Frau Hassen gehen im „Silbernen Krug“ Bier trinken. Eine Kneipenszene, wie man sie überall antreffen könnte.

„Millionen Ausländer reinlassen, aber das eigene Volk vergessen“,
schimpft Herr Spieß am Stammtisch und setzt den Bierkrug an.
Ein Schaumbart bildet sich um sein ansonsten glatt rasiertes Kinn.
„Recht hast du. Und Terroristen kommen gleich mit“,
klagt Herr Bürger, der an der Theke neben ihm sitzt.
Er hat seine karierten Hemdsärmel hochgekrempelt,
zeigt stolz sein neues Tattoo auf dem Unterarm. Eine Deutschlandflagge.

„Haste ein neues Tattoo? Eigentlich mag ich das nicht, aber in dem Fall …“,
Herr Spieß schielt, ein wenig bierselig, auf Herrn Bürgers Handgelenk.
Er ist beeindruckt – so ein Tattoo, das würde er sich nicht trauen.
Das tut doch viel zu weh, und überhaupt, im Büro …
„Jepp. Wollte ein Zeichen setzen. Als Deutscher für unser Land“,
brummelt Herr Bürger. Er muss nun wahrscheinlich immer Langarm tragen.
Sonst bekommt er in der Werkstatt bald Ärger mit seinem Boss.
Sowas vertreibt die Kundschaft, heißt es. Als ob er diese Leute noch  bedienen wolle.

„Richtig so. Bald ist wieder Silvester. Hoffentlich nicht so ein Mist wie letztes Jahr“,
bemerkt Herr Bürger mit einem Blick auf den großen Kalender an der Wand.
„Aber erst Weihnachten. Noch … Wer weiß. Bald müssen wir Ramadan feiern.“
Herr Spieß schaut geradezu angeekelt drein. Nee, mit ihm nicht.
Deutschland ist immerhin ein christliches Land, findet er.
Wer unbedingt Moscheen bauen und zu Allah beten will, bitte schön.
Aber dann bitte auch nicht auf Kosten des üblichen Brauchtums. Nicht hier.

„Wenn irgendein dreister Islamist sich an meiner Frau vergreifen würde, dann …“,
Herr Bürger macht eine Handbewegung, als würde er etwas zerquetschen wollen.
Ihn wundert das Drama vergangenes Silvester nicht. Das sind Muslime.
Man hört ja oft  genug, dass bei denen eine Frau nichts wert ist, denkt er.
„Sofort abschieben sollte man diese Kriminellen von draußen. Aber es ist ja auf keinen mehr Verlass. Nicht mal auf die Polizei“, grummelt Herr Spieß.
„Und auf die Presse sowieso nicht. Reden alle Frau Merkel nach dem Mund, anstatt die Wahrheit zu sagen“, ergänzt Herr Bürger geradezu übereifrig.
„Aber wir schaffen das, ja ja!“, Herr Bürger verdreht die Augen.

Inzwischen drehen sich mehrere weitere Kneipenbesucher zu den beiden um.
Auch die Damen hinter der Theke schauen hin, unangenehm berührt.
Vom Nebentisch mischt sich Frau Hassen ein, die Herrn Spieß aus dem Büro kennt.
Frau Hassen hat ihren Job verloren – und seitdem einen Hass auf Asylbewerber.
Auf die Asylbewerberin, die eingestellt wurde, als ihr Vertrag auslief.
„Einen Scheiß müssen wir schaffen“, kreischt sie in Richtung Herrn Bürger,
„Die kommen mit Smartphones hierher und nehmen anständigen Leuten ihre Jobs weg.“

Frau Liebreich, die Wirtin des „Silbernen Krugs“, räuspert sich einmal hörbar.
Sie wendet sich peinlich berührt an die drei Gäste, die immer lauter geworden sind.
„Ich muss Ihnen leider sagen, dass Ihre Worte manche Gäste vergraulen“,
erklärt Frau Liebreich, bemüht, sich jeden weiteren Kommentar zu sparen.
„Das ist schlecht für’s Geschäft. Also hör’n Se bitte damit auf.“
Offensichtlich hat eine Gruppe südländischer Gäste, die einen Junggesellenabschied feiern wollte, genug von „Stammtischweisheiten“. Sie verlassen wortlos das Lokal.

Frau Liebreich schüttelt empört den Kopf. „Na seh’n Se, da haben wir den Salat!“
„Aber man wird doch wohl noch die Wahrheit sagen dürfen!“, tönt Herr Wutmann.
Er ist mit Frau Hassen hier und ebenso alkoholisiert. „Noch zwei Bier, aber flott!“
„Für uns auch, zack zack!“, motzt Herr Bürger in undeutlicher Aussprache.
„Wir sind ja schließlich Stammgäste! Nicht diese Schmarotzer da!“
Nun platzt Frau Liebreich der Kragen. Sie schaut auf die Uhr – gleich Sperrstunde.
Frau Liebreich greift nach der Glocke und lässt sie klingen.

„Freunde der Nacht, Schicht im Schacht. Wir schließen gleich“, ruft sie.
„Aber ich will’n Bier“, lallt Herr Spieß. „Ich auch“, quietscht Frau Hassen.
„Sie haben alle genug. Wir machen zu“, bestimmt die Wirtin mit Nachdruck.
Murrend fügen sich die Stammgäste. Sie trinken ihr Bier aus und verlassen das Lokal.
Draußen stolpert Frau Hassen über ihre eigenen Füße. Herr Wutmann hilft ihr auf.
Ein auffallend blasser Dieb schnappt sich die Handtasche vom Boden, rennt fort.

„Mein Geld, meine Papiere“, schreit Frau Hassen und fuchtelt hysterisch mit den Armen.
„Bestimmt so ein Zigeuner … Lumpenpack … Ich ruf die Polizei“, wettert Herr Wutmann.
Auch Herr Bürger und Herr Spieß haben den Raub mitbekommen.
Sie bleiben schwankend stehen. Herr Spieß lacht schallend.
„Ahwas… die Pollizei… die machen do eh nix …“
Er und Herr Bürger bekommen sich nicht mehr ein.

Man hört Lärm ein wenig entfernt. Wenig später sieht man die Gruppe südländischer Immigranten. Sie halten den Dieb fest. Einer der Männer übergibt Frau Hassen ihre Tasche.
Frau Hassen schaut, als hätte sie einen Geist gesehen. „Ahwas … eh danke“, lallt sie.
Der Mann lächelt, nickt und geht mit seinen Freunden wieder.
Herr Bürger schüttelt verwirrt den Kopf. „Na sowas …“, murmelt er.
Herr Wutmann bleibt erst einmal stocksteif stehen.
„Das ha’m se bestimmt extra gemacht. Um besser dazustehen“, brüstet er sich.
Herr Spieß kratzt sich verlegen am Kopf.
„Vielleicht … oder auch nich … Egal Freunde, wir geh’n woanders einen trinken!“

Anna Katherina Ibeling

Cats Gedankenwelt | Bäh-Werbung auf Miau

Hält Laptops für Wärmekissen: Mira, die schwarze Katze
Hält Laptops für Wärmekissen: Mira, die süße Troubleshooterin

„Bäh-Werbung auf Miau? Was für ein komischer Titel“, wird mancher nun vielleicht denken und sich fragen, was ich heute in meinem Kaffee hatte. Um das Rätsel hier aufzulösen – nach vielen Beiträgen zum „Ernst des Lebens“ möchte ich einfach einmal wieder über etwas Lustiges schreiben. Zum Beispiel darüber, wie man eine Bewerbung trotz eines Babys und zwei Katzen fertig bekommt. Vorhang auf für eine szenische Darstellung.
[Junge Frau sitzt am Schreibtisch vor einem Laptop und tippt. Im Hintergrund des Zimmers: eine weiße Katze mit schwarzen Kuhflecken und eine schwarze Katze mit weißem Lätzchen und weißen Pfötchen. Beide beobachten die junge Frau, also mich, gespannt. Ganz links im Bild auf einem Sofa: Ein Baby, meine Tochter, auf ihrem Stillkissen. Noch schläft sie – zum Glück.]

"Lächeln und winken": (Katzen-)Mama auf Jobsuche
„Lächeln und winken“: (Katzen-)Mama auf Jobsuche (Foto: Juan Zamalea)

Sehr geehrter Herr XY,

über die Jobbörse Monster.de habe ich Ihre Anzeige gefunden, in der Sie eine Redakteurin für B2B- Publikationen …

[Schwarze Katze, nennen wir sie „Mira“, springt auf den Schreibtisch. Junge Frau schaut kurz verärgert und drückt schnell auf „Speichern“.]

Ich: Miiiiiirchen! Runter da!

[Schwarze Katze schaut ihre Dosenöffnerin treudoof an, schnurrt laut und bleibt stur sitzen,]

Ich: Mira! Du kriegst keinen Thunfisch mehr, ich schwör‘ es dir!

[Kein Thunfisch? Das alarmiert nicht nur Mira, die sich nun demonstrativ auf die Tastatur setzt. Sondern auch die weiße Katze mit den Kuhflecken und einem sanfteren, vorsichtigeren Auftreten. Weiße Katze springt auf die andere Seite des Schreibtisches und schaut Dosenöffnerin mit großen, vorwurfsvoll blickenden Augen an. Sie reibt den Kopf an meinem Arm.]

Maya: Frrrrr? Frrrrrrrrr? Miuuuu!
Mira: Miaaaaaau! Prrrrrrr…..
Ich: Mira! Jetzt aber ab von der Tastatur, das ist kein Wärmekissen.

Die ungeschminkte Wahrheit liegt zwischen Schreibtisch und Wickeltisch
Ungeschminkte Wahrheit zwischen Schreibtisch und Wickeltisch

[Mira blinzelt einmal behäbig, tretelt, wobei einige Fenster auf dem Desktop sich öffnen und schließen, und legt sich betont lässig wieder hin. Maya reibt weiter den Kopf an meinem Oberarm. Und mir reicht’s gerade gewaltig.]

Ich [tief durchatmend]: Mensch Mädels, so wird das heute nix mehr. Da hängt euer Katzenfutter von ab.

[Ich greife Mira und setze sie trotz lautstarkem Protest auf den Boden. Maya flieht schon freiwillig vor ihrer felligen Kollegin, die gerade anscheinend das Jagdfieber gepackt hat. Also weiter im Text …]

[…] suchen. In den Anforderungen der vakanten Stelle und dem gewünschten Bewerberprofil finde ich meine eigenen Berufsziele wieder. Außerdem beeindruckt mich die Bandbreite an Kunden und Projekten auf der Unternehmenswebseite, sodass ich mich hiermit ….

[Katzen sitzen im Hintergrund an der Tür. Dafür räkelt sich das Baby, nennen wir es „Lea“, und gibt einige Laute von sich, die sich anhören wie aus einer anderen Welt.]

[…]bewerbe.

Maya - "Waiting for Tuna"
Maya – „Waiting for Tuna“

[Ich speichere noch einmal. Puh, der Anfang ist geschafft. Nun aber schnell, bevor Lea aufwacht und den Milchnotstand ausruft.]

Lea: Mmmmmmhaaaaa, mmmmmmwaaaaa ….örööööööhiii!
Ich: Gleich, Mäuschen, du kriegst gleich Milch …
Lea: Mmmwäää…. [Crescendo] Muäääääh! Muäääääh! Muääääääääääh!

[Anscheinend ist Lea nicht ganz überzeugt davon, noch ein paar Minuten oder auch nur Sekunden zu warten. Ein wenig grummelig stehe ich auf, gehe zum Sofa, schnappe mir das hungrige Kind. Shirt hoch, BH auf und Action für Lea. Mira nutzt derweil die Gelegenheit, erneut auf den Schreibtisch zu springen. Pling ploing, wieder öffnen und schließen sich Fenster auf dem Desktop. Maya springt neben mich aufs Sofa und reibt den Kopf am Oberschenkel.]

Ich [leise zu mir selbst und Lea]: Zumindest habe ich abgespeichert. [Lauter zu Mira] Miiiiirchen! Runter mit dir!
Lea [guckt kurz erschrocken hoch, trinkt aber weiter]
Maya [mit treuem Blinzelblick]: Frrrrr? Frrrrr?
Ich: Entschuldige Lea, diese Katze treibt mich noch mal in den Wahnsinn.

[Es vergehen ein paar Minuten. Mira blinzelt mich treudoof an und streckt sich genüsslich auf meinem Laptop aus. Wissend, dass ich aus der anderen Ecke des Zimmers und mit einem Kind auf dem Schoß kaum etwas dagegen machen kann. Maya ist das Schnurren „in Person“. Lea hört kurz auf zu trinken; ich lege sie einfach auf der anderen Seite an, was anfänglichen Protest weckt.]

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Der Schein trügt – Lea kurz vor der „Milchrevolution“

Lea: Mwääääh….. [Kunstpause, ein Grinsen] Öröööhiii… [trinkt weiter]
Maya [springt von der Couch, erschrocken vom plötzlichen Gebrüll]
Mira [gurrt, springt vom Schreibtisch auf den Boden und rast auch in Richtung Tür]
Ich: Immerhin. Danke, Lea.

[Nach ein paar weiteren Minuten ist Lea satt, hat einmal gerülpst wie in einer Kneipe nach mindestens drei Flaschen Bier und liegt brabbelnd auf ihrem Stillkissen. Ich nehme wieder auf meinem Schreibtischstuhl Platz.]

[…] Bereits während meines Volontariats bei [Firmenname eintragen] machte die Planung und Realisierung von Projekten in der PR- und Wirtschaftsredaktion einen Großteil meines Arbeitsalltags aus. Die Magazine X und Y betreute ich mit einem Kollegen auf redaktioneller Ebene in eigener Verantwortung. In ihrem Gesuch wünschen Sie sich weiterhin eine Kandidatin mit fließenden Englischkenntnissen Dies ist durch mein Studium der …

[Ich drücke schon aus Reflex auf Speichern, bevor ich aufstehe, weil Lea anfängt zu meckern und zu strampeln. Klarer Fall von „Windel voll“. Erneuter Auftritt Mira und Maya. Mira macht einen galanten Satz auf meinen Schreibtischstuhl. Maya miaut aufgeregt vor sich hin. „First things first“ – erst einmal ein Stinkbömbchen entschärfen.]

Lea [strahlt bei Öffnen der Stinkewindel]: Öröööööhiiii! Uaaauaaa….
Ich [ziemlich trocken und berechtigt]: Oh Scheiße … (Wie kann aus einem Baby so viel rauskommen?) [zu Lea] Na, das nenn ich ja mal ein echtes Bömbchen!
Lea [noch strahlender]: Mwiiiiiii aaaaaaaueeee!
Maya: Ma mia mia ma ma mia ….
Mira [auf dem Stuhl ausgestreckt]: Prrrrrrr prrrrrrr …
Ich [Augen rollend]: Miiiraaaa … [abwinkend] Ach, vergiss es!

Mira und Maya fordern ihren (Thunfisch-)Tribut
Mira und Maya fordern ihren (Thunfisch-)Tribut

[Ich verzichte darauf, schon wieder mit Mira zu meckern. Bringt gerade eh nichts. Stinkewindel in den Müll, neue Windel an, Body und Strampler wieder zugeknöpft. Lea rudert dabei ungeduldig mit den Armen und strampelt sich immer wieder heraus. In Gedanken bereite ich schon die nächsten Sätze meiner Bewerbung vor. Lea lacht; ich knuddel sie noch einmal und lege sie auf ihre Spieldecke in der Zimmermitte. Dann gehe ich ins Bad, Hände waschen, und in die Küche, die Kaffeepadmaschine anschalten. Mira und Maya haben da wohl was missverstanden.]

Mira [tapst mit hoch erhobenem Schwanz herein]: Miaaaaauuuuu! [streicht mir um die Beine] Prrrrr… Prrrrr ….
Maya [tapst Mira hinterher und guckt niedlich]: Miuuu, miuuu!
Lea [im Nebenraum]: Äwäwääääää…. Örööööööhiiii …. Aaaaaueeee…..Ööööregaaaa….

[Ich schweige, schüttele einmal den Kopf und murmele was von „Irrenhaus“. Zu meiner Erleichterung ist es wirklich Zeit für eine Raubtierfütterung. Kommentarlos bekommen Mira und Maya ihr „täglich Thunfischfilet“. Und ich kann mich endlich wieder meiner „Bäh-Werbung auf Miau“ widmen. Mit einem leichten Schmunzeln tippe ich also ein …]

[…] Anglistik im Zwei-Fach-Bachelor und vorherigen Umgang mit internationalen Werbekunden gewährleistet. Weiterhin erfordert der Job die Fähigkeit, auch bei mehreren parallelen Projekten nicht den Faden zu verlieren. Dies konnte ich im Volontariat bereits im Agenturalltag und im Kundenkontakt umsetzen, wo es für jede Publikation unterschiedliche Ziele und Schwerpunkte gab.

[In Gedanken füge ich hinzu: Bedürfnismanagement für zwei Katzen und ein Baby ist schließlich auch ein multifaktorielles Projekt. Mira und Maya haben sich inzwischen in ihren Kratzbaum gelegt; Lea ist mit Schnuller im Mund eingeschlafen. Mission Impossible completed. Ich mache mir erst einmal einen Kaffee und schaue auf das Anschreiben, das noch lange nicht fertig ist. Zeit für das nächste Level – für heute!]

Natürlich hat es diese konkrete Bewerbung im Wortlaut nie gegeben. Aber so oder so ähnlich könnte es gewesen sein – denn so erleben wir es hier immer wieder. Anstrengend, spannend, aber auch erheiternd, so ein Leben zwischen Schreibtisch und Wickeltisch!

Cats Medienkommentar | Zehn Jahre Google | Alles Gute, „Big G“!

Rundum vernetzt: Auch Google leistet seinen Beitrag dazu
Rundum vernetzt: Auch Google leistet seinen Beitrag dazu

Happy Birthday, „Big G“! In diesem Jahr feiert der Medienkonzern Google sein zehnjähriges Jubiläum in Deutschland. Mit seinen zahlreichen Services von Datenhosting bis hin zur Navigation und zur Streetview-„Vogelperspektive“ hat sich Google von einem einfachen Suchmaschinenanbieter zum größten Internetkonzern der Welt gemausert. Dieser Beitrag dreht sich um Daten, Maps, Keywords und die Frage: Wie war eigentlich die Welt vor Google?

Ich google das mal“, „Moment, ich schau mal auf Google Maps“, „Kann man unser Haus auf Google Streetview sehen?“. Seit zehn Jahren begleitet uns das Googlen – und inzwischen können die meisten von uns gar nicht mehr „ohne“. Wir googlen alles und jeden: Wege, Theaterkritiken, Zitate, Kochrezepte, ehemalige Schulfreunde und den Standort des nächsten Friseursalons.Das „große G“ ist wohl neben dem „großen M“ (McDonalds) weltweit inzwischen der erfolgreichste Import „made in the USA“. Und, man möchte im Vergleich hinzufügen, auch der gesündere. Aber stimmt das wirklich? Oder macht Google uns am Ende genau so abhängig, wie manche es von Burgern und Chicken McNuggets werden können?

Im Keyword-Dschungel

Google - zur akademischen Recherche nur bedingt anerkannt
Google – zur akademischen Recherche nur bedingt anerkannt

Ich bin ja persönlich kein Fan des „großen M“.  Seit einem Skandal, in dem herauskam, dass in Chicken McNuggets geschredderte männliche Küken enthalten sein sollen, empfinde ich oft regelrecht Ekel vor Nuggets und der Fleischindustrie an sich. Die Artikel zu diesem Thema habe ich mir übrigens auch ergoogelt, natürlich. Was denn auch sonst? Es gibt kaum einen schnelleren Weg, um an genau die Infos zu kommen, die man haben will. Zumindest, wenn man sich einfach nur kurz ein wenig Alltagsweisheit aneignen möchte, um bei den neuesten Bestsellern, Filmen und weltgeschichtlichen Diskussionen unter Freunden mitreden zu können. Für wissenschaftliche Arbeiten, so hat man mir damals an der Uni beigebracht, seien Google und vor allem Wikipedia allerdings keinesfalls eine ausreichende Recherche. Und auch in der journalistischen Arbeit ist die Eingabe eines Keywords in einen x-beliebigen Browser keinesfalls das einzige Mittel der Wahl. Nachvollziehbar – schließlich ist ein Keyword, oder etwas „retro auf Deutsch“, ein Schlagwort, auch nur eine ziemlich dem Zufall überlassene Dateneingabe. Die Quantität der Suchergebnisse erscheint zunächst als Eldorado gebündelten Wissens. An der (wissenschaftlichen) Qualität des angezeigten Contents (nochmal in „Retro-Form“: Webseiteninhalt) darf man in vielen Fällen zu Recht zweifeln. Um mal ein drastisches, gar zynisches Beispiel zu nennen: Auf der Webseite einer Flüchtlingshilfsorganisation wird einer Schlagwortsuche nach dem Begriff „Migranten“ sicherlich andere Ergebnisse bringen als auf der Parteiwebseite der AfD. Genauer hinschauen, was man sich da eigentlich gerade ergoogelt hat, lohnt sich also schon.

Der gläserne Surfer

Google macht sich sein eigenes Bild vom User - aus Daten generiert
Google macht sich sein eigenes Bild vom User – aus Daten generiert

Ich erinnere mich an ein Exponat in einem Museum, den „gläsernen Menschen“. Stand die Skulptur in der dazugehörigen Ausstellung symbolisch vor allem für die Verletzlichkeit unserer menschlichen Spezies, denke ich im Fall des Internets und speziell in Sachen Google eher an totale Transparenz. Der „gläserne Mensch“ als „durchschaubarer Mensch“, der durch seine Routenplanungen, Suchanfragen und „Gefällt mir“-Klicks mehr über sich preisgibt, als er je erahnen könnte. Nur – an wen eigentlich? Die Werbeindustrie? Den (potenziellen) Arbeitgeber)? Die NSA? Oder interessiert es manchmal vielleicht doch gar keinen, ob man gerade die gesündeste Babynahrung oder Barfen „für die Katz’“ in seine Browser-Suchleiste eingetippt hat? Eines steht fest: Durch das, was wir suchen, bekommen wir zusätzlich gezeigt, wonach wir (nach Meinung betroffener Industriezweige) suchen sollten. Denn Google zeigt einem neben informativen Beiträgen oft automatisch die passende Werbeanzeige an. Praktisch für diejenigen, die eh gerade etwas kaufen wollten – ein kurzer Irritationsmoment für alle, die eigentlich nur eine Sach- und keine Produktinformation haben wollten. Wir fühlen uns auf unseren täglichen Onlinesuchen wohl zurecht beobachtet – „Big G is watching you!“. Einmal, als ich mein Amazon-Passwort vergessen hatte, kam mir kurz der Gedanke, bei den freundlichen Damen und Herren bei der NSA nachzufragen. Denn die wissen ja anscheinend sonst auch immer alles. Ich habe es dann doch gelassen. Zu langwierig, und irgendwie doch ein wenig zu skurril. Manchmal google ich sogar meinen eigenen Namen, um nachzusehen, was wohl andere Internetnutzer auf den ersten Blick über mich erfahren.

Unendliche Datenmengen

Wie ging Nachlesen noch im letzten Jahrhundert ... Ach ja, richtig!
Wie ging Nachlesen noch im letzten Jahrhundert … Ach ja, richtig!

Google weiß wirklich fast alles – zumindest alles, was Surfer auf der digitalen Welle in die grenzenlose Online-Umlaufbahn bringen. Und das ist ein ganzer Wust an Daten, die teilweise beliebig bei jeder Suchanfrage auf uns einströmen. Je nachdem, wie präzise wir den Auftrag an sich stellen. Google weiß zum Beispiel, wo ich hinfahre, wenn ich mal wieder den Weg nach Schildern nicht finde; oder, dass ich mir in den trüben Herbst- und Wintermonaten gerne zur Aufmunterung Bilder von sonnigen Stränden auf meinem Bildschirm anschaue. Da all dies nichts Verwerfliches ist, denke ich mir nichts dabei und schaffe es auch mit viel Selbstdisziplin, die Werbung für Fernreisen zu ignorieren, die daraufhin bei jedem Einloggen ins Internet auf meiner Startseite aufploppt. Manchmal kann es einem schon etwas Unbehagen bereiten, wenn der unberechenbare, unsichtbare „Big G“ mehr über eigens eingespeiste Datenmengen und deren Verwendung weiß als der Internetuser selbst. Schließlich mischt er inzwischen überall mit – auf dem Laptop, aber auch auf dem Android-Smartphone in Form entscheidender, zentraler Apps, allen voran des „Google Play Store“. Eine gesunde Skepsis in puncto Datenschutz darf man da schon entwickeln – und sich erinnern, wie die (digitale) Welt vor dem Aufstieg der beliebtesten Suchmaschine der Welt ausgesehen hat.

War die Welt „vor Google“ wirklich besser?

Google begleitet uns durchs Leben, auch mobil!
Google begleitet uns durchs Leben, auch mobil!

Natürlich gab es auch schon vor Google das Internet – oftmals noch eines mit Minutentarifen und ohne Flatrates oder zusätzliche Telekommunikationspakete für Handys, Filmdownloads und Co. Warum auch – das iPhone und das Android-Smartphone waren ja noch Zukunftsmusik! Auch gab es schon Suchmaschinen, die heute immer noch zum Teil auf dem Markt sind. Zum Beispiel Yahoo, AltaVista, web.de – und natürlich proprietäre Softwareformate von Microsoft und AOL. Was haben wir aber sonst gemacht, wenn wir etwas herausfinden wollten? Wir haben einfach unsere Omas nach Haushaltstipps gefragt (und tun es manchmal noch heute). Wir haben die Schreibung oder die Bedeutung eines Fremdwortes im „analogen“ oder auf CD gebannten Duden nachgeschlagen. Und wenn wir wissen wollten, was die beste Freundin aus dem Kindergarten inzwischen macht, haben wir uns nach dem neuesten Klatsch und Tratsch erkundigt. Oder wir haben es eben gar nicht erfahren – und es als „nicht so wichtig“ abgetan und uns hin und wieder mit dem Nicht-Wissen abgefunden. Fest steht: Google hat das Archivieren und Sammeln von Daten, die Einbindung von individuellen Werbeinhalten und die schnelle Beschaffung von Informationen über andere im digitalen Sektor definitiv revolutioniert und zu einem Höhepunkt geführt. Haben der Onlineriese und sein Servicenetzwerk innerhalb unserer „Informationsgesellschaft“ deshalb die reale Welt, die wir täglich mit den Sinnen begreifen, besser oder schlechter gemacht? Sicherlich nicht. Möglicherweise nehmen wir dies hin und wieder nur anders wahr. Im Endeffekt ist es doch so: Wir sind nach wie vor Menschen mit der Fähigkeit, abstrakt zu denken und selbst zu entscheiden, zu welchem Anteil wir an der digitalen Welt nehmen wollen. Wie genau eine Gesellschaft sich verändert hat, lässt sich schließlich mittlerweile auch perfekt googlen.

Cats Gedankenwelt | Generation (P)olemik | Siegeszug des Populismus

Populismus boomt. Die Bundeskanzlerin in NSDAP- Uniform auf Plakaten, der Vorwurf an das staatliche Bildungssystem, „von Ideologie gesteuert“ zu sein, die Forderung nach der Bevorzugung der „traditionellen Familie“ und ungebremste Verachtung gegenüber Immigranten, die ihre wirtschaftliche Situation verbessern wollen. Ist so viel Stammtischweisheit eigentlich noch normal – und warum fahren so viele Menschen anno 2016 darauf ab?

Rechtspopulismus: eine Bedrohung nicht nur für Immigranten
Populismus „von rechts“: eine Bedrohung nicht nur für Immigranten

Deutschland, Oktober 2016; der Zweite Weltkrieg und das NS-Regime liegen 71 Jahre zurück, der Kalte Krieg mehr als ein halbes Jahrhundert und Ost- und Westdeutschland sind seit etwas über 20 Jahren wieder vereint. Dennoch – auch 2016 scheint es unter der friedlichen Fassade unseres Landes gewaltig zu brodeln Dies zeigte sich auch während der diesjährigen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Die „Troublemaker“ in Potsdam: PEGIDA – die ja nun wirklich dafür bekannt sind, mit populistischen Parolen und offensichtlichen Feindbildern bei ihren Demos die Öffentlichkeit aufzumischen. Es ging mal wieder gegen Kanzlerin Angela Merkel und ihre Ansammlung von „Verrätern am eigenen Land“, gegen Migranten, ihre vermeintlichen Privilegien, die böse „Lügenpresse“ und eigentlich gegen alles, was dem „besorgten Bürger“ in der deutsch-traditionellen Szene eben schwer im Magen liegt. Nur, um die Geschehnisse und Forderungen hier einmal in einer Wortwahl auszudrücken, mit der ich mich persönlich auf die Straße trauen würde, ohne mich an der Stelle der tobenden PEGIDA-Anhänger komplett in Grund und Boden zu schämen. Denn zum Fremdschämen eignet sich eine derartige „Total-Anti-Demonstration“ tatsächlich so hervorragend, dass man sich ernsthaft fragt, ob „das Volk“ nun vollkommen am Rad dreht und all seine Umgangsformen in der Stammkneipe am Tresen gelassen hat.

Ist das noch normal?

Demonstrationen? Ja bitte - aber nicht in dem Ton!
Demonstrationen? Ja bitte – aber nicht in dem Ton!

Fest steht: Demonstrationskultur geht anders. Ich frage mich ja ernsthaft, ob so viel primitive, destruktive, irrationale Wut auf so ziemlich alles und jeden noch normal ist. Und vor allem, warum eine ganze Bevölkerung, die Exekutive und sogar der Verfassungsschutz einfach so dabeistehen und zusehen können wie vor einem Primatenkäfig, in dem sich ein Gorillamännchen auf die Brust trommelt. Nur, dass der Gorilla augenscheinlich auf rechtspopulistische Parolen verzichten kann, was ihn im Vergleich eindeutig cleverer dastehen lässt. Dennoch erscheint mir das Beispiel eines Gorillamännchens, das sein Territorium verteidigt, an dieser Stelle passend. Denn auch im „Monkey Business“ der PEGIDA geht es um aggressive Abwehr von Unbekanntem (und die dahinter verborgenen Ängste), um Machtdemonstration und um das Abstecken eines „Reviers“, das manchem gefühlt aus den Händen zu gleiten droht, wenn sich die sozialpolitische Ist-Situation verändert. Dass diese Form, die „Überlegenheit“ alteingesessener, christlicher, deutschstämmiger Hetero-Bürger darstellen zu wollen, eher lächerlich wirkt, scheint manchem dabei nicht klar zu sein. Kurz gesagt, man machte sich am Tag der Deutschen Einheit bei der PEGIDA mal wieder zum Affen. Also prinzipiell wie immer, quasi „normal“ für die antiislamische Vereinigung mit Ursprung in Dresden. Weniger normal jedoch: die Akzeptanz und Selbstverständlichkeit, mit der weite Teile der gutbürgerlichen Bevölkerung inzwischen diesem Volksverhetzungszirkus begegnen.

Kollektive Angstblockaden

Latente Ängste, fehlende Perspektiven: Gründe für eine Radikalisierung
Zukunftsängste, fehlende Perspektiven: kein Grund, aufzugeben!

Dass die ausufernden PEGIDA- Demonstrationen in deutschen Großstädten nur die Spitze eines braun gefärbten Eisbergs sind, zeigt sich auch gerade in den Wahlergebnissen eher strukturschwacher Regionen, aber auch in der Hauptstadt Berlin. Bis zu 20 Prozent der Stimmen für die eher rechtspopulistisch angesiedelte AfD („Alternative für Deutschland“) sind zurzeit keine Seltenheit. Auf eine Art lässt sich dieser rasante Beliebtheitsanstieg einer Partei, die „Wirtschaftsflüchtlingen“ die Immigration erschweren will, die „traditionelle Familie“ bestehend aus Vater, Mutter, Kind(ern) noch mehr gegenüber anderen Familienformen bevorzugt als bisher und auch sonst vieles, was gesellschaftlicher Flexibilität und Internationalisierung dient, konsequent ablehnt, sogar (psycho-)logisch erklären. Ich möchte es hier als eine Hinwendung zum Konservatismus als Ausdruck von Unbehagen gegenüber einer Lebenswelt bezeichnen, die mit jedem Tag gefühlt unsicherer und ungemütlicher wird. Immer häufiger zwingen uns ein globalisierter Arbeitsmarkt, die in alle Richtungen vernetzte Europa- und Außenpolitik, ein – dem Internet sei Dank – 360°-Informationssystem und der Einzug immer neuer kultureller Einflüsse ins Alltagsleben (nein, nicht nur der Islam!) dazu, unsere Komfortzone zu verlassen. Über den Tellerrand hinauszuschauen, uns lebenslang neue Erkenntnisse anzueignen. Ja, ich weiß, das ist anstrengend und ich möchte hier auch gar nicht verneinen, dass viele Veränderungen auf einmal auch beängstigend wirken können. Wenn ich also die Hassparolen einer PEGIDA-Vereinigung in den Nachrichten sehe und höre oder mir das diffuse, teils stark rückwärtsgewandte Parteiprogramm der AfD aufmerksam durchlese, lese ich vor allem eines zwischen den Zeilen – die Angst vor dem Neuen, Furcht vor Herausforderungen der Globalisierung, eine Verteidigung der persönlichen „sicheren Bank“ vieler Menschen. Kurz: kollektive Angstblockaden, die das Gesichtsfeld verengen und der „Mitte der Gesellschaft“ einen echten Tunnelblick verschaffen. Schuld sind natürlich immer die „anderen“, die „Fremden“. Es ist eben immer einfacher, sich einen Sündenbock zu suchen, als Probleme wirklich an der Wurzel anzugehen und seinen Ängsten aktiv zu begegnen.

Ich habe auch Angst!

Fremdenangst treibt oftmals seltsame Blüten
Fremdenangst treibt oftmals seltsame Blüten

Dabei ist Angst etwas zutiefst Menschliches, nichts, worüber man nicht auf zivilisierte Weise reden könnte und erst recht nichts, wofür man sich schämen müsste. Denn nur, wer einer gefühlten „Bedrohung“ mit klarem Kopf entgegentreten und selbst mit an Lösungen arbeiten kann, lässt sich nicht von seinen Ängsten überwältigen. Ich habe auch manchmal Angst vor der Zukunft. Angst, trotz Studium und einer guten Vorbildung keinen festen Arbeitsplatz im Medienwesen zu finden, weil viele Branchen zur Massenbefristung tendieren. Angst, bei der aktuellen finanziellen Situation des deutschen Etats in 40 Jahren keine angemessene Rente zu bekommen. Selbst dann, wenn ich mir ein Bein und zwei Arme ausreiße, um beruflich aktiv zu bleiben. Angst, dass meinem Kind Dinge zustoßen, die ich ihm lieber ersparen möchte. Angst vor dem fortschreitenden Klimawandel. Und nicht zuletzt Angst, wenn ich die Nachrichten einschalte und mir Meldungen über Krieg, Terror, Wirtschaftskrisen, Gewaltregime und hungernde Kinder entgegenschallen. Um es kurz zu sagen: Mir wird ganz anders, wenn mir als Mitgestalterin der Gesellschaft und des Planeten Erde all diese (menschlichen) Katastrophen den Spiegel vorhalten. Es ist furchtbar, hinzusehen – und doch unmöglich, es nicht zu tun.

Meckern allein hilft nicht

Vater, Mutter, Kind - die "traditionelle Familie" als Aufhänger des Konservatismus
Vater, Mutter, Kind – die „traditionelle Familie“ als Aufhänger des Konservatismus

Nun gibt es zweifelsohne ganz unterschiedliche Arten, sich den dunklen, hässlichen Seiten des Lebens zu stellen. Man kann sie verdrängen, einfach keine Nachrichten mehr schauen, sich permanent in imaginäre Glitzer- und Entertainment-Welten flüchten. Auswahl gibt es auf Privatsendern und in der Freizeitindustrie dafür schließlich genug. Wegsehen kann durchaus funktionieren, zumindest für eine begrenzte Zeit, bis einen die Realität wieder einholt. Und das wird sie, früher oder später. Man kann klagen, fluchen, jammern und meckern, immer davon ausgehend, dass „früher alles besser war“. Besonders ältere Semester neigen zu dieser Art von Nostalgie, die sich bei näherem Hinschauen oft als schillernde Seifenblase verklärter Erinnerungen entpuppt. Laut allen gängigen physikalischen Gesetzen muss eine Seifenblase jedoch irgendwann platzen. Spätestens, wenn sie an ein Hindernis stößt, das ihren Schwebeflug stoppt. Man kann einfach so tun, als hätte man selbst gar keine Verantwortung für alles, was schief läuft – es gibt ja genug andere, denen man die Schuld in die Schuhe schieben kann. Bevorzugt natürlich jenen, deren Ruf dank geläufiger Klischees und Vorverurteilungen an den Stammtischen dieser Welt sowieso schon beschädigt ist. Oder, um ein beliebtes Zitat aus dem Film „Casablanca“ als Beispiel zu nehmen: „Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen!“ Auf „pegidisch“ übersetzt könnte das konkret heißen: „Der IS bedroht unser Land und unsere Werte – also raus mit dem Islam aus dem christlichen Abendland!“ Ohne nun konkret auf den vielen „Dreck am Stecken“ der großen Staatskirchen eingehen zu wollen (Stichwort: Hexenverbrennungen, Kondomverbote in AIDS-Hochburgen und Kreuzzüge), ist der Vergleich einzelner „schwarzer Schafe“ mit ihrer gesamten Herde doch ein wenig zu kurz gedacht.

Wer ist eigentlich "das Volk"? Sicherlich nicht PEGIDA!
Wer ist eigentlich „das Volk“? Sicherlich nicht PEGIDA!

Aber was soll’s, es sind ja nur „die anderen“ – und irgendwer muss ja die Schuld tragen? Es wäre herrlich einfach, Krisen derartig abzuhaken, allerdings ist es auch so unendlich dämlich und naiv. Egal, welche Strategie man wählt, ob es nun Wegsehen, die pure Resignation oder eben der direkte Angriff von Sündenböcken ist – nichts davon vermag ein Problem faktisch wirklich im Ursprung zu lösen. Meckern allein hilft eben nicht! Letztendlich liegt es an jedem Einzelnen in der Gesellschaft, ob er (auch im Kleinen) mit anpackt und den Karren aus dem Dreck zieht, ohne nur einen Nullradius als seinen Standpunkt zu betrachten. Das könnten auch diejenigen, die permanent „Der Islam gehört nicht zu Deutschland!“, „Islamistischer Judenterror“ und „Lügenpresse!“ auf den Straßen brüllen, Flüchtlingsheime anzünden und sich deswegen noch im Recht fühlen. Nein, normal ist so viel reaktionärer Populismus und Hass auf alles Fremde sicher nicht. Auch wenn es das Normalste überhaupt ist, mit Ängsten zu kämpfen.

Cats Couch | Die unsichtbaren Väter – ein Papa-Plädoyer

Engagierte Väter haben es schwer: Auch im 21. Jahrhundert hält sich der Fortschritt in Sachen Familienplanung und Vereinbarkeit im Grenzen. Jeder beklagt die familiär-berufliche Doppelbelastung von Müttern; aber wie sieht es da eigentlich mit den Männern aus? Zeitgeist, Geschlechterrollen und Stillstand – betrachtet aus einer seltenen Perspektive.

Väter von heute - Vorbilder von morgen!
Väter von heute – Vorbilder von morgen!

Ein Kind braucht seine Mutter“ – da sind wir uns sicherlich alle einig. Mütter sind derzeit eine omnipräsente Mehrheit in der Social-Media-Gemeinde und sogenannte Mama-Blogs schießen wie Pilze aus dem Boden. Auch in beliebten Eltern-Communitys und im gesamten Werbezirkus rund um Baby- und Kinderprodukte sind wir Mütter neben unseren Kindern die Stars in der Manege. „Wir Mütter“ sage ich deshalb, weil ich mich seit einigen Monaten auch zu dieser Clique zählen darf. Allerdings vermisse ich sowohl in der Werbung und in Artikeln über Erziehung als auch in Eltern- und Babytreffs schmerzlich die männliche Hauptrolle. Was mich zu der Ausgangsfrage dieser Ausgabe von „Cats Couch“ führt: Wollen die Männer auf dieser Ebene nicht präsent sein, oder können sie es schlicht und einfach nicht, weil der „aktive Vater“ immer noch schlecht dasteht?

Männer können alles – außer stillen!

Ein Baby kommt und steht für beide Eltern im Mittelpunkt
Ein Baby kommt und steht für beide Eltern im Mittelpunkt

Väter sind mehr als Erzeuger und dieser Konsens setzt sich inzwischen auch zunehmend durch. Endlich, möchte man angesichts der Tatsache einwenden, dass wir inzwischen das Jahr 2016 schreiben. Auf dem Papier und de jure existiert Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen also. Doch wie sieht die Lage de facto aus? Noch immer nimmt nur ein ganz geringer Prozentsatz der frisch gebackenen Väter mehr als die „üblichen“ zwei Monate Elternzeit, im Elterntreff sind männliche Gesprächspartner, die eine solche Runde um interessante Perspektiven erweitern könnten, nach wie vor eher die Ausnahme als die Regel. Das alles finde ich sehr schade; denn so gerne ich mich als „junge“ Mutter (ist 30 Jahre wirklich noch jung?) mit anderen Müttern austausche und auch fast mehr Gesprächspartnerinnen finde, als ich wirklich würdigen kann, fühlt sich mein Mann wie manch anderer „junger“ Vater doch zeitweise auf dem Abstellgleis. Wir gehören nämlich zu den Paaren, die es anders machen wollen als die Mehrheit: Ich bewerbe mich zurzeit wieder, er nimmt Elternteilzeit in Anspruch. Als ich während der Schwangerschaft Freunden und Familie von unserem geplanten Familienmodell erzählte, bekam ich von verständnislosen Einwänden („Also, ICH könnte das ja nicht, das Kind so früh abgeben …“) bis hin zu Beschwichtigungen mit Augenzwinkern („Ja ja, das sagst du jetzt. Warte erst einmal ab, wenn das Baby da ist!“) Gegenwind aus (fast) allen Himmelsrichtungen. Wobei, faktisch betrachtet hat es wenig mit „abgeben“ zu tun, ein Kind beim eigenen Vater zu lassen. Aber wie heißt es so schön: Errare humanum est. Ich ließ den Zweiflerinnen (in der Tat fast nur Frauen) ihre Zweifel und wartete einfach ab. Das Kind kam, der Wunsch, im Job nicht den Anschluss zu verlieren, blieb. Und überhaupt – der Elterngeldantrag für meinen Mann war sowieso längst eingereicht. Bis jetzt kann ich sagen: Unsere Tochter hat einen tollen Vater. Die Sorte Mann, mit der ich mein eigenes Kind gerne einige Stunden allein lasse. Denn auch wenn wir Mütter es manchmal kaum wahrhaben wollen: In Sachen Babypflege und Kinderbespaßung können Männer im Prinzip alles. Außer stillen; andersherum stillt ja längst nicht jede Mutter voll oder so lange, dass sie wirklich allein deshalb Jahre daheim verbringen müsste. Es zu wollen, ist natürlich legitim und steht auf einem anderen Blatt.

Vater sein – ein Hürdenlauf!

Väter als Alleinverdiener? Längst kein Muss mehr!
Väter als Alleinverdiener? Längst kein Muss mehr!

Ich sollte hier fairerweise erwähnen, dass mein Mann selbstständig ist und nur wenige bürokratische Hürden überspringen musste, um die volle Elternteilzeit für sich und uns zu realisieren. Schwieriger haben es da oftmals (männliche) Angestellte, die sich nicht zufällig in sicheren Zweigen des Staatsdienstes tummeln. Sie ernten oft ebenso wenig Verständnis für ihre Familienauszeit wie ihre weiblichen Kollegen, die im Gegenzug dazu wieder schnell in ihren Job zurückkehren oder sich eine neue Position suchen wollen. Schnell kommt auch heute noch bei Personalern der Verdacht auf, ein Mann hätte somit „kein Interesse mehr am beruflichen Aufstieg“, „keine Lust mehr auf seinen Job“ oder eben eine Partnerin, die ihm „nicht den Rücken freihält“. Dass derartige Vorurteile sich nicht gerade motivierend auf die jüngeren Generationen von Eltern und Arbeitnehmern auswirken, erklärt sich von selbst. Auch im privaten Umfeld brauchen Väter, die sich bewusst eine Babyauszeit nehmen, oftmals nach wie vor ein dickes Fell und ernten statt Verständnis und Anerkennung für ihre Entscheidung eher Skepsis, Spott und Häme. Kein Wunder, denn Väter bleiben auch in den gefühlt omnipräsenten Medien- und Werbebeiträgen rund um „Kind und Windeleimer“ weitgehend unsichtbar. Wann immer eine Pampers-Werbung über unsere Bildschirme flimmert sehen wir: Mutter und Kind. Die Bloglandschaft im Internet, die sich mit den alltäglichen und kontroversen Themen rund ums Elterndasein beschäftigt: Mama-Blogs, wohin man schaut; ein männliches Äquivalent ist selten. Die Betreuungsmisere in den Nachrichten: Mütter mit Problemen bei der Jobsuche. Daran ist prinzipiell nichts Falsches; es fehlt nur etwas. Nämlich die Selbstverständlichkeit, dass Väter eben nicht nur Samenspender auf zwei Beinen sind oder idealerweise sein sollten.

Diskriminierung: nicht nur ein Mütterproblem!

Hart aber fair: Männer können alles genau so gut - außer stillen.
Hart aber fair: Männer können alles genau so gut – außer stillen.

Schließlich gibt es noch den finanziellen Aspekt. Dass das „Gender Pay Gap“ keine Erfindung durchgeknallter Radikalfeministinnen ist und speziell „Frauenberufe“ im sozialen oder geisteswissenschaftlichen Umfeld doch eher knapp bezahlt werden, merkt man auch daran, dass die männlichen „Besserverdiener“ dann eben doch in die klassische Versorgerrolle schlüpfen. „Finanzielle Notwendigkeit“, wird man es nicht ganz zu Unrecht begründen. Da hilft es leider auch wenig, dass unsere Politik sich derzeit beide Beine ausreißt, um eine echte Gleichberechtigung im Familienleben und auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen. Ein Regelwerk ist sinnvoll . Aber was, wenn sich kaum ein Spieler am runden Tisch daran hält? De jure darf kein Arbeitgeber seine Angestellten dafür „bestrafen“, Kinder zu bekommen und sich gar um diese kümmern zu wollen. De facto werden gerade Männer, die Elternzeit, Krankentage und andere rechtliche Ansprüche geltend machen wollen, auf ihre vermeintliche Unverzichtbarkeit hingewiesen oder gleich gefragt, ob sie denn keine Frau hätten, die das machen kann. Umgekehrt wird bei Frauen quasi automatisch davon ausgegangen, dass sie nun eh keine Karriere mehr machen wollten oder andauernd wegen ihrer Kinder dem Arbeitsplatz fernbleiben werden. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich finde eine solche Einmischung in die Privatsphäre von Mitarbeitern schon ziemlich frech! Nicht nur am Arbeitsplatz haben engagierte Väter häufig einen schweren Stand; auch beim Umgangs- und Besuchsrecht im Falle einer Trennung ziehen sie aufgrund der momentanen Gesetzeslage häufig den Kürzeren. In manchen Fällen mag dies sinnvoll sein; oft handelt es sich dabei aber auch nur um eine Schikane im klassischen Rosenkrieg und schlicht um eine Diskriminierung.

Männerarbeit, Frauenarbeit?

Väter suchen sich eigene Wege - und das ist ihr gutes Recht
Väter suchen sich eigene Wege – und das ist ihr gutes Recht

Schaut man sich soziale und pflegerische Berufszweige an, so trifft man tendenziell auf eine große weibliche Überzahl. Ein Mann als Kita-Leiter? Als Kinderpfleger oder „männliche Hebamme“? Für viele Frauen – aber auch Männer – auch im Jahr 2016 schwer vorstellbar. Was allerdings auch auf dem Mythos beruht, Männern ginge es vor allem ums Geldverdienen. Ebenso wie auf der Tatsache, dass sich viele Männer (und übrigens manche Frau) aufgrund der eher unterdurchschnittlichen Bezahlung in Sozialberufen für andere Branchen entscheiden und Jungen viel zu früh eingeimpft wird, einen „männlichen“ Beruf zu ergreifen. Vorbehalte dagegen, dass Männer ebenso wie Frauen „irgendwas mit Kindern“ machen können, zeigen sich auch im Privaten – und daran sind wir Mütter selbst oft nicht ganz unschuldig. Manch übermotivierte Neu-Hausfrau und „Natural Born Super Mom“ hat nämlich wirklich an allem etwas zu meckern, was ihr hilfsbereiter Partner wie selbstverständlich einfach tun möchte. „Du machst das falsch! Das geht doch anders“; „Männer können das nicht“; „Typisch Mann. Ich zeig dir, wie es geht“… Wer solche Bannbotschaften jeden Tag zu hören bekommt, wird irgendwann resignieren. Und wer sollte es ihm da noch verdenken? Ich überspitze hier natürlich absichtlich ein wenig – aber wenn wir Mamas ehrlich zu uns selbst sind, juckt es vielen doch wirklich hin und wieder in den Fingern, den Mann mal wieder zu korrigieren. Einfach so, fast automatisch. Mein Tipp, den ich selbst übrigens auch befolge: Lasst es kribbeln, Ladys, und beißt euch hin und wieder einfach lieber auf die Zunge. Dann klappt’s auch mit der Gleichberechtigung. Papas haben ihren eigenen Weg, Probleme zu lösen. Und das ist auch gut so.

Cats Gedankenwelt | Generation (P)robezeit

Schwer planbar: Ein Leben in ständigeer "Probezeit"
Schwer planbar: Ein Leben in ständiger „Probezeit“

Neuer Job, neue Partnerschaft, neuer Wohnort – natürlich steht am Anfang alles eine Weile auf dem Prüfstand. Wird das „Leben auf Probe“ jedoch zum Dauerzustand, kann dies durchaus zu einem problematischen Lebensgefühl führen. Oder auch nicht? Das hängt ganz maßgeblich von den bisherigen Erfahrungen jedes Einzelnen ab.

Fremde, faszninierende Orte: Das Reisen hat Menschen schon immer fasziniert
Fremde, faszninierende Orte: Das Reisen hat Menschen schon immer fasziniert

Seit wir Menschen diese Welt bevölkern, befinden wir uns in einem andauernden Konflikt zwischen Sicherheitsbedürfnis und Neugierde. So entwickelten wir uns von Nomaden zu Ackerbauern und Sesshaften – dennoch, der Drang zum Weiterreisen blieb. Ansonsten wäre so mancher Kontinent der Welt wohl unentdeckt geblieben. Die „großen Entdecker“ der Welt wurden weithin als Pioniere der Menschheit gefeiert, seien es die bekannten Seefahrer, Vorreiter in Medizin und Naturforschung oder eben Entwickler technischer Neuheiten, mit für ihre Zeit revolutionären Erkenntnissen. Würden wir heute ohne Galileo Galilei immer noch an eine „Scheibenwelt“ glauben? Oder hätte jemand anders die Erkenntnis hervorgebracht und durchgesetzt, dass die Erde rund ist? Vermutlich schon – womöglich hätte die Menschheit dazu nur etwas länger gebraucht. Ein wenig Entdecker und Pionier steckt schließlich in uns allen. Nur: Wann reicht es uns eigentlich mit dem Streben nach dem Neuen?

Von Nesthockern und Zugvögeln

Manche Menschen empfinden zu viel Sicherheit als einengend
Manche Menschen empfinden zu viel Sicherheit als einengend

Sicher, neue Ufer locken und Veränderung löst ein angenehmes Kribbeln bei den meisten von uns aus. Stehen die Koffer, Umzugskisten oder das Auto dann aber vollgepackt da, gesellt sich auch gerne ein mulmiges Bauchgefühl hinzu. Ob die neue Stelle, die neue Wohnung oder die spontane Reise „einfach mal weg“ wirklich das halten, was wir uns davon versprechen? Noch zwiespältiger kann man sich fühlen, wenn es um Zwischenmenschliches geht. Manche Trennungen oder Neuanfänge können ungeheuer schmerzhaft sein und doch befreiend. Es ist zum Beispiel immer hart, einen Schlussstrich unter Freundschaften zu ziehen, die einem einfach nicht mehr gut tun oder einem sogar schaden. Ist irgendein für uns radikaler Schritt hin zu einer Veränderung erst einmal getan, beginnt wieder die Suche nach besseren, passenderen Alternativen – und damit eine typische „Probezeit“ im Leben. Schaffen wir es, nach einer Scheidung allein zurechtzukommen und woanders wieder einen Anker zu finden? Wie wird es, wenn die beste Freundin auf einmal Hunderte von Kilometern weit weg wohnt und man schlicht andere Menschen kennenlernt? Und stellt sich das Häuschen mit Garten, das wir immer wollten, wirklich als das Optimum heraus, das wir erwartet haben? Ebenso wie für unsere persönlichen und wohnlichen Verhältnisse gilt der Zwiespalt des Neuen natürlich auch auf einer beruflichen Ebene. Auch hier gibt es das, was ich als „Nesthocker“ und als „Zugvögel“ bezeichnen möchte, gleichermaßen.

Fest verankert oder auf dem Sprung?

Schwerelosigkeit vs. Bodenhaftung - ein ewiger Menschheitskonflikt
Schwerelosigkeit vs. Bodenhaftung – ein ewiger Menschheitskonflikt

Gehen wir eine oder zwei Generationen zurück, war der Lebensplan klar: Lehre, Ausbildung, vielleicht ein Studium. Dann der erste Arbeitgeber, der für viele Berufstätige auch der letzte bleiben sollte. Auch heute noch wählen manche Sicherheitsbedürftige diesen Weg, wenn er ihnen denn offen steht. Egal, ob auf Zeit „befristet“ oder auf Dauer – durch die Probezeit müssen alle durch. Eine Zeit, die je nach Arbeitgeber und Betriebsklima durchaus zu einer Zitterpartie werden kann. Doch nicht nur Unternehmer, sondern auch der Berufstätige selbst kann zu einem unsicheren Kandidaten werden – nämlich dann, wenn er freiwillig wieder abspringt. So weit, so alltäglich, doch was bedeutet eine zunehmende Befristung in vielen Branchen, eine „verlängerte Probezeit“, denn nun konkret für das Leben eines Menschen und was sagt dies über unseren Zeitgeist aus? Fest steht, dass immer weniger fest steht, und dass das unsere Lebensplanung als Arbeitnehmer, Selbstständiger, Familienmensch, Freund und (potenzieller) Liebespartner ziemlich beeinflussen kann. Wie stabil wir unsere Pläne privat und im Beruf gestalten (können), entscheidet letztendlich mit darüber, ob wir uns fest verankern oder ein abenteuerliches Leben auf dem Schleudersitz führen. Ein einfaches Beispiel dafür liegt in unserer aktuellen Demografie und der niedrigen Geburtenrate, die einer großen Zahl von alten Menschen entgegensteht. Denn: So alternativ und modern sich die „Generation Probezeit“, also die der jungen, ehrgeizigen Arbeitnehmer, auch sonst gibt – in Sachen Familiengründung setzen aktuellen Umfragen zufolge viele Menschen „in den besten Jahren“ nach wie vor auf ein dauerhaftes, sicheres Einkommen als Basis für eine langfristige Zukunft und auf eine erprobte Partnerschaft, die auch größere und kleinere Krisen überstehen kann. Was natürlich nicht ausschließt, dass man auch auf anderen Wegen glücklich werden kann – schließlich sind die eigenen Kinder auch für Alleinerziehende oder Arbeitssuchende immer eine Lebensbereicherung!

Alles auf Probe

Jagen wir mit unserem Pferfektionismus nur Phantomen hinterher?
Jagen wir mit unserem Perfektionismus nur Phantomen hinterher?

Dass uns unsere Zeit zuweilen recht schnelllebig vorkommen kann, liegt einerseits an uns selbst – die Zahl derer, die als „Perhappies“ (vom englischen „perhaps“ und „happy“ = dt: „vielleicht“ und „glücklich“) Schwierigkeiten haben, endgültige Entscheidungen zu treffen, steigt gefühlt im Alltag an. Egal, ob es um etwas Banales wie das Restaurant für den Samstagabend oder um die Erhaltung der Partnerschaft nach einem Konflikt oder Anlaufschwierigkeiten geht. Kurz: Häufig steht der angestrebten Beständigkeit der Drang entgegen, immer noch etwas Passenderes, Besseres zu finden, anstatt einfach einmal zufrieden zu sein mit dem, was wir haben. Andererseits und zu unserer Verteidigung sei gesagt, dass die Welt um uns herum es uns auch wirklich nicht leicht macht, sich über kleine Erfolge und die alltägliche Zufriedenheit zu freuen. Überall blinken uns verführerische Werbetafeln entgegen; Bilder in Magazinen und im Internet versprechen uns ein noch besseres, perfektes Leben; Partnerportale werben mit dem 100-Prozent-Match, Headhunter und Karriereportale mit dem idealen Job. Und so berechtigt es ist, hin und wieder seine Werte und Ziele zu hinterfragen und eine „Zufriedenheitsbilanz“ zu ziehen, müssen viele von uns sich doch am Ende eingestehen, dass ein „Leben auf Probe“ ihnen zwar kurzzeitig einen Kick gibt, sie aber auf Dauer nicht glücklich machen kann. Frust kommt vor allem dann auf, wenn die große Flexibilität, die gerade im Berufsleben heute gefordert wird (natürlich vor allem seitens des Arbeitnehmers, versteht sich), all diese eigentlich Sesshaften dazu zwingt, gegen ihren Willen ein Nomadenleben mit immer neuen Wohnorten, Jobs, Freunden und Partnern zu führen, weil bestehende Bindungen beizeiten der großen Entfernung nicht standhalten.

Unsicherheit bereitet vielen oft Kopfzerbrechen
Unsicherheit bereitet vielen oft Kopfzerbrechen

Zufriedenheit bedeutet eben auch, eine Wahl zu haben, wie man sein Leben gestalten möchte – denn ist man nicht religiös, hat man wirklich nur eines davon. Egal, ob man gerne jahrelang per Work&Travel durch die Welt zieht und Südamerika dabei als Rucksacktourist bereist oder doch lieber zu Hause bleibt, jeden Werktag in sein Büro geht und eine Familie gründet. Eigentlich sind wir jungen Leute gar nicht so anspruchsvoll, wie häufig von älteren Generationen beklagt wird. Wir wollen unsere Ziele auch nur aus eigener Kraft erreichen können und nicht ständig bei Null anfangen müssen. Schließlich ist das Leben kein Videospiel – ein Level überspringen oder wiederholen ist einfach nicht drin.

Cats Couch | Willkommen im Bewerbungszirkus | Eine Kolumne

Den passenden Bewerber aus vielen finden - eine Herausforderung für Personaler
Den passenden Bewerber aus vielen finden – eine Herausforderung für Personaler

Manchmal kommen einem auch in unseren „modernen Zeiten“ noch Dinge unter, die einen dazu veranlassen, sich ungläubig die Augen zu reiben. Der alltägliche Irrsinn ist eben nie weit von menschlichen Leben entfernt. Heutige Beispiele: Bewerbungsratgeber, das ewige Thema Familienplanung und der (Un-)Sinn von Gesprächen, in denen die Show den Inhalt bestimmt.

Bewerbung kommt von „Werbung“ – sie ist genaugenommen eine Werbung „für sich selbst“, eine Präsentation, die dem Selbstmarketing dient. Bewerbungszyklen sind in gewisser Weise auch Wettkämpfe, in denen es darum geht, welcher Teilnehmer oder welche Teilnehmerin eine der begehrten Arbeitsstellen als Trophäe „gewinnt“ Konkurrenz belebt hierbei das Geschäft, und ehrlich gesagt finde ich das auch gar nicht so tragisch. Wenn denn alle, die ähnliche Qualifikationen aufweisen, auch mit den gleichen Chancen auf der Startlinie stehen könnten! Denn oftmals, so scheint es mir, gestaltet sich das „Rennen um die besten Plätze“ letztendlich doch wie ein zahmes, braves Dressurstück. Zumindest, wenn man gängigen Bewerbungsratgebern glaubt.

Beruf und Familie? Mancher Personaler sieht das noch kritisch
Beruf und Familie? Mancher Personaler sieht das noch kritisch

Im Zweifel gegen den Befragten?

Wer es bis zum Bewerbungsgespräch schafft, hat schon einige wichtige Hürden genommen und kann sich bereits auf eine seiner beiden Schultern klopfen. Doch beglückwünschen kann man sich erst, wenn man auch diese vielleicht härteste Etappe auf dem Weg genommen hat. Wer hochstapelt, läuft Gefahr, zu Fall gebracht zu werden (erfahrene Personaler merken das sofort) und wer sich zu wortkarg und zu bescheiden gibt, dem wird gerne unterstellt, man hätte etwas zu verbergen. Gerade bei der Besetzung der begehrten, gut bezahlten und immer seltener werdenden unbefristeten Stellen schauen Verantwortliche eben ganz genau hin, wen sie vor sich haben und wer möchte es ihnen schon verübeln? Einen festangestellten Mitarbeiter hat man im Boot – wenn es eben geht, so lange wie möglich. Sich bei Konflikten oder mangelnder Motivation von ihm zu trennen, ist gerade hierzulande denkbar schwierig. Für Festangestellte zeigt sich das Arbeitsrecht also eindeutig vorteilhaft, was wiederum manchen Arbeitgeber von „zu vielen“ Festanstellungen abschrecken mag. In kurzen Worten: Drum prüfe, wer sich lange bindet …. Doch wie zuverlässig ist eigentlich das Vorstellungsgespräch als Indikator, ob ein beginnendes Arbeitsverhältnis eher „der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ oder der Vorspann für einen echten Horrortrip für beide Parteien wird? Denn die Fragen sind kritisch und viele Bewerberinnen und Bewerber entsprechend gut vorbereitet, um die Antworten zu liefern, von denen sie ausgehen, dass der potenzielle Brötchengeber sie auch wirklich hören möchte. So besteht die Gefahr, dass ein ehrliches Kennenlerngespräch zu einer steifen Dressurnummer im Zirkus abstumpfen kann – es braucht also eine große Menschenkenntnis aller Beteiligten, um wirklich zu einem „guten“ (im Sinne von authentischen) Erstkontakt und zu einer realistischen Einschätzung zu gelangen! Während viele Fragen, zum Beispiel nach dem Lebenslauf, einfach, prägnant und auch recht ungezwungen beantwortet werden können, gibt es auch die Gesprächsthemen, bei denen vor allem weibliche Jobanwärterinnen immer um den heißen Brei herumschleichen müssen. Und auch hier: Wer sollte es ihnen übel nehmen? Immerhin sind manche Nachfragen in einem Jobinterview offiziell nicht einmal zulässig!

Versteckspiele und unzulässige Stressfragen: Manchmal ist es doch echt nur zum Schreien!
Versteckspiele und unzulässige Stressfragen: Manchmal ist es doch echt nur zum Schreien!

Grenzüberschreitungen an der Tagesordnung

Wie einige meiner Leserinnen und Leser sicher mitbekommen haben, bin ich in absehbarer Zeit auch wieder auf der Jagd nach einem passenden Job nach Geburt unseres Kindes und ich beschäftige mich daher momentan wieder mit dem Thema „Bewerbungen“. Meine letzte Lektüre dazu war ein spezieller Ratgeber, „Das Vorstellungsgespräch für Frauen“, von Claudia Nöllke. Und ehrlich gesagt wird mir bei dem Gedanken daran, was eventuell auf mich zurollt, schon ein wenig mulmig. Nicht nur, wenn ich der Geburt selbst entgegensehe, sondern auch in Hinblick auf die Zeit nach dem Mutterschutz. Werde ich einen familienfreundlichen Arbeitgeber in der Medienbranche finden, der mir eine feste Stelle anbieten kann (denn mit befristeter Arbeit und einem gleichzeitig „unbefristeten“ Kind ist wohl kaum ein Blumentopf zu gewinnen)? Wie lange wird die Suche als Frau im gebärfähigen Alter und letztendlich mit familiärer Einbindung wohl dieses Mal dauern? Wird meine Bewerbung vielleicht oftmals gleich aussortiert, sollte ich mein Kind im Lebenslauf mit angeben, oder muss ich die Existenz meiner Tochter bis zum Vorstellungsgespräch verschweigen? Schließlich: Wie viele dieser unsäglichen, penetranten Fragen über mein Privatleben muss ich dann beantworten und schaffe ich es, dabei immer, ehrlich zu sein und cool zu bleiben? Kurz: Wie werde ich mich schlagen, wenn ständig die Grenzen der Privatsphäre mit den sogenannten „unzulässigen Fragen“ (nach Heiratsstatus, Kinderwunsch und Familiensituation) seitens des zuständigen Personalers „durch die Blume“ übertreten werden dürfen? Ob man einem Mann wohl die gleichen Fragen stellen würde? Wohl kaum. Bewerbungsratgeber wie der, mit dem ich mich gerade beschäftige, machen mir gerade wenig Mut. Firmen seien nach wie vor skeptisch, junge Frauen oder auch Eltern einzustellen (ich beziehe hier bewusst Väter mit ein, die zwei oder mehr Monate Elternzeit anstreben), so heißt es. Weiterhin finden sich klare Anweisungen und Ratschläge darin, Familiäres auszuklammern und immer zu beteuern, der Job stehe immer an erster Stelle und Kinder seien gerade überhaupt kein Thema. Mal einen Tag ausfallen, weil das Kind krank ist? Ach Quatsch, das macht eine bezahlte Tagesmutter (denn Großeltern könnten ja unzuverlässig sein …) Pünktlich Feierabend machen müssen, weil Betreuungsstätten eben begrenzte Öffnungszeiten haben? Schnee von vorgestern, natürlich ist auch für Überstunden die Betreuung immer gesichert. Das ist doch „selbstverständlich“. Teilzeitwunsch, Homeoffice oder Job-Sharing? Am besten bloß nicht dran denken, es sei denn, die Stelle ist explizit so ausgeschrieben. Am Ende noch die gesetzlich festgeschriebenen Stillpausen einfordern? Wer diese oder ähnliche Wünsche in einem Gespräch oder nach Antritt einer neuen Stelle äußert, so scheint es, läuft immer noch Gefahr, sich beruflich sofort ein Eigentor zu schießen. Also laufen Bewerber und Bewerberinnen auf Zehenspitzen wie auf heißen Kohlen um solche Themen herum, um den Personaler nicht zu verärgern. Der natürlich wirklich verärgert ist, wenn er merkt, dass man ihm einen Bären aufbinden will. Ich weiß nicht, wie Sie das sehen – es macht mich traurig und motiviert nicht gerade dazu, das ehrliche Gespräch mit seinem zukünftigen Arbeitgeber versuchen, wenn hierzulande ganz natürliche Dinge wie die Bindung an einen Partner („weniger Flexibilität“), eine geplante oder schon vollzogene Familiengründung („Eltern könnten höhere Ausfallzeiten haben und sind ein großer Kostenfaktor“) nach wie vor oft als Makel ausgelegt werden. Ein besonders schweres Los kommt dabei Alleinerziehenden zu – sie dürfen sich wohl die meisten unverschämten Fragen und Unterstellungen in Bezug auf ihr Privatleben anhören.

Wie aussagekräftig sind Bewerbungsgespräche, um eine freie Stelle zu besetzen?
Wie aussagekräftig sind Bewerbungsgespräche, um eine freie Stelle zu besetzen?

Auswege aus der Zirkusmanege

Ist es da ein Wunder, dass bei „verbotenen Nachfragen“ viel verschwiegen oder gar gelogen wird? Wohl kaum. Denn wer rennt schon sehenden Auges in offene Messer? Auch, wenn die Politik es uns anders glauben machen will: Gerade für Menschen mit „Lebenslauflücken“, Frauen, Eltern und Alleinerziehende ist Arbeitsmarktdiskriminierung nach wie vor ein Thema. Es wird also Zeit, dass sich auch die Wirtschaft wieder daran gewöhnt, dass Mitarbeiter eben auch ein Leben vor und nach der Arbeit, eine persönliche Lebensgeschichte und das Bedürfnis nach festen Bindungen haben. Ach ja, und das ist alles nur menschlich. Wenn wir alle – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – also endlich offen und ehrlich über die Vereinbarung von Privat- und Berufsleben, Kind und Karriere, Ansprüche und Bedürfnisse sprechen könnten, ohne dabei Masken zu tragen, könnten wir diese Tanzbärennummer zugunsten wirklich sinnvoller Problemlösungen beenden. Dann wäre das Vorstellungsgespräch auch wieder das, was es eigentlich sein sollte – die Möglichkeit, sich kennenzulernen auf allen Seiten eine ehrliche Einschätzung und eine Vertrauensbasis zu gewinnen.

Cats Medienkommentar | Lesegenuss verzweifelt gesucht

Menschen, die konzentriert die Zeitung lesen, sind ein fast nostalgischer Anblick geworden
Menschen, die konzentriert die Zeitung lesen, sind ein fast nostalgischer Anblick geworden

Menschen, die in einem Café bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Apfelkuchen die Zeitung oder ein Buch lesen – dieses Bild erscheint uns heute weit weg, beinah nostalgisch. Was um uns herum in der Nähe und Ferne geschieht, erfahren wir meist auf die „moderne“ Art: schnell, kurz und vor allem kostenlos, über Online-Nachrichtendienste und Smartphone-Apps. Warum dies eben der Lauf der Zeit ist und Leser sich dennoch hin und wieder die Zeit für mehr nehmen sollten.

Eines vorweg: Während ich diesen Artikel schreibe, fühle ich mich teilweise selbst ertappt. Denn auch ich gehöre zu den „Digital Natives“, die Zettel und Stift im Prinzip „total retro“ finden und selten die Zeit einräumen (können), um ein Buch oder nur eine ganze Printzeitung mit anspruchsvollen Inhalten wirklich gründlich zu lesen. Sicher, gerade in der Literaturwissenschaft habe ich gelernt, viel, schnell und effektiv zu lesen, die wichtigsten Inhalte schnell herauszufiltern und argumentativ in die richtige Form für eine Klausur oder Hausarbeit zu bringen. Was bleibt einem auch anderes übrig, wenn jeder einzelne Kurs im Semester mindestens die Kenntnis von drei Romanen verlangt (nachgeprüft durch „Text quizzes“ und „Textkenntnistests“ als Voraussetzung für die Teilnahme an der Veranstaltung). Pro Woche ein Buch – das ist für jemanden wie mich also keine Seltenheit gewesen. „Bulimielesen“ war angesagt – Plot, Charakterkonstellationen, stilistischer und struktureller Aufbau und vielleicht noch eine „Handlungsmessage“, die hinter dem Werk steht. Das alles innerhalb von viereinhalb Zeitstunden, oder auch drei Kursstunden, für die Prüfung am Ende des Semesters zusammengefasst, systematisch mit den nötigsten Informationen aufgearbeitet, seziert, analysiert. Ich glaube, mein „Leserekord“ im Laufe des Sprachen- und Literaturstudiums waren etwas mehr als 20 anspruchsvolle Literaturstücke jeder Art in Mutter- und Fremdsprache innerhalb eines Jahres. „Professionell“ gelesen, versteht sich (schließlich ist das Hauptjob eines jeden Geisteswissenschaftlers), nicht „einfach nur so“. Oder auch: Für die nächste Kursstunde „vorbereitet“. Wissenschaftliche Textauszüge zum jeweiligen Thema nun nicht mit eingerechnet. Was meinen persönlichen Seitenrekord während des Studiums und der Abschlussarbeiten angeht, habe ich niemals nachgezählt – wann hätte man auch die Zeit dafür gehabt. Vermutlich ist es einem auch irgendwann nicht mehr aufgefallen, wie viele Informationen das Hirn tagtäglich aus der Studienlektüre gespeichert, geordnet und archiviert hat. Dies wird Absolventinnen und Absolventen anderer Fachrichtungen natürlich nicht anders ergangen sein – vielleicht nur über andere Mittel, Zugänge und Medien.

Schneller, kürzer, oberflächlicher

Im Über- und Blindflug: Wie viele Informationen entgehen uns dabei?
Im Über- und Blindflug: Wie viele Informationen entgehen uns dabei?

Wer schon einmal einen Roman mit einem tiefgründigen Thema und einer etwas komplizierteren Sprache in der Hand gehabt hat, weiß, dass viele davon alleine durch ihren Umfang von mehreren 100 Seiten bis hin zu vierstelligen Seitenzahlen mehr Zeit erfordern würden, als der durchschnittliche „Berufsleser“ zur Verfügung hat. Doch weil die Situation es erfordert (Deadlines warten nicht), wird genau jener „professionelle Leser“ alle Register ziehen, um die Prozesse rund um das Lesen zu vereinfachen, effektiver zu machen, auf eine Quintessenz zu reduzieren. Das schult einerseits die schnelle Auffassungsgabe, das strategische Denken in einem Gesamtzusammenhang und die geistige Flexibilität. Eine Kehrseite der Medaille: Wo nur ein Teil der Informationen zum Tragen kommt, geht auch viel verloren. Ein weiterer unangenehmer Nebeneffekt: Die Konzentration auf einen bestimmten, vorgefertigten Fokus und darauf, dass die Verarbeitung nur auf ein Ziel hinausläuft (zum Beispiel eine Prüfung) lassen selten zu, dass wirklich viel im Langzeitgedächtnis hängen bleibt. Rückblickend kann ich mich nach fast drei Jahren nach dem Masterabschluss kaum noch an die Lerninhalte erinnern. Zumindest nicht an die, die ich mir eher „nebenbei“ aneignen musste. Der dritte, ziemlich triviale Nachteil des „Lesens auf Abruf“ liegt ebenso auf der Hand: Es macht einem hinterher einfach keinen Spaß mehr! Doch nicht nur bei Büchern zeigt sich der Trend, dass einfach weniger und oberflächlicher gelesen wird – auch Zeitungs- und Zeitschriftenabonnements sind rückläufig. Und wenn Zeitungen oder Zeitschriften von der „breiten Masse“ abonniert werden, so behandeln sie meist recht oberflächliche Themen, „leichte Kost“, die von einem anstrengenden Lebensalltag ablenkt. Überhaupt – warum noch Printausgaben kaufen, wenn man doch die kurzen, knackigen Artikel aus dem grenzenlosen World Wide Web sogar kostenlos haben kann? In Anbetracht allgemeiner Freizeitknappheit und dabei steigendem Informationsbedarf eine berechtigte Fragestellung. Aber eine wichtige – für den Leser wie für den Medienschaffenden.

Der innere Leseschweinehund

Apps liefern alle Infos in ihrer kürzesten Form und bestimmen den Alltag der „Digital Natives“

Immer wieder häufen sich Klagen und Schlagzeilen, die auf einen Tenor hinauslaufen: Kinder und Jugendliche lesen zu wenig! Zeitungs- und Zeitschriftenverlage ächzen unter Umsatzeinbußen und müssen sich entweder komplett einem Mainstream anpassen oder sich Marktnischen suchen. Auch der Buchhandel (vor allem der stationäre) klagt über Kundenschwund und Existenzschwierigkeiten. Aber sind wir hier wirklich so lesefaul, oder lesen viele, vor allem junge Menschen, einfach nur „anders“? Fest steht: Viele Kinder und Jugendliche haben keinen Spaß am Lesen ihrer Schullektüre, die meist aus umständlich geschriebenen „Klassikern“ wie Goethes „Werther“, Fontanes „Effi Briest“, Shakespeare oder Molière bestehen. Kein Wunder, wenn man bedenkt , dass diese Werke ursprünglich für intellektuelle Erwachsene geschrieben wurden – nicht für den Durchschnitt der Jugendlichen. Ich erinnere mich noch an einen Schüler in der Nachhilfestunde, der sich mit Shakespeares Early Modern English herumquälte und mich ziemlich ratlos fragte: „Wie soll ich denn irgendetwas verstehen, wenn schon die Sprache so komisch ist?“ In einem musste ich ihm recht geben: Die Literatur aus vergangenen Jahrhunderten – gerade noch in einer Fremdsprache – muss dem durchschnittlichen, jugendlichen Leser nicht nur nicht zeitgemäß vorkommen, sondern auch stinklangweilig. Zumindest, wenn sie in der Schule aus Lehrplan- und Zeitgründen nur routinemäßig heruntergerattert wird und allein der Prüfungsvorbereitung dient. Ich selbst war vom Grundschulalter an zwar die die Beste, wenn es um Zahlen ging, aber dafür eine ziemliche Leseratte. Schwierige Bücher fand ich spannend und traute mich auch früh an den „Erwachsenenbücherschrank“ meiner Eltern heran. Mit 16 las ich „Jane Eyre“ auf Englisch und war beinahe ein wenig überrascht, als es mir mehr als zehn Jahre später im Masterstudium wieder begegnete und ich den Inhalt noch auswendig kannte. Vielleicht, weil ich es damals mit Vergnügen gelesen hatte – nicht, weil ich es musste oder ein Referat darüber halten musste. Das mit dem „Müssen“ ist nämlich auch immer so eine Sache, wenn man sein Hobby zum Beruf macht. Ziele, die man vielleicht vorher noch als sportliche Herausforderung empfunden hat, werden auf einmal zu einer Art lästiger Pflicht. In meinem Fall möchte ich es mal „Analyseritis“ nennen – tatsächlich konnte ich bis nach Abgabe meiner Masterarbeit (und darüber hinaus) nur noch selten mit Genuss etwas lesen, ohne jede Seite im Kopf zu sezieren, sprachlich zu deuten und in irgendein erlerntes Schema einzuordnen. Mal „einfach so“ wieder einen Text zu lesen, ohne es mit einem Ziel zu verbinden – das musste ich nach dem Studium erst mühsam wieder lernen.

Z-Faktor: Was Zeit so wichtig macht

Genügend Zeit kann Lesen wieder zu einem Erlebnis machen
Genügend Zeit kann Lesen wieder zu einem Erlebnis machen

Egal ob Buch, Zeitschrift oder Zeitungsartikel, ob auf dem E-Reader, dem Tablet oder auf Papier, ob wissenschaftliche Aufsätze oder amüsante Satire: Texte brauchen vor allem Zeit, damit sie verstanden werden. Das ist manchmal schwer zu glauben oder auch einzusehen in einem digitalen Umfeld, das es uns erlaubt, bereits vorsortierte Nachrichtenmeldungen mithilfe einer Apps auf unseren Smartphones nur anhand von Überschrift und Textzusammenfassung durchzuscrollen. Und sicherlich haben sowohl analoge als auch digitale Formate, ob lang oder kurz, jeweils ihren ganz eigenen Wert und Charme. Für die schnelle Information zwischendurch mögen auch derartige Kurzmeldungen in Radio, Fernsehen oder auf Nachrichtenportalen ihren Zweck erfüllen. Dennoch kann dies nicht alles sein und die Neugierde auf Hintergründe, Überraschungen und spannende Details erfüllen. Denn manchmal lohnt es sich einfach, sich Zeit zu nehmen, um ein gutes Buch zu genießen oder sich wirklich über ein aktuelles Thema schlau zu machen. Mit dieser Kolumne möchte ich Sie – und auch mich selbst – dazu anregen, der Freude am Lesen wieder mehr Beachtung zu schenken. Immerhin: Wenn Sie diese Kolumne wirklich aufmerksam bis zum Ende gelesen haben, haben Sie schon einen ersten Schritt getan. Vielen Dank für die Zeit, die Sie sich genommen haben – und den Respekt, den Sie damit jedes Mal dem Autor erweisen.

Cats Gedankenwelt | Wir Klick-Krieger

Alles auf einen Klick? So einfach ist das nicht!
Alles auf einen Klick? So einfach ist das nun auch wieder nicht!

Es scheint, als funktioniere unsere Welt nur noch auf einer digitalen Ebene. Sich gegen qualvolle Pelztiertötung einsetzen? Einem Diktator die Meinung geigen, weil er Frauen und Homosexuelle in seinem Land unterdrückt? Für faire Bezahlung in Textilfabriken in Bangladesch kämpfen? Kein Problem – ein Klick genügt! So scheint es zumindest in der bunten, weiten Welt der Onlinepetitionen. Doch wo liegen die Grenzen des „grenzenlosen“ World Wide Web, wenn es um echte Hilfeleistung geht? Eine nachdenkliche Betrachtung.

Wann immer ich meinen Newsfeed bei Facebook oder mein E-Mail-Postfach öffne, springen mir Horrormeldungen über die unglaublichsten Dinge und Ereignisse entgegen – versehen mit dem Aufruf, in einer Onlinepetition dagegen meine Stimme zu erheben. Das Spektrum reicht dabei vom Schreddern männlicher Küken in Fleischverarbeitungsbetrieben bei lebendigem Leib (mir wird schon beim Gedanken daran ganz schlecht) über die Steinigung von ehebrechenden Frauen irgendwo in der afghanischen Wüste bis hin zu den fatalen Umweltfolgen des Frackings. Alle diese Dinge jagen mir zugegebenermaßen einen Schauer über den Rücken – vor allem Menschenrechtsverletzungen und Tierquälerei lassen mich keinesfalls kalt. Oftmals traue ich mich gar nicht mehr, die Infolinks zum Thema anzuklicken, wei es mich schon bei der Vorstellung schüttelt, dass es so etwas tatsächlich (noch) gibt. Glücklicherweise kommt man meist auch so zu der Onlinepetition – auf direktem Weg – und kann so direkt seine digitale „Unterschrift leisten“ gegen all dieses Unrecht, das um uns herum geschieht. Ab einer bestimmten Anzahl von „Unterschriften“ gelangt das Anliegen dann zu einer zuständigen Behörde oder einer karitativen Organisation. Zumindest versprechen dies die Aufrufe jedes Mal. Manches Mal frage ich mich jedoch: Wie viel bringt es, realem Unrecht mit Klicks auf einer Internetseite zu begegnen?

Nicht selten erfordern Notsituationen direkte Hilfeleistung vor Ort
Nicht selten erfordern Notsituationen direkte Hilfeleistung vor Ort

Protestkultur im digitalen Raum

Ich erinnere mich aus meinen Teenagerjahren noch gut an eine andere Form der Petition – die, die man „auf der Straße“ einholte. Meine beste Freundin und ich hatten in einer Zeitschrift über die Tötung von Straßenhunden in Osteuropa gelesen und wollten helfen. Im naiven Überschwang zweier jugendlicher Tierfreundinnen sind wir also losgezogen – mit ihrem eigenen Hund und meinem Nachbarshund, und haben Unterschriften für ein Protestschreiben an die Regierung an Haustüren gesammelt. Auch wenn es wahrscheinlich nicht viel gebracht hat – die meisten Menschen, die wir trafen, waren entweder beeindruckt oder zumindest stark gerührt von unserer Aktion. Auch heute gibt es noch Protestaktionen „im echten Leben“ – man erinnere sich an den „arabischen Frühling“, die Kundgebungen der Gewerkschaften für gerechte Löhne und diverse Kita-Srreiks, die so viele berufstätige Eltern in die Verzweiflung treiben und doch so notwendig sind, um auf den Wert sozialer Arbeit aufmerksam zu machen. Insgesamt jedoch – so scheint es mir zumindest – hat sich ein großer Teil der heutigen Widerstands auf den digitalen Raum verlegt. Wenn ich mir die Erzählungen meiner Eltern aus ihren „wilden Studentenzeiten“ anhöre, erzählen sie von Demos gegen den Vietnamkrieg, gegen Atomkraftwerke und die Benachteiligung von Frauen. Im Film „We want Sex“, der kürzlich im Fernsehen lief, wird an die Streiks der Ford-Mitarbeiterinnen in England für gleichen Lohn erinnert und die Menschen der „prüden Sechzigerjahre“ erscheinen einem doch um einiges kämpferischer, als es heute, 50 Jahre später, oftmals erscheint. Es hat also ein Wandel in der Demonstrationsbereitschaft stattgefunden, aber woran liegt das und was sind die Auswirkungen?

Seine Stimme erheben kann man auf vielfältige Weise - Onlinepetitionen sind die bequemste Lösung
Seine Stimme erheben kann man auf vielfältige Weise – Onlinepetitionen sind die bequemste Lösung

Klicks allein reichen nicht

Es scheint im „digitalen Zeitalter“, wo alles Mögliche von einem Smartphone oder Laptop aus erledigt werden kann, nicht weiter verwunderlich, dass auch Petitionen und das Anbringen kritischer Stimmen via Internet Hochkonjunktur haben. Und ich möchte die derzeitige „Protestwelle per digitaler Unterschrift“ auch gar nicht schlecht reden. Ohne das World Wide Web als „Informationshighway“ wüssten viele von uns vermutlich nicht einmal, wozu Menschen (im negativen Sinne) fähig sein können. Vielleicht würden die zahlreichen Meldungen über die Verheiratung von minderjährigen Mädchen mit älteren Männern, über Massenvergewaltigungen, Lebensmittelskandale und all die anderen Dinge, gegen die Petitionsunterstützer online Sturm laufen, gar nicht so schnell bei uns ankommen. In der aktuellen Medien- und Infomationskultur müssen auch diejenigen unter uns, die bewusst die Nachrichten mit ihren Schreckensmeldungen über das Unrecht in der Welt vermeiden, sich damit beschäftigen – immerhin macht das Internet all diese „harten Fakten“ allgegenwärtig. Dennoch sollte sich jeder darüber bewusst sein, dass Klicks und „Share“-Buttons auf einer Internetseite eben nicht alles sein können; dass man zwar irgendetwas zur Weitergabe wichtiger Informationen und zur Verbesserung gewisser Umstände beigetragen hat, aber dies eben für sich allein nicht ausreicht. Es braucht mehr, um wirklich etwas zu ändern und die Möglichkeiten, die der Einzelne hat, sind dabei umfangreicher, als mancher „auf den ersten Klick“ denkt. Wer online gegen die Misshandlung auf Pelztierfarmen protestiert, kann auf jegliche Art von Echt- und Kunstpelz verzichten, auch sein Umfeld auf diesen Missstand hinweisen und so ein Zeichen setzen. Wenn man die Massentierhaltung in der Fleisch-, Milch- und Eierindustrie veabscheut, kann man auf andere Bezugsquellen zurückgreifen oder versuchen, den Genuss dieser Produkte weitgehend einzuschränken. Kleinere oder größere Beträge an Organisationen wie die „SOS Kinderdörfer“ oder „Amnesty International“ zu spenden kann helfen, das Leben vieler anderer Menschen weltweit oder auch in der eigenen Stadt zu verbessern. Nicht zu vergessen: die Möglichkeiten, sich in der Flüchtlingshilfe oder für die örtliche „Tafel“ zu engagieren, um Armut und Not einzuschränken. Als Fazit möchte ich also vorschlagen: Onlineprotest ist der Teil eines großen Ganzen – doch mit Likes allein wurde noch kein Kampf gewonnen.

Cats Couch: Vater werden ist (doch) schwer!

Viele Änderungen, mehr Verantwortung: Vater werden ist ein Abenteuer
Viele Änderungen, mehr Verantwortung: Vater werden ist ein Abenteuer

„Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“- ein bewährtes Sprichwort, das viele Männer aus dem Wortschatz ihrer eigenen Eltern und Großeltern kennen. Aber stimmt das in allen Fällen? Wohl kaum – werdende Väter müssen ebenso wie ihre Partnerinnen eine Menge mitmachen und ihr Anteil an der Schwangerschaftszeit und an den ersten Monaten mit Baby wird häufig unterschätzt.

Überall liest man in den sozialen Medien massenhaft über Schwangerschaft, Geburt und Stillen – als reine Frauenthemen. Das kann sehr praktisch sein, wenn man sich einfach über den derzeitigen Status Quo des Ungeborenen während der Schwangerschaft, eventuelle Schwierigkeiten und Lösungen und Erfahrungen anderer Mütter informieren möchte. Besonders, seit mein Mann und ich selbst ein Kind erwarten, bemerke ich immer wieder, wie sehr der Fokus meiner Umwelt sich auch auf die kleine Maus richtet, die da bisher unbehelligt in ihrer Fruchtblase heranwächst. Bis zu einem bestimmten Grad an Privatsphäre genieße ich das, denn es zeigt mir, dass ihnen allen etwas an „uns“ liegt. Manchmal fühle ich mich als werdende Mutter allerdings geradezu erschlagen von all den Ratschläge, Ideen und Fakten rund um diese Zeit voller neuer Herausforderungen und Überraschungen. Und ich vermisse gerade im medialen Kontext häufig eines: die Einbeziehung des Vaters, der ja in der Regel alles andere als unbeteiligt am „Projekt Kind“ ist.

Mehr als nur Erzeuger

Auch Väter machen sich ihre Gedanken um die Zukunft
Auch Väter machen sich ihre Gedanken um die Zukunft

Zugegeben, es gibt nicht wenige Fälle, in denen sich die Rolle des werdenden Vaters wirklich auf die eines Erzeugers und „Samenspenders“ beschränkt und wir Frauen für alles Weitere komplett allein verantwortlich sind. Zum Beispiel, wenn, abgesehen von finanzieller Unterstützung nach der Geburt, von Seiten des männlichen Partners absolut das Interesse am eigenen Kind fehlt. Oder wenn ein Kind „anonym“ durch eine Samenbank entsteht und „Mama in spe“ aus Prinzip keine Elternbeziehung mit dem Spender eingehen, sondern es allein erziehen möchte. Dennoch sollte den Männern, die sich vomn Beginn an als Väter einbringen, mehr Aufmerksamkeit und Respekt entgegengebracht werden. Denn häufig wird bei aller Konzentration auf Mutter und Kind vergessen, was eigentlich ihr Partner bei Schwangerschaft, Geburt und in der Zeit an Unterstützungsarbeit leistet. Ganz nach dem Motto: „An der Seite jeder entspannten Mutter steht ein engagierter Mann“ (oder in lesbischen Beziehungen eben eine zweite Frau – was ebenso viel Respekt verdient). Auch wenn die Verantwortung für ein neues Leben im Mutterleib, die Geburt und eventuell auch das erste Bonding nach wie vor weitgehend „Mamasache“ sind, tun unsere Partner dennoch eine ganze Menge, um uns all dies zu erleichtern!

Wofür wir dankbar sein können …

Mächtig unausstehlich: In der Schwangerschaft können Frauen zu Diven werden
Mächtig launisch: In der Schwangerschaft können Frauen zu Diven werden

Der Fels in der Brandung. Auch, wenn ich mich selbst eher zu den rationalen und „unkomplizierten“ Schwangeren zählen möchte, weiß ich, dass diese Zeit für andere Frauen eine sehr emotionsgeladene mit zahlreichen überschäumenden Gefühlen ist. Dabei wird oft und gerne vergessen, dass auch der Partner sicherlich seine ganz eigenen Unsicherheiten, Zweifel und Ängste hegt und die werdende Mutter damit nur nicht belasten will. Dabei sind diese sicherlich ebenso relevant und ernst zu nehmen wie die jeder hormonbelasteten Schwangeren – es lohnt sich also, über den eigenen Babybauch hinaus zu schauen und sich damit auseinanderzusetzen.

Wunder sind gratis und Unmögliches wird sofort erledigt. Während manche Zeitgenossin der Geburt und der ersten Zeit mit Baby eher gelassen und geplant entgegensieht, kann manch andere Schwangere, ohne es zu wollen, zu einem wahren Hausdrachen werden. Sie zufriedenstellen? Eine „Mission Impossible“, an der jeder Actionheld verzweifeln würde. Übrigens genießen die Partner jener Frauen, die unter dem Einfluss von Hormonen zu wahren „Mamamonstern“ mutieren, mein volles Mitgefühl und meinen Respekt für ihre Nervenstärle bei einem solchen Drahtseilakt. Es ist sicherlich nicht einfach, sich ständig mit Heulkrämpfen, „ich will aber Erdbeeren“-Trotzmomenten und Wutanfällen aus dem Nichts herumzuschlagen und dabei noch ein gelassener, liebevoller Freund oder Ehemann zu bleiben.

Auch mein Msnn und ich freuen uns schon auf unser "Kätzchen"
Auch mein Mann und ich freuen uns schon auf unser „Kätzchen“

Neue Aufgaben – höherer Einsatz. Je weiter Kind und Vorfreude wachsen, desto eingeschränkter werden wir werdenden Mütter in dem, was uns körperlich noch möglich ist. Dies bedeutet auch eine Menge mehr Einsatz für den Partner, denn zum Beispiel das Heben schwerer Gegenstände (auch Einkaufstüten) über fünf bis zehn Kilogramm, manche Haushaltstätigkeit, die mit Bücken oder Strecken verbunden ist oder längere Fußwege und Treppensteigen ohne Verschnaufpause sind irgendwann einfach nicht mehr drin. Außerdem übernimmt mancher Mann für seine Herzensdame, sollte sie wegen ihres Hormonspiegels etwas vergesslich geworden sein, auch gerne mal die „Managerrolle“. Auch in den ersten Wochen nach der Geburt winkt oft noch „Extraeinsatz“ in Form von Aufgaben, die in der Regenerationsphase einfach sonst ständig ebenso wie die frisch gebrackene Mutter liegen bleiben würden.

Teamwork ist gefragt

Etwas differenzierter betrachtet ist Vater werden also doch schwer, nicht erst, wenn der kleine Wirbelwind erst einmal auf der Welt ist. Dies soll die Verantwortung und Belastungen, die eine Frau buchstäblich „herumträgt“, keinesfalls schmälern oder herabsetzen. Im Endeffekt geht es darum, sich von einem funktionierenden Paar zu einem eingespielten Elternteam zu werden und das erfordert immer einen gemeinsamen Einsatz sowie eine Menge Zugeständnisse. Gerade in einer Zeit, wo Väter immer mehr und bereitwilliger Verantwortung im Familienalltag übernehmen und auch zum Teil ihre eigene berufliche Laufbahn für längere Erziehungszeiten unterbrechen – beides positive Signale dafür, dass sich etwas bewegt im morschen, konventionellen Rollengefüge. Ob als Versorger oder als ständig anwesender Ansprechpartner für seine Kinder: Väter sind wichtig. Damit „Papas in spe“ sich aber auch als gleichwertige Partner beim Abenteuer Familienplanung fühlen können, muss man auch einfach einmal sagen: Danke für alles!

Cats Gedankenwelt: Kommen und Gehen

Tapetenwechsel: Manchmal genau das, was wir brauchen
Tapetenwechsel: Manchmal genau das, was wir brauchen

Das Leben ist eine Wundertüte, man weiß nie, was man bekommt“, lautet ein Sprichwort. Wir modernen Menschen wollen davon nie etwas wissen und möglichst immer die Kontrolle über alles behalten, was uns auf dem Weg widerfährt. Und so sehr wir es versuchen: So ganz kommen wir aus dem Kreislauf von Anfängen und Schlussstrichen, Abschieden und Wiedersehen nicht heraus.

Erinnern Sie sich an die allererste große Veränderung in Ihrem Leben? Oder vielleicht an einen Abschied, der Sie in frühen Jahren bereits beschäftigt hat? Ich erinnere mich genau daran. Es war der Tag, an dem ich im Alter von vier Jahren erfuhr, dass mein Großvater nach langer Krankheit verstorben war. Weg, einfach … tot. Zwar wusste ich als Vorschulkind noch nicht genau, was es mit diesem „tot sein“ eigentlich auf sich hat, doch man hatte mir erklärt, dass mein Opa nun endlich an einem Ort wäre, wo er seine Schmerzen vergessen kann. Weiterhin, dass er eben auf ewig verreist sei und sein Weg in unserer Mitte eben geendet habe – zumindest in dieser körperlichen, berührbaren Form, wie ich ihn kannte. Natürlich stirbt die Erinnerung nicht allein dadurch, dass uns ein uns nahestehender Mensch verlässt, sonst könnten wir uns nicht so lange an jemanden erinnern und ihn im Herzen bewahren. Der Tod meines Großvaters, der mich durch meine gesamte Zeit als Kleinkind begleitet hatte, war nur der Anfang einer langen Kette von Abschieden und Wiedersehen, Verlusten und Neuanfängen. Ich denke, jeder kennt so eine Geschichte, die ihm erstmalig klargemacht hat, dass Dinge sich eben von einem Tag auf den anderen ändern können.

Eine menschliche Grunderfahrung

Vorwärts ist die einzige Richtung, in die Zeit laufen kann - es gibt kein Zurück
Vorwärts ist die einzige Richtung, in die Zeit laufen kann – es gibt kein Zurück

Jemanden oder etwas zu verlieren, gehört zu den menschlichen Grunderfahrungen, die schmerzen, die aber jeder erlebt. Ebenso, wie etwas Neues zu beginnen oder bisher unbekannten Menschen zu begegnen, die von dann an unser Leben mit prägen. Es schmerzt am meisten, je näher einem jemand gestanden hat. So hatte ich zum Beispiel bis zum 17. Lebensjahr eine langjährige beste Freundin, die jedes noch so große Geheimnis von mir wusste – vielleicht die letzte „Allerbeste“, die ich in diesem Leben haben werden. Denn wenn ich eines aus diesem Verlust gelernt habe, dann, dass freundschaftliche „Monogamie“ sich unendlich gut anfühlen, aber auch sehr tiefe Wunden reißen kann, wenn die Beziehung zerbricht. Habe ich also meine erste „Scheidungserfahrung“ schon hinter mir? Vielleicht, nur auf einer anderen, platonischen Ebene. Doch nach dem Scheitern kommt meist das Aufstehen, eine Neuorientierung, und ehrlich gesagt lässt einem die Zeit auch keine andere Wahl. Diese kennt immerhin keine andere Richtung als vorwärts. Wir lernen, dass jede Stunde, die vergeht, uns etwas Neues bringen kann – ob wir das nun gerade als angenehm und freudig oder unerwünscht und kräftezehrend empfinden.

Überraschungsmomente nutzen

Neue Aussichten können Angst machen oder ein Grund zur Vorfreude sein
Neue Aussichten können Angst machen oder ein Grund zur Vorfreude sein

Leben ist das, was passiert, während wir Pläne schmieden“ – irgendwann bekommt dies jeder zu spüren. Bei mir konnte wohl nichts so viel durcheinanderwerfen wie zwei Striche auf einem Schwangerschaftstest. Es war vielleicht das, womit ich am wenigsten gerechnet hätte – ein Kind, jetzt? Noch vor der Unterzeichnung eines festen Arbeitsvertrages nach dem Volontariat? Und überhaupt- schaffen wir das alles? Ob Kind, neuer Job mit mehr Verantwortung oder ein neuer Wohnort weit weg von zu Hause – nur ein paar Dinge auf einer langen Liste an Veränderungen, die erst einmal zwiespältige Gefühle auslösen können. Einerseits löst das Neue eine freudige Neugierde auf das aus, was kommt. Andererseits lässt es manchmal den Magen rumoren bei dem Gedanken, was alles schiefgehen könnte. Oder auch die Erkenntnis, dass man sein bekanntes Umfeld verlässt, um woanders andere Luft zu schnuppern. Manchmal suchen wir bewusst einen neuen Anfang, manchmal „überfallen“ uns die Veränderungen einfach und wir fühlen uns zunächst überrannt. Es gilt nun, sich nicht vom Überraschungsmoment einschüchtern zu lassen und ihn für sich zu nutzen – so schwer dies in der ersten Verwirrung fallen mag. Was soll man sagen: Wir Menschen, oder die meisten von uns, sind eben Gewohnheitstiere und befinden uns in einem ständigen Zwiespalt zwischen Misstrauen und Neugierde.

Den Abgrund überbrücken

Grenzen überwinden kostet Mut, doch man ist selten ganz allein
Grenzen überwinden kostet Mut, doch man ist selten ganz allein

Bei besonders tiefgreifenden Brüchen, Trennungen und Veränderungen im Leben erscheint es zunächst schwierig, nach vorn zu schauen, denn alles, was man sieht, gleicht einem tiefen, unüberbrückbaren Abgrund. Manchmal mit einer kleinen oder instabilen Brücke, die unmöglich zu überqueren scheint. Zumindest nicht ohne das Risiko, zu fallen und ohne jemanden, der auf der anderen Seite wartet und eine Hand ausstreckt. Doch zum Gück kommt es in Wahrheit selten vor, dass man vollkommen allein dasteht und keinen Anreiz sieht, den Weg auf die andere Seite zu wagen. Denn manchmal ist ein Weggehen auch wieder ein Ankommen – dort, wo neue Perspektiven, Risiken aber auch Chancen warten. Egal, wie düster der Horizont im ersten Augenblick erscheinen mag, bleibt es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten Lichtstrahlen wieder durch die Wolkendecke brechen. Also: Nur Mut. Mein Mann und ich freuen uns jedenfalls inzwischen sehr auf die spannende Zeit, die uns bevorsteht.

Cats Medienkommentar: Brennpunkt Journalismus • Eine persönliche Bestandsaufnahme

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Medienarbeit hierzulande ist weniger glamourös, als Filme wie „Spotlight“ sie zeigen.

Mit „Spotlight“ eroberte in den letzten Wochen ein Film über die Macht des investigativen Journalismus die deutschen Kinos. Die amerikanische Produktion über Kirchenskandale, korrupte Machenschaften und die „Vierte Gewalt“ im Staat erregt die Gemüter und erweckt uralte Ideale des Zeitungswesens. Ein guter Anlass, um einen Blick auf den journalistischen Status Quo und die Kreativbranche in Deutschland zu werfen.

Als angehende Journalistin kam ich natürlich nicht umhin, mir den auf dem Filmfestival in Cannes vorgestellten Film „Spotlight“ anzusehen. Die Story: Ein Team von Journalisten in Boston, die mit leidenschaftlichem Eifer einen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aufdecken und für ihre Recherchen den Pulitzer-Preis erhalten. Diese Geschichte stimmt nachdenklich; denn sie eröffnet nicht nur Einblicke in verborgene Abgründe lange etablierter Institutionen und Traditionen, sondern auch darin, wie investigativer Journalismus funktionieren kann und was er bewirkt, wenn man ihm Raum gibt.

Medienarbeit auf Sparflamme

Zeitungen und Zeitschriften - Medien auf dem absteigenden Ast?
Zeitungen und Zeitschriften – Medien auf dem absteigenden Ast?

Natürlich gilt auch bei „Spotlight“ trotz einer wahren Grundgeschichte das Motto: „This is Hollywood, Baby!“. Dennoch zeigt der Film, was für einen guten, gründlichen Journalismus nötig ist und die Realität, die viele von uns erleben, scheint davon doch Welten entfernt. Gerade an der aktuellen Berichterstattung, wo immer wieder das Gleiche zur Sprache kommt, sieht man das meiner Meinung nach recht deutlich. Dabei geht es mal mehr, mal weniger reißerisch zu. Während die öffentlich-rechtlichen Sender und ihre Redaktionen noch halbwegs nüchtern und „trocken“ auf einem informativen Niveau bleiben, geht es bei den selbsternannten Alleswissern, „kritischen“ Bloggern (ich möchte hier keine Namen der betreffenden Nachrichtenplattformen nennen) und sonstigen Vertreter der Sorte „sensationsgeil“ mitunter ziemlich reißerisch zu. Die Internetgemeinde liebt das Spiel der großen Emotionen und steigt sofort mit in den Taumel ein – auch bei eigentlich sehr informativ-sachlichen Beiträgen, die eindeutig die falsche Adresse für platte Parolen und Polemik sind. Warum sonst findet man unter fast jedem eigentlich seriös auszulegenden Beitrag beim Thema „Flüchtlingskrise“ (der absolute hysterische Hype zurzeit) patriotische Binsenweisheiten, massenhaft Klischees und irgendwelche abfälligen Kommentare über „Mutti Merkel“ in den Kommentaren. Mit Grüßen „vom Volk“ an „das Pack“ (also die „Schmarotzer, die alles in den A… geschoben bekommen“). So, als ob es diese spezielle Untergattung Mensch des „Asozialen“ und „dreckigen Schmarotzers“ hierzulande nicht auch gäbe. Wenn man überhaupt mit seinem Spiegelbild vereinbaren kann, einen anderen Menschen, den man nicht kennt, so zu betiteln. Aber manchen Personenkreisen, so scheint es, ist der Blick in den eigenen Spiegel zur gründlichen Überprüfung der eigenen Gesinnung wohl zu heikel. Neben der ständigen Hetze gegen „illegale Einwanderer“ (die Trump-Fraktion in den USA macht es vor), schreien viele Menschen vor allem eines: „Lügenpresse!“ Auch dies ist sicherlich ein hemmungsloses Klischee und nicht verhandelbar. Dennoch: Auch abseits der Stammtischparolen, die einem mitunter von diversen Clickbait-“Nachrichtenportalen“ entgegenschallen, gibt es ohne Zweifel einen Verbesserungsbedarf im Journalismus- und Mediensektor.

Eine Branche spart sich kaputt

Neue Medien: Wer bestehen will, muss crossmedial sein
Wer bestehen will, muss crossmedial auf allen Kanälen präsent sein – das muss auch die Redakteursausbildung leisten!

Im Wirtschaftsjargon nennt man die Verkleinerung oder Verschlankung eines Unternehmens, meist verbunden mit massiven Einsparungen bei den Personalkosten, „Gesundschrumpfen“. Manche Betriebe oder ganze Branchen, so scheint es, werden durch eine zu rigide Sparpolitik jedoch eher „krank“, geraten unter extremen Druck oder erleiden gar den schleichenden Tod des berühmten „Frosches im Kochtopf“. Nicht umsonst spricht man vom weltweiten „Zeitungssterben“, das nicht nur Tageszeitungen betrifft, sondern auch den Fachmagazin- und Entertainment-Sektor. Kurz: Die Medienbranche befindet sich auf dem absteigenden Ast und in einer immer schärferen Konkurrenzsituation. Ich möchte an dieser Stelle nicht abstreiten, dass das Internet als kostenlose Informationsquelle ein leichtes Spiel hat, kostenpflichtigen Angeboten, womöglich noch im Printformat, die Show zu stehlen. In manchen Regionen oder Fachgebieten ist es ohne Zweifel schwierig, seine Publikation mithilfe von Anzeigen zu finanzieren, wenn die Geldgeber fehlen oder keinen Sinn mehr in bisherigen Werbeformaten sehen. Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass sich im Zeitalter der App kaum noch jemand in Ruhe an einen Tisch setzt und seine Zeitung liest – zumindest scheint dies rückläufig zu sein. Und natürlich, gerade für die junge und heranwachsende Generation ist es oft „uncool“, sich intensiv mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinanderzusetzen, anstatt über das „Dschungelcamp“, Kim Kardashians Nackt-Selfie oder den „Bachelor“ zu diskutieren. Wie könnte es auch anders sein; oft machen wir jetzt Erwachsenen es ihnen ja nicht anders vor. Selbstverständlich betrifft dies längst nicht alle jungen Menschen, oder eher: zum Glück nicht. Auch hier wird anscheinend massiv gespart, und zwar an der Bedeutung des Contents und dessen inhaltlichem Niveau. Die Gründe, warum Gelder, Personalkosten, Aufwand und Recherchen in der Berichterstattung aller möglichen Formate eingespart werden, sind vielfältig und aus unternehmerischer Sicht mitunter sogar plausibel. Dennoch: Wohin führt das eine Branche, die einst dafür geschaffen wurde, Menschen zu informieren und zu kritischen Mitdenkern zu machen?

Verbesserungen erfordern ein Umdenken

Nur weißes Rauschen? Im Endeffekt leidet die Qualität der Inhalte unter massiven Einsparungen
Nur weißes Rauschen? Im Endeffekt leidet die Qualität der Inhalte unter massiven Einsparungen

Offensichtlich gibt es im Medienwesen eine Schieflage, die sich durch alle Bereiche zieht – Fernsehen, Radio, Zeitung, Buchvertrieb und Zeitschriften. Ein Ungleichgewicht, das im Kleinen beginnt und sich schließlich bis in die Berichterstattung der „großen“ Agenturen zieht. Zunächst: Ein Medienerzeugnis kann nur so gut sein wie seine Schöpferinnen und Schöpfer. Und diese können nur so gut und engagiert sein, wie sie es in ihrer Ausbildung gelernt haben – zumindest meistens. Doch die Tatsachen in der Branche sprechen eine leider oft eine andere Sprache. Zwar gibt es Tariflöhne für angehende Journalisten und Medienschaffende, dennoch sind diese längst nicht die Regel und werden schon gar nicht überprüft. Das ist eine bedenkenswerte Entwicklung, denn kaum etwas kann die Motivation hoffnungsvoller Berufsanfängern mehr dämpfen als die Aussicht, auch bei einem Vollzeitjob, vielleicht noch mit einem guten Überstundenpegel, zusätzlich auf Finanzspritzen von der Arbeitsagentur, von der Familie oder auf einen oder mehrere Nebenjobs angewiesen zu sein. Wirklich, es ist ein reales Problem, wenn in Großstädten das Geld nicht für Essen, Miete und Mobilität reicht. Existenzängste können in der Tat Motivationshemmer sein. Denn wer darum kämpft, jeden Monat seine Rechnungen bezahlen zu können oder gar noch etwas Geld für eigene Anschaffungen und etwas Spaß am Privatleben zu behalten, muss sich seine Kräfte besser einteilen als jemand, der sich sicher fühlt. Und wer zumindest das Mindeste erhält, was jedem Arbeitnehmer zusteht, hat mehr Platz für kreative Gedanken. Doch nicht nur finanzielle Anreize wecken die Motivation, sondern auch das Spektrum, das die Ausbildung bietet. Denn je mehr „Handwerkszeug“ ein Mensch an die Hand bekommt, desto eher ist er darauf vorbereitet, mehr zu können und mehr zu leisten. Weiterhin die Sicherheit, seiner Berufung nach einer kurzen Bewährungshase ohne existenzielle Ängste um das Familieneinkommen oder eines Teils davon nachgehen zu können – verlässlich und dauerhaft. Denn warum sollten für eine Branche, die die Verbreitung von Informationen und Wissen zum Ziel hat, andere Spielregeln gelten als für andere Geschäftsbereiche? Oder: Was ist eigentlich der Wert dieser Arbeit und verdient sie nicht auch Investitionen, die das einzelne Unternehmen und eine ganze Branche weiterbringen?

Medien brauchen Freiraum

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Ob Unterhaltungs- oder Fachmedien: Freiraum für Kreative schafft einen Mehrwert

Was braucht Journalismus, um den Schreibenden zu begeistern und die Leser zu fesseln, wie es der Kirchenskandal in „Spotllight“ tut? Auch wenn sicher nicht jede Geschichte so viel Potenzial bietet wie eine weitreichende Missbrauchs- und Korruptionsaffäre, so gibt es doch viele Möglichkeiten, interessante Inhalte aufzuspüren und weiterzugeben. Ob Buch, Zeitschrift, Live-Sendung, PR- oder Fachzeitschriften – gute Texte, Bilder und Kampagnen entstehen nicht zwischen den Stühlen oder einem spartanischen, leeren Raum. Um seiner Berufung mit Überzeugung und Leidenschaft nachzugehen, braucht es in der Kreativbranche Freiraum. Freiraum, den Gedanken kurzweilig ihren Lauf zu lassen, eigene Ideen zu entwickeln und diese auch umzusetzen. „Gut Ding will Weile haben“, lautet ein altes Sprichwort und jedes Projekt, in dem Herzblut steckt, benötigt Ressourcen. Nicht umsonst wird der Chefredakteur in „Spotlight“ gefragt: „Hat Ihre Zeitung die Ressourcen, sich dieses Falles anzunehmen?“. Seien wir realistisch und fair gegenüber all den Unternehmen, die nicht mit den finanziellen und personellen Mitteln eines „Boston Globe“ gesegnet sind – natürlich kann jeder nur nach seinem eigenen Ermessen und Budget handeln. Doch schlussendlich, auch wenn nicht jedes Journalistenteam einen Pulitzer-Preis gewinnen kann, verdient kreative und redaktionelle Arbeit ihre Anerkennung. Das ist nur fair – für die Kreativen selbst, ihre Verleger und ihre Leser.

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Der offizielle Trailer zum Kinofilm  spotlight

Spotlight ist ein US-amerikanisches Filmdrama aus dem Jahr 2015. Die Regie führte Tom McCarthy, der zusammen mit Josh Singer auch das Drehbuch verfasste. Der Film basiert auf wahren Ereignissen und handelt von einem Team von Journalisten der Tageszeitung The Boston Globe, das den sexuellen Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche in Boston aufdeckt. Die Hauptrollen werden von Mark Ruffalo, Michael Keaton, Rachel McAdams, John Slattery, Stanley Tucci und Liev Schreiber gespielt.

Der Film feierte seine Premiere am 3. September 2015 bei den 72. Internationalen Filmfestspielen von Venedig (außer Konkurrenz) und lief in Deutschland am 25. Februar 2016 an. Spotlight gewann mehrere internationale Filmpreise, darunter 2016 den Oscar in der Kategorie Bester Film.

Literaturtipps:

Herbert Riehl-Heyse: Bestellte Wahrheiten
Gebundene Ausgabe
Verlag: Kindler (1. Januar 1989)
Sprache: Deutsch
ASIN: B001G62V7M

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Udo Ulfkotte – Gekaufte Journalisten
Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
Verlag: Kopp Verlag; Auflage: 6. Auflage Februar 2015 (12. September 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3864451434
ISBN-13: 978-3864451430

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Siegfried Weischenberg / Maja Malik / Armin Scholl – Die Souffleure der Mediengesellschaft.
Report über die Journalisten in Deutschland,
Konstanz: UVK, 2006, 316 Seiten, br., Abb.: 120 sw., ISBN 978-3-89669-586-4

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Thomas Meyer – Die Unbelangbaren
Wie politische Journalisten mitregieren
Erschienen: 06.04.2015
edition suhrkamp 2692, Broschur, 186 Seiten
ISBN: 978-3-518-12692-9

Cats Kolumne: Götter der Geradlinigkeit • V01.16

Paul Klee - Ein Paar Götter - 1924
Paul Klee – Ein Paar Götter – 1924
Eigentlich glauben viele von uns gar nicht mehr an so etwas wie Religion, Götter oder gar einen Leitfaden, an dem wir uns festhalten, um nicht den Überblick zu verlieren. Oder? Eine Übersicht der „neuen Götter“, denen wir im Leben begegnen. 

Hora und Sekundos – die Götter der Zeit. Eigentlich tun sie nicht viel. Nur hin und wieder an uns vorbeiziehen und uns zu ermahnen, dass sie nicht immer für uns da sein werden, dass sie uns irgendwann unweigerlich verlassen müssen. Es gilt also, ihre Anwesenheit so erfüllend und gewinnbringend wie möglich zu nutzen!

Effizienza und Ratio – die allgegenwärtigen Götter der Wirtschaft, des Konsums und des Nutzens. Sie sind präsent, wo auch immer wir uns bewegen. Auf der Arbeit sprechen sie durch Vorgesetzte und Bilanzen; zu Hause zeigen sie sich in vollautomatischen Maschinen, Putzplänen, Einkaufslisten und in der Steuererklärung.

Curriculum und Vita: Geradlinigkeit ist gefragt, und die Frage: „Was bringt mir das im Leben? Was halten die anderen davon?“ Curriculum und Vita erinnern uns daran, dass all unsere Entscheidungen Konsequenzen haben. Konsequenzen, die zu unserem Vorteil oder Nachteil werden können.

Disciplina oder Minerva - es waren beiderlei Beschreibungen für dieses Bild zu finden.
Disciplina oder Minerva – es waren beiderlei Beschreibungen für dieses Bild zu finden.

Reputatio und Perfekta: Diese beiden Götter erinnern uns immer wieder daran, wie wichtig der Eindruck ist, den wir bei ihren anderen Jüngern hinterlassen. Sie lehren  und ermahnen uns, eine Fassade aufzubauen, die uns die meisten Vorteile bringt.

Disziplina und Stringento: Dieses Götterpaar verkörpert Zielstrebigkeit und harte Arbeit. Sie vermitteln uns: „Wenn du dich nur genug anstrengst und schnell genug dabei bist, erwarten dich Wohlstand und Anerkennung. Wenn du zu faul oder langsam bist, soll dir das eine Lehre sein.“

Kritika und Optimus: Diese beiden begegnen uns oftmals in Form anderer Mitmenschen. Zum Beispiel in denen, die uns sagen: „Du hast auch schon einmal besser ausgesehen“, oder: „Du bist auf dem besten Weg, noch mehr zu erreichen!“   Einfach zufriedenzustellen sind sie aber nicht- und sie verlangen viele schwere Opfer.

Betrachtet man diese Menge an versteckten Göttern und Glaubensrichtungen, glaube ich kaum noch daran, dass die meisten von uns wirklich Atheisten sind. Eher daran, dass die Religion der Geradlinigkeit vielleicht die ist, weswegen wir manchmal Atheisten werden sollten. Was meinen Sie?

Hochzeit der Hebe und des Herakles (apulisches Vasenbild) - 1870
Hochzeit der Hebe und des Herakles (apulisches Vasenbild) – 1870

Cats Gedankenwelt: Die Grenzen des Einzelnen

Ein endloser Horizont - wie realistisch ist diese Vision?
Ein endloser Horizont – wie realistisch ist diese Vision?

Glaubt man den zahlreichen Ratgebern und Motivationsleitfäden, die im großen weiten World Wide Web und darüber hinaus kursieren, ist der Mensch ganz allein seines Glückes Schmied und kann jede Situation allein durch die innere Einstellung „managen“. „Selbstmanagement“ oder „Empowerment“ nennt sich das Ganze – um nur zwei Leitbegriffe zu nennen. Doch ist diese Vorstellung absoluter Grenzenlosigkeit umsetzbar, oder geht sie gar an der Realität komplett vorbei? Eine kritische Alltagsbetrachtung.

Es gibt ja bekanntlich die Menschen, die über jeden Regentropfen schimpfen, alles, was in ihrem Leben geschieht, „ungerecht“ finden und sich selbst komplett als Opfer der Umstände betrachten. Auch wenn wahrscheinlich mal jeder und jede kurzzeitige „Depriphasen“, in denen man die Welt komplett schwarz sieht Andere können gar nicht mehr anders, als immer dem „Bösen da draußen“ und einem unglücklichen Zufall die Schuld an allem zu geben, was schief läuft. Solche Zeitgenossen können ganz schön nerven. Aber dann gibt es auch das exakte Gegenteil – nämlich diejenigen, die alles, was außerhalb ihrer Persönlichkeit liegt, einfach wegschieben. Von irgendetwas abhängig sein, das nicht der eigene Wille ist? Ach Quatsch. Das gibt’s doch gar nicht und wenn doch, ist es hemmungslos „von vorgestern“. Das sind dann die Menschen, die einem weismachen wollen, dass wirklich alles möglich ist, wenn man es nur will. Also „Glücksmissionare“, die die eigentlich gut gemeinte Absicht, Zaudernde zu ermutigen, komplett überspitzen und Grenzenlosigkeit propagieren. Um ehrlich zu sein, kann dieser Menschenschlag ebenso anstrengend daherkommen wie sein schwarzmalerisches Pendant.

Optimistisch – oder schon abgehoben?

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Der Mythos „grenzenloser Möglichkeiten“ liegt im Trend

Re-Empowerment“, „höheres Bewusstsein“, „Selbstmanagement“ – alles Begriffe, die derzeit im Ratgebermilieu sowohl online als auch offline kursieren. Und nur drei Bezeichnungen von vielen, die eine Philosophie verkörpern – das alte Thoreau’sche Prinzip der „Self-Reliance“, also der größtmöglichen Unabhängigkeit von anderen Menschen und einem gesellschaftlichen Konsens. Geschweige denn von finanziellen und institutionellen Zwängen. Ein Leben abseits von ausgetretenen Pfaden, Hierarchien im Job, Steuererklärungen, gesellschaftlichen Erwartungen und überhaupt all diesen nervtötenden Zwängen – das muss das Paradies auf Erden sein. Die totale Eigenverantwortung – eine Utopie, die wirklich umsetzbar und wünschenswert ist? Fest steht: Im Alltag, wie die meisten von uns ihn kennen, ist das schwierig zu realisieren. Die wenigsten Menschen können von sich behaupten, vollkommen frei von äußeren Umständen ihren Träumen nachgehen zu können. Ratgeber und Coaches raten dazu, „sich neu zu erschaffen“, „Grenzen zu sprengen“, „sich nicht für den Konsens zu verraten“ und „hinter sich zu lassen, was nicht glücklich macht“. Doch wenn ich mir fast alle Lebensläufe in meiner Umgebung näher anschaue, muss ich mich fragen, ob solche großen Ideale und Ansprüche ans eigene Leben nicht einfach nur Illusionen sind. Und nebenbei ziemlich egoistisch – denn ohne gegenseitige Verpflichtungen, wie soll da eine Gesellschaft funktionieren?

Begrenzte Möglichkeiten

Es kann frustrieren, wenn man alles will, aber es nicht erreicht
Es kann frustrieren, wenn man alles will, aber es nicht erreicht

Es ist nichts Ungewöhnliches, an Grenzen zu stoßen. Fragen Sie eine berufstätige Mutter, wie viel Zeit und Kraft ihr noch bleiben, künstlerisch Großes zu schaffen. Oder einen überarbeiteten Manager, wie oft er noch die Gelegenheit hat, draußen in der Natur zu meditieren. Fragen Sie einen Hartz 4-Empfänger, ob der Job, den er auf Druck des Amtes annehmen musste, wirklich sein Traumjob ist oder ob er lieber seine Träume von der freischaffenden Selbstständigkeit erfüllen würde. Denken Sie an die junge Frau, die gerne eine Weltreise machen würde, aber deren Lohnbudget aber auch nach Jahren nicht ausreicht. An einen Familienvater, der gerne einfach mal ein Jahr lang seine innere Mitte in einem buddhistischen Tempel finden möchte, aber seine Familie dafür zurücklassen müsste. Manche haben große Pläne und Visionen und können sie auch umsetzen – jedoch erst, wenn sie voller Herzblut und unter Aufwendung alles andere um sich vergessen können. Nicht umsonst lebten viele große Künstler und Erfinder eher zurückgezogen, hatten Geldprobleme und waren geniale Außenseiter, die von einem Großteil der Gesellschaft einfach nicht den nötigen Respekt erhielten. Viele von ihnen erlebten ihren Ruhm nicht einmal mehr und lebten komplett in ihrer eigenen, kleinen Welt der Ideale und des großen Traums, fernab des „gewöhnlichen“ Alltags. Gefühlt grenzenlos, sicherlich. Aber auch zu einem hohen Preis.

Zwischen Visionen und Pragmatismus

An Grenzen zu stoßen, ist nicht nur normal, sondern notwendig
An Grenzen zu stoßen, ist nicht nur normal, sondern notwendig

Sind denn all diejenigen, die eben nicht zu den großen Berühmtheiten und Entdeckern dieser Welt gehören, deswegen weniger wert oder gar unzufrieden, weil sie Kompromisse eingehen „müssen“? Unter extremen Umständen vielleicht – wenn die Belastungen überhand nehmen oder das eigene Leben komplett zur Routine verkommt. Dennoch, für die Mehrheit ist das kein Grund, mit allem zu hadern. Denn auch die Basisarbeit muss getan werden, also diejenige, die manchem Veränderungsguru einfach zu „profan“ oder zu „gewöhnlich“ ist. Und diese Arbeit, die unermüdlich wiederkehrt – in Haushalten, Pflegeheimen, in Schulen, Supermärkten und Kindergärten – macht es erst möglich, dass die „großen Visionäre“, die jegliche Form von Begrenzungen ablehnen, ihre Höhenflüge erleben. Um anschließend die Welt um ihre Entdeckungen und ihr faszinierendes, neu gewonnenes Wissen zu erweitern Doch ob jeder das Zeug zum Idealisten und Genie hat und bereit ist, notfalls alle anderen Ziele zu opfern? Das ist immer noch eine persönliche Entscheidung. Wer sich eben innerhalb seines selbst oder durch die Lebensumstände gesteckten Rahmens wohlfühlt, bleibt auch gerne ein zufriedener Pragmatiker. Auch daran ist nichts Falsches.

Alles wollen ist anstrengend

Im Alltag funktionieren, Erfolg haben und dabei noch gut aussehen - erwarten wir zu viel?
Im Alltag funktionieren, Erfolg haben und dabei noch gut aussehen – erwarten wir zu viel?

Häufig zielen Lebensratgeber darauf ab, uns die unendlichen Möglichkeiten, egal wie realistisch sie sein mögen, vor Augen zu führen. Ganz nach dem Motto: „Man kann alles haben – jederzeit und sofort. Wir müssen nur wollen.“ Sicherlich kann man alles wollen – aber macht das wirklich glücklich oder auch nur zufriedener? Für Menschen, die mit ihrem stinknormalen, „mittelmäßigen“ Leben, einem mehr oder minder unspektakulären Beruf, einem durchschnittlichen Sozialleben ohne viel „Fame und Glamour“ und vielleicht einer Familie bereits zufrieden sind, kann Grenzenlosigkeit vor allem eines sein: beängstigend – und verdammt anstrengend. Um das zu verstehen, muss man sich einfach nur ein ganzes Regal voller verschiedener Käsesorten vorstellen. Kunden, die sonst mit einem oder zwei Handgriffen die Mission „Käsekauf“ abschließen, brauchen plötzlich viel länger, um sich zwischen all diesen Sorten zu entscheiden, wählen hinterher womöglich ein zu teures Produkt oder eines, das ihnen gar nicht schmeckt. Dieses Beispiel ist extrem einfach, aber es lässt sich wunderbar auf so viele Lebensbereiche übertragen – zum Beispiel auf den „Traumberuf“, den „Traumhaus“, die „ideale Kindererziehung“ und das äußere Erscheinungsbild. Irgendwie sollen wir alles sein: Sozial, aber total unabhängig von allem und jedem; zuverlässig, aber hundertprozentig flexibel; engagiert im Alltag, aber dabei immer perfekt gestylt (ach was, Babykotze hinterlässt keine Flecken und von Schlafentzug bekommt man keine Augenringe …); hochgradig ehrgeizig, aber dabei total tiefenentspannt. Für mich klingt der Lebensanspruch „alles, aber ganz und sofort“ nach einer ziemlichen Zerreißprobe, oder auch dnach der viel beschworenen „eierlegenden Wollmilchsau“. Bleibt zu sagen: Wenn man mal wirklich nicht zufrieden ist, gibt es exakt drei Möglichkeiten. „Love it, change it or leave it!“ Das klingt doch mal übersichtlicher und praktikabler als ständig unerreichbaren Träumen hinterherzuhetzen. Und wenn wir uns für „change it“ – also eine Veränderung für ein bestimmtes Ideal – entscheiden, sollten wir uns auch darauf fokussieren, dies mit ehrlicher Leidenschaft tun und nicht nur, weil es gerade dank der aktuellen Ratgeberkultur en vogue ist. Denn Trends kommen und gehen – Zufriedenheit sollte aber etwas sein, das kommt, um zu bleiben.

Cats Kolumne: Zerrbilder • Überlegungen zur Wahrheit

Zerrbilder • Überlegungen zur Wahrheit

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Bild dir nicht ein, dass es das Perfekte gibt.
Nichts auf dieser Welt ist perfekt,
Auch wenn manche Oberflächen keinen Kratzer zeigen.

Bild dir nicht ein, du seist ein Versager.
Manchmal dauert der Weg zum Ziel länger.
Steh wieder auf und geh in kleinen Schritten weiter.

Bild dir nicht ein, du kannst nicht scheitern.
Wer am höchsten fliegt, fällt am tiefsten.
Habe immer einen Plan, wie du schnell wieder aufstehst.

Bild dir nicht ein, du hast immer recht.
Was für dich stimmt, muss nicht auf alle passen.
Um alles zu wissen, müsstest du jedes andere Leben gelebt haben.

Bild dir nicht ein, andere wissen alles besser als du.
Du weißt am besten, was dir gut tut.
Du allein hast die Karte für deinen Weg in der Hand.

Bild dir nicht ein, du kannst nichts.
Jeder von uns kann irgendetwas besser als andere Dinge.
Versuche, das zu sehen, was dich einmalig macht.

Bild dir nicht ein, du kannst alles allein.
Menschen sind keine Einzelkämpfer.
Du musst nicht alles allein schaffen, arbeite mit anderen zusammen.

Bild dir nicht ein, du seist das Zentrum der Welt.
Aus der Distanz betrachtet, sind wir uns alle so ähnlich
und eine Lebenszeit dauert eigentlich nur einen Augenblick.

Bild dir nicht ein, du seist unwichtig.
Deine Schritte können erst einmal klein aussehen.
Doch du bist auf einem guten Weg, etwas zu bewegen.

Bild dir nicht ein, du musst dich verstecken.
Jeder Mensch hat etwas Besonderes an sich.
Du musst nur auch auf das achten, was nicht gleich sichtbar ist.

Bild dir nicht ein, dein Spiegelbild täusche dich nicht.
Jeder hat eine eigene Sicht auf sich und die Welt.
Vergiss nicht, die anderen so zu achten wie dich selbst.

Glaube nicht alles, was du siehst und hörst.
Die Welt ist voller Zerrbilder.
Manche glänzen übermäßig, manche sind in Schwarz-Weiß gemalt.

Verlasse dich nicht auf Zerrspiegel.
Tritt einen Schritt zurück und betrachte die Bilder neu.
Nimm neue Perspektiven ein; denn nur so findest du deine eigene Wahrheit.

Cats KolumnenFotoalbum • Stand Februar 2016

Was wären Texte im Web ohne Bildwerk?! Unsere Kolumnistin fotografiert für ihre Beiträge selbst. Und da diese Aufnahmen eine schöne Ergänzung zum Menschen „Cat“ sind, gibt es diese Galerie rund um Cat, ihre Katzen & das Leben. Sie wird stetig erweitert.

Cats Gedankenwelt: Polen • Ein Land voller Gegensätze

Vier oder fünf Kleidungsschichten müssen es schon sein!
Vier oder fünf Kleidungsschichten müssen es schon sein!

Polen gehört zu den umstrittensten Staatsgebieten der europäischen Geschichte und das Land musste gerade in den letzten Jahrhunderten eine Menge Rückschläge einstecken. Andererseits gelten die großen Städte auch dort als wichtige Politik- und Handelszentren mit langer Tradition. Auf unserer Silvesterreise haben wir den Sprung zu unseren Nachbarn herüber gewagt, um Land und Leute besser kennenzulernen. 

Holocaust, Sowjet-Besetzung und Freiheitskämpfe – so lehren einen die Geschichtsbücher weitgehend die Geschichte eines Landes, das irgendwie immer der Prellbock zwischen Großmächten zu sein schien. Dazwischen wird oft übersehen, dass auch glanzvolle Zeiten und Orte die Geschichte Polens bestimmt haben – eben solche Orte wie Danzig (polnisch: Gdánsk), Posen (Poznan) oder Stettin (Szczecin), die mein Mann und ich über Silvester bereist haben. Und wir wären nicht wir, wenn wir nicht neben den typischen Touristenattraktionen auch feine Details aus von unserer Reise mitbringen würden.

Ein rauer Wind

Einsame Häuser am Straßenrand - auf dem Land ist Polen dünn besiedelt
Einsame Häuser am Straßenrand – auf dem Land ist Polen dünn besiedelt

Wer im Winter nach Nordpolen fährt, muss sich warm anziehen – nach einem bisher eher milden Winter in Deutschland schlug uns bei Ankunft bei unserer Zwischenstation Stettin eine ziemlich kalte Brise entgegen. Deswegen war nach den zwei Reisetagen und an unserem ersten wirklichen Erkundungstag in Danzig erst einmal Shopping angesagt – und zwar die wärmsten Wintersachen, wie wir finden konnten! Wobei mein Mann mehr gefunden hat als ich; Frauensachen in größerer Größe scheinen leider in manchen Einkaufszentren Mangelware zu sein. So habe ich mich von Anfang an eben an einen „Zwiebellook“ gewöhnt, mit vier bis fünf Kleidungsschichten übereinander. Vermutlich ist meine ausgeprägte Kälteempfindlichkeit (ich nenne mich immer „die größte Frostbeule auf diesem Planeten“) der entscheidende Unterschied zwischen mir und den Einheimischen – denn die scheinen das raue Klima perfekt wegzustecken. Ich erinnere mich mit einem Schmunzeln an mein fassungsloses Gesicht, als ich an Silvester lauter Frauen jeden Alters mit offenen Pumps, Feinstrumpfhosen und Miniröcken gesehen habe. „Ich würde erfrieren“, murmelte ich nur, und mutmaßte noch: „Vermutlich füllen sich morgen die Praxen wegen der vielen Fälle von Blasenentzündung.“ Mein Mann grinste nur: „Wahrscheinlich kennen sie es nicht anders und – naja, schick sieht es ja schon aus.“ Typisch Mann eben – wer soll es ihnen verdenken? Ich sollte übrigens erwähnen, dass er, ebenso typisch, mit zwei bis drei Schichten Kleidung weniger auskommt als ich.

Eitel, hilfsbereit und ziemlich stur

Touristenmagnet Altstadt: Polens Städte bestechen durch ihre Architektur
Touristenmagnet Altstadt: Polens Städte bestechen durch ihre Architektur

Vielleicht sind die einheimischen Frauen ja gar nicht mal so viel kälteresistenter – sondern nur eitel genug, um die wetterbedingten Extreme kurzzeitig zu verdrängen? Eines ist uns jedenfalls aufgefallen: Wie man es osteuropäischen Frauen nachsagt, achten zumindest viele Polinnen stark auf ihr Äußeres und ihr Styling. Selbst bei -12 Grad sind überall sorgfältig geschminkte, figurbetont gekleidete und modern frisierte Frauen unterwegs. So schlecht der Ruf der Eitelkeit auch sein mag – ich persönlich empfinde sogar einen gewissen Respekt vor Menschen, die auch angesichts dieses eisigen Gegenwinds so viel Zeit und Disziplin in ihr Auftreten investieren. Selbst dann, wenn sie es auf Berufswegen vielleicht gar nicht „müssen“. Ein zweiter Charakterzug, der uns bei manchen Menschen auf unseren Wegen aufgefallen ist, ist diese gewisse Eigenwilligkeit, fast schon als eine leichte „Sturheit“ zu bezeichnen. So behauptete ein Pizzadienst in Stettin, „in diesen Stadtteil fahren wir nicht“, auch wenn der Flyer direkt in der Pension auslag.

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Vieles spielt sich in Polen auf der Schiene ab

In Gdynia, einer der „Drillingsstädte“ Gdánsk, Gdynia und Sopot, erklärte ein gestresster Kellner uns ziemlich mürrisch: „Kitchen is closed“, um dann, fünf Minuten später, einheimischen Gästen große Teller mit Dorschfilets auf den Tisch zu stellen. Vielleicht hatte der Mann einfach etwas gegen Touristen oder Deutsche? Diese Frage werden wir wohl nie zureichend beantworten können. Ein weiteres, eher erstaunliches Beispiel von Eigensinn ist eine Autobahnauffahrt, die vom Stettiner Außenbezirk auf die Schnellstraße führt. Zwar hatte man die Auffahrt anscheinend zu Zeiten des Kommunismus stillgelegt, das war aber nichts, was die Anwohner aufhalten könnte. Alternativ wurde einfach eine „Umleitung“ über einen planierten Trampelpfad im Wald eingerichtet. So ungewöhnlich es auch scheint, über einen Feldweg mitten durch den Wald auf eine Autobahn zu fahren – immerhin funktioniert es. Oder, wie mein Mann es ausdrückt: „Wo ein Pole durch will, findet ein Pole auch einen Weg.“ Selbst dann, wenn er ihn selbst freischaufeln muss. Diese resolute Art kann viele Einheimische aber auch recht liebenswert machen – denn immerhin verbindet ein großer Teil der Menschen diesen Durchsetzungswillen auch mit einer großen Hilfsbereitschaft.

Schiene schlägt Straße

Die Bahn - Mittel der Wahl in Polen
Hochhaussiedlungen erinnern an Zeiten des sowjetischen Kommunismus

Wenn ich schon auf den Verkehr zu sprechen kommen soll, so verstehen wir nun, warum ein polnischer Bekannter uns geraten hat, längere Strecken besser mit dem Zug zurückzulegen als mit dem Auto. Der einfache Grund: Die Straßenführung gerade in Nordpolen hat ebenso wie die Einwohner und das Wetter ihre Eigenheiten. Was nämlich bei unseren Nachbarn die „Autobahn“ ist, würde hierzulande gerade als von Ortschaften unterbrochene Landstraße durchgehen. An den Schlaglöchern und der Straßenbeschaffenheit erkennt man im Übrigen auch ganz gut, welche (ländlichen) Bereiche nur wenig öffentliche Gelder erhalten und dass die Zubringer zu den Großstädten eine Menge mehr finanzielle Zuwendung erhalten. Selbst, wenn diese zur Rush Hour auch hemmungslos überfüllt sind und rund 40 Kilometer einen locker zwei Fahrtstunden kosten können. „Gut, dass wir ab morgen Zug fahren können“, seufzte ich schließlich erleichtert, als wir endlich in Danzig-Oliwa auf dem Hotelparkplatz standen – denn sowohl das Stop-and-go vor ewig roten Ampeln als auch ziemlich riskante Überholmanöver mancher Einheimischer können ein bekennendes „Landei auf Großstadttour“ schon ganz schön schlauchen. Ehrlich gesagt bin ich auch in deutschen Großstädten ansonsten eher die Fortbewegung mit Bus, Bahn und Metro gewöhnt und verstehe zum Beispiel nicht, warum zum Henker man in einer Stadt wie New York freiwillig stundenlang im Stau stehen kann.

Stadt, Land, Meer - Polen bietet landschaftliche Vielfalt
Stadt, Land, Meer – Polen bietet landschaftliche Vielfalt

Aber so sind die Menschen eben verschieden. Betritt man das erste Mal in Polen einen Bahnhof im städtischen Raum, wird es offensichtlich, dass auch die Polen eher ein Volk von Bahnfahrern sind. Im Gegensatz zu deutschen Bahnhöfen sind die polnischen im Allgemeinen gepflegter; die S-Bahn nach Danzig fährt pünktlich und reibungslos alle größeren Stadtteile bis ins Umland ab und auch im Fernverkehr ist man auf der Schiene einfach schneller. Und während wir – auch aufgrund der Gepäckmenge – die Hin- und Rückfahrt an zwei Tagen Fahrzeit erledigten, dauerte die Fahrt von Gdánsk nach Poznan, wo wir einen Bekannten besuchten, gerade einmal zweieinhalb Stunden mit der Schnellbahn.

Eine Landschaft der Gegensätze

Zahlreiche Monumente um Danzig herum erinnern an eine bewegte Vergangenheit
Zahlreiche Monumente um Danzig herum erinnern an eine bewegte Vergangenheit

Ein Gutes hat eine Autofahrt durch Polen allerdings – bei der holprigen „Überlandfahrt“ erkennt man deutlich alle Aspekte, die das Land ausmachen. Manche Dörfer wirken wie ausgestorben und erinnern mit ein paar wenigen, teils zu Imbissen ausgebauten Häusern eher an Relikte aus einer Zeit, in der Landwirtschaft noch den Großteil des gesellschaftlichen Lebens bestimmte. Eine Einöde, die sich zum Teil über Kilometer erstreckt, umgeben von Wald und Wiesen. Naturwüchsig, aber eben unwegsam zum Leben. Zwischendurch ein paar Industriegebiete, über das Land verteilte Ballungszentren, in denen sich alle möglichen Branchen im herstellenden Gewerbe tummeln. Hier hat der Westen voll Einzug gehalten – das „große M“ und das rote KFC-Logo sind omnipräsent. Schließlich die Großstädte mit ihrem weitläufigen Einzugsgebiet. In den Außenbezirken Hochhäuser aus Ostblockzeiten zwischen Hotels, Restaurants und Einkaufszentren, in den Innenstädten Jugendstilbauten und kunstvolle Architektur aus „goldenen Zeiten“. Arm und Reich nah beieinander, Nobelrestaurants in der Nähe von Eckkiosken, wo billiger Fusel, abgepackte Brötchen und Bier im Sixpack für wenige Zloty zu haben ist. Oder sollte man sagen: Polen ist einfach ein Land in der Schwebe zwischen Relikten einer kommunistischen Vergangenheit und dem Vormarsch eines typisch amerikanischen Lebensstils? Welche Wege unsere Nachbarn in der Zukunft gehen werden, wird sich zeigen – bis dahin bleibt es wohl bei einem Land der Gegensätze mit einem rauen Klima und herzlichen, etwas sturen Einwohnern. Also ein liebenswertes, abwechslungsreiches Fleckchen Erde.

Cats Medienkommentar: Öl im Feuer

Seit der Silvesternacht regiert eine neue Macht unsere Gesellschaft – die Angst vor sexueller Gewalt in ihren schlimmsten Formen. Es scheint eine Art Flächenbrand in europäischen Großstädten zu toben und die Ereignisse in Köln und anderswo sorgen auch für genug Medienspektakel. Ohne Frage haben wir ein gewaltiges Problem, wenn diese Tendenz sexueller Gewalt sich fortsetzt – dennoch oder gerade deshalb ist es an der Zeit, statt Panikmache endlich wieder eine sachliche Debatte in Gang zu bringen.

KölnHBFcologne-1012001_1280Als die Silvesternacht für so viele Frauen in Deutschland zu einem wahrhaft traumatischen Erlebnis wurde, war ich nicht „im Lande“, nämlich genauer gesagt bei unseren polnischen Nachbarn auf Entdeckungstour. Und da man im Urlaub bekanntlich nicht allzu oft in seinen Facebook-Account oder in Newsfeeds schaut, sprangen mir die ersten Meldungen über den „Sex-Mob“ eben erst nach Silvester ins Auge. Ich muss sagen, ich war wahrscheinlich gleichermaßen schockiert über die Ereignisse wie die meisten Leute, die davon hörten. „Das gibt’s doch nicht“, murmelte ich und kam aus dem Kopfschütteln nicht wieder heraus. „Widerlich“, sagte mein Mann und verzog angeekelt das Gesicht. Kurz: Diese Nachrichten haben uns doch kalt erwischt und stark beunruhigt. Es gibt seitdem aber etwas, was mich  noch mehr beunruhigt, nämlich das Fehlen einer Diskussion, die wirkliche Lösungen und Ergebnisse verspricht.

Willkommen im Irrenhaus!

anarchist-41384_640Deutschland ist in Hysterie verfallen – zumindest, wenn es nach dem geht, was ich täglich in sozialen Netzwerken miterlebe. Die Schlagzeilen sind aber auch wirklich haarsträubend. „Der Sex-Mob hat wieder zugeschlagen“, „Nordafrikaner vergewaltigen deutsche Frauen“, „Schluss mit dem Asylantenstrom“, „Neuer Belästigungsfall bekannt“ … Auch zwei Wochen später scheint die Flut von Schockmeldungen nicht abzureißen. Ganz zu schweigen von den Kommentaren, die teilweise so vor Hass sprühen, dass man beinah einen Elektroschock über die Tastatur bekommen müsste.  Und ehrlich gesagt schüttelt es mich bei manchem Kommentar und Artikel nicht nur wegen der Taten, die von Begrabschen bis hin zu Vergewaltigungen reichen, sondern auch wegen des extrem fremden- und islamfeindlichen Untertons. Auch in der Politik gewinnen rechte und konservative Kräfte an Einfluss, warum sonst sollten Pegida und AfD gerade jetzt auf den Trichter kommen, sich für Gleichberechtigung und Frauenrechte einzusetzen? Ganz nach dem Motto: „Wir müssen die deutschen Frauen vor den bösen Ausländern beschützen.“ Auch Rockerbanden, Skinheads und andere Gruppen, denen ansonsten politisch ein Riegel vorgeschoben wird, verkünden plötzlich, für die hiesigen Frauen und ihre Rechte einstehen zu wollen – notfalls mit allen Mitteln. Die Konsequenzen einer Entwicklung, die ich mal „kollektive Hysterie“ nennen möchte, sind zweifelhaft. Bekannterweise ist die „Vendetta“, die Blutrache, nämlich eine typische Angewohnheit der Mafia und was dabei am Ende herumkommt, ist weitgehend bekannt. Im Klartext: Es bringt niemandem etwas, wenn wild gewordene Hooligan-Horden und ein mit modernen Mistgabeln ausgestatteter, wütender Mob nun den Spieß umdrehen und, wie in Köln geschehen, „Jagd“ auf den vermeintlichen Übeltäter machen. Gelungenes Krisenmanagement? Nun, ein gigantisches Irrenhaus trifft es wohl eher. Die Politik des Denunziantentums hat eben schon immer mehr Schaden als Nutzen gebracht – eigentlich wissen wir das schon seit dem Niedergang der Inquisition.

Wo bleiben die Fakten?

Reichstag-berlin-511979_640Glücklicherweise gibt es in dieser hochemotionalen und hochspekulativen Mediendiskussion auch genug Gegendarstellungen. Flüchtlinge, die Frauen symbolisch Rosen schenken; Nordafrikaner, die in Videos die Täter scharf verurteilen und Artikelschreiber, die ausdrücklich vor einem fremdenfeindlichen Einschlag der öffentlichen und politischen Debatte warnen. Eines fehlt mir bei dem Ganzen jedoch: Fakten und eine klare, sachliche Darstellung, was nun wirklich Sache ist. Zum Beispiel sind nach wie vor nicht alle Täter bekannt und identifiziert (kein Wunder bei diesem unübersichtlichen Debakel), es kann also nicht mal sichergestellt werden, welcher Herkunft diese Menschen waren und inwiefern sie in Banden organisiert sind. Selbst die Zahl der kürzlich begangenen sexuellen Übergriffe steht noch nicht endgültig fest. Vielleicht ist es mir deswegen bisher so schwer gefallen, mich im Blog zum Thema zu äußern – unhaltbare Spekulationen und reißerische Clickbait- Schlagzeilen stehen auf meiner persönlichen Beliebtheitsskala nämlich nur knapp über Zahnarztbesuchen und dem täglichen Weckerklingeln.

Foto: Gerd Altmann
Foto: Gerd Altmann

Ein größerer Zusammenhang

Was in dem Umfang geschehen ist, ist fürchterlich – und im öffentlichen Raum zumindest in den letzten Jahrzehnten noch nie dagewesen. Kein Wunder, dass es die Massen verstört und bewegt. Doch anstatt zusätzlich Panik und Hysterie zu stiften, sollten Politik und Medien ihre Energie lieber darauf verwenden, echte Aufklärungsarbeit zu betreiben und gut überlegte Lösungsansätze vorzustellen. Allen, die gerade dabei sind, einen weiteren spontanen Post über den „bösen Migranten“ zu schreiben (oder aber alle Deutschen, die sich Sorgen machen, als rechte Säue hinzustellen), möchte ich nur sagen: Haltet einen Moment inne und atmet noch einmal tief durch. Seht auch einmal den größeren Zusammenhang. Natürlich ist das, was passiert ist, grauslich und darf so  nicht wieder vorkommen. Offenbar waren auch Migranten unter den Tätern, ja. Migranten, die ebenso wie jeder „weiße Mann“ für ihre Verbrechen Rechenschaft ablegen müssen – solange wir eben in einem Rechtsstaat leben. Es ist vollkommen okay, sich auch Sorgen und Gedanken zu machen, immerhin ist das Ganze ein ziemlicher Hammer. city-736807_640Nur: Es steht in einem größeren Zusammenhang. Die Empörungswelle über die neuerlichen Ereignisse übersieht nämlich gerne, dass es auch schon vorher und andernorts Gewalt gab, die ebenso traumatisch und schädlich ist. Sie passiert täglich in Mietwohnungen, Schulen, Büros, Discos und Fabrikhallen – oft sind die Täter keine Migranten, nicht einmal „Fremde“, sondern sie kennen ihre Opfer gut genug, um ihr Vertrauen zu missbrauchen. Nur ein niedriger Prozentsatz sexuell motivierter Verbrechen geschieht im öffentlichen Raum. Die Silvesternacht in Köln, Frankfurt und anderen Städten war sicherlich ein  Warnschrei und ein Symptom – doch die Ursache liegt ganz woanders. Ob in einem zu radikal und selektiv ausgelegten Islam (das Alte Testament der Bibel steht dem übrigens in nichts nach), einer erbarmungslosen Lebenswelt, in der zu viele Kinder aufwachsen müssen oder in einer latenten „Rape Culture“, ist wohl bei jedem Übergriff unterschiedlich. Es liegt nicht allein an der Flüchtlingspolitik unserer Regierung, „den Fremden“ (Verbrecher bleibt Verbrecher, egal, welcher Herkunft) und vor allem nicht an einer wieder häufig propagierten „Unterlegenheit der Frau“, dass diese Dinge passieren. Aber sie gehen uns alle an, und jeder ist mit dafür verantwortlich, ein Klima zu schaffen, dass weder Nährboden für Frauen- noch für Fremdenhass bietet und den Brand zu löschen, anstatt Öl ins Feuer zu gießen.

Cats Couch: Ein Nein ist ein Nein (ist ein Nein) – Version 1.1

Erotik ist in dieser Kolumne gar kein Thema, das ich näher vertiefen wollte. Es gibt da jedoch diese eine Sache, die mich beim (zufälligen) Lesen diverser Onlineartikel und Foren immer wieder verblüfft – manche Menschen scheinen das einfache Wort „Nein“ gerade in Bezug auf die „schönste Nebensache der Welt“ einfach nicht zu verstehen oder auszusprechen. Dabei sollte das wirklich nicht so schwer sein; egal, ob es um einen Disco-Flirt oder um den langjährigen Ehepartner geht.

Bett_pillows-820149_640Eines vorweg: Ich möchte mich hier nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, wenn es darum geht, Lesern „Ratschläge“ für so intime Lebensbereiche wie das eigene Sexualleben zu erteilen. Dies empfinde ich als anmaßend und überlasse es getrost den zahlreichen Sexologen mit oder ohne entsprechendes Fachdiplom, die für die Internetseiten renommierter Frauenzeitschriften schreiben. In dieser Kolumne wird es (auch weiterhin) keine intimen „Vaginamonologe“ und Einblicke geben. „Der Gentleman genießt und schweigt“, und manchmal kann das eben auch eine Lady. Was viele andere hinter ihrer Schlafzimmertür (oder auch woanders) treiben, möchte ich auch nicht beurteilen oder gar verteufeln. Gemäß dem Motto: Alles, was im Einvernehmen geschieht und keine absehbaren Gefahren mit sich bringt, ist gut – und erlaubt ist, was allen gefällt.

Wo ich bei dem Punkt angelangt bin, an dem ich ansetzen möchte. Jegliche Erotik ist freiwillig und von den eigenen Gelüsten geleitet. Doch warum fällt es manchen so schwer, zu dem, was sie nicht wollen, „Nein“ zu sagen und anderen, dieses „Nein“ auch als das zu akzeptieren, was es ist? Ein klares „Nein“ eben, ohne Rechtfertigung, ohne Entschuldigung. Ein Extremfall wären hier sicherlich Sexualstraftäter, doch in dieses Extrem möchte ich hier nicht gehen. Es reicht schon, wenn in einer Beziehung oder nach einem heißen Flirt auf einer Party eine Person die andere (vielleicht unbewusst) bedrängt und aus einem klaren „Nein“ in seinem Kopf ein „Ja, aber …“ macht. Wie auch immer diese erstaunliche Falschwahrnehmung im Einzelfall zustande kommt.

sisters-984997_640Gerade (wir) Frauen scheinen häufig ein Problem mit dem „Nein-Sagen“ zu haben und es gibt auch heute durchaus noch Männer, die auf ein „Nein“ gekränkt oder sogar wütend reagieren. Zumindest, wenn man diverse Stränge aus den Internetforen bekannter „Frauenseiten“ liest. Gleiches kann natürlich auch umgekehrt der Fall sein, mit einer Frau, die auf jede sexuelle Zurückweisung vollkommen irrational und übertrieben reagiert. In gewissem Sinne sind solche Hemmnisse und Reaktionen ja auch nachvollziehbar. Schließlich müssen sich beide Partner ganz „intim“ und mit absolutem Vertrauen aufeinander einlassen, damit beide das gemeinsame kleine Bettabenteuer als lustvoll und bereichernd empfinden können. Ein zu grobes „Nein“, so fürchtet mancher zu Recht, könnte die ganze Stimmung ins Wanken bringen und für aufreibende Konflikte sorgen. Also schweigt manche(r) „Unlustige“ im schlimmsten Fall lieber, lässt manches eventuell „über sich ergehen“ und seine Lust auf weitere Experimente mit dem Partner schwindet schleichend dahin. Bis sie sich irgendwann um die Ecke ins Niemandsland geschlichen hat.

anonymous-973217_640Warum also der ganze Eiertanz rund um Wünsche, Vorlieben, Abneigungen und Tabus in einer Partnerschaft, die im Alltag in geradezu reibungslosen Bahnen läuft? Ist es möglicherweise gerade dieses Bemühen um ständige Harmonie, eine gewisse Konfliktscheue, die uns dazu führt, einen geliebten Menschen „einfach machen zu lassen“? Wie kann es in einer Zeit, wo wir dank Internet, einer großen Auswahl an Ratgeberliteratur, großen Kenntnissen in der Sexualanatomie und zum Teil auch Pornografie genau wissen, welche Praktiken, Möglichkeiten, aber auch Gefahren und Herausforderungen es gibt? Möglicherweise sind einige dieser sexuellen „Befreier“ dabei selbst das Problem. Denn, sehen wir es, wie es ist: Sex im Porno ist nicht die Art, wie viele Paare ihn im „echten Leben“ erleben und genießen wollen. Sicherlich gibt es auch hier „Abweichungen“ von dem, was als üblich gilt und das ist vollkommen in Ordnung – solange ein Konsens und eine Rückzugsmöglichkeit für alle bestehen. Eben Spielregeln, die den Respekt voreinander verteidigen, wie es in einer funktionierenden Partnerschaft sein soll. Das Problem mit manchen Pornos sehe ich daher nicht in der Tatsache, dass sie existieren und in dem Großteil der Inhalte, die sie zeigen, sondern eher darin, dass irgendein Partner (meist die Frau), einfach nicht die Möglichkeit hat, innerhalb der „Handlung“ auch einmal etwas abzulehnen. Und wenn sie es tut, sieht es der „Spielplan“ vor, dass sie sich unter Zwang und teilweise auch Gewalt dann doch den teilweise extremen Wünschen ihres Partners unterordnet. Dies mag mit den Darstellerinnen und Darstellern zwar abgestimmt und vertraglich geregelt sein; dem unerfahrenen oder leichtgläubigen Konsumenten kann es aber einfach ein falsches Bild vermitteln. Nämlich das, dass es möglich und erlaubt sei, einen anderen Menschen im Bett oder wo auch immer zu etwas zu zwingen.

holding-hands-1031665_640Nicht, dass einen diese krassen Darstellungen gerade im Bereich der Pornoproduktion überraschen würden; mehr Kopfzerbrechen bereiten mir da die „Sextipps“ mancher Mainstream-Frauenzeitschriften. So schreibt eine bekannte Sexratgeberseite zum Thema Deep Throat: „Es wird Ihnen vielleicht bei den ersten Malen nicht gelingen, den Würgereflex zu ignorieren. Selbst nach intensivem Training ist es möglich, dass Ihnen anstatt des Würgereflexes, Tränen in die Augen steigen. Aber sehen Sie Ihren Partner dabei an! Das Machtgefühl, das er spürt, wird ihn wild machen und er wird sich gerne revanchieren.“ Also ehrlich gesagt: Ich kriege bei solchen Beschreibungen das kalte Kotzen, ohne einen Penis „bis zum Anschlag“ in den Mund zu nehmen und Gefahr zu laufen, beim Oralsex an Atemnot zu sterben. Die Bilder im Kopf reichen schon, danke liebe „Sexperten“. Andere, Frauen wie Männer, mögen Gefallen daran finden. Nein, nun mal ernsthaft ….Was mich stört: Auf den Onlineseiten gängiger „Frauen- und Männerlektüre“ werden die Fantasien einiger oft zum erotischen „Must-have“ für alle erklärt. Als etwas, das man „lernen“ kann und das es sich zu „können“ lohnt, auch wenn es die natürlichen, lebenserhaltenden Reflexe bei mancher Frau und auch beim homosexuellen Mann ganz oder teilweise außer Gefecht setzen soll.

Ein extremes Beispiel in der Onlinewelt fand ich auf einer Seite, wo ein Mann andere Männer darin schulen wollte, ihre Frau zu einem „filmreifen“ Deep-Throat-Blowjob zu überreden und sie darin zu trainieren wie einen Hund, der ein Stöckchen holen soll. Selbst dann, wenn sie es nicht will, Angst hat oder sich davor ekelt. Schließlich hätte jeder Mann sinngemäß das „Recht“ auf dieses besonders machtvolle Hochgefühl. Man müsse nur die Grenzen und Tabus überwinden. Meine Meinung dazu? Es gibt kein angestammtes, gesetzlich verankertes Recht auf irgendeine Sexualpraktik – aber durchaus das Menschenrecht, seine Würde und seinen freien Willen zu wahren. Dies waren nur extreme Beispiele „medialer Irrtümer“ – in der Praxis fängt es oft schon damit an, dass ein Partner mehr und öfter Lust hat als der andere. Das ist eine persönliche Entscheidung und absolut in Ordnung.

couple-731890_1280Oft ist es nur das Problem, wie man „nein“ sagt. Es gibt diese brutal ehrlichen Menschen, die dann einfach sagen: „Keine Lust!“, sich wieder umdrehen und weiterschlafen. Das ist zu respektieren, schließlich gibt es keine Pflicht, sich zu rechtfertigen. Schöner, weniger belastend und hilfreicher ist es meines Erachtens jedoch, wenn es möglich ist, seine oft recht banalen Gründe kurz zu nennen. So wie: „Ich hatte einfach einen zu harten Tag“, „Ich fühle mich krank“ oder „Ich muss erst etwas in den Magen bekommen“. Wichtig finde ich hier, dass Erklären nicht Entschuldigen ist; denn es gibt nichts, wofür es sich zu entschuldigen lohnt. Man hat eben keine Lust auf Sex oder auf irgendeine außergewöhnliche „Bettsportdisziplin“, doch so kann der Partner zumindest das nötige Verständnis aufbringen, ohne dass eine latente Unsicherheit sich breitmacht und er vollkommen im Unklaren gelassen wird. „Nein“ sagen ist also notwendig und gar nicht mal so schwer – vorausgesetzt, es wird nicht als eine verdrehte Form von „ja, aber …“ wahrgenommen. So wie es die aktuelle „50 Shades“-Bestsellerreihe propagiert, wo der männliche Protagonist mit Aussagen wie „Dein Arsch gehört mir!“ seine jüngere, sozial schwächer gestellte „Partnerin“ immer wieder nur seinem Willen zu unterwerfen sucht und das (leider) nicht nur im „Roten Zimmer“, wo so etwas in einer BDSM-Beziehung zumindest ansatzweise nachvollziehbar wäre. Mal unter uns: Auf eine Beziehung, in der Grenzen nicht respektiert und Freiheiten nicht beachtet werden, kann man zumindest im echten Leben jederzeit getrost verzichten. Man kann die ganzen Missverständnisse um ein klar gesagtes und gemeintes Nein übrigens gemäß dem sehr minimalistischen Leitspruch und hierfür abgewandelten Zitat der Semiologin und Sprachwissenschaflerin Gertrude Stein zusammenfassen: „Ein Nein ist ein Nein ist ein Nein.“

Cats Gedankenwelt: Eine Bahnsinnsgeschichte – Teil 2

Bahnreisende können viel erleben
Bahnreisende können viel erleben

Es ist eine Weile her, dass ich die skurrilsten Geschichten von meinen Bahnreisen hier zum Besten gegeben habe. Seitdem ist auf Schienen wieder einiges passiert; Erheiterndes, Nerviges, oder auch einfach nur Absurdes. Daher geht der „Bahnsinn“ hier in eine zweite Runde.

Vor allem Langstrecken- und Wochenendpendler kennen das zu gut – Bahnfahren gleicht manchmal einem Überraschungsei, man weiß nie, was man bekommt. Gäbe es eine soziologische Studie über Bahnfahrer, würde vermutlich folgendes herauskommen: Bahnfahrer und vor allem die Pendler unter ihnen sind oftmals (gezwungenermaßen) stressresistent, regen sich weniger über Kleinigkeiten wie kurze Verzögerungen auf und zeigen sich in unglücklichen Situationen äußerst gesellig und solidarisch. Kein Wunder, denn häufiges Reisen mit dem „Unternehmen Zukunft“ erfordert eben genau solche „Soft Skills“ – Geduld, Gelassenheit, kreative Lösungen und eine ausgeprägte Hilfsbereitschaft gegenüber anderen Mitreisenden. Nicht zu vergessen eine gute Prise Humor – wie ich letztens erst wieder feststellen durfte.

Total tote Hose: Manchmal geht es einfach nicht weiter!

Normalerweise beträgt meine Pendelstrecke, die ich an manchen Freitagen und den meisten Sonntagen zurücklege, nur rund 250 Kilometer und dauert dreieinhalb bis vier Stunden. Das ist gut aushaltbar und bietet einem einen gewissen Zeitpuffer, um zum Beispiel einen Blogbeitrag zu schreiben. Doch die Deutsche Bahn wäre ja nicht die Deutsche Bahn, wenn immer alles nach Plan liefe (bei wem tut es das schon). Manchmal kommt man gar nicht erst so los, wie man es sich vorstellt – so wie einmal vor ein paar Monaten, als der Zug gerade losgefahren war und nach einer Station bereits umkehren musste. Grund: eine erst einmal irreparable Weichenstörung. Uns blieb letztendlich nichts übrig, als uns doch noch zu später Stunde ins Auto zu setzen und nach Norddeutschland zu düsen, damit ich am nächsten Tag zur Arbeit erscheinen konnte.

Zugegeben, die Fälle, in denen man so gar nicht mit der Bahn oder dem entsprechenden Schienenersatzverkehr vom Fleck kommt, sind recht selten. In der Regel kommt man irgendwie an – trotz mancher Fahrplanänderung oder Verspätung. Wenn aber etwas beginnt, schief zu laufen, dann gilt meist Murphys Gesetz und eine Panne kommt selten allein. Hin und wieder landet man auch buchstäblich „am Arsch der Welt“ – so wie ich und 50 andere Fahrgäste letztens im Regionalzug in Richtung Oldenburg. Eigentlich hatte ich meine Route nach bestem Wissen und Gewissen geplant, sogar den etwas teureren ICE über Kassel ausgewählt, um zu viele Umstiege zu vermeiden. Bei einer halben Stunde Aufenthaltszeit kann je eigentlich kaum etwas, passieren, dachte ich. Außer, dass es statt 35 Minuten Wartezeit auf den ICE auf einmal zwei Stunden werden sollten. Wenn auf der Anzeigetafel am Bahnsteig geradezu hämisch die Leuchtschrift erscheint: „ICE XYZ – etwa 90 Minuten Verspätung“, wissen erfahrene Bahnreisende, was zu tun ist. Also sich entweder ärgern und sich ein Restaurant mit Sitzgelegenheit suchen, oder aber nach der schnellstmöglichen, „zweitklassigen“ Regionalverbindung schauen.

Wer keinen Humor hat, sollte das Bahnfahren seinlassen - sonst droht Bluthochdruck!
Wer keinen Humor hat, sollte das Bahnfahren seinlassen – sonst droht Bluthochdruck!

Ich hatte also (erst einmal Glück) – eine halbe Stunde später als eigentlich geplant fuhr doch noch eine Regionalbahn. Voll, eng und stickig, aber immerhin: Besser als gar nicht vorankommen. Dann kurz vor Ahlhorn die Durchsage, ein umgestürzter Baum versperre ab Ahlhorn die Strecke, „Bitte steigen Sie in Ahlhorn in die bereitgestellten Ersatzbusse“. Naja, denke ich mir dann immer, das kommt bei Sturm eben mal vor. Übrigens auch schon einmal so vorgekommen im letzten Winter, als die Züge von Bremen nach Oldenburg einen ganzen Tag lang wegen Sturmschäden auf der Strecke nicht fuhren. Ich freute mich insgeheim also schon auf einen komfortablen Bussitz – auch wenn mein Anschlusszug so oder so weg sein würde. Aber warum fährt man auch eine Stunde eher los, ein guter Bahnfahrer weiß: Pufferzeit muss sein.

Was danach passierte, hätte jedoch niemand der noch inzwischen rund 50 Mitreisenden erwartet. Anstatt uns bis nach Oldenburg zu fahren, hielt der zuständige Busfahrer nach einer ewig scheinenden Kurvenfahrt über Ortschaften, deren Namen ich vorher noch nie gehört hatte, an einem einsamen Ort namens Huntlosen. „Huntlosen“ klingt übrigens nicht nur so, als sei dort der Hund begraben – Dorf und Bahnhof sehen auch genau so aus. Es mag zweifellos ein schöner Ort für motorisierte Familien sein, die idyllisch wohnen wollen – als Knotenpunkt für wartende Zuggäste ist er aber schlicht ungeeignet, ohne Süßigkeiten- und Getränkeautomat und ohne Bahnhofstoilette. „Da kommt gleich ein Zug zur Weiterfahrt“, hat man uns versichert. Also warteten wir. Es war inzwischen fast Mitternacht und kein Zug in Sicht. Um Viertel nach zwölf, nachdem wir fast eine Stunde am zugigen Bahnsteig mitten in der Pampa gewartet hatten, machte sich die Karawane wieder zur Bushaltestelle auf, um dort wieder peitschendem Regen und Sturm zu trotzen. Die Ersten witzelten schon über eine „unerlaubte Demo am Arsch der Welt“, die Zweiten riefen nach Freibier und die Dritten riefen bereits ihre Kumpels, Mitbewohner und Familien an, damit diese wieder aus ihren Betten aufstanden und sie von diesem Bahnhof, wo einfach der versprochene Bus nicht kommen wollte, abholten.

Idiotensichere Toilettentüren sind die Regel - aber es gibt auch Ausnahmen
Idiotensichere Toilettentüren sind die Regel – aber es gibt auch Ausnahmen

Tatsächlich kam ein Bus vorbei – nur war dieser schon voll. Die Fahrerin versprach, „da kommt gleich noch einer“. Also wieder Warten – und zwar bis Viertel nach eins am Morgen. Inzwischen spielte ich mit dem Gedanken, mir ein Hotel in Oldenburg zu nehmen und einen Erstattungsantrag bei der Bahn einzureichen. Doch dann hatte ich in dem ganzen Schlamassel noch Glück. Irgendwann gegen halb eins sprach mich nämlich ein junger Mann an: „Entschuldigung, ich habe gerade gehört, Sie müssen auch nach Delmenhorst?“ Er wollte seinen Mitbewohner anrufen – leider hatte sein Handy keinen Akku mehr. Handy laden am Laptop gegen Mitfahrgelegenheit bis vor die Haustür, das hielt ich für einen fairen Deal. So kam es, dass ich mit zwei fremden Soldaten in ein Auto einstieg, etwas, das ich unter „normalen“ Umständen nicht tun würde. Aber ungewöhnliche Situationen erfordern besondere Mittel.

Wie entspannt man mit der Bahn reist, hängt von Strecke und Verkehrslage ab
Wie entspannt man mit der Bahn reist, hängt von Strecke und Verkehrslage ab

Dass der Bus nach Oldenburg doch noch kam, sahen wir, nachdem wir diverse Taxiunternehmen in Delmenhorst und Oldenburg für andere Mitfahrer angerufen hatten und diese wieder abbestellen mussten, als der Bus schließlich unverhofft in Sichtweite kam. Ende gut, alles gut – dennoch, als ich meinem besorgten Ehemann zu Hause meine sichere Ankunft vermelden konnte (etwa gegen zwei Uhr nachts), sagte er nur: „Na, das war ja mal wieder eine Bahnsinnsgeschichte!“ Manchmal passieren auch innerhalb des Zuges die seltsamsten Dinge; so kam es letztens, dass ein Betrunkener sich derart ungünstig in der Toilette eingeschlossen hatte, dass die Feuerwehr ihn am Zielort hinaus sägen musste. Und da sage noch einer, die Türen bei der Deutschen Bahn seien idiotensicher. Der erste basserstaunte Kommentar des Bahnangestellten: „Das habe ich ja in meinen letzten zehn Dienstjahren nicht erlebt!“ Hin und wieder erlebt man in der Bahn eben Dinge, von denen man nicht wusste, dass es sie gibt. Habt ihr über die Feiertage auch kuriose, „bahnbrechende“ Erlebnisse gehabt? Dafür ist natürlich Platz in den Kommentaren. Egal, wohin die Reise euch also führt: Kommt gut an!

Cats Medienkommentar: Die Lust am Gruseln

Alte und verlassene Orte faszinieren Menschen – heute vielleicht mehr denn je

Verlassene Orte, mythische Geschichten, gut oder feindlich gesonnene Geister – Gruseln liegt im Trend. Interessanterweise vor allem, wenn das Publikum weiblich ist. Erst kürzlich kam mit „Crimson Peak“ eine neue Gothic-Romanze mit Gänsehautfaktor in die Kinos – mit Intrigen, Abgründen, und einer Menge düsterer Geheimnisse. Die „dunkle Seite des Seins“ scheint momentan wieder an Einfluss zu gewinnen – aber warum? Ein Erklärungsversuch.

Zugegeben, Spuk- und Geistergeschichten sind nun wirklich kein neues Phänomen unserer Zeit. Es gab sie nämlich schon in der Literatur alle Zeiten, vor allem aber während der viktorianischen Ära in Großbritannien und in den USA. Die Lust am Schaudern, die viele Menschen der modernen Literatur verspürten, brachte einigen Autoren und Autorinnen aller Sprachen und Hintergründe große Erfolge ein. Erwähnt man noch heute zum Beispiel die Namen Bram Stoker, Mary Shelley, Nathaniel Hawthorne oder Edgar Allan Poe, weiß jeder Leser, dass der Inhalt der Geschichten sie das Fürchten lehren soll. Nun gibt es sicherlich nicht mehr so viele Leser „alter Schinken“ (aucn wenn ich mich definitiv hier als solcher outen möchte), dennoch scheint der Erfolg der Genres Horror, Mystery, Thriller und verwandter Kategorien auf dem Buchmarkt ungebrochen.

Alte Muster, neue Medien

Der Schauerroman, auch zum Teil als „Gothic Novel“ oder „Dark Romance“ lässt sich also schwer als einzelnes Genre eingrenzen, was der Faszination dieser Nische in der Literatur aber keinerlei Abbruch tut. Was sich allerdings auf jeden Fall ebenso aufgefächert hat, ist die mediale Umsetzung. Auch Vampirromane und Filme rund um die mystischen Blutsauger haben in den letzten Jahrzehnten wieder stark an Zulauf gewonnen, auch wenn ich keinesfalls „Bram Stoker’s Dracula“ hier mit „Twilight“ oder „Vampire Diaries“ auf eine Stufe stellen möchte. Klassiker bleiben eben Klassiker, egal, wie man es dreht und wendet. Sie haben eben ein anderes Zielpublikum als manch aktueller Bestseller und das ist auch in Ordnung so. Oder, wie meine Oma sagen würde: „Auf jeden Topf passt ein Deckel“ – das gilt wohl auch für Leser und Kinogänger. Was jedoch bei den meisten Schauerroman und Gruselfilmen auffällt: Irgendein durchgehendes Muster gibt es immer. Oft geraten unschuldige, naive Frauen (selten Männer) an die falsche Bekanntschaft und landen so in Situationen, die ihnen Angst und Schrecken einjagen. Wenn sie es denn schaffen, kostet es sie zumindest viel Schweiß, Tränen, Blut und Mühe, sich wieder alleine oder mit Hilfe aus ihrer Situation zu befreien. Grundsätzlich mit dabei ist auch jener Charakter, der sich als „geheimnisvoller Fremder“ bezeichnen lässt. Kurz gesagt, der Typus Mann, vor dem Mutti die Protagonistin schon immer gewarnt hat und der dennoch eine magische Anziehungskraft auf seine (weibliche) Umwelt auszuüben scheint. Na gut, das Mädchen will ja nicht hören, dann landet sie eben in einem Schloss, wo Spuk, Gewalt und dunkle Geheimnisse warten. Bis ein „echter“ Prinz sie retten kommt – oder sie sich selbst wieder davonschleppen kann. Und der Zuschauer? Er fiebert, leidet und schaudert mit, einfach aus einer Identifikation und einer bestimmten „Angstlust“ heraus.

"Nimmermehr" - Poe gehört zu den Großen im Schauer- und Krimigenre
„Nimmermehr“ – Poe gehört zu den Großen im Schauer- und Krimigenre

Die Suche nach dem Verborgenen

Dass Menschen von Angst auch erregt werden, ist durch neurologische und verhaltenspsychologische Studien längst erwiesen. Die Angst löst buchstäblich einen Schauer aus – einen, der als Wohlgefühl empfunden werden kann, wenn der Betrachter eines Grusel-, Kriminal- oder Horrorstreifens sich in Sicherheit wähnt. Aber ist das wirklich alles, was die Faszination des Gruselns und Rätselns ausmacht? Ich möchte hier einfach mal mit einem „nein“ antworten. Denn die Gründe, warum uns das „Abgründige“ derart fasziniert, liegen tief in unseren Ängsten und Sehnsüchten verwurzelt. Ich nehme an, in genau den Sehnsüchten, die unsere Lebensumgebung uns scheinbar nicht mehr erfüllen kann. Es geht um große Emotionen, hoffnungslose Romantik, tiefe Einblicke in die Abgründe und Verwundbarkeiten des menschlichen Daseins. Kurz: Es scheint, als würden viele von uns nach dem Verborgenen und Geheimnisvollen suchen, nach dem, was nicht sofort ersichtlich und erklärbar ist.

Alles überschaubar? Es gibt kaum etwas, das noch nicht durchleuchtet ist
Alles überschaubar? Es gibt kaum etwas, das noch nicht durchleuchtet ist

Mystische Bilder in einer sterilen Welt

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Es gibt kaum etwas vom Nordpol bis Afrika, das sich nicht schlüssig wissenschaftlich erklären ließe, und natürlich hat dieser Umstand viele Vorteile. Wir haben im wörtlichen Sinne immer „den Durchblick“ oder finden zumindest jemanden, einen Arzt, Forscher oder Experten, der ihn hat, wenn er uns fehlt. Sogar unsere Körper sind „gläsern“ – mit ein wenig medizinischem Wissen und entsprechenden Tests können Ärzte fast alles über unseren Fitness-, Krankheits- oder Gesundheitszustand herausfinden. Einerseits hilft Transparenz in vielen Lebenssituationen, andererseits kann die totale Durchschaubarkeit des (Mit-)Menschen und dessen Lebensart auch ziemlich bedrohlich und befremdlich wirken. Oder man könnte sagen: Viele von uns fühlen sich wie vor einer glatten, sterilen Spiegelfläche, die keine Abweichung und kein Geheimnis mehr zulässt. Oftmals beginnt das Testen, Prüfen und Bewerten schon vor unserer Geburt, denn in pränatalen Testverfahren bleibt kaum eine Besonderheit oder ein genetischer „Defekt“ unbemerkt. Vom Beginn unseres Lebens an werden wir gewogen, vermessen, in „normal“, „überdurchschnittlich“ und „unterdurchschnittlich“ eingeteilt. Mal mit Schulnoten, mal ohne – es scheint, als stünde man als menschliches Wesen per se ständig auf dem Prüfstand. Wer möchte es seinen Zeitgenossen da übelnehmen, wenn sie zumindest in Gedanken vor dem Spiegelkabinett in verdunkelte, geheimnisvolle Räume flüchten?

Romantik und Schaudern: Rückzugsräume für unsere Empfindungen
Romantik und Schaudern: Rückzugsräume für unsere Empfindungen

Den Zauber wiederfinden

Trost und das Gefühl von Geborgenheit in einer grell erleuchteten Welt finden Empfindsame eben in inneren Bildern, ob diese nun durchs Lesen, Hören oder Betrachten entstehen. Das können hoffnungslos kitschige Liebesfilme sein, aber auch Schauerromane und Krimis, die durch ihre abgründige Tiefe das Innerste und Unterbewusste wieder aufwecken. Man könnte kurz sagen: Wer viele romantische, mystische und geheimnisvolle Welten durch Bücher und Filme erkundet, könnte auf der Suche zu einem neuen Zugang zur Welt sein und, nicht zu vergessen, zu sich selbst. Manchmal suchen Menschen eben eine „Hintertür“, die aus dem sterilen, vollkommen überblickbaren Raum in eine neue, unbekannte Nische führt, oder eben den berüchtigten „Geheimgang“. Vielleicht, um irgendwo da drinnen etwas zu erfahren, das noch nicht erforscht ist – und es dann als neue Erkenntnis in der „Welt da draußen“ einzusetzen. Ähnliches widerfährt übrigens Edith, der Protagonistin in „Crimson Peak“. Sie reagiert sensibel auf die „Geister“ und Stimmen des von Verbrechen überschatteten Familienanwesens und schafft es so letztendlich (gut, mit etwas ärztlicher und spiritueller Hilfe), den Ort von all diesen Einflüssen zu befreien. Und dann geht sie wieder ihrer Wege und lässt das Vergangene Erinnerung sein – wie wir alle es letztendlich tun.

Cats Gedankenwelt: Sonntagsgedanken – update v1.2

Bus-435584_1280_MampuEin Blick aus dem Fenster des Busses.
Ich bewege mich fort, fort von allem, was mir gerade noch nah war, von unserer Wohnung, von vertrauten Gerüchen, dem wohligen Schnurren unserer Katzen, von dem Gefühl warmer Haut auf meiner, den Geräuschen in unserem Haus.Fort von dir und deiner Nähe.
Du nicht mehr allein sein, sagtest du zu mir.
Du brauchst jemanden zum Reden, zum Quatschmachen, Gesellschaft um dich herum.
Jemanden, der dein Leben teilt, anstatt immer wieder zu kommen und zu gehen. Fast hätten wir uns gestritten, und auch jetzt gehe ich mit einem schlechten Gefühl.
So, als würde ich dich im Stich lassen, uns nicht würdigen.
Ich kann nicht anders.
Jobs liegen nicht auf der Straße, habe ich dir gesagt, man muss Kompromisse machen.
Du weißt selbst, wie es war, mir eine Stelle zu erkämpfen.
Hoffnungen, Warten, nochmal Hoffnung, und immer wieder Absagen. Dann endlich gute Nachrichten, Umzug inklusive, neue Stadt, neues Umfeld.
Es gab keine Absagen mehr, keine besorgten Nachfragen, keine Suche. Dafür immer wieder Abschied.

employment-agency-771154_1280_succoWir schaffen das schon, hast du mir versichert, wir sind stark.
An den ersten Sonntagen bin ich durch die Hölle gegangen.
Ich musste mich beherrschen, beim Umsteigen im Zug nicht sofort umzukehren. Ich musste wegsehen, wenn ich glückliche Paare im Abteil gesehen habe. Fühlte mit denen, die ich bei ihrem Abschied beobachtete. Sie waren Geschwister im Geiste.
Inzwischen geben sich Abschied und Wiedersehen die Hand.
Mir ist klar, dass ich dir damit wehtun muss – so wie mir selbst.
Ich weiß, das ist nicht das, was wir uns einst gewünscht hatten.
Es wiegt schwer, nicht da sein zu können, wenn du einen schlechten Tag hast, jemand dich enttäuscht oder etwas dich wütend gemacht hat, oder um glückliche Momente mit dir zu teilen.
Selbst die beste Technik kann keine Berührung ersetzen.
Ich vermisse deine Wärme neben mir im Bett, ein sanftes Streicheln im Haar, das Treteln und Schnurren an unseren Fußenden.

alone-21279_1280Ich weiß, dass es dir genau so geht, dass das Alleinsein dich traurig macht.
Wir wussten, dass es irgendwann so sein würde, waren darauf vorbereitet – und doch ist es hart.
Es könnte schlimmer sein, noch weiter entfernt, quasi unerreichbar.
So steinig und ermüdend, dass wir den Weg nicht weitergehen könnten. Manchmal habe ich Angst, dass an irgendeinem Sonntag zu viel zerbricht.
Dass einer von uns einen weiteren Abschied nicht übersteht. Aber dann weiß ich: Es sind nur fünf Tage und fünf Nächte. Es ist immer bald wieder Freitag.
Wenn ich gleich aus dem Bus steige, beginnt ein weiterer Zyklus – ein Zyklus aus Abschied, Sehnsucht, Vorfreude und Wiedersehen.

Aus Arbeit und abendlichen Anrufen und Alltagspflichten, die nun jeder für sich erledigen muss. Bei all der knappen Zeit und den Stunden allein, vergiss eines nicht:

Jedes Wiedersehen ist ein Grund zur Freude.

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Cats Medienkommentar: Panik in Ton und Bild

Journalistische Berichterstattung: eine Wahl zwischen Not und Elend?
Journalistische Berichterstattung: eine Wahl zwischen Not und Elend?

„Bad news is good news“, oder auch: „Nur eine schlechte Nachricht kommt an“ lautet ein ungeschriebenes (und oft verheimlichtes) Gesetz in der gängigen journalistischen Berichterstattung. Aber welche Auswirkungen hat das langfristig auf Medienschaffende und Konsumenten? Brauchen wir neben den gesammelten Katastrophenmeldungen nicht vielleicht doch einmal einen Funken Hoffnung?

Soziale Medien können depressiv machen“, gingen erst kürzlich Schlagzeilen in der Mainstream-Berichterstattung herum. Der Grund: Das allzu „perfekte“ Facebookprofil guter Freunde bis entfernter Bekannter könne Neid und Unzufriedenheit im sozialen Vergleich auslösen. Das mag bei manchen, sehr dafür anfälligen, Personen sogar halbwegs eintreten (auch wenn die Krankheit der Depression meines Erachtens hier extrem verharmlost wird). Doch ich sehe momentan und eigentlich schon seit Jahren einen vollkommen anderen Aspekt in allen Medienkanälen, der einem wirklich dauerhaft jede gute Laune verderben kann – diese ständigen Negativ- und Katastrophenmeldungen. Ganz ehrlich, wäre ich wirklich depressiv oder suizidgefährdet, ich würde mir an dieser Stelle sicherlich überlegen, ob es nicht besser wäre, von dieser „freudlosen“ Welt zu verschwinden.

Ob in der Politik oder an der Börse, die Frequenz schlechter Nachrichten lässt sich schlecht verarbeiten
Ob Krieg, Klimawandel oder Finanzkrise, die Menge an schlechten Nachrichten in kürzester Zeit lässt sich schlecht verarbeiten

Informative Horrorshow

Ein ganz einfaches Beispiel, das jeder kennt, ist die Tagesschau im Ersten, Zweiten und Dritten. Täglich um 20 Uhr, oder aber einige Stunden früher oder später, bekommt jeder Fernsehzuschauer den realistischsten Horror-, Kriegs- und Katastrophenfilm gezeigt, den er jemals sehen könnte. Manchmal auch einen Politkrimi reinster Sorte oder ein Drama mit echten Emotionen. War das alles? Richtig, da fehlen doch einige Genres – nämlich die, die einen zum Lachen bringen und nicht ohne ein Happy End auskommen. Finanzkrise, Schuldenkrise, Bürgerkrieg, Verfolgung, Flucht, Hunger, Epidemien, Existenzangst – mit einem Wort: Es herrscht Panikalarmstufe Rot. Denn all diese Dinge passieren eben und die Medien, seien es Zeitungen, Fernsehsender, Onlinemagazine oder Radiostationen, haben ja auch die Pflicht, uns als Leser, Zuschauer, Hörer und Internetnutzer zu informieren. Und zwar bis zur absoluten Schmerzgrenze. Das Schlimmste, was wir im Grunde alle wissen, ist: Die Dinge, die wir so im „Vorbeigehen“ erfahren, sind nur die Spitze eines riesigen Eisbergs an Problemen, sich nun rächenden „Sünden der Vorväter“ und Konfliktherde. In ihrer Weltkatastrophenberichterstattung gleichen die öffentlich-rechtlichen Sender dabei übrigens noch einem Streichelzoo. Wer sich die unzensierte „informative Horrorshow“ geben will, ist mit manchem Privatsender besser beraten.

Eine ständige Negativbeschallung

Man kann also, wenn es um die zahllosen Übertragungen von aktuellen Nachrichtenmeldungen in jeglicher Form spricht, wirklich nicht von „Good Vibrations“ reden – wohl eher von einem total miesen Karma. Die unterschwellige Nachricht hinter all diesen Horrormeldungen lautet nämlich ausnahmslos: Seht her, wozu ihr Monster auf zwei Beinen fähig seid! Ab in die Ecke und schämen! Allein die Tatsache, zur Gattung „Mensch“ zu gehören, scheint dabei auszureichen, um ein fieses Schuldgefühl per Funk- oder Bildwelle zu übertragen. Rein statistisch nach dem Anteil der „schlechten Nachrichten“ betrachtet, liegen wir im ersten Augenblick mit diesem Gefühl wahrscheinlich nicht einmal ganz falsch. Denn der Mensch kann, im Gegensatz zu vielen Tieren, wirklich zu ungeheuerlichen Dingen fähig sein und manchmal so boshaft oder unreflektiert in seinem Handeln, dass es einem vom Zuschauen schon wehtun muss.

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Allein fühlt man sich oft machtlos – ist jede gute Tat nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Zum Scheitern verurteilt?

Um es kurz zu fassen: Informiert sein kann zu einem richtigen mentalen Terror werden. Nicht nur im aktuellen Sinne des Terrorismus, der weltweit die Gemüter in Panik versetzt, sondern einfach in seiner Wortbedeutung. Terror. Terreur- oder auf Deutsch übersetzt: Schrecken, Angst. „Terrorherrschaft“ hat übrigens in der Menschheitsgeschichte immer dann funktioniert, wenn es genügend skrupellose Machtmenschen an der Spitze und ausreichend verunsicherte, orientierungslose und vielleicht durch äußere Umstände verängstigte Massen an der Basis gab. Man betrachte nur einmal die Sklaverei, die Schreckensherrschaft nach der Französischen Revolution und den Holocaust als Beispiele. Mit einem ausgeglichenen Machtverhältnis und mehr echter Demokratie wäre das wahrscheinlich nicht passiert. Das Schlimme ist: Geht man nach dem, was man sieht und hört, hat die Menschheit nichts dazu gelernt – also, rein gar nichts. Sind wir also alle nur „hoffnungslose Fälle“? Gibt es vielleicht gar keine „guten Menschen“, die nicht einfach nur offiziell auf „Gutmensch“ tun und im Grunde doch nur an sich selbst denken?

Haifischbecken soziale Netzwerke

Manchmal sieht die Welt "da draußen" schon ziemlich düster aus!
Manchmal sieht die Welt „da draußen“ schon ziemlich düster aus!

Hier ist ein guter Zeitpunkt, um an den Ausgangsgedanken dieses Beitrags anzuknüpfen – denn gerade in Zeiten des „Klickaktivismus“ tummelt sich so ziemlich alles an „besorgten Bürgern“, „Facebookphilosophen“ und selbsternannten Gutmenschen jeder Couleur (die dann doch zum Teil recht inaktiv werden, wenn es wirklich um Handlungen statt um Worte geht). In der ewigen Netzdemokratie, wo jeder jederzeit seine Stimme abgeben kann, treffen so die unterschiedlichsten Mentalitäten und Typen aufeinander, vertreten ihre Interessen, reiben sich aneinander und kriegen sich in die Haare. Im besten Fall tauchen wir digitalen Sinnsucher mit einer erweiterten Denkperspektive aus diesem Informationsmeer wieder auf, oder aber wir verbeißen uns an unserer eigenen Ideologie vom „besten Leben“, lassen keine anderen Meinungen oder Kompromisse zu und zerfleischen uns virtuell im multimedialen Haifischbecken. Das Entscheidendste – in Bezug auf den Nachrichtenfluss im Internet – ist jedoch die Frequenz der Informationen. Sprich: Alles verbreitet sich wie das sprichwörtliche Lauffeuer, vor allem die schlechten Nachrichten. Nicht umsonst nutzen zum Beispiel rechtsgerichtete Gruppen Facebook & Co als virtuelle Propagandamaschine; es war nie so bequem und einfach, Angstmeldungen zu verbreiten und sowieso schon verunsicherte Menschen zu „besorgten Bürgern“ zu machen. Das Netzwerk als Panikmaschine? Scheint bis zu einem gewissen Grad zu funktionieren – auch, weil die meisten von uns eben doch „Herdentiere“ sind und denken: „Was viele bestätigen, kann nicht falsch sein!“. Kann es eben doch – wie alle weiter oben genannten Beispiele belegen. Doch das steht auf einem anderen Blatt.

Alles aussichtslos? Nicht, wenn sich jeder ein wenig bemüht!
Alles aussichtslos? Nicht, wenn sich jeder ein wenig bemüht!

Nur eine Seite der Medaille

Doch das, was wir in den Medien sehen, kann nicht die ganze Wahrheit sein. Um genau zu sein, zeigt es nur eine Seite der Medaille. Nur selten sehen wir Bilder von Menschen, die aktiv etwas verändern; von einem lachenden Kind, dem Forscher im Labor für erneuerbare Energien und dem freiwilligen Helfer im Krisengebiet. Und wenn doch, neigen wir dazu, diese „Bilder der Hoffnung“ zu verdrängen, weil wir zu sehr an das Leitmotto „Bad news is good news“ gewöhnt sind. Niemand wird als Einzelner für sich die Welt verändern, das wäre utopisch. Und es wäre auch naiv, so zu tun, als gäbe es diese ganzen Krisen und Katastrophen gar nicht. Doch wie das Kaninchen vor der Schlange zu zittern, bringt auf Dauer auch keine Lösung für all das, was uns (mehr oder minder entscheidendes) Problem präsentiert wird. Für mich selbst habe ich inzwischen einen realistischen Ansatzpunkt gefunden, um das „Gute“ im Menschen wieder zu finden. Ganz nach einem alten Pfadfindermotto halte ich mich an das Prinzip: Tue jeden Tag mindestens einmal etwas nur für andere, ohne an deinen Vorteil zu denken. Es mögen kleine Schritte sein – aber wenn sie jeder geht, können auch die eine Menge bewirken. Um zurück zu den Medien zu kommen: Hätte ich als Medienschaffende und auch Konsumentin einen Wunsch für die generelle Berichterstattung frei, wäre dieser: Zeigt nicht nur Probleme, sondern vor allem Lösungen!

Cats Gedankenwelt: Alltägliche Störgeräusche

Wenn Geräusche uns den letzten Nerv rauben ...
Wenn Geräusche uns den letzten Nerv rauben …

Unsere Ohren sind 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche im Dauereinsatz. Während wir zum Schlafen unsere Augen schließen können, können wir die Ohren (leider) nicht einfach stumm schalten oder zuklappen. Dabei bekommt unser Hörorgan einiges mit – von Geräuschen, die angenehme Gefühle auslösen, bis hin zu absoluten Nervenkillern. Ein Alphabet der nervigsten Geräusche, gesammelt in meinem Facebook-Netzwerk.

Atem im Nacken – Ob im überfüllten Bus oder auf einer Großveranstaltung, ein bisschen Respektabstand muss sein. Zumindest so viel, dass man nicht jeden Atemzug seines Hintermanns hört.

Baulärm – Klar, Bauarbeiten müssen sein. Trotzdem gehört Baulärm, vor allem auf lange Dauer gesehen, zu den nervigsten Geräuschen. Vor allem, wenn man schlafen oder konzentriert arbeiten will.

Chipstüten und Co – Da gibt es dieses leicht knirschende Geräusch, das entsteht, wenn eine Chipstüte oder andere Aluverpackung mit zu viel Schwung aufgerissen und allzu energisch darin herumgewühlt wird. Kurzfristig erträglich, auf die Dauer Kopfschmerzalarm.

Durchdringendes Piepen – So wie bei meiner Waschmaschine, die solange piept, bis ich aufstehe und sie ausstelle. Oder bei McDonalds, wenn die Pommes und Burger fertig sind.

"Ich will ja nicht meckern, aber ... Geht das auch etwas leiser?"
„Ich will ja nicht meckern, aber … Geht das auch etwas leiser?“

Endlostelefonate in Hörweite – Das passiert mir vor allem auf meinen allwöchentlichen Bahnreisen. Danke, mich interessiert nicht, warum euer Prof euch nur eine 2,3 statt einer 1,7 gegeben hat und was genau die blonde, überschminkte Tussi auf der leizten Party verbockt hat. Übrigens, der Windelinhalt eurer Babys und euer Milchfluss sind mir auch herzlich egal. Also seid doch so gut und erspart wildfremden Mitreisenden die Details.

Fingernägel auf Tafel oder metallischen Flächen – Da muss nicht mehr zu gesagt werden, oder?

Gabeln, die über Teller kratzen – Essgeräusche sind eine Sache für sich und über vieles lässt sich streiten. Gabeln und Messer, die aggressiv über Teller kratzen, sind allerdings echte Strapazen für die Ohren anderer „Mitesser“,

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Gemeinsam essen ist etwas Tolles – solange der Geräuschpegel erträglich bleibt!

Handydisco – Ebenso ein typisches Zugphänomen: zumeist jüngere Mitfahrer, die irgendwelche aggressiven Rapperreime oder Technobeats in voller Dröhnung über das Handy laufen lassen, um die Kumpels mit zu unterhalten. Während Musikgeschmack, oder was jeder so nennen möchte, sicher etwas Individuelles ist, sind wir uns aber einig, dass Handysound ab einer bestimmten Lautstärke eher grottig und blechern klingt, oder?

Irreführende Navi-Anweisungen – Auch wenn die monotone Navigationsstimme im Normalfall eher beruhigend wirkt – gibt sie die falschen Informationen, verwirrt sie und fällt damit auch unter Ablenkungsmanöver.

Jingles – Manche Werbespots bleiben nur im Kopf, weil sie einfach so unendlich nervig sind. Meine aktuellen Spitzenreiter sind „Saitenbacher Müsli, Müsli von Saaaaitenbacher“ und „Hornbach- es gibt immer was zu tun! Ho, ho, ho, ho, ho!“. Ach ja, dicht gefolgt von „Media Markt – Hauptsache, ihr habt Spaß!“ Jingles entfalten ihr besonderers Nervpotenzial übrigens am effektivsten in Fernsehwerbepausen oder im Radio.

Brüllende Trotzkinder, Handy-Disco und betrunkene Mitfahrer: Vor allem Bahnfahrer brauchen starke Nerven
Brüllende Trotzkinder, Handy-Disco und betrunkene Mitfahrer: Vor allem Bahnfahrer brauchen starke Nerven

Knackende Gelenke und knirschende Zähne – Zugegeben, manchmal knirschen Zähne halt unbewusst oder es knackt mal im Knie. Fingerknacken als Freizeitbeschäftigung oder in Dauerschleife kann allerdings die Ohren jedes Gegenübers auch ganz gut strapazieren.

Lallen und Gröhlen – Man kennt es von jeder feuchtfröhlichen Party: Irgendwann sind die ersten Gäste so betrunken, dass sie kein gerades Wort mehr über die Lippen bekommen oder schief jeden bekloppten Liedtext mitbringen. Für sie selbst „voll normal“ – für jeden, der noch halbwegs ber Verstand ist, auf die Dauer aber ein Zeichen, dass diese Personen dringend eine kalte Dusche oder ein Bett gebrauchen könnten.

Mama, ich WILL aber!“ – Kinder schreien, weinen und kreischen manchmal, das ist normal. Strapaziös wird es für alle Beteiligten, inklusive der betroffenen Eltern jedoch, wenn kurzes Quengeln oder Geschrei in einen wahren Trotzanfall erster Güte ausartet. Nervig, aber kommt vor – wobei ich oft nicht weiß, ob es den Eltern selbst nicht noch viel mehr am Geduldsfaden reißt.

Nachtropfende Wasserhähne – Plopp, plopp, plopp … Wenn die Dusche oder der Wasserhahn in der Küche nur ein bisschen undicht sind und auch nach Zudrehen immer weitertropfen, kann das unter Umständen ganz schön auf die Ohren gehen.

Ohrwürmer – Manche Melodien und Rhythmen sind so eingängig, dass sie einfach im Gehörgang hängenbleiben

"Aber scheiß drauf, Malle ist nur enmal im Jaaaahr ...." Ohrwürmer sind eine echte Epidimie
„Aber scheiß drauf, Malle ist nur enmal im Jaaaahr ….“ Ohrwürmer sind eine echte Epidemie

und dort in Endlosschleife weiterlaufen. Und irgendwann wollen sie auch raus – gesummt, gepfiffen oder gesungen. Was sie so hinterhältig macht, ist ihre … „Einfachheit“ bis unendliche Flachheit. Und natürlich die Tatsache, dass man sich seines Ohrwurms manchmal nicht mehr bewusst ist und er anderen drumherum dafür tierisch auf die Nerven geht.

Ping“ und „Plopp“ – Oder auch: Messengertöne von WhatsApp, Skype, Facebook und Konsorten. Einzeln auftretend sind sie nicht weiter nervig, aber im „Rudel“ und auf Dauerfrequenz in öffentlichen Verkehrsmitteln eine echte Ohrenplage. Die „revolutionäre“ Erfindung des Kopfhörers scheint vielen scheinbar noch gänzlich unbekannt zu sein.

Quietschende Fahrräder und Autos – Wenn Metall auf Metall schabt und ein schrilles Quietschen hinterlässt, ist da eindeutig was nicht in Ordnung. Einmal bitte Bremsen checken, Ketten einfetten und den Keilriemen beim Auto kontrollieren!

Rauschen – Ob unklares Bild und undeutlicher Ton, oder die Störung im Lieblingsradiosender, Rauschen nervt. Schließlich sind klare Tatsachen immer besser als undeutliche Zwischentöne.

Das Rauschen eines Baches wirkt beruhigend - nachtropfende Wasserhähne nerven einfach nur
Das Rauschen eines Baches wirkt beruhigend – nachtropfende Wasserhähne nerven einfach nur

Summen von Mücken – Bssssssss … Bsssssss… Manchmal hat man einfach eines dieser kleinen, summenden Stechbiester im Schlafzimmer, die sich einfach nicht fangen lassen. Mal abgesehen von den juckenden Stellen, die sie hinterlassen.

Türenknallen – Warum zum Geier gibt es eigentlich Menschen, die nie gelernt haben, was der Zweck einer Türklinke ist? Manchen Nachbarn und anderen Zeitgenossen möchte man da ja gerne einen (Lärm-)Dämpfer verpassen – oder eine Sprungfeder in der Tür, nur für den pädagogischen Effekt natürlich.

Na - auch wieder vom nervigen Wecker geweckt worden?
Na – auch wieder vom nervigen Wecker geweckt worden?

Uhrenticken und Weckerklingeln – So manche Wanduhr kann einen mit lautem, monotonem Ticken schon ziemlich auf den Zeiger gehen. Gleiches gilt übrigens für Uhren „mit erweiterter Funktion“, unsere Wecker, die uns mit lautem Klingeln, Piepen oder Radiomusik aus dem Schlaf reißen. Dennoch, kein Grund, undankbar zu sein. So ein Wecker macht schließlich auch nur seinen Job.

Verkehrslärm – Es gibt einfach Menschen, denen man die Hupen aus dem Auto ausbauen sollte. Einfach wegen des inflationären Gebrauchs in eigentlich ungefährlichen Situationen. Warum manche Autofahrer grundsätzlich mit quietschenden Reifen anfahren müssen, habe ich übrigens bis heute nicht verstanden. Ist das so eine Art Imponiergehabe?

Weihnachtsmusik außerhalb der Adventszeit – Reicht es nicht, dass im September schon die Lebkuchen im Regal stehen und „Last Christmas“ spätestens zum ersten Advent in Dauerschleife durchs Radio dudelt? Selbst dann kann die Dauerschleife übrigens zur Ohrenfolter werden …

Merry Christmas? Ja bitte - aber nur zur Weihnachtszeit!
Merry Christmas? Ja bitte – aber nur zur Weihnachtszeit!

Xylophon & Co – „Übung macht den Meister“ gilt auch beim Erlernen eines Instruments. Dennoch – wenn der in einer Rockband spielende Nachbar stundenlang nonstop „auf die Pauke haut“ oder das Nachbarskind schon seit einer gefühlten Ewigkeit die immergleiche Passage auf der Posaune „spielt“, kann es einem schon mal in den Ohren klingeln.

Zahnarztgeräte – Niemand geht gerne zum Zahnarzt, um genau zu sein, ist der Zahnarzt für viele die Person, vor der sie im Leben am meisten Angst haben. Kein Wunder also, dass Geräusch von Bohrer, Schleifgerät und Luftsonden ebenso vielen kalte Schauer über den ganzen Körper jagt!

Ihr habt auch ein persönliches „Horrorgeräusch?“ Lasst es mich wissen – hier im Blog oder über Facebook oder Twitter!

Cats Gedankenwelt: Generation P(lanbar?) – Von Ordnung und Chaos

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Das Chaos kann Überraschendes hervorbringen

Für viele von uns ist das Leben lange ein fester, einfach zusammensetzbarer Baukasten gewesen. Man kann alle Teile so arrangieren, dass sie ein perfekt harmonisches Bild ergeben. Zumindest theoretisch, denn die Zahl der unbekannten Faktoren häuft sich gefühlt mit jedem Tag, an dem wir Wichtiges vorhaben und an dem uns dann etwas noch Wichtigeres dazwischen kommt. Von der Angst vor dem Unbekannten – und wie es sich damit leben lässt.

Seit die ersten Urmenschen den Kopf aus ihrer Höhle gestreckt haben, sind wir Menschen in einem ständigen inneren Konflikt – Routine im Wettstreit gegen Aufregung, Freiheit gegen Sicherheit. Wie wir also auf plötzliche Veränderungen reagieren, hängt weitgehend von unserer Prägung und unseren (ersten) Lebenserfahrungen ab. Während Nomadenvölker immer buchstäblich „das Weite suchen“ und dabei ihre eigenen Traditionen pflegen, sind wir „sesshaften“ Europäer und oftmals Bewohner von Industrienationen ein Maß von Vorhersehbarkeit und Stabilität in unserem Leben gewöhnt, dass örtliche oder persönliche Veränderungen eher Unbehagen als Spannung und Freude auslösen können. Nun ja, zumindest die Sorte „Sesshafter“, zu der ich gehöre, denn sicherheitsbewusster geht eigentlich kaum noch. Ich würde nie ohne Fahrradhelm eine längere Strecke auf dem Rad zurücklegen und der Gedanke daran, dass Jobs eben heute oftmals nicht mehr für lange Dauer vorgesehen sind, bereitet mir im wahrsten Sinn des Wortes Bauchschmerzen. Kurz: Ich möchte ein Leben, auf das ich mich verlassen kann – und das wollen viele.

Manchmal kommt es anders …

Das Leben ist eine Baustelle, das kann ganz schön ermüdend sein!
Das Leben ist eine Baustelle, das kann ganz schön ermüdend sein!

Manchmal kommt es aber doch anders, als man denkt. „Leben ist das, was geschieht, während wir Pläne schmieden“ – sollte an diesem alten Ammenmärchen doch etwas dran sein? Es scheint sie doch zu geben, diese verrückten Zufälle, bei denen man sich nicht sicher ist, ob man das gerade nur geträumt hat. Wir haben da vor unserer Hochzeit einiges erlebt; beispielsweise, dass das Lokal, in dem wir gefeiert haben, vor einigen Generationen im Besitz der Familie meines Mannes war und dass ich ausgerechnet in der Kleinstadt einen Job gefunden habe, wo seine Oma erst kurz davor ihr Haus verkauft hatte. Es gab da übrigens so einiges, was bisher in meinem Leben nicht „nach Plan“ gelaufen ist, von einem furchtbaren Praktikum in einem Unternehmen mit haarsträubender Kommunikationskultur („Kein Gespräch ohne schriftliche Anmeldung! Keine Gespräche auf dem Flur!“) über den Einstieg in die PR-Sparte statt ins Buchlektorat bis hin zu einem allergisch nachwirkenden Wespenstich auf meiner eigenen Hochzeit (und einer Zahnwurzelbehandlung zwei Tage zuvor). Während ich Ersteres unter „absurdes Theater der Medienbranche“ verbuchen kann und Zweiteres eine wertvolle Berufserfahrung in einem neuen, spannenden Aufgabenfeld darstellt, ist das Dritte wohl der beste Beweis dafür, dass Bräute manchmal wohl auch aus ungewöhnlichen Gründen Nerven wie Drahtseile brauchen. Ich habe auch schon von vielen Leuten erfahren, aus welch abstrusen Gründen sie einen Job bekommen oder verloren haben, von Verhütungspannen jeder Art und anderen Zufällen, die es nach Gesetzen der „universellen Planbarkeit“ unseres durchrationalisierten Lebens gar nicht geben dürfte.

Der X-Faktor und wir

Aus der Ferne betrachtet, lieben viele ansonsten sehr „bodenständige“ Menschen das Unbekannte, sie betrachten es fasziniert wie eine exotische Landschaft auf einem Gemälde. Oder wie ein gefährliches, aber elegantes Raubtier im Zoo. Das Unbekannte, oder auch, der X-Faktor in der „Lebensgleichung“, weckt Neugierde und Sehnsucht, wenn wir ihn aus sicherer Entfernung betrachten, und eine nicht gekannte Form der Angst, wenn entfernte Ahnungen auf einmal zur neuen Realität werden, die uns wie ein Nackenschlag trifft. Nicht umsonst gibt es das „Kalte-Füße-Syndrom“, das Eheleute kurz vor der Hochzeit treffen kann, dieses unsägliche Lampenfieber vor einer wichtigen Präsentation und die absolute Überforderung, die Frauen und Paare empfinden, wenn ein einzelner Teststreifen unerwartet ein neues Leben ankündigt. Ebenso entsteht „urplötzlich“ Angst, loszulassen, wenn eine lang erwartete Trennung ansteht und Reiseangst, wenn es endlich mit dem heiß ersehnten Auslandsaufenthalt geklappt hat. Der Grund ist jedesmal schlicht der Einbruch neuer Ereignisse in alte Muster, und nicht jeder und jede kann – je nach Prägung – damit gleich gut umgehen.

Schaffe ich das?“

Auf den ersten Blick kann es düster aussehen ...
Auf den ersten Blick kann es düster aussehen …

Zweifeln ist übrigens ganz normal, es gehört zu den grundlegenden Fähigkeiten, um Dinge zu hinterfragen, die uns schon immer komisch vorkamen. Der Grundgedanke vor einem Berg neuer Ereignisse wird daher unter Umständen zu: „Ich schaffe das nicht.“ Oder aber zu der Frage: „Schaffe ich das?“ Das ist übrigens eine Frage, die ich mir anfangs im Job auch oft gestellt habe, in Anbetracht eines ziemlichen Haufens an Arbeit. Starke (Selbst-)Zweifel können wirklich deprimierend sein. Ich saß schon minuten- bis stundenlang vor Aufgaben, die mir unlösbar erschienen, und mir fiel partout kein Anfang für einen Artikel ein. Wie eine Blockade im Kopf, das berühmte böste Stimmchen, das einen anzischt: „Ach komm, das kriegst du nie hin.“ Ich erinnere mich zu gut an die Matheklausuren in der Schule, wo ich zum Teil vor lauter „Brett vorm Kopf“ keinen klaren Gedanken fassen konnte und am liebsten meinen Tisch kurz und klein geschlagen hätte vor Wut, dass einfach nichts bei diesen Prüfungen so klappte wie geplant. Was kann also helfen, mit Veränderungen umzugehen? Manchen hilft es, sich bewusst zu machen, was genau ihnen an ihrem speziellen „X-Faktor“ so befremdlich und bedrohlich erscheint.

Fast jede X-Gleichung ist lösbar

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Die Tiere als Vorbild: einfach mal alle Viere von sich strecken!

Weiß man, woher die Angst stammt (und das ist ein schwieriger und manchmal schmerzhafter Prozess), kann man vieles klarer sehen. Ist der „innere Übeltäter“ entlarvt, kann man sich konkret fragen, welche Handlungen und Entscheidungen aus einer schwierigen Situation wieder herausführen. Dazu braucht es nur eine Umwandlung der eigentlichen Frage: „Schaffe ich das?“. Nun kann sie lauten: „Wie kann ich das schaffen?“ Denn eine offene Frage kann kein einfaches „ja“ oder „nein“ zur Antwort haben, sondern erfordert eine durchdachtere Lösung. Ob wir diese Lösungen eher durch Reden, Rückzug oder beides finden, liegt letztendlich in unserer eigenen Hand. Zum Schluss sollte gesagt werden: Auch, wenn wir sie manchmal nicht mögen – Veränderungen sind unvermeidlich und viele Ereignisse sind wahre „Überraschungsangriffe“. Sie sind nicht das Ende, und oft sogar ein neuer Anfang. Aus dem gleichen Baukasten lassen sich eben unterschiedliche Türme bauen, wenn es sein muss. Letztlich sind – wie im herrlichen Chaos, das sich Leben nennt – natürlich alle Angaben und Ratschläge ohne Gewähr.

Cats Gedankenwelt: Wir Unersättlichen

P1050639Zu den Grundrechten gehört nach amerikanischer und weitgehend weltweiter Auffassung auch das „Recht, sein Glück zu finden“. Aber wer oder was ist eigentlich dieses „Glück“ und wäre es nicht viel einfacher und sorgenfreier, mit dieser rasanten Jagd aufzuhören, wenn man zufrieden ist? Ein Plädoyer für die Durchschnittlichkeit und ein wenig mehr Bescheidenheit.

Wenn ich an meine ersten Kinderbücher im Kindergarten zurückdenke, fällt mir zuerst das Bilderbuch über die „Raupe Nimmersatt“ ein. Für alle, die dieses „Standardwerk für Kleinkinder“ nie kennengelernt haben: Grob zusammengefasst geht es um eine Raupe, die schlüpft und gleich wie eine Wilde zu fressen beginnt. Solange, bis sie beinah aus ihrer biegsamen Hülle platzt und sich in einen Kokon verkriecht, um ein Schmetterling zu werden. Was lernt ein kleines Kind daraus? Wachstum ist das A und O, um es in der Welt zu etwas zu bringen. Dabei muss man vor allem eines: konsumieren, konsumieren und nochmal konsumieren. Die niedliche, dicke Raupe, die sich selbst in etwas Neuem, Wunderschönen verwirklicht, demonstriert aber noch ein wichtiges Prinzip: Sie weiß, wann sie ihre Wachstumsgrenze erreicht hat und wann ihr kleiner Körper nicht mehr Blätter und Gras in sich aufnehmen kann. Kurz: Sie bemerkt einfach, wann es genug ist.

Natürliche Grenzen

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Oft übersehen wir alles, was schön ist, wenn wir das große Glück jagen

Das ist wahrscheinlich ein ähnliches Gefühl, wie ich es kürzlich im Chinarestaurant empfunden habe, oder wie wir es nach einer langen, fröhlichen Feier mit vielen Snacks und Getränken schon alle kennengelernt haben. Irgendwo liegt eine Art „natürliche Grenze“, dieser Impuls des Körpers: „Wenn du noch mehr isst/trinkst, bekomme ich ein Problem – und du gieriges Etwas gleich mit!“ Ich denke, jeder, der es beim Grillen schon einmal mit den Steaks oder bei der Geburtstagsfeier mit den Schnäpsen übertrieben hat, wird wissen, wie ätzend es sein kann, diese Grenzen trotz aller Warnungen zu übertreten. Ein dicker Kopf und Magenkrämpfe lassen grüßen. So ein Kater oder ein Fresskoma sind nichts Dramatisches und hin und wieder passiert das wahrscheinlich jedem von uns – aber sie erinnern uns an etwas, das wir kurzzeitig vergessen haben: das richtige Maß. So sind wir wieder um eine „Grenz-Erfahrung“ reicher und für die nächste Party ein wenig schlauer. Denn wer sitzt oder hängt schon gerne stundenlang auf der Toilette, bis sich der vollkommen überreizte Magen wieder einbekommen hat?

In Sachen Essen und Trinken scheint das bei den meisten Menschen also gut zu klappen mit der inneren Stimme. Aber wie sieht das eigentlich in anderen Lebensbereichen aus? Zugegeben, es erscheint einem als wahre „Mission Impossible“, aus dieser Unzahl von Angeboten in jedem Markt- und Verbraucherbereich einige wenige Optionen zu wählen. Doch auch aus der großen Vielfalt von Lebensentwürfen, die jedem von uns unvermeidlich auf dem „Weg zum Glück“ begegnen. Die USA rühmen sich zum Beispiel heute noch als „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“, als ein Zusammenschluss von Orten, an dem jeder Bürger seinen persönlichen „Pursuit of Happiness“, ähnlich einem leidenschaftlichen Goldrausch, für sich entdecken kann. Die Frage ist nur: Was fängt man als normalsterblicher Durchschnittsbürger mit diesem unüberschaubaren Angebot an Chancen, Möglichkeiten und Lockangeboten an?

Wir wollen zu viel

Jeder will hoch hinaus - aber wo ist die Grenze erreicht?
Jeder will hoch hinaus – aber wo ist die Grenze erreicht?

Während der menschliche Magen nach einer gewissen Anzahl Speisen von „All you can eat“-Buffet quasi automatisch zu rebellieren beginnt, muss jeder Mensch in allen anderen Lebensbereichen härtere Entscheidungen treffen. Das heißt im Klartext: In sich gehen und herausfinden, was man wirklich erreichen will. Oder auch, was einen glücklich macht. Da ist sie also wieder, diese schöne Unbekannte „Glück“, die wir nie so recht einzuordnen wissen und der so viele doch ähnlich einer Fata Morgana hinterherjagen. Rechts und links sehen wir lauter schöne, verlockende, glitzende Dinge und Türen, die den Weg in ein vermeintlichen Paradies freigeben und eigentlich abseits unserer eigens gesteckten Ziele liegen. Aber was soll’s – YOLO (Wer den Jugendslang nicht kennt: „You only live once“) und „läuft bei uns“. Nehmen wir, egal, wie alt oder erwachsen wir sind, eben alles mit, was irgendwo abseits des eingezeichneten Pfades liegt, Warum sich entscheiden, wenn man auch alles auf einmal haben kann? Quasi das „All inclusive“- Angebot für eine Luxusreise ins Glück, dairek oder über Umwege wirklich jedem winkt. Der einzige Nachteil dieser „Glückstour“: Wer sie voll auskostet, scheut Entscheidungen. Entscheidungen, die manchmal befreiend, aber manchmal auch unbequem sein können. Die Tore öffnen, aber andere dafür schließen. Eben definitive Entscheidungen, solche, die einen „roten Faden“ ins Leben bringen.

Und was ist daran schlecht?“, werden Sie mich wahrscheinlich nun ein wenig ratlos fragen, „Ist doch toll, wenn einem alle Möglichkeiten offenstehen.“ Dies möchte ich gerne beantworten: Ich glaube, auch wir Erwachsenen brauchen Grenzen, ähnlich wie die „lauten, unverschämten Kinder“, über die viele so unrechtmäßig hierzulande schimpfen. Denn wir geben ja lausige Vorbilder ab, wenn wir keine klaren Ziele mehr festlegen (und uns selbst schon lange nicht), nicht auch mal einer Versuchung widerstehen können, um diese zu erreichen, einfach immer zu viel wollen, und bockig wie Kleinkinder in der Trotzphase sind, wenn uns einmal etwas verwehrt bleibt? Oder auch: Wie sollen die Erwachsenen von morgen ausgerechnet von uns lernen, dass Verzicht und Misserfolge einfach dazugehören, wenn man sich auf den Weg macht, um sein Glück zu suchen?

Zufrieden statt glücklich

Mal ehrlich: Es gibt an jeder Ecke irgendeinen „Experten“, der uns seine Version des ultimativen, alles erfüllenden Glücks aufschwatzen will. Für einige mag dies Religion sein, für andere makellose Schönheit; andere wiederum schwören auf Reichtum und ein möglichst schnelles Fortkommen gegen alle Widerstände. Fest steht jedoch: Man kann nicht alles haben und das ist kein Grund, sich schlecht oder gar „unglücklicih“ zu fühlen. Meine Oma, deren weiser und weitgereister Rat mich immer wieder begleitet, hat einmal gesagt: „Keiner kann alles und keiner kann nichts.“ Ich vermute, was vielen von uns in Zeiten des weltweiten „Schwanzvergleichs“ über die Weltwirtschaft und soziale Medien fehlt, ist einfach eine gute Portion Gelassenheit, Geduld und Dankbarkeit für das, was wir schon erreicht haben.

Um zufrieden zu sein, braucht es erst einmal Überblick
Um zufrieden zu sein, braucht es erst einmal Überblick

Der Begriff des „großen Glücks“ klingt sehr verheißungsvoll, geradezu magisch – doch er setzt auch jeden, der danach sucht, unter einen immensen Druck. Gemäß dem Motto: „Wer sein Glück jetzt nicht findet, ist selber schuld.“ Sie kommen sich auch im Labyrinth der unzählbaren Möglichkeiten verloren vor? Da sind Sie sicher nicht allein. Das Leben ist ein Wettrennen und das Glück keine Ziellinie, wie uns mancher Marketingtrick glauben machen will – es lohnt sich also, hin und wieder einfach einen Gang zurückzuschalten, anzuhalten, durchzuatmen und zufrieden die Landschaft zu betrachten, die einen umgibt. Sich einfach ein paar Momente Zeit zu nehmen, um sich so „nutzlose“ Fragen zu stellen wie: Brauche ich das alles – den perfekten Lebenslauf, den strahlenden Auftritt, die makellosen Beine, das große Auto und den atemberaubenden Orgasmus bei jedem Liebesspiel? Oder ist das alles gar nicht so unverzichtbar, wie ich immer dachte? Hin und wieder sollte man sich bei dieser Gelegenheit auch einfach fragen, ob man nicht auch mal zufrieden mit dem sein kann, was eben schon da ist und ob man wirklich dem nächstbesten „großen Traum“ nachjagen muss, um am Ende vielleicht doch in einer Sackgasse zu landen. Zufrieden – ja, das klingt in der Tat nach Mittelmaß, Kompromiss und Durchschnittliichkeit, also wenig glamourös im Vergleich zu „glücklich“ oder „traumhaft“. Doch einmal unter uns gesprochen: Nicht alles zu wollen und wie die kleine Raupe Nimmersatt einfach geduldig seinen Kokon zu bauen wie alle anderen Raupen auch, kann Erholung pur sein in einer Welt, in der viel zu viele Menschen viel zu verbissen diffusen Träumen hinterher laufen und dabei nicht einmal mit den Füßen den Boden berühren. Da bin ich doch gerne einfach „nur“ zufrieden. Gut, manchmal bin ich auch unzufrieden. Dann muss ich halt etwas ändern – Schritt für Schritt.

Cats Gedankenwelt: All you can(‚t) eat!

P1050639Ob Low Carb, Paleo, Frutarier, Vegetarier, Veganer, Steakliebhaber oder Genuss aus der Region – jeder Mensch hat seinen eigenen Ernährungsstil, wie er seinen eigenen Modestil hat. Ärgerlich nur, wenn die Stimmen, die einem alles verbieten wollen, was Spaß macht und schmeckt, sich derzeit lauter denn je in unsere Köpfe bohren wollen. Das kann einem ganz schön den Appetit verderben.

Wir alle müssen essen. Es ist ein Grundbedürfnis aller Lebewesen, Energie zu sich zu nehmen und zu verwerten. Im besten Fall bringt uns das auch noch Genuss und eine gewisse Form von Zufriedenheit. Nun ja, zumindest sollte es das – gäbe es nicht diese vielen kleinen, zynischen Stimmen, die uns vergessen lassen wollen, dass Nahrung uns mehr als nur Sättigung gibt. Und Zeitgenossen, die sich das „richtige“ und „falsche“ Essen zum Lebensziel erklärt haben. Aber gibt es ein „Richtig“ und ein „Falsch“, wenn es um die schönste Hauptsache der Welt geht? Vor allem aber, worin liegt der missionarische Ehrgeiz mancher Menschen, anderen die Speisen auf ihrem Teller madig zu machen? Eine Typologie.

Immer nach Vorschrift essen? Wie langweilig ,,,
Immer nach Vorschrift essen? Wie langweilig ,,,

Immer diese Kalorienspalterei! Ich weiß nicht genau, wer wann damit begonnen hat, unsere Nahrung begrifflich in immer kleinere Elemente aufzuspalten und jedes davon mit detaillierten Mengenangaben zu listen. Inklusive Durchschnittstagesbedarf – und den „gesundheitlichen Vorteilen“ des Nahrungsmittels, ob nun wahr oder nur PR-geschönt. Jedenfalls kann es ganz schön nerven, ständig eine Welt „guter“ und „böser“ Nährstoffe vor Augen zu haben oder auch von anderen ungefragt dauernd daran erinnert zu werden.

Schreckgespenst Krebs und andere Panikmache. Es ist gut zu wissen, wenn eine reale Seuche das Fleisch im Supermarkt und auf den Wochenmärkten gefährlich macht. Oder wenn ein Spritzmittel auf Obst und Gemüse für uns oder die Umwelt tödliche Folgen hat. Eigentlich können wir für jede fundierte Studie dankbar sein, die über wirkliche große Gefahren aufklärt. Doch wie seriös können Meldungen um neue „krebserregende“, „gefährliche“ Stoffe in Nahrungsmittel noch sein, wenn gefühlt jeden Tag neue Schreckensnachrichten über das Internet über wenig fundierte Nachrichtenportale verbreitet werden?

Diäten, Diäten, Diäten. Der Verzicht auf alles, was schmeckt und Freude macht, scheint schon seit jeher eine Art der Selbstoptimierung zu sein; von der vor allem Frauen seit Cleopatras Zeiten Gebrauch gemacht haben. Doch auch bei Männern im Sport haben schon immer bereitwillig Einschränkungen in Kauf genommen, um ihrer athletischen Form auch weiterhin Rechnung zu tragen. Sei es bei den frühen Olympischen Spielen oder im heutigen Profiradsport. Das ist gerechtfertigt und passt in den Sport – dennoch sollten Sportler und auf Aussehen bedachte Menschen nicht alle anderen „missionieren“ wollen, die diese Leidenschaft für das „richtige“ Essen nicht uneingeschränkt teilen.

Sein Essen zu publizieren, liegt im Trend - deshalb haben wir es zur Anschauung auch mal gemacht!
Sein Essen zu publizieren, liegt im Trend – deshalb haben wir es zur Anschauung auch mal gemacht!

Das ewige schlechte Gewissen. In Ordnung, die ethischen Gründe gegen Fleisch, Milch, Eier und gegebenenfalls nicht fair gehandelte Lebensmittel gehören noch zu denen, die mich am ehesten berühren. Im Grunde will niemand viel über Massentierhaltung, ausgebeutete Landwirte und unmenschliche Produktionsbedingungen etwas hören und lesen – dennoch muss ein Bewusstsein entstehen. Dies lässt sich jedoch nicht mit der Holzhammermethode erzwingen, denn Erkenntnisse müssen immer freiwillig kommen und akzeptiert werden.

Das Verteufeln von Alltagsritualen. Wir haben oft schon von Kindheit an bestimmte Ernährungsmuster, die uns prägen. Bei mir war es zum Beispiel zu Hause seit jeher üblich, dass es morgens Toast mit süßem Aufstrich oder bestimmte Arten von Cerealien zu essen gab. Was soll ich sagen, ich bin fast dreißig – und habe diese „Tradition“ immer noch so verinnerlicht, dass ich sie gar nicht hinterfrage. Ebenso gab es bei uns zu Hause über Jahre hinweg samstags fast immer Pasta mit unterschiedlichen Soßen und sonntags Kartoffeln mit Fisch oder Gemüse. Und ja, mir gibt es immer noch ein Gefühl von Zufriedenheit, von „Heimat“. Menschen, die diese Art von Lebensritual verspotten oder schlecht machen wollen, sorgen nicht selten für Unmut und wirken respektlos.

Essen gehört in jede Kultur hinein - und ist ein soziales Ritual
Essen gehört in jede Kultur hinein – und ist ein soziales Ritual

Genussverächter auf Missionskurs. Wer sich nicht hin und wieder selbst etwas gönnen möchte und anderen gar missbilligend auf den Teller schielt, macht sich gerne unbeliebt. Bei manchen ist es ein sehr harmloser Anfang, zum Beispiel Diät- und Kaloriendiskussionen am Tisch in größerer Runde. Während jeder dabei mit viel Mühe noch weghören kann oder das Thema umlenken, gibt es allerdings auch besonders unangenehme Situation, wo selbsternannte „Ernährungspäpste“ ungefragt den Schüsselinhalt ihrer Mitmenschen kommentieren oder ihnen ein schlechtes Gewissen einreden wollen.

Um es kurz zu machen: Ich weiß nicht genau, warum viele Menschen mit #foodporn, Belehrungen (online auf Facebook sowie „offline“ am Mittagstisch) und geradezu fiebrigem Eifer Essen zu einer Art neuen Religion erklären. Ist es eine der weniger verbliebenen Arten, sich hervorzuheben und zu profilieren? Eines steht jedenfalls fest … Das Prinzip „All you can’t eat!“ nervt gewaltig und die Devise sollte wieder lauten: „Essen und essen lassen“. In diesem Sinne – guten Appetit!

Cats Gedankenwelt: Kampfplatz Kind

„Eltern oder nicht Eltern- das ist hier die Frage!“ Oder, um die ganze Fragestellung noch ein wenig kniffliger zu gestalten: Wie wird man eigentlich „der perfekte Elternteil“? Wer heute Kinder bekommt, bekommt die Spannung eines Arenakampfes gleich mitgeliefert. Nicht nur, wie man es denken könnte, im Kinderzimmer zur Schlafenszeit, sondern auch auf dem virtuellen Kampfplatz, der sich „soziale Medien“oder auch „Gemeinschaft“ nennt. Doch auch die, denen nicht allzu viel an der Verbreitung der eigenen Gene liegt, bekommen oft einen rauen Gegenwind zu spüren.

Mir scheint, je weniger Kinder man auf den Straßen und Spielplätzen unseres Landes, desto präsenter sind sie auf Facebook, Twitter und in diversen (Online-)Zeitungen. Das Schlimme ist, dass diese armen kleinen Menschen nicht einmal etwas dafür können. Sie wurden eben in eine Welt hineingeboren, oder eher, in eine Region, wo sie fast schon wie ein exotisches Accessoire betrachtet werden – oder wie ein Projekt, das es zu optimieren gilt. Am besten schon im Mutterleib und vor dem ersten Kita-Besuch. Eines vorweg: Ich habe noch keine Kinder und weiß auch noch nicht, ab wann die Vorbedingungen für mich erfüllt sind, welche zu bekommen. Zum Beispiel ein unbefristeter Arbeitsplatz, ohne den für mich nichts geht in der Zukunftsplanung. Eine Einstellung, für die manche mich im virtuellen Raum beglückwünschen und andere bemitleiden oder verurteilen würden. Wie überall gibt es eben auch im Netz eine „Mehrheitsmeinung“, „Außenseiter“ und „Protestmeinungen“.Weiterlesen

Bin ich genug? – Anna Katherina Ibeling

Artist:Gordon, Leon (Russland-Amerika // 1889-1943) - Elegant Man in Mirror - 1930er - Öl auf Leinwand
Artist:Gordon, Leon (Russland-Amerika // 1889-1943) – Elegant Man in Mirror – 1930er – Öl auf Leinwand

trennlinie2Bin ich genug?

An manchen Tagen, da sehe ich in den Spiegel
Und ich erkenne mich selbst nicht mehr.
Die Person, die mich da mit müden Augen ansieht
Ist wie ein Schatten, farblos und grau.

Bin ich schön genug?
Bin ich schlank genug?
Bin ich stark genug?
Bin ich anmutig genug?

An manchen Tagen bricht das Leben über mich herein,
Ungeplant, überraschend, chaotisch und verwirrend.
All meine Pläne und Ziele scheinen weit weg
Und ich brauche meine ganz Kraft, um der Urgewalt zu trotzen.
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Cats Medienkommentar: Voll auf Klischee

Eigentlich bin ich gar kein Serienjunkie. Doch als ich letztens bei einem faulen Fernsehabend auf eine Kultserie meiner Jugend gestoßen bin, versank ich für ein paar Stunden tief in der weiblichen Klischeekiste. Dabei blieb ich bei vier Freundinnen hängen, die mit der ewig Wartenden, der Naiven, der Sexhungrigen und dem Kontrollfreak, der beim „Richtigen“ doch weich wird, ein berühmtes Quartett abgeben. Ein kurzer Nostalgierückfall in die Glitzerwelt.

P1080670trennlinie2Es gibt viele Drogen auf der Welt – manche mehr, manche weniger gefährlich und manche wirken eher unterschwellig auf einen langen Zeitraum hin gesehen. Unter letztere Kategorie ordnen manche Psychologen und Experten auch gerne die Fernseh- oder Mediensucht ein. Normalerweise bin ich gegenüber der Fernsehversuchung recht immun; ich habe sogar jahrelang ohne Flimmerkiste gelebt. Was bei mir und vielen meiner Geschlechtsgenossinnen quasi ewig nachwirken wird, sind die vielen Klischees von Weiblichkeit, Romantik und Glitzer. Es sind Bilder, die nach und nach in unser Denken und Fühlen einsickern, unsere Gedankengänge heimlich beeinflussen und auf einmal nicht mehr „wegzudenken“ sind – sind Klischees also auch eine Art Droge? Es scheint fast so.Weiterlesen

Cats Gedankenwelt: Die Selbstverschuldeten

Schadenfreude ist ein beliebtes Ventil, um eigenen Ärger zu kompensieren und das eigene Leben wieder in einem positiveren Licht zu betrachten. Allerdings gibt es auch diejenigen unter uns, die sich grundsätzlich immer zuerst selbst die Schuld geben, wenn etwas nicht so läuft wie geplant. Jeder hat es schließlich selbst in der Hand, oder? Die „Schuldfrage“, hier einmal neu betrachtet.

Wir Menschen sind schon komplizierte Wesen. Wenn etwas in unserem Leben schief läuft, sei es der Job, den ein Mitbewerber bekommen hat, die Schlägerei des Sohnes im Kindergarten mit anschließendem blauen Auge oder das Missgeschick beim Einparken, wo hinterher beide Wagen eine kleine Macke abbekommen haben, reicht es uns nicht, zu sagen: „Das ging daneben.“ Nein, wir brauchen immer einen „Schuldigen“ und einen „Geschädigten“. Also, mit etwas weniger moralischem Zeigefinger betrachtet, einen Verursacher und einen, der es hinterher ohne eigenes Zutun ausbaden muss. Wer aber Schuld hat, ist oftmals sehr umständlich geregelt und immer unterschiedlich, je nachdem, von welchem Standpunkt aus man es betrachtet.

Psssst! In der Anonymität des Internets lässt sich "ganz diskret" Gift versprühen ...
Psssst! In der Anonymität des Internets lässt sich „ganz diskret“ Gift versprühen …

Ein prominenter Fall aus dem letzten Monat fällt mir da ein, der groß und weltweit durch die Medien ging und die „vielen Gesichter der Schuld(igen)“ meiner Ansicht nach gut darstellt. Nämlich, als unbekannte Hacker im August das Fremdgeherportal AshleyMadison.com knackten, Millionen Datensätze stahlen und sowohl die Nutzer als auch die Portalbetreiber mit diesen pikanten Details erpressten. Die Bilanz: Volle Taschen bei den Hackern, die sich selbst als eine Art „Rächer der Moral“ darstellten; eine Menge Medienspektakel, eine Atmosphäre wie in den Klauen der digitalen Inquisition, viele noch mehr zerrüttete Familien und (angeblich) sogar einige Selbstmorde. Weiterlesen

Cat beantwortet den Fragenbogen von Marcel Proust

Aus dem Nichts einen Bestseller landen? Nicht wirklich realistisch!

Wo möchten Sie leben?
Ich mag Orte, wo die Sonne viel und oft scheint und ich keine Winterjacke brauche. Also: Irgendwo im Süden – zumindest zur Winterzeit. Vor allem aber dort, wo sich auch das Herz zu Hause fühlt.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Da ich „vollkommenes Glück“ eher als unerreichbare Utopie des Menschen erlebe, möchte ich einfach nur zufrieden sein. In einer idealen Welt gäbe es für mich aber keine Kriege, keine Tier- und Kinderquälerei und keine Hungersnöte mehr und viele Menschen wären weniger machtbesessen und überheblich.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Grundsätzlich viele, die ein Einsehen nach sich ziehen. Kein Mensch kann alles gleich gut – eine gewisse Fehlertoleranz ist ein Muss, wenn man nicht frühzeitig Sorgenfalten bekommen will. Viele nehmen Schüchternheit als Fehler wahr; aber zurückhaltende Menschen sind mir oft sympathisch. Weil sie nicht alles von sich preisgeben.

Was ist für Sie das größte Unglück?
Plötzlich alles zu verlieren, was ich liebe. Freunde, meinen Mann, meine Familie, meine Katzen. Es macht mich auch unglücklich, ständig das Leid von Mitwesen zu sehen und nicht immer etwas dagegen tun zu können.

Ihre liebsten Romanhelden?
Das ist eine schwere Frage, da kann ich mich nicht auf wenige „fiktive Personen“ eingrenzen. Allgemein bewundere ich starke Frauen, die sich einfach nicht unterkriegen lassen, egal, welche Steine man ihnen in den Weg legt. Und ich mag kontroverse Heldinnen und Helden. Solche, die nicht ganz „schwarz“ oder „weiß“ sind, sondern sich in den Grauzonen des Charakterschachbretts bewegen. Wesen eben, die etwas Geheimnisvolles umgibt, die einen starken Charakter, aber auch ihre Macken haben.
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Ein Jahr Cats Couch – ein Gespräch mit unserer Kolumnistin Katherina Ibeling

Das Magazin „der blaue ritter“ gibt es nun seit Juli 2014. Seit dem 13.September des Jahres schreibt auch Katherina Ibeling Ihre Cat-Kolumnen für uns. Und darüber bin ich sehr froh und dankbar. Ihre Texte sind anregend, laden ein sich zu hinterfragen & bringen neue Ideen für den eigenen Lebensweg.

Anker1250
Zum einjährigen Jubiläum haben wir unserer Kolumnistin ein paar Fragen gestellt, damit Sie, liebe LeserInnen, Cat noch ein bisschen besser kennenlernen. Viel Vergnügen beim Lesen. All Ihre Kolumnen finden Sie auch hier.

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Was waren für Dich in den letzten 365 Tagen die Highlights?

Manchmal ässt Inspiration auf sich warten. Egal- "Show must go on!"Eigentlich hatte ich die Kolumne für den „Blauen Ritter“ damals nur als Experiment angefangen, um das „freie Schreiben“ neben der PR-Redaktionsarbeit nicht ganz aufzugeben. Insofern ist es ein Highlight für mich, dass es sie tatsächlich schon seit einem Jahr gibt und mir nicht die Ideen ausgegangen sind. Eine Besonderheit war und ist für mich die Freiheit, ein Forum für Kurztexte zu haben, deren Themen ich komplett nach eigenem Ermessen wählen kann – ob „Frauenthemen“ für Männer aufbereitet ( Cats Couch), generelle Fragen, die mich faszinieren (Cats Gedankenwelt) oder spezielle Medienthemen (Cats Medienkommentar) , da ich ja auch sonst in den Medien arbeite.

Was bedeutet Schreiben für Dich?

Devil1250Schreiben hat für mich viele Facetten. Ich bin Berufsschreiberin, wenn man so will, und habe im Verfassen von Branchen- und Produkttexten inzwischen eine gut funktionierende Routine. Das ist wiederum ein anderes Schreiben als Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel, die ein anderes Publikum ansprechen soll. Das Schreiben eines Buches, wo ich nicht so recht weiter komme zurzeit, ist noch eine ganz andere Dimension. Was die Kolumne betrifft, so ist sie in etwa mein „Ventil“, um das zu verarbeiten, was mehr oder weniger direkt meinen Alltag beeinflusst. Ich könnte also sagen: Schreiben ist hier eine Form der Bewusstwerdung, eine Art Spiegelung des Lebens.

 Gibt es ein Thema für Dich, worüber Du gern schreiben würdest aber es noch nicht angegangen bist?

Karussell1250An erotische Themen habe ich mich bisher nicht so recht herangetraut, ebenso wenig an Spirituelles. Einfach, weil ich finde, dass beides etwas sehr Privates und Intimes ist, womit man sich als Kolumnistin ziemlich in die Nesseln setzen kann. Jeder liebt, lebt und glaubt anders – deshalb ist es unheimlich schwierig, in diesem Bereich Leserinnen und Leser anzusprechen, ohne dass ich das Gefühl hätte, ihnen zu viel „reinzureden“. Ansonsten gibt es sicher Tausende Themen, die ich noch nicht textlich umsetzen konnte – die Impulse kommen einfach spontan; durch ein Gespräch, einen Ort, eine Alltagssituation …

Gibt es für Dich Vorbilder als Autorin?

Glastonbury1250Ich sehe mich ehrlich gesagt noch nicht recht als Autorin, da ich bisher die meiste Zeit in der Rolle der Leserin und Lektorin verblieben war; bei Letzterem pausiere ich aus Zeitgründen. Ich finde, die Kolumnen haben eher etwas einer Momentaufnahme als von einem zusammenhängenden Stück Literatur – aber da bin ich wohl auch eher konventionell geprägt. Als Leserin bin ich immer ein wenig „Anti-Mainstream“. Nicht absichtlich, aber viele Bestseller liegen mir einfach nicht – thematisch, oder vom Schreibstil. Für mich gehört Edgar Allan Poe zu den „Großen  der Literatur“ – überhaupt etwas tiefgründigere Thriller- und Mystery-Literatur, unabhängig von der Entstehungszeit. Auch Fantasygeschichten wie „Der Herr der Ringe“ von Tolkien oder die Serie „Das Schwert der Wahrheit“ (kenne ich nur in Filmform) faszinieren mich. Überhaupt bewundere ich die Autoren, die es schaffen, große und mehrschichtige Gefüge in Handlung und Charakteren zu einem stimmigen Puzzle zusammenzusetzen – wie Marion Zimmer Bradley, Schöpferin der Avalon-Trilogie. Ich denke einfach, da den Überblick zu behalten, ist schriftstellerisch eine Leistung.

Hast Du Pläne für Kolumnenthemen und andere Veröffentlichungen?

Maya1250In den nächsten Wochen und Monaten würde ich gerne wieder mehr Autoren- und Künstlerinterviews in Angriff nehmen – wer dafür in Frage kommt, wird sich zeigen.  Ich sehe mich sowohl in der Kolumne als auch bei anderen Texten vor allem als Fragende, Neugierige und nicht als die, die alle Antworten kennt. Das werde ich auch weiter tun – mich mit Fragen beschäftigen und mögliche Lösungen suchen. Derzeit versuche ich mich an einem eigenen Roman – allerdings wird das noch ganz schön lange dauern!

Was macht für Dich eine gute Kolumne aus?

Mira1250Für hat eine gute Kolumne vor allem drei Grundpfeiler: Authentizität, Argumentation und Neugierde. Damit ich als Leserin zum Beispiel anderen Kolumnisten etwas glauben kann, muss sich ihre Überzeugung im Text zeigen. Weiterhin lassen sich keine „Wahrheiten“ pauschal festlegen – eine Kolumne ist und bleibt für mich eine subjektive Textform. Wer überzeugen will, muss also argumentieren. Dabei lohnt es sich, immer neugierig zu bleiben und eine Sache auch mal von einem anderen Blickwinkel zu beleuchten, Vergleiche zu suchen … eben einen Kontext finden! Zuletzt gilt   meiner Meinung nach das Gleiche wie bei allen Textformen: Wer veröffentlicht, sollte einen (für sich) stimmigen Stil finden, sonst wirkt das Ganze leicht gekünstelt.

Was wären Deine Wünsche für das nächste Jahr „Cats Couch“- und was erwartet Deine Leser?

yWas genau das nächste Jahr bringen wird, kann ich nicht genau sagen – vielleicht werde ich neue Themenbereiche für mich entdecken, je nachdem, welche Facetten das Leben mir zeigt. Wenn es mir gelingen sollte, mit meinem Roman „weiterzukommen“, werde ich die eine oder andere Leseprobe liefern. Mir schwebt schon lange eine „Büro,Büro“ Serie mit lustigen „Wörterbucheinträgen“ aus dem Büroalltag vor. Da das alleine nicht zu stemmen ist, wären dafür allerdings Mitstreiter notwendig. Was ich mir wünsche? Dass meine Artikel (weiterhin) gut bei den Lesern ankommen – und auch von diesen einmal Themenvorschläge, Fragen oder Kommentare kommen. Das ist schließlich das, wovon Social Media lebt!


Liebe Katherina, vielen Dank für die vielen tollen Texte. Wir freuen uns auf viele weitere.

Oliver Simon

Cats Medienkommentar: Der Wert des Worts

Als Gutenberg vor einigen Jahrhunderten die Kunst des Buchdrucks erfand, besaß das geschriebene Wort, das plötzlich für jeden zugänglich war, einen unermesslichen Wert und löste eine echte Faszinationswelle aus. Alle wollten lesen, lernen, Neues wissen. Das Paradoxon: Je „älter“ das freie Wort wird, desto mehr scheint es an monetärem Wert zu verlieren. Warum es sich dennoch lohnt, zu schreiben.

Aus dem Nichts einen Bestseller landen? Nicht wirklich realistisch!
Aus dem Nichts einen Bestseller landen? Nicht wirklich realistisch!

Wer heute als Autor ohne „Bestseller-Bonus“, freier oder angestellter Journalist, PR-Texter oder in einem anderen Mediensektor des „geschriebenen Wortes“ arbeitet, muss mitunter im Vergleich zu anderen Branchen einen niedrigeren Lohn hinnehmen. Das ist eine Tatsache, die nur die größten und naivsten Idealisten unter uns „Wortkünstlern“ erst sehen, wenn es zu spät ist – die meisten Schreiber sind sich ihres steinigen Karrierewegs durchaus bewusst. Und selbst die abgeklärtesten Realisten unter uns fragen sich hin und wieder, ob unserer Arbeit überhaupt ein Wert zugemessen wird – sowohl finanziell als auch durch unsere Leser. Weiterlesen

Cats Couch: Zwischen Göttin und Teufel

Foto: Katherina IbelingEigentlich dürfte man meinen, dass der weibliche Körper mit all seinen Funktionen inzwischen als … naja, „normal“ angesehen wird. Immerhin weiß jeder, dass wir Brüste haben, wo auch hin und wieder Milch rauskommt; dass wir, zumindest meistens, eine Vagina haben und eine Gebärmutter, in der halt Kinder heranwachsen und wo sie auch wieder heraus müssen. Dennoch ist es nach wie vor beliebt, unsere biologische Existenz mit diversen Mythen zu belegen.

„Männer haben einen Penis und Frauen eine Vagina.“ Ich erinnere mich an diesen Satz aus dem Biounterricht, als hätte ich ihn erst gestern gehört. Kaum einer in der Klasse ist dabei rot geworden oder hat gekichert. Wohl eher dachte jeder: „Ja – und weiter?“ Was unser alter, runzliger Biologielehrer uns „verschwiegen“ hat, waren die Unterscheidung des sozialen und biologischen Geschlechts, die Problematik derer, die entweder biologisch oder psychisch nicht das Geschlecht sein können, das sie sein wollen oder vielleicht komplett asexuell sind. Aber gut, man lernt nie aus und auch in der Schule gilt die alte Fußballregel: „Eine Doppelstunde hat 90 Minuten!“ Vermutlich hätte es uns Unterstufenschüler auch sehr verwirrt, wenn man uns gleich die gebündelte Weisheit über jede Form der Sexualität auf den Tisch geknallt hätte. Weiterlesen

Cats Couch: Liebesgrüße aus der Ferne

Wer frisch verliebt oder in einer glücklichen Langzeitbeziehung ist, will eigentlich (fast) alles mit seinem Partner teilen und (er)leben. Dumm nur, dass es manchmal Situationen gibt, in denen Paare sich räumlich „trennen“ müssen, um im Leben erfolgreich zu sein oder überhaupt nur ihr Auskommen zu sichern. Gedanken von einer, die auszog, weil der Beruf ihr keine Wahl ließ. Weg

Liebe ist nichts für Feiglinge – und Liebe auf Distanz schon gar nicht. Als ich vor einigen Jahren meinen ganz persönlichen Schatz fand und wir uns nach und nach ein gemeinsames Leben aufbauten, verdrängte ich so gut wie möglich einen unangenehmen Gedanken: Spätestens nach der Uni steht eine Veränderung ins Haus. Natürlich wusste ich, dass gerade im Publizistikbereich die Jobs in meiner Heimatregion nicht auf der Straße liegen – bekanntlich sitzen die meisten Medienhäuser Deutschlands entweder im Norden oder im Süden der Republik. Dennoch sträubte sich lange Zeit alles in meinem Inneren gegen einen Wechsel des Studienorts oder gar einen Umzug für den ersten Job. Weiterlesen

Cats Gedankenwelt: Monday Mania

It’s just another manic Monday …“, trällern die Bangles aus dem Radio; man spricht von „Montagsarbeit“, wenn etwas bei der Produktion gründlich schiefgegangen ist und überhaupt scheint das Wort „Montag“ eine wahre Depressionswelle auszulösen. Dabei vergessen wir oft, dass Glück keine Frage des Wochentags ist.

Wenn ich am Sonntagabend oder Montagmorgen meinen Facebook-Account öffne, springen mir gleich die neuesten Negativmeldungen entgegen. Grund dafür sind nicht etwa die europaweite Finanzmisere, der Syrienkrieg, die aktuelle Flüchtlingswelle oder der Klimawandel. Wobei, in gewisser Weise ändert sich das „Klima“ innerhalb der sozialen Medien schon. Findet man am Sonntagmittag noch typische Wochenendbeiträge und -Fotos wie das Picknick am Badesee oder Bilder aus dem Freizeitpark, alle mit Emojis wie „freudig“, „wunderbar“ oder „verliebt“ versehen.

"Arbeiten? Das habe ich doch letzte Woche erst gemacht ..."
„Arbeiten? Das habe ich doch letzte Woche erst gemacht …“

Das Online-Klima ändert sich, sobald der gefürchtete Wochenanfang, der Montag, Stunde um Stunde näher rückt. Auf einmal heißt es: „Wochenende! Komm zurück!“, „Monday sucks“ oder „Mist, schon wieder Montag“. Auch die Emojis zeigen einen Stimmungsumschwung zu „enttäuscht“, „frustriert“ oder „traurig“. Mir scheint, einmal in der Woche schwappt eine Montagsdepressionswelle über Deutschland. Auch wenn es mich selbst hin und wieder nervt, wenn ein entspannendes Wochenende wieder in eine neue (Arbeits-)Woche übergeht, gilt für mich jedoch die Devise: Montag ist, was du draus machst! Hier also ein paar positive Mantras gegen den „Montagsfluch“.

Montag ist auch nur ein Tag. Weiterlesen

Cats Couch: Brautdepression – Tiefer Fall von Wolke Sieben

Sie haben also eine Frau gefunden, mit der Sie bis ins hohe Alter das Leben teilen wollen. Gratulation! Sie haben ihr einen Antrag gemacht, sich geduldig mit ihr durch eine monate- bis jahrelange Hochzeitsplanung gekämpft und sich mit ihr schließlich das Jawort gegeben. Sie sind ein Glückspilz. Ihre nächste Herausforderung: Ihre frisch Angetraute davon überzeugen, dass es auch ein Leben nach den Flitterwochen gibt – und dass dieses Leben schön ist.

IMG_3554Heiraten und einmal Prinzessin sein – für viele Frauen ist das noch heute ein großes Thema. Es soll dieser eine Tag  sein, der das Leben für immer krönt, an dem alle Augen auf die Braut, ihr prachtvolles Kleid und ihre große Liebe, den Prinzen, gerichtet sind. So lehren es uns Märchen. Und romantische Komödien. Achja, Disney nicht zu vergessen … Seine Filme können hier einfach nicht unter den Tisch fallen. Wie viele Frauen haben schon die tragischen Liebesgeschichten von Belle, Schneewittchen und Cinderella gesehen und mitgefiebert … Hach. Seufz. Also, um es kurz zu machen: So vernünftig und rational viele von uns im Alltag sind – wenn es ums Heiraten geht, werden sie gerne mal wieder zu schmachtenden, sehnsüchtigen Wesen mit Mädchenträumen.

Braut sein bedeutet, im Mittelpunkt zu stehen

Nun kommt also der ersehnte Antrag und es tun sich eine Menge potenzieller Stressquellen auf, von denen Sie bisher gar nicht wussten, dass sie existieren. Weißtöne (ja, davon soll es tatsächlich unzählige von Ivory bis Champagner geben), Geschmacksnuancen bei der Hochzeitstorte (hat sie nicht vor kurzem noch alles gut gefunden, das nur annähernd nach Kuchen roch?) und natürlich die Verwandtschaft, vor allem die im engeren Kreis, die Ihnen wie ein Rudel ausgelassener, laut bellender Welpen vorkommt. Die „perfekte“ Location, das „perfekte“ Outfit und die „perfekte“ musikalische Untermalung finden – puh. Anstrengend, aber machbar. Egal, um sich zu erholen, gibt es ja noch die Hochzeitsreise, an die die „Gattin in spe“ natürlich auch meist hohe Ansprüche hat. Schließlich darf am „Tag der Tage“ nichts schiefgehen. Weiterlesen

Cats Gedankenwelt: Generation P(aranoia) – brauner Sumpf

Mit der Flüchtlingsdebatte kommt sie wieder zum Vorschein, die gute alte Stammtischphilosophie. „Flüchtlinge wollen doch bloß absahnen“, „Flüchtlinge werden übervorteilt“, „Flüchtlinge bekommen Smartphones, Familien zu wenig Kindergeld“ … Man muss nicht weit schauen, sondern nur seinen Facebook-Account öffnen, um zu wissen, dass eine Lawine aus braunem Schlamm mit voller Wucht anrollt. Aber warum diese Ablehnung? Ein Erklärungsversuch.

Wenn ich dieser Tage Beiträge auf sozialen Plattformen lese, macht mich das betroffen. Oder etwas drastischer ausgedrückt: Ich kriege das kalte Kotzen. Pardon für diese Ausdrucksweise, aber zu mancher „unliebsamen Wahrheit“ fällt mir als „unverbesserlicher Gutmensch“ einfach kein freundlicherer Begriff ein. Sicherlich, eine Mehrheit der User, die in sozialen Netzwerken Aussagen über Migranten treffen, zeigt sich offen bis gemäßigt-realistisch. Doch die „Minderheit“ derer, die mit aller Macht nach einem Sündenbock für eigens erlebte Missstände suchen (und bei Pegida und Konsorten finden), scheint in einem Maße anzusteigen, das nicht mehr feierlich ist.

Amsterdam 1
Migration gehörte schon immer zum Menschsein – egal, ob als Tourist oder Flüchtling

Manchmal möchte ich da meinen Laptop einfach mit voller Wucht zuschmettern und mich gewaltig über diejenigen ärgern, die im Schutz sozialer Netzwerke immer wieder über eine Gruppe von Menschen herzieht, die wahrscheinlich nicht mal etwas davon weiß, welche Ablehnung ihnen entgegenschlagen könnte. Dann atme ich dreimal tief durch, besinne mich und mache mir Gedanken über das Warum und das Woher. Warum sind so viele Menschen eigentlich so gehässig und woher kommt dieser passiv-aggressive Widerstand gegen Menschen, die nichts anderes getan haben, als fernab ihrer Heimat einen neuen Anfang zu suchen? Weiterlesen

Cats Gedankenwelt: Brautalarm

Foto: Privat
Foto: Privat

Heiraten ist aufregend, ohne Frage. Nicht nur für Braut und Bräutigam, sondern auch für alle drumherum. Eigentlich wollte ich die coolste Braut auf dem Planeten sein und mich nicht in Kleinigkeiten, Selbstzweifeln und nervigen Fragen verzetteln. Manche Fragen kommen trotzdem auf, seit ich „offiziell Braut“ bin. Ein Auszug aus meiner zurzeit etwas wirren Gedankenwelt.

Frage 1: Haben Bräute mit Traumhochzeiten eigentlich Dauerurlaub?

Früher, wenn ich romantische Komödien rund ums Heiraten gesehen habe, die tollen Kleider, die rührenden Reden und die makellosen Frisuren und Make-Ups, dachte ich: „Wow, wie schön!“. Heute, wo ich wenige Wochen vor meiner eigenen Hochzeit stehe, frage ich mich: „Woher zur Hölle nehmen die in den Filmen die ganze Freizeit?“ Freizeit, um sich tage- und wochenlang in Braut- und Dekoläden aufzuhalten und über jedes kleine Detail minutiös aufeinander abzustimmen. Das sieht immer so nach Spaß aus – dabei muss das in Wahrheit echt harte Arbeit sein. Ein Zweitjob, sozusagen. Es sei denn, man ist ein Meister im Delegieren – und selbst das erfordert eine Menge Einsatz und Geduld.

Frage 2: Haben die eigentlich alle im Lotto gewonnen? Weiterlesen

Cats Couch: Die allwissende Dritte

Die Hochzeit Henri Rousseau Gesellschaft Hund Braut Bräutigam
Die Hochzeit Henri Rousseau – Gesellschaft Hund Braut Bräutigam

Für viele Männer ist die (zukünftige) Schwiegermutter der „Angstgegner“ schlechthin. Ob sie mit der Person, die ihre Frau auf die Welt gebracht hat, zurechtkommen, kann im Konflikt zum Zünglein an der Beziehungswaage werden. Es gibt jedoch eine zweite weibliche Person im Leben der meisten Frauen, an die man(n) sich erst einmal gewöhnen muss – die beste Freundin, die oft mehr Wissen und Einfluss hat, als ihm lieb ist.

Die meisten Frauen gibt es nur im Doppel- oder Mehrfachpack auf dem „Heiratsmarkt“. Auch wenn wir natürlich alle Individuen sind, existieren diese wenigen Personen im Umkreis einer Frau, mit denen man(n) sich arrangieren sollte – das können die leiblichen Kinder, die engste Familie oder eben die beste Freundin sein. Ohne Letztere läuft nämlich für viele von uns nichts. Und ja, ich will an dieser Stelle nichts schönreden. Oft weiß sie einfach alles – von den typischen „Frauenleiden“ ihrer Allerbesten (von denen Männer sowieso meist nichts hören wollen) und den geheimsten Lebensträumen, über die mit dem Partner vielleicht noch nie gesprochen wurde bis hin zu intimen Bettgeschichten. Was dem Partner wie ein himmelschreiender Loyalitätsbruch vorkommen kann, sehen die besten Freundinnen häufig als total normal an. Schließlich kennen sie sich eine halbe Ewigkeit, können die Sätze der jeweils anderen quasi telepathisch vervollständigen und entwickeln geradezu hellseherische Fähigkeiten – zumindest, was diese eine Person in ihrem Leben angeht. Schwierig wird es, wenn ein Mann mit dieser Bindung, die bei manchen Frauen untereinander die Qualität eines Ehebundes ohne Sex einnehmen kann, nicht zurecht kommt. Deswegen gibt es hier von Frauenseite ein paar Tipps, um mit dieser „allwissenden Dritten“ in der Beziehung Frieden und Freundschaft zu schließen. Denn, eines vorweg: Lieber würden wohl einige Frauen wohl eher den Mann an ihrer Seite als ihre allerbeste Freundin in den Wind schießen!Weiterlesen

Cats Medienkommentar: Mysterium Bestseller

Foto: Katherina Ibeling
Foto: Katherina Ibeling

Manche Bücher gehen weg wie warme Semmeln. Die eine Hälfte der lesenden Bevölkerung kann das vollkommen verstehen – schließlich liest sie die aktuelle Nummer Eins selbst gerade. Die andere Hälfte schaut auf die Bestsellerliste und runzelt ein wenig ratlos die Stirn, absolut sicher, dass sie nichts an dem Hype finden kann. Kurz: Es ist ihnen ein Mysterium, wie ausgerechnet dieses Stück (Trivial-) Literatur eine derartige Massenkaufhysterie auslösen kann.

Manchmal frage ich mich, ob ich auf dem Mond lebe – zumindest, was den aktuellen Büchermarkt angeht. Jedenfalls nicht auf diesem Planeten; sonst wäre mir der Buchtitel „Fifty Shades of Grey“ nicht erst begegnet beziehungsweise zu Ohren gekommen, als E.L. James‘ berühmt-berüchtigte SM-Romanze schon monatelang die Bestsellerlisten auf der ganzen Welt bevölkerte und zufällig ein eher satirischer Beitrag darüber im Lokalradio gesendet wurde. Ich musste es sogar googeln, um dahinter zu kommen, wonach plötzlich die (weibliche) Welt so verrückt war. Ich fand die Leseproben für mich persönlich eher ernüchternd – aber das ist eine andere Geschichte. Ich schreibe diesen Beitrag schließlich nicht, um „Grey-Bashing“ zu betreiben, sondern nur, um meine Verwunderung auszudrücken. Eine Verwunderung auf zwei Ebenen. Erstens, warum sich plötzlich alle Welt an Geschichten und Szenen ergötzt, worüber sie öffentlich sonst niemals sprechen würde. Zweitens, warum mir eigentlich erst jetzt auffällt, warum dieses oder jenes Buch gerade als absolutes „Must-have“ gilt.Weiterlesen

Cats Gedankenwelt: Generation P(rovisorium) und die Suche nach Perspektiven

Foto: PrivatWirtschaftsexperten, Politiker & renommierte Sozialforscher stimmen derzeit im Chor ein Lamento an, weil Deutschland die Heimat der niedrigsten Geburtenraten ist. Weil unsere Generation „Y“ anscheinend zu allem anderen Lust hat, außer die Demographiepyramide wieder ins Lot zu bringen. Als junge Frau, die ihren Zeitgeist mit am besten kennen sollte, und eine der „Beschuldigten“ möchte ich jedoch einmal provokant eine Gegenfrage stellen: Warum einer weiteren Generation ein Leben in der Warteschleife antun?

Die Schlagzeilen in den letzten Monaten haben viel Wirbel gemacht und gingen alle in die Richtung: „Niedrigste Geburtenrate in Europa! Schafft sich Deutschland ab?“ Zunächst einmal dürfen alle Weltuntergangspaniker, die gemütlich in ihren Ledersesseln in Präsidien, Glasbautenbüros und in luxuriösen Konferenzsälen sitzen und die vernichtenden Statistiken lesen, wieder Luft holen. Ein Aussterben der deutschen Bürger oder gar der Spezies Mensch ist angesichts der nachgewiesenen globalen Migration und Überbevölkerung ausgeschlossen. Korrekt ist jedoch: Es rappelt gewaltig im Rentenkarton jener, die gerade verzweifelt versuchen, neben ihrem eigenen (Über-)Leben jetzt und im Alter auch noch die Alterabsicherung der aktuellen Alten zu garantieren. Sie werden scheitern, sagen Experten voraus, und dabei haben sie nicht ganz unrecht. Bei dem aktuellen Verhältnis zwischen denen, die immer älter werden, den potenziell neu hinzukommenden zukünftigen Rentenabsicherern (oder auch: Neugeborenen) und denen, die aktuell zwischen diesen Polen eingequetscht sind und zu denen auch ich gehöre, ist früher oder später der große Knall zu erwarten.Weiterlesen

Cats Gedankenwelt: Sozialer Disconnect

Wir sind es gewohnt, immer und überall vernetzt und niemals wirklich allein zu sein. Irgendwie ist man immer mit anderen in Kontakt – ob über soziale Medien, in einer Wohngemeinschaft, in der Familie oder im Kollegenkreis. Alleine irgendwo sein oder hingehen heißt oft: uncool sein und als Sonderling gelten. Dabei erfordert es eine Menge mehr Coolness und Mut, als sich ständig im Schutz der Gruppe zu bewegen.

Foto: Privat
Foto: Privat

Manche Menschen genießen das Alleinsein, sie finden dann „zu sich“, schätzen die Ruhe, die es bringt, auch mal nicht von anderen Individuen umgeben zu sein. Sie sind „sich selbst genug“, wissen etwas „mit sich anzufangen“, auch ohne externe Reize und Eindrücke. Ich bewundere diese Leute ein Stück weit, denn ich gehöre nicht dazu. Sich auf eigene Faust auf den Weg in eine fremde Stadt machen? Work and Travel irgendwo, wo einen keiner kennt? Oder auch nur, sich alleine irgendwo hinsetzen und einen großen Eisbecher oder ein Menü von der Mittagskarte bestellen, das Handy auslassen und einfach nur die Menschen beobachten, die geschäftig vorbeiströmen? Während die ersten beiden Beispiele mir vollkommen sinnlos erscheinen, weil ich mich wohl nicht einfach dazu überwinden könnte, ist das dritte zumindest eine Herausforderung.Weiterlesen

Cats Gedankenwelt: Kleine Rebellen

Cat KolViele Menschen finden Kinder niedlich, solange sie einen mit großen Augen angucken, lachen, und tun, was die Erwachsenen wollen. Benehmen sich die „lieben Kleinen“ hingegen daneben, machen den Großen das Leben schwer und werfen deren Zeitpläne und To-do-Listen durcheinander, regnet es zu Hause Verbote und in der Öffentlichkeit strafende Blicke und Kommentare. Fragt sich nur: Wer ist hier der größere Unsinnstifter?

Vor unserem Bürofenster mitten in der Fußgängerzone einer Kleinstadt ist immer was los. Die Leute sitzen im Café, lachen, plaudern und klappern mit ihren Espressotassen. Hin und wieder hört man Straßenmusik (mal mehr, mal weniger gekonnt) und – wie könnte es anders sein – auch spielende Kinder oder eine ganze Schulklasse, die an unserer Agentur mit höchstem Lärmpegel vorbeiziehen, während bei uns in die Tasten gehauen und auch der eine oder andere politisch inkorrekte Witz in den Raum geworfen wird. Ansonsten herrscht emsige Arbeitsstille, wir müssen schließlich was schaffen, im Gegensatz zu den Leuten mit den sündigen Eisbechern und erst recht den Kids, die munter durcheinander johlen und auf kleinen tapsigen Füßen die Welt erkunden. Oder eher, sie erkunden dürfen. Hin und wieder ruft auch eine schneidige Mutterstimme: „Jonas! Sofie“ Herkommen, aber sofort!“ Oder so ähnlich eben. Oft missfällt es den „lieben Kleinen“, wenn Mama oder Papa ihnen sagt, sie sollen sich gerade hinsetzen, nicht stundenlang im Eis herumrühren, oder wenn ihnen die Mütze wieder auf den Kopf gesetzt wird. Dann gibt es großes Geschrei – und nicht selten fällt bei uns der Spruch: „Oh, hört mal, da wird gerade jemand umgebracht.“Weiterlesen

Cats Medienkommentar: Vorsicht, Blechbüchse!

In der PR und verwandten Medienzweigen heißt es ja so schön: Der Kunde ist König. Natürlich gehört das Klappern zum Handwerk, aber eine ganze Blechdose voller Nägel an den Kopf geworfen zu bekommen, tut weh. Echt jetzt.

Foto: Privat
Foto: Privat

Wenn man für Branchen- und Kundenmagazine Produktnews und andere Neuigkeiten von Industrie- und Anzeigenkunden redaktionell bearbeitet, ist man einiges gewöhnt. Man gewöhnt sich daran, jemanden auch zum dritten Mal daran zu erinnern, dass man noch einen Text oder ein bestimmtes Porträtbild vom Firmenvorstand benötigt. Das ist okay, wirklich, wir sind alle nur (gestresste) Menschen und da geht eben hin und wieder etwas unter. Es ist auch okay, jemanden schon zum vierten Mal zu erklären, warum es eben den Lesefluss stört, wenn zu viele Marken- und Produktnamen in Versalien geschrieben sind.Weiterlesen

Cat’s Couch: Nackte Tatsachen

Drei Badende am Strand - Paul Gustav Fischer (1860 - 1394 )- dänischer Maler
Drei Badende am Strand – Paul Gustav Fischer (1860 – 1394 )- dänischer Maler

Der Sommer naht und so mancher Mann freut sich jetzt schon auf den Anblick kurzer Röcke, tiefer Ausschnitte und Shorts, die gerade so das Nötigste bedecken. Vielen Frauen hingegen gruselt es vor der heißen Saison und ihrer neuen „Kleiderordnung“ – und vor allem vor dem „Ganzkörperscan“, der ihnen nun ständig bevorsteht.
Am nächsten Wochenende soll es heiß werden, das sagt zumindest der Wetterbericht. Also raus mit den Sandalen, dem kurzen Kleidchen und der Hotpants? Die Zuverlässigkeit der Wettervorhersage ist eine Sache – das mit der knappen Bekleidung eine andere. Denn es wird sich auch diesen Sommer nicht jede Frau trauen, sich darin ungezwungen im öffentlichen Raum zu bewegen. Dies zu tun, ohne sich ständig begafft zu fühlen wie ein Tier im Zoo, ist wohl eine der größten Hürden, die den Meisten bald begegnen wird. Weiterlesen

Cats Gedankenwelt: Über die Schwelle treten – Leben und Ängste

Cat KolEs gibt viele erste Male und gefühlt unzählige Gründe, warum sie Ängste in uns schüren. Manche Fachleute nennen es Neophobie („die Angst vor dem Neuen“), andere nennen es schlicht „Schwellenangst“ oder „Angst vor Veränderungen“. Das ist im Prinzip nichts Außergewöhnliches – dennoch lohnt es sich, hin und wieder seine Komfortzone zu verlassen und die Schwelle des Gewohnten zu übertreten. Weiterlesen

Cat’s Couch: Wie ein angezogener Exot am FKK-Strand

Cat KolCarolin Kebekus hat einmal gesagt: „Mittlerweile kenne ich die Brüste von Micaela Schäfer besser als meine eigenen.“ Recht hat sie, finde ich, wenn ich mich nach Feierabend durch das Internet und durch Facebook klicke und mir mehr nackte Haut begegnet, als ich sie je am Strand sehen würde. Auch bemerkenswert: Es sind immer noch meist die Frauen, die sich ausziehen.

Es erscheint mir in etwa so sinnfrei wie „Panzer für den Frieden“ – der Trend, dass wirklich jede Frau, egal welchen Alters, welcher Ethnizität und welchen Körperbaus, derzeit der Meinung ist, nackte oder halbnackte Bilder ins Internet zu stellen. Als Kunst wohlgemerkt – oder als Zeichen gegen ein aalglattes Körperbild, das gefühlte 95 Prozent aller Frauen weltweit schlecht dastehen lässt und Selbstzweifel fördert. Einmal ganz schonungslos und offen gesagt: Ich habe ja eher selbst Zweifel daran, ob ein solcher Overload an nackten „Weibsbildern“ wirklich das Problem des Schönheits- und Perfektionsterrors in den Medien lösen kann. Oder ob die bunt bebilderte Aussage „Wir sind alle schön“ nicht noch mehr der Gleichung Frau + Körperlichkeit + Schönheit = Anschauungsobjekt Vorschub leistet.Weiterlesen