Kategorie: Sex

Cats Gedankenwelt: Die Grenzen des Einzelnen

Ein endloser Horizont - wie realistisch ist diese Vision?
Ein endloser Horizont – wie realistisch ist diese Vision?

Glaubt man den zahlreichen Ratgebern und Motivationsleitfäden, die im großen weiten World Wide Web und darüber hinaus kursieren, ist der Mensch ganz allein seines Glückes Schmied und kann jede Situation allein durch die innere Einstellung „managen“. „Selbstmanagement“ oder „Empowerment“ nennt sich das Ganze – um nur zwei Leitbegriffe zu nennen. Doch ist diese Vorstellung absoluter Grenzenlosigkeit umsetzbar, oder geht sie gar an der Realität komplett vorbei? Eine kritische Alltagsbetrachtung.

Es gibt ja bekanntlich die Menschen, die über jeden Regentropfen schimpfen, alles, was in ihrem Leben geschieht, „ungerecht“ finden und sich selbst komplett als Opfer der Umstände betrachten. Auch wenn wahrscheinlich mal jeder und jede kurzzeitige „Depriphasen“, in denen man die Welt komplett schwarz sieht Andere können gar nicht mehr anders, als immer dem „Bösen da draußen“ und einem unglücklichen Zufall die Schuld an allem zu geben, was schief läuft. Solche Zeitgenossen können ganz schön nerven. Aber dann gibt es auch das exakte Gegenteil – nämlich diejenigen, die alles, was außerhalb ihrer Persönlichkeit liegt, einfach wegschieben. Von irgendetwas abhängig sein, das nicht der eigene Wille ist? Ach Quatsch. Das gibt’s doch gar nicht und wenn doch, ist es hemmungslos „von vorgestern“. Das sind dann die Menschen, die einem weismachen wollen, dass wirklich alles möglich ist, wenn man es nur will. Also „Glücksmissionare“, die die eigentlich gut gemeinte Absicht, Zaudernde zu ermutigen, komplett überspitzen und Grenzenlosigkeit propagieren. Um ehrlich zu sein, kann dieser Menschenschlag ebenso anstrengend daherkommen wie sein schwarzmalerisches Pendant.

Optimistisch – oder schon abgehoben?

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Der Mythos „grenzenloser Möglichkeiten“ liegt im Trend

Re-Empowerment“, „höheres Bewusstsein“, „Selbstmanagement“ – alles Begriffe, die derzeit im Ratgebermilieu sowohl online als auch offline kursieren. Und nur drei Bezeichnungen von vielen, die eine Philosophie verkörpern – das alte Thoreau’sche Prinzip der „Self-Reliance“, also der größtmöglichen Unabhängigkeit von anderen Menschen und einem gesellschaftlichen Konsens. Geschweige denn von finanziellen und institutionellen Zwängen. Ein Leben abseits von ausgetretenen Pfaden, Hierarchien im Job, Steuererklärungen, gesellschaftlichen Erwartungen und überhaupt all diesen nervtötenden Zwängen – das muss das Paradies auf Erden sein. Die totale Eigenverantwortung – eine Utopie, die wirklich umsetzbar und wünschenswert ist? Fest steht: Im Alltag, wie die meisten von uns ihn kennen, ist das schwierig zu realisieren. Die wenigsten Menschen können von sich behaupten, vollkommen frei von äußeren Umständen ihren Träumen nachgehen zu können. Ratgeber und Coaches raten dazu, „sich neu zu erschaffen“, „Grenzen zu sprengen“, „sich nicht für den Konsens zu verraten“ und „hinter sich zu lassen, was nicht glücklich macht“. Doch wenn ich mir fast alle Lebensläufe in meiner Umgebung näher anschaue, muss ich mich fragen, ob solche großen Ideale und Ansprüche ans eigene Leben nicht einfach nur Illusionen sind. Und nebenbei ziemlich egoistisch – denn ohne gegenseitige Verpflichtungen, wie soll da eine Gesellschaft funktionieren?

Begrenzte Möglichkeiten

Es kann frustrieren, wenn man alles will, aber es nicht erreicht
Es kann frustrieren, wenn man alles will, aber es nicht erreicht

Es ist nichts Ungewöhnliches, an Grenzen zu stoßen. Fragen Sie eine berufstätige Mutter, wie viel Zeit und Kraft ihr noch bleiben, künstlerisch Großes zu schaffen. Oder einen überarbeiteten Manager, wie oft er noch die Gelegenheit hat, draußen in der Natur zu meditieren. Fragen Sie einen Hartz 4-Empfänger, ob der Job, den er auf Druck des Amtes annehmen musste, wirklich sein Traumjob ist oder ob er lieber seine Träume von der freischaffenden Selbstständigkeit erfüllen würde. Denken Sie an die junge Frau, die gerne eine Weltreise machen würde, aber deren Lohnbudget aber auch nach Jahren nicht ausreicht. An einen Familienvater, der gerne einfach mal ein Jahr lang seine innere Mitte in einem buddhistischen Tempel finden möchte, aber seine Familie dafür zurücklassen müsste. Manche haben große Pläne und Visionen und können sie auch umsetzen – jedoch erst, wenn sie voller Herzblut und unter Aufwendung alles andere um sich vergessen können. Nicht umsonst lebten viele große Künstler und Erfinder eher zurückgezogen, hatten Geldprobleme und waren geniale Außenseiter, die von einem Großteil der Gesellschaft einfach nicht den nötigen Respekt erhielten. Viele von ihnen erlebten ihren Ruhm nicht einmal mehr und lebten komplett in ihrer eigenen, kleinen Welt der Ideale und des großen Traums, fernab des „gewöhnlichen“ Alltags. Gefühlt grenzenlos, sicherlich. Aber auch zu einem hohen Preis.

Zwischen Visionen und Pragmatismus

An Grenzen zu stoßen, ist nicht nur normal, sondern notwendig
An Grenzen zu stoßen, ist nicht nur normal, sondern notwendig

Sind denn all diejenigen, die eben nicht zu den großen Berühmtheiten und Entdeckern dieser Welt gehören, deswegen weniger wert oder gar unzufrieden, weil sie Kompromisse eingehen „müssen“? Unter extremen Umständen vielleicht – wenn die Belastungen überhand nehmen oder das eigene Leben komplett zur Routine verkommt. Dennoch, für die Mehrheit ist das kein Grund, mit allem zu hadern. Denn auch die Basisarbeit muss getan werden, also diejenige, die manchem Veränderungsguru einfach zu „profan“ oder zu „gewöhnlich“ ist. Und diese Arbeit, die unermüdlich wiederkehrt – in Haushalten, Pflegeheimen, in Schulen, Supermärkten und Kindergärten – macht es erst möglich, dass die „großen Visionäre“, die jegliche Form von Begrenzungen ablehnen, ihre Höhenflüge erleben. Um anschließend die Welt um ihre Entdeckungen und ihr faszinierendes, neu gewonnenes Wissen zu erweitern Doch ob jeder das Zeug zum Idealisten und Genie hat und bereit ist, notfalls alle anderen Ziele zu opfern? Das ist immer noch eine persönliche Entscheidung. Wer sich eben innerhalb seines selbst oder durch die Lebensumstände gesteckten Rahmens wohlfühlt, bleibt auch gerne ein zufriedener Pragmatiker. Auch daran ist nichts Falsches.

Alles wollen ist anstrengend

Im Alltag funktionieren, Erfolg haben und dabei noch gut aussehen - erwarten wir zu viel?
Im Alltag funktionieren, Erfolg haben und dabei noch gut aussehen – erwarten wir zu viel?

Häufig zielen Lebensratgeber darauf ab, uns die unendlichen Möglichkeiten, egal wie realistisch sie sein mögen, vor Augen zu führen. Ganz nach dem Motto: „Man kann alles haben – jederzeit und sofort. Wir müssen nur wollen.“ Sicherlich kann man alles wollen – aber macht das wirklich glücklich oder auch nur zufriedener? Für Menschen, die mit ihrem stinknormalen, „mittelmäßigen“ Leben, einem mehr oder minder unspektakulären Beruf, einem durchschnittlichen Sozialleben ohne viel „Fame und Glamour“ und vielleicht einer Familie bereits zufrieden sind, kann Grenzenlosigkeit vor allem eines sein: beängstigend – und verdammt anstrengend. Um das zu verstehen, muss man sich einfach nur ein ganzes Regal voller verschiedener Käsesorten vorstellen. Kunden, die sonst mit einem oder zwei Handgriffen die Mission „Käsekauf“ abschließen, brauchen plötzlich viel länger, um sich zwischen all diesen Sorten zu entscheiden, wählen hinterher womöglich ein zu teures Produkt oder eines, das ihnen gar nicht schmeckt. Dieses Beispiel ist extrem einfach, aber es lässt sich wunderbar auf so viele Lebensbereiche übertragen – zum Beispiel auf den „Traumberuf“, den „Traumhaus“, die „ideale Kindererziehung“ und das äußere Erscheinungsbild. Irgendwie sollen wir alles sein: Sozial, aber total unabhängig von allem und jedem; zuverlässig, aber hundertprozentig flexibel; engagiert im Alltag, aber dabei immer perfekt gestylt (ach was, Babykotze hinterlässt keine Flecken und von Schlafentzug bekommt man keine Augenringe …); hochgradig ehrgeizig, aber dabei total tiefenentspannt. Für mich klingt der Lebensanspruch „alles, aber ganz und sofort“ nach einer ziemlichen Zerreißprobe, oder auch dnach der viel beschworenen „eierlegenden Wollmilchsau“. Bleibt zu sagen: Wenn man mal wirklich nicht zufrieden ist, gibt es exakt drei Möglichkeiten. „Love it, change it or leave it!“ Das klingt doch mal übersichtlicher und praktikabler als ständig unerreichbaren Träumen hinterherzuhetzen. Und wenn wir uns für „change it“ – also eine Veränderung für ein bestimmtes Ideal – entscheiden, sollten wir uns auch darauf fokussieren, dies mit ehrlicher Leidenschaft tun und nicht nur, weil es gerade dank der aktuellen Ratgeberkultur en vogue ist. Denn Trends kommen und gehen – Zufriedenheit sollte aber etwas sein, das kommt, um zu bleiben.

Cats Couch: Ein Nein ist ein Nein (ist ein Nein) – Version 1.1

Erotik ist in dieser Kolumne gar kein Thema, das ich näher vertiefen wollte. Es gibt da jedoch diese eine Sache, die mich beim (zufälligen) Lesen diverser Onlineartikel und Foren immer wieder verblüfft – manche Menschen scheinen das einfache Wort „Nein“ gerade in Bezug auf die „schönste Nebensache der Welt“ einfach nicht zu verstehen oder auszusprechen. Dabei sollte das wirklich nicht so schwer sein; egal, ob es um einen Disco-Flirt oder um den langjährigen Ehepartner geht.

Bett_pillows-820149_640Eines vorweg: Ich möchte mich hier nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, wenn es darum geht, Lesern „Ratschläge“ für so intime Lebensbereiche wie das eigene Sexualleben zu erteilen. Dies empfinde ich als anmaßend und überlasse es getrost den zahlreichen Sexologen mit oder ohne entsprechendes Fachdiplom, die für die Internetseiten renommierter Frauenzeitschriften schreiben. In dieser Kolumne wird es (auch weiterhin) keine intimen „Vaginamonologe“ und Einblicke geben. „Der Gentleman genießt und schweigt“, und manchmal kann das eben auch eine Lady. Was viele andere hinter ihrer Schlafzimmertür (oder auch woanders) treiben, möchte ich auch nicht beurteilen oder gar verteufeln. Gemäß dem Motto: Alles, was im Einvernehmen geschieht und keine absehbaren Gefahren mit sich bringt, ist gut – und erlaubt ist, was allen gefällt.

Wo ich bei dem Punkt angelangt bin, an dem ich ansetzen möchte. Jegliche Erotik ist freiwillig und von den eigenen Gelüsten geleitet. Doch warum fällt es manchen so schwer, zu dem, was sie nicht wollen, „Nein“ zu sagen und anderen, dieses „Nein“ auch als das zu akzeptieren, was es ist? Ein klares „Nein“ eben, ohne Rechtfertigung, ohne Entschuldigung. Ein Extremfall wären hier sicherlich Sexualstraftäter, doch in dieses Extrem möchte ich hier nicht gehen. Es reicht schon, wenn in einer Beziehung oder nach einem heißen Flirt auf einer Party eine Person die andere (vielleicht unbewusst) bedrängt und aus einem klaren „Nein“ in seinem Kopf ein „Ja, aber …“ macht. Wie auch immer diese erstaunliche Falschwahrnehmung im Einzelfall zustande kommt.

sisters-984997_640Gerade (wir) Frauen scheinen häufig ein Problem mit dem „Nein-Sagen“ zu haben und es gibt auch heute durchaus noch Männer, die auf ein „Nein“ gekränkt oder sogar wütend reagieren. Zumindest, wenn man diverse Stränge aus den Internetforen bekannter „Frauenseiten“ liest. Gleiches kann natürlich auch umgekehrt der Fall sein, mit einer Frau, die auf jede sexuelle Zurückweisung vollkommen irrational und übertrieben reagiert. In gewissem Sinne sind solche Hemmnisse und Reaktionen ja auch nachvollziehbar. Schließlich müssen sich beide Partner ganz „intim“ und mit absolutem Vertrauen aufeinander einlassen, damit beide das gemeinsame kleine Bettabenteuer als lustvoll und bereichernd empfinden können. Ein zu grobes „Nein“, so fürchtet mancher zu Recht, könnte die ganze Stimmung ins Wanken bringen und für aufreibende Konflikte sorgen. Also schweigt manche(r) „Unlustige“ im schlimmsten Fall lieber, lässt manches eventuell „über sich ergehen“ und seine Lust auf weitere Experimente mit dem Partner schwindet schleichend dahin. Bis sie sich irgendwann um die Ecke ins Niemandsland geschlichen hat.

anonymous-973217_640Warum also der ganze Eiertanz rund um Wünsche, Vorlieben, Abneigungen und Tabus in einer Partnerschaft, die im Alltag in geradezu reibungslosen Bahnen läuft? Ist es möglicherweise gerade dieses Bemühen um ständige Harmonie, eine gewisse Konfliktscheue, die uns dazu führt, einen geliebten Menschen „einfach machen zu lassen“? Wie kann es in einer Zeit, wo wir dank Internet, einer großen Auswahl an Ratgeberliteratur, großen Kenntnissen in der Sexualanatomie und zum Teil auch Pornografie genau wissen, welche Praktiken, Möglichkeiten, aber auch Gefahren und Herausforderungen es gibt? Möglicherweise sind einige dieser sexuellen „Befreier“ dabei selbst das Problem. Denn, sehen wir es, wie es ist: Sex im Porno ist nicht die Art, wie viele Paare ihn im „echten Leben“ erleben und genießen wollen. Sicherlich gibt es auch hier „Abweichungen“ von dem, was als üblich gilt und das ist vollkommen in Ordnung – solange ein Konsens und eine Rückzugsmöglichkeit für alle bestehen. Eben Spielregeln, die den Respekt voreinander verteidigen, wie es in einer funktionierenden Partnerschaft sein soll. Das Problem mit manchen Pornos sehe ich daher nicht in der Tatsache, dass sie existieren und in dem Großteil der Inhalte, die sie zeigen, sondern eher darin, dass irgendein Partner (meist die Frau), einfach nicht die Möglichkeit hat, innerhalb der „Handlung“ auch einmal etwas abzulehnen. Und wenn sie es tut, sieht es der „Spielplan“ vor, dass sie sich unter Zwang und teilweise auch Gewalt dann doch den teilweise extremen Wünschen ihres Partners unterordnet. Dies mag mit den Darstellerinnen und Darstellern zwar abgestimmt und vertraglich geregelt sein; dem unerfahrenen oder leichtgläubigen Konsumenten kann es aber einfach ein falsches Bild vermitteln. Nämlich das, dass es möglich und erlaubt sei, einen anderen Menschen im Bett oder wo auch immer zu etwas zu zwingen.

holding-hands-1031665_640Nicht, dass einen diese krassen Darstellungen gerade im Bereich der Pornoproduktion überraschen würden; mehr Kopfzerbrechen bereiten mir da die „Sextipps“ mancher Mainstream-Frauenzeitschriften. So schreibt eine bekannte Sexratgeberseite zum Thema Deep Throat: „Es wird Ihnen vielleicht bei den ersten Malen nicht gelingen, den Würgereflex zu ignorieren. Selbst nach intensivem Training ist es möglich, dass Ihnen anstatt des Würgereflexes, Tränen in die Augen steigen. Aber sehen Sie Ihren Partner dabei an! Das Machtgefühl, das er spürt, wird ihn wild machen und er wird sich gerne revanchieren.“ Also ehrlich gesagt: Ich kriege bei solchen Beschreibungen das kalte Kotzen, ohne einen Penis „bis zum Anschlag“ in den Mund zu nehmen und Gefahr zu laufen, beim Oralsex an Atemnot zu sterben. Die Bilder im Kopf reichen schon, danke liebe „Sexperten“. Andere, Frauen wie Männer, mögen Gefallen daran finden. Nein, nun mal ernsthaft ….Was mich stört: Auf den Onlineseiten gängiger „Frauen- und Männerlektüre“ werden die Fantasien einiger oft zum erotischen „Must-have“ für alle erklärt. Als etwas, das man „lernen“ kann und das es sich zu „können“ lohnt, auch wenn es die natürlichen, lebenserhaltenden Reflexe bei mancher Frau und auch beim homosexuellen Mann ganz oder teilweise außer Gefecht setzen soll.

Ein extremes Beispiel in der Onlinewelt fand ich auf einer Seite, wo ein Mann andere Männer darin schulen wollte, ihre Frau zu einem „filmreifen“ Deep-Throat-Blowjob zu überreden und sie darin zu trainieren wie einen Hund, der ein Stöckchen holen soll. Selbst dann, wenn sie es nicht will, Angst hat oder sich davor ekelt. Schließlich hätte jeder Mann sinngemäß das „Recht“ auf dieses besonders machtvolle Hochgefühl. Man müsse nur die Grenzen und Tabus überwinden. Meine Meinung dazu? Es gibt kein angestammtes, gesetzlich verankertes Recht auf irgendeine Sexualpraktik – aber durchaus das Menschenrecht, seine Würde und seinen freien Willen zu wahren. Dies waren nur extreme Beispiele „medialer Irrtümer“ – in der Praxis fängt es oft schon damit an, dass ein Partner mehr und öfter Lust hat als der andere. Das ist eine persönliche Entscheidung und absolut in Ordnung.

couple-731890_1280Oft ist es nur das Problem, wie man „nein“ sagt. Es gibt diese brutal ehrlichen Menschen, die dann einfach sagen: „Keine Lust!“, sich wieder umdrehen und weiterschlafen. Das ist zu respektieren, schließlich gibt es keine Pflicht, sich zu rechtfertigen. Schöner, weniger belastend und hilfreicher ist es meines Erachtens jedoch, wenn es möglich ist, seine oft recht banalen Gründe kurz zu nennen. So wie: „Ich hatte einfach einen zu harten Tag“, „Ich fühle mich krank“ oder „Ich muss erst etwas in den Magen bekommen“. Wichtig finde ich hier, dass Erklären nicht Entschuldigen ist; denn es gibt nichts, wofür es sich zu entschuldigen lohnt. Man hat eben keine Lust auf Sex oder auf irgendeine außergewöhnliche „Bettsportdisziplin“, doch so kann der Partner zumindest das nötige Verständnis aufbringen, ohne dass eine latente Unsicherheit sich breitmacht und er vollkommen im Unklaren gelassen wird. „Nein“ sagen ist also notwendig und gar nicht mal so schwer – vorausgesetzt, es wird nicht als eine verdrehte Form von „ja, aber …“ wahrgenommen. So wie es die aktuelle „50 Shades“-Bestsellerreihe propagiert, wo der männliche Protagonist mit Aussagen wie „Dein Arsch gehört mir!“ seine jüngere, sozial schwächer gestellte „Partnerin“ immer wieder nur seinem Willen zu unterwerfen sucht und das (leider) nicht nur im „Roten Zimmer“, wo so etwas in einer BDSM-Beziehung zumindest ansatzweise nachvollziehbar wäre. Mal unter uns: Auf eine Beziehung, in der Grenzen nicht respektiert und Freiheiten nicht beachtet werden, kann man zumindest im echten Leben jederzeit getrost verzichten. Man kann die ganzen Missverständnisse um ein klar gesagtes und gemeintes Nein übrigens gemäß dem sehr minimalistischen Leitspruch und hierfür abgewandelten Zitat der Semiologin und Sprachwissenschaflerin Gertrude Stein zusammenfassen: „Ein Nein ist ein Nein ist ein Nein.“

Erotik – Was ist das schon?!

Veröffentlicht doch mal wirklich erotische Texte. Diese Mail kommen immer wieder rein. Im Grunde gern, nur, was ist eigentlich erotisch? Ist das eine skalierbare Größe wie des Mannes Glücksbärchie?

Mit 14/15 Jahren fand ich es wahnsinnig erotisch, wenn wir in der Sportstunde eine bestimmte Lehrerin – Frau Böttcher – als Vertretung hatten. Die trug damals selbst beim Sport keinen BH…und wenn es ihr warm wurde, öffnete sie den Reißverschluss ihrer Jacke…. sowas bringt wohl nur pubertierende in Wallung.

Erotik ist für mich einfach nicht zu fixieren. In meiner Karriere als mehrfacher Ehemann ist mir nie bewusst gewesen, wie erotisch ein Steak vom Grill sein kann. Jetzt, als Single, der sich überwiegend von TK-Gerichten ernährt, üben Speisenkarten auf mich einen erheblich größeren Reiz aus, als  Playboy- oder Hustler-Hefte.

Tja, Erotik ist wohl eine sehr persönliche Angelegenheit. Wie sonst könnte es bei gleichem Anlass zu so
unterschiedlichen Reaktionen kommen?
Beispiel gefällig?!  Ich schlafe seit ewigen Zeiten nackt. Ist das erotisch? Eindeutig nein, wenn ich an die Kommentare meiner letzten Exfrau denke: “Zieh Dir was an, wenn du in´s Bad gehst, damit du dich nicht erkältest!”
Eindeutig ja, wenn ich an die Reaktion ihrer besten Freundin denke, als meine Ex im Urlaub war: “Lass uns doch zusammen duschen…”

Und momentan? Wenn meine Gespielin mich anruft: “Deine Stimme ist so, wie andere Männer gerne küssen können würden, deine Gedichte bringen mich näher an einen Orgasmus, als der Körper eines anderen Mannes…” Dann weiss ich, Erotik ist etwas was in dir passiert. Eine Sache, die ohne Kontrolle stattfindet. Und das eigentliche Objekt deiner Begierde ist das Gefühl, das in dir entsteht. Liebe ist Erfüllung, Erotik ist die Lust an deiner Lust.

Gastbeitrag von Matthias Renner – Stammgast bei Marvin.

Der Mann als Witz – Warum ist es so schwer, einen lustigen, liebevollen, netten, sensiblen, intelligenten Mann aufzutreiben?

Warum ist es so schwer, einen lustigen, liebevollen, netten, sensiblen, intelligenten Mann aufzutreiben?
Die Antwort ist sehr einfach:
Wie alles auf dieser Welt ist dies eine Angelegenheit von Angebot und Nachfrage. Wenn Frauen wirklich lustige, liebevolle, nette, sensible, intelligente Männer mögen würden, wären auch genug da.
Aber in Wirklichkeit wollen sie reiche, muskulöse, beschränkte Männer. Das erklärt die Vielzahl von Bodybuildern und Politikern, die wir vorfinden.

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Cats Medienkommentar: Voll auf Klischee

Eigentlich bin ich gar kein Serienjunkie. Doch als ich letztens bei einem faulen Fernsehabend auf eine Kultserie meiner Jugend gestoßen bin, versank ich für ein paar Stunden tief in der weiblichen Klischeekiste. Dabei blieb ich bei vier Freundinnen hängen, die mit der ewig Wartenden, der Naiven, der Sexhungrigen und dem Kontrollfreak, der beim „Richtigen“ doch weich wird, ein berühmtes Quartett abgeben. Ein kurzer Nostalgierückfall in die Glitzerwelt.

P1080670trennlinie2Es gibt viele Drogen auf der Welt – manche mehr, manche weniger gefährlich und manche wirken eher unterschwellig auf einen langen Zeitraum hin gesehen. Unter letztere Kategorie ordnen manche Psychologen und Experten auch gerne die Fernseh- oder Mediensucht ein. Normalerweise bin ich gegenüber der Fernsehversuchung recht immun; ich habe sogar jahrelang ohne Flimmerkiste gelebt. Was bei mir und vielen meiner Geschlechtsgenossinnen quasi ewig nachwirken wird, sind die vielen Klischees von Weiblichkeit, Romantik und Glitzer. Es sind Bilder, die nach und nach in unser Denken und Fühlen einsickern, unsere Gedankengänge heimlich beeinflussen und auf einmal nicht mehr „wegzudenken“ sind – sind Klischees also auch eine Art Droge? Es scheint fast so.Weiterlesen

Cats Couch: Zwischen Göttin und Teufel

Foto: Katherina IbelingEigentlich dürfte man meinen, dass der weibliche Körper mit all seinen Funktionen inzwischen als … naja, „normal“ angesehen wird. Immerhin weiß jeder, dass wir Brüste haben, wo auch hin und wieder Milch rauskommt; dass wir, zumindest meistens, eine Vagina haben und eine Gebärmutter, in der halt Kinder heranwachsen und wo sie auch wieder heraus müssen. Dennoch ist es nach wie vor beliebt, unsere biologische Existenz mit diversen Mythen zu belegen.

„Männer haben einen Penis und Frauen eine Vagina.“ Ich erinnere mich an diesen Satz aus dem Biounterricht, als hätte ich ihn erst gestern gehört. Kaum einer in der Klasse ist dabei rot geworden oder hat gekichert. Wohl eher dachte jeder: „Ja – und weiter?“ Was unser alter, runzliger Biologielehrer uns „verschwiegen“ hat, waren die Unterscheidung des sozialen und biologischen Geschlechts, die Problematik derer, die entweder biologisch oder psychisch nicht das Geschlecht sein können, das sie sein wollen oder vielleicht komplett asexuell sind. Aber gut, man lernt nie aus und auch in der Schule gilt die alte Fußballregel: „Eine Doppelstunde hat 90 Minuten!“ Vermutlich hätte es uns Unterstufenschüler auch sehr verwirrt, wenn man uns gleich die gebündelte Weisheit über jede Form der Sexualität auf den Tisch geknallt hätte. Weiterlesen