Kategorie: Aus der Redaktion

discutere | Januar 2017

Wir haben uns in der ersten Redaktionssitzung seit über einem Jahr überlegt, welchen Themen wir uns in diesem Jahr im Schwerpunkt widmen wollen.

Foto: FirmBee via pixabay

Wir möchten uns mit folgenden Fragestellungen beschäftigen und sammeln derzeit Ideen:
Die kulturellen Leistungen des Menschen aus der analogen Zeit sind einfach darzustellen, da diese für uns mit diversen Sinneserfahrungen verbunden sind. Allerdings: wie lassen sich die zahlreichen digitalen Errungenschaften so darstellen, dass sie ebenfalls die Sinne ansprechen, um unserem analogen Geist eine Brücke zu bauen?

BuchCover – Goldmann

Beim Wort genommen.
Wir wollen uns die Ratgeberliteratur bzw. diverse philosophische Werke zur Brust nehmen und deren Inhalte beim Wort nehmen, in praktischem Sinne: ausprobieren und das Erlebte beschreiben. Aufhänger ist u.a. das Buch Wer nichts riskiert, verpasst das Leben: Wie ich 365 Mal meine Angst überwand von Noelle Hancock aus dem Goldmann Verlag. Ein stilistisch gruseliges Buch, aber mit einer spannenden Idee. [Wie wir finden]

Was zu einer weiteren Idee führt: einem Projekt dass genau das Grundmotiv des Buches aufgreift. 365 gegen die Angst. Diese, in Form einer wöchentlichen Kolumne, gestaltete Serie startet Anfang Februar mit einem ersten Selbstversuch.

Nun zu unserem größten Diskussionspunkt. Wir wollen das Thema Frau & Mann aufgreifen. Die Kriegsrethorik auf beiden Seiten, das Abwenden zahlreicher voneinander. Dies allerdings ohne zu separieren sondern mit dem Aspekt darauf, dass Mann und Frau einfach zusammen gehören. Und das wollen wir souverän darstellen ohne einfach nur zu wiederholen. Dabei haben wir festgestellt, dass wir oft mit den Schultern zucken. Aus Unsicherheit, weil wir den Streit zwischen Mann & Frau oft nicht verstehen und vieles selbstverständlich ist, was immer wieder eingefordert wird. Gestritten haben wir zudem über den Humor einiger Feministinnen, die gern den Mann auf einen Vibrator in ihrer Handtasche reduzieren würden. Und doch scheint vieles völlig egal zu sein. Es wird schön geredet oder in verschärftem Ton angeklagt. Und doch immer wieder das Achselzucken; na und?! Es scheint alles zur Genüge gesagt. |Wir sind gespannt, wohin uns dies führen wird.

Aktuell läuft im Hintergrund eine Relaunch der Website. Mit dem Layout sind wir vorerst zufrieden. Jetzt wird bei den Beiträgen ausgemistet. Was uns nicht mehr gefällt fliegt raus; alles andere wird überarbeitet.

Wir wünschen viel Vergnügen beim Stöbern und freuen uns über Anregungen.

Die Redaktion

 

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Leonardo da Vinci | taccuino_forster_III | 1490er Jahre

Wir haben verschiedene Formate ausprobiert, die sowohl als Magazin im Web als auch in einer Printversion funktionieren können. Besonders hat uns dabei interessiert, wie wir es schaffen, sowohl tiefsinnige Beiträge zu veröffentlichen, die dennoch dem sich ändernden Leseverhalten Rechnung zu tragen. Wir wollen zudem die Kultur des Fragens beleben, ohne Antworten vorzugeben. Dazu beleben wir das hypómnema  – ein antikes literarisches Genre. Der Begriff setzt sich aus der altgriechischen Präposition Hypo- (ὑπό, unter, nieder) und Mneme (Μνήμη, Erinnerung) zusammen und bedeutet wörtlich ‚niedergelegte Erinnerung‘.

Hypomnemata waren in der Antike Schreibhefte und Notizbücher. Sie dienten als Gedächtnisstützen, waren aber auch persönliche Leitfäden zur Lebensführung. In sie trug man Zitate, Teile von Arbeiten, Aphorismen und Beispiele ein. Aber auch Handlungen, deren Zeuge man gewesen war oder über die man Berichte gelesen hatte, Gedanken und Überlegungen, die man gehört hatte oder die einem selbst in den Sinn gekommen waren. Das Hypomnema bildete ein materielles Gedächtnis gelesener, gehörter und gedachter Dinge und bot diese dem Benutzer als einen angehäuften Schatz zum Wiederlesen und für spätere Meditationen an. Der französische Philosoph Michel Foucault verweist darauf u. a. im Zusammenhang mit Senecas Übungen der Selbsterkenntnis: „In dieser Zeit gab es so etwas wie eine Kultur des persönlichen Schreibens: Notizen zu gelesenen Texten, Gesprächen und Reflexionen, die man gehört oder an denen man sich beteiligt hat; das Führen von (bei den Griechen Hypomnēmata genannten) Notizbüchern über bedeutende Dinge, die von Zeit zu Zeit wiedergelesen werden mussten, um die Erinnerung aufzufrischen.“
Hypomnemata sind nicht zu verwechseln mit Tagebüchern, da sie keine Berichte waren, die der Schreiber von sich selbst gab, sondern eine Zusammenfassung von Sätzen zur Reflexion und Selbstkonstituierung bzw. Selbstbetrachtung.
Zu ihrer eigentlichen Bedeutung gelangten die Hypomnemata in der Spätantike. Sie waren für die Stoiker, aber auch für die ersten christlichen Kirchenväter ein unverzichtbares Instrument der Sammlung, Ordnung, Reflexion und Selbstbetrachtung. Die Schrift ersetzte den Blick des Freundes in der Selbstprüfung.

Bettina Schnerr – Rezensentin & Fachautorin

Bettina Schnerr - Foto:Privat
Bettina Schnerr – Foto:Privat

Ob Papier, Reader, Tablet oder Mobiltelefon: Bücher vertrage ich in jeder Form und habe eigentlich immer eines dabei. Meine Rezensionen veröffentliche ich seit mehreren Jahren im Internet und bin in verschiedenen Communities aktiv.

Meiner Leselust verdanke ich einen persönlichen Rekord von zwischenzeitlich vier Bibliotheksausweisen gleichzeitig. Wie man sieht, bin ich Vielleserin, aber nicht unbedingt Allesleserin: Mein großer Schwerpunkt waren, sind und bleiben Krimis – damit hatte ich als Kind schon angefangen und dieses vielfältige Genre hat mich nie losgelassen.

Seit einiger Zeit bin ich auf literarischer Weltreise und versuche, jedes Land dieser Welt mit je einem Buch zu besuchen. Aus den ursprünglich vorgesehenen 25 Ländern sind inzwischen mehr als 70 geworden, weil mich diese Form der Entdeckungstour nicht mehr loslässt.

Beruflich bin ich als selbständige Fachjournalistin tätig, die auf Themen aus Produktion und Maschinenbau spezialisiert ist.

Zur Zeit lebe ich mit meiner Familie in Tokyo und genieße es, eine neue Kultur und eine neue Sprache kennen zu lernen. In meiner aktuellen Bücherwahl spiegelt sich das übrigens intensiv wieder. Ihre Artikel finden Sie hier.

 

Der März • bild dir nichts ein • a work in progress

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Folgende Beiträge finden Sie in unserer Märzausgabe (eine Auswahl):

Leserbrief an Lawrence Norfolk zu seinem Buch Lemprièrs Wörterbuch

Janosz Rehbaum • Die Kunst des Erzählens über die Kurzweil hinaus • Ein Gedankengang

Eine //Lit\\ Kolumne zu Christine Böers Buch „Darf ich Sie zeichnen?“

Maria Aronov stellt Ihnen Sultan Süleyman vor. Sein Leben und seine Gedichte.

anatol knotek – konkrete & visuelle poesie, textinstallationen & konzeptkunst – Ein Porträt

Die Autorin Alma Johanna Koenig

Paul Klee • In der Luft über dem Wasser • Randbemerkungen über seine Handzeichungen

Paul Klee und seine Handzeichnungen • Eine Galerie

Im Zauber des Lichts – Hitorische Fotografie aus den 1940er Jahren

Jurek Beckers Neuigkeiten – Aus der Reihe: Wörterbuch-Roman

Reinhard Johannes Sorge – Eine Auswahl seiner Gedichte

Franz Kafka • Betrachtungen über Sünde, Leid, Hoffnung und den wahren Weg

Der Barcode in der Kunst

Rainald Goetz – Fleisch – Eine Begehung

Der Tango • Klabund Die Lausitz und die Pariserinnen – …

Daniel Barbiero  • Die Anamnesis von Platon • musikalisch interpretiert

Ursula Poznanski- Erebos – Eine Rezension

Bosse – Engtanz – Eine Begehung [Erstveröffentlichung: 12. Februar 2016]

Arndt – Mein Besuch bei einer Amsterdamer Hure

Sybille Pauli über Reisebücher aus einer Zeit, wo jede Exkursion eine echte Herausforderung war:
Alma Johanna Koenig,
Annemarie Schwarzenbach,
Mark Twain,
Walter Benjamin…

Wir stellen Ihnen das Buch „Der lyrische Bass“ vor, dass am 18.03. im Verlag mannstreu erscheint.

Texte  und Leben des polnischen Autors Stanislaw Przybyszewski

Hat der Feminismus die Liebe kaputt gemacht? Eine Kolumne in Bezug eines Artikels in der „bild am sonntag“  und der Reaktionen einiger Feministinnen darauf.

„Kein Talent zum Tellerwäscher“ – Autobiografie Eric Godal – Eine //lit\\ Kolumne von Janosz Rehbaum

Über Ariadne von Schirach und ihre Bücher: Du sollst nicht funktionieren & Der Tanz um die Lust – Janosz Rehbaun

Erzählungen und Novellen:
Friedrich Glauser – Der alte Zauberer

Paul Scheerbart • Krebsrot • Ein Herren-Scherzo

 

Ich wünsche Ihnen besinnliche Weihnachtstage

Liebe LeserInnen und AutorInnen,

welchen Glauben Sie auch in sich tragen: ich wünsche Ihnen Muße die Weihnachtstage besinnlich, friedlich und genussvoll zu genießen.

Ebenso möchte ich mich bei Ihnen für Ihre Lesetreue und die vielen Anregungen und Beiträge bedanken. Im neuen Jahr warten viele Neuerungen auf Sie.

Oliver Simon

Nun eine Weihnachtsgeschichte von Herman Löns. Mal etwas anderes.

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Puck Kraihenfoot • Hermann Löns.

Ganz hinten in der Heide, wo sich Fuchs und Has im Mondschein begegnen, liegt ein ganz barbarischer Heidberg.

Oben auf seinem Kopfe steht eine großmächtige Fuhre, die größte weit und breit. Man kann sie weit sehen, und die Bauern richten sich nach ihr, wenn sie über die Heide fahren.

In ihrer Krone horstet der Rauk, der große Rabe, in ihrem Stammloch brütet der Schwarzspecht, unter ihren Wurzeln hat die giftige Schnake ihr Schlupfloch. Und da wohnt auch Puck Kraihenfoot.

Puck Kraihenfoot ist ein einschichtiger Schwarzelb. Er ist einen Fuß hoch, hat ein grünes und ein rotes Auge, gelbe Mausezähne, einen langen, flechtenfarbenen Bart, eine Nase wie eine Hagebutte, Finger wie ein Kateiker und Füße wie eine Krähe.

Er trägt einen knallroten, etwas verschossenen Mantel mit hoher spitzer Kapuze, der ihm bis auf die Vogelfüßchen reicht. Die Füßchen aber sieht man nicht, denn er schämt sich sehr darüber und trägt im Winter lange Stiefel und im Sommer Schuhe und Gamaschen.

Im Sommer hat er es gut. Da sitzt er auf der mittleren Fuhrenwurzel, die er schon ganz blank gescheuert hat, spielt auf einer Flöte, die er aus einem weißen Hasenknochen gemacht hat, ganz merkwürdige Weisen, oder er schmökt aus einem Krähenschädel, in dem ein Reethalm steckt, getrocknete Postblätter.

Wenn er Besuch von anderen einschichtigen Elben bekommt, zum Beispiel von Niß Pogg vom Steingrab ober von Peter Wipp aus dem Dübelsmoor, dann läßt er etwas draufgehen. Dann müssen die Grillen fiedeln. Die Glühwürmer illuminieren die Wurzelstube, die Heidlerchen tragen Lieder vor, die Poggen bilden den Chor, und Puck Kraihenfoot und seine Gäste dudeln sich im süßen Bickbeermost und herben Moorbeersekt ganz gehörig einen an.

Im Winter aber wohnt Puck nicht unter der hohen Fuhre am hellen Berge. Er ist alt und etwas frosterig, und dann ist es ihm auch zu langweilig da. Er zieht dann zu einem Bauern. Hat er es da gut, dann kann der Mann sich freuen. Dann bollwerkt im Sommer darauf der Buchweizen nur so, der Roggen trägt doppelt, die Immenstöcke laufen über, keine Kuh verkalbt und kein Schwein kriegt das wilde Feuer.

Sind die Leute zu ihm aber nicht gut, dann geht es ihnen leege. Dann dreht er den Hühnern und Gänsen den Kragen um, ängstigt das Vieh im Stall, bis es sich kaputtschlägt, bläst die Pferde an, daß sie die Brustseuche kriegen, läßt die Bruten im Immenstock faulen, peitscht nachts den Buchweizen, bis er braun wird, knickt die Bodenleitern ein, streut der Katze glühende Kohlen in das Fell, daß sie vor Angst in das Heu läuft, und macht sonstigen Unfug.

***

Nun ist es Wintertag. Auf der Heide liegt der Schnee. Die Machangelbüsche sehen wie lauter Schneemänner aus, und die Fuhren haben weiße Hemden an. Die hohe Fuhre auf dem hellen Berge sieht aus wie ein großer weißer Schirm.

Es ist Mittagszeit, aber es ist schneidend kalt. Der Wind steht von Nordost. Auf der weißen Heide ist ein dunkler Fleck sichtbar. Das ist der Fuchs, der will zum Dorfe, vielleicht daß es ihm glückt, einen alten Knochen oder einen Heringskopf zu erwischen. Er schnüffelt auf dem Schnee herum, da, wo er die Geläufe einer Krähe sieht. Aber da fährt er zurück, sein Rückenhaar sträubt sich, und mit eingeklemmter Rute schnürt er zum Holze zurück.

Es war nämlich Puck Kraihenfoots Spur, in der Reinecke herumgeschnüffelt hatte, und die hat eine Witterung, die kein Tier verträgt. Das ist noch schlimmer als Franzosenöl.

Ja, Puck Kraihenfoot ist heute vom Dorfe gekommen, und fuchsteufelswild war der Kleine. So wild, daß er ganz vergessen hatte, seine Stiefel anzuziehen, die er in die Haferlade gelegt hatte, in der er nachts schlief.

Es war einmal wieder zu schlimm gewesen auf Thormanns Hof. Der Bauer hatte in einem fort gelärmt und geknurrt, und die Guste hatte vor sich hingeweint. Das ging nun schon wochenlang so, und wenn Puck die Guste nicht so gern hätte leiden mögen, dann wäre er schon wo anders hingezogen.

Die Guste hatte einen Liebsten, einen jungen frischen Kerl, und der Alte wollte, sie sollte einen Witwer heiraten, der einen ebenso großen Hof hatte wie Thormann. Und deswegen gab es nun Tag für Tag Ärger im Haus.

Puck Kraihenfoot saß brummig auf der hohen Fuhre, rauchte seinen Post aus dem alten, schön angebräunten Krähenschädel und überlegte, was sich machen ließe. Mit Gewaltmaßregeln, das sah er ein, war hier nichts zu machen. Der Alte war hart wie ein eichener Klotz. Puck hatte ihm neulich ein Bein gestellt, und der Alte war mit dem Kopfe an den Dössel geschlagen, daß es nur so brummte, aber als er wieder zu sich kam, hatte er nur noch mehr spektakelt.

Der Kleine seufzte. Dann faßte er in die Tasche seiner Kutte, holte eine Flöte heraus, aus dem Reißzahn eines Dachses gemacht, und pfiff zweimal darauf. Dann setzte er sich wieder hin und wartete.

Nach einigen Minuten tauchte links ein hellblauer Punkt auf und rechts ein gelber. Die kamen näher, und es waren Niß Pogg und Peter Wipp. Ernst und gemessen näherten sie sich ihrem Freunde, verbeugten sich, reichten ihm die Frosch- und Maulwurfshände, sprachen erst vom Wetter, von dem hohen Schnee, von ihren Winterquartieren bei den Bauern und fragten schließlich Puck, weshalb er sie gerufen habe.

Da erzählte er ihnen die Geschichte von Guste Thormann und Hinrich Grönebusch und fragte sie, was er machen solle. Ganz ausführlich legte er ihnen alles dar und schloß seine Rede: »Leewe Frünne, hört to, ick roope: Wo kreeg ick de beiden Minschen tohope?«

Peter Wipp legte erst das Maulwurfshändchen an die spitze, schnüffelnde Nase und überlegte. Dann senkte er die gelbe Kapuze und sah auf seine Entenfüße. Endlich sprach et: »Min leiwe Fründ Puck Kraihenfoot, hör too, wat ick segg, min Rat is got. Breck ehm den Kragen, smit em up’n Schragen. Is de Ohle weege, kümmt alles in ne Reege.«

Niß Pogg nickte, daß seine blaue Kapuze hin- und herwippte, schlug sich mit den Froschhänden auf die Knie und rief: »Peter Wipp sin Snack is got, is de Ohle erst kalt und dod, is de Ohle weege, kümmt alles in de Reege.«

Puck Kraihenfoot aber schüttelte seine rote Kapuze und erwiderte: »De Snei is witt und Bloot is rot, und witt und rot dat lät nich got.«

Da saßen sie wieder lange Zeit und überlegten. Und schließlich kam ihnen ein Gedanke. Sie standen auf, zogen ihre Kappen herunter, und der Platz unter der Fuhre war leer.

***

Auf Thormanns Hof ging der Bauer in der Dönze auf und ab und sah ab und zu grimmig nach seiner Tochter, die mit rotverschwollenen Augen Kartoffeln schälte. Ihm war recht ungemütlich zu Sinne. Brummig ging er an das Bört, langte seine Pfeife herab und ging nach dem Fenster, wo der Tabakskasten stand. Als er danach griff, hörte er leise etwas kichern, und der Tabakskasten fiel vom Fensterbrett und gerade in den Eimer, in den Guste die Kartoffeln tat.

»Dübel,« rief der Bauer, »nu mott ick noch in‘ Kraug, dat is all wedder de ohle Puck wesen.« Er setzte die Mütze auf, nahm seinen Stock und ging ab. Als er über den Hof ging, hörte er es über sich lachen. Da saß Niß Pogg, sein Hauspuck, in der Giebelluke, schlenkerte mit den rotbestrümpften Beinen und rief vergnügt: »Hie Niß‘ eene Been, da Niß‘ annere Been.«

Zu derselben Zeit saß Hinrich Grönebusch zu Hause und stützte den Kopf in die Hand. Seine alte Mutter sah ihn mehrmals von der Seite an, sagte aber nichts. Der Tranküsel schwelte. Da stand Mutter Grönebusch auf und langte nach dem Ölkrug. Als sie ihn eben in der Hand hatte, fühlte sie einen kurzen kalten Schlag auf der Hand und ließ den Krug fallen.

»Wat hebb ick mi verjaget,« rief die Frau. »Hinrich, du schast man beeten na’n Krauge gahn, dat du up annere Gedanken kummst. De Kräuger kann mi dör sine Lüttje ook’n Pott Ölje schicken.«

Hinrich zog die Jacke an, setzte die Mütze auf und ging auf den Hof. Er wollte die Lüttjemagd nach dem Kruge schicken. Er selbst hatte keine Lust. Aber als das Mädchen eben fort war, hörte er sie kreischen, und sie kam, weiß wie ein Laken, herein und sagte, sie ginge nicht, Peter Wipp sei ihr als feuriges Rad über den Weg gelaufen und habe gerufen: »Gahste Mäken, den Hals schaste breken.«

Da ging Hinrich Grönebusch selber, und in der Giebelluke saß Peter Wipp, bummelte mit seinen grünstrümpfigen Beinen und rief: »Hie Peters eene Been, da Peters annere Been.«

Im Kruge ging es hoch her. Thormann war da. Hausteufel, Wirtschaftsengel, konnte man von ihm sagen. Hatte er zu Haus Ärger gehabt, dann gab er einen aus. Bei ihm saß der Schneider und trank schon den achten Kümmel.

»Süh, Thormann, da kümmt din Swiegersohn,« lachte der Schneider.

»Swiegersohn? ick fleitje up so’n Swiegersohn. Eh’r nich be grote Fuhre vom hellen Berge up min Hofe steiht, kümmt de nich als Swiegersohn rup.«

Grönebusch hatte eine heftige Erwiderung auf der Zunge, aber da hielt ihm etwas Kaltes den Mund zu, und eine Stimme, die genau so wie seine eigene klang und von der man nicht wußte, ob sie von dem Boden oder aus dem Keller kam, rief: »Schall dat’n Wort sin?«

»Wisse,« rief der Bauer, »wenn Wihnachten de grote Fuhre up min Hofe wassen deiht, schall Grönebusch use Guste hebben,« und dabei streckte er die Hand hin.

Dem jungen Bauern paßte der Scherz nicht. Aber eine unsichtbare Gewalt riß seine Hand nach vorne und drückte sie in die harte Hand des Alten. Der Schneider schlug durch und rief: »Da lur up,« bekam aber in demselben Augenblick einen so furchtbaren Nasenstüber von unsichtbarer Hand, daß er ganz nüchtern wurde und schleunigst abschob. Hinter ihm her aber rief aus dem Giebelloch eine dünne Stimme: »Snider, Supuus, wut du woll to Hus.«

***

Am hellen Berge war die Nacht ein seltsames Leben. Das Rotwild, das aus der Forst auf die Feldmark austreten wollte, verhoffte und sicherte, denn ein seltsames Klingen kam durch die Luft. Und von allen Ecken kamen heran die Pucks aus Moor und Heide, Geest und Bruch, in gelben, weißen, blauen, roten, grauen, grünen, schwarzen Kutten, und ihre Enten- und Krähen- und Gänsefüße traten sonderbare Spuren in den Schnee.

Unter der großen Fuhre aber stand Puck Kraihenfoot und rief: »Ick mot trecken, helpet mi, Wenn ju treckt, bün ick ok d’bie.«

Da faßten sie alle zu, der Schnee knirschte, die Eiszapfen rasselten von den Zweigen zu Boden, und dann hörte man es rauschen und schleifen, und eine große Schneewolke zog vom hellen Berge nach Thormanns Hof.

Auf dem Hofe aber verkroch sich winselnd mit eingezogener Rute Wasser, der Hund, in seiner Hütte. Denn es war da ein Gewimmel und ein Rennen kleiner Leute, daß es ihm unheimlich war.

Als morgens der alte Futterknecht über den Hof ging, um Wasser aus dem Soot zu pumpen, lief er gegen etwas an. Er sah an dem Baum in die Höhe, rieb sich die Augen, brummte und weckte dann den Bauern. Der stieg trotz seines schweren Kopfes eiliger als sonst in die Hosen, zog die Jacke über und ging auf den Hof. Als er den Baum sah, der da schwarz in der grauen Dämmerung stand, fröstelte ihn, und er sah ängstlich nach der Giebelluke. Da saß Puck Kraihenfoot, bummelte mit den langbestiefelten Beinen und rief mit seiner dünnen Junghahnenstimme: »Verwett‘ is verwett‘, steiht min Bom da nich nett? Bur, dat is kin Drom, dat is de Guste ehr Weihnachtsboom!« – –

Das ist lange her; aber heute noch ist Thormanns Hof in der ganzen Heide der einzige, dessen Hofbusch aus Fuhren besteht. Auf allen anderen stehen Eichen. Und die Hausmarke der Grönebuschs genannt Thormanns ist der Krähenfuß im Dreieck. Das Dreieck aber soll die Tarnkappe Kraihenfoots sein.

Erich Ruhl – Lyrik und Audio

Erich Ruhl – Lyrik und Audio

ErichFfmKlassikQUADRAT400mal400Erich Ruhl. Schriftsetzer, Journalist, Pressesprecher. Nebenberuflich/freiberuflich: Studiosprecher. Film-Voice-Over, Lesungen, Lyrik-Audio, Sachbuch-Audio, Belletristik-Audio, Newspaper-Podcast, Website-Audio, Blog-Audio, E-Paper-Audio, Powerpoint-Audio, Trailer-Audio, Claims. Hauptberuflich: Leiter Stabsstelle Kommunikation/Presse in einer Verwaltung (800 Beschäftigte/80 Sachgebiete).
Wohnhaft in Lauterbach bei Fulda und in Oberursel bei Frankfurt/Main.

Seine Beiträge im Magazin finden Sie hier.

Erich Ruhls Audiobeiträge finden Sie auch auf seinem Profil bei audiyou,de

trennlinie2Hier einige der Fotos zu Erich Ruhls Beiträgen. Wenn nicht anders vermerkt: © Erich Ruhl

Joshua Meunier – Kunsthistoriker

Joshua MeunierDr. Joshua Meunier – Jahrgang 1965 – ist Dozent für Kunstgeschichte in Antwerpen, Belgien. Er stammt aus Clermont-Ferrand in Frankreich. Seine Mutter ist Franzose, der Vater stammt aus Freiburg i. Breisgau.
Meunier spricht vier Sprachen fließend u.a. Deutsch. 2016 veröffentlicht er sein erstes Buch über experimentelle Kunst aus den Benelux-Staaten.

Dr. Meunier spielt in seiner Freizeit Schach, ist ein erfolgreicher Kanute und liebt Lyrik.

Maria Aronov – Lyrik, Gesellschaft & Geschichte

Foto: Privat
Foto: Privat

Maria Aronov wurde 1983 geboren und studierte in Kassel Sprach- und Literaturwissenschaften,  sowie Deutsch als Fremdsprache  und Philosophie. Im Jahr 2008 schloss sie ihr Studium erfolgreich ab und ist seitdem als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache tätig.
Ihr größtes Hobby ist Gedichte zu schreiben, und das bereits seit ihrer Kindheit.

Oliver Simon ♣ Herausgeber // Redakteur // Autor

Oliver-SimonOliver Simon – Herausgeber dieses Magazins – hat das, was man wohl einen bunten Lebenslauf nennen könnte: Schulversager, Hotellehre, selbstständig mit einem Bistro inkl. Kleinkunst und LiveMusik, einem Teeladen. Manchmal arbeitet er als freiberuflicher Dozent in der Erwachsenenbildung. 2016 startet sein Verlagsprojekt „mannstreu“. Er lebt in der Nähe von Lüneburg, ca. 800 m Luftlinie von der Elbe entfernt. In seiner Freizeit unterrichtet er Kleinkinder in musikalischer Früherziehung, macht Linolschnitt, spielt Cajon & Kontrabass.

Dr. Kurt Ganser | Ein Wörterbuch-Roman

Dr-Kurt-GanserDr. Kurt Ganser, Jahrgang 1964, ist Richter an einem Gericht im Norddeutschen. Dr. Ganser schreibt regelmäßig im Online-Magazin „der blaue ritter“. Er beschäftigt sich privat mit unserer Geschichte (Schwerpunkt Neuere Geschichte) und seit vielen Jahren mit Marie-Luise Kaschnitz. Kurt Ganser betreut das „Wörterbuch-Projekt“. Es ist sein erstes Buchprojekt. Privat liebt Dr. Ganser es, in „seiner“ Donnerstagsrunde am Stammtisch eines Bistros mit Gleichgesinnten über aktuelle Entwicklungen, Literatur und Musik zu philosophieren. Sein Lieblingsgetränk im Sommer: Weißweinschorle – im Winter Tee.

Janosz Rehbaum – Philosoph, Antiquar & Sammler

Jonas-Rehbaum_neu_IllJanosz Rehbaum wurde in Breslau geboren und wuchs in München auf. Er studierte Germanistik & Philosophie in Heidelberg und Tel Aviv und war lange Jahre zu Forschungszwecken für das Goethe-Institut in diversen Ländern unterwegs. Seit 2009 lebt er in Bern, Schweiz. Janosz Rehbaum betreibt dort ein kleines Antiquariat und arbeitet als Sachverständiger. Einer seiner Lieblingsfilme ist „Die neun Pforten“ und wünscht sich immer mal wieder auch ein solches Leben zu führen. Allerdings ohne die Unmengen von Alkohol. In seiner Freizeit widmet er sich dem Paragliding.

Ab 2016 wird er seine Aktivitäten im Magazin ausbauen und betreut die Buchprojekte Weltenschöpfer & Der Zweizeiler.

Dr. Peter Jensen – Psychotherapeut & Heilpraktiker

Dr-Peter-JensenDr. Peter Jensen studierte im westfälischen Münster Psychologie. Seit 2008 lebt und arbeitet er  – nach der Hochzeit mit einer Norwegerin – er in Bergen, Kongeriket Norge. Bis zu seiner Auswanderung arbeitete Jensen in verschiedenen Krankenhäusern. In Norwegen ließ er sich zusätzlich zum Heilpraktiker ausbilden und ist mit reiner eigenen Praxis selbstständig. Sein Schwerpunkt: der Zusammenhang von Ernährung und Psyche. Derzeit arbeitet Dr. Jensen an einem Buch zum Thema Körpertherapie. In seinen Beiträgen im Magazin widmet er sich den Themen Geist & Seele.

Paul Richter – Kolumnist Pauls Tagebuch

Pauls Tagebuch - Illustration: Stefan Otte
Pauls Tagebuch – Illustration: Stefan Otte

Paul Richter hat bis zu seiner Pensionierung in der Verwaltung des Landkreises Saarlouis gearbeitet. Über die Bekanntschaft mit unserem Autor Dr. Kurt Ganser hatte er die Idee, Auszüge aus seinen Tagebüchern im Magazin zu veröffentlichen und als Endziel ein Lebensbild zu zeichnen, welches ihn – so hofft er – selbst überrascht. Wenn das Ergebnis funktioniert,  wird es dazu in Zusammenarbeit mit Dr. Ganser und Janosz Lehmann ein multimediales Lesebuch entstehen. Inhalte von Pauls Tagebuch sind sowohl autobiografisch als auch Gedanken über das Weltgeschehen.

Johann Thieme – Kolumnist Karriere & Berufsfindung

Johann ThiemeJohann Thieme arbeitete 6 Jahre als Jobcoach in Hamburg. Dann hat er sich neu erfunden und wechselte in die Krreativbranche. Das alte Betätigungsfeld beschäftigt ihn allerdings freiberuflich weiterhin, daher verfasst er im Magazin Kolumnen rund um die Themen Berufsfindung, Bewerbung, Karriereplanung. Johann Thieme lebt mit seiner Familie in Hamburgs östlichem „Speckgürtel“.

Hubertus Dresbur – gesund und lecker essen

Hubertus_DresburRHubertus Dresbur (Jg. 1970), lebt in Essen. Nach dem Studium der Ökotrophologie in  Kiel und den USA  schloss Hubert Dresbur seine Promotion 1996 ab. Thema: Vegetarische Ernährung. Es folgten wissenschaftliche Projekte am Bundesgesundheitsamt Berlin, und eine Tätigkeit in der Kinderklinik sowie der Diabetes- und Adipositasambulanz der Universitätsklinik Heidelberg. Seit 2002 arbeite er freiberuflich in verschiedenen Kliniken im Ruhrgebiet.

Hubert Dresbur arbeitet im Bereich Essstörungen nach dem „Anti Diät“ Ansatz oder mit Hilfe von verhaltenstherapeutischen Programmen für Erwachsene und Kinder mit Übergewicht. Aufgrund der  Kooperation mit Ärzten hat sich der Bereich der Nahrungsunverträglichkeiten zu einem Schwerpunkt entwickelt.
Hubert Dresbur schreibt über Ernährungsumstellungen, Lebensmittelunverträglichkeiten und liefert gesunde Rezepte aus seiner Praxis. Seit Kurzem stellt die Ernährung bei Menschen mit Körperbehinderung und Querschnittlähmung eine neue Herausforderung für ihn dar.

Peter Blossfeld – Sammler von Comics und graphischer Lektüre

Peter_Blossled_IllPeter Blossfeld ist im Hauptberuf Finanzbeamter in Rheinland Pfalz.  Vermutlich durch seinen Vater inspiriert beschäftigt sich unser Autor seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Comics und graphischen Werken. Er kennt jede bedeutende Fachmesse aus dem effeff und hat – geschätzt – zweieinhalbtausend Comics. Darunter auch zahlreiche Erstausgaben. Um sich diese finanziell leisten zu können hat Peter Blossfeld das Spekulieren an der Börse gelernt. Sein besonderes Interesse gilt den Comics und graphischen Werken Nord- und Osteuropas.

Konrad Kollek – Musik, Musik, Musik

Konrad KollekRGeboren in München zu Beginn der  1960er Jahre – studierter Historiker & Politikwissenschaftler –  engagierter Hobbymusiker (Klavier) – jüdisch und seit 1998 aus beruflichen Gründen in Melbourne/Australien lebend. In meiner Kolumne erzähle ich von meiner Leidenschaft, der Musik. Ein Part wird sein, dass ich Ihnen mein monatliches Hörprogramm vorstelle. Musikalben, die ich in dem vergangenen Monat gehört habe; egal ob aus meiner Sammlung oder frisch eingekauft. Der Schwerpunkte liegen dabei auf Klassik, Jazz & Weltmusik.

Ein Jahr Cats Couch – ein Gespräch mit unserer Kolumnistin Katherina Ibeling

Das Magazin „der blaue ritter“ gibt es nun seit Juli 2014. Seit dem 13.September des Jahres schreibt auch Katherina Ibeling Ihre Cat-Kolumnen für uns. Und darüber bin ich sehr froh und dankbar. Ihre Texte sind anregend, laden ein sich zu hinterfragen & bringen neue Ideen für den eigenen Lebensweg.

Anker1250
Zum einjährigen Jubiläum haben wir unserer Kolumnistin ein paar Fragen gestellt, damit Sie, liebe LeserInnen, Cat noch ein bisschen besser kennenlernen. Viel Vergnügen beim Lesen. All Ihre Kolumnen finden Sie auch hier.

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Was waren für Dich in den letzten 365 Tagen die Highlights?

Manchmal ässt Inspiration auf sich warten. Egal- "Show must go on!"Eigentlich hatte ich die Kolumne für den „Blauen Ritter“ damals nur als Experiment angefangen, um das „freie Schreiben“ neben der PR-Redaktionsarbeit nicht ganz aufzugeben. Insofern ist es ein Highlight für mich, dass es sie tatsächlich schon seit einem Jahr gibt und mir nicht die Ideen ausgegangen sind. Eine Besonderheit war und ist für mich die Freiheit, ein Forum für Kurztexte zu haben, deren Themen ich komplett nach eigenem Ermessen wählen kann – ob „Frauenthemen“ für Männer aufbereitet ( Cats Couch), generelle Fragen, die mich faszinieren (Cats Gedankenwelt) oder spezielle Medienthemen (Cats Medienkommentar) , da ich ja auch sonst in den Medien arbeite.

Was bedeutet Schreiben für Dich?

Devil1250Schreiben hat für mich viele Facetten. Ich bin Berufsschreiberin, wenn man so will, und habe im Verfassen von Branchen- und Produkttexten inzwischen eine gut funktionierende Routine. Das ist wiederum ein anderes Schreiben als Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel, die ein anderes Publikum ansprechen soll. Das Schreiben eines Buches, wo ich nicht so recht weiter komme zurzeit, ist noch eine ganz andere Dimension. Was die Kolumne betrifft, so ist sie in etwa mein „Ventil“, um das zu verarbeiten, was mehr oder weniger direkt meinen Alltag beeinflusst. Ich könnte also sagen: Schreiben ist hier eine Form der Bewusstwerdung, eine Art Spiegelung des Lebens.

 Gibt es ein Thema für Dich, worüber Du gern schreiben würdest aber es noch nicht angegangen bist?

Karussell1250An erotische Themen habe ich mich bisher nicht so recht herangetraut, ebenso wenig an Spirituelles. Einfach, weil ich finde, dass beides etwas sehr Privates und Intimes ist, womit man sich als Kolumnistin ziemlich in die Nesseln setzen kann. Jeder liebt, lebt und glaubt anders – deshalb ist es unheimlich schwierig, in diesem Bereich Leserinnen und Leser anzusprechen, ohne dass ich das Gefühl hätte, ihnen zu viel „reinzureden“. Ansonsten gibt es sicher Tausende Themen, die ich noch nicht textlich umsetzen konnte – die Impulse kommen einfach spontan; durch ein Gespräch, einen Ort, eine Alltagssituation …

Gibt es für Dich Vorbilder als Autorin?

Glastonbury1250Ich sehe mich ehrlich gesagt noch nicht recht als Autorin, da ich bisher die meiste Zeit in der Rolle der Leserin und Lektorin verblieben war; bei Letzterem pausiere ich aus Zeitgründen. Ich finde, die Kolumnen haben eher etwas einer Momentaufnahme als von einem zusammenhängenden Stück Literatur – aber da bin ich wohl auch eher konventionell geprägt. Als Leserin bin ich immer ein wenig „Anti-Mainstream“. Nicht absichtlich, aber viele Bestseller liegen mir einfach nicht – thematisch, oder vom Schreibstil. Für mich gehört Edgar Allan Poe zu den „Großen  der Literatur“ – überhaupt etwas tiefgründigere Thriller- und Mystery-Literatur, unabhängig von der Entstehungszeit. Auch Fantasygeschichten wie „Der Herr der Ringe“ von Tolkien oder die Serie „Das Schwert der Wahrheit“ (kenne ich nur in Filmform) faszinieren mich. Überhaupt bewundere ich die Autoren, die es schaffen, große und mehrschichtige Gefüge in Handlung und Charakteren zu einem stimmigen Puzzle zusammenzusetzen – wie Marion Zimmer Bradley, Schöpferin der Avalon-Trilogie. Ich denke einfach, da den Überblick zu behalten, ist schriftstellerisch eine Leistung.

Hast Du Pläne für Kolumnenthemen und andere Veröffentlichungen?

Maya1250In den nächsten Wochen und Monaten würde ich gerne wieder mehr Autoren- und Künstlerinterviews in Angriff nehmen – wer dafür in Frage kommt, wird sich zeigen.  Ich sehe mich sowohl in der Kolumne als auch bei anderen Texten vor allem als Fragende, Neugierige und nicht als die, die alle Antworten kennt. Das werde ich auch weiter tun – mich mit Fragen beschäftigen und mögliche Lösungen suchen. Derzeit versuche ich mich an einem eigenen Roman – allerdings wird das noch ganz schön lange dauern!

Was macht für Dich eine gute Kolumne aus?

Mira1250Für hat eine gute Kolumne vor allem drei Grundpfeiler: Authentizität, Argumentation und Neugierde. Damit ich als Leserin zum Beispiel anderen Kolumnisten etwas glauben kann, muss sich ihre Überzeugung im Text zeigen. Weiterhin lassen sich keine „Wahrheiten“ pauschal festlegen – eine Kolumne ist und bleibt für mich eine subjektive Textform. Wer überzeugen will, muss also argumentieren. Dabei lohnt es sich, immer neugierig zu bleiben und eine Sache auch mal von einem anderen Blickwinkel zu beleuchten, Vergleiche zu suchen … eben einen Kontext finden! Zuletzt gilt   meiner Meinung nach das Gleiche wie bei allen Textformen: Wer veröffentlicht, sollte einen (für sich) stimmigen Stil finden, sonst wirkt das Ganze leicht gekünstelt.

Was wären Deine Wünsche für das nächste Jahr „Cats Couch“- und was erwartet Deine Leser?

yWas genau das nächste Jahr bringen wird, kann ich nicht genau sagen – vielleicht werde ich neue Themenbereiche für mich entdecken, je nachdem, welche Facetten das Leben mir zeigt. Wenn es mir gelingen sollte, mit meinem Roman „weiterzukommen“, werde ich die eine oder andere Leseprobe liefern. Mir schwebt schon lange eine „Büro,Büro“ Serie mit lustigen „Wörterbucheinträgen“ aus dem Büroalltag vor. Da das alleine nicht zu stemmen ist, wären dafür allerdings Mitstreiter notwendig. Was ich mir wünsche? Dass meine Artikel (weiterhin) gut bei den Lesern ankommen – und auch von diesen einmal Themenvorschläge, Fragen oder Kommentare kommen. Das ist schließlich das, wovon Social Media lebt!


Liebe Katherina, vielen Dank für die vielen tollen Texte. Wir freuen uns auf viele weitere.

Oliver Simon

Dr. Karola Hinsche – Ärztin, Forscherin, Historikerin

Karola Hinsche - Foto:Privat
Karola Hinsche – Foto:Privat

Dr. Karola Hinsche, geboren in Potsdam, arbeitete 6 Jahre als Ärztin in einem Magdeburg Krankenhaus. Nach der Geburt Ihrer Tochter zog sie nach Leipzig und arbeitet nun in Lehre und Forschung. Privat beschäftigt sie sich mit der Entwicklung der Medizin: von der Alchemie bis Heute.

Insbesondere beschäftigt sich Karola Hinsche mit  Pionierinnen  in Forschung & Medizin, wie Madame Curie & Franziska Tiburtius..

Anike Pool – Mannsbilder & die Welt der Lesben

Anike Pool - Illustration: Stefan Otte
Anike Pool – Illustration: Stefan Otte

Anike Pool, 34, stammt aus Kaiserslautern und wohnt seit ihrem 11 Lebensjahr in Utrecht, Niederlande. Sie arbeitet in einer Buchhandlung nahe der Uni.
„Als die Idee entstand etwas über Mannsbilder im Magazin zu machen, fand ich dies zunächst amüsant. Denn ich bin das, was man landläufig als lesbisch bezeichnet. Vielleicht liegt darin aber auch wieder ein Reiz, denn ich finde Männer unästhetisch. Sie locken mich nicht. Daher habe ich vielleicht einen anderen Blick. Männer, die ich ausgewählt habe, finde ich nicht schön; es ist eher die Bildsprache. Ich bin selbst gespannt, wohin das Experiment führt.“

Arndt Brummer – Kolumnist über die neue Sexuälität des reifen Mannes

Arndt Brummer
Arndt Brummer –

Arndt Brummer ist in den frühen 40ern und lebt im Odenwald. Er arbeitet als Bürokaufmann und ist leidenschaftlicher Bogenschütze – Kyūdō. Arndt ist derzeit im verflixten 7ten seiner sexlosen Jahre. Nach einer Psychotherapie hat er sich entschlossen, seine Sexualität neu zu entdecken. Daran lässt er uns teilhaben – selbstverständlich jugendfrei.

Unser Kolumnist hat sich dazu entschlossen, keine Tabus zu kennen – und hofft, dass alles gut geht. Jedenfalls ist er fest entschlossen als Endziel eine Lebensgefährtin zu finden,dieihn nicht wieder abspeist mit: „Ach Schatz, Sex ist doch völlig überbewertet, oder?“

Ein Experiment – Anike Pool betreut Mannsbilder & Mann oh Mann

Anike Pool - Illustration: Stefan Otte
Anike Pool – Illustration: Stefan Otte

Anike Pool, 34, stammt aus Kaiserslautern und wohnt seit ihrem 11. Lebensjahr in Utrecht, Niederlande. Sie arbeitet in einer Buchhandlung nahe der Uni.

„Als die Idee entstand etwas über Mannsbilder im Magazin zu machen, fand ich dies zunächst amüsant. Denn ich bin das, was man landläufig als lesbisch bezeichnet. Vielleicht liegt darin aber auch wieder ein Reiz, denn ich finde Männer unästhetisch. Sie locken mich nicht. Daher habe ich vielleicht einen anderen Blick. Männer, die ich ausgewählt habe, finde ich nicht schön; es ist eher die Bildsprache. Ich bin selbst gespannt, wohin das Experiment führt.“

Cat – Kolumnen & Interviews

Immer nach Vorschrift essen? Wie langweilig ,,,
Immer nach Vorschrift essen? Wie langweilig ,,,

Katherina ist die Erfinderin und Autorin der Kolumne „Cat’s Couch“. Hauptberuflich arbeitet sie bei einer mittelständischen Medienagentur, die verschiedene Lokal-, Wirtschafts- und PR-Publikationen in Umlauf bringt. Sie ist 28 Jahre alt und liebt es, zu schreiben und zu lesen – ob beruflich oder privat. Dabei versucht sie, das Besondere aus dem Kleinen, dem täglichen Leben, zu ziehen.

Ihr Spitzname „Cat“ rührt nicht nur vom Namen her, sondern auch, weil sie Tiere, vor allem Katzen, über alles liebt und alles sammelt, was mit Katzen zu tun hat. Sie lebt mit ihrem Freund und zwei Katzen eigentlich in NRW, ist aber beruflich die Woche über im Norden unterwegs. Für den „Blauen Ritter“ bereitet sie zudem Interviews und Kontakte zu Autoren von Moon House Publishing und Mondschein Corona Verlag vor, wo sie auch lektoriert. Cat ist als Mitglied und Lektorin in der Gruppe „Autoren stellen Leseproben“ präsent, solange noch Zeit dafür bleibt.

Ihre Artikel finden Sie hier. Die – selbst geschossenen – Fotos zu Ihren Kolumnen gibt es hier.

trennlinie2Katherina Ibelings Antworten auf den von Marcel Proust inspirierten Fragebogen:

Wo möchten Sie leben?
Ich mag Orte, wo die Sonne viel und oft scheint und ich keine Winterjacke brauche. Also: Irgendwo im Süden – zumindest zur Winterzeit. Vor allem aber dort, wo sich auch das Herz zu Hause fühlt.

Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?
Da ich „vollkommenes Glück“ eher als unerreichbare Utopie des Menschen erlebe, möchte ich einfach nur zufrieden sein. In einer idealen Welt gäbe es für mich aber keine Kriege, keine Tier- und Kinderquälerei und keine Hungersnöte mehr und viele Menschen wären weniger machtbesessen und überheblich.

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?
Grundsätzlich viele, die ein Einsehen nach sich ziehen. Kein Mensch kann alles gleich gut – eine gewisse Fehlertoleranz ist ein Muss, wenn man nicht frühzeitig Sorgenfalten bekommen will. Viele nehmen Schüchternheit als Fehler wahr; aber zurückhaltende Menschen sind mir oft sympathisch. Weil sie nicht alles von sich preisgeben.

Was ist für Sie das größte Unglück?
Plötzlich alles zu verlieren, was ich liebe. Freunde, meinen Mann, meine Familie, meine Katzen. Es macht mich auch unglücklich, ständig das Leid von Mitwesen zu sehen und nicht immer etwas dagegen tun zu können.

Ihre liebsten Romanhelden?
Das ist eine schwere Frage, da kann ich mich nicht auf wenige „fiktive Personen“ eingrenzen. Allgemein bewundere ich starke Frauen, die sich einfach nicht unterkriegen lassen, egal, welche Steine man ihnen in den Weg legt. Und ich mag kontroverse Heldinnen und Helden. Solche, die nicht ganz „schwarz“ oder „weiß“ sind, sondern sich in den Grauzonen des Charakterschachbretts bewegen. Wesen eben, die etwas Geheimnisvolles umgibt, die einen starken Charakter, aber auch ihre Macken haben.

Ihre Helden in der Menschheitsgeschichte?
Ich finde Frauen wie Jeanne d’Arc oder Sophie Scholl faszinierend. Oder Menschenrechtler wie Martin Luther King. Eben jene Menschen, die ihr Leben im wahrsten Sinn einem Ideal widmen konnten und meist zu tragischen Helden wurden.

Ihre Lieblingsheldinnen/-helden in der Wirklichkeit?
Die großen Helden heute arbeiten meiner Auffassung nach im Kleinen. Das sind für mich die Menschen, die Hunde, Katzen und andere Tiere von unnötigem Leid befreien oder die verstärkt aktive Aufbauarbeit oder Flüchtlingshilfe leisten. Die Welt lässt sich – leider – nicht durch Facebook-Klicks retten. Zuletzt finde ich es super, was meine Eltern machen: Als Lehrer sorgen sie dafür, dass kein Kind in Sachen Bildung auf der Strecke bleiben muss und das ist ein Haufen Arbeit.

Ihr Lieblingsmaler?
Ganz ehrlich, da habe ich keinen. Ich muss aber auch gestehen, in Kunstgeschichte nicht allzu bewandert zu sein. Mir gefallen aber oft Meeres- und Landschaftsmotive, klassische Fotografie oder auch Pop-Art wie von Keith Haring.

Ihr Lieblingsautor?
Fantasyautoren wie Marion Zimmer-Bradley oder Tolkien. Ich habe großen Respekt davor, wie sie bildlich unglaubliche Dinge beschreiben können, ohne dabei im Charaktergefüge den Überblick zu verlieren. Ältere Autoren wie die Brontë-Schwestern oder Poe; und schließlich Krimiautorinnen wie Patricia Highsmith oder Charlotte Link. Ich steh einfach auf Spannung beim Lesen!

Ihr Lieblingskomponist?
Ich finde die Musicals von Andrew Lloyd Webber einfach rührend und faszinierend. Außerdem mag ich „Weltmusik“ von keltisch bis afrikanisch, einfach um zu hören, was sich jenseits der Charts abspielt. Als Jugendliche habe ich viel klassische Musik auf dem Klavier und Cello gespielt – mit dem Abitur und dem Studium hörte das erst mal auf.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei einer Frau am meisten?
Wenn sie sich nicht nur über ihre äußere Weiblichkeit definiert und eine größere Vision vor Augen hat, als jeden Tag gestylt durchs Leben zu gehen und attraktiv zu wirken. Außerdem, wenn sie erst denken und dann reden kann. Ich kann nicht gut mit zu viel Oberflächlichkeit umgehen.

Welche Eigenschaften schätzen sie bei einem Mann am meisten?
Eigentlich das Gleiche wie bei Frauen auch. Taktvolle Ehrlichkeit, Respekt, Loyalität, ein ausgeglichenes Temperament ohne cholerische Auswüchse. Eben die Art Mensch, der ich auch Kinder und meine lieben Haustiere anvertrauen würde.

Ihre Lieblingstugend?
Respekt. Ehrlichkeit allein kann zum Beispiel sehr verletzend sein, wenn man das Gegenüber nicht für voll nimmt. Ich versuche, wann immer möglich, nur auf Augenhöhe zu verhandeln.

Ihre Lieblingsbeschäftigung?
Schreiben, lesen, fremde Orte sehen und die Zeit mit meinen Lieben verbringen. Außerdem stöbere ich unheimlich gerne auf Flohmärkten und in Second-Hand-Läden.

Wer oder was hätten Sie gern sein mögen?
Manchmal hätte ich gerne einen anderen Körper, andere äußerliche Merkmale und fände es spannend zu wissen, wie es sich in anderen Epochen hat leben lassen. Aber das sind Phasen – eigentlich bin ich am liebsten ich. Nicht, weil ich sehr von mir eingenommen wäre. Aber Schwierigkeiten haben selbst die Schönen und Reichen und es gibt jeden Lebensweg nur einmal.

Ihr Hauptcharakterzug?
Ein langer Atem. Manchmal brauchen schwierige Ziele länger – da sind Geduld und ein fester Fokus notwendig, um nicht in Frust zu verfallen.

Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?
Dass sie mich auch in nicht so schönen Zeiten begleiten und wir uns auch verstehen, wenn wir mal längere Zeit keinen Kontakt hatten, was bei einem Leben zwischen mehreren Orten durchaus vorkommt.

Ihr größter Fehler?
Es gab diese eine Zeit im Leben, da habe ich mir zu viel gefallen lassen, ich habe einfach zu spät angefangen, mich gegen manche Menschen effektiv zu wehren. Vielleicht hätte mir das einigen Ärger erspart – aber erfahren werde ich das wohl nie. Derzeit ist wohl meine größte Macke, dass ich privat manchmal Zettel oder auch Schlüssel oder Kleinteile verlege. Das kann wirklich hinderlich sein, wenn man sie dann sucht! Außerdem brauche ich ewig, um mir fremde Strecken zu merken und mich ohne Navi zurechtzufinden. Irgendwann lande ich noch mal in München, wenn ich nach Berlin wollte.

Ihre Lieblingsfarbe?
Ich sehe Farben immer in ihrer Kombination – und nach Stimmung. Eine grüne Hose zum rosafarbenen Hemd fände ich zum Beispiel nicht stimmig. Farben, die immer positiv auf mich wirken, sind Weinrot, Türkis oder Hellblau. Manchmal aber auch Beige oder Hellgrün.

Ihre Lieblingsblume?
Am alten Nachbarhaus nebenan wachsen wilde, rote Rosen im hohen Ranken. Dieser Anblick lässt mich im Sommer immer lächeln. Ansonsten mag ich auch gerne Gänseblümchen, Veilchen, Sonnenblumen, Margeriten … Wobei ich in der Wohnung keine habe, da ich keinen grünen Daumen besitze.

Ihr Lieblingsvogel?
Raben – ich mag ihr schwarzes Gefieder. Und Spatzen. Das sind herrlich bodenständige Vögel, wenn man so will, die jeder erst einmal unterschätzt und die dennoch durchs Leben kommen.

Ihre Lieblingsnamen?
Die Frage ist wirklich schwierig. Ich finde, ein Name muss zur Person passen. Manchmal sehe ich eine Susanne und hätte sie eher als eine Annika eingeschätzt. Oder einen Richard als Markus. Warum auch immer. Aber wenn ich jetzt ein Kind bekommen würde, würde ich einen Jungen Simon oder Stefan nennen – und ein Mädchen Sara, Jasmin oder Rebecca. Einfach so.

Was verabscheuen Sie am meisten?
Grausamkeit auf jeder Ebene, gerade gegenüber denen, die sich aus irgendeinem Grund nicht wehren können. Ich möchte dazu nur sagen: Ich weiß, wie es ist, wenn Menschen wahre Befriedigung daraus ziehen, andere niederzumachen, und ich wünsche das keinem. Ich habe bis heute nicht verstanden, was es manchen Menschen gibt, auf den Gefühlen und dem Leben ihrer Mitwesen herumzutrampeln. Es erscheint mir sinnlos.

Welche geschichtlichen Gestalten verabscheuen Sie am meisten?
Hitler, Stalin und eigentlich alle Diktatoren der Neuzeit, die den Fortschritt nur genutzt haben, um auf menschlicher Ebene extreme Rückschritte einzuleiten. Und das ist noch dezent ausgedrückt. Einen Abscheu habe ich auch gegenüber Terroristen, wie diese Radikalislamisten, die vor nichts zurückschrecken und nebenbei den ganzen Islam mit in den Dreck ziehen.

Welche Reform bewundern Sie am meisten?
Die Abschaffung der Sklaverei – das ist in meinen Augen eine der größten und wichtigsten Reformen der Menschheitsgeschichte gewesen. Außerdem das Frauenwahlrecht und die zunehmende Gleichberechtigung der Frau vor dem Gesetz.

Welche natürliche Gabe möchten Sie besitzen?
Wo setzen Sie die Grenze zwischen natürlich und übernatürlich? Ich würde gerne die Gabe haben, Schmerzen, wenn ich sie habe, komplett auszublenden – oder komplett schmerzfrei durchs Leben gehen zu können. Was eher ins Übernatürliche ginge: Ich würde mich gerne mit Tieren unterhalten können und mit einer Handbewegung dafür sorgen, dass der Haushalt sich sonst von selbst erledigt. Haushaltsarbeit ist, wie ich finde, oft verschenkte Lebenszeit, die man auch auf interessantere Weise nutzen könnte. Was natürlich daran liegt, dass ich einfach keine „Putzfee aus Leidenschaft“ bin.

Wie möchten Sie gern sterben?
Vor allem – schmerzfrei. Am liebsten im Schlaf, wenn ich wüsste, ich habe alles Gewünschte im Leben erreicht und meinen Liebsten geht es gut. Ich hoffe natürlich, dass nach dem Tod irgendwas anderes kommt als ein schwarzes Loch von Nichts – aber sicher wissen kann man das nie!

Ihre gegenwärtige Geistesverfassung?
Wo sind meine Ginseng-Tabletten und wo habe ich noch meine To-do-Liste liegen gelassen? Nein, Spaß beiseite. Ich fühle mich geistig fit, nur manchmal ein wenig gestresst. Aber so ein Gehirn muss ja auch eine Menge leisten, ohne Urlaubstage!

Ihr Motto?
„Keine Begegnung, die du machst, ist umsonst. Manche Menschen sind eine Bereicherung, andere eine Prüfung.“

„Jeder Tag ohne ein Lachen ist ein verlorener Tag.“

Vladimir Posener schreibt über Musik

vladimir_posener_FSDer Hobby-Autor arbeitet bei einem Stahlkonzern im Ruhrgebiet. In seinen jungen Jahren, als es noch keinen privaten Rundfunk gab, hatte er als Co-Moderator und zu später Stunde eine Musiksendung, in der er seine Lieblingsplatten vorstellen durfte. Und das beim WDR. Danach wurde es etwas ruhiger; es folgten Jahre in Lateinamerika und eine Karriere in der Managementebene. Nun widmet sich Vladimir Posener wieder mehr seiner Leidenschaft und wird 2016 mit dem „blauen ritter“ eine Musikedition veröffentlichen. Die Vorarbeiten laufen bereits.

Felix Pirner – Historiker und Germanist

Felix Pirner - Foto: Privat
Felix Pirner – Foto: Privat

Geboren 1960 in Paderborn, studierter Historiker (Bonn) arbeitet Felix Pirner seit vielen Jahren in einem Staatsarchiv. Er schreibt zukünftig über die Entwicklung von Schrift und Sprache und berichtet über historische Ereignisse. Zudem stellt er spannende Persönlichkeiten vor. In seiner Freizeit wandert er gern zu archäoligischen Fundstädten und schätzt seinen Metalldetektor.

Schwerpunkte bisher: das antike Griechenland und Fridtjof Nansen.

Piet Marsfeld – Natur & Umwelt

Piet Marsfeld – Natur & Umwelt

Piet Marsfeld studierte Umweltwissenschaften in Lüneburg und engagiert sich seit Jahren im Umweltschutz. Derzeit nimmt er an einem Großprojekt zum Thema Getreideanbau teil. Thema: Weg vom Weizen. Reaktivierung alter Getreidesorten und die Möglichkeiten diese in unserer Ernährung stärker zu integrieren.  Dazu hält er sich überwiegend in Griechenland, Ungarn und Schweden auf.

Seine Motivation für unser Magazin zu schreiben: Piet ärgert es, dass wir immer mehr den Kontakt zur Natur verlieren. Viele Kinder glauben, dass unser Fleisch schon immer in der Platikverpackung war und können sich nicht vorstellen, dass diese Teil eines Tieres waren. Es ist ihm ein Anliegen uns die Wunder der Natur wieder näher zu bringen und den ein oder anderen zu animieren sich um Umweltschutz zu engagieren, damit wir nicht eines Tages nur noch in Riesenstädten leben und uns von Nahrungspillen ernähren.

Piet Marsfeld im Magazin.


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Das Lieblingsbild: Obwohl er Weizen selbst weder mag noch isst:

Weizenfeld mit Krähen - Vincent Willem van Gogh - Entstanden: 1890 - Stedelijk Museum, Amsterdam - Öl auf Leinwand, 51 X 101 cm
Weizenfeld mit Krähen – Vincent Willem van Gogh – Entstanden: 1890 – Stedelijk Museum, Amsterdam – Öl auf Leinwand, 51 X 101 cm

Herzlich Willkommen: Kassandra Lewicka – Redakteurin & Journalistin

ProfilfotoGeb. 1970, Studium der Germanistik und Slawistik an der Universität Bonn. Magisterarbeit über die Lyrikerin Gertrud Kolmar.
Aktuell ist Kassandra Lewicka freiberufliche Redakteurin und Journalistin für verschiedene Medien.
Eigene Veröffentlichung: Bernsteinfliege. Erschienen in der Anthologie Liebe & Herzschmerz. Storys. (Frankfurt a. Main, Fischer Taschenbuch, 2006)
Weitere Informationen zur Autorin bei facebook

Hier geht es zu Ihrem Artikel: ‚So ein Kerl wie du‘ – Kassandra Lewicka über den „Tiger“ Dariusz Michalczewski

Internes | Wie eine neue Redaktion das Streiten lernt | Hintergründe zum Interview mit Rafael Santeria

Wenn mehrere Menschen an einem Projekt arbeiten, kann man sicher sein, dass es genauso viele unterschiedliche Ansichten und Motive, wie Beteiligte gibt. Bisher verlief der Aufbau des Magazins recht harmonisch, getragen von der stetig steigenden Leserzahl. Die erste echte Belastungsprobe gab es, als die Antworten zum Interview mit dem Pornoproduzenten im Eingangsordner von Outlook lagen.

Man kann die Reaktionen grob in drei Lager aufteilen: Schenkelklopfen bei den Herren, ein Sturm der Entrüstung bei den Damen und schmunzelnde Zurückhaltung beim Herausgeber, der den Stein ins Rollen brachte.

Foto: Privat
Foto: Privat

Wenn Rafael Santeria sagt, dass er charakterstarke Frauen bevorzugt, erntet er durchweg Zustimmung in der Redaktion (Das Interview wurde der beteiligten Runde vorgelesen). Wenn dann allerdings die Konkretisierung lautet: „Charakter definiert sich über die eingangs erwähnten Kriterien: Ist meine Frau bereit, sich unter mein Regelsystem zu fügen“, sieht das schon anders aus.

Nach dem Verlesen der Antworten, kippte die Stimmung eindeutig ins Negative; stimmen wurden laut, dieses Interview nicht zu veröffentlichen, da es einen falschen Eindruck vom Magazin erwecken könnte.  Vor allem, da es neuerdings auch Erzählungen für Kinder hier gibt.

Wir haben uns entschlossen, die Antworten unkommentiert genauso zu veröffentlichen, wie sie gegeben wurden.  Denn: wir wollen Denkanstöße liefern, Dinge in Frage stellen, gewiss auch provozieren. Vor allem aber das widersprüchliche Bild vom Mann aufzeichnen. Und dies gehört dazu.

Eine kleine Anekdote am Rande: die zunächst offene Ablehnung gegenüber Rafael Santeria wandelte sich auf (für uns Männer) wundersame Weise in Anerkennung, als der weibliche Teil der Redaktion sich die Fotos seiner Damenbegleitungen auf dem facebook-Profil anschaute: durchweg sehr attraktive  Mädels.

Wir haben uns…

Wir haben uns vorgenommen die Sprache zu überreden, die Welt, die wir als – außer uns – erleben, nicht nur abbilden zu wollen, vielmehr auch soll die Sprache selber, durch ein dauerndes Reflektieren ihrer Gesetze, eine neue Welt hervorbringen. | inspiriert durch Helmut Heißenbüttel

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Guillaume Apollinaire | Poèmes à Lou | 1914 | Gedicht aus den Calligrammes.

Kassandra Lewicka – Redakteurin & Journalistin

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Kassandra Lewicka

Geb. 1970, Studium der Germanistik und Slawistik an der Universität Bonn. Magisterarbeit über die Lyrikerin Gertrud Kolmar.
Aktuell ist Kassandra Lewicka freiberufliche Redakteurin und Journalistin für verschiedene Medien.
Eigene Veröffentlichung: Bernsteinfliege. Erschienen in der Anthologie Liebe & Herzschmerz. Stories. (Frankfurt a. Main, Fischer Taschenbuch, 2006)

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