Cat antwortet: „Just friends“- geht das gut?

Nur Freunde? Foto: Jonas Bleile
Nur Freunde? Foto: Jonas Bleile

In Hollywoodfilmen geht sie nie gut, die einfache Freundschaft zwischen Männern und Frauen. Doch wie ist das eigentlich im „normalen“ Leben? Funktioniert Freundschaft zwischen den Geschlechtern so ganz ohne sexuelle Zwischentöne? In dieser „Cat’s Couch“- Ausgabe gibt es eine Reihe gedanklicher Ansätze, wie es gehen kann.

Es gibt bereits seit der Antike verschiedenste Arten erotisch motivierter und nicht-erotischer Liebe. Eine davon ist philia, eine Form freundschaftlicher Bindung, die ohne sexuelle Anziehung auskommen soll, ebenso wie die familiäre Liebe und das Prinzip der Nächstenliebe. In der Antike galt die philia allerdings immer als Freundschaft unter Männern (das, was man heute als „beste Kumpel“ bezeichnen würde) und Frauen waren aus diesem Konzept von vornherein ausgeschlossen. In Hollywood funktioniert das übrigens auch (fast) nie. Auch im „echten Leben“ birgt eine nicht sexuell motivierte Freundschaft zwischen den Geschlechtern – und bei Menschen mit bi- und homosexueller Orientierung auch manch gleichgeschlechtliche Bindung – den einen oder anderen Fallstrick. Was einen zur aktuellen Leserfrage bringt.
(Hier lesen Sie den  Ausgangsartikel)

Ricarda fragt: Warum sind Freundschaften zwischen Männern und Frauen eigentlich immer so schwierig?

Liebe Ricarda,

Da muss ich dir schon im ersten Satz der Antwort kurz widersprechen. „Immer“ ist dies wohl nicht so – es gibt durchaus derartige Freundschaften, die funktionieren, genauso wie es damit auch „oft“ oder auch nur „manchmal“ nicht klappt. Ich denke, dass das Gelingen oder die Veränderung einer solchen nicht-sexuellen Beziehung von vielen Rahmenbedingungen und Faktoren abhängt. Natürlich ist es möglich, dass sich einer oder beide dabei verlieben und dies kurz- oder langfristig zu Spannungen führt, doch das muss nicht so sein. Ein paar dieser Faktoren – die Liste ließe sich erweitern – gibt es hier.

Wie lange kennt man sich schon?

"Junges Paar" von Günter Glombitza - 1970
„Junges Paar“ von Günter Glombitza – 1970

Manche Freundinnen und Freunde kennen wir schon ewig, sodass eine Art „Bruder-Schwester“-Effekt dabei entsteht. Natürlich könnte man hier auch wie Klaus Lage feststellen: „Tausendmal berührt – tausendmal ist nichts passiert. Tausend und eine Nacht und es hat Zoom gemacht.“ Den Rest des Liedes kennen die meisten. Auch im Film verlieben sich meistens die besten Freunde unverhofft ineinander. Doch das ist längst nicht die Regel – wer gelernt hat, seinen besten Kumpel als „Bruder“ oder die beste Freundin als „Schwester“ anzusehen, hat oft eine größere Hürde, diese Person mit erotischem Interesse zu betrachten. Daher meine Einschätzung: Je länger man sich kennt, desto unwahrscheinlicher eine plötzlich aufflammende Liebe. Es fehlt einfach der Reiz des Neuen. In lange bestehenden Paarbeziehungen tritt hingegen oft der konträre Effekt ein. Der Partner, der zu Beginn ein spannendes „Objekt der Begierde“ war, wird nach und nach zu einem stabilen, beruhigenden und vor allem berechenbaren Faktor im Leben, zum Fels in der Brandung und zumindest zu einem gewissen Teil zu einem sehr vertraute Freund.

Passen Freunde und Freundinnen ins „Beuteschema“?

Die Wenigsten wollen es zugeben, doch die Allermeisten haben doch bei der Partnersuche eine bestimmte optische oder charakterliche Präferenz – nennen wir es der Einfachheit „Beuteschema“. Manche Frauen suchen sich immer wieder „Bad Boys“, auch wenn die absolut nicht gut für „Good Girls“ sind. Zumindest so lange, bis der Verstand wieder die Oberhand gewinnt. Andere finden das Äußere eines Menschen „eigentlich nicht so wichtig“, folgen dann aber doch bestimmten Vorstellungen vom Traumtypen – ob blond, muskulös, südländisch oder asiatisch aussehend. Umgekehrt gilt das natürlich auch. Um aber zur Grundfrage zurückzukehren: Ob wir unseren besten Kumpel auch eventuell als potenziellen Liebhaber oder „Mister Right“ betrachten oder nicht, kann unter Umständen auch vom bestehenden oder antrainierten Beuteschema abhängen. Denn unterschwellige sexuelle Spannungen sind ein großer Belastungs- und Veränderungsfaktor für jede Freundschaft oder Kollegialität, die per se eher als frei von derartigen Aspekten angesehen werden. Findet man(n) umgekehrt eine Freundin oder Kollegin besonders anziehend, verändert dies ebenso den Umgang mit dieser Person, teilweise mit starken Einbußen für das bisher ungezwungene Verhältnis.

Versteht mein Kumpel/meine Freundin meine „Sprache“?

Jeder Mensch hat seine eigene Ausdrucksweise, ob durch Gesten, Interessen. Kleidungs- und Lebensstil oder schlicht durch Worte. Das ist nicht unbedingt immer durch das Geschlecht bedingt, wohl aber durch die „Prägung“ , die jeder und jede bisher erfahren hat. Und die hat natürlich auch was mit unserem „sozialen Geschlecht“ zu tun, sodass schnell der Eindruck entstehen kann, Männer und Frauen seien wie Hund und Katze oder wie Feuer und Wasser. Das macht eine Mann-Frau-Freundschaft nicht immer einfacher, denn je nachdem, welche Voreinstellungen und Prägungen alle Beteiligten mitbringen, kann es tatsächlich zu Missverständnissen kommen: Beispiel: Sie wünscht sich von ihrem besten Freund den gemeinsamen Besuch im Kino zum Geburtstag. Er wählt aber einen Film aus, den er sonst mit seinen männlichen Kumpels schauen würde – zum Beispiel einen Actionfilm, während sie fest mit einem romantischen Epos gerechnet hätte. Oder er interpretiert ihren Wunsch vollkommen falsch und geht davon aus, dass sie mehr von ihm will als Freundschaft. Einfach nur, weil er irgendwann gelernt hat: Mann + Frau + Kinobesuch = Romantik. Dass diese Gleichung nicht aufgehen muss, ist klar.

Kommen Freunde und (neue) Partner miteinander klar?

Irgendwann kommen die „Dritten“, nämlich neue Lebens- und Liebespartner der BFFs (für Nicht-Klatschmedienleser: allerbesten Freunde und Freundinnen) hinzu und verändern das Beziehungsgefüge unweigerlich und mit absoluter Sicherheit. Hat eine Frau vorher zum Beispiel jeden Samstag mit ihrem besten Freund und noch anderen Freunden in der Kneipe verbracht, um Billard und Dart zu spielen, kann sich das mit einem neuen Partner schlagartig ändern. Plötzlich ist Abhängen in der Stammkneipe out und es ist eh viel wichtiger, eng umschlungen vor dem Fernseher zu sitzen und Welt da draußen auszublenden. Gemeinsame Hobbys werden – zumindest zeitweise – aufgegeben und es gibt am Telefon kaum noch andere Themen als das, wie toll der neue Freund oder die neue Freundin ist. Und wer hört das schon gerne und fühlt sich nicht zurückgesetzt? Eifersucht, die vorher eine Fremde für alle war, kann nun das Leben schwer machen. Der oder die frisch Verliebte ist im Zwiespalt, wenn die momentane Schieflage in der Freundschaft überhaupt im Rausch der Gefühle bemerkt wird, und Freunde und Freundinnen kommen sich auf einmal weggeworfen und ausgegrenzt vor. Als ob es die Stimmung nicht noch explosiver machen könnte, gibt es dann noch sehr vereinnahmende Menschen, die im Freundeskreis des neuen Partners ihrerseits Gefahr für die noch frische Liebesbeziehung sehen. Eines steht jedenfalls fest: Jede neue Person, die von außen hinzukommt, stellt erst einmal den Status Quo auf den Kopf und dazu braucht es nicht einmal die gefürchtete heimliche Schwärmerei für einen guten Freund. Es lohnt sich also, von Beginn an den Überblick im Chaos zu behalten und den neuen Partner und die besten Freunde frühzeitig miteinander bekannt zu machen, um den Belastungspegel so gering wie möglich zu halten. Umgekehrt sollte auch der/die BFF ein wenig Verständnis zeigen, was allerdings kein Freibrief ist, ihn oder sie vollkommen zu vernachlässigen.

Freundschaft ist auch nur eine Beziehung

Beziehungen sind eben kompliziert – sei es eine Ehe, eine Romanze oder einfach nur eine Freundschaft. Unter Frauen, Männern, aber ebenso, wenn beide Geschlechter aufeinandertreffen. Manchmal sind sie ein Drahtseilakt oder wie ein Spagat, und sie erfordern eine Menge Arbeit. Genau deswegen scheitern auch manche Freundschaften zwischen Männern und Frauen – wenn Kompromisse einfach nicht mehr machbar sind oder Geben und Nehmen einfach in keinem Verhältnis mehr zueinander stehen. Das ist eine traurige Tatsache, aber keine Regel, die sich auf diese Art von Freundschaft immer anwenden ließe. Allerdings liegt es immer in den Händen aller Beteiligten, ob die Story ein Happy End hat oder nicht.

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