Azrael ap Cwanderay – MONTAGUES MONSTER Band 1 – Der geheimnisvolle Schotte – Leseprobe

„Der Engel der Finsternis wandelte auf Erden. Der Wald erstarrte zu leblosem Schweigen in seiner Anwesenheit, das fröhliche Vogelgezwitscher erstarb, das sanfte Rauschen der Baumwipfel erlosch. Ein Behemoth von 3 Metern Größe, ein Titan an gestaltgewordener Macht, so durchschritt der Gigant seine Umgebung. Tiefschwarze Haut glänzte wie poliertes Metall, während seine gewaltigen Schwingen aus manifestierter Dunkelheit über seine breiten Schultern hinausragten.
Schritt für Schritt ging er voran, und wo immer er seinen Fuß aufsetzte, verdorrte das Gras, brach die Erde und erstarb alles Leben, denn seine bloße Berührung brachte den Tod.
Ein Blick aus seinen rotglosenden Augen, wie zwei leuchtende Blutstropfen in einem ebenmäßigen Gesicht von bösartig-faszinierender Schönheit ruhend, traf einen verirrten Vogel, und noch ehe es sich das arme Tier versah, stürzte es leblos zu Boden, dahingerafft von der schieren Anwesenheit des dunklen Engels. Noch verbarg sich der Titan vor den Augen der Menschen, noch plante er seine Züge im Verborgenen.
Aber die Zeit seiner Offenbarung würde kommen, wie in einem Schachspiel setzte er seine Figuren, entwarf seine Strategien, um dann im geeigneten Moment den finalen Todeszug zu tätigen. Er war listig und verschlagen – und er hatte Zeit. 
Alle Zeit dieser Welt…

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Als sie sich dem alten Bauernhaus näherten, dessen Fassade in einem warmen, hellen Gelb leuchtete und dessen rote Dachschindeln schon dunkel wurden von den Witterungseinflüssen, schmiegte sich Sunny eng an Montagues Bein und ließ ein leises wohliges Grunzen erklingen. Der große Mann lächelte und blickte auf seine treue Gefährtin.
„Du spürst, das heute Vollmond ist, stimmt‘ s?“
Als Antwort leckte die Hündin freudig über seinen Handrücken – und schoss dann plötzlich wie ein geölter Blitz davon!
Ihr Ziel war ein kleiner, graugetigerter Kater, der regungslos vor einem der Fenster des Hauses saß, wobei er einem Erdmännchen nicht unähnlich sah.
Die Hündin schoss mit fröhlichem Fiepen und Bellen auf den Kater zu, der nicht die geringsten Anzeichen machte, aus dem Weg zu gehen, oder die Flucht zu ergreifen, ganz so, als bekäme er gar nicht mit, was da auf ihn zugestürmt kam, als befände er sich nicht in diesen Sphären. Nur wenige Zentimeter vor ihm bremste die Hündin ab, setzte sich hin und machte leise „Wriff“.
Zuerst geschah gar nichts, doch dann sprang der Kater plötzlich wie von der Tarantel gestochen auf, drehte sich einmal im Kreis, wobei er alles anfauchte, was ihm vor die kleine Schnauze kam und verschwand dann um die Häuserecke.

McGallagher, der das Schauspiel schmunzelnd verfolgt hatte, tätschelte Sunny sanft am Hals und sagte: “ Musst du den armen Murphy immer so erschrecken?“
Die Hündin antwortete mit einem überzeugten „Wraff“ und trabte dann hocherhobenen Hauptes auf die Haustür zu. Dort wartete sie brav, während Montague einen kurzen Kontrollgang ums Haus machte.

Über den Autor.
Zur zweiten Leseprobe „Zeitbeben“.

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