Autor: Vladimir Posener

Der Hobby-Autor arbeitet bei einem Stahlkonzern im Ruhrgebiet. In seiner jungen Jahren, als es noch keinen Privatfunk gab, hatte er als Co-Moderator und zu später Stunde eine Musiksendung, in der er seine Lieblingsplatten vorstellen durfte. Und das beim WDR. Danach wurde es etwas ruhiger; es folgten Jahre in Lateinamerika und eine Karriere in der Managementebene. Nun widmet sich Vladimir Posener wieder mehr seiner Leidenschaft und wird 2016 mit dem "blauen ritter" eine Musikedition veröffentlichen. Die Vorarbeiten laufen bereits.

E. T. A. Hoffmann | Beethovens Instrumentalmusik

Sollte, wenn von der Musik als einer selbständigen Kunst die Rede ist, nicht immer nur die Instrumentalmusik gemeint sein, welche, jede Hilfe, jede Beimischung einer andern Kunst (der Poesie) verschmähend, das eigentümliche, nur in ihr zu erkennende Wesen dieser Kunst rein ausspricht? – Sie ist die romantischste aller Künste, beinahe möchte man sagen, allein echt romantisch, denn nur das Unendliche ist ihr Vorwurf. – Orpheus‘ Lyra öffnete die Tore des Orkus. Die Musik schließt dem Menschen ein unbekanntes Reich auf, eine Welt, die nichts gemein hat mit der äußern Sinnenwelt, die ihn umgibt und in der er alle bestimmten Gefühle zurückläßt, um sich einer unaussprechlichen Sehnsucht hinzugeben.

Kupferstich (1795) von Tommaso Piroli (1752 – 1824) nach einer Zeichnung (1793) von John Flaxman (1755 – 1826).
Quelle: Antiquariat Dr. Haack Leipzig

Habt ihr dies eigentümliche Wesen auch wohl nur geahnt, ihr armen Instrumentalkomponisten, die ihr euch mühsam abquältet, bestimmte Empfindungen, ja sogar Begebenheiten darzustellen? – Wie konnte es euch denn nur einfallen, die der Plastik geradezu entgegengesetzte Kunst plastisch zu behandeln? Eure Sonnaufgänge, eure Gewitter, eure Batailles des trois Empereurs usw. waren wohl gewiß gar lächerliche Verirrungen und sind wohlverdienterweise mit gänzlichem Vergessen bestraft.
In dem Gesange, wo die Poesie bestimmte Affekte durch Worte andeutet, wirkt die magische Kraft der Musik wie das wunderbare Elixier der Weisen, von dem etliche Tropfen jeden Trank köstlicher und herrlicher machen. Jede Leidenschaft – Liebe – Haß – Zorn – Verzweiflung etc., wie die Oper sie uns gibt, kleidet die Musik in den Purpurschimmer der Romantik, und selbst das im Leben Empfundene führt uns hinaus aus dem Leben in das Reich des Unendlichen.
So stark ist der Zauber der Musik, und, immer mächtiger werdend, mußte er jede Fessel einer andern Kunst zerreißen.
Gewiß nicht allein in der Erleichterung der Ausdrucksmittel (Vervollkommnung der Instrumente, größere Virtuosität der Spieler), sondern in dem tieferen, innigeren Erkennen des eigentümlichen Wesens der Musik liegt es, daß geniale Komponisten die Instrumentalmusik zu der jetzigen Höhe erhoben.

Adam Setkowicz [1876-1945] Wizya Beethovena. Die Vision Beethovens. Rechte Seite: Wydawnictwo „POCZTÓWKI“ w Krakowie. Postkarten-Edition Krakau | Nicht in den Verkauf gelangt.
Mozart und Haydn, die Schöpfer der jetzigen Instrumentalmusik, zeigten uns zuerst die Kunst in ihrer vollen Glorie; wer sie da mit voller Liebe anschaute und eindrang m ihr innigstes Wesen, ist – Beethoven! – Die Instrumentalkompositionen aller drei Meister atmen einen gleichen romantischen Geist, welches in dem gleichen innigen Ergreif en des eigentümlichen Wesens der Kunst liegt; der Charakter ihrer Kompositionen unterscheidet sich jedoch merklich. – Der Ausdruck eines kindlichen, heitern Gemüts herrscht in Haydns Kompositionen. . Seine Sinfonien führen uns in unabsehbare grüne Haine, in ein lustiges buntes Gewühl glücklicher Menschen. Jünglinge und Mädchen schweben m Reihentänzen vorüber; lachende Kinder, hinter Bäumen, hinter Rosenbüschen lauschend, werfen sich neckend mit Blumen. Ein Leben voll Liebe, voll Seligkeit wie vor der Sünde, in ewiger Jugend; kein Leiden, kein Schmerz, nur ein süßes, wehmütiges Verlangen nach der geliebten Gestalt, die in der Ferne im Glanz des Abendrotes daherschwebt, nicht näher kommt, nicht verschwindet, und solange sie da ist, wird es nicht Nacht, denn sie selbst ist das Abendrot, von dem Berg und Hain erglühen. – In die Tiefen des Geisterreichs führt uns Mozart. Furcht umfängt uns, aber ohne Marter ist sie mehr Ahnung des Unendlichen.
Liebe und Wehmut tönen in holden Geisterstimmen; die Nacht geht auf in hellem Purpurschimmer, und in unaussprechlicher Sehnsucht ziehen wir nach den Gestalten, die, freundlich uns in ihre Reihen winkend, in ewigem Sphärentanze durch die Wolken fliegen. (Mozarts Sinfonie in Es-Dur, unter dem Namen des Schwanengesanges bekannt.)

El Greco | A Boy Blowing On An Ember To Light A Candle | 1570;
Manierismus (Späte Renaissance)
Quelle: www.the-athenaeum.org

So öffnet uns auch Beethovens Instrumentalmusik das Reich des Ungeheuern und Unermeßlichen. Glühende Strahlen schießen durch dieses Reiches tiefe Nacht, und wir werden Riesenschatten gewahr, die auf- und abwogen, enger und enger uns einschließen und uns vernichten, aber nicht den Schmerz der unendlichen Sehnsucht, in welcher jede Lust, die schnell in jauchzenden Tönen emporgestiegen, hinsinkt und untergeht, und nur in diesem Schmerz, der Liebe, Hoffnung, Freude in sich verzehrend, aber nicht zerstörend, unsere Brust mit einem vollstimmigen Zusammenklange aller Leidenschaften zersprengen will, leben wir fort und sind entzückte Geisterseher!
Der romantische Geschmack ist selten, noch seltener das romantische Talent, daher gibt es wohl so wenige, die jene Lyra, deren Ton das wundervolle Reich des Romantischen aufschließt, anzuschlagen vermögen.
Haydn faßt das Menschliche im menschlichen Leben romantisch auf; er ist kommensurabler, faßlicher für die Mehrzahl.
Mozart nimmt mehr das Übermenschliche, das Wunderbare, welches im Innern Geiste wohnt, in Anspruch. Beethovens Musik bewegt die Hebel der Furcht, des Schauers, des Entsetzens, des Schmerzes und erweckt eben jene unendliche Sehnsucht, welche das Wesen der Romantik ist. Er ist daher ein rein romantischer Komponist, und mag es nicht daher kommen, daß ihm Vokalmusik, die den Charakter des unbestimmten Sehnens nicht zuläßt, sondern nur durch Worte bestimmte Affekte, als in dem Reiche des Unendlichen empfunden, darstellt, weniger gelingt?
Den musikalischen Pöbel drückt Beethovens mächtiger Genius; er will sich vergebens dagegen auflehnen. – Aber die weisen Richter, mit vornehmer Miene um sich schauend, versichern, man könne es ihnen als Männer von großem Verstande und tiefer Einsicht aufs Wort glauben, es fehle dem guten B. nicht im mindesten an einer sehr reichen, lebendigen Phantasie, aber er verstehe sie nicht zu zügeln! Da wäre denn nun von Auswahl und Formung der Gedanken gar nicht die Rede, sondern er werfe nach der sogenannten genialen Methode alles so hin, wie es ihm augenblicklich die im Feuer arbeitende Phantasie eingebe. Wie ist es aber, wenn nur eurem schwachen Blick der innere tiefe Zusammenhang jeder Beethovenschen Komposition entgeht? Wenn es nur an euch liegt, daß ihr des Meisters, dem Geweihten verständliche, Sprache nicht versteht, wenn euch die Pforte des innersten Heiligtums verschlossen blieb? – In Wahrheit, der Meister, an Besonnenheit Haydn und Mozart ganz an die Seite zu stellen, trennt sein Ich von dem Innern Reich der Töne und gebietet darüber als unumschränkter Herr. Ästhetische Meßkünstler haben oft im Shakespeare über gänzlichen Mangel innerer Einheit und inneren Zusammenhanges geklagt, indem dem tieferen Blick ein schöner Baum, Blätter, Blüten und Früchte, aus einem Keim treibend, erwächst; so entfaltet sich auch nur durch ein sehr tiefes Eingehen in Beethovens Instrumentalmusik die hohe Besonnenheit, welche vom wahren Genie unzertrennlich ist und von dem Studium der Kunst genährt wird. Welches Instrumentalwerk Beethovens bestätigt dies alles wohl in höherm Grade als die über alle Maßen herrliche tiefsinnige Sinfonie in c-Moll. Wie führt diese wundervolle Komposition in einem fort und fort steigenden Klimax den Zuhörer unwiderstehlich fort in das Geisterreich des Unendlichen. Nichts kann einfacher sein, als der nur aus zwei Takten bestehende Hauptgedanke des ersten Allegros, der, anfangs im Unisono, dem Zuhörer nicht einmal die Tonart bestimmt. Den Charakter der ängstlichen, unruhvollen Sehnsucht, den dieser Satz in sich trägt, setzt das melodiöse Nebenthema nur noch mehr ins klare! – Die Brust, von der Ahnung des Ungeheuern, Vernichtung Drohenden gepreßt und beängstet, scheint sich in schneidenden Lauten gewaltsam Luft machen zu wollen, aber bald zieht eine freundliche Gestalt glänzend daher und erleuchtet die tiefe, grauenvolle Nacht. (Das liebliche Thema in G-Dur, das erst von dem Horn in Es-Dur berührt wurde.) – Wie einfach – noch einmal sei es gesagt – ist das Thema, das der Meister dem Ganzen zum Grunde legte, aber wie wundervoll reihen sich ihm alle Neben- und Zwischensätze durch ihr rhythmisches Verhältnis so an, daß sie nur dazu dienen, den Charakter des Allegros, den jenes Hauptthema nur andeutete, immer mehr und mehr zu entfalten. Alle Sätze sind kurz, beinahe alle nur aus zwei, drei Takten bestehend, und noch dazu verteilt in beständigem Wechsel der Blas- und der Saiteninstrumente; man sollte glauben, daß aus solchen Elementen nur etwas Zerstückeltes, Unfaßbares entstehen könne, aber statt dessen ist es eben jene Einrichtung des Ganzen sowie die beständige, aufeinander folgende Wiederholung der Sätze und einzelner Akkorde, die das Gefühl einer unnennbaren Sehnsucht bis zum höchsten Grade steigert. Ganz davon abgesehen, daß die kontrapunktische Behandlung von dem tiefen Studium der Kunst zeugt, so sind es auch die Zwischensätze, die beständigen Anspielungen auf das Hauptthema, welche dartun, wie der hohe Meister das Ganze mit allen den leidenschaftlichen Zügen im Geist auffaßte und durchdachte. – Tönt nicht wie eine holde Geisterstimme, die unsre Brust mit Hoffnung und Trost erfüllt, das liebliche Thema des Andante con moto in As-Dur? – Aber auch hier tritt der furchtbare Geist, der im Allegro das Gemüt ergriff und ängstete, jeden Augenblick drohend aus der Wetterwolke hervor, in der er verschwand, und vor seinen Blitzen entfliehen schnell die freundlichen Gestalten, die uns umgaben. – Was soll ich von der Menuett sagen? – Hört die eignen Modulationen, die Schlüsse in dem dominanten Akkorde Dur – den der Baß als Tonika des folgenden Themas in Moll aufgreift – das immer sich um einige Takte erweiternde Thema selbst! Ergreift euch nicht wieder jene unruhvolle, unnennbare Sehnsucht, jene Ahnung des wunderbaren Geisterreichs, in welchem der Meister herrscht? Aber wie blendendes Sonnenlicht strahlt das prächtige Thema des Schlußsatzes in dem jauchzenden Jubel des ganzen Orchesters. – Welche wunderbare kontrapunktische Verschlingungen verknüpfen sich hier wieder zum Ganzen. Wohl mag manchem alles vorüberrauschen wie eine geniale Rhapsodie, aber das Gemüt jedes sinnigen Zuhörers wird gewiß von einem Gefühl, das eben jene unnennbare ahnungsvolle Sehnsucht ist, tief und innig ergriffen, und bis zum Schlußakkord, ja noch in den Momenten nach demselben wird er nicht heraustreten können aus dem wunderbaren Geisterreiche, wo Schmerz und Lust, in Tönen gestaltet, ihn umfingen. – Die Sätze ihrer Innern Einrichtung nach, ihre Ausführung, Instrumentierung, die Art, wie sie aneinandergereiht sind, alles arbeitet auf einen Punkt hinaus; aber vorzüglich die innige Verwandtschaft der Themas untereinander ist es, welche jene Einheit erzeugt, die nur allein vermag den Zuhörer in einer Stimmung festzuhalten. Oft wird diese Verwandtschaft dem Zuhörer klar, wenn er sie aus der Verbindung zweier Sätze heraushört oder in den zwei verschiedenen Sätzen gemeinen Grundbaß entdeckt, aber eine tiefere Verwandtschaft, die sich auf jene Art nicht dartut, spricht oft nur aus dem Geiste zum Geiste, und eben diese ist es, welche unter den Sätzen der beiden Allegros und der Menuett herrscht und die besonnene Genialität des Meisters herrlich verkündet.

A Long Minuet as Danced at Bath | Henry William Bunbury | 1787

Wie tief haben sich doch deine herrlichen Flügel-Kompositionen, du hoher Meister! meinem Gemüte eingeprägt; wie schal und nichtsbedeutend erscheint mir doch nun alles, was nicht dir, dem sinnigen Mozart und dem gewaltigen Genius Sebastian Bach angehört. – Mit welcher Lust empfing ich dein siebzigstes Werk, die beiden herrlichen Trios, denn ich wußte ja wohl, daß ich sie nach weniger Übung bald gar herrlich hören würde. Und so gut ist es mir ja denn heute abend geworden, so daß ich noch jetzt wie einer, der in den mit allerlei seltenen Bäumen, Gewächsen und wunderbaren Blumen umflochtenen Irrgängen eines phantastischen Parks wandelt und immer tiefer und tiefer hineingerät, nicht aus den wundervollen Wendungen und Verschlingungen deiner Trios herauszukommen vermag. Die holden Sirenenstimmen deiner in bunter Mannigfaltigkeit prangenden Sätze locken mich immer tiefer und tiefer hinein. – Die geistreiche Dame, die heute mir, dem Kapellmeister Kreis1er, recht eigentlich zu Ehren das Trio Nro. 1 gar herrlich spielte und vor deren Flügel ich noch sitze und schreibe, hat es mich recht deutlich einsehen lassen, wie nur das, was der Geist gibt, zu achten, alles übrige aber vom Übel ist. Eben jetzt habe ich auswendig einige frappante Ausweichungen der beiden Trios auf dem Flügel wiederholt. – Es ist doch wahr, der Flügel (Flügel-Pianoforte) bleibt ein mehr für die Harmonie als für die Melodie brauchbares Instrument. Der feinste Ausdruck, dessen das Instrument fähig ist, gibt der Melodie nicht das regsame Leben in tausend und tausend Nuancierungen, das der Bogen des Geigers, der Hauch des Bläsers hervorzubringen imstande ist. Der Spieler ringt vergebens mit der unüberwindlichen Schwierigkeit, die der Mechanism, der die Saiten durch einen Schlag vibrieren und ertönen läßt, ihm entgegensetzt. Dagegen gibt es (die noch immer weit beschränktere Harfe abgerechnet) wohl kein Instrument, das so wie der Flügel in vollgriffigen Akkorden das Reich der Harmonie umfaßt
und seine Schätze in den wunderbarsten Formen und Gestalten dem Kenner entfaltet. Hat die Phantasie des Meisters ein ganzes Tongemälde mit reichen Gruppen, hellen Lichtern und tiefen Schattierungen ergriffen, so kann er es am Flügel ins Leben rufen, daß es aus der Innern Welt farbicht und glänzend hervortritt. Die vollstimmige Partitur, dieses wahre musikalische Zauberbuch, das in seinen Zeichen alle Wunder der Tonkunst, den geheimnisvollen Chor der mannigfaltigsten Instrumente bewahrt, wird unter den Händen des Meisters am Flügel belebt, und ein in dieser Art gut und vollstimmig vorgetragenes Stück aus der Partitur möchte dem wohlgeratnen Kupferstich, der einem großen Gemälde entnommen, zu vergleichen sein. Zum Phantasieren, zum Vortragen aus der Partitur, zu einzelnen Sonaten, Akkorden usw. ist daher der Flügel vorzüglich geeignet, so wie nächstdem Trios, Quartetten, Quintetten etc., wo die gewöhnlichen Saiteninstrumente hinzutreten, schon deshalb ganz in das Reich der Flügelkomposition gehören, weil, sind sie in der wahren Art, d. h. wirklich vierstimmig, fünfstimmig usw. komponiert, hier es ganz auf die harmonische Ausarbeitung ankommt, die das Hervortreten einzelner Instrumente in glänzenden Passagen von selbst ausschließt.
Einen wahren Widerwillen hege ich gegen all die eigentlichen Flügelkonzerte. (Mozartsche und Beethovensche sind nicht sowohl Konzerte als Sinfonien mit obligatem Flügel.) Hier soll die Virtuosität des einzelnen Spielers in Passagen und im Ausdruck der Melodie geltend gemacht werden; der beste Spieler auf dem schönsten Instrumente strebt aber vergebens nach dem, was z. B. der Violinist mit leichter Mühe erringt.
Jedes Solo klingt nach dem vollen Tutti der Geiger und Bläser steif und matt, und man bewundert die Fertigkeit der Finger u. dergl., ohne daß das Gemüt recht angesprochen wird.
Wie hat doch der Meister den eigentümlichsten Geist des Instruments aufgefaßt und in der dafür geeignetsten Art gesorgt!
Ein einfaches, aber fruchtbares, zu den verschiedensten kontrapunktischen Wendungen, Abkürzungen usw. taugliches, singbares Thema liegt jedem Satze zum Grunde, alle übrigen Nebenthemata und Figuren sind dem Hauptgedanken innig verwandt, so daß sich alles zur höchsten Einheit durch alle Instrumente verschlingt und ordnet. So ist die Struktur des Ganzen; aber in diesem künstlichen Bau wechseln in rastlosem Fluge die wunderbarsten Bilder, in denen Freude und Schmerz, Wehmut und Wonne neben- und ineinander hervortreten. Seltsame Gestalten beginnen einen luftigen Tanz, indem sie bald zu einem Lichtpunkt verschweben, bald funkelnd und blitzend auseinanderfahren und sich in mannigfachen Gruppen jagen und verfolgen; und mitten in diesem aufgeschlossenen Geisterreiche horcht die entzückte Seele der unbekannten Sprache zu und versteht alle die geheimsten Ahnungen, von denen sie ergriffen.
Nur der Komponist drang wahrhaft in die Geheimnisse der Harmonie ein, der durch sie auf das Gemüt des Menschen zu wirken vermag; ihm sind die Zahlenproportionen, welche dem Grammatiker ohne Genius nur tote, starre Rechenexempel bleiben, magische Präparate, denen er eine Zauberwelt entsteigen läßt.
Unerachtet der Gemütlichkeit, die vorzüglich in dem ersten Trio, selbst das wehmutsvolle Largo nicht ausgenommen, herrscht, bleibt doch der Beethovensche Genius ernst und feierlich. Es ist, als meinte der Meister, man könne von tiefen, geheimnisvollen Dingen, selbst wenn der Geist, mit ihnen innig vertraut, sich freudig und fröhlich erhoben fühlt, nie in gemeinen, sondern nur in erhabenen, herrlichen Worten reden; das Tanzstück der Isispriester kann nur ein hochjauchzender Hymnus sein.
Die Instrumentalmusik muß da, wo sie nur durch sich als Musik wirken und nicht vielleicht einem bestimmten dramatischen Zweck dienen soll, alles unbedeutend Spaßhafte, alle tändelnden Lazzi vermeiden. Es sucht das tiefe Gemüt für die Ahnungen der Freudigkeit, die herrlicher und schöner als hier in der beengten Welt, aus einem unbekannten Lande herübergekommen, ein inneres, wonnevolles Leben in der Brust entzündet, einen höheren Ausdruck, als ihn geringe Worte, die nur der befangenen irdischen Lust eigen, gewähren können. Schon dieser Ernst aller Beethovenschen Instrumental- und Flügelmusik verbannt alle die halsbrechenden Passagen auf und ab mit beiden Händen, alle die seltsamen Sprünge, die possierlichen Capriccios, die hoch in die Luft gebauten Noten mit fünf- und sechsstrichigem Fundament, von denen die Flügelkompositionen neuester Art erfüllt sind. – Wenn von bloßer Fingerfertigkeit die Rede ist, haben die Flügelkompositionen des Meisters gar keine besondere Schwierigkeit, da die wenigen Läufe, Triolenfiguren u. d. m. wohl jeder geübte Spieler in der Hand haben muß; und doch ist ihr Vortrag bedingt recht schwer. Mancher sogenannte Virtuose verwirft des Meisters Flügelkomposition, indem er dem Vorwurfes sehr schwer! noch hinzufügt: und sehr undankbar! – Was nun die Schwierigkeit betrifft, so gehört zum richtigen, bequemen Vortrag Beethovenscher Komposition nichts Geringeres, als daß man ihn begreife, daß man tief in sein Wesen eindringe, daß man im Bewußtsein eigner Weihe es kühn wage, in den Kreis der magischen Erscheinungen zu treten, die sein mächtiger Zauber hervorruft. Wer diese Weihe nicht in sich fühlt, wer die heilige Musik nur als Spielerei, nur zum Zeitvertreib in leeren Stunden, zum augenblicklichen Reiz stumpfer Ohren oder zur eignen Ostentation tauglich betrachtet, der bleibe ja davon. Nur einem solchen steht auch der Vorwurf: und höchst undankbar! zu. Der echte Künstler lebt nur in dem Werke, das er in dem Sinne des Meisters aufgefaßt hat und nun vorträgt. Er verschmäht es, auf irgendeine Weise seine Persönlichkeit geltend zu machen, und all sein Dichten und Trachten geht nur dahin, alle die herrlichen, holdseligen Bilder und Erscheinungen, die der Meister mit magischer Gewalt in sein Werk verschloß, tausendfarbig glänzend ins rege Leben zu rufen, daß sie den Menschen in lichten, funkelnden Kreisen umfangen und, seine Phantasie, sein innerstes Gemüt entzündend, ihn raschen Fluges in das ferne Geisterreich der Töne tragen.

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Aus: E. T. A. Hoffmann | Beethovens Instrumentalmusik | Essay
Theorie der Romantik | 1814

Elisabeth Bergner | Heilige Johanna

Elisabeth BERGNER [1897 – 1986] Schauspielerin, studierte 1915-
1919 am Wiener Konservatorium, begann 1919 am Stadttheater von Zürich und kam über Wien und München nach Berlin. Ihren Ruhm begründete sie am Lessingtheater, 1921 mit der Darstellung der Rosalinde in
Shakespeares „Wie es euch gefällt” und 1922 mit der Königin Christine in dem gleichnamigen Stück von Strindberg. Im Deutschen Theater spielte sie mit besonderem Erfolg 1923 in Strindbergs „Fräulein Iulie” und 1924 in der „Heiligen Iohanna” von Shaw. 1928 gastierte sie in Holland, Dänemark, Schweden und Österreich, 1931~32 in Paris. Als sie 1933 nicht mehr an den deutschen Bühnen spielen durfte, ging sie nach England, wo sie die britische Staatsbürgerschaft erhielt. Abwechselnd trat sie seither in London und New York auf, und eine Welttournee als Sally in „The Two Mrs. Carrols” führte sie bis Australien. Bei ihren Gastspielen hier nach dem Kriege erlebte auch wieder das deutsche Publikum ihre schauspielerische Gestaltungskraft und einzigartige Anmut. Die großen Filme, die ihr Mann Paul Czinner in den Iahren 1923-1939 mit ihr drehte, werden noch heute in aller Welt gezeigt.
Das Foto zeigt sie in der Rolle der Heiligen Johanna von George Bernard Shaw, die sie unter Max Reinhardts Regie in Deutschland erstaufführte.

Musik | Charly Antolini | drum pet

Eine Schlange, eine Schlange. Warum geht mir dieses Tier nicht aus dem Kopf?
Es war mein erster Gedanke und es war jener, der immer wieder kehrte, wenn ich über eine Snare, über den Klang einer Snare nachdachte. Er gefiel mir nicht, dieser Gedanke, genauso wenig wie ich das Tier, wie ich Schlangen mochte. Diese beinlosen Wesen, die zischelnd über den Boden oder von Bäumen herab gleiten, boten allenfalls im scharfen, schnellen Laut ihrer Zungen eine kleine, klitzekleine Ähnlichkeit mit jenen Tönen, die man mit einer Snare zu erzeugen vermag.
Ein Vogel könnte es sein, einer der verschiedene Tierstimmen imitieren kann, ein leises Zischeln, ein lautes Rasseln, ein dumpfes doch dröhnendes Schnarren. Vielleicht aber auch, so dachte ich, ein Krabbeltier, ein kleines Tier mit vielen kleinen Füßen, ein Krabbeltier mit der Kehle eines Vogels, mit der schnellen Zunge einer Schlange, ihre raschelnden Bewegungen beim Gleiten über den Boden, durch Büsche hindurch mit kleinen, schnellen Schritten nachahmend.
Ein Krabbeltier, das seine unzähligen Füße dazu einsetzen könnte, auf dem ausgetrockneten Boden eines Feldes einen dumpfen, tot klingenden Ton zu erzeugen, auf dem feuchten, Laub bedeckten Boden eines Waldes aber ein weiches Streichen, so, als würde man mit dem Besen über das Fell der Snare fahren.
Was immer es ist, es ist nie nur das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint.

All das begleitet mich wiederkehrend beim Lauschen von
Charly Antolinis drum pet (1966) vom Album drum beat

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Foto: Fusslkopp at de.wikipedia | Charly Antolini in Bonn
Foto: Fusslkopp at de.wikipedia | Charly Antolini in Bonn

Charly Antolini (*1937 in Zürich) ist ein Schweizer Jazz-Schlagzeuger. Antolini lernte die traditionelle Schweizer Basler Trommel zu spielen bevor er 1956 nach Paris ging, wo er mit Sidney Bechet, Bill Coleman ua. spielte. In der Oldtime-Jazz-Band „The Tremble Kids“ kam er dann mit dem Trompeter Oscar Klein und dem Klarinettist Werner Keller zusammen. Ab 1962 lebte er dann in Stuttgart, wo er 5 Jahre mit dem Bassisten Peter Witte und dem Pianisten Horst Jankowski in der SWR Big Band von Erwin Lehn arbeitete. Hinzu kamen Engagements in den Big Bands von Kurt Edelhagen, Peter Herbolzheimer und Max Greger in der NDR Bigband gespielt.

1976 folgte dann die Gründung seiner eigene Band: „Charly Antolini Jazz Power“, die ursprünglich mit Steve Hooks (Tenorsax); Andrei Lobanov (Trompete); David Gazarov (Keyboards) und Rocky Knauer (Bass) besetzt war. Später kamen Len Skeat und Brian Lemon hinzu.

In den 1980er Jahren tourte er in Deutschland, Italien und Dänemark mit Benny Goodman, Lionel Hampton, Barbara Dennerlein, Albert Mangelsdorff, Earl Hines, Roy Eldridge, Jimmy Giuffre, Art Farmer, Oliver Nelson, Art Van Damme, Stuff Smith, Baden Powell und anderen. Später tourte Antolini auch durch die Sowjetunion.

Charly Antolini lebt in München und tourt regelmäßig mit seiner eigenen Band „Jazz Macht“.

charlie-antolini-drum-beat-innenteilCharly Antolini – Drum beat

Label : MPS / SABA
Pressung : 1586 ST – GERMANY
Jahr : 1966
Genre : JAZZ|SOUL

Musik | Ein Schnupperdenker sein | Mit Musik von Jori Hulkkonen & Hint

SCHNUPPERDENKER
Mit Musik von Jori Hulkkonen &  Hint

Das frisch gebackene Brot duftet aus der Küche bis in mein Büro hinein, die asiatische Tütennudelsuppe in der weißen Porzellanschale, die bis eben die zwanzig Zentimeter Raum auf meinem Schreibtisch zwischen Tischkante und Laptop ausfüllte, mag ich nicht mehr riechen. Trinke gierig einen großen Schluck Wasser, stelle den kleinen Rest Suppe aufs Fensterbrett, weit weg von meinem Tisch, noch ein Schluck Wasser, es reicht nicht, um den künstlichen Geschmack aus meinem Mund zu vertreiben, dieser Geschmack, der sich irgendwo im hinteren Bereich meines Gaumens festgebissen hat, dieser Geschmack stört mich beim Riechen, beim Riechen des frisch gebackenen Brotes. Hints „Count your blessings“ treibt mich an, diese eingängige, kleine Melodie auf dem Synthezizer treibt meine Gedanken an, schnell noch eine kleine Idee, gruselig muss sie sein, gruselig wie das fade Blau des Himmels, das mich an die Farbe von 1,5-Liter-Plastik-Wasserflaschen erinnert, dann ein paar Ideen für den Herbst sammeln.

Der Herbst. Beginnen, meine Freu-dich-auch-drauf-CDs zusammen zu stellen. Wenn, wollte, würde. Ich experimentiere ein bisschen mit Jam, Jori Hulkkonens „Science“ passt so wunderschön zu Hints „Count your blessing“, Besser aber dann Joris „Black Books“.  Komme mit dem PCProgramm nicht sehr gut klar, wünsche mir, mal wieder, immer wieder, zwei 1210er und jede Menge Vinyl. Stattdessen zupfe ich mir ein kleines Stückchen von der knusprigen Kruste des Brotes ab, liebäugle mit der vierten Tasse Kaffee mit Tobleronestückchen und bin glücklich. Glücklich, weil niemand sehen kann, was ich alles gleichzeitig, nacheinander, nebeneinander her tue, wie ich mich ablenke, um mich wieder konzentrieren zu können, wie ich mit den nackten Zehen Dehnungsübungen auf kleinstem Raum mache, auf dem Fußboden, mit hochgezogenen Beinen, unter dem Po auf dem Stuhl verschränkt, weil niemand sehen kann, wie ich den linken Ärmel meines T-Shirts lang ziehe, ein Stückchen Stoff zwischen Daumen und Finger nehme, eine Faust bilde damit und am Stoff schnuppere, schnuppere und denke.

http://www.hinteractive.co.uk/

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http://www.jorihulkkonen.com/

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Ich hasse Musik, die durch die Ritzen flieht | Nach Reinhard Mey

Ich hasse Musik, die durch die Ritzen flieht.
Musik, die mir den Spaß an der Musik verdirbt,
Zu leise, um sie richtig zu hören,
Aber grad‘ laut genug, um mich zu stören.

Ich liebe Musik, die atmet und bewegt,
Ich liebe Musik, wenn dabei der Rhythmus bebt,
Ich liebe die Stille, die mich aufhorchen lässt.

Ich liebe alle Geräusche, nur eines hass‘ ich wie die Pest:
Musik aus Ritzen & Löchern in der Wand
Musik, die dann an dir klebt.

Vladimir Posener – nach einem Motiv von Reinhard Mey

Mariza • Mundo • Musical Fado

AlbumCover - Marzia Mundo - Warner
AlbumCover – Marzia – Mundo – Warner

Die portugiesische Fado-Sängerin Mariza [Marisa dos Reis Nunes] hat im Oktober 2015 nach 5-jähriger Schaffenspause ein neues Album veröffentlicht. In der Ankündigung zum Album „Mundo“ versprach die Sängerin „ein anderes Konzept“. Es ist wahr, das hat sie geliefert. „Mundo“ ist bemerkenswert, nicht wegen ihrer Auswahl der Lieder, sondern wegen der Qualität ihres Gesangs.
Ihr letztes Album aus dem Jahre 2010, Fado Tradicional, war überzeichnet und scheiterte weil es zu sehr Bezug auf ihre hoch emotionalen Live-Auftritten nahm. Mundo ist dagegen von „Musical Fado“ dominiert, in dem Mariza die Stücke traditionell interpretiert – und mit ihrem Gesang in ein Farbenmeer taucht. Vom gedankenvollen Rio de mágoa über die zarte Öffnung in Paixão, lernen wir eine entspannte, persönliche und intime Mariza kennen. Die Songs reichen vom robusten Fado Klassiker Anda O Sol Na Minha Rua (bekannt durch Amália Rodrigues) bis hin zum argentinischen Tango; ein beschwingter Song von den Kapverdischen Inseln und fadogefärbte portugiesische Balladen. Zudem hat Mariza einige Stücke in englischer Sprache gesungen.

All diese Lieder lässt die Sängerin durch ihre bemerkenswerte und verzaubernde Stimme erblühen.

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MUNDO
2015 – Warner

PLAYLIST
01. Rio de Mágoa 02. Melhor de Mim 03. Alma 04. Saudade Solta 05. Sem Ti 06. Maldição (Fado Cravo) 07. Padoce do Céu Azul 08. Caprichosa 09. Paixão 10. Anda o Sol na Minha Rua 11. Adeus 12. Missangas 13. Sombra 14. Meu Amor Pequenino

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José Manuel Neto – Portuguese Guitar
Pedro Jóia – Acoustic Guitar
Charlie Mendes – Acoustic Bass guitar
Alfonso Pérez – Piano and Keys
Israel Suárez “Piraña” – Drums and Percussion
Professor Joel Pina – Acoustic Bass Guitar in “Maldição” and “Anda o Sol na Minha Rua”
Rui Veloso – Piano in “Meu Amor Pequenino”
Javier Limón – Flamenco Guitar in “Alma”
Carlos Leitão – Acoustic Guitar in “Maldição” and “Anda o Sol na Minha Rua”

Produced by Javier Limón

Daniel Barbiero • Die Anamnesis von Platon • musikalisch interpretiert

Wiedererinnerungtrennlinie2Daniel Barbiero  • Anamnesis

 Lizenz: Attribution-Noncommercial-No Derivative Works 3.0 United States – Quelle: http://freemusicarchive.org/music/Daniel_Barbiero/Solo_Double_Bass/

„Wie nun die Seele unsterblich ist und oftmals geboren, und, was hier ist und in der Unterwelt, alles erblickt hat, so ist auch nichts, was sie nicht hätte in Erfahrung gebracht, so daß nicht zu verwundern ist, wenn sie auch von der Tugend und allem andern vermag sich dessen zu erinnern was sie ja früher gewußt hat. Denn da die ganze Natur unter sich verwandt ist, und die Seele alles inne gehabt hat: so hindert nichts, daß wer nur an ein einziges erinnert wird, was bei den Menschen lernen heißt, alles übrige selbst auffinde, wenn er nur tapfer ist und nicht ermüdet im Suchen. Denn das Suchen und Lernen ist demnach ganz und gar Erinnerung.“ (Platon, Menon 81c f.)

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Anamnesis (auch Anamnese, griechisch ἀνάμνησις anámnēsis „Erinnerung“) ist ein zentrales Konzept in Platons Erkenntnistheorie und Seelenlehre, dem zufolge alles Wissen in der unsterblichen Seele immer schon vorhanden ist, aber bei der Geburt vergessen wird. Der menschliche Intellekt erschafft kein neues Wissen, sondern erinnert sich nur an das vergessene. Somit beruht jede Erkenntnis auf Erinnerung. Das Wissen steht der Seele zwar immer potentiell zur Verfügung, sie hat aber für gewöhnlich keinen Zugriff darauf. Ein Zugang entsteht, wenn das vergessene Wissen durch äußere Anstöße wieder in das Bewusstsein zurückgerufen wird. Durch die Anstöße, die ein Lehrer gezielt gibt, erinnert sich die Seele des Lernenden an etwas, das ihr eigentlich bereits vertraut ist. Platon erörtert das Anamnesis-Konzept in den Dialogen Menon, Phaidon und Phaidros.

Den Ursprung des latenten Wissens verortete Platon gemäß seiner Ideenlehre im transzendenten Bereich der Ideen. Mit seinem Anamnesis-Konzept gab er den Anstoß zur philosophischen Auseinandersetzung mit dem Problem einer apriorischen – von der sinnlichen Erfahrung unabhängigen – Erkenntnis. – Quelle: wikipedia

HIer sehen Sie Bilder aus der Collage in angenehmer Größe:

Taylor Swift “1989” – 13 Songs und eine verborgene Liebesgeschichte

Taylor Swift “1989”

Anstatt einer Ansammlung von verschiedenen Titeln mit unterschiedlicher Bedeutung hat die Sängerin zu ihrem Album „1989“ angemerkt, dass es sich dabei um handelt. Der rote Faden durch das Album ist eine Liebesgeschichte. Ich habe mir mal die Mühe gemacht und diese freigelegt. Die Textauszüge habe ich im Original gelassen, da sie gut verständlich sind.

Hier nun die ganze, zarte Geschichte:

“Welcome to New York“

Once upon a time, there was a girl who moved to New York…

“Blank Space”

…and this girl was known by everyone and no one at the same time.

“Style”

…Sadly, she fell in love with someone who simply couldn’t stay.

“Out of the Woods”

The loved each other like crazy and without abandon.

“All You Had To Do Was Stay”

However, things didn’t work out and they paid the price.

“Shake It Off”

So, she danced the night away to forget about him.

“I Wish You Would”

…He drove past her street every night – he wasn’t over her.

“Bad Blood”

…Along the way, she made friends and she made some enemies.

“Wildest Dreams”

…Meanwhile, he dreamed about her every single night.

“How To Get The Girl”

…Then, one day, he came back and tried to get her back.

“This Love”

…Timing really is a funny thing.

“I Know Places”

…Everyone was watching them to see what would happen.

“Clean”

In the end, she lost him again, but fortunately, she found herself in the process.  Somehow that was all she needed.

trennlinie2Taylor_Swift_1989_CDCover

Was das Album selbst betrifft: hier vollzieht Swift den Wechsel vom Country zur Pop-Musik. Alles recht simpel gestrickt, also eingängig und somit gut verkäuflich. Die Musik ist angenehm und nervt nicht, eignet sich also gut als Hintergrundrauschen. Was die Liebesgeschichte angeht: Eher ein Marketinggag als herzerwärmend. Jedenfalls soweit gelungen, dass sich ein Fremdhörer aufmacht um die Geschichte auszugraben. Den  Rest übernimmt dann im Idealfall das Kopfkino.

Sufjan Stevens – „Carrie & Lowell“ – Wenn die Brücken zur Vergangenheit ins Nichts führen

AlbumCover
AlbumCover

Eigentlich hatte Sufjan Stevens vor, Alben zu jedem der 50 US-Staaten aufzunehmen. Bekannt ist er durch zwei von diesen geworden: die schmerzend-schönen Konzept-Folkalben „Greetings From Michigan: The Great Lake State“ (2003) und „Illinoise“ (2005) – dabei ist es bisher leider geblieben. Auf die anderen 48 wartet auch niemand mehr ernsthaft.

Dafür hat Sufjan Stevens zehn (!) Alben mit weihnachtlicher Musik aufgenommen, wunderbaren Elektropop gemacht und die HipHop-Band Sisyphus gegründet. Sein aktuelles Album „Carrie & Lowell“ ist seiner verstorbenen Mutter gewidmet & in seiner Musik schließt sich ein Kreis – eine Reise nach Hause.

„Carrie & Lowell“ ist eine Interpretation seiner Kindheitserinnerungen und der Emotionen, die ihn durch den Tod seiner Mutter überwältigt haben; diese Intensität kannte er bisher kaum. Und obwohl Stevens‘ Darbietung des realen Lebens eine große Kunst ist – manchmal scheint es sehr bzw. zu intim für den Hörer zu werden. Der Rezensent hat diese Stellen dazu genutzt, Parallelen zu seinem eigenen Leben zu suchen –zur Selbstreflexion.Weiterlesen

Der Bass bestimmt den Rythmus

Für die Melodie hohe Töne, für den Rhythmus die Bässe – dieses musikalische Schema könnte mit dem Aufbau unseres Ohres zusammenhängen. Auf Rhythmen reagieren Menschen sensibler, wenn sie in niedriger Frequenz ertönen.
Es ist das Erfolgsrezept vieler erfolgreicher Songs: Starke Bässe als Grundlage und eine hohe, eingehende Melodie wird darübergelegt. Warum wir für dieses Schema so empfänglich sind, haben Forscher um Laurel Trainor von der kanadischen McMaster University in Hamilton ergründet.
Das wir in der Musik für Melodien eher hohe Tonlagen, für Rhythmen dagegen tiefe Frequenzen nutzen erfolgt rein intuitiv. In einer früheren Studie hatte Trainor schon gezeigt, dass Menschen – Musiker wie Laien, Erwachsene wie Kinder – melodische Abweichungen (z.B. falsches Spielen) eher in höheren Tonlagen erkennen.Weiterlesen

Peter Freestone – Freddie Mercury : Ein intimer Einblick von dem Mann, der ihn am besten kannte.

Buchcover der italienischen Ausgabe. Die ist schöner.
Buchcover der italienischen Ausgabe. Die ist schöner.

Es war keiner der Kumpel Freddie Mercurys, zumindest war dies nicht der Grund für seine Rolle im Leben der Queen-Frontmannes.
Er war eher sein persönlicher Assistent – loyaler und vertrauenswürdig. Sie lebten viele Jahre zusammen unter einem Dach – Garden Lodge – in einer Villa in Kengsington, südöstlich von London. Und es ist dieses Haus,
welches die Hauptrolle der ganzen Geschichte übernimmt.
Das Haus ist komplett nach den exklusiven  Geschmack des Sängers (nennen Sie ihn nicht Popstar, er würde sich maßlos ärgern) eingerichtet. Es ist fast jedes Detail im Buch beschrieben  – einschließlich einer Beschreibung der Probleme mit der Dusche.
Das Buch handelt auch von den Perioden in New York und Monaco und auch hier beschreibt der Autor genau dieHäuser in denen sie gemeinsam gelebt haben, aber jede der Geschichte beginnt und endet mit Garden Lodge.
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Anouar Brahem – The Astounding Eyes Of Rita (ECM 2075)

eyes of rita
Cover – ECM

Ein perfektes Zusammenspiel der Musiker zeichnet dieses Album in erster Linie aus; häufig eingeleitet durch die virtuos gespielte Bassklarinette von Klaus Gesing, in die Anouar Brahem sein  räumlich sehr präsentes Oud-Spiel einfließen lässt, ergänzend und nie aufdringlich.  Björn Meyers dezentes Bassspiel führt die Riege an; ergänzt durch den noch  Libanesen Khaled Yassine der mit Darbouka bzw. Bendir eine dezente musikalische Spur des Okzident einfließen lässt. Die von Anouar komponierte Musik ist dem 2008 verstorbenem palästinensischem Philosophen Mahmoud Darwisch gewidmet, auf dessen Gedicht „Rita and the Rifle“ sich Brahem mit dem Titel der CD bezieht.  (Das Gedicht finden Sie am Ende des Artikels)
Mein Fazit: Arabische Musik verbinde ich in der Regel mit hellen, für meine Ohren teils schrille Klänge. Das Anouar Brahem auf seinem Album der Bassklarinette viel Raum gibt, war der erste „ear catcher“. Die Klänge haben einen Sog, derbereits mit dem ersten Stück „The Lover Of Beirut“ Kopfkino auslöst:. Ein Bummel durch das „Paris des Nahen Ostens“ und stets in Begleitung von „Rita“ – der schönen Frau auf dem Cover.
Das funktioniert mitallen Stücken, insbesondere mit dem titelgebenden 4ten Stück: The Astounding Eyes Of Rita – unterstützt vom angedeuteten Gesang entspinnt sich ein Spaziergang an der Hafenpromenade….Wer sich entspannen und die Gedanken treiben lassen möchte ist hier gut aufgehoben. Das Album hat keinerlei Aufreger und dennoch stimmungsvoll….mit Betonung auf den leisen Tönen.

Klaus Gesing - Anouar Brahem / Photo: Przemek Wozny
Klaus Gesing – Anouar Brahem / Photo: Przemek Wozny

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The Free Design – Cosmic Peekaboo – Marina Records

The Free Design - c thefreedesign
The Free Design – c thefreedesign

Immernoch gelten „The Free Design“  etwas für eingefleischte Insider. Ist das gerechtfertigt?  Ich denke nicht. In ihrer ersten Zeit , den 1960igern war diese Gruppe ein besonderer Tipp für Menschen, die diese Zeit mit allen Sinnen aufsaugen wollten. Heute würde so etwas nicht mehr funktionieren. Unsere Gesellschaft und das Lebens sind zu konfus und nur noch als vorbeihuschender Schatten wahrnehmbar. Daher erscheint mir diese Musik mit ihrer Philosophie und dem disziplinierten Anspruch an mehrstimmigen Satzgesang ein kleiner Fixpunkt. Viele Zeitgeister taten es ihren damals gleich,  die Carpenters, die Mamas and Papas usw.. Auch diese haben zum Erfolg des Easy Listening beigetragen – als Gegenpol zur Schnellebigkeit.
Cosmic Peekaboo als Spätwerk täuscht nicht darüber hinweg, daß die Stimmen der Gruppe doch eher unausgebildet sind und auch so rüberkommen; kompensiert wird dieser Mangel durch ein hohes Maß an Disziplin in der Ausführung. Daher lassen sie sich wirklich gut anhören.  Das Experiment der Vielstimmigkeit überzeugt auch heute und findet sicher weiterhin seine Liebhaber. „Cosmic Peekaboo“ erscheint mir als das wertigste ihrer Album – und das nach 30 Jahren! Den Spaß, den die BAnd bei den Aufnahmen hatten, erkennt man besonders bei dem Titel „McCarran airport „.
Hier stimmt alles: Komposition, Arrangement und musikalische Ausdruckskraft. Chris Dedrick und seine MitstreiterInnen vermittelt besonders in diesem Album viel Wärme und Harmonie im Gesang der Vier.
Fazit: Meine Hochachtung für dieses 50-jährige Experiment in der Musikgeschichte, wenn dieses auch nicht vom verdienten Erfolg gekrönt wurde. The Free Design sind für mich eine Perle des Pop.


Bandgeschichte

The Free Design waren ein Familien-Projekt: die Familie Dedrick: Zur Urbesetzung gehörten Christopher Dedrick (1947-2010), der die meisten Songs schrieb, seine Schwester Sandy und Bruder Bruce. Später kamen die jüngere Schwester Ellen dazu, so wie eine Zeit lang ihr Cousin Jeff Dedrick. Gegen Ende der 1970er-Jahre kam noch die jüngste Schwester Stefanie hinzu. Der Vater der Geschwister – Art – war arrangierte die Songs und spielte zudem Trompete. Weiterlesen

Last Dance – Keith Jarrett & Charlie Haden

Last Dance - Charlie Haden - Keith Jarrett - ECM - 2014
Last Dance – Charlie Haden – Keith Jarrett – ECM – 2014

Im Jahr 2010 veröffentlicht ECM Jasmine, eine zwanglose Archivaufnahme von Standards zwischen alten Freunden, die seit mehr als drei Jahrzehnten nicht mehr miteinander gearbeitet hatten. Die Aufnahmen entstanden 2007 in Keith Jarretts Cavelight Heimstudio. Die neun Stücke auf „Last Dance“ entstammen der gleichen Session: Es gibt zwei alternative Aufnahmen von Stücken des früheren Albums. „Where Can I Go Without You“ wird in einem ähnlichen Tempo gespielt, bietet aber noch mehr Einsatz von Charlie Haden. Gordon Jenkins „Goodbye“ – ein bekanntes Benny Goodman Thema, schließt die Reihe. Weiterlesen

Ray Brown – Helden am Bass

Ray Brown am Kontrabass - The Man -  2009
Ray Brown am Kontrabass – The Man – 2009

Ich habe mal wieder in meiner CD-Sammlung gewühlt um eine Aufnahme aus der „van Dusen-Chronik“ zu finden. Dabei ist mir stattdessen eine meiner frühen Bass-Idole in die Hände gefallen: “Some of my best friends are … The Piano Players” . Ich finde es immer wieder faszinierend, wie dieser alte Herr es schaffte, Jazz-Standards seinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Jeder Bassist, der sich schon mal an Coltrane´s „Giant Steps“ probiert hat, weiß was ich meine, fast taktweise Wechsel in einem Tempo fern von Gut und Böse. Aber Ray Brown schafft es, das ganze locker gestrichen zu spielen. Absolut meisterhaft. Weiterlesen

HUGH LAURIE – Didn’t It Rain (2013)

HughLaurie
Foto: Warner Bros.

Das zweite Album von Dr. House: Hielt sich der Brite mit seinem ersten Album recht strikt und souverän an den von New-Orleans geprägten Blues, nimmt er sich mit seinem  zweiten Album mehr Freiheiten. Als Fundament bleibt er dem Blues treu, lässt zudem Einflüsse von Billie Holiday bis Randy Newman einfließen. Dadurch erschafft HUGH LAURIE daraus etwas Eigenständiges. Dieses Werk hat nichts mit dem Zynismus seiner Rolle als Dr. House zu tun hat und auch nur entfernt mit seinen Büchern als Satiriker. FAZIT: ein wirklich gut gelungenes Album, das einen rasch aus den Alltagstrott trägt.Weiterlesen

Es ist Unstillbar… – über Jazz live… – Vladimir Posener schwelgt in Erinnerungen

Uri Caine - Photo by Simon Miele
Uri Caine – Photo by Simon Miele

Es ist ein Lächeln, das zum Grinsen wird, einem breiten, lang, sehr lang andauernden Grinsen, just in dem Moment, da Uri Caine den ersten Ton spielt, seinen Oberkörper dicht über das Fender Rhodes gebeugt, den Kopf dreht er zu Timothy Lefebvre, Timothys rechte Hand ruht noch an den Saiten seines E-Basses wie die Hand eines Cowboys in einem kitschigen Wildwest-Film am Halfter einer Pistole, entspannt, gespannt, bereit, bereit brummende, wabernde Bass-Salven abzufeuern, Timothy grinst jetzt ebenfalls, vielleicht weil er sich auf seinen Einsatz freut, vielleicht, weil er genauso fasziniert ist wie ich vom Tempo mit dem Zach Danziger auf sein Schlagzeug einpeitscht. Weiterlesen

Luna Hotel – jellyfish kiss – Wie Musik und Comic zusammenpassen

jellfish kiss - luna hotel Illustration: Andrea Caprez
jellfish kiss – luna hotel
Illustration: Andrea Caprez

Während die einen Geschichten mit  Pinseln und Buchstaben erzählen, setzen die anderen Bassgitarre und Akkordeon ein.
Die Schweizer Band jellyfish kiss (1989 – 99) hat 1993 ein MusikAlbum mit dem Titel Luna Hotel veröffentlicht.

Über das Album:
Mit Luna Hotel (1994), ihrem zweiten Album,  entwickelte sich die Gruppe hin zu Volksmusik und östlichen Melodien. Diese sind  durchsetzt mit Anklängen von Klezmer-Musik.
Produziert wurde das Album von Max Lässer, der zudem Dobro und Slide-Gitarre spielte.

Außerdem wurde damals ein Comic-Band zur CD veröffentlicht. Die Zeichnungen wurden von Andrea Caprez (auch Sängerin der Band) angefertigt; die Texte lieferte Christoph Schuler.
Zu jedem einzelnen Moritat wurden Illustrationen angefertigt. Rund ums das Hotel Luna wurden Geschichten erzählt: mal geht es um Adrian, einen enttäuschten Witwer, der jeden Abend im skurrilen Kostüm in halbleeren Sälen auf der Bühne stand. Oder um Georg, den Kellner des Hotels, ein ängstlicher Fremdenhasser. Das frustrierte Ehepaar Jane und Joe Limbrowski, die Figuren Susanne und Betty liefern wunderbaren Stoff für miteinander verwandte Musik- und Comic-Episoden.
Die Musik ist feinfühlig und geben die jeweiligen Stimmungen sehr gut wider.

ellfish kiss - luna hotel Illustration: Andrea Caprez
ellfish kiss – luna hotel
Illustration: Andrea Caprez

Der dazu gehörende Comic-Band ist in der Edition Moderne erschienen und ist auch ohne die Musik eine Augenweide.

Über die Band:
Die zürcherisch-bündnerische Gruppe Jellyfish Kiss wurde 1989 von Andrea Caprez (Gesang, Gitarre), Gaudenz Jehli (Akkordeon), Anna-Maria Meier (Bass) und Olivier Monney (Schlagzeug) gegründet. Sie exitierte bis 1999. Für die Texte zeigte sich Christoph Schuler verantwortlich (u.a. Mitherausgeber de Schweizer Comic-Magazins Strapazin und für seine „Retuschen“ im Magazin bekannt).
Einen ersten Radiohit hatte die Gruppe 1989 mit „Micky Mosquito“. Neben endlosen Tingeleleien durch verrauchte Kellerbars und schummrige Kneipen folgten diverse Singles, die von Presse und Publikum mit großem Interesse aufgenommen wurden.“ jellyfish kiss“ reisten damals mit der Bahn an ihre Konzerte, da keiner der Beteiligten über einen Autoführerschein verfügte. Andrea Caprez‘ Stimme wurde schon bald mit der von Bob Dylan oder Mink de Ville verglichen.
Recht amüsant ist der Schweizer Dialekt mit dem die englischen Texte vorgetragen werden.

jellyfish kiss - luna hotel cd-back
jellyfish kiss – luna hotel cd-back

 

 Youtube hält 8 Videos der Band bereit.

Händel’s Messiah – A soulful celebration – Quincy Jones

Georg_Friedrich_Händel
Georg Friedrich Händel

Georg Friedrich Händel (1685—1759) schuf sein größtes Werk innerhalb dreier Wochen im Jahre 1741. Das Libretto wurde von Charles Jennens aus Bibelworten zusammengestellt. Die Uraufführung fand dann am 13.April 1742 in Dublin statt.
Handel’s Messiah, A Soulful Celebration ist eine Bearbeitung des Händel-Oratoriums Messias im afro-amerikanischen Stil – eine Black Music-Version voller Jazz- und SoulElemente vom Big-Band-Klassiker über Reggae bis zum Hip-Hop. Das Werk erschien im Jahr 1992 auf CD und gewann den Grammy (den Oscar der Musik) in der Kategorie »Bestes  zeitgenössisches Soul-Gospel Album«. Man merkt dem Werk die 1990er Jahre an. Heute würden sicher viele Stücke anderes arrangiert. Wer dieses Musikjahrzehnt mag, ist hier gut aufgehoben.
Handels Messiah_CD8Produziert von den Szenegrößen Quincy Jones, Mervyn Warren und M. O. Jackson, kommt auf der CD die Crème der amerikanischen schwarzen Musikszene zusammen: Stevie Wonder, Al Jarreau, Diane Reeves, Chaka Khan und Patti Austin.
Zugleich würdigt sie die Kunst des Georg Friedrich Händel, der eines der größten Werke der abendländischen Kultur hervorbrachte: sein Oratorium Messias, das er 1741 in London komponierte und das vor allem durch das Halleluja bekannt geworden ist.
Übrigens ist die Idee des Neu-Arrangierens und Anpassens kein moderner Schnickschnack unserer Zeit: Schon Mozart bearbeitete den Messias, um das Meisterwerk der Generation der Klassik zugänglich zu machen.
Die moderne Interpretation schmückt die Melodien Händels; das Werk wird gut behandelt. Allerdings ist es auch Musik, die „gehört werden“ will und nicht als Hintergrundmusik geeignet ist. Man sollte sich also Zeit und Muße nehmen, die Musik genießen und damit die musikalische und künstlerische Leistung der Musiker würdigen.  Anders ist man schnell genervt von den stetigen Stil- und Tempiwechseln.
Die Soulful Celebration zeigt aber nicht nur, dass eine gute Melodie 265 Jahre überlebt. Sie gibt ein umfassendes Bild dessen, was „schwarze“ Musik bedeutet, welche Stile sie umfasst und welche Entwicklung sie genommen hat. Die Auswahl der Stücke bezieht sich vornehmlich auf den 1. weihnachtlichen Teil des „Messiah“. In jedem Fall eine besinnliche Musik; wenn auch nicht im klassischen Sinne.

 Handels Messiah_CD_back

Larry Gus – mediterrane Klänge treffen auf Elektronik, Soul, Hip-Hop und Psychedelia

Larry Gus ist Grieche und macht Musik. Mit Bouzouki, Sirtaki, Mikis Theodorakis oder Alexis Sorbas hat das aber nichts zu tun. Stattdessen erwarten uns  Elektronik, Soul, Hip-Hop, Disco und Psychedelia. Alles mit dem entsprechenden Einschlag mediterraner Klänge.  Klingt wirr? Ist es nicht. Nur keine Musik, die sich in Schubladen pressen lässt, sondern erfahren werden will.

Larry Gus - Years Not LivingDrei Jahre nach seinem Debut-Album «Stitches» meldet sich Multiinstrumentalist, Produzent und Sänger Larry Gus zurück mit der neuen CD «Years Not Living», erschienen beim New Yorker Label DFA (LCD Soundsystem, Holy Ghost). Larry Gus, mit bürgerlichem Namen Panagiotis Melidis, verbindet Komponenten des Free-Jazz der späten 60er-und frühen 70er-Jahre und verknüpft diese mit teils klaren, teils psychedelischen Pop-Melodien und perkussiven Elementen. Auf seiner Seite tumblr.com erkennt man schon rein visuell, wie er tickt und die Stimmung ist seiner Musik ist. Ergänzend dazu finden Sie auf Soundcloud die passenden Töne dazu.

http://larrygus.tumblr.com/ (viele, viele Fotos)
https://soundcloud.com/larrygus 

Über Irland – Beschützerinstinkte und Heidi Talbot

Woran ich merkte, dass ich nun doch zum „alten Sack“ mutiert bin? Es war die CD „The last star“ von Heidi Talbot. Ich saß in  einem Öko-Kunst-Café im Hamburger Stadtteil St. Georg und wurde mit ihrer Stimme beschallt. Diese mädchenhafte Stimme, die bei mir den Beschützereflex auslöste und gleich danach der Schüttelreflex, wie bei einem erschreckten Tier, welche Frau will denn heute noch beschützt werden, das machen die doch lieber selbst.Weiterlesen

Ladinisch – Wenn Sprache singt – über das Südtiroler Trio Ganes

Können Sie Ladinisch? Ich eher nicht.
Auf einem Geschäftstermin in Zürich; es liegen zwei inspirierende Tage liegen hinter mir. Mein Gastgeber hat mir zum Abschied eine CD mitgegeben; für die lange Fahrt.  Während ich durchs Gebirge gen Norden fahre, lausche ich einer fremden Sprache: dem Ladinischen. Diese Sprache wird inzwischen nur noch von etwa 30 Tausend Menschen genutzt und ist vergleichbar mit dem Schweizer Rätoromanischen.  Der Name Ladinien bezeichnet ein geographisches Gebiet in den Dolomiten in Norditalien. Der Begriff wurde wahrscheinlich im 19. Jahrhundert als Bezeichnung für das ladinischsprachige Gadertal geprägt.
Naturgemäß verstehe ich kein Wort und doch ist die jeweilige Stimmung angenehm eingängig.  Es ist das aktuelle Album der Südtiroler Band Ganes. Sie besteht aus den Schwestern und Cousinen Marlene und Elisabeth Schuen sowie Maria Moling. Marlene Schuen studierte Violine und Jazzgesang, Elisabeth Schuen absolvierte ein Studium als Opernsängerin und spielt wie ihre Schwester Geige. Maria Moling studierte in Klagenfurt Musik. Der Bandname hat übrigens seinen Ursprung in dem Mythos lokaler Sagengestalten. Aus den fließenden Rhythmen erheben sich ihre drei Stimmen; mal zart mal fröhlich, mal fordernd. Die Sprache eignet sich wunderbar für den Gesang; sie für sich genommen sehr melodisch. Weiterlesen