Autor: Peter Blossfeld

Peter Blossfeld ist im Hauptberuf Finanzbeamter in Rheinland Pfalz. Vermutlich durch seinen Vater inspiriert beschäftigt sich unser Autor seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Comics und graphischen Werken. Er kennt jede bedeutende Fachmesse aus dem effeff und hat - geschätzt - zweieinhalbtausend Comics. Darunter auch zahlreiche Erstausgaben. Um sich diese finanziell leisten zu können hat Peter Blossfeld das Spekulieren an der Börse gelernt. Sein besonderes Interesse gilt den Comics und graphischen Werken Nord- und Osteuropas.

Ist das schon Kunst oder?!

Ist das schon Kunst oder ? | Farbspiele mit dem Klebeband

Jeder kennt die glasklaren, farblosen Klebebänder, Verpackungsfolien und dünnwandigen Behälter aus Kunststoff. Sie können eine überraschende Pracht zeigen – im polarisierenden Licht.
Bei nur schwacher Vergrößerung kann man unterm Mikroskop eine erstaunliche Fülle von Farben und Formen entdecken, und diese durch verschiedene Anordnungen beeinflussen.

Menschenbilder | Wilhelm Busch | Anleitung zu historischen Porträts

Wilhelm Busch
Anleitung zu historischen Porträts

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EINS

0721b

Zum Beispiel machen wir zum Spaß
Mal erstens das!

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Dann zweitens zur Erheiterung
Kommt dieses als Erweiterung.

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Zum dritten, wie auch zum Vergnügen,
Ist folgendes hinzuzufügen.

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Hierauf noch viertens mit Pläsier
Gelangen wir zu diesem hier.

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Zum Schluß noch dieses! – Ei Potzblitz!
So haben wir den Alten Fritz.

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ZWEI

Mach still und froh

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Mal so

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und so,

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Gleich steht er do

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bei Austerlitz

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und Waterloo.

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DREI

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Gesetzt, daß dies ein Kürbis sei,
Eine Gurke und drei Radi dabei;

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So wär’s nicht übel, sollt‘ ich meinen,
Kürbis und Gurke zu vereinen;

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Denn setzen wir jetzt die Radi dran,
So haben wir noch einen großen Mann.

Die Peanuts & Ihre Anatomie – Sorgenkinder des Orthopäden

Peppermint Patty - c Michael Paulus

trennlinie2Würde es so manche Comicfigur real geben, sie hätte arge Probleme mit der Fortbewegung oder gar mit dem aufrechten Stand. Der amerikanische Künstler Michael Paulus kam auf die irre Idee, u.a. die Figuren aus der Comicreihe „Die Peanuts“ anatomisch darzustellen – ohne Rücksicht auf Unzulänglichkeiten.
Halt so wie Charles M. Schulz Was dabei herauskommt ist sowohl faszinierend als auch ernüchternd: im realen Leben wäre z.B. Peppermint Patty eine „Stehwarze“. Mehr nicht. Teile der Mittelfußknochen fehlen und daher wäre das Laufen unmöglich. Und erst die im Verhältnis gesehen riesigen Köpfe – ein Fall für den Statiker. Aber was solls: Wunderbar sind die Geschichten allemal, da lässt sich über solche Marginalien hinwegsehen.

Die Zeichnungen von Michael Paulus sind in jedem Fall amüsant und betrachtenswert. Neben den Peanuts finden sich auf seiner Seite auch Pikachu, Hello Kitty, Fred Feuerstein, Betty Boop und weitere Comicfiguren.

michaelpaulus.com

Rhythmus 21 & 23 von Hans Richter – Experimentalfim

Rhythmus 21 ist ein Kurzfilm in schwarz-.weiß von Hans Richter. Veröffentlicht 1921.

Zu Beginn des Jahrhunderts war das Nebeneinander von Klang, Farbe und Bewegung in einem einzigen Kunstwerk noch auf experimenteller Ebene. Eine der ersten veröffentlichten Werke einer solchen Kombination war Hans Richters Rhythmus 21 (1921). Ein dreiminütiger Film, wo der musikalischen und der visuelle Teil untrennbar miteinander verbunden sind. Das Visuelle bannt sofort Aufmerksamkeit: geometrische Formen -weiße Rechtecke auf schwarzem Hintergrund oder im Gegenteil – bewegen und verändern die Farbe und Form, Größe und Ort, und folgen so dem Rhythmus und der Melodie.

Rhythmus 23 ist die Weiterentwicklung.

Eadweard Muybridge – Kirchenruine Antigua, Guatemala – 1875

Eadweard Muybridge - 1875
Eadweard Muybridge – 1875

Eadweard Muybridge (* 9. April 1830 in Kingston upon Thames; † 8. Mai 1904 ebenda; eigentlich Edward James Muggeridge) war ein britischer Fotograf und Pionier der Fototechnik.
Er gilt – neben Étienne-Jules Marey und Ottomar Anschütz – aufgrund seiner Reihenfotografien und Serienaufnahmen mit Studien des menschlichen und des tierischen Bewegungsablaufs als einer der bedeutendsten frühen Vertreter der Chronofotografie. – Quelle: wikipedia

Honoré Daumier – Der Kopfschmerz – Eine zeitlose Karikatur

Honoré Daumier - Der Kopfschmerz - Karikatur
Honoré Daumier – Der Kopfschmerz – Karikatur

Honoré Daumier (* 26. Februar 1808 in Marseille; † 10. Februar 1879 in Valmondois, Val-d’Oise) – ein französischer Maler, Bildhauer, Grafiker,  Karikaturist & wichtiger Vertreter des Realismus. Bekannte wurde er besonders durch seine politischen und sozialkritischen Karikaturen.Weiterlesen

Pawel Nikolajewitsch Filonow – Gesichter – 1940

Pawel Nikolajewitsch Filonow: „Gesichter“, 1940
Pawel Nikolajewitsch Filonow: „Gesichter“ – 1940 – Öl auf Papier

Pawel Nikolajewitsch Filonow (russisch Павел Николаевич Филонов, wiss. Transliteration Pavel Nikolaevič Filonov; * 27. Dezember 1882jul./ 8. Januar 1883greg. in Moskau; † 3. Dezember 1941 in Leningrad) war ein herausragender russischer Maler, Kunsthistoriker und Dichter, der der Russischen Avantgarde zuzurechnen ist.Weiterlesen

Adolf Wölfli – Lea Tantaria (Lea Tant­taaria) – 1911

Adolf Wölfli
Adolf Wölfli – Lea Tantaria – 1911

Adolf Wölfli (1864-1930) gehört zu den bedeutendsten Vertretern der so genannten «Art Brut». In den 35 Jahren seines Aufenthalts in der Irrenanstalt Waldau bei Bern hat der als schizophren diagnostizierte Künstler ein faszinierendes Werk riesenhaften Ausmaßes geschaffen. Dessen Einzigartigkeit gründet in der Untrennbarkeit von Text, Bild und Musik, in der strukturellen Verschmelzung verschiedener künstlerischer Medien. 25.000 meist großformatige, zu Heften gebundene Seiten umfaßt dieses «kompliszierte Wärk», wie es Wölfli selbst genannt hat: Notationen, phantastische Erzähltexte, Illustrationen, Collagen, Gedichte, Bilder, Lautschriften und abstrakte Buchstaben- und Zahlenkompositionen verschlingen sich darin zu einer Weltkonstruktion, einem Netzwerk von Bezüglichkeiten, deren strenge Ordnungsprinzipien uns letztlich verschlossen bleiben. Der manische Gestaltungswille Wölflis richtete sich dabei konsequent auf ein Ziel: auf die Erschaffung einer einzigartigen Kopfwelt, der «Skt. Adolf-Riesen-Schöpfung». Im Kopf erfand sich Adolf Wölfli nicht nur seine Privatmythologie, sein eigenes Zahlensystem und Vokabular, seine Musik und eigene künstlerische Formen – was er sich miterfand, war eine neue, ruhmreiche und intakte Existenz. Nach zwanzig Jahren ruhelosen Arbeitens konnte sich der ehemalige Knecht und Landarbeiter als Herrscher über seine Kopfwelt, als «Skt. Adolf II.», inthronisieren.Weiterlesen

Wassily Kandinsky – Malerei als reine Kunst (aus: essays ueber kunst und kuenstler – 1963)

Malerei als reine Kunst

1918 erschien im Verlag Der Sturm (Berlin) eine Schrift «Expressionismus, die Kunstwende», herausgegeben von Herwart Walden, zum Gedächtnis an Franz Marc, August Macke, August Stramm und Umberto Boccioni. In dieser Veröffentlichung findet sich dieser Text von Wassily Kandinsky. Sicher ist, daß er nach der letzten Ausgabe des «Blauen Reiters» entstand und nach «Rück- blicke» (1913, Der Sturm, Berlin). Es ist wahrscheinlich, daß die- ser Essay um 1916 geschrieben und aus Schweden von Kandinsky an Herwart Walden gesandt wurde. Aus der gleichen Zeit stammt auch das in Moskau kürzlich aufgefundene Skizzenbuch von Kan- dinsky, dem nebenstehende Zeichnung entnommen ist.

Komposition VIII, 1923, Solomon R. Guggenheim Museum, New York
Komposition VIII, 1923, Solomon R. Guggenheim Museum, New York

Inhalt und Form

Das Kunstwerk besteht aus zwei Elementen: aus dem Innern und aus dem äußern. Das innere Element, einzeln genommen, ist die Emotion der Seele des Künstlers. Diese Emotion hat die Fähigkeit, eine im Grun- de entsprechende Emotion in der Seele des Beschauers hervorzurufen. Solange die Seele mit dem Körper verbunden ist, kann sie in der Regel Vibrationen nur durch die Vermittlung des Gefühls empfangen. Das Gefühl ist also eine Brücke vom Unmateriellen zum Materiellen (Künstler) und vom Materiellen zum Unmateriellen (Beschauer). Emotion – Gefühl – Werk – Gefühl – Emotion. Das innere Element des Werkes ist sein Inhalt. So muß die Seelenvibration vorhanden sein. Wenn es nicht der Fall ist, so kann kein Werk entste- hen. Das heißt, es kann nur ein Schein entstehen. Das innere Element, von der Seelen Vibration geschaffen, ist der Inhalt des Werkes. Ohne inneren Inhalt kann kein Werk existieren. Damit der Inhalt, der erst «abstrakt» lebt, zu einem Werk wird, muß das zweite Element – das äußere – der Verkörperung dienen. Deshalb sucht der Inhalt nach einem Ausdrucksmittel, nach einer «materiellen» Form. So ist das Werk eine unzertrennbare Zusammenschmelzung des inne- ren und des äußeren Elements, des Inhaltes und der Form. Das bestimmende Element ist das des Inhalts. Die Form ist der mate- rielle Ausdruck des abstrakten Inhaltes. Die Wahl der Form wird also durch die innere Notwendigkeit bestimmt, die wesentlich das einzige un- veränderliche Gesetz der Kunst ist. Ein in der bezeichneten Weise entstandenes Werk ist «schön». So ist ein schönes Werk eine gesetzmäßige Verbindung der zwei Elemente der inne- ren und der äußeren. Diese Verbindung verleiht dem Werk die Einheit- lichkeit. Das Werk wird zum Subjekt. Als Malerei ist es ein geistiger Organismus, der, wie jeder materielle Organismus, aus vielen einzel- nen Teilen besteht. Diese einzelnen Teile sind isoliert genommen leblos, wie ein abgehaue- ner Finger. Das Leben des Fingers und seine zweckmäßige Wirkung ist durch gesetzmäßige Zusammenstellung mit den übrigen Körper- teilen bedingt. Diese gesetzmäßige Zusammenstellung ist die Konstruktion. Dem Naturwerk gleich unterliegt auch das Kunstwerk demselben Ge- setze: der Konstruktion. Die einzelnen Teile werden nur durch das Ganze lebendig. Die unendliche Zahl der einzelnen Teile in der Malerei zerfällt in zwei Gruppen: die zeichnerische Form und die malerische Form. Das planmäßige und zweckmäßige Kombinieren der einzelnen Teile aus beiden Gruppen hat zur Folge das Bild.

Natur

Wenn wir diese beiden Definierungen (Bestandteile des Werkes und speziell des Bildes) an einzelnen Werken anwenden, so stoßen wir auf eine scheinbar zufällige Anwesenheit fremder Bestandteile des Bildes. Das ist die sogenannte Natur. Die Natur hat in unseren bei- den Definierungen keinen Platz bekommen. Woher kommt sie in das Bild? Der Ursprung der Malerei ist der jeder anderen Kunst gewesen und der jeder menschlichen Handlung. Er war rein praktisch. Wenn ein wilder Jäger tagelang ein Wild verfolgt, so bewegt ihn dazu der Hunger. Wenn heute ein fürstlicher Jäger ein Wild verfolgt, so bewegt ihn dazu das Vergnügen. Wie der Hunger ein körperlicher Wert ist, so ist hier das Vergnügen ein ästhetischer Wert. Wenn ein Wilder zu seinem Tanz künstliche Geräusche braucht, so bewegt ihn dazu der sexuelle Trieb. Wenn der heutige Mensch ins Konzert geht, so sucht er in der Musik kein praktisches Hilfsmittel, sondern das Vergnügen. Auch hier ist der ursprüngliche körperlich-praktische Trieb zum ästhe- tischen geworden. Das heißt, auch hier ist aus dem ursprünglichen Bedürfnis des Körpers das der Seele geworden. Bei dieser Verfeinerung (oder Vergeistigung) der einfachsten praktischen (oder körperlichen) Bedürfnisse lassen sich durchwegs zwei Folgen bemerken: das Absondern des geistigen Elementes vom körperlichen und seine weitere selbständige Entwicklung, durch die verschiedene Künste entstehen.
Hier greifen allmählich und immer präziser die oben erwähnten Ge- setze (des Inhaltes und der Form) ein, die schließlich aus jeder Übergangs- kunst eine reine Kunst schaffen. Das ist ein ruhiges, naturgemäßes Wachsen, wie das Wachsen eines Baumes.

Malerei

Derselbe Vorgang ist in der Malerei zu bemerken. Erste Periode Ursprung: praktischer Wunsch, das vergängliche Körperliche festzuhalten. Zweite Periode Entwicklung: das allmähliche Absondern von diesem praktischen Zweck und das allmähliche Überwiegen des geistigen Ele-  mentes. Dritte Periode Ziel: das Erreichen der höheren Stufe der reinen Kunst;  in ihr sind die Überreste des praktischen Wunsches vollkommen  abgesondert. Sie redet in künstlerischer Sprache von Geist zu Geist  und ist ein Reich malerisch-geistiger Wesen (Subjekte). In der heutigen Lage der Malerei können wir in verschiedener Zusam- menstellung und in verschiedenen Maßen alle diese drei Kennzei- chen feststellen. Dabei ist das Kennzeichen der Entwicklung (der zweiten Periode) das maßgebende, und zwar: Erste Periode: Realistische Malerei (der Realismus versteht sich hier so, wie er bis in das 19. Jahrhundert traditionell sich entwickelte): Über- wiegen des Kennzeichens des Ursprunges – der praktische Wunsch, das vergängliche Körperliche festzustellen (Porträt-, Landschafts-, Historienmalerei in direktem Sinne).

Zweite Periode: Naturalistische Malerei (in der Form des Impressionis- mus, des Neu-Impressionismus und des Futurismus) das Absondern vom praktischen Zweck und das allmähliche Überwiegen des geistigen Elementes (vom Impressionismus durch Neu-Impressionismus zum Futurismus immer stärkere Absonderung und immer größeres Über- wiegen). In dieser Periode ist der innere Wunsch, dem Geistigen ausschließliche Bedeutung einzuräumen, so intensiv, daß schon das impressionistische «Credo» lautet: «Das Wesentliche in der Kunst ist nicht das ‚was‘ (worunter nicht der künstlerische Gehalt, sondern die Natur verstan- den wird), sondern das ‚wie‘». Scheinbar wird dem Überrest der ersten Periode (Ursprung) so wenig Bedeutung beigemessen, daß die Natur als solche vollkommen nicht mehr in Betracht kommt. Scheinbar wird die Natur ausschließlich als Ausgang angesehen, als ein Vorwand, dem geistigen Inhalt Ausdruck zu geben. Jedenfalls werden diese Standpunkte als Bestandteile des «Credo» schon von dem Impressionisten anerkannt und proklamiert. Nun ist aber in Wirklichkeit dieses «Credo» nur ein «pium desiderium» der Malerei der zweiten Periode. Wenn die Wahl des Gegenstandes (Natur) dieser Malerei gleichgültig wäre, so würde sie nach keinen «Motiven» suchen müssen. Hier be- dingt der Gegenstand die Behandlung, die Formwahl bleibt nicht frei, sondern ist vom Gegenstand abhängig. Wenn wir aus einem Bilde dieser Periode das Gegenständliche (Natur) ausschalten und das Rein-künstlerische dadurch allein im Bilde lassen, so bemerken wir sofort, daß dieses Gegenständliche (Natur) eine Art Stütze bildet, ohne die das rein-künstlerische Gebäude (Konstruk- tion) an Formarmut zusammenbricht. Oder es stellt sich heraus, daß nach dieser Ausschaltung nur vollkommen unbestimmte, zufällige und existenzunfähige künstlerische Formen (im embryonalen Zustand) auf der Leinwand bleiben. So ist in dieser Malerei die Natur (das «was» im Sinne dieser Malerei) nicht nebensächlich, sondern wesentlich. Dieses Ausschalten des praktischen Elementes, des Gegenständlichen (der Natur), ist nur in dem Falle möglich, wenn dieser wesentliche Bestandteil durch einen anderen ebenso wesentlichen Bestandteil er- setzt wird. Und das ist die rein-künstlerische Form, die dem Bilde die Kraft des selbständigen Lebens verleihen kann und das Bild zum gei- stigen Subjekt zu erheben imstande ist. Es ist klar, daß dieser wesentliche Bestandteil die oben beschriebene und definierte Konstruktion ist. Dieses Ersetzen finden wir in der heute beginnenden dritten Periode: Kompositionelle Malerei. Nach dem oben angegebenen Schema der drei Perioden sind wir also an die dritte angelangt, die als Ziel bezeichnet wurde. In der kompositionellen Malerei, die sich heute vor unseren Augen ent- wickelt, sehen wir sofort: die Kennzeichen des Erreichens der höhe- ren Stufe der reinen Kunst, in der die Überreste des praktischen Wun- sches vollkommen abgesondert werden können, die in rein-künstleri- scher Sprache von Geist zu Geist reden kann und die ein Reich male- risch-geistiger Wesen (Subjekte) ist. Daß ein Bild dieser dritten Periode, das keine Stütze im praktischen Zweck (der ersten Periode) oder in dem gegenständlich unterstützten geistigen Inhalt (der zweiten Periode) hat, nur als konstruktives Wesen existieren kann, soll jedem ohne weiteres klar und unverrückbar er- scheinen. Das heute stark (und immer stärker) sich zeigende bewußte oder auch noch oft unbewußte Streben, das Gegenständliche durch das Kon- struktive zu ersetzen, ist die erste Stufe der beginnenden reinen Kunst, zu der die vergangenen Kunstperioden unvermeidlich und gesetz- mäßig waren. In dieser Kürze versuchte ich, die gesamte Entwicklung und die heu- tige Lage ganz besonders in großen Zügen schematisch zu behandeln. Daher die vielen Lücken, die offen bleiben müssen. Daher das Ver- schweigen der Seitengänge und Sprünge, die in jeder Entwicklung so unvermeidlich sind, wie die Seitenäste am Baum, trotz seinem Streben nach oben. Auch die weitere Entwicklung, die der Malerei bevorsteht, wird noch viele scheinbare Widersprüche, Ablenkungen erdulden, so wie es in der Musik war, die wir heute schon als reine Kunst kennen. Die Vergangenheit lehrt uns, daß die Entwicklung der Menschheit in der Vergeistigung vieler Werte besteht. Unter diesen Werten nimmt die Kunst den ersten Platz ein. Unter den Künsten geht die Malerei den Weg, der sie vom Praktisch- Zweckmäßigen zum Geistig-Zweckgemäßen führt. Vom Gegenständ- lichen zum Kompositionellen.

Alois Senefelder – AUF DASS DIE STEINE REDEN – Ein Porträt

Alois Senefelder
Alois Senefelder (1771 — 1834) ist der Erfinder der Lithografie. Außerdem war er Theaterschriftsteller, Sänger, Musiker und Komponist.

„Leutein, nehmt’s die Wasch von der Leine — die Komödianten kommen…!“ So wenig schmeichelhaft wie überall damals in der Welt begrüßt man in der Altstadt von Prag auch die wandernde Schauspielertruppe, der Herr Senefelder aus München angehört. Der „Jugendliche Liebhaber“ aber freut sich über den ersten Sohn, Alois, den die Gattin ihm während des Prager Gastspiels schenkt, und zu dritt kehrt die Familie in die bayerische Heimat zurück. Der kunstsinnige Kurfürst beruft Senefelder als Hofschauspieler an sein Münchner Residenztheater; auch Alois zieht’s zum Theater, jedoch der Vater will seinem Ältesten die bitteren Erfahrungen der eigenen Jugend ersparen und bestimmt den Hochbegabten zum Juristen. Fleißig, aber ohne große Begeisterung, studiert der Junge an der Universität zu Ingolstadt Rechtswissenschaft, bis der allzufrühe Tod des Vaters alle Pläne zunichte macht. Mutter Senefelder eröffnet eine kleine Wäscherei, mit der sie ihre neun Kinder zu ernähren hofft, während Alois, der ehemalige Rechtsstudent, sich als Schauspieler und Lustspieldichter versucht. Nicht ohne Erfolg übrigens, seine Theaterstücke werden freundlich aufgenommen, aber es fehlt das Geld, sie drucken zu lassen. Selber drucken müßte man können!

Steindruckschnellpresse von Hugo Koch, um 1880 - Quelle: wikipedia.org
Steindruckschnellpresse von Hugo Koch, um 1880 – Quelle: wikipedia.org

Einmal will es der Zufall — so wird er später in seinem „Lehrbuch des Steindrucks“ berichten —, daß er für die Mutter eine eilige Wäscherechnung schreiben soll, doch in dem ärmlichen Haushalt sind weder Papier noch- Tinte zu finden. Da schreibt er in der Eile die Rechnung mit Wachstinte auf eine Solnhofener Steinplatte, die er sonst zum Farbeanreiben benützt. Eine flüchtige Laune läßt ihn — mal sehn, was daraus wird! — die Platte mit Scheidewasser ätzen, und als die von der Wachstinte geschriebenen Worte erhaben im Stein stehen bleiben, da fühlt er sich als glücklicher Erfinder eines funkelnagelneuen Druckverfahrens. Als er erfahren muß, daß die Steinhochätzung eine altbekannte Sache ist, versucht der Enttäuschte sein Glück als Soldat in der bayerischen Armee, bis man auf der Schreibstube dahinterkommt, daß der Alois Senefelder ja in Prag geboren ist, und den „Ausländer“ schleunigst nach Hause schickt. Hier bastelt und bosselt er weiter; er verbessert seine „Steintinte“ und seine kleine Druckpresse, er schreibt Musiknoten auf Papier, druckt sie auf Stein über und kommt so zum ersten Umdruckverfahren von Papier auf Stein, das er unermüdlich fortsetzt. Seine beiden Brüder, die der Arbeit gern aus dem Weg gehen, weiht der Gutmütige in sein Erfindergeheimnis ein, auf das ihm ein bayerisches Privileg für vorläufig fünfzehn Jahre erteilt wird.

Nun winken Ehre, Ruhm und Reichtum —• es kommen die verlockendsten Angebote, und ein namhafter Offenbacher Musikverleger läßt den jungen Mann auf eigene Kosten nach London reisen, damit er dort mit englischen Privilegien eine Steindruckerei eröffnen kann. An der Themse aber siegt wieder Senefelders Phantasie über Alltag und Wirklichkeit, er läßt Geschäft Geschäft sein und macht sich an die Erfindung eines lenkbaren Luftschiffes und eines Perpetuum mobile. Die Mühen enden mit Enttäuschung und ruhmloser Heimkehr. Inzwischen haben seine nichtsnutzigen Brüder in München die Erfindung des Steindrucks weiterverkauft an den bayerischen Staat, der unter Mißachtung des von ihm an Senefelder erteilten Privilegs eigene „Lithographische Anstalten“ errichtet. Erst als der Heimgekehrte vor Gericht seine Ansprüche vertritt, erfährt der Kurfürst, nun König von Napoleons Gnaden, von dem begangenen Unrecht; er befiehlt schleunigste Wiedergutmachung und ernennt Alois zum Inspektor an der Königlichen Vermessungsdruckerei. Der Senefelder aber ist für ein ruhiges, sorgenfreies Beamtendasein nicht geschaffen, er verkauft seine so hart umkämpften Erfinderrechte wieder, verkauft sie — was man ihm übelnimmt — gleich zweimal. Seine hochfliegenden Pläne einer Staatsdruckerei in Paris verwirklichen sich ebensowenig wie seine Träume von eigenen großen Fabriken in England. Mit seiner an Leichtsinn grenzenden Sorglosigkeit in Geldsachen schiebt er ein glänzendes Angebot aus Wien achtlos beiseite und stürzt sich mit Feuereifer in neue, phantastische Projekte. Während er sich mit diesen Erfindungen erfolglos abmüht, tritt sein „Flachdruckverfahren“, das ihm eine Sternstunde seiner Jugend geschenkt, den Siegeszug durch die Welt an, fast so bedeutend wie Gutenbergs Tat für die Verbreitung des Wissens und die Erweiterung der Bildungsmöglichkeiten. Die „Steingravur“, die der achtundzwanzigjährige Senefelder „so nebenbei“ erfunden hatte, begründet den Weltruf der deutschen Anstalten für Landkartendruck, und mit seinem Verfahren der Steinzeichnung schaffen Menzel, Daumier, Gericault und andere die ersten Spitzenleistungen der Künstlerlithographie. Zu neuer Blüte gelangt sie später durch die Bildwerke Manets, Renoirs, Toulouse-Lautrecs, Munchs, Liebermanns, Corinths, Kokoschkas, Barlachs und der Käthe Kollwitz. „Ich bin und bleib‘ ein armer Lump .. .“

Aber allen Rückschlägen und Enttäuschungen zum Trotz nennt sich der rastlos Tätige einen „glücklichen Erfinder“. Wer weiß — vielleicht hätte der gute alte Gänsekiel als Schreibinstrument sich noch hinübergerettet ins technische Zeitalter, wenn Senefelder nicht auf den Gedanken gekommen wäre, breite, stählerne Uhrfedern zu „Schreibfedern“ zu zerschneiden und durch Ausglühen und blitzschnelles Abkühlen zu härten. So entstand die Stahlfeder, über ein Jahrhundert lang das bevorzugte Schreibwerkzeug der zivilisierten Welt — die Stahlfeder, die noch in den Goldfedern unserer Füllhalter fortlebt. Die Engländer entwickelten diese Erfindung Senefelders — für die er nie einen Groschen erhalten hat — zu einem Industriezweig, der Millionengewinne erbrachte. Noch am Ende seines reichen und bewegten Lebens erinnert sich der Sohn des fahrenden Komödianten an das fehlende Stückchen Papier in der Waschküche seiner Mutter: „Hätte ich damals das nötige’Geld gehabt, so würde ich mir Lettern, eine Buckdruckpresse und Papier gekauft haben zum Druck meiner Theaterstücke, und die Steindruckerei wäre wahrscheinlich so bald nicht erfunden worden. Ich habe den Wunsch, daß meine Erfindung der Menschheit durch vortreffliche Erzeugnisse vielfältigen Nutzen bringen und zu ihrer größten Veredelung gereichen, niemals aber zu einem bösen Zweck mißbraucht werden möge . . .“

Das Triumvirat – drei Kriminalhörspiele von Gisbert Haefs – Rezension

Das Triumvirat - drei Kriminalhörspiele. 3 CDs - c Audiobuch
Das Triumvirat – drei Kriminalhörspiele. 3 CDs – c Audiobuch

Inhalt:
Ein Pfarrer, ein Arzt und ein pensionierter Oberst spielen regelmäßig miteinander Skat. Dabei unterhalten sie sich auch über die aktuellen Ereignisse ihrer Stadt. Fast nebenbei finden die drei geniale Lösungen für die heimischen Kriminalfälle. Die Hörspiele um das Triumvirat sind Krimi-Klassiker. Die geistreichen Dialoge und Sticheleien der drei Hauptfiguren wecken dabei mindestens ebensoviel Interesse wie der zu lösende Kriminalfall.

Die Sprecher:
Heinz Trixner – Dr. Korff
Hans Korte – Oberst a. D. Albrecht
Peter Pasetti, Harald Leipnitz – Pfarrer Bargmann

Kritik:Weiterlesen

Starthilfe Finanzmathematik- Bernd Luderer

Starthilfe Finanzmathematik - Bernd Luderer c Verlag Springer Gabler
Starthilfe Finanzmathematik – Bernd Luderer c Verlag Springer Gabler

Über das Buch
Diese Starthilfe zur Finanzmathematik vermittelt die grundlegenden Formeln, Methoden und Ideen der klassischen Finanzmathematik, ohne allzu sehr ins Detail zu gehen und so, dass man mit durchschnittlichen mathematischen Schulkenntnissen dem Text folgen kann.
Das Kernstück bilden Zins- und Zinseszinsrechnung, Rentenrechnung, Tilgungsrechnung und Kursrechnung. Auch verwandte Gebiete wie Abschreibungen und Investitionsrechnung werden aus mathematischer Sicht behandelt. Eine Vielzahl praktischer Beispiele macht das Buch interessant und anschaulich. Komplettiert wird der Band durch einen Ausblick auf aktuelle Fragestellungen aus Investment Banking und Portfoliomanagement.

In dieser Neuauflage wurden zu Beginn eines jeden Kapitels Lernziele formuliert und typische Problemstellungen aufgezeigt, zu denen am Kapitelende Lösungen angegeben sind. Ferner wurden mehr Abbildungen zur besseren Veranschaulichung der mathematischen Zusammenhänge aufgenommen.

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Mondnacht – Joseph von Eichendorff trifft Johann Wolfgang von Goethe

Hans Wahl, Anton Kippenberg: Goethe und seine Welt, Insel-Verlag, Leipzig 1932 S.146
Hans Wahl, Anton Kippenberg: Goethe und seine Welt, Insel-Verlag, Leipzig 1932 S.146


Mondnacht

Es war, als hätt’ der Himmel
Die Erde still geküßt,
Dass sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müsst‘.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis’ die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.