Autor: Bettina Schnerr

Bleisatz | Bücher, Rezensionen & einiges mehr. B. Schnerr stellt auf der Website Bleisatz seit 2008 Bücher vor; inzwischen sind es mehr als 600. Mit "Der blauen Ritter" arbeitet sie vor allem in der Sparte Krimi zusammen.

Giuseppe Favas „Ehrenwerte Leute“

Cover "Ehrenwerte Leute" von Giuseppe Fava

Die junge Lehrerin Elena Vizzini tritt ihre neue Stelle an, im kleinen sizilianischen Dorf Montenero Valdemone, fünftausend gemeldete Einwohner. Die Großstädterin hatte sich einen anderen Einsatzort gewünscht, hat aber keine Wahl, will sie doch endlich als Lehrerin arbeiten. Der Rechtsanwalt Bellocampo stellt ihr die Bleibe zur Verfügung, ein kaltes, unwohnliches Zimmer, das einst seiner Schwester gehört hatte.

Das Dorf reagiert auf den Fremdkörper Elena mit Distanz und Tuschelei. Nur ein Zugereister wagt es, sie überhaupt anzusprechen, äußerst dreist obendrein. Wer auf der Straße ist, erlebt, wie sich Elena gegen das aufdringliche Großmaul zur Wehr setzt, doch niemand hilft ihr. Wütend und aufgebracht über die stumpfen Dorfbewohner verkriecht sich Elena auf ihr Zimmer. Am nächsten Morgen sitzt eben jener junge Mann tot auf einem Stuhl auf der Piazza.

„So standen die Leute ordentlich und schweigend im Kreis herum. Die älteren Herren hatten sich aus dem Vereinslokal oder einer der Bars einen Stuhl geholt und saßen dicht an dicht.“

Doch das Schweigen geht weiter. Elena wird von der Polizei vernommen, die mit der Sache ebenso wenig anfangen kann wie Elena. Immerhin, ein alter Bauer erklärt sich bereit, der Polizei das Symbol der Blume im Mund des Toten zu erklären: Er habe eine Blume beleidigt, die Blume habe ihn daraufhin getötet. Mehr dazu gibt es nicht zu sagen.

„Ich mache Sie aber darauf aufmerksam, dass von vierzig Personen, die wir dazu befragt haben, nicht eine einzige die von ihnen behaupteten Ereignisse bestätigt hat. Niemand hat bemerkt, dass Calògero Villarà Ihnen nachgelaufen ist und Sie belästigt hat. Genau gesagt, hat man auch Sie nicht gesehen und weiß nicht, wer Sie sind oder wie Sie heißen. Sie existieren nicht, und es hat nichts stattgefunden.“

Cover "Ehrenwerte Leute" von Giuseppe Fava
Cover | Unionsverlag

Ab diesem Zeitpunkt wird Elena zur Respektsperson; an ihrer machtvollen Aura spinnt derweil ein Unbekannter weiter, der Elenas Ansehen offenbar nach Belieben bei den Leuten verankern kann. Wegen ihr wird ein Reporter verprügelt, zwei weitere Menschen sterben, nachdem sie Elena angegriffen haben. Das Dorf wird gespenstisch, so wortlos und stumm, wie die Leute mit den Gewalttaten umgehen. Elena kann ihr mysteriöses Podest, das sie erhöht und gleichzeitig weiter isoliert, nicht fassen, nicht begreifen und niemand wird ihr dabei helfen. Nicht einmal mit ihrem Geliebten, dem Lehrer Michele Belcore, verbindet sie mehr als die nächtliche Leidenschaft. Belcore bleibt ebenso stumm wie der Rest der Stadt. Sein Lächeln wirkt, wie all das Lächeln im Dorf, wie „ein Schatten, ein mysteriöser Schimmer“. Kaum wechseln die Liebenden mehr Worte als für die nächste Verabredung nötig sind. Einzig für eine kurze Erklärung der stumpfen Stille sagt er mehr als sonst und Elena merkt bald, dass er sich selbst mittendrin sieht:

„Du kennst die Leute nicht, sie glauben an eine Art Plan und daran, dass Gott alles leitet, sie resignieren und auf diese Weise wird das Leben wieder erträglich, sie denken alles sei unausweichlich, das Elend und die Unwissenheit sind Teil diese Fatalismus.“

Giuseppe Favas Roman beunruhigt, weil er gezielt Angst und Unwissenheit einsetzt. Elena, die Frau aus der Großstadt, kann sich nicht erklären, warum sich ein ganzes Dorf in Schach halten lässt und ihre Angst überträgt sich auf den Leser, der die gewollte Stimmlosigkeit genauso wenig verstehen wird. Elena wird die Hilfe Stück für Stück entzogen. Ihr geheimnisvoller Beschützer ahnt, wer ihr zu nahe kommt und helfen könnte: Michele, der Ortsansässige, erklärt sich ohnehin nicht; ein Augenzeuge aus dem Elena treu ergebenen Armenviertel, der trotz seiner Angst mit ihr sprechen will, wird beseitigt; der schlaue Richter Occipinti, der ein denkbares Motiv entschlüsselt, wird schnell auf einen neuen Posten versetzt.

Vieles deutet auf den einen Menschen, der diese bedrückende Kontrolle ausübt, doch Fava lässt in diesem Mikorkosmos nicht einmal beispielhaft zu, was im Makrokosmos schon nicht funktioniert: Würde der Erste den Mund aufmachen, könnte der Bann gebrochen werden. Giuseppe Fava hat den Mund aufgemacht: Der Journalist und Schriftsteller setzte oft die Mafia ins Zentrum seiner Tätigkeit und zog hart mit ihr ins Gericht. Die Mafia tat, was sie auch in Montenero Valdemone getan hätte: 1984 ließ man ihn vor seinem Theater ermorden; der Prozess gegen die Täter verschleppte sich über zehn Jahre hinweg.

Mit derart offensichtlicher Gewalt brach die „ehrenwerte Gesellschaft“, nachdem die Proteste immer lauter wurden. Dennoch steckt Favas Roman nicht fest als Zeitzeugnis vergangener Tage. Montenero Valdemone, übersetzt etwa das Dorf mit dem schwarzen Berg und dem Tal des Teufels, kann überall sein. Fava fragt nach Courage, nach Mitdenken, nach Handeln. Und da der Leser mit Elena mitdenkt und fühlt, muss er sich am Ende auch mit Elena für eine von drei Lösungen entscheiden: Weggehen? Mitmachen? Unterordnen?

„Sie hatte noch zwanzig Sekunden Zeit, sich zu entscheiden …“

Der Autor

Giuseppe Fava wurde am 15. September 1925 geboren. Nach dem Abschluss seines Jurastudiums wandte er sich dem Schreiben zu und war ab 1952 hauptberuflich als Journalist tätig. Bekannt wurde er jedoch vor allem als Autor von Theaterstücken, Romanen und Sachbüchern.

Sowohl als Journalist wie auch als Schriftsteller setzte er sich vor allem mit der mafiosen Gesellschaft seiner Heimat auseinander; sein 1975 erschienener Roman Ehrenwerte Leute war sein größter, auch internationaler Erfolg. 1983 gründete er die Monatszeitschrift I Siciliani, die für die damals gerade entstehende italienische Anti-Mafia-Bewegung sehr einflussreich war.

Am 5. Januar 1984 wurde Giuseppe Fava vor dem von ihm gegründeten Theater in Catania, in dem sein Anti-Mafia-Stück L’ultima violenza aufgeführt wurde, ermordet.


ISBN 978-3-293-30368-3
Verlag: Unionsverlag
Erstveröffentlichung Original: 1975
Erstveröffentlichung Deutsch: 1990
Originaltitel: Gente di rispetto
Übersetzung: Peter O. Chotjewitz

Bettina Schnerr | Umberto Ecos „Nullnummer“

Cover | Verlag
Cover | HANSER

Knapp fünfzig ist der Journalist Colonna, als er eine interessante Anfrage erhält. Eine, die er positiv beantwortet und damit in den Augen des Auftraggebers sich und seine Laufbahn enttarnt. „Provinzzeitungen, kulturelle Kleinarbeit, Ghostwriting“ analysiert Simei, Herausgeber einer neuen Zeitung. Simei plant „Domani“ im Auftrag des Commendatore Vimercate, eine Zeitung, die sich mit Skandalen befassen soll, aber nicht einfach nur berichten wird. Domani soll mit möglichen Hintergründen aufwarten, und zwar so, dass ausgewählte Leser angesichts der Enthüllungen und Mutmaßungen nervös werden. Das Spiel des Commendatore ist raffiniert: Die Zeitung soll eigentlich nie erscheinen, er will damit nur den gut informierten Platzhirsch markieren und Zutritt zur feinen Gesellschaft erhalten. Gleichzeitig will Simei ohne Wissen des Commendatore über das Experiment ein Buch schreiben. Dieses wiederum soll Colonna schreiben, der dafür Mitglied der Redaktion wird.

Über zwei Monate hinweg dokumentiert Colonna in „Nullnummer“ seine Arbeit in dieser merkwürdigen Redaktion, einer Redaktion, in der außer Simei und Colonna niemand weiß, dass all diese Texte niemals erscheinen werden. Da ist Romano Braggadocio, der Faktensammler, der seinen Autokauf minutiös plant, Zahlen und Vergleiche sammelt und in seiner Datenflut untergeht. Für ein Auto kann er sich jetzt erst recht nicht entscheiden. Da ist Maia Fresia, promovierte Philologin, gescheit und ambitioniert, die bisher nur bei einem Klatschblatt mit Affären hausieren gehen durfte. Cambria, der sich in Notaufnahmen und Kommissariaten um Sensationsnachrichten mühte. Die arbeitslose Korrektorin Constanza, deren Tätigkeit bei den meisten Zeitungen mangels Interesse an korrekter Schreibung einfach nicht mehr gefragt ist.

Bettina Schnerr * Rezensionen Krimi Foto:Privat
Bettina Schnerr | Foto: privat

Überhaupt die Qualität journalistischer Arbeit: Sie steht im Mittelpunkt des Romans. Eco lässt an den Machern von Domani kein gutes Haar. Ein Begriff wie Lügenpresse fällt schnell, aber das ist gar nicht das Problem. Gelogen wird nicht. Die Kunst der „Dreckschleuder“, wie Eco diese Form des Journalismus nannte, ist nicht das Erfinden von Nachrichten, sondern das manipulative Darstellen von Fakten. Den Lesern Meinungen unterjubeln, Nachrichten zu Grüppchen mit suggestiver Wirkung zusammenstellen. Das Handwerkszeug der Zeitungen sind nicht die schönen Schriften, nach denen Eco seine Protagonisten benannt hat, sie sind nur Kulisse. Da passt es völlig ins Bild, dass die Bemühungen Maias, gute und informative Rubriken zu entwickeln, grundsätzlich unter den Tisch fallen. Der paranoide Verschwörungsjäger Braggadocio geringschätzt sie deswegen sogar. Er ist die heimliche Hauptperson des Romans, nicht Colonna. Colonna ist derjenige, der durch das Abenteuer Zeitung führt und moderiert. Der mit Maia eine Affäre beginnen darf. Aber die Show gehört in diesem Roman jenem, der die Idee der Skandalfindung zur Expertise erhebt und offenbar eine Art Grundstein entdeckt für alles, was in Italien seit 1945 passiert ist.

Braggadocio geht in seinem neuen Job auf. Seine Prämisse: Es gibt ausreichend Informationen, aber meist führen die Menschen sie nicht zusammen und ihnen entgeht folglich der Blick auf das Ganze. „Ein Fakt allein sagt gar nichts, alle zusammen lassen dich begreifen, was auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist.“ Braggadocio ist also genau der Mann, der in den Berichten über die letzten Stunden Mussolinis das Detail findet, das alle anderen seiner Meinung nach nicht richtig interpretieren konnten. Er trifft Informanten, stöbert in Archiven und baut Stück für Stück eine Theorie auf, die zahlreiche Lücken in Italiens Ermittlungsakten schließen soll. Es gibt spektakuläre Attentate und Morde genug, deren Ermittlungen in Stocken gerieten oder abgewürgt wurden. Braggadocio glaubt zu wissen warum.

Eco speist seinen Roman aus vielen Versatzstücken. Die Zeitung, die nie erschien, gab es in Italien tatsächlich einmal (wobei sie im Gegensatz zu Domani groß angekündigt war und nicht im Verborgenen betrieben wurde). Der Commendatore erinnert an den aufstrebenden Berlusconi, der es mit einem Medienimperium an die Spitze der Gesellschaft gebracht hat. Vermutlich sieht ein Italiener noch mehr Anspielungen, die ausländischen Lesern entgehen.

Umberto Eco stellt ein bewusst aufgebautes Szenario zusammen, was man dem Buch auf ganzer Strecke anmerkt. Daran kränkelt der Roman aber auch. Das Konstrukt ist klug und entlarvend, aber auch blutleer. Bis zum Ende tändelt der Roman mit seinen Protagonisten durch die Tage, um am Ende mit einem Knall zu überraschen. Braggadocio lag mit irgendeiner seiner Vermutungen richtig und wird aus dem Weg geräumt – ein Ende, das sich durch einen Prolog von Beginn an erahnen ließ. Wer im Dreck wühlt, wird auch welchen finden. Was man bei Braggadocio noch für Gespinste eines Verschwörungstheoretikers hielt, bestätigen die Kollegen der BBC in einem detailliert und solide recherchierten Filmbeitrag. Während sich das Gros italienischer Sensationspresse mit Petitessen abgibt, manipuliert und suggeriert, laufen in Wirklichkeit viel krudere Geschichten hinter den Kulissen ab. Wie Colonna feststellt, werden nur leider zu wenig Menschen in Italien Interesse an der BBC zeigen.

Ecos letzter Roman erinnert den Leser an den Wert guter Information und sachkundiger Arbeit. Er zeigt auch, welche Nachrichten wirksamer sind: Schlichte Skandale, die die Leser nicht allzusehr fordern. In Ecos Romanwelt kommt das Gewichten, Einordnen und Kuratieren der bedeutenden Nachrichten zu kurz. Halt … nur in Ecos Welt?

„Die Menschen haben den Drang, ihr Scheitern anderen zuzurechnen. Schon in der Ilias wird das Schicksal Trojas als Verschwörung der Götter dargestellt. Wenn du im Stau steckst, schimpfst du über die Regierung. In Wahrheit bist du es selber, der den Stau produziert. Leute suchen Verschwörungstheorien, um sich selbst zu entlasten.“ | Umberto Eco

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Umberto Eco | 2010 | Copyright: Peter-Andreas Hassiepen

[Der Autor]
Umberto Eco wurde am 5. Januar 1932 in Alessandria (Piemont) geboren und starb am 19. Februar 2016 in Mailand. Er zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern und Wissenschaftlern der Gegenwart, der sich dazu als Kolumnist und Philosoph einen Namen gemacht hatte. Berühmt wurde Eco durch seine Romane, allen voran Der Name der Rose. Sein Werk erscheint im Hanser Verlag, darunter u.a. Der Friedhof in Prag (Roman, 2011) sowie Die Geschichte der legendären Länder und Städte (2013).

trennlinie2ISBN: 978-3-446-24939-4
Verlag: Hanser Literaturverlage
Erstveröffentlichung: 2015 (Original & Übersetzung)

Bettina Schnerr | Zora del Buonos Novelle G o t t h a r d

Cover
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Kaum mehr als einen halben Tag lang begleitet der Leser den Eisenbahnfan und Trainspotter Fritz Bergundthal ins Tessin. Nahe der Großbaustelle des Gotthard-Basistunnels sucht er die für ihn so perfekten Fotos, die immer dann entstehen, wenn ein Zug kurz vor ihm aus dem Tunnel auftaucht. Ein beliebter Ort für Eisenbahnfreunde und viele davon kennen, so wie Bergundtahl, all die Zahlen und Fakten, die zum Bau der Trassen durch das Gotthard-Massiv gehören. Überhaupt dieser Gotthard: Er ist der Dreh- und Angelpunkt, der die Novelle von Zora del Buono zusammenhält. Bergundthal ist nur zu Gast dort und öffnet dem Leser die Türe zu den Menschen, deren Leben der Berg bestimmt. Die Autorin setzt ihre Novelle minutiös in kleinen Stücken zusammen, jedes einzelne ist anderen Personen gewidmet. Und doch haben sie alle miteinander zu tun.

Da ist zum Beispiel Dora Polli-Müller, die mitten in einer Haarnadelkurve der Straße wohnt. Während der Straßentunnel entstand, war sie die von den Männern umschwärmte Königin der Kantine und nie um einen Flirt verlegen. Geheiratet hat sie am Ende den Tunnelbauer Aldo, der schon lange nicht mehr im Berg arbeitet und im Tal als wirrer rasender Alter mit dem Töff bekannt ist. Die einzige konstante Verbindung zu seiner Frau sind die Hunderter, die er ihr als Haushaltsgeld zusteckt. Tochter Flavia ist als Lastwagenfahrerin unterwegs und transportiert derzeit Einzelteile der Tunnelbohrmaschine zur Deponie. Doch ihr Quartier hat sie nicht daheim, sondern auf einem Campingplatz bezogen. Jenem, der auch Bergundthal als Unterkunft dient.

Im Tunnel selbst arbeitet der frühere Bäcker Robert Filz, einer junger Bursche, der nur zwei Tätigkeiten kennt. Entweder fährt er die Baustellenzüge oder er treibt sich im lokalen Puff herum. Im Stollen ist außerdem Tonino, der schon beim Straßentunnel dabei war, ein alter Kollege von Aldo und ehemaliger Verehrer von Dora. Aldo und Tonino wissen voneinander, aber seit Beginn der Bauarbeiten vermeiden sie den Kontakt. Der Tunnelbau neigt sich absehbar dem Ende zu. Der Durchbruch ist geschafft, die Tunnelbohrmaschine wird demontiert und allen, die mit dem Bau beschäftigt sind, steht ein Umzug ins Haus. Viele kamen extra deswegen her und wissen, dass sie sich neu orientieren müssen.

Nicht nur der Gotthard hält die Geschichte zusammen, der zweite Anker ist die Liebe. Die obsessive, die missverstandene, die heimliche, die fehlende. Für die Einen ist sind der Gotthard und seine Baustellen eine Liebesbeziehung, eine Befreiung, eine Flucht, für die Anderen sind es Projektionen, eine Suche. Zora del Buono beobachtet mit scharfem Auge, kümmert sich oft um scheinbare Nebensächlichkeiten. Genau mit solchen Details aber trifft sie den Kern ihrer Protagonisten, ihre Schwächen und Sehnsüchte. Mit Erklärungen hält sich ihr sauberer Stil nicht auf. Der Aufbau folgt gewissenhaft den Abläufen an diesem Morgen und baut eine intensive Spannung auf. Die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergbauer, ist von der Baustelle verschwunden – das wird sich rächen …

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Die Autorin
zoradelbuonoZora del Buono, geboren 1962 in Zürich, lebt in Berlin und Zürich. Sie studierte Architektur an der ETH Zürich und der HdK Berlin, arbeitete als Architektin und Bauleiterin und war Gründungsmitglied der Zeitschrift „mare“. Im mareverlag sind ihre Romane „Canitz’ Verlangen“ (2008) und „Big Sue“ (2010) erschienen sowie „Hundert Tage Amerika. Begegnungen zwischen Neufundland und Key West“ (2011), bei Matthes & Seitz in der Reihe „Naturkunden“ ihr Band „Das Leben der Mächtigen. Reisen zu alten Bäumen“ (2015).

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ISBN: ISBN 978-3-406-68184-4
Verlag: C.H. Beck
Erstveröffentlichung: 2015
Website der Autorin: zoradelbuono.de
Bettina Schnerr erreichen Sie über ihre Website.

Will Wiles • Kein Leben ohne Minibar • carl’s books • v1.1

Will Wiles • Kein Leben ohne Minibar • carl’s books

Will Wiles • Kein Leben ohne Minibar • c carl's books
Will Wiles • Kein Leben ohne Minibar • c carl’s books

Kurzbeschreibung
Neil Double hat einen ungewöhnlichen Beruf: Stellvertretend für zahlungswillige Kunden besucht er Konferenzen und Messen. Dieses anonyme Leben zwischen Flughafenlounge und Hotelzimmer ist wie geschaffen für diesen eigensinnigen Einzelgänger, besonders die globale Hotelkette Way Inn hat es ihm angetan. Neils Welt gerät jedoch aus den Fugen, als er spätnachts an der Hotelbar auf die geheimnisvolle Frau trifft, der er schon einmal unter höchst bizarren Umständen begegnet ist. Bei ein paar Whiskys erzählt sie ihm von geheimnisvollen Vorgängen im Way Inn. Als die schöne Unbekannte plötzlich verschwindet, landet Neil auf der Suche nach ihr in einem aberwitzigen Alptraum, der ihn immer tiefer in die endlos labyrinthischen Flure des auf einmal gar nicht mehr so vertrauten Hotels führt.

Rezension
Neil Doubles Welt besteht aus Hotelaufenthalten und Messen; er zieht von einer Fachmesse zur nächsten, das Thema ist egal, und beschafft Informationen für Leute, die aus Zeitgründen oder mangels Lust darauf nicht selber auf die Messe kommen wollen. Double liebt dieses Leben, geprägt von den Eindrücken, die er von seinem verstorbenen Vater hat, einem Handelsreisenden, der selber ständig in Hotels gelebt hat. Ein bisschen lebt Double also seinen Kindheitstraum. Ein Hotel ist für Double die große weite Welt, ein unverbindlicher Kosmos und selbst, wenn eine Messe einmal gar nicht so weit von Daheim stattfindet, bevorzugt er das Hotelbett. Die Hotelkette seiner Wahl ist das Way Inn mit zahllosen Standorten weltweit.
Probleme gibt es erstmals im jüngst eröffneten Way Inn-Hotels nahe des neuen Messezentrum Metacentre, wo mit der Meetex eine Messe für Messeveranstalter stattfindet. Dass sein Job nicht jedem schmeckt, der sich die Mühe macht, einen Messestand zu bauen oder eine Messe zu organisieren, ist noch das kleineste Problem. Im Way Inn häufen sich merkwürdige Zwischenfälle, die sich der hotelerfahrene Double nicht mehr erklären kann. Er trifft auf den Hotelgast Dee, die ihm das Mobiltelefon stibitzt und verschwindet. Der Hotelmitarbeiter Hilbert nimmt Kontakt zu ihm auf und bietet ihm für die Suche nach Dee einen Deal an. Mit der Jagd nach dem Telefon rutscht Doubles Hotelerlebnis in eine ganz neue Sphäre. Denn das Way Inn macht mit seinem Namen nicht umsonst das Wortspiel mit „way in“; von einem „way out“ ist keine Rede.
Wer sich auf Doubles Reise begeben will, braucht ein halbes Buch Anlauf. So viel Vorgeschichte gibt uns Wiles mit auf den Weg, bevor Doble in das unheimliche Innere des Hotels abtaucht. Die beiden ersten Teile des Buchs, „Die Messe“ und „Das Hotel“, widmen sich ausführlich Doubles Ideen und Erkenntnisse über die austauschbare Hotelarchitektur der meisten Ketten; seine Überlegungen sind zweifelsohne aufschlussreich, stimmig und interessant, vor allem, wenn man selber auf Messen ist und/oder solche Hotels von Innen kennt. Wer hat sich etwa schon einmal überlegt, warum die Bilder in diesen Hotelketten zwar da sind, aber nie durch Stil oder Motiv besonders auffallen? Oder warum die Flure mit Sofas bestückt sind, die nie jemand benutzt? Die Beobachtungen zum Messegeschehen und den allgegenwärtigen, unpersönlichen Hotels für Geschäftsreisende gelingen wirklich treffsicher und verschaffen Momente des Wiedererkennens.
Es ist natürlich klar, dass all diese Ideen irgendwo hin führen müssen. Das passiert im dritten Teil, „Das innere Hotel“. Ab hier wird Doubles Rundgang durch das Way Inn rätselhaft und gespenstisch, fast wie eine halluzinierte Reise. Obwohl die erste Hälfte des Buches für den Rest die Voraussetzung bildet, wirken beide Teile aber so sehr getrennt, dass sie fast aus zwei Werken zu stammen scheinen. Die sichtbare Klammer bilden hin und wieder nur die Erinnerungen Doubles an seinen Vater, dem er mit seiner Liebe zu Hotels nacheifert.

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Gut ist, wenn am Ende des Buches die Danksagung des Autoren auffällt. Darin bedankt Wiles sich unter anderem bei dem Architekten Rem Koolhaas und dem englischen Schriftsteller James Graham Ballard. Das Recherchieren der beiden hat geholfen, um mit dem Buch etwas mehr anfangen zu können, denn dann erkennt man die Bezüge und Hinweise auf diese beiden und ihre Werke. Ballard war unter anderem Autor von Dystopien und experimenteller Literatur, von dem ich zumindest zwei Motive im Buch entdecken konnte. Koolhaas entwickelte den Begriff des Junkspace, einen Begriff für austauschbare, seelenlose Architektur, die unaufhaltsam um sich greift. In einem Essay von 2001 lässt er sich ausführlich über diese moderne Form der Architektur aus, die für ihn längst keine mehr ist. „It is always interior, so extensive that you rarely perceive limits; it promotes disorientations by any means […] Air conditioning has launched the endless building.“ Wiles hat dem Junkspace in diesem Roman ein Gesicht gegeben. Dass es ein Hotel wurde, liegt an Hilbert: Auch der ist ein Zitat, das auf den gleichnamigen Mathematiker und eines seiner Gedankenexperimente, das Hilbert-Hotel, zurück geht. Logischerweise kann nur Dee Double dabei helfen, im Hotel zurecht zu kommen, denn sie hat „Mathematik, Geometrie und Topologie“ (auch das Hilbert’sche Forschungsthemen) studiert und lange im Immobilienwesen gearbeitet.

Verschafft man sich nach der Lektüre ein paar Einblicke dieser Art, wird der Roman rückblickend wirklich interessant – voller Anspielungen und Zitate, von denen man einige finden wird. Details passen plötzlich zusammen und ergeben einen Sinn. Solange man das Buch in der Hand hält und keine Ahnung von solchen Querverweisen hat, beginnt das Buch langatmig, gerät der Bruch zum letzten Teil recht rabiat. Irgendwie fehlt da lange Zeit der Zauber. Zwar ergeben sich natürlich auch einfach durch die Lektüre Zusammenhänge, aber wirklich interessant wird das Buch erst nach ein paar Zusatzartikeln dieser Art.

WIll Wiles - Foto: Privat
WIll Wiles – Foto: Privat

Der Autor:
Will Wiles lebt als Journalist und Autor in London. Sein erster Roman „Die nachhaltige Pflege von Holzböden“ wurde für mehrere Preise nominiert und erhielt den renommierten Betty Trask Award.


ISBN: 978-3-64114-679-5
Verlag: Carl’s Books, München
Erstveröffentlichung: 2014 (Original) / 2015 (dt. Übersetzung)

Barış Uygur • Rendezvous auf dem Friedhof Feriköy • Ein Süreyya-Krimi • binooki

Barış Uygur • Rendezvous auf dem Friedhof Feriköy • Ein Süreyya-Krimi

BuchCover - binooki
BuchCover – binooki

Kurzbeschreibung
Der Krimi von Barış Uygur erzählt aus der Perspektive des ehemaligen, leicht verbitterten Polizeibeamten Süreyya Sami seine Suche nach der verschwundenen Frau Deniz Deren. Im Gegensatz zu ihrem Ehemann ist er der Meinung, dass es sich in diesem Fall nicht um eine Entführung handelt. Während er ihre Spur aufnimmt, die ihn in ihre dunkle Vergangenheit führt, erweckt die schöne, junge Emel bei Süreyya wieder neue Gefühle, die er bei sich schon längst vergraben glaubte. Jedoch scheint Emel mehr über ihre Freundin Deniz zu wissen, als sie anfänglich zu gibt.

Rezension
Süreyya Sami hält sich mit allen möglichen Jobs über Wasser. Nach acht Jahren bei der Polizei genießt er einen gewissen Respekt in der Nachbarschaft und profitiert von alten Beziehungen. Erledigt er für andere Behördengänge, kehrt er in der Regel schneller mit Erfolg zurück, als es die anderen jemals geschafft hätten. Er sucht hin und wieder Leute, verdient aber nie so viel, dass er nicht für den kostenfreien Besuch beim Friseur dankbar wäre. Die Wohnung ist glücklicherweise geerbt, sonst wäre seine finanzielle Lage prekär. Mit anderen mag er nicht zusammen arbeiten, also ist er froh, wenn er seinen Lebensunterhalt mit Tapezieren, Streichen, Installationen und ähnlichem bestreiten kann. Seine Fähigkeiten verbreiten sich über Mundpropaganda, so auch seine aktuelle Aufgabe.

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In diesem Buch erzählt Süreyya von seinem Auftrag, die verschwundene Ehefrau eines bekannten Sportjournalisten zu finden. Kemal Deren ist frisch verheiratet mit Deniz Cengiz Deren; als Kemal endlich Kontakt mit Süreyya aufnimmt, ist sie bereits seit zwei Wochen verschwunden. Ein bisschen zu lang für eine Entführung, denn Forderungen gibt es keine. Es liegt nahe, dass Deniz in Wirklichkeit abgehauen ist. Gerade deshalb macht sich Süreyya auf die Suche, denn er definiert seinen Job so: Finden will er sie, wie aufgetragen. Aber ob er sie zurück bringen wird, steht auf einem anderen Blatt. Denn Menschen, die sich freiwillig einen anderen Ort zum Leben suchen, sollen das in seinen Augen auch dürfen. Nicht zuletzt gibt es Menschen, die abhauen um gefunden zu werden. Zu welcher Gruppe Deniz gehört, will er herausfinden.

Bei seinen Recherchen begegnet er Emel, einer schönen Frau, die ihn ganz ordentlich durcheinander bringt. Sie weiß spürbar mehr über Deniz, als sie verraten will und Süreyya muss immer wieder höchst nervös bei ihr vorsprechen. In ihrer Gegenwart gehen sämtliche professionellen Züge an ihm verloren. Und zwar nicht unbedingt, weil Emel überhaupt eine umwerfend schöne Frau ist, sondern weil Süreyya mit Frauen nicht umgehen kann. Weder als Mann, noch als Gesprächspartner.

Figuren wie er sind wirklich prima für die Literatur, aber nichts für das echte Leben. Selbst Uygur sagt von seiner Figur: „Er ist mein Alptraum. Er ist alles, was ich nicht sein will.“ Süreyya Sami kennt keine Restaurants, um mit Frauen essen zu gehen, kommt mit Kravatten nicht zurecht (und hat noch nicht einmal halbwegs vorzeigbare), kann nicht mal ansatzweise mit moderner Technik umgehen und bewegt sich im Prinzip nur in dem kleinen Rahmen beulenfrei, den er sich selbst durch seine bewusste Isolierung geschaffen hat. Trotzdem hat er einen netten Fundus an Knowhow, vermutlich aus seinen alten Polizeitagen, mit denen er seine Aufgaben als Privatdetektiv bewältigt.

Baris Uygur - Foto: Privat - Quelle: binooki
Baris Uygur – Foto: Privat – Quelle: binooki

Überhaupt dominieren bei den Hauptfiguren realitätsfremde Männer. Kemal Deren, der nach außen ein toller Hecht von Sportreporter ist, macht es nicht besser. Von der geheirateten Frau hat er keine Ahnung: „Deniz hat auch gearbeitet, aber nur nebenbei. … Ich denke nicht, dass die allzuviel verdient hat. … Ich habe auch nie eine Website von ihr gesehen. Sie war wohl nicht allzu erfolgreich und hat mir deswegen nichts gezeigt.“ Es gibt keine Fotos im Haus, die helfen könnten und Kemal weiß auch nichts von Freunden oder Familie. Deniz war vor der Heirat für ihn eine Unbekannte und ist es nach der Heirat geblieben.

Uygur gelingt es aber, Süreyya sympathisch zu machen. Die Polizei mit dem schlechten Ruf hat er verlassen, was er dort teilweise mitgemacht hat, bereut er und ist nicht zuletzt deshalb ausgestiegen. Er bestätigt, was die Leser in dieser Form vielleicht auch lesen wollen: dass mit der Polizei nichts anzufangen ist. Eigentlich müsste man eine komplett neue Polizei machen, heißt es da, die das erledigt, was die andere alles nicht kann. Mit Süreyya lernt man das Leben vieler Bürger in den weniger betuchten Vierteln kennen, die sich darüber wundern, dass die Stadt stets neue Bahnen anschafft, im ganzen Stadtgebiet aber nie welche davon auftauchen. Süreyyas Erzählung zufolge leben und arbeiten viele Istanbuler so wie er, schwarz, unregelmäßig, stets erstaunt über die niedrigen Arbeitslosenzahlen.

Das Rendezvous mit Süreyya Sami ist kein atemberaubend spannender Parforceritt durch Istanbul. Dafür ist es ein intimer Einblick in einen kleinen Ausschnitt aus dieser Stadt, in der die Busse auseinanderzufallen scheinen und die großen Themen, die große Wirtschaft und die große Politik ganz weit weg sind.

Der Autor
Baris Uygur, 1978 in Eskisehir geboren, fing schon in frühen Jahren zu schreiben an. Das von ihm besuchte Gymnasium in Istanbul lag in dem Stadtviertel Cagaloglu, in der sich schon immer die Buch- und besonders die Zeitschriftenverlage ansässig waren. So begann er schon mit 16 Jahren für diverse Zeitschriften zu arbeiten. Neben dem Schreiben von Kolumnen, machte er auch Satz- und Layoutarbeiten.

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Rendezvous auf dem Friedhof Feriköy: Ein Süreyya Sami-Krimi
Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Binooki; Auflage: 1 (7. März 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3943562301
ISBN-13: 978-3943562309

Erstveröffentlichung: 2012 (Original)/ 2014 (dt. Übersetzung)

Lady Bag ↔ Liza Cody ↔ Eine Rezension von Bettina Schnerr // v1.1

Kurzbeschreibung

Über das Buch Sie ist die Frau ohne Gesicht. Manche beleidigen sie, manche ignorieren sie. Manche geben etwas. Manche nur wegen des Hundes an ihrer Seite. Sie ist eine Pennerin, die genau weiß, wie die Straßen von London riechen. Doch Diese abgeklärte Lady Bag war nicht immer eine Baglady. Als eine ganz normale Frau geriet sie in die älteste Falle der Welt und wurde ruiniert. Jetzt will sie nichts mehr, nur die Gesellschaft ihrer Hündin und ihren gewohnten Rotweinpegel. Bis eines Tages ihr persönlicher Dämon ihren Weg kreuzt – mit finsteren Absichten, wie sie aus Erfahrung weiß. Statt sich zu verstecken, beschließt sie ihn zu beschatten: Sie möchte wissen, wo er wohnt. Eine Entscheidung, die schwerwiegende Folgen hat. Sie erwacht mit zertretenem Kopf in einem Kranken¬hausbett und wird mit einem fremden Namen angesprochen. Anscheinend hält man sie für eine gewisse Natalie Munrow, deren Handtasche sie bei sich hat. Bei erster Gelegenheit nimmt sie Reißaus und taucht ab. Was allerdings gar nicht so leicht ist, wenn man auf der Straße lebt und einem aus allen Zeitungen das eigene lädierte Gesicht entgegenblickt! Dann stellt sich heraus, dass die wahre Natalie Munrow ermordet wurde.

Rezension

Seit Jahren lebt die Lady Bag mit ihrem Hund Elektra auf Londons Straßen. Sie hat eine Vergangenheit als Bankangestellte, die sie eines Tages einholt: Der Mann, dem sie seinerzeit blind vertraut hatte, taucht vor ihr auf, begleitet von einer jungen Frau. Was das bedeutet, ahnt sie mit Unbehagen. Der Mann, den sie nur Satan nennt, hat ein neues Opfer und wird auch diese Frau ins Verderben treiben. Die Lady Bag macht sich daran, die Frau zu warnen. Leider nicht ganz nüchtern und so wird aus der Warnung ein kaum verständliches Gebrabbel. Die junge Frau sucht mit ihrer Freundin einfach nur umgehend das Weite. Ganz so einfach will Lady Bag aber nicht aufgeben und sie bemüht sich darum, den Wohnort der Frau zu finden.

Foto: Liza Cody - Die Bildunterschrift auf ihrer Website dazu: Here's me toasting the arrival of LADY BAG - paperbacks and electronic versions, all available. For this book only the whole bottle would do.
Foto: Liza Cody – Die Bildunterschrift auf ihrer Website dazu: Here’s me toasting the arrival of LADY BAG – paperbacks and electronic versions, all available. For this book only the whole bottle would do. – http://www.lizacody.com/

Satan heißt offiziell Gram Attwood und machte einst der Bankangestellten Angela May Sutherland den Hof. Die, blind vor Liebe, begann im Auftrag mit dem Abzweigen von Geldern, um sich den jüngeren Geliebten zu erhalten. Als alles aufflog, wälzte Attwood die komplette Schuld clever auf seine Gespielin ab. Während Sutherland im Gefängnis landete und danach ohne Chance auf einen Neustart zur Lady Bag wurde, machte sich Attwood das Leben weiter schön. Dass sich Attwoods an seiner neuen Geliebten ebenfalls nur bereichern will, ist für Lady Bag folglich keine Frage. Ihr Problem ist es vielmehr, dass sie das Wissen nicht weitergeben kann. Wer glaubt einer vorbestraften Obdachlosen, die die Hälfte der Zeit mit Rotwein verbringt, Tabletten schluckt und mit sich selber spricht?

Mit ihrer Suche nach Attwoods Freundin tritt Lady Bag eine verwirrende Jagd los, bei der sie, die gerne übersehen wird, plötzlich im Mittelpunkt steht. Denn es gibt eine Tote und Lady Bag war in der Nähe. Es gibt einen Wohnungsbrand und wieder ist Lady Bag dabei; dieses Mal kommt sie zu allem Überfluss auch noch ins Fernsehen. Ganz England weiß, welches Gesicht die Polizei sucht. Eine ganze Weile geht das Versteckspiel allerdings gut, denn so genau sehen sich die meisten Menschen die Obdachlosen nämlich nicht an.

Der Roman ist komplett aus der Sicht von Lady Bag geschrieben. Das macht ihn defintiv zu etwas Besonderem, denn aus dieser Perspektive bekommt man sonst keine Sicht auf das Leben auf der Straße, geschweige denn auf die Gesellschaft. Denn so Rotwein-beladen Lady Bag auch sein mag, dumm ist sie nicht. Sie kann die Menschen, die ihr begegnen, sehr gut einschätzen und profitiert von ihrem ausgezeichneten Geruchssinn. Aber sie ist unter den Beleidigungen und Erniedrigungen hart geworden. Denn sie lernt eine andere Seite der Menschen kennen, die sich ihr und anderen Randgruppen gegenüber viel zu viel herausnehmen und teils richtiggehend Spaß an Misshandlungen haben. Wohl wissend, dass selbst Polizisten mit Vergewaltigungen und Körperverletzungen davon kommen.

Dafür dreht Lady Bag den Spieß irgendwann um, wahrscheinlich, weil sie kaum etwas zu verlieren hat. In ihren Verhören taumelt sie zwischen Erinnerungslücken, Selbstgesprächen, Gestammel und mutigen Trotz. „Und hören Sie mal auf, in der Luft rumzukurbeln“, fügte ich hinzu. „Das nervt.“ – „Ach, ich nerve Sie?“, schnappte Sprague. „Anderson, übernehmen Sie, sonst muss ich sie erdrosseln.“ Diese Chuzpe hat einfach was. Lady Bags Perspektive macht das Buch absolut lesenswert, sehr glaubwürdig und durchaus nachdenklich. Mit einer der treffsicheren Analysen der Lady Bag schicke ich meine Leser zur nächsten Buchhandlung, „Lady Bag“ kaufen:

„Mein Kreis der Hölle war voll mit jungen Frauen, manche davon noch Teenager, kaum aus der Schule. Blanke Inkompetenz  hatte sie nach Holloway verschlagen – sei es nun ihre eigene, die ihrer Eltern, ihrer Lehrer oder der Jugendheime. Wie kann ein Mädchen im Alter von dreizehn Jahren eine Süchtige mit Persönlichkeitsstörung sein, die weder lesen noch schreiben kann, wenn nicht viele, viele Leute sie vorher im Stich gelassen haben, die älter waren als sie? Es ist eine Sache, wenn jemand wie ich im Leben am Bodensatz einen gewissen Trost findet – ich bin ja beinahe aus freien Stücken hier. Aber für diese Mädchen ist der Bodensatz der Gesellschaft ihr Ausgangspunkt. Niemand hat ihnen je eine Wahl gelassen.“

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Die Autorin

Liza Cody (eigentlich Liza Nassim; * 11. April 1944 in London) ist eine englische Krimiautorin.
Nach dem Kunststudium an der London Art School und der Royal Academy war sie vor allem künstlerisch tätig:  u.a. als Fotografin, Malerin und  Restauratorin von Wachsfiguren bei Madame Tussauds.

Ihren ersten Krimi  schrieb sie unter dem Pseudonym Liza Cody 1980. Hauptfigur: Anna Lee, einer Ex-Polizistin, die für eine Londoner Detektivagentur arbeitet. Dafür wurde sie mit dem John Creasey Memorial Award der britischen Crime Writers‘ Association für das beste Krimidebüt des Jahres in Großbritannien ausgezeichnet. 1992 und 1993 wurden die Romane verfilmt und liefen als Serie unter dem Titel Anna Lee mit Imogen Stubbs in der Hauptrolle im britischen Fernsehen.
Im Anschluss schrieb sie eine weitere Serie um die Detektivin Eva Wylie. Vorbild für diese Figur war die Profiwrestlerin Klondike Kate. Anders als die vielen smarten Mittelschichtsdetektivinnen der 1980er und 1990er Jahre gehört Wylie zu den Underdog-Detektiven. Neben ihren Auftritten als Wrestlerin bewacht sie einen Schrottplatz und lebt in einem Wohnwagen.

Liza Cody lebt in Bath/UK.


ISBN: 978-3-94481-856-6
Verlag: CulturBooks
Erstveröffentlichung: 2014
Die Printausgabe ist im Argument Verlag als Ariadne Krimi (ISBN 978-3- 86754-222-7) erschienen.
Die Website der Autorin: http://www.lizacody.com/

Britta Bolt • Das Büro der einsamen Toten

Britta Bolt • Das Büro der einsamen Toten • Ein Kriminalroman

Britta Bolt: Das Büro der einsamen Toten - Copyright Hoffmann und Campe Verlag
Britta Bolt: Das Büro der einsamen Toten – Copyright Hoffmann und Campe Verlag

Kurzbeschreibung
Er ist kein Polizist, kein Privatdetektiv – und trotzdem dreht sich in seinem Leben alles um den Tod. Im „Büro der einsamen Toten“ bei der Stadt Amsterdam kümmert sich Pieter Posthumus um die einsamen Toten – Menschen ohne Angehörige, Menschen, die keiner vermisst – und richtet ihnen ein würdiges Begräbnis aus, mit Musik und Gedichten. Bei seinen Recherchen stößt er auf so manche Ungereimtheit. In der Prinsengracht ist die Leiche eines jungen Mannes gefunden worden. Die Umstände seines Todes sind mysteriös. Posthumus nimmt auf eigene Faust die Ermittlungen auf und gerät in ein Netz von Intrigen.

Rezension
Um namenlose Tote in Amsterdam kümmert sich nach uralter Tradition die Stadt; sie richtet ihnen ein würdiges Begräbnis aus, bei dem es Kaffee, Blumen und ein Gedicht gibt. Soweit die Realität. Britta Bolt hat das zuständige Büro in ihrem Roman kurzerhand „Amt für Katastrophenschutz und Bestattungen“ getauft. Dort arbeitet Pieter Posthumus als einer der drei Beamten, die sich um nicht identifizierte Tote kümmern. Eigentlich bedeutet das neben einer Wohnungsbegehung nur Papierkram, um eventuelle Verwandte ausfindig zu machen, Sterbeversicherungen zu finden und im besten Fall das Begräbnis in die Hände der Familie zu geben. Posthumus jedoch ist ein Typ, der sich oft in das Leben der Toten hineinversetzen will und sich Fragen zu ihrem Tod stellt. Bei einem Toten, der sich in einer Mansarde erhängt hat, findet er zum Beispiel Gedichte und will damit die Trauerrede gestalten. Für seine Kollegen sind solche Ideen albernes und überflüssiges Dekor, für Posthumus ein Stück der letzten Würde. Eines Tages muss er sich um die Leiche eines jungen Marokkaners kümmern, der in einer Gracht gefunden wurde. Dadurch lernt er die Familie Tahiri kennen, mit denen der Tote bekannt war. Vater Tahiri kommt der Tod ein wenig merkwürdig vor und Posthumus verspricht ihm, ein bisschen zu recherchieren.

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Parallel zu Posthumus‘ Arbeit lernt der Leser Onno Veldhuizen kennen, seines Zeichens Abteilungsleiter der Sektion Staatsschutz, sowie seine Teamleiterin Lisette Lammers. Lammers beobachtet die so genannte Amsterdamer Zelle, eine Gruppe hauptsächlich junger Marokkaner, die der Verschwörung und der Planung eines terroristischen Anschlags verdächtigt werden. Während der Staatsschutz sein übliches Programm aus Abhörtechnik und Observation auspackt, erhält Posthumus unverhofft Unterstützung von einer längst verloren geglaubten Familienbande: Seine Nichte Merel Dekkers meldet sich nach langjähriger Sendepause bei ihm. Dekkers ist Journalistin und derzeit mit vielen Artikeln über den Islam betraut.

Familie Tahiri wird zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte, bei der Posthumus‘ Fragen und die Ermittlungen des Staatsschutzes immer wieder angreifen. Aus so einem Setting könnte man einen wahnsinnig schnellen Thriller stricken und Posthumus gegen Veldhuizen durch Amsterdam jagen. Dann wäre das Buch auch spannend, aber nur halb so gut. Denn Britta Bolt schaut ihren Protagonisten nicht nur auf die Finger, sondern auch ins Herz. Was dabei herauskommt ist ein Roman, der viele Facetten zu religiösen Strömungen aufgreift und diese unaufgeregt und gelassen thematisiert.

Es ist mehr als nur der Einblick in eine muslimische Familie. Es ist auch eine Perspektive auf Immigranten, deren Kinder die Herkunft ihrer Eltern entdecken und die eigene Präsenz inmitten von zwei Kulturen ganz anders wahrnehmen. Vater Mohammed hat der Familie in den Niederlanden ein neues und gutes Leben aufgebaut, sich so weit wie möglich integriert. Seine Kinder emanzipieren sich vom Anpassungswillen ihrer Eltern und definieren ihre Traditionen neu. Die Tochter wählt den Schleier und wirft der Mutter ein Mangel an eigener Kultur vor, der Sohn Najib trägt eine Djellaba, meidet den Kontakt zur Familie und surft stundenlang im Internet. Alleine diese Diskrepanzen sind schon genug Stoff, um zwei Generationen hart aufeinander prallen zu lassen. Najibs religiöse Interessen lassen ihn allerdings ins Licht von Veldhuizens Ermittlungen rücken.

Posthumus entdeckt während seiner Recherchen auch das Schicksal des Toten aus der Gracht, ein entfernter Cousin der Tahiris. Mit ihm und Onno Veldhuizen lässt Britta Bolt politische Hintergründe ins Spiel kommen, die auf eine ganz andere Art und Weise erschreckend sind als nur diehier bekannte Gefahr durch Jihadisten. Auch, wenn der Start der Posthumus-Trilogie sehr viel ruhiger ist als ein wütender Krimi von Dominique Manotti, steckt auch in Britta Bolts Buch ein Stück weit politische Literatur. Ließe sich das überhaupt vermeiden, wenn hinter Britta Bolt eine auf Menschenrechte, internationales Recht und politische Prozesse spezialisierte Anwältin sowie ein Schriftsteller stehen, der unter anderem ein Theaterstück gegen Apartheid auf die Bühne gebracht hat?

Posthumus findet heraus, was seine zunächst namenlosen Toten für ein Schicksal hatten. Doch er ist „Beamter, kein Detektiv“, und so liefert das Ende perfektes Futter, um die Geschichte auch bei zugeschlagenem Buch weiter arbeiten zu lassen.

© Erik Smits/Arbeiders Pers
Das Autorenduo Britta Bolt – © Erik Smits/Arbeiders Perstrennlinie2

Britta Bolt – DAS BÜRO DER EINSAMEN TOTEN
ISBN:978-3-455-40528-6
Verlagsbereich:Belletristik
Einband:Schutzumschlag
Produktart:Buch
Seiten:384
Erscheinungsdatum:11.03.2015
Übersetzung:Kathleen Mallett, Heike Schlatterer

Dominique Manotti • Roter Glamour • Ein Kriminalroman • ariadne Krimi

Dominique Manotti • Roter Glamour • Ein Kriminalroman

BuchCover
BuchCover

Kurzbeschreibung
Über der Türkei explodiert ein Flugzeug voller Waffen. In Paris wird eine Frauenleiche auf einem verlassenen Parkplatz abgeladen. Zwischen beiden Ereignissen liegen viele tausend Kilometer, und doch … Präsidentenberater François Bornand versucht eine Staatskrise zu verhindern und schickt seinen Mann fürs Grobe ins Rennen. Mord und Verrat häufen sich – im Namen der Staatsräson? Bei ihrer Ermittlung kommt Polizistin Noria Ghozali der Sphäre der Macht gefährlich nahe.

Rezension
Es gibt sie, diese Autoren, die einem Bauchgrimmen verursachen … weil man sich ärgert, dass man auf sie noch nicht früher aufmerksam geworden ist. Die Französin Dominique Manotti gehört eindeutig zu dieser Riege.

In ihrem kurz gehaltenen Erzählstil stellt Manotti die gebürtige Maghrebinerin Noria Ghozali vor, die sich mit einem gewagten Sprung vor der Wut ihres Vaters rettet. Ab diesem Zeitpunkt ist sie frei, steht allerdings völlig allein da. Ghozali beißt sich durch und wird eher zufällig Anwärterin bei der Polizei. Auf eine Maghrebinerin haben die – wie sie mit selbstgemachten rassistischen Plakaten zeigen – nicht wirklich gewartet und so darf sich die Jungpolizistin erst einmal mit Kleinkram befassen, wie explodierenden Hundehaufen zum Beispiel. Doch Hartnäckigkeit und Energie hat Ghozali nicht verloren und als eine unbekannte Tote auftaucht, hat sie die zündende Idee, wie man sie identifizieren könnte.

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Noria Ghozali ist eine sehr spannende Figur und ich finde, sie bekommt schon mit den wenigen Worten, die Manotti macht, ein vernünftiges Profil. Sie vertritt energisch das Recht und ist jung genug, um weder von Routine noch Ernüchterung ihre Prinzipien zerknickt bekommen zu haben. Und ausgerechnet diese kleine Polizistin legt sich durch ihre Ermittlungen mit einem Zirkel an, der seine korrumpierten Prinzipien dank jahrelanger Protektion durch Macht und Geld völlig individuell definiert. Irgendwann fällt Ghozalis Arbeit auf und bevor sie in die Schusslinie der unzimperlichen Drahtzieher gerät, sichert sich der Zentrale Nachrichtendienst RGPP ihre Dienste.

Ghozalis unbekannter Gegner ist der Präsidentenberater Bornand. Er nutzt seine Position direkt neben der Machtzentrale Frankreichs für persönliche (und selbstverständlich illegale) Geschäfte, Protektion und Ausnutzung. Ihm kann kaum keiner an den Kragen, weil er überall Leute hat, die bei einer Behörde Unterlagen einsehen können, Vorgänge gezielt lahmlegen oder jede Information beschaffen können. Abgesehen von seinen Geschäften und den Intrigen, um erstere zu sichern, steht er permanent mit verschiedenen polizeilichen und nicht-polizeilichen Organisationen auf Kriegsfuß. Die französische Vielzahl dieser Behörden und Dezernate sorgt permanent für Kompetenzgerangel und Auflösungsvorstöße der einen gegen die anderen. Manotti erklärt in einem Vorwort dankenswerterweise, wie komplex die Strukturen in den 1980er Jahren in Frankreich aufgebaut sind.

Dominique Manotti signing books at Fête de l'Humanité 2006 -- Foto: Fred.th - CC BY-SA 3.0 - Quelle: wikipedia
Dominique Manotti signing books at Fête de l’Humanité 2006 — Foto: Fred.th – CC BY-SA 3.0 – Quelle: wikipedia

Von der französischen „Elite“ zeichnet Manotti genau das erbärmliche Bild, das wir vor kurzem ansatzweise bei der Affäre rund um den IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sehen konnten: Die Mächtigen halten die Welt für eine Spielwiese, auf der sie beliebig Geld und Menschen einsetzen, Hauptsache, Abends wartet eine Belohnung in Gestalt einer Prostituierten der gehobenen Klasse auf sie oder wahlweise eine Frau, die sich wenigstens für eine Nacht von Macht und Geld blenden lässt. Ein Nein zu akzeptieren, gelingt keinem der Mächtigen und sollte der seltene Fall eintreten, pflastert sich der Weg mit Racheopfern aller Art.

Manottis entlarvender, spannender Krimi hat mir enorm gut gefallen. Ja, es mag Fiktion sein, aber verflixt nochmal, es ist wohl näher dran an der Realität als man es wahrhaben möchte.

Die Belohnung für den kompromisslosen Stil: Der „Prix Mystère de la Critique“, der „Prix du roman noir du Festival de Cognac“ und obendrein eine Kinoverfilmung.

Randbemerkungen
Es muß doch ein Ersatz für die kommunistische Bedrohung her, die sich gerade in Luft auflöst.
Dominique Manotti, Zügellos, 1997

Politisch versteht Manotti sich als Rätekommunistin; Antonio Gramsci und Rosa Luxemburg spielen für ihre Analysen eine tragende Rolle; die Lektüre von James Ellroy hat nicht unwesentlich zur späten literarischen Arbeit beigetragen.

Ihre Enttäuschung über die Regierung Mitterrand ließ sie vom politischen Engagement zur Literatur wechseln.

Manotti ist eine promovierte Historikerin.

Auszeichnungen
1995 Prix Sang d’encre für Sombre sentier (dt. Hartes Pflaster)
2002 Prix Mystère de la critique für Nos fantastiques années fric (dt. Roter Glamour)
2008 Duncan Lawrie International Dagger für Lorraine connection (dt. Letzte Schicht)
2011 Krimi des Jahres 2010 (Platz 3) in der KrimiWelt-Bestenliste für Letzte Schicht
2011 Deutscher Krimi Preis – International 3. Platz für Letzte Schicht
2011 Grand prix de littérature policière – Kategorie National für L’Honorable Société (gemeinsam mit DOA)
2012 Krimi des Jahres 2011 (Platz 1) in der KrimiZEIT-Bestenliste für Roter Glamour

trennlinie2Dominique Manotti • Roter Glamour

Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Argument Verlag mit Ariadne; Auflage: 4 (1. Januar 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3867541922
ISBN-13: 978-3867541923
Originaltitel: Nos fantastiques années fric
Andrea Stephani (Übersetzung)

Erstveröffentlichung: 2001 (Original) / 2011 (deutsche Übersetzung)

Die Kultur der Reparatur – Wolfgang M. Heckl – Rezension von Bettina Schnerr

Cover: Die Kultur der Reparatur - Wolfgang M. HecklKurzbeschreibung
Kaum ist die Garantie abgelaufen, gehen unsere Geräte kaputt. Das Display des mp3-Players spinnt, der Laptop überhitzt und schaltet ab. Doch wir können der Wegwerfgesellschaft entkommen: Indem wir wieder reparieren lernen. Das schont nicht nur die Ressourcen des Planeten, es macht auch Spaß! Überall in Deutschland gibt es Repair-Cafés, in denen Menschen gemeinsan an alten Plattenspielern schrauben und aus Secondhandklamotten Designermode machen. Wolfgang Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums in München, setzt sich an die Spitze der Do-it-Yourself-Bewegung. Er lehrt uns die Dinge um uns herum wieder wertzuschätzen – und zeigt uns den Weg zu mehr Autonomie von der Industrie.

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Tokyo Vice – Jake Adelstein – Rezension von Bettina Schnerr

Tokyo Vice, Cover, Riva Verlag

Kurzbeschreibung

Jake Adelstein ist der einzige westliche Journalist, der jemals als Polizeireporter in Japan arbeiten durfte. Er berichtete viele Jahre über die dunkle Seite Japans, wo Erpressung, Mord, Menschenhandel und Korruption ebenso häufig vorkommen wie Ramen-Nudeln und Sake. Doch als er seinen letzten Knüller landen wollte, stand er Japans berüchtigtstem Yakuza-Boss plötzlich persönlich gegenüber. Da ihm und seiner Familie der Tod drohte, gab er auf … vorübergehend. Dann schlug er zurück. In seinem Buch erzählt Adelstein, wie aus einem unerfahrenen Jungreporter (dessen Wing-Chun-Kampf mit einem älteren Kollegen nicht sein einziger Anfängerfehler war) ein wagemutiger Enthüllungsjournalist wurde, auf den die Yakuza ein Kopfgeld aussetzte. Mit seinen lebendigen, emotionalen Geschichten aus der Welt der modernen Yakuza, von der selbst Japaner wenig wissen, ist Tokyo Vice von der ersten bis zur letzten Zeile ein ebenso faszinierendes wie informatives Buch und ein einzigartiger, aufschlussreicher Bericht aus erster Hand über die Schattenseiten der japanischen Kultur.Weiterlesen

Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!! – Jón Gnarr – Rezension von Bettina Schnerr

Cover: Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!!! - Jón Gnarr

Kurzbeschreibung

Jón Gnarr: Künstler, Komiker, Anarchist – und Bürgermeister einer europäischen Hauptstadt. In seiner unterhaltsamen Streitschrift beschreibt er seinen Weg vom selbsternannten Anarcho und Gründer einer Spaßpartei in die Niederungen des kommunalpolitischen Alltags. Hören Sie gut zu und schärfen Sie ihr politisches Bewusstsein!
Ein Satz im Deutschunterricht hat sich Jón Gnarr besonders eingeprägt: »Hören Sie gut zu und wiederholen Sie!« Zuhören ist eine Kunst, auch wenn sie in der Politik oft nicht sehr ausgeprägt ist. Gnarr lehrt sie uns und sich. Was als künstlerisches Projekt begann, die Gründung der »Besten Partei«, entwickelte sich für den Allround-Künstler spätestens nach seiner Wahl zum Bürgermeister von Reykjavík zur Lebensaufgabe: Wie kann man in einer Gesellschaft etwas verändern, ohne sich selbst zu verändern? Mit bewundernswerter Offenheit beschreibt Jón Gnarr seinen Werdegang, seine Visionen – und die Fehler, die er bislang gemacht hat.Weiterlesen

Patricia Melo – Leichendieb – Rezension von Bettina Schnerr-Laube

Cover: Der Leichendieb - Patricia Melo

Kurzbeschreibung

Ein Päckchen Kokain liegt neben der Leiche eines jungen Mannes. Der Finder beschließt, es zu verkaufen, und verstrickt sich damit in eine Welt aus Betrug und Erpressung. Um zu überleben, muss er bald schon eine Menge Geld auftreiben. Mit einem perfiden Plan macht er sich an die schwerreichen Eltern der Leiche heran. Patricia Melos „Leichendieb“ ist ein spannender Thriller, der den Leser die moralischen Bedenken eines Mannes nachempfinden lässt, dessen kriminelle Handlungen sich wie eine Lawine steigern. Patrícia Melo bietet nicht nur ein bestechend genaues Porträt der Rauschgift-Mafia in Lateinamerika, sondern auch den Beweis, dass es manchmal nur eines winzigen Auslösers bedarf, um das Leben eines Menschen aus der Bahn zu werfen: In jedem steckt der Keim für das Böse.Weiterlesen

Wer schlafende Hunde weckt – Christopher Brookmyre – Rezension von Bettina Schnerr

Cover: Wer schlafenden Hunde weckt - Christopher Brookmyre

Kurzbeschreibung

Glasgow, Mitte des letzten Jahrzehnts. Jasmine Sharp müsste eigentlich jubeln: Endlich hat sie einen Job. Ihr Onkel Jim, Privatdetektiv, Ex-Cop und ihr einziger Verwandter, hat es nett gemeint und sie zu seiner Assistentin gemacht. Aber besonders geschickt angestellt hat sie sich bisher nicht. Wenn man ehrlich ist, muss man sogar zugeben: Als Privatdetektivin ist sie eher lausig. Doch als Jim plötzlich spurlos verschwindet, muss Jasmine über sich hinauswachsen: Auf eigene Faust und geplagt von Selbstzweifeln beginnt sie zu ermitteln. Bei ihren Nachforschungen trifft sie auf Tron Ingrams, der ihr mit seiner brutalen und verschlossenen Art Angst macht und offensichtlich mehr weiß als er sagt. Schnell muss Jasmine feststellen, dass sie es mit Gegnern zu tun hat, die vor nichts zurückschrecken. Ohne es zu wissen, ist sie dem größten Korruptionsskandal auf der Spur, den Glasgow je erlebt hat. Und sie erkennt, dass sie und Ingrams mehr verbindet, als ihr lieb ist.Weiterlesen

The Serialist – David Gordon – Rezension von Bettina Schnerr

Cover: The Serialist - David Gordon
Kurzbeschreibung
Harry Bloch is a struggling writer who pumps out pulpy serial novels—from vampire books to detective stories—under various pseudonyms. But his life begins to imitate his fiction when he agrees to ghostwrite the memoir of Darian Clay, New York City’s infamous Photo Killer. Soon, three young women turn up dead, each one murdered in the Photo Killer’s gruesome signature style, and Harry must play detective in a real-life murder plot as he struggles to avoid becoming the killer’s next victim.Weiterlesen