Auguste Groner – Der Brief aus dem Jenseits – Kriminalnovelle

Der Brief aus dem Jenseits

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Der Brief aus dem Jenseits – Auguste Groner


In einem Kaffeehaus der Provinzialhauptstadt G. saßen zwei Herren an einem Tisch und sprachen lebhaft über die schauerliche Neuigkeit des Tages, welche die Lokalblätter ausführlich besprachen. »Sensationeller Raubmord«, stand da in großen Lettern an der Spitze der Abendausgabe einer der Zeitungen.

Über diesen Raubmord sprachen auch die Herren. Sie mussten vom Gericht sein; denn sie zeigten sich über allerlei unterrichtet, wovon eben nur Personen der Gerichtsbehörde Kenntnis haben konnten; wussten, welchem Kommissar die Untersuchung zugeteilt worden war, und auch schon, dass Staatsanwalt Schmid die Anklage führen würde, falls man diesmal so glücklich sein sollte, des Verbrechers habhaft zu werden.

»Na, dem kann’s gut gehen«, meinte der jüngere der beiden Herren, seine Zigarrenasche abstreifend.

»Es soll ihm gar nicht gut gehen«, meinte phlegmatisch der andere, »aber das ist schon richtig, unser schneidiger Staatsanwalt wird genug Grimm in sich gesammelt haben, weil uns jüngst zwei große Verbrecher entwischten, und da wird er noch weniger als sonst geneigt sein, Milde walten zu lassen, sondern wird die Sache so scharf als möglich anfassen.«

»Ein sehr schöner Fall – falls es wirklich zu einer Gerichtsverhandlung kommt. Auf so etwas hat Schmid schon lange gewartet. Das ist etwas, wo man sich so recht hineinlegen und sich bei Seiner Exzellenz dem Herrn Minister beliebt machen kann. Da würde dann doch die Berufung nach der Hauptstadt nicht mehr länger auf sich warten lassen!«

Der junge Beamte hatte mit großer Bitterkeit gesprochen, sein älterer Kollege sah sich vorsichtig um, ob die heftige Rede nicht etwa Hörer gehabt – aber niemand kümmerte sich um die beiden.

Um den jüngeren Mann von den unvorsichtigen Bemerkungen abzulenken, fragte er: »Weiß man noch immer nicht, wer der Ermordete ist?«

»Noch immer nicht. Die Vermieterin, die ihn nach seinem Einzug bei der Polizei hätte melden sollen, hat das zu tun vergessen. Aber er soll erwähnt haben, dass er erst unlängst sein Gut, das gar nicht weit von hier gelegen gewesen sei, verkauft und dafür zehntausend Gulden erhalten habe, welches Geld man auch bei ihm gesehen hat. Auf diese Daten hin hat man in der ganzen Umgebung der Stadt den Telegrafen spielen lassen und wird wohl bald herauskriegen, wo dieser Ausländer in jüngster Zeit gelebt.«

Noch lange besprachen die Herren die bis jetzt bekannt gewordenen Einzelheiten des Verbrechens, und dann griff der jüngere noch einmal zur Zeitung. Da hieß es: 

»Sensationeller Raubmord. Unsere Leser kennen wohl alle die Josefigasse. Es ist eine ruhige, friedsame Gasse, in welcher nur wenige Häuser stehen. Diese Häuser sind durch Gärten und Bauplätze voneinander getrennt und von armen Leuten bewohnt. Das Haus Nr. 7 ist das kleinste, das bescheidenste von allen Häusern der Josefigasse. Es ist das Eigentum eines Handlungsreisenden namens Eduard Winter. Der Mann ist selten daheim. Er hat nur ein Kind und eine Frau, die mit einer betagten Magd die kleine Wirtschaft führt. Das Haus hat nur wenige Räume. Ein Zimmer und eine Küche im Parterre, zwei Zimmer im ersten Stockwerk. Diese zwei Zimmer vermietete Frau Winter monatweise, wenn sie wusste, dass ihr Mann eine längere Reise vorhatte.

Diese zwei Zimmer waren auch jetzt vermietet; waren seit acht Tagen von einem noch jungen, fein aussehenden, sich solid gebenden Herrn bewohnt. Er hatte im Voraus für einen Monat bezahlt. Er war, so seine Angabe, hergekommen, um Freunde in hiesiger Stadt zu besuchen.

Er erhielt auch, soviel man weiß, einmal einen Besuch. Es war ein Herr mit dunklem Vollbart und breitkrempigem, grauem Filzhut, der abends zum Mieter der Winterschen Wohnung kam. Lissi, die alte Magd des Hauses, hatte ihn kommen sehen. Es war am Abend des 23. September. Am Morgen des 24. fand sie Herrn John Siders, so hatte sich der Mieter genannt, mit durchschossener Brust tot inmitten des zweiten Zimmers auf dem Fußboden liegen.

Zeter und Mordio schreiend, rannte die Alte auf die Straße und rief die Nachbarn herbei. Ihre Herrin war nicht daheim, die hatte mit ihrem Kind, wie sie es in Abwesenheit ihres Mannes öfter zu tun pflegte, den vergangenen Tag und die vergangene Nacht am anderen Ende der Stadt bei ihrer Mutter zugebracht und war noch nicht zurückgekehrt.

›Mord, Mord‹, schrie, fast von Sinnen, die alte Magd, als sie vor das Haus stürzte, und teilte den herbeieilenden Leuten, es war auch ein Wachmann darunter, in fliegender Hast mit, was sie gesehen.

›Na, seien Sie ruhig, es wird halt ein Selbstmord sein. Derlei kommt ja alle Tage vor‹, meinte der Binder von nebenan, indessen der Wachmann, den anderen voran, ins Haus ging.

Er allein betrat das zweite Zimmer, an dessen offener Tür sich bleiche, schreckensvolle Gesichter drängten.

Es war kein Selbstmord, das war mit wenigen Blicken zu erkennen, denn überall fanden sich Zeichen eines Kampfes: auf dem Tisch, wo ein Tintenfass umgeschüttet war, auf dem Boden, wo die Teppiche ineinander geschoben waren und ein Sessel umgestürzt war, ja selbst an den Gardinen, deren eine in Fetzen hing. Wahrscheinlich wollte der Überfallene von dem Fenster aus um Hilfe rufen, und der Mörder war ihm gefolgt und hatte ihn wieder in das Zimmer zurückgezerrt, wo er sein Opfer mit einem Schuss niederstreckte, um es dann zu berauben, was die halb offenstehenden Laden eines Trumeau-Kastens und des Schreibtisches sowie verschiedene wertlose Gegenstände bewiesen, die einst auch in den Laden gelegen und sich nun auf dem Boden verstreut vorfanden.

Eine Minute lang war der Wachmann im Mordzimmer gewesen, seine Augen hatten ihm gesagt, dass hier ein Raubmord vorliege, seine Hand, die er auf die eiskalte des Hingesunkenen gelegt, hatte ihm bewiesen, dass man hier keines Arztes mehr bedürfe.

Er ging aus dem Zimmer; die Leute waren schon bis zum kleinen Flur und zur Stiege zurückgewichen.

»Wollen Sie sofort zur Polizeidirektion gehen, um die Sache zu melden?« fragte der Wachmann den klug aussehenden Bindermeister, und dieser nickte und verschwand.

Der Wachmann schloss die Wohnung, in welcher der Ermordete lag, und steckte den Schlüssel zu sich, dann ging er zum Tor hinunter und erwartete dort die Ankunft der Kommission. Die Magd der Frau Winter hatte jemanden nach ihrer Herrin gesandt und sich dann mit schlotternden Knien in ihren Bereich, in die Küche, zurückgezogen.

Eine halbe Stunde später hielt ein Fiaker vor dem kleinen Haus in der Josefigasse. Ein Polizeikommissar, der Polizeiarzt und ein Schreiber stiegen aus. Auf dem Kutschbock saß ein scharfgesichtiger Mann in Zivil, der trotz seines eifrigen Plauderns mit dem Wagenlenker die umstehende Menge unauffällig beobachtete. Als indessen einer der Männer in ihm einen Detektiv zu erkennen glaubte und diese Bemerkung leise weitergab, verschwand einer um den anderen von den neugierigen Gaffern, so dass, als nach einer halben Stunde die Herren von der Polizei wieder herunterkamen, niemand mehr da war als die beiden Männer auf dem Bock des Wagens.

Frau Winter trat ihnen, noch ganz atemlos und überaus bestürzt, im Flur entgegen, gab einige Auskünfte und zeigte sich sehr erleichtert, als sie vernahm, dass der Leichnam eine Stunde später abgeholt werden würde.

Letzteres geschah denn auch, und natürlich hat unsere so eifrige Polizei alles veranlasst, um dem Täter oder den Tätern auf die Spur zu kommen. Dass der unglückliche John Siders nicht durch Selbstmord ums Leben gekommen war, bewies außer den von uns bereits angeführten Anzeichen noch ein Brief, welchen der amtierende Kommissar neben dem umgestürzten, fast ganz geleerten Tintenfass fand und welcher nachweislich die Handschrift des Toten trägt. Der Inhalt dieses Briefes ist laut Polizeirapport:

trennlinie2Lieber Freund!

Es freut mich herzlich, dass Ihr, Du und die Deine, mich so liebreich aufgenommen habt. Da ich das bewusste Hindernis beseitigen konnte, bin ich natürlich gern bereit, übermorgen, Sonntag, die geplante Landpartie mitzumachen. Zu diesem Zweck werde ich gegen 8 Uhr früh Euch in Eurer Wohnung abholen. Du gestattest, dass ich einen Fiaker und Champagner mitbringe. Es soll ein lustiger Tag werden, und nebenbei müssen wir doch auch unsere Zukunftsprojekte hochleben lassen.

Inzwischen schließt Dich ans Herz und küsst Deiner lieben Frau die Hand Dein alter treuer, noch immer flotter

John

G …, am Freitag, dem 23. September 189 …

trennlinie2

Dieser Brief, zu dem nur noch die Adresse fehlte, sagt am deutlichsten, dass sein Schreiber noch viel von ›übermorgen‹ und der ferneren Zukunft hoffte und dass er noch voll schäumender Lebensfreude war, die eine mörderische Hand erbarmungslos mit einem Schuss vernichtete.

Möge es unserer Polizei doch wenigstens dieses Mal gelingen, den Täter der gerechten Strafe zuzuführen.« 

So der Bericht des Abendblattes. Zwei Tage später saß Kommissar Horn, welcher die Untersuchung im Falle John Siders führte, in ziemlich missmutiger Laune in seinem Büro.

Man war noch immer um nichts weitergekommen, hatte nichts wesentlich Neues erfahren.

Der Ermordete lag bereits im Grabe. Von seinem Mörder hatte man keine Spur.

Wohl wusste man seit heute Morgen, wo der Ermordete gewohnt, ehe er in diese Stadt gekommen war. Den Revolver betrachtend, den man einige Schritte seitwärts von dem Toten gefunden und der seither auf Horns Tisch lag, saß der Kommissar da und dachte recht unzufrieden über den geringen Erfolg nach, welchen sein Besuch in Grünau, so hieß das Dorf, aus welchem John Siders gekommen war, gehabt hatte.

Er war eigentlich ganz umsonst hingefahren.

Er hatte vom dortigen Bürgermeister nur erfahren, dass John Siders aus Chicago hierher übergesiedelt war und dass des Fremden einziger Umgang Ingenieur Graumann war, der nahe seinem Dienstort, einer großen Maschinenfabrik, die sich unfern vom Bürgermeisteramt befand, wohnte.

Eine Fotografie des Ermordeten, welche man bei diesem gefunden, wurde vom Bürgermeister sofort als das Bild John Siders erkannt.

Als die Person des Toten somit festgestellt war, ließ Kommissar Horn Albert Graumann durch den Bürgermeister in dessen Amtsstube bescheiden. Während man ihn erwartete, erhielt der Kommissar noch einige Auskünfte über John Siders und dessen Bekannten, den Ingenieur Graumann. John Siders hatte auffallend still in seinem kleinen Besitz gelebt. Das einzige indessen, was unangenehm an ihm auffiel, war seine seltsam scheue Art gewesen. Was ihn bewog, seinen Besitz geradezu zu verschleudern, um ihn nur so bald als möglich loszuwerden, wusste niemand. Seine Dienstleute, eine alte Magd und einen jungen Knecht, habe er sehr gut entlohnt, und sie seien noch im Dorf, falls man Auskunft von ihnen wolle.

Horn verfügte, dass auch sie vorgeladen würden. Über Graumann erhielt er ebenfalls Auskunft, und zwar weit genauer als über John Siders. Graumann war ein gebürtiger Grünauer, und seine sowie die Verhältnisse seiner Familie waren allgemein bekannt.

Sein Vater war Kassierer der Maschinenfabrik gewesen, hatte den Sohn studieren und ins Ausland gehen lassen, und Albert Graumann war nun schon seit Jahren in dem großen Etablissement beschäftigt. Er war 45 Jahre alt, kinderloser Witwer und lebte im Hause seiner alten Tante. Er war ein sehr intelligenter, diensteifriger Beamter, ein wenig hochfahrend und kaltherzig, sicherlich aber ein Mensch, den man einen Ehrenmann nennen konnte.

Er trat, bald nachdem der Bürgermeister den Polizeibeamten über ihn orientiert hatte, in die Stube, in welcher die Herren auf sein Kommen warteten. Er war neugierig, im Übrigen aber sehr ruhig und unbefangen dem Wunsch des ihm persönlich befreundeten Bürgermeisters sofort nachgekommen und trat mit der gemütlichen Frage »Na, was gibt’s denn, das so eilig abgetan werden muss?« in das Zimmer.

»Ich komme wegen John Siders, der ermordet wurde«, sagte, rasch aufstehend und ohne eine Vorstellung abzuwarten, Kommissar Horn und beobachtete dabei scharf den Eingetretenen.

Ingenieur Graumann starrte ihn an. Es war ein Erschrecken, ein jähes, tiefes Erschrecken, das sich auf seinem bewegten Antlitz zeigte. Aber frei haftete sein Auge dabei auf dem des Polizeibeamten.

»John Siders – ermordet?« murmelte er und wischte sich mit der Hand über die Stirn, hinter der, man sah es dem Manne an, sich viele Gedanken regten.

»Sie waren sein Freund«, fuhr der Kommissar rasch fort.

Graumann schüttelte den Kopf. »Nur sein Bekannter, hier allerdings so ziemlich sein einziger Bekannter.«

»Und kannten als solcher seine Verhältnisse.«

Über Graumanns hartes, aber kluges Gesicht huschte ein Ausdruck von Grimm und Verachtung, aber völlig ruhig sagte er: »Ja, ich kannte einiges von seinen Verhältnissen. Er redete mit mir zuweilen über Chicago, das wir beide kennen, er war dort einige Zeit hindurch Advokat. Wir hatten sogar gemeinsame Bekannte dort, und wir waren beide gern drüben gewesen, das gab manchen Gesprächsstoff. Über sein jüngstes Leben bin ich weniger genau unterrichtet.«

»Wussten Sie auch nicht, was ihn veranlasste, sein Besitztum so rasch zu verkaufen?«

Graumann zögerte ein wenig, dann sagte er ruhig: »Er hat mir darüber nichts gesagt.«

»Wann sahen Sie ihn zum letzten Mal?«

Wieder dachte der Ingenieur nach, um dann ganz sicher zu antworten: »Als er von hier wegreiste.«

»Er nahm all sein Geld mit?«

»Wie kann ich das wissen?«

»Seine Zukunftspläne kannten Sie auch nicht?«

»Er wollte vermutlich Europa wieder verlassen.«

»War er ein Deutscher?«

»Ja.«

»Können Sie mir noch etwas über ihn berichten?«

In Graumanns Gesicht stieg eine helle Röte, er tat schon den Mund auf, doch schloss er ihn wieder, ohne zu reden.

»Was wollten Sie sagen?« fragte scharf der Kommissar.

»Nichts, das auf das Ende John Siders irgendwelchen Bezug haben könnte.«

»Haben Sie auch keinerlei Vermutung darüber, wer sein Mörder, wer der Raubmörder sein kann? Sie kannten ja vermutlich seinen Umgang, seine Beziehungen am genauesten.«

»Ich habe alles gesagt, was ich in Bezug auf John Siders zu sagen hatte.«

»Und es interessiert Sie gar nicht, wann, wo und unter welchen Umständen er sein Ende fand?«

Wieder waren Horns Augen scharf auf den ihm ziemlich unsympathischen Menschen gerichtet.

Doch Graumann blieb unerschütterlich ruhig. Mit einer Kälte, die nicht für sein Herz sprach, sagte er: »Nein, das interessiert mich nicht. Es betrübt mich, dass er solch ein Ende gefunden, aber da ich ihm dadurch nicht zu helfen vermag, erspare ich mir’s lieber, die Geschichte seines Todes zu hören. Aufregungen tun mir nicht gut. Ich habe einen Herzklappenfehler. Seinetwegen halte ich nicht einmal eine Zeitung.«

»Bedaure«, entgegnete Horn kühl. Es war nicht klar, ob er die Kälte von Graumanns Herzen oder diesen um seines Klappenfehlers willen bedauerte, der ihm nicht einmal gestattete, Tagesneuigkeiten zu lesen.

Er entließ den Ingenieur, sprach dann noch mit den inzwischen gekommenen ehemaligen Dienstleuten John Siders‘, die gründlich entsetzt waren über das schreckliche Ende ihres gütigen Herrn, dem Kommissar aber nicht das geringste Neue zu berichten wussten.

Horn fuhr alsdann in ziemlich übler Stimmung nach G. zurück, wo er flüchtig zu Mittag aß, seinem Chef Bericht erstattete, einige laufende Amtsgeschäfte erledigte und gegen drei Uhr müde in seinen Stuhl sank, um doch noch nicht, wenigstens nicht in Bezug auf das Denken, Ruhe zu finden.

Während er also grübelnd dasaß, pochte es an die Tür.

»Herein!« rief er zerstreut.

Es war ein hübsches junges Mädchen, das langsam über die Schwelle trat. Sie blieb, nachdem sie die Tür geschlossen, dicht an ihr stehen.

Horn erhob sich rasch und ging auf sie zu. Sie war ihm fremd. Aber ein Blick auf sie hatte ihm gesagt, dass sie sehr befangen und überaus unglücklich sei.

»Was wünschen Sie, Fräulein?« begann er freundlich, denn sein wohlwollendes Herz drängte ihn, wie ein Freund zu dieser sichtlich Schwerbekümmerten zu sprechen. Den derzeitigen »Fall«, der ihn noch einige Sekunden vorher so lebhaft beschäftigte, hatte er jetzt vergessen.

Das Mädchen erhob ihre Augen voll zu ihm; es waren sanfte graue Augen, aus denen ihn ein tiefer Schmerz ansah.

»Ich bin Eleonore Römer«, sagte sie; sie musste in dem Glauben leben, dass er ihren Namen schon kenne, denn da sie merkte, dass er damit keinerlei wichtige Vorstellung verband, zeigte sie sich verwundert.

»Und ich bin Kommissar Horn«, stellte er sich vor, worauf sie entgegnete: »Ich weiß es, deshalb bin ich ja eben aus Grünau mit dem nächsten Zug hierhergereist, um mit Ihnen sprechen zu können.«

In Horns Augen blitzte es auf.

»Aus Grünau kommen Sie?« sagte er lebhaft. »Oh, bitte, was haben Sie mir zu sagen?«

Er führte sie zu seinem Tisch und bot ihr einen Stuhl. Sie sah ihn, eine Weile an einem Worte würgend, an, dann fragte sie leise: »Hat Ihnen Herr Graumann, mein Vormund, gesagt, dass John und ich heimlich verlobt gewesen? Dass auch ich über den Unglücklichen aussagen kann – nur Gutes«, setzte sie mit einem lieben, herzzerreißenden Lächeln hinzu.

Kommissar Horn reichte ihr die Hand.

»Sie sind ein tapferes Kind«, sagte er herzlich. »Ich nehme an, Sie haben es, gleich Herrn Graumann, heute erst erfahren, dass John Siders tot ist.«

Das Mädchen nickte, brach in ein krampfhaftes Schluchzen aus und legte Arme und Haupt auf die Tischkante. Ihr ganzer zierlicher Leib zuckte vor schmerzlicher Aufregung.

Horn, der selber eine Tochter in Eleonores Alter besaß, ward es recht weh ums Herz, als er das liebliche Mädchen so trostlos sah. Sanft löste er ihr den Hut vom Kopf und strich ihr über das Haar.

»Armes Kind, Sie haben John Siders wohl sehr lieb gehabt?« Wie zart der Kommissar reden konnte! Seine Güte fiel denn auch wie labender Tau in die gramvolle Seele des Mädchens. Sie erhob den Kopf, wendete Horn ihr blasses Gesicht zu und stammelte: »Oh, bitte, verzeihen Sie mir. Aber ich musste endlich weinen, wenn mich das Grauen und der Schmerz nicht töten sollen.«

»Weinen Sie, Kind, weinen Sie. Die Natur fordert ihr Recht. Ich kann schon noch ein wenig warten«, entgegnete Horn freundlich, und als sie sich endlich gefasst hatte, sah er ihr ermutigend in die Augen, und sie begann: »Als mein Vormund heute mittags heimkam, erzählte er seiner Tante und mir, die ich auch in seinem Haushalt lebe, dass John tot, dass er ermordet, und zwar um seines Geldes willen ermordet worden sei. Er brachte es uns vorsichtig bei – dennoch war mir’s, als sollte ich wahnsinnig darüber werden.«

»Wusste Ihr Vormund, dass ein Verhältnis zwischen John Siders und Ihnen bestand?«

»Er wusste es, denn er selbst hat es vor etwa drei Wochen gelöst.«

»Gut, mein Kind. Sie haben, wie ich meine, wirklich Wichtiges auszusagen, da wollen wir denn doch ein Protokoll aufnehmen. Sie waren doch gefasst darauf?« Gar ernst war der Beamte geworden und gar ernst und noch blasser auch das Mädchen. Sie neigte, seine Annahme bestätigend, das Haupt.

Kommissar Horn drückte auf eine elektrische Klingel. Ein Wachmann kam herein.

»Ich lasse Herrn Binder zu einem Protokoll bitten.« Eine Minute später kam Herr Binder. Er sah nicht rechts noch links, verbeugte sich im Hereinkommen mechanisch nach der Richtung hin, in welcher er den Kommissar wusste, und saß auch schon an seinem Platz, hinter einer Lage weißen Papiers, dessen Bogen schon nummeriert waren.

Herr Binder war eine sehr präzise arbeitende, nie versagende Schreibmaschine, die gleich in schönster Schrift selbst die im raschesten Tempo durchgeführten Verhandlungen protokollierte.

Er sah schon lange auf sein Papier und die schon angesetzte Feder, als der Kommissar mit seinen Fragen begann.

»Sie heißen?«

»Eleonore Römer.«

»Wie alt?«

»Zweiundzwanzig Jahre zehn Monate.«

Horn lächelte ein wenig, dann fuhr er fort: »Wo geboren?«

»In Grünau.«

»Konfession?«

»Römisch-katholisch.«

»Ledig? Verheiratet?«

»Ledig.«

»Wohnhaft?«

»In Grünau. Im Hause des Ingenieurs Albert Graumann, der, da ich seit Jahren elternlos bin, mir zum Vormund gesetzt ist.«

»Seit wann kannten Sie John Siders?«

»Fast so lange, wie er in Grünau lebte, das ist seit mehr denn einem Jahr.«

Sie verlobten sich mit ihm?«

»Ich verlobte mich mit ihm.«

»Heimlich?

»Heimlich.«

»Aus welchem Grunde sollten die Leute nichts von diesem Verlöbnis wissen?«

Eleonore Römer lächelte bitter. »Oh – die Leute hätten es schon wissen können, nur meinem Vormund sollte es verborgen bleiben, bis es zur Hochzeit kam, was erst nach meiner Mündigsprechung der Fall sein konnte.«

»War er Ihrem Verlobten abhold?«

»Nein – solange er nicht wusste, dass John mein Verlobter war.«

»Und aus welchem Grunde war er dann gegen ihn?«

»Weil er selber mich heiraten wollte«, sagte das Mädchen errötend.

»Ah!« machte der Kommissar.

Eleonore Römer blickte auf. »Nicht wahr, jetzt wissen Sie, warum Graumann dem armen John so übelwollte, dass er sein und damit auch mein Glück zerstörte. Aber kann er das Schreckliche auch scheinbar beweisen, John ist – ah – war doch kein Dieb, und wenn man ihn auch verurteilt hat, wenn er auch im Zuchthaus gesessen, er war doch kein Dieb, war ehrlich, wie Sie und ich es sind. Das, nur das Ihnen zu sagen, kam ich her, denn ich will nicht, dass man schlecht von dem Toten spricht, der mir’s unter Tränen und heiligen Eiden zugeschworen, dass er ungerecht verurteilt wurde und dass ein Justizmord an seiner Ehre verübt worden sei.«

Immer gespannter horchte der Kommissar, und als das Mädchen seine leidenschaftliche Rede beendet hatte und, wieder von der gewohnten Schüchternheit überwältigt, die flammenden Augen niederschlug, da fragte Horn sehr erstaunt: »Ja, liebes Fräulein! Wovon reden Sie denn eigentlich?«

»Von John Siders, den mein Vormund freilich in dem Glauben, er rede die Wahrheit, heute bei Ihnen verleumdet hat.«

»Aber Herr Graumann sagte ja von all dem, was Sie da vorbrachten, kein Wort.«

»Kein Wort!« sagte langsam – sich wie eine Nachtwandlerin erhebend und ihn anstarrend – das Mädchen, dann schlug es die Hände vors Gesicht und murmelte: »Mein Gott! Was habe ich getan!«

»Das Rechte, Fräulein Römer! Das einzig Rechte und Richtige haben Sie getan, indem Sie, vom einem edlen Gedanken getrieben, hierhergekommen sind, um alles, aber auch wirklich alles zu sagen, was die schreckliche Tat, die an Ihrem Verlobten verübt wurde, vielleicht aufklären kann und wodurch es dem Gesetz möglich ist, den Mörder John Siders der Gerechtigkeit zu überantworten.«

Eleonore Römer hatte, während Horn so ernst und gütig auf sie einredete, ihre Verwirrtheit überwunden, jetzt nickte sie wehmütig und sagte: »Sie haben recht, Herr Kommissar. Es wäre ja doch meine Pflicht gewesen, alles zu sagen, was ich über Johns Verhältnisse weiß, und so vielleicht mit dazu beizutragen, damit er gerächt werde. Es wird ihm ja nun nicht mehr weh tun, dass es hier noch mehr Leute als mein Vormund und ich wissen, er sei einstens hier, in dieser Stadt, als Dieb gebrandmarkt worden.«

»Hier? Wann?«

»Vor acht Jahren.«

Horn streckte die Hand nach der elektrischen Klingel aus. – Fräulein Römer wehrte ab.

»Sie wollen nach seinem Namen suchen lassen. Man würde ihn nicht finden, denn er hat in Amerika, wo er Staatsbürger wurde, den Familiennamen seiner Mutter, einer Engländerin, angenommen. Auch gebrauchte er drüben nur seinen zweiten Taufnamen. Wenn Sie aber einen Theodor Bellmann suchen wollen, werden Sie finden, dass er zu acht Monaten Zuchthaus verurteilt wurde, weil er auf einen Indizienbeweis hin von dem Richter als eines großen Diebstahls schuldig erkannt worden war. Und dieser Theodor Bellmann, der, ich bin fest davon überzeugt, nie eine unanständige Handlung beging, war unter dem Namen John Siders mein Verlobter.«

»Den Sie aber trotz Ihres Überzeugt seins von seiner Unschuld verließen«, sagte ein wenig hart der Kommissar.

Leonore Römer senkte das Haupt.

»Ja, ich ließ von ihm ab«, sagte sie traurig, »aber nur weil mein Vormund uns damit drohte, Johns Vergangenheit überall, wohin wir uns auch wenden würden, bekannt und uns somit überall unmöglich zu machen. John selber gab mir mein Wort zurück, und ich musste es nehmen – denn wenn auch ich vielleicht die Entehrung ertragen hätte, Johns schon tief verletzte Seele hätte es nimmer überwinden können, dass er überall als einstiger Zuchthäusler angesehen werde.«

»Sie meinten also beide, dass Graumann seine Drohung wahrgemacht hätte?«

»Er hätte sie wahrgemacht. Denn er ist grausam und leidenschaftlichen Hasses fähig, wenn seine Wünsche durchkreuzt werden.«

»Sie halten ihn also für fähig, Schlimmes zu tun – fast ein Verbrechen –, vielleicht wirklich ein Verbrechen auszuführen?« Langsam, das Mädchen mit festen Blicken betrachtend, hatte Horn geredet, und Eleonore hatte ihn begriffen, das sah er aus ihrem Erbleichen, aus ihrem Zurückweichen, aus dem abwehrenden Ausstrecken ihrer Hände.

»Das habe ich doch nicht gesagt – wenigstens nicht sagen wollen!« stammelte sie, worauf er ruhig entgegnete: »Aber Sie haben Graumanns Charakter sichtlich wahr gezeichnet, und da er, soviel wir jetzt wissen, der einzige Feind des Ermordeten war, müssen wir diesen Umstand berücksichtigen und …«

»Und?« ächzte Leonore.

»Und uns den Mann ein wenig näher ansehen«, sagte mit einem beruhigenden Lächeln der Beamte.

Leonore, die sich schon hastig erhoben hatte, sank wieder auf den Sitz zurück.

»Auch das habe ich natürlich nicht auf ihn laden wollen«, sagte sie sanft. Plötzlich überflutete eine helle Röte ihr bleiches Gesicht. Ein Gedanke, der sie beruhigte, musste in ihr aufgestiegen sein.

»Ich habe mit meinem Hierherkommen meinem Vormund kaum einen ernstlichen Schaden bereiten können«, sagte sie lebhaft, »denn es ist ja Gott sei Dank ein Raubmord, dem John zum Opfer fiel.«

Horns Blick mochte ihr sagen, dass er ihr wie nach Befriedigung klingendes »Gott sei Dank« nicht verstehe, und da gab sie ihm Aufklärung.

»Ich meine, für einen Raubmörder kann niemand in der Welt Albert Graumann halten – und aus diesem Grunde kann man ihn mit diesem entsetzlichen Fall nicht in Verbindung bringen. Und froh bin ich auch, dass es kein Selbstmord ist; hätte John selber Hand an sich gelegt, es hätte mich noch viel tiefer getroffen.«

Wieder war ihre Stimme gebrochen und ihr Auge voll Tränen. Sie beugte sich vor und streckte die Hand nach der Zeitung aus, welche vor dem Kommissar lag und auf die sie jetzt ganz zufällig achtete. »Sensationeller Raubmord« und der Name »John Siders« starrte ihr in gesperrter Schrift entgegen. Sie zitterte, als sie das Blatt, das Horn ihr hinschob, anfasste – aber sie bewältigte ihre Schwäche und bat: »Nicht wahr, Sie erlauben, dass ich die Zeitung mitnehme. Hier könnte ich sie nicht lesen, und ich möchte doch auch so viel davon wissen wie die anderen Leute.«

Er nickte ihr zu und spürte dabei deutlich, dass ihm ihr herzbewegendes Lächeln weh, recht wehtat. Aber sein Mitleid ging in Erschrecken über, als er die Veränderung in ihren Zügen sah.

Wie starr dieses junge Gesicht wurde, welches Entsetzen diese Augen ausdrückten – diese Augen, welche auf den Revolver gerichtet waren, der unter der nun weggezogenen Zeitung gelegen.

Es war die Waffe, mit welcher John Siders ermordet worden war.

Sogar Herr Binder blickte von seinem Papier auf und erhob sich langsam – so unbegreiflich gebärdete sich das junge Mädchen.

Langsam, ganz langsam, als ob sie einem widerwärtigen Zwang gehorche, streckte sie ihre rechte Hand nach dem Revolver aus, dessen feingearbeiteter Griff mit einem etwas verschnörkelten und absonderlichen Silberornament verziert war. Auf dieser schimmernden Zier haftete Eleonores stierer Blick – bohrte sich schier hinein, nachdem ihre zitternde Hand die Waffe ergriffen und dem Auge näher gebracht hatte. Da verzerrte sich der lieblich gezeichnete Mund zu einem erschreckenden Lächeln, da keuchte die zarte Brust und zitterten die jungen Beine, so dass die ganze Gestalt des Mädchens zu wanken begann.

»Dieser Revolver – wem gehört er?« fragte der Kommissar und schaute aufs höchste gespannt auf Eleonore. Er wusste – jetzt würde ein entscheidendes Wort fallen.

Es fiel. Es überraschte ihn nicht einmal – er hatte es so halb und halb erwartet.

»Graumann!« haben ihm die bleichen Lippen geantwortet – dann schlossen sie sich, dann sank Leonore bewusstlos in des Kommissars Arme.

Noch einmal hatte die Natur ihr Recht beansprucht. Zuviel war auf Eleonore Römer an diesem Tage eingestürmt – jetzt war sie mit ihren Kräften zu Ende.

»Schicken Sie nach einem Wagen, und bringen Sie mir die Frau des Portiers. Sie wird wohl so gut sein, mit dieser jungen Dame zu fahren.« So sagte ruhig der Kommissar zu Binder. Dieser eilte fort.

Zwei Minuten später trat der Polizeiarzt herein, den Binder zufällig auf der Stiege getroffen.

Er hatte mit Hilfe von ein wenig kaltem Wasser und Lockerung der Kleider Eleonore halbwegs zu sich gebracht, während Horn rasch ein paar Worte auf ein Briefblatt warf und die schweratmige Portiersfrau dienstbeflissen herbeitrippelte.

»Sie bringen die junge Dame und diesen Brief zu meiner Frau«, sagte Horn freundlich, drückte der Alten ein Silberstück in die Hand, trug dann – ihm, dem großen kräftigen Mann ein leichtes – die zierliche Eleonore bis in den Wagen, schob die Alte nach und gab dem Kutscher seine Adresse und Geld.

Dann begab er sich mit dem Protokoll zu seinem Vorgesetzten, machte ihm die Meldung, dass er sofort, um den nächsten Zug nach Grünau zu erreichen, wegfahren müsse, sah noch, wie, während ihm das Herz schwer wurde, sein Chef voll Wohlgefallen über den jetzigen Stand der Sache, den er ihm in Kürze mitgeteilt hatte, sich die Hände rieb, und eilte dann, den Revolver mit sich nehmend, fort.

Es war längst Abend, früher Herbstabend geworden, als Kommissar Horn in der Station Grünau ausstieg. Wieder war sein erster Gang zum Bürgermeister, den er auch daheim antraf, der sehr bestürzt den kurzen Mitteilungen lauschte und sich dann seufzend mit dem Kommissar auf den Weg nach Graumanns Wohnung machte.

Dies war ein hübsches altes Einfamilienhaus, das bald vor ihnen, bald hinter Nebelschleiern, die vom Himmel sanken und aus der Erde stiegen, und hinter den halb entlaubten Bäumen eines Vorgartens aufragte.

Mit seinen erleuchteten Fenstern und der tiefen Stille, die es umgab, konnte es so recht als ein Sitz behaglicher Ruhe, als eine Stätte des Friedens angesehen werden.

Diese Ruhe, diesen Frieden recht gründlich zu stören, waren die beiden Männer, welche jetzt vor der Haustür des Öffnens harrten, gekommen.

Es tat ihnen weh, denn die beiden hatten warme Herzen in der Brust, wussten, was Leid und Freud, was Wohlangesehenheit und was Ehrlosigkeit bedeutet.

Deshalb seufzten sie, als sie vor dem friedlichen alten Hause standen, in welchem es jetzt laut wurde. Der Bürgermeister hatte die Glocke gezogen. Ihr gellender Ton war wohl bis in alle Räume des Hauses gedrungen, denn an mehreren Stellen darin wurden Türen geöffnet.

»Beeilen Sie sich, Leni. Es wird das Fräulein sein. Mein Gott! Wo sie wohl die ganze Zeit gewesen sein mag?«

»Das ist Fräulein Babette Graumann, des Ingenieurs Tante«, orientierte der Bürgermeister, den Kommissar.

»Und da lässt er sich selber hören«, murmelte Horn.

In der Tat musste auch Albert Graumann auf den Korridor des oberen Stockwerks getreten sein, denn deutlicher noch als die feine, spitze Stimme der alten Dame klang seine tiefe, harte herunter.

»Na, Tante, gräme dich nur nicht allzu sehr. Fräulein Eleonore hat nun mal ihre Heimlichkeiten, darein müssen wir uns fügen. Es ist ganz gut möglich, dass sie nach G. gefahren ist, um Johns Grab, denn er wird wohl schon begraben sein, mit Blumen zu schmücken.«

Wie spöttisch er von Eleonore sprach, die doch, und das musste er wissen, jetzt so tief litt. Und wie kalt er von dem Ermordeten redete!

Horn bekam auch jetzt einen schlechten Eindruck von dem Mann, und doch war es ihm recht, dass Graumann so ruhig den Namen desjenigen aussprach, neben dessen Leiche man seinen Revolver gefunden.

Unter diesen Gedanken betrat er Graumanns Haus.

»Sind Sie es? Fräulein Lore?« hatte die alte Leni herausgerufen, ehe sie öffnete, was sie dann doch recht schnell tat, weil sie des Bürgermeisters Stimme erkannt hatte.

»’s ist der Herr Bürgermeister!« rief sie hinauf – da trat auch der Kommissar über die Schwelle, und Leni ließ fast die Lampe, die sie in der linken Hand hielt, fallen, so sehr war sie über das unerwartete Erscheinen des Fremden erschrocken.

Graumann war dem Bürgermeister entgegengeeilt.

»Was bringt denn Sie zu mir?« fragte er, und sein Gesicht sah dabei angenehm erregt aus. Es veränderte sich jedoch, als Graumanns Blick auf den Kommissar fiel. Es wurde unruhig und, Horn glaubte es wenigstens zu sehen, noch ein wenig fahler, als es ohnehin schon gewesen.

»Einen Gast habe ich Ihnen zugeführt«, sagte der Bürgermeister und wischte sich dabei den Schweiß von der Stirn.

»Einen Besuch«, verbesserte sehr deutlich Kommissar Horn, indessen er den Hut zog. Graumann musste diese Korrektur unangenehm sein, denn er schloss die schmalen Lippen fester und zog die Brauen empor, wodurch sein Gesicht einen hochmütigen Ausdruck annahm, der nicht angenehmer wurde, als der Ingenieur, sich spöttisch verneigend, sagte: »Herr Kommissar haben wohl eine wichtige Frage zu stellen vergessen?«

»Nein, Sie haben wichtige Antworten zu geben unterlassen.«

Mit diesen Worten trat Horn zu der Zimmertür, welche Graumann geöffnet hatte, doch lud er diesen mit einer energischen Gebärde ein, vor ihnen einzutreten.

Graumann biss sich auf die Lippen, dann folgte er dem stummen Gebot des Mannes, der, er fühlte es nun mit einiger Bedrückung, nicht umsonst so feindlich gegen das Wort »Gast« demonstriert hatte.

Der sehr gebildete, sehr pflichtbewusste Ingenieur hatte aber selbstverständlich eine zu große Achtung vor dem Gesetz, als dass er Horn, der ihm von diesem Augenblick an nur mehr die Verkörperung des Gesetzes war, in irgendetwas widerstrebt hätte.

Ruhig, freilich auch sehr steif geworden, ging er also den beiden Herren voran in das Zimmer, hinter dessen einer Tür eben ein bleiches altes Frauchen verschwand.

Graumann schraubte die Lampe, welche auf dem Tisch stand, höher, nahm den verdunkelnden Schirm von der Kugel, rückte zwei Stühle zurecht und machte eine einladende Handbewegung gegen seine beiden Besucher. Sie ließen sich nieder, dann setzte auch er sich.

Der Bürgermeister sah kläglich hilflos aus. Es musste dem gutmütigen alten Herrn eine schreckliche Pein sein, auf das zu warten, was da kommen musste.

Horn war ruhig – Graumann desgleichen. Dem ersteren hatte etwas sehr wohl gefallen, es war der Umstand, dass der Ingenieur mehr Licht geschaffen hatte.

»Nicht wahr, Sie haben einen breitkrempigen grauen Filzhut?« fragte Horn, der erst bei diesem seinem zweiten Zusammentreffen mit Graumann darauf achtete, dass derselbe auch einen dunklen Vollbart trug.

Verwundert blickte der Ingenieur den Kommissar an.

»Ja, ich habe einen solchen Hut«, sagte er dann lächelnd.

»Kann ich ihn sehen?«

»Sofort.«

Graumann griff nach dem altmodischen Glockenstrang, der hinter dem Sofa hing. Horn aber meinte: »Es wäre mir lieber, wenn wir selber ihn holten.«

»Wie Sie wünschen.«

Graumann erhob sich, nahm die Lampe und schritt den Herren voran in das Nebenzimmer. Es war sein Schlafgemach. Nahe dem Bett stand ein mäßig großer Schrank. Graumann öffnete ihn zur Hälfte. Es zeigte sich ein Hängefach und darin eine Reihe von Beinkleidern. Graumann musste, um zu den Legfächern zu gelangen, in deren einem seine Hüte lagen, auch die zweite Tür des Schrankes öffnen. Doch hielt er die Lampe in der Hand, und die Riegel bewegten sich nur schwer. Es war somit gar nicht auffallend, dass Horn, der so begierig war, den Hut zu sehen, sich bückte und den unteren Riegel der Tür emporschob.

Er kam dabei mit seinen Augen einem der Beinkleider sehr nahe, und was er beim Öffnen des Schrankes sofort, aber zunächst ein wenig undeutlich bemerkte, das sah er jetzt ganz genau.

Auf dem mausgrauen Stoff des Beinkleides zeigten sich einige Tintenspritzer. Sie waren von violetter Farbe.

Jetzt war auch die zweite Tür des Kastens offen.

Graumann trat zurück.

Dieser Polizeikommissar mochte immerhin den für ihn so interessanten Hut betrachten. Horn warf nur einen Blick darauf.

»Es ist richtig«, sagte er dann.

Graumann wollte den Schrank nun wieder schließen, doch der Polizeibeamte sagte: »Lassen Sie, er mag offen bleiben.«

Achselzuckend führte der Ingenieur seine Besucher wieder zu ihren Sitzen.

»Und nun erzählen Sie mir, wie Sie hinter Theodor Bellmanns Lebensgeschichte kamen«, sagte der Kommissar.

Graumann starrte ihn eine Weile sehr überrascht an, dann fuhr er sich mit der feinen weißen Hand über den wohlgepflegten Bart und sagte schmunzelnd und sich anerkennungsvoll neigend: »Die Behörde ist ja bewundernswert rasch hinter John Siders‘ Geheimnis gekommen.«

Und Horn darauf: »Wie lange haben denn Sie dazu gebraucht?«

Graumann lehnte sich bequemer in seinem hochlehnigen Sessel zurück und begann dann gleichmütig: »Gestatten Sie mir, Ihnen vorerst zu sagen, weshalb ich Ursache hatte, mich für Siders‘ Vergangenheit zu interessieren.«

Horn neigte sein Haupt, dann sah er wieder aufmerksam auf den Erzählenden, der also fortfuhr: »Wie ich schon heute Vormittag sagte, schloss Siders, mit dem ich zufällig einmal, bald nach seiner Ankunft hier, im Kaffeehaus bekannt wurde, sich mir an. Wir kamen auf Amerika und unser dortiges Leben zu sprechen, wobei es sich ergab, dass wir in Chicago einige gemeinsame Bekannte hatten. Mir war der Mann nicht unsympathisch, doch fiel mir im ferneren Verlauf unserer Bekanntschaft auf, dass er niemals von der Zeit sprach, die vor seinem Amerika-Aufenthalt lag, dass er auch immer auswich, wenn ich eine Andeutung über seine Heimat, seine Familienverhältnisse machte. Im Übrigen zeigte er sich als ein Mann, der Hochschulwissen errungen und der auch durch die Hochschule des Lebens gegangen war, benahm sich tadellos und gefiel auch meinen Damen (ich habe nämlich eine Tante und ein Mündel bei mir) so sehr, dass ich ihn zuweilen in mein Haus lud. Was ich nie befürchtet hatte, geschah. Mein Mündel, Leonora Römer, ein sanftes, stilles, bisher willenloses Mädchen, verliebte sich in den uns eigentlich ja ganz unbekannten Mann – mit einer ganz sicher irgendwie geheimnisvollen Vergangenheit.

John Siders verleitete Lore sogar zu einer heimlichen Verlobung, hinter welche ich im Juli dieses Jahres gekommen bin.

Da ward mir die Sache zu ernst. Ich ließ mir meinen Ärger nicht anmerken, warnte Lore nur, sich nicht noch mehr mit dem Burschen einzulassen, und schrieb, um mich endlich über ihn zu informieren, wozu ich ja nun ein Recht, ja sogar die Pflicht hatte, nach Chicago. John war dort Advokat gewesen, etwa vier Jahre hindurch, und hatte meinen ehemaligen Fabrikherrn zum Klienten gehabt. An diesen Mr. Tressider schrieb ich, ihn bittend, er möchte mir durch die dortige Polizei Auskunft über John Siders Geburtsort verschaffen. Mitte August kam Antwort. Siders war achtzehnhundert … zu Hartberg geboren. Mehr hatte Mr. Tressider nicht in Erfahrung bringen können. Es war mir genug. Ich nahm einen Tag nach Erhalt des Briefes für einige Tage Urlaub, erhielt ihn, fuhr nach Hartberg, das, wie Sie wissen, nur siebzig Kilometer entfernt von hier ist, und wusste drei Tage später, über G. heimkehrend, alles, was mir zu wissen nötig war. Theodor Bellmann war der Sohn eines kleinen Beamten gewesen, der seine Witwe und den Knaben in tiefster Armut zurückließ. Frau Bellmann übersiedelte nach G., um in der größeren Stadt Musiklektionen zu geben. Theodor ging aufs Gymnasium, später auf die Universität und war stets ein vortrefflicher Schüler. Doch hatte ihm die Rechtswissenschaft, die er studierte, kein Rechtsgefühl zu geben vermocht. Er bestahl den Bankier, bei welchem er Hauslehrer, ja Hausfreund war, wiederholt, wurde endlich eines bedeutenden Diebstahls überführt, leugnete zwar verzweifelt, die Indizien zeugten aber so unzweifelhaft gegen ihn, dass der Richter (es ist der jetzige Staatsanwalt Schmid in G.) ihn verurteilen musste. Acht Monate hindurch saß Bellmann im Sträflingskleid im Zuchthaus von W. Freigelassen, wanderte er aus, nachdem er vorher noch seiner Mutter Grab besucht. Es war bis zuletzt etwas Gutes in ihm, das vermag selbst ich, der notgedrungen sein Gegner werden musste, zu bezeugen. Es mag jetzt noch an ihm genagt haben, dass seine Schande die Mutter unter die Erde gebracht, denn nie sah ich ihn froh, nie hörte ich ihn lachen. Jedenfalls hat er die Tat seiner Jugend überhart verbüßt, denn – wie gesagt – er war zuletzt ein guter Mensch.«

Graumann hielt ein. Er fuhr sich mit der flachen Hand mehrmals über die Herzgegend. Sein Klappenfehler mochte ihm wieder zu schaffen machen. Es war auch seine Stimme leise, unsicher, ja – Horn schien es so – weicher geworden. Er mochte eine Zwischenrede erwartet haben, doch der Kommissar regte sich nicht, und so fuhr er denn fort: »Ich löste das Verlöbnis meines Mündels mit dem ehemaligen Züchtling, denn ich konnte doch das Mädchen nicht in solche Hände geben.«

»Besonders deswegen nicht, weil Sie Fräulein Leonore Römer selber heiraten wollten«, sagte trocken der Polizeibeamte.

Graumann fuhr empor.

»Sie wissen?« stammelte er und stand langsam auf. »Da – da war Lore also vermutlich heute Nachmittag bei Ihnen.«

»Stimmt.«

»Und hat Ihnen ihr Herz ausgeschüttet«, brach es mit scharfem Spott von des Ingenieurs Lippen.

»Stimmt«, antwortete abermals sehr ruhig Horn und setzte ebenso gemütlich hinzu: »Aber das alles ist Nebensache. Die Hauptsache, scheint mir, ist, Ihrem schwachen Gedächtnis auf die Beine zu helfen. Heute Vormittag sagten Sie, dass Sie John Siders zum letzten Mal gesehen hätten, als er Grünau verließ – na sehen Sie –, das stimmt nicht.«

In Graumann ging eine merkliche Veränderung vor. Er ließ sich rasch, als fürchte er, die Kräfte werden ihn verlassen, auf den Sessel nieder, und diesmal starrten seine Augen mit dem Ausdruck starken Angstgefühls auf den Kommissar.

»Was wollen Sie damit andeuten?« würgte er langsam heiser hervor.

»Andeuten will ich gar nichts, nur sagen, klar und deutlich sagen, dass John Siders am dreiundzwanzigsten September abends den Besuch eines Herrn mit dunklem Vollbart und breitkrempigem grauem Hut empfing – dass das Haus Nummer 7 in der Josefigasse damals außer den beiden Männern nur eine alte, halbtaube Magd umschloss und dass John Siders‘ schon erkaltete Leiche am Morgen des vierundzwanzigsten September aufgefunden wurde. Was man bei John Siders nicht mehr fand, das waren zehntausend bare Gulden, was man in seinem Zimmer fand, waren ein umgestürztes Tintenfass, dessen violetter Inhalt weithin verspritzt war, wovon einige Spuren auf dem mausgrauen Beinkleid dort drinnen sich noch vorfinden – und war ferner«, Horn senkte die Hand in die Tasche seines Winterrocks, »dieser Revolver.«

Er hielt dem Ingenieur die seltsam verzierte Waffe hin, indem er ernst, schrecklich ernst hinzufügte: »Auf diese Indizienbeweise hin muss ich Sie im Namen des Gesetzes verhaften.«

Horn war aufgestanden. Auch der gute alte Bürgermeister hatte sich erhoben, stöhnte leise und knickte völlig zusammen, als sich jetzt jene Tür auftat, hinter welcher Fräulein Graumann vorhin verschwunden war und nun wieder erschien, noch bleicher, noch viel, viel älter aussehend als früher.

Langsam kam sie heran und sank neben ihrem Neffen auf die Knie.

»Albert – welches Leid kommt über uns«, sagte sie leise. »Aber, Albert, ich weiß es, du hast das Entsetzliche nicht getan, und alles, alles ist ein Irrtum. Albert, sprich! Starre nicht so vor dich hin – lasse mich nicht in der Angst, du seiest irrsinnig geworden. Rede – oh, rede. Das ist ja gar nicht dein Revolver – er kann es ja nicht sein. Ich will es den Herrn sogleich beweisen. Ich will deinen Revolver holen.«

Mit der fliegenden Hast fiebriger Angst hatte das alte Fräulein abgebrochen und wollte sich jetzt erheben. Graumann aber sagte, noch immer den stieren Blick auf den Revolver gerichtet: »Es ist mein Revolver.«

Da gellte ein Schrei durch das Zimmer. Die Dame hatte ihn ausgestoßen und so das grässlichste Entsetzen verraten – aber sogleich schüttelte sie wieder krampfhaft das Haupt und sagte völlig ruhig, völlig sicher: »Und wenn es zehnmal dein Revolver ist und wenn auch mit ihm der arme Siders getötet wurde – du hast’s doch nicht getan.«

Soviel festes Vertrauen tat jedem der drei Männer wohl. In die Augen des sonst so kaltherzigen Graumann waren schwere Tränen getreten. Er beugte sich zu dem alten Gesicht nieder und küsste es zärtlich. Es geschah wohl zum ersten Mal.

»Ich danke dir«, sagte er danach, »ich danke dir innig. Nein, ich bin trotz allem Johns Mörder nicht. Aber freilich, alles spricht gegen mich, und ich muss nun noch etwas angeben, was sehr unwahrscheinlich klingt und ebenfalls gegen mich zeugen wird. Darf ich reden?«

»Sprechen Sie«, sagte Horn.

»Ich war wirklich am dreiundzwanzigsten September bei John Siders. In einem Brief, den ich freilich nicht mehr besitze, hat er mich zu einer dringenden Besprechung zu sich geladen. Ich müsse kommen, es stehe für mich und ihn Großes auf dem Spiel. So schrieb er mir und bat mich, um unser beider willen die größte Verschwiegenheit bezüglich dieses Besuches zu beachten.

Ich hatte ihn unglücklich machen müssen – so fühlte ich mich denn verpflichtet, seinem Rufe zu folgen, denn mein Gewissen sagte mir, dass ich es ihm schuldig sei, ihm in anderen Dingen zu helfen, falls er meiner Hilfe bedurfte. Ich hatte überdies Angst vor einem exzentrischen Streich, dessen ich ihn, seiner ganzen Art nach, wohl für fähig halten konnte. Dabei dachte ich nicht an mich, nur an Lore. Jedenfalls wollte ich seiner Bitte nachkommen und fuhr zu der von ihm bestimmten Zeit nach G.

Für mich hatte ich keine Furcht – das wiederhole ich noch einmal, ich nahm daher keinerlei Waffe mit. Wer den Revolver dahin brachte, weiß ich nicht, wusste bis jetzt nicht einmal, dass ich nicht mehr in seinem Besitz bin, weiß nur ( an dieser Verletzung seines Zierates erkenne ich es noch sicherer als an dem seltsamen Silberbeschlag überhaupt), dass es ganz bestimmt mein Revolver ist.«

Schwer atmend und wieder die Hand zum Herzen führend, hielt Graumann ein.

»Sie bedürfen einer Stärkung«, sagte Horn, und schon eilte das alte Fräulein aus dem Zimmer; mit einem Glas Wasser und einer Flasche Kognak kam sie wieder. Graumann nahm von beiden ein wenig. Er war gekräftigt. Er sprach weiter.

»Weshalb hatte Siders mich zu sich gerufen? Ich erfuhr es nicht. Das Haus war schon verschlossen. Die alte Magd, die mir auf mein wiederholtes Klingeln öffnete, war verwundert darüber und sagte, Herr Siders müsse diesmal gegen allen Brauch die Tür geschlossen haben.

Ich ging hinauf. Siders empfing mich geräuschvoll und hielt mich mit allerlei Reden hin.

Als ich in ihn drang, mir doch endlich zu sagen, was es denn Wichtiges zwischen uns gäbe, lächelte er und meinte, das Wichtigste sei bereits getan und ich könne wieder gehen. Er sah ganz ruhig aus, musste es aber doch nicht sein, denn während er so sprach und ich zornbebend über solches ›Zum Narren gehalten werden‹ mich an den Tisch lehnte, warf er aus Versehen das Tintenfass um, dessen Inhalt natürlich auch mich bespritzte. Er hielt mich dann noch mit einigen Entschuldigungen auf, sah nach, ob noch Licht auf der Treppe sei, und führte mich selbst bis auf die Straße hinunter, wo er noch, während ich wegging, unter der Tür stehenblieb.

Ich muss sagen, dass ich ihn für übergeschnappt hielt. Denn erstens bat er mich noch oben in seinem Quartier, dass ich seine ziemlich wertvollen Schmuckstücke aufbewahren möchte, was ich ablehnte, und zweitens sagte er, als ich sehr übel gelaunt von ihm schied, ohne jede Veranlassung: ›Sie werden noch oft, recht oft an mich denken.

Dies alles – ich sehe ja selber ein – außerordentlich erdichtet Klingende wollte ich Ihnen heute noch sagen. Ich weiß nämlich nicht, ob ich morgen noch vernehmungsfähig sein werde – Sie wissen, mein Herz ist sehr schwach, und ich war deshalb schon oft wochenlang schwer krank.«

Graumann hatte sich langsam erhoben. Er sah nicht übermäßig angegriffen aus.

»Gräme dich nicht, meine Unschuld muss ja doch zutage kommen«, sagte er ruhig zu seiner Tante, klingelte und goss sich dann noch ein Glas voll Wasser ein, das er langsam austrank.

Leni erschien.

»Gnädiger Herr befehlen?«

»Meinen Winterrock und den grauen Hut. Auch die Hose, die ich bei meiner letzten Fahrt nach der Stadt trug, bringen Sie mit.«

Horn gefiel der Mann immer mehr. Solche Ruhe in solcher Situation war etwas Erfreuliches. Aber freilich, alberne Märchen sollte ein sonst so vernünftiger Mann nicht erfinden. Doch der Selbsterhaltungstrieb zeitigt oft die seltsamsten Früchte. Das wusste Kommissar Horn, der als gerechter Mann immer zwei Standpunkte hatte, seinen eigenen und den des Gegners, und dem in seiner langen Praxis die absonderlichsten Verteidigungsmittel untergekommen waren. Horn fand also auch die verzweifelte Erklärung, die Graumann sich für seinen Besuch bei John Siders zurechtgelegt hatte, recht verzeihlich. Geradezu bewundernswert aber fand er die Ruhe, mit welcher der Ingenieur sein Haus verließ, um sich dem Gericht zu überantworten.

Hätte er ihn drei Stunden später gesehen, er hätte ihn bemitleidet-

Nacht war’s und noch tiefere Nacht als anderswo in einer der Zellen, in welchen die Untersuchungsgefangenen interniert waren. Es war die Zelle, in welche Albert Graumann gebracht worden war, nachdem man ein kurzes Protokoll mit ihm aufgenommen hatte.

Mit widrigem Geräusch hatte sich der Schlüssel im Schloss gedreht. Graumann war allein.

Er saß auf seinem harten Lager. Er drückte die Hand auf das toll hämmernde Herz. Ein Schüttelfrost lief durch seinen Leib. Er achtete nicht darauf. In seinem Herzen bohrte und nagte es. Er stierte in die undurchdringliche Finsternis und murmelte: »Zuviel Beweise sind da. Auch Leugnen wird mir nichts nützen. Auch ich werde auf Grund eines Indizienbeweises wegen Raubmordes verurteilt werden.«

Und wieder stierte er eine Zeitlang vor sich hin, dann brach er in ein grässliches Lachen aus. Der Schieber an seiner Tür bewegte sich. Die Wache war herbeigekommen, zu schauen, was der Untersuchungsgefangene mache. Ein greller Lichtstrahl fiel durch das kleine Fensterchen in der Tür. Er beschien ein totenbleiches, verzerrtes Menschengesicht.

Doch war Graumann ruhig geworden, und der Justizsoldat schloss das Fensterchen wieder.

Da sank der Unselige hin, und das Gesicht auf das Kissen seines Lagers pressend, schluchzte er: »Oh, John Siders! John Siders!«

*** *** ***

Leonore Römer war nach Hause zurückgekehrt. Sie war ein anderes Wesen geworden, seit sie ihren Vormund, wie alle Welt es tat, für ihres Geliebten Mörder hielt. Kalt und starr gegen die Außenwelt, finster ihrem Gram nachhängend, schloss sie sich entweder in ihr Zimmer ein oder ging, wie immer das Wetter sein mochte, in dem großen, weiten Garten, der das Haus umgab, rastlos auf und nieder.

Mit dem alten Fräulein sprach sie nur wenig, nur über das Allernotwendigste und das Allergewöhnlichste. Sie verstanden sich nimmer, waren in jenen Ansichten, die ihnen die wichtigsten sein mussten, weit auseinandergeraten, konnten also über das, was ihre ganze Seele erfüllte, nicht reden.

Am liebsten hätte Eleonore dieses Haus verlassen, aber sie war stolz und schüchtern zugleich. Sie hatte keine Verwandten und keine Freunde. Zu Fremden aber mochte sie in dieser Zeit, da alles wund war in ihr, nicht gehen.

Deshalb blieb sie einstweilen noch im Hause ihres Vormunds, an den sie ohne tiefes Grauen und ohne tiefes Mitleid nicht denken konnte.

Eines Morgens, es war zwei Wochen nach der Ermordung Siders‘, ging sie eben in den Garten hinab, als der Postbote herankam und ihr einen dicken Brief übergab.

Es war ein eingeschriebener Brief. Er trug eine Adresse in ihr völlig fremder Schrift. Verwundert nahm sie ihn entgegen. Er kam aus Hamburg. Dort kannte sie niemanden. Aber unzweifelhaft war der Brief für sie bestimmt

»Fräulein Leonore Römer. Im Hause des Herrn Ingenieurs Albert Graumann.«

Dann kam noch der Name des Städtchens, der Provinz, in der sie lebte. Der Brief war unzweifelhaft an sie gerichtet

So nahm sie ihn denn an, unterschrieb die beiden Empfangsscheine, und der Postbote ging wieder.

Eleonore kehrte in ihr Zimmer zurück.

Sie wollte den sonderbaren Brief, es war eigentlich schon ein Päckchen, doch lieber oben als im Garten lesen.

Als sie in ihr Zimmer gekommen war, bemerkte sie, die so sehr Ordnungsliebende, dass der Wind, der durch das offene Fenster strich, mehrere leichte Gegenstände, Zwirnknäuel und Bandreste, von dem Nähtischchen herabgeweht hatte. Sorgsam hob sie dies auf und rückte auch das Vogelbauer noch ein wenig mehr in die Sonne, die heiter vom blauen, klaren Herbsthimmel niederstrahlte. Dann schloss sie das Fenster, denn die Vorhänge wallten im Luftzug auf recht unangenehme Weise auf und nieder.

»Jolli, jetzt musst du still sein, jetzt wollen wir den Hamburger Brief lesen«, sagte sie dann, als ihr Hündchen, ein hübscher, drolliger Pinscher, sich laut bellend an sie drängte. Hierauf setzte sie sich hin und schnitt, den Kopf leise schüttelnd, das Kuvert mit der Spitze ihrer Stickschere auf.

Ein dicker, abermals kuvertierter Brief, auf dessen Adresse sie einstweilen nicht achtete, und ein offenes Schreiben fielen ihr daraus entgegen. Das Schreiben lautete:

 »Gnädiges Fräulein!

Mein Freund ersuchte mich, folgenden Brief, den ich seit 15. September dieses Jahres in Verwahrung habe, gegen Mitte Oktober dieses Jahres ganz sicher in Ihre Hände gelangen zu lassen.

Er machte die Sache so wichtig, dass ich sie nicht minder ernst nehme und buchstäblich das an mich gestellte Ansinnen nach Möglichkeit erfülle, wobei ich in guter Absicht nur vielleicht einen Fehler mache, den, dass ich das mir anvertraute Schreiben ein wenig früher, als ich vielleicht sollte, absende. Ich tue es der Sicherheit wegen. Habe ich nämlich zu rechter Zeit nicht den von Ihnen gezeichneten Rückempfangsschein in der Hand, dann ist es mir noch möglich, nach Ihrem Aufenthaltsort zu reisen, um nachzusehen, wo der sicherlich überaus wichtige Brief, den mein Freund an Sie gelangen lassen will, steckengeblieben ist. Ich habe allerdings nur den Auftrag, ihn so sicher als möglich durch die Post expedieren zu lassen, was ich hiermit tue. Geht jedoch nicht alles in bester Ordnung, so mache ich mich trotz Geschäftsüberhäufung doch noch auf den Weg zu Ihnen. Das ist mir Theodor, dem ich sehr, sehr viel Dank schuldig bin, schon wert.

In vollster Hochachtung Leo Pernsburg

Hamburg,
Rödingsmarkt 7
Reeder«.

 

»Theodor! – Theodor!« wiederholte mechanisch das junge Mädchen und streifte langsam mit der Hand über die Stirn, hinter welcher die Gedanken sich seltsam kraus ineinander mischten.

»Theodor!« sagte sie noch einmal laut, als wolle sie sich vergewissern, dass sie nicht träume.

Der noch nicht beachtete Brief, der in ihrem Schoß gelegen, fiel dabei auf die Erde. Hastig bückte sie sich danach und sah mit flimmernden Augen auf ihn nieder. Alles Blut strömte ihr zum Herzen und dann zu den Schläfen hinauf.

»Ich bin wahnsinnig«, sagte sie halblaut »Es ist ja nicht möglich, was ich da vor mir zu sehen meine.«

Jolli bellte in diesem Augenblick eine vorbeischwirrende Fliege an. Das schien Leonore so natürlich zu sein – und doch nicht natürlicher als der Brief vor ihren Augen, auf den John Siders mit seiner ganz eigenartig schönen Schrift ihren Namen geschrieben und dazu gesetzt hatte: »Überaus dringlich!«

Indes ein unbeschreibliches Freudengefühl durch ihre Seele und ein eisiger Schauer durch ihren Leib ziehen, geht Leonore zur Tür und verriegelt sie.

Kein Mensch hat sie an jenem Vormittag mehr gesehen. Mittags kam sie wie sonst zu Tisch, nur dass sie diesmal noch weniger aß als all die Tage zuvor. Aber sie musste Fieber haben, denn eine große Unruhe war in ihr, und ihre Augen glühten in düsterem Feuer.

Kaum hatte Leni den Tisch abgeräumt, als der Bürgermeister sich anmelden ließ.

Er kam jetzt sehr oft. Er tröstete das alte Fräulein mit tausend Gründen, an die er allerdings selber nicht glaubte – denn ganz natürlich stand Albert Graumanns Sache verzweifelt Leonore hielt sonst seinen Besuchen nicht stand, sondern verließ, falls sie einmal anwesend war, wenn er kam, das Zimmer.

Diesmal aber blieb sie, und hätte einer besonders auf sie geachtet, er hätte es merken müssen, dass ihre ganze gequälte Seele den Worten des alten Herrn lauschte. Er hatte auch tatsächlich sehr Interessantes zu melden. Die Verhandlung gegen Graumann war vorverlegt worden. Da das Beweisverfahren abgeschlossen war und kein anderer, ebenso wichtiger Fall diesem im Wege stand, sollte drei Tage später, das war am 13. Oktober, die Schwurgerichtsverhandlung gegen Graumann beginnen.

Als seine alte Tante davon hörte, brach sie in ein Schluchzen aus. Ach, sie konnte ihrem Neffen so gar nicht helfen!

Auch über Leonores Wangen liefen Tränen, und das alte Fräulein zärtlich küssend, flüsterte sie ihr zu: »Nur nicht verzagt sein, Tantchen. Gott ist ja trotz allem – so gut, so gut!«

Welch wunderliche Bewegung beherrscht das Mädchen! Groll und Bitterkeit schauen aus ihren Augen, und doch auch wieder, ganz schüchtern, lugt ein heißes Dankgefühl und eine große Ungeduld heraus.

So musste der alte, kluge Bürgermeister denken, als er Leonore nachschaute, die nach ihren seltsamen Worten aus dem Zimmer ging.

Der Schwurgerichtstag war da.

Die Verhandlung währte schon über zwei Stunden. Der weite Saal war von Menschen überfüllt, denn der Fall hatte großes Aufsehen erregt. Mit lebhaftem Interesse war denn auch die dichtgedrängte Menge der Verlesung der Anklageschrift gefolgt, welche, ein Meisterstück an Logik und Schärfe des Gedankens, nicht einen Punkt in diesem merkwürdigen Fall unbeleuchtet ließ. Der Verteidiger des Angeklagten, einer der bedeutendsten Vertreter dieser Zunft, musste sich in seiner fast drei viertel Stunden in Anspruch nehmenden Rede lediglich darauf beschränken, hinzuweisen, dass Graumanns Vorleben rein und makellos sei, dass ein Ehrenmann unmöglich plötzlich, ganz unvermittelt so tief sinken könne, dass übrigens auch gar kein Grund für ihn vorhanden gewesen, John Siders zu töten, da ihm dieser ja weder irgendwie im Wege stand noch sein Tod ihm irgendwelchen sonstigen Vorteil brachte; die geraubten 10 000 Gulden konnten doch einen Mann, der 5000 Gulden Jahreseinnahme habe, nicht zu einem Mord verleiten, überdies habe man die abhanden gekommene Summe trotz genauester Nachforschung im Besitze Graumanns nicht gefunden, und endlich sehe die würdige, maßvolle Verteidigung des Angeklagten und sein stetes Verneinen der ihm vorgeworfenen Schuld so sehr nach Wahrheit aus, dass niemand von seinem Schuldigsein überzeugt sein könne, weshalb denn auch nicht im mindesten zu zweifeln sei, dass die Geschworenen zu einem Freispruch gelangen würden.

Der Staatsanwalt hatte sich hierauf erhoben. Seine kalten grauen Augen waren zu einem weiten, siegesgewissen Blick geöffnet, um seine Lippen spielte ein ironischer Zug, und da der Verteidiger einen Blick zu ihm hinüberwarf, begegneten sich die Augen der beiden Männer sekundenlang feindlich.

Im Leben draußen waren sie ebenso sehr Widersacher, wie sie es heute von Amts wegen im Gerichtssaal sein mussten.

Nicht dass Doktor H., der Verteidiger, ein Weichling oder ein Optimist gewesen wäre, der jeden für gut hielt, aber er glaubte, trotz langer Gerichtspraxis, noch an das Gute im Menschen und hatte ein feines Empfinden für die Töne der Wahrheit oder Täuschung.

Er glaubte diesmal wirklich nicht an eine Schuld des Angeklagten, und deshalb hatte er freudig dessen Verteidigung übernommen und sie trotz aller Aussichtslosigkeit feurig durchgeführt. Als er jetzt zu Schmid hinübersah, wusste er, dass dieser, der das letzte Wort hatte, den ganzen Eindruck, den seine Rede sichtlich auf die Geschworenen gemacht, vernichten werde. Der Staatsanwalt würde auf keinen Fall seinen Ruf besonderen Eifers, besonderer Schneidigkeit verlieren wollen.

Und der »schneidige« Staatsanwalt tat, was nicht nur Doktor G., was auch alle anderen, die ihn kannten, erwartet hatten.

Er sprach in seiner scharfen, geistreichen Weise voll fachmännischer Anerkennung von der rhetorischen Leistung des Herrn Verteidigers, welche dieser nur leider einer verlorenen Sache gewidmet. Aus der Tatsache allein, dass es ihm nicht gelungen sei, auch nur einen einzigen Punkt der Anklage zu entkräften, dass er alle Indizien anerkennen musste, welche die Anklage zusammengetragen und die in ihrer Summe schwerwiegender Momente einem Schuldbekenntnis des Angeklagten völlig gleichwertig seien, erhelle, dass die Anklage vollkommen gerechtfertigt erscheine, wie sie denn auch durch das Beweisverfahren in keiner Weise alteriert wurde. Die von der Verteidigung hervorgehobene Tatsache, dass man trotz eindringlichen Forschens die geraubte Summe nicht finden konnte, könne mit Rücksicht auf die in anderen Fällen oft konstatierte Wahrnehmung einer außerordentlichen Listanwendung behufs Verbergung geraubter Gegenstände nicht in Betracht kommen.

Ebenso wenig sei der Hinweis auf das Vorleben des Angeklagten für die Herren Geschworenen geeignet, ihr Urteil über die Tat zu beeinflussen, die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten könne höchstens in Bezug auf das Strafmaß in Betracht kommen.

Bis hierher war der Staatsanwalt in seinen Ausführungen gekommen, und jeder im Saal war der Ansicht, dass innerhalb der nächsten halben Stunde das Verdikt der Geschworenen erfolgen müsse, da sie kaum lange über diesen ja so klar liegenden Fall zu beraten haben würden.

Da trat ein kleiner Zwischenfall ein.

Ein Diener übergab dem Präsidenten einen dicken Brief und flüsterte ihm etwas zu.

Während der Staatsanwalt in längerer, wahrhaft hinreißender Rede nun an die Geschworenen die Ermahnung richtete, in ihrer schweren Pflicht sich nicht durch Gefühlsmomente beirren zu lassen, hatte der Präsident das Päckchen geöffnet und begann zu lesen. Er las – Doktor H. sah es mit einer plötzlich auftauchenden Hoffnung mit steigender Bewegtheit – die erste Seite des umfangreichen Briefes. Immer rascher flogen seine Augen über das Blatt – über die Blätter, welche in seiner Hand zu zittern begannen. Eine gewaltige Erregung musste den sonst so ruhigen Mann ergriffen haben. Er streckte die Hand nach dem Brief aus, den man auf John Siders‘ Tisch gefunden, und verglich dessen Schrift mit derjenigen, welche das eben erhaltene Schreiben aufwies. Er nahm auch das Onyx-Siegelstöckchen in die Hand, welches neben den Schmuckstücken des Ermordeten in einer großen Muschel lag, die man neben anderen Beweisstücken auf den Richtertisch gestellt. Der Herr Staatsanwalt hatte auf Vorweisung dieser Schmuckstücke nicht verzichten wollen. War ihm ihr Hiersein doch nichts als ein Beweis dafür, dass der besonnene Mörder sich durch ihren Raub nicht in Ungelegenheiten bringen wollte, was er von den 10 000 Gulden, die er mitgenommen, nicht zu befürchten hatte.

Jenes Onyx-Siegelstöckchen war sehr charakteristisch geformt, und es hatte an einer seiner Kanten eine Stelle, welche ausgesprungen war. Der Präsident musste von dem Vergleich der Schriften in beiden Schreiben und von seiner Betrachtung des Siegelstöckchens und des Siegels befriedigt sein, das ersah Doktor H. aus dem Aufblitzen seiner Augen.

Mit einem seltsamen Blick schaute der Präsident zu dem neben ihm stehenden Staatsanwalt auf – und als dieser soeben seinen letzten Satz beendet, erhob jener sich rascher, als er es sonst zu tun pflegte.

Es erwartete niemand, außer Doktor H., der den Präsidenten genau beobachtet hatte, etwas anderes als ein ganz gewöhnliches Resümee, und doch sollte etwas anderes – ganz anderes kommen. Hoch aufgerichtet stand die sympathische Gestalt des Präsidenten da. Eine seltsame Bewegtheit sah aus seinen Augen, durchzitterte seine klangvolle Stimme, als er begann:

»Unerhörtes ist geschehen. In letzter Stunde hat sich noch ein Zeuge eingestellt, ein stummer und doch wunderbar beredter Zeuge, der für den Angeklagten spricht, der es uns erspart, irrtümlich Gericht zu halten über einen Mann, der nach diesem Brief aus dem Jenseits zu urteilen, mit dem Verbrechen nichts zu tun hat.«

Ein unbeschreiblicher Tumult herrschte nach diesen Worten des Präsidenten.

Die Leute waren von ihren Sitzen aufgesprungen, Schluchzen, erregte Fragen, Ausrufe höchster Verwunderung, aber auch höchster Befriedigung erfüllten die Luft. Staatsanwalt Schmid allein blieb kalt, und der verbissene Zug um seinen Mund und das ironische Lächeln bezeigten, dass er unwillig über die Störung sei und an die Macht dieses so plötzlich vom Himmel gefallenen Briefes nicht glaube.

Aber er musste an sie glauben, als dieser Brief oder vielmehr die Briefe, denn es waren ihrer zwei, verlesen worden waren.

*** *** ***

Eleonore Römer hatte sie zu rechter Zeit in die Hände des Präsidenten gelangen lassen.

Eine Stunde später war Albert Graumann frei.

Die erste, die an ihn herantrat, war sein Mündel. »Vergeben Sie mir«, bat sie innigst.

»Was denn? Dass ich Ihr Glück zerstörte? Dass ich es im Grunde doch war, der Theodor Bellmann tötete?« fragte trüb lächelnd Graumann.

»Nein, dass ich Sie solcher Tat für fähig hielt.«

»Es hielten mich ihrer ja wohl alle für fähig«, entgegnete er bitter und setzte, nur ihr hörbar, hinzu: »Eines mögen Sie wissen. Jetzt glaube ich es, dass Theodor Bellmann sein Leben hindurch ein ehrlicher Mensch war. Und noch eines: Ich habe schwer gelitten, er hat mich furchtbar gestraft – aber ich murre nicht, es war noch eine milde Wiedervergeltung dafür, dass ich euer Glück und sein Leben vernichtete.«

»Wir wollen einander vergeben, und es wird die Zeit kommen, wo wir mild über alles Vergangene werden denken können«, sprach sanft Leonore, und ihr Vormund lächelte seltsam dazu und nickte.

»Ja, für Sie wird diese Zeit kommen, denn ich werde bald auch unter der Erde sein, und es ist mir recht, dass ich auf natürliche Weise recht bald sterben werde, denn solch ein Toter zieht einen so oder so nach.«

»Sie werden leben«, tröstete das Mädchen.

»Ich werde sterben.« Er lächelte. »Es war zu viel für mich. In einem hat Bellmann sich doch versehen – er hat vergessen, dass ich einen Herzfehler habe.«

Er war daraufhin zum Wagen gegangen. Leonore war trotz seiner Andeutung ruhig. Er hatte ja schon manches Mal gemeint, sterben zu müssen, und er lebte heute noch. Überdies war ja Sterben das ärgste nicht Das empfand das unglückliche, edle Mädchen nun schon seit langem.

So sahen sie und Graumann denn während dieser Fahrt zuweilen einander in die Augen, ruhig, freundlich.

Acht Tage später fand man Graumann tot in seinem Lehnsessel.

Er hatte ein friedliches Lächeln um die Lippen.

Was war denn nun der Inhalt des Schreibens, das der Präsident einen Brief aus dem Jenseits genannt?

Die G.er Tagespost brachte ihn in einer Extra-Abendausgabe, und wahrlich, er war des Tumultes im Gerichtssaal und eines Extra-Abendblattes wert.

Das Päckchen, welches Leonore dem Präsidenten übergeben ließ, enthielt zwei Briefe.

Der eine lautete: 

»Geliebte Eleonore!

Ehe du Kenntnis vom Inhalt der folgenden Blätter nimmst, schwöre mir beim Andenken an unsere Liebe und bei der Seligkeit, die Du einst in dem Jenseits erhoffst, aus welchem Dir sozusagen dieses mein letztes Vermächtnis zukommt, dass Du genauestens befolgen wirst, worum ich Dich bitte.

Inliegendes Schreiben gibst Du ungeöffnet, wiewohl es an Dich gerichtet ist, denn nur mit Dir kann ich jetzt noch verkehren, und Dir zugestellt werden muss, in die Hände des Präsidenten, welcher die Schwurgerichtsverhandlung gegen Graumann leiten wird. Doch darfst Du es erst in jenem Moment aus der Hand geben, in welchem Du merkst, dass der Staatsanwalt an der Schuld Graumanns festhält. Wird dieser, was ich nicht voraussetze, freigesprochen, dann eröffnest Du meinen Brief vor Graumann und einigen Zeugen.

Denn jedenfalls soll Graumann, der unschuldig ist, seine Unschuld auch zweifellos beweisen können.

Dass ich selber Hand an mich legen will, weißt Du nun. Vergib es mir. Aber ich kann nicht mehr leben – ohne Dich – ohne meine vernichtete Ehre.

Gott segne Dich tausendmal. In tiefster Liebe Dein

John

Gedenke Deines Schwures. Du hast ihn einem Toten geleistet.« 

Leonore hatte auch diesen an sie allein gerichteten Brief dem Präsidenten übergeben lassen; damit man wisse, sie sei durch einen Schwur gebunden gewesen, Bellmanns Brief dem Gericht zu ganz bestimmter Zeit zu übermitteln. Dieser Brief war ungeöffnet in die Hände des Präsidenten gelangt.

Sein Inhalt lautete:  

»G. am 22. September 189 …

Mein teurer Liebling!

Wenn Du diesen Brief in die Hände des Gerichtspräsidenten legen wirst, habe ich in der Erde die Ruhe gefunden, die mir auf Erden nimmer werden könnte, seit ich Dich liebe, seit ich weiß, dass ich von Dir geliebt werde, und weiß, dass ich Dich aufgeben muss, wenn ich ein Ehrenmann, der ich immer gewesen bin, bleiben will.

Albert Graumann würde ja ganz sicher Wort halten und würde, wohin Du mir als mein Weib folgen wolltest, überall die Ehre des Namens vernichten, den Du tragen müsstest.

Aber auch ich ertrüge es nicht – denn meine Seele hat sich wund gerieben an der Heimlichkeit, hinter der ich meine Schmach verbarg, und wund gerieben an dem Hass, den ich für die Unvollständigkeit der menschlichen Gerechtigkeit in mir nährte.

Längst war mir das Leben reizlos geworden in der kalten Fremde, in die ich geflüchtet, als ich aus dem Zuchthaus ging. Das Heimweh zehrte an mir, und ich kam wieder – heim.

Ich habe den Boden des Vaterlandes geküsst und ich habe am Grabe meiner Mutter geweint. Ich war ruhig und voll Frieden, als ich den Himmel über mir hatte, unter dem ich geboren worden bin. O ja, ich bin ein harmloser, ein guter Mensch geblieben. Einstmals sah ich hier in G. den Richter, der mich verurteilt hatte – ungerecht verurteilt –, und meine Hand hat sich nicht geballt, und es hat sich nicht mein Gesicht gerötet. Ich habe nur gelächelt und dabei gedacht: ›Möchte nicht du sein. Bist wie ein Kind, das mit Messern spielt, und weißt nicht, welche Gefahr dabei ist.‹ Und wieder einmal geschah es, da kam derselbe Mann an einer vornehmen Tafel neben mir zu sitzen, und ich leitete das Gespräch auf seine richterliche Tätigkeit. Ob denn der Irrtum da ganz unmöglich, ganz ausgeschlossen wäre und ob denn das Vorleben, der Charakter, die Aussage des Angeklagten ganz und gar verschwinden müssten, wenn Sachliches, wenn Indizien gegen ihn sprächen, fragte ihn, und der Mann schälte seinen Apfel ruhig weiter und meinte: ›Aber ich bitte Sie. Wenn die Schuld eines Menschen einmal durch unleugbare, keinesfalls miss zu verstehende Beweise erbracht ist, dann ist er gerichtet, eben durch die Indizien, die gegen ihn vorliegen.‹

Damals ballten sich meine Hände, damals stieg mir das Blut zu Kopfe. So redete der Mann, und schließlich hatte er ja Recht. Menschen können nur menschlich richten, wobei es ihnen – wieder ganz natürlich – zuweilen passiert, dass sie irren; denn irren, das ist ja wohl das Allermenschlichste am Menschen.

Was mich an ihm so ergrimmte, war nur der unnahbare Hochmut, mit dem er seine menschliche Weisheit vorbrachte, und damals schon stieg der Gedanke in mir auf: dem Manne gehörte eine tüchtige Lehre. Ich vergaß jedoch seiner, als ich Dich näher kennenlernte. Ich darf mich – da nun alles so fix eingeleitet ist und durchgeführt werden muss – nicht weichmachen, indem ich Dir sage, wie innig glücklich Du mich durch Deine Güte, Deine Liebe und – später durch Dein unbegrenztes Vertrauen gemacht hast. Ich will lieber von Albert Graumann reden. Dass er an mein Schuldigsein glaubt, das verzeihe ich ihm. Dass aber er, der Gebildete, der wirkliche Kluge, sich nicht so weit emporschwingen kann, an die Besserung eines einst Bestraften zu glauben und dass er meine angebliche Verfehlung vielmehr vorschützt, um Dich von mir fernzuhalten, Dich für sich selber zu gewinnen, das vergebe ich ihm nicht.

Du bist für mich verloren. – Das Leben ist mir deshalb und nach den Szenen mit Deinem hochmütigen, tugendstolzen Ehrenmann von einem Vormund nicht mehr nur reizlos, es ist mir zum Ekel geworden, und so scheide ich denn daraus, nicht schwer, Liebling, glaube es mir, nein, sondern so wie einer, der mit abgewandtem Gesicht und verächtlich verzogenem Mund von einem Tisch geht, auf welchem er Unrat statt Speisen gefunden.

Damit mein Hingang nicht ganz ohne Nutzen für die Welt und ganz besonders für zwei Menschen darin sei, habe ich beschlossen, Albert Graumann, der so mitleidslos gegen uns beide gewesen, und dem Staatsanwalt Gustav Schmid, so heißt der Mann, der mich einst irrigerweise verurteilte, der sich gar so sehr an den Wert des Indizienbeweises klammert und dabei die Idee von der Möglichkeit des Irrtums hochmütig von sich weist, jene ausgiebige Lehre zu geben, welche ich einstmals letzterem gewünscht.

Gustav Schmid ist zwar jetzt nicht mehr Einzelrichter, und so würde nicht er, sondern würden die Geschworenen die Verantwortung für den Richterspruch tragen, aber wie ich ihn kenne, wird er als öffentlicher Ankläger so hart und scharf als nur irgend möglich ins Zeug gehen, wird jeden Beweis, der gegen den Angeklagten spricht, den ich herschaffen werde, nach allen Seiten hin ins Feld führen, und bei seiner glänzenden Beredsamkeit und den wirklich gravierenden Beweismitteln für des Angeklagten Schuld wird unfehlbar ein Schuldspruch ausgesprochen werden; der Verurteilte aber wird Albert Graumann sein, welcher seinen Hochmut, seine Unbarmherzigkeit und seinen kindlichen Glauben an die Unfehlbarkeit eines Indizienbeweises – nicht zu schwer mit einigen Tagen Nachdenkens und der Pein des Gerichtsverfahrens büßen wird.

Nenne mich nicht rachsüchtig, nenne mich nur ›hart geworden‹ ob der Erfahrungen, welche mich die Menschen machen ließen. Ich hasse – wenigstens in dieser Stunde – niemanden mehr; ich kann aber den beiden, die mich zugrunde richteten, der eine im Namen des Gesetzes, der andere im Namen des stolzen Menschentums der sogenannten redlich Gebliebenen – die herbe Lehre, künftig vorsichtiger zu urteilen und zu handeln, nicht ersparen, deshalb tue ich, was zu tun mich die Pein und der Groll der letzten acht Jahre zwingen.

Und nun, Liebling, lebe wohl und habe heißen Dank, dass Du so tapfer warst, meine Testamentsvollstreckerin zu sein – denn Du bist über das erste Blatt hinausgekommen; dann musstest Du ja Deines Schwures wegen tun, was ich so kurz vor meinem Tode von Dir begehrte.

Du standest also treu zu mir, mein Lieb – treu bis über mein Leben hinaus. Ich drücke Dir die Hand dafür.

Gott sei mir Dir.

Und nun will ich die zur Orientierung notwendigen Punkte aufzählen.

Albert Graumann wurde tatsächlich, wie er es wohl auch angeben wird, gestern, am 21. September, von mir in einem überaus dringlich gehaltenen Brief gebeten, am 23. abends, zwischen 7 und 8 Uhr, mich in meiner ihm in dem Brief bekanntgegebenen Wohnung ohne Begleitung und Bekanntgabe seines Vorhabens zu besuchen.

Eben vorhin, also am 22. September, bekam ich mit der 4-Uhr-Post seine Zusage.

Ich kann also jetzt schon als getan ansehen, was morgen zwischen 7 und 8 Uhr geschehen wird.

Wenn etwas dazwischenkommen sollte, sende ich ebendiesem Brief, den ich heute noch vor 7 Uhr eingeschrieben an Herrn Leo Pernsburg, Reeder in Hamburg, Rödingsmarkt 7, aufgebe, einen anderen Brief nach. Mein Freund Pernsburg wird mit diesem Schreiben den Auftrag von mir erhalten, das Kuvert dieses Briefes behufs eventueller Ausweisung über das Datum des Poststempels aufzubewahren. Überdies ist meine Schrift mehreren bekannt und nicht leicht nachzuahmen. Es wird also der Zweifel, dass wirklich ich selber die folgenden Aufzeichnungen gemacht, kaum Platz greifen können.

Und so will ich denn schildern, was morgen, am 23. September 1901, zwischen 7 und 8 Uhr geschehen wird.

Albert Graumann wird heimlich, wie ich es begehrt, zu mir kommen. Ich werde dafür sorgen, dass Leni sein Kommen, nicht aber sein Fortgehen bemerkt; dass Frau Winter meine Pläne nicht stören wird, weiß ich sicher, denn diese feiert ihren Geburtstag bei ihren Eltern, bei welchen sie auch, wie sie mir gestern selbst sagte, übernachten wird.

Graumann und ich werden somit ohne Zeugen sein. Ich werde ihn mit nichtssagenden Reden, da ich ihm ja in der Tat nichts zu sagen habe, ein wenig hinhalten; wenn er sich in die Nähe des Tisches begibt, das Tintenfass umwerfen, damit ich mit dieser nicht wegzubringenden violetten Tinte einen neuen Beweis seiner Schuld schaffe; werde es versuchen, ob er sich dazu versteht, meinen ziemlich wertvollen Schmuck aufzubewahren, den ich ihm unter dem Vorwand, ich müsse eine Reise machen und wolle ihn ihm während dieser Zeit anvertrauen, aufschwatzen will. Werde ihn ungesehen auf die Straße hinunterbringen. Werde nach seinem Fortgehen die nötige Unordnung herstellen und dann den Revolver gebrauchen, der Eigentum Albert Graumanns ist und den ich – wie ich hiermit, ohne irgendwelche Gemütsbewegung dabei zu empfinden, gestehe – am 20. September, abends 9 Uhr, während Du, Deine Tante und Graumann beim Nachtmahle saßet, von dem mir wohlbekannten Ort holte, an welchem Graumann seine kleine Waffensammlung aufbewahrt.

Dieser Ort ist sein im Parterre des Hauses liegendes Arbeitskabinett, und der Revolver lag stets und auch damals in einer Ebenholzkassette mit silbernen Zierraten.

Das Fenster des niedrig liegenden Raumes war offen, und so war es mir ein leichtes, diesen neuen Indizienbeweis für Graumanns Schuld beizubringen.

Die fehlenden 10 000 Gulden habe ich, wie beiliegender Scheck beweist, beim Bankhaus Mayer & Comp, zu Händen meiner ehemaligen Verlobten, Fräulein Eleonore Römer, hinterlegt.

Den Revolver will ich, damit man nicht vorzeitig auf die Art meines Sterbens kommt, von mir zu schleudern versuchen, auch werde ich seinen Rand nicht dicht an mein Hemd setzen, was Selbstmörder, der Sicherheit des Zieles wegen, stets tun, sondern werde die Berührung der Waffe mit der Schussstelle zu vermeiden suchen, damit nicht etwa ein verräterisches Zeichen des Sengens entstehe.

Hoffentlich wird mir dies gelingen, habe ich doch keine Furcht vor dem Sterben, und ich bin ja auch ein trefflicher Schütze.

Eines noch werde ich tun, damit ja keiner, bevor ich es für gut finde, an einen Selbstmord denkt. Ich werde an eine fingierte Person einen Brief schreiben, dessen Inhalt recht deutlich darauf hinweisen wird, wie ich so gar nicht ans Sterben denke.

Und nun ade – Gedanke an das Leben. Exzentrisch haben sie mich seit jeher genannt, sie haben vielleicht Recht gehabt, die Leute.

Eigenartig zum mindesten ist ja auch diese meine letzte Tat – aber wenigstens wird niemand sagen können, dass sie unüberlegt, dass sie in einem Taumel geschehen ist. Klar ist mein Hirn, ruhig mein Herz, da ich aus der Welt gehe, aus dieser Welt des Scheines, denn wie wenig ist wirklich, was die Menschen für wirklich nehmen.

Dein Vertrauen, Deine Liebe aber, Eleonore, waren echt. Ich segne Dich dafür.

Theodor Bellmann,
genannt John Siders«

 

Die Autorin

Auguste Groner (geborene Kopallik, Pseudonyme Olaf Björnson, Metis, Auguste von der Paura, Renorga), * 16. April 1850 Wien, † 7. März 1929 Wien 13, Lainzer Straße 38 (Hietzinger Friedhof), Erzählerin, Volks- und Jugendschriftstellerin, Gatte (1879) Richard Groner.

Tochter eines Rechnungsbeamten, Schwester des Malers Franz Kopallik und des Theologen Josef Kopallik, besuchte die Malschule im Wiener Kunstgewerbemuseum (Professor Sturm und Rieser), das Wiener Konservatorium sowie die Lehrerinnenbildungsanstalt Neben ihrer Tätigkeitals städtische Volksschullehrerin in Wien (1876-1905) war sie Mitarbeiterin bei in- und ausländischen Zeitschriften und gab auch zahlreiche volks- und heimatgeschichtliche Werke heraus, darunter „Geschichten aus Alt-Wien“ (1891), „Aus unserer Vaterstadt (Alt-Wien)“ mit Originalfederzeichnungen von Franz Kopallik (1892), „Eva Bauernfeind. Eine Wiener Patriziergeschichte aus dem 17. Jahrhundert“ (1911), „So war mein Wien. Skizzen über alte Straßen, Plätze und Höfe in Wien“ (ohne Jahr, 1925). 1894 gründete sie (als Beilage zum „Wiener Abendblatt“) die „Österreichische Jugendzeitung“ und daneben die „Österreichische Jugendbibliothek“.

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