Arno Holz – So einer war auch er! Lyrik

Matatma Ganditrennlinie2Liegt ein Dörflein mitten im Walde,
überdeckt vom Sonnenschein,
und vor dem letzten Haus an der Halde
sitzt ein steinalt Mütterlein.
        Sie läßt den Faden gleiten
        und Spinnrad Spinnrad sein
        und denkt an die alten Zeiten
        und nickt und schlummert ein.

Heimlich schleicht die Mittagsstille
durch das flimmernde grüne Revier.
Alles schläft; selbst Drossel und Grille
und vorm Pflug der müde Stier.
        Da plötzlich kommt es gezogen
        blitzend den Wald entlang
        und vor ihm hergeflogen
        Trommel- und Pfeifenklang.

Und in das Lied vom alten Blücher
jauchzen die Dörfler: »Sie sind da!«
Und die Mädels schwenken die Tücher
und die Jungens rufen:»Hurra!«
        Gott schütze die goldenen Saaten,
        dazu die weite Welt;
        des Kaisers junge Soldaten
        ziehn wieder ins grüne Feld!

Sieh, schon schwenken sie um die Halde,
wo das letzte der Häuschen lacht.
Schon verschwinden die ersten im Walde,
und das Mütterchen ist erwacht.
        Versunken in tiefes Sinnen,
        wird ihr das Herz so schwer,
        und ihre Tränen rinnen:
        »So einer war auch Er!«

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