Arkadij Awertschenko ζ Herzlose Begebenheit

Arkadij Awertschenko  ζ Herzlose Begebenheit

Am Flußufer standen erregte Leute.

Ich kam näher und sah, daß inmitten der Gruppe eine Frauengestalt auf dem Boden lag. Sie war in ein buntes Badetuch gehüllt.

»Was ist denn los?« fragte ich hastig.

»Sie hat gebadet, verlor den Boden unter den Füßen, begann zu sinken und hat Wasser geschluckt. Mit Mühe konnte man sie retten.«

»Man sollte ihren Körper fest abreiben«, meinte ich.

Auf einem Stein saß ein kleiner, dicker, asthmatischer Mann in einer Badehose. Er schaute mich an, machte eine abwehrende Bewegung und rief: »Lohnt sich nicht – wird ohnehin nicht helfen.«

»Vielleicht versuchen wir es mit künstlicher Atmung«, rief ich. »Sicher wacht sie dann aus der Ohnmacht auf.«

»Hm«, erwiderte der Mann in der Badehose. »Ich denke, es lohnt sich nicht, den Versuch zu machen.«

»Aber man kann doch die Frau nicht einfach so liegenlassen. Man muß doch etwas tun. Holen Sie den Arzt!«

»Zahlt sich nicht aus«, sagte ruhig der Dicke. »Hilft ja doch nichts. Außerdem wohnt der Arzt drei Kilometer von hier und wird wahrscheinlich nicht zu Hause sein.«

»Aber man kann es doch versuchen«, bemerkte ich zornig.

»Wirklich – es ist nicht der Mühe wert.«

»Ich staune . . .! Lassen Sie uns wenigstens Ihr Leintuch. Wir werden versuchen, die Frau hin und her zu schaukeln.«

»Wozu schaukeln?« sagte der Dicke. »Hat das einen Sinn? Betrachten wir die Frau als ertrunken. Warum wollen Sie sich bemühen?«

»Herr!« rief ich aufbrausend. »Sie sind aber ein Gemütsmensch! Wenn die Frau da am Boden keine Fremde, sondern Ihre eigene Frau wäre, würden Sie anders sprechen.«

»Wer hat Ihnen gesagt, daß es nicht meine Frau ist? Es ist meine Frau, verstehen Sie! Und darum muß ich es besser wissen . . .«

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