Arkadij Awertschenko Θ Russischer Schriftsteller & Satiriker

Arkadi Awertschenko (um 1920)
Arkadij Awertschenko – um 1920

Arkadij Awertschenko (*1880 in Sewastopol, †1925 in Prag ) war ein russischer Schriftsteller und Satiriker. Er arbeitete zuerst als Buchhalter, versuchte sich aber schon bald mit Erzählungen und Satiren. Die erste erschien unter dem Titel Как мне пришлось застраховать жизнь (dt. Wie kann ich mein Leben versichern) in der Zeitschrift Южный край (Südliches Land) im Oktober 1903 in Charkow, wohin er Anfang der 1900er Jahren übersiedelt war; er selbst jedoch erachtete als sein literarisches Debüt die Erzählung Праведник (1905, dt. Die Gerechten). Zwischen 1905 und 1907 arbeitete er redaktionell für die satirischen Zeitschriften Штык (Bajonett) und Меч (Schwert) und veröffentlichte teilweise unter verschiedenen Pseudonymen. Als er mit den dortigen Zensurbehörden Schwierigkeiten bekam, ging er 1908 nach Sankt Petersburg. In der Hauptstadt wurde er Mitarbeiter kleinerer Publikationen, darunter der Zeitschrift Стрекоза (Drachenfliege). Als die Zeitschrift viele Abonnenten verlor, gründete er mit einer Gruppe von jungen Mitarbeitern der Zeitschrift ein neues Magazin mit dem Namen Сатирикон (Satyrikon, 1913 das Новый сатирикон, (Neues Satyrikon), dessen Herausgeber er bald wurde und das rasch populär wurde. Viele seiner dort erschienenen Kurzgeschichten kamen auch in Theatern zur Aufführung.
In den Jahren 1911 und 1912 reiste er zweimal in das westliche Europa und sammelte auf diesen Reisen Material für seine satirischen Erzählungen. In dieser Zeit entwickelte sich Awertschenko zum führenden Satiriker der ausklingenden Zarenzeit. Es gelang ihm für seine Zeitschrift die Mitarbeit bedeutender Illustratoren wie Iwan Bilibin und Autoren wie Wladimir Majakowskij zu gewinnen. Als sich nach der Oktoberrevolution die Situation dramatisch veränderte und das gesamte Personal der Zeitschrift eine ablehnende Haltung gegenüber des sowjetischen Regime einnahme, verboten im Juli 1918 die Bolschewiki das Новый сатирикон. Awertschenko ging daraufhin in seine Geburtsstadt Sewastopol, das zu dieser Zeit in der Hand dern “Weißen” war, und arbeitete dort ab Juli 1919 als Journalist für die Zeitung Юг (Süden) (später Юг России, Südrußland). Nachdem am 15.11.1920 auch Sewastopol in die Hände der “Roten” geraten war, gelang es Awetschenko mit einem der letzten Schiffe die Heimat in Richtung Konstantinopel zu verlassen, wohin sich viele russische Flüchtlinge gerettet hatten. 1921 veröffentliche er in Paris zahlreiche Pamphlete unter dem Titel Дюжина ножей в спину революции (dt. Ein Dutzend Messer im Rücken der Revoluton), in denen die Charaktere seiner Geschichten ihre nostalgischen Gefühle in Bezug auf die vergangenen Zeiten zum Ausdruck brachten. Im April 1922 ging er zunächst nach Sofia, dann nach Belgrad und ließ sich schließlich im Juni 1922 in Prag nieder, wo er sich im Hotel Goldene Gans am Wenzelsplatz ein Zimmer mietete. Auch in der Emigration gelang es ihm, sich erfolgreich zu behaupten .Im Jahr 1923 kam im Berliner Verlag Nord seine Sammlung von Immigrantengeschichten unter dem Titel Записки Простодушного (dt. Naive Bemerkungen) heraus. Über die Schwierigkeiten im Umgang mit der Sprache veröffentlichte er das Werk Трагедия русского писателя (dt. Tragödie eines russischen Autoren). In der Tschechoslowakei aber erlangte er bald großen Erfolg; er arbeitete für die bekannte Prager Presse, und viele seiner Werke wurde ins Tschechische übertragen. Nach einer Operation im Jahr 1925, bei der ihm eine Auge entfernt werden mußte, erkrankte er schwer und wurde bewußtlos in das Prager Städtischen Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte eine „Schwächung des Herzmuskels, die Erweiterung der Aorta und eine Nierensklerose“ diagnostizierten, konnte er nicht mehr gerettet werden.

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Awertschenko karikierte sowohl das Leben in der Zarenzeit als auch unter den Bolschewiken und in der Emigration, es ging ihm aber nicht um Kritik an politischen Verhältnissen. Sein Humor ist menschenfreundlich, oft melancholisch. Er setzt überraschende Pointen und erzielt Situationskomik. Von den Kommunisten wurde er angefeindet. Lenin bezeichnete seine Erzählungen aus der Emigrationszeit als „Verleumdungen eines bis zum Wahnsinn erbitterten Weißgardisten“.

Erzählungen, Essay und weitere Texte von Arkadij Awertschenko finden Sie in unserem Magazin hier.

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