Architektur | Le Corbusier | Notre Dame du Haut

Skizzen | Le Corbusier, Mein Werk, Verlag Gerd Hatje, 1960 | (c) SPADEM/COSMOPRESS
Skizzen | Le Corbusier, Mein Werk, Verlag Gerd Hatje, 1960 | (c) SPADEM/COSMOPRESS

Die Kirche in Ronchamp, auf einem Berg in der Burgundischen Pforte gelegen,dient nicht einer Pfarre, sondern Pilgern. Sie strömen an Festtagen herbei, um vor dem Gnadenbild Notre Dame du Haut zu beten und mit dem Priester das Messopfer zu bringen.

Le Corbusier hat diese Kirche geschaffen. Mittelpunkt des Grundrisses der Kapelle ist ein Dreieck, auf dessen Grundlinie die Altarwand steht. In die Altarwand ist ein Glasgehäuse mit dem Gnadenbild eingelassen, dass es zugleich für den Gottesdienst auf dem Pilgerplatz an der Außenfront dienen kann.
Von der Nord- und Westwand her „fließt“ der Kapellenraum in die halbrunden Nischen und Nebenräume, in denen Altäre stehen. Der Grundriss, der aus Rechtecken, Dreiecken und Halbkreisen besteht, bietet Räume für vier verschiedene Gruppen: im Schiff finden 200 Menschen Platz, in den Kapellen Gruppen von 10, 20 und 30 Gläubigen.

Der Grundriss lässt erkennen, dass die Wände in diesem Bau nicht rechtwinklig aufeinander treffen sondern in spitzen und stumpfen Winkeln; Decken und Wände kurven und biegen sich zu Kreisen und Halbkreisen.

Notre Dame du Haut - Grundriss | | Le Corbusier, Mein Werk, Verlag Gerd Hatje, 1960 | (c) SPADEM/COSMOPRESS
Notre Dame du Haut – Grundriss | | Le Corbusier, Mein Werk, Verlag Gerd Hatje, 1960 | (c) SPADEM/COSMOPRESS

Dem Grundriss entspricht auch der gebaute Raum. So hängt die Decke wie eine große Zeltplane über dem Innenraum und wölbt sich, fast freitragend, auch über den Pilgerplatz. Tiefe unregelmäßige Fensterschächte durchbrechen die Südwand: die Strahlenbündel fallen unter verschiedenen Winkeln weit gestreut in das Innere der Kirche. Die Innenwände der Kapelle sind mit großen Farbflächen bemalt. Alle Bildwerke und Plastiken stammen von Le Corbusier, der damit ein Werk geschaffen hat, das Baukunst, Malerei und Plastik miteinander verbindet.

Unsere Liebe Frau von der Höhe | Notre Dame du Haut

Der 1950 bis 1955 nach Plänen des französisch-schweizerischen Architekten Le Corbusier errichtete Kirchenbau zählt zu den berühmtesten seiner Art in der architektonischen Moderne. Aufgrund seiner zahlreichen visuellen Metaphern, des Reichtums seiner Raumgliederung sowie seines Vorbildcharakters gilt er als Ikone der Architektur. Seit Juli 2016 ist er zudem offiziell als UNESCO-Weltkulturerbe gelistet.

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Ronchamp ist eine französische Gemeinde im Département Haute-Saône (Region Bourgogne-Franche-Comté) mit ca. 3000 Einwohnern. Ronchamp liegt am Fuß der Vogesen. Er gehört zum Regionalen Naturpark Ballons des Vosges.

Weitere Sehenswürdigkeiten: Die neogotische Pfarrkirche im Ortskern stammt aus dem 19. Jahrhundert, so wie der Puits Sainte-Marie genannte Schacht einer ehemaligen Kohlenzeche, deren Geschichte in dem Bergwerksmuseum Marcel Maulini geschildert wird. Das Steinkohlebecken besteht aus drei übereinander liegenden Kohleadern von 40 cm bis 3 Metern Dicke. Der Abbau erfolgte 1904 bis 1958 bis zu einer Tiefe von 994,64 Metern; seit 1946 war die Zeche verstaatlicht. In der Blütezeit dieser Zeche, 1860, waren hier 1503 Bergleute beschäftigt.

Die offizielle Webseite zur Wallfahrtskirche: http://www.collinenotredameduhaut.com/

Kategorien Architektur unterwegs
Oliver Simon

Oliver Simon - Herausgeber dieses Magazins, hat das, was man wohl einen bunten Lebenslauf nennen könnte: Schulversager, Hotellehre, selbstständig mit einem Bistro inkl. Kleinkunst und LiveMusik, einem Teeladen. Manchmal arbeitet als noch freiberuflicher Dozent in der Erwachsenenbildung. 2016 startet sein Verlagsprojekt "mannstreu". Er lebt in der Nähe von Lüneburg, ca. 800 m Luftlinie von der Elbe entfernt. In seiner Freizeit unterrichtet er Kleinkinder in musikalischer Früherziehung, macht Linolschnitt, spielt Cajon & Kontrabass.

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