Li Tai-pe • Du Fu an Li Tai-pe • Nachgedichtet von Klabund

Li Tai-pe • Du Fu an Li Tai-pe 
Nachgedichtet von Klabund

Als ich ein Kind war, schien der Mond mir rundes Gold,
Das wie ein Spiegel leicht am Rand der Wolken rollt.

Drin zogen Geister groß mit Seidenfahnen,
Zimtbäume ließen Süßigkeiten ahnen,

Der gelbe Hase braute treffliche Getränke,
Der Mann im Mond saß bei ihm in der Schänke, –

Bis einst der Drache Mond und Mann verschlang
Und Nacht wie dunkle Trauer niedersank.

Neun schlimme Vögel sind dabei, die Sterne aufzupicken.
Die Götter lagern traurig auf den Wolken, nicken

Und wiegen sich in sturmgepeitschten Böten.
Wer wird die schlimmen Vögel töten? –

Doch wenn der Mond von Nacht zu Nacht entschwand
Und endlich nur als schmaler Strich am Himmel stand,

War er ein Dolch, den ich mir in die Seite stieß,
Weil mich die Angst um dieses Leben nicht verließ.

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Li Bai  [* 701; + 762] auch Li Tai Bai und Li Tai-Po, war ein berühmter chinesischer Dichter der Tang-Zeit. Er war der Sohn eines reichen Kaufmanns. Mit 25 Jahren begann er, durch China zu reisen. 742 erhielt er eine Anstellung am kaiserlichen Hofe, begann aber wenige Jahre später wiederum sein unstetes Wanderleben. Li Bai werden etwa 1.000 Gedichte zugeschrieben. – Quelle: Wikipedia

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