Paul Scheerbart ⊕ Kikakok!ú ⊕ Ein Lautgedicht

Paul Scheerbart ⊗Kikakok!ú
(1897)

Ekoraláps! Wîso kollipánda opolôsa.
Ipasátta íh fûo.
Kikakokú proklínthe petêh.
Nikifilí mopaléxio intipáschi benakáffroprópsa
pî! própsa pî!
Jasóllu nosaréssa flîpsei.
Aukarotto passakrússar Kikakokú.
Núpsa púsch?
Kikakokú bulurú?
Futupúkke – própsa pî!
Jasóllu … … …

trennlinie2(Die Zeichen über den Buchstaben sind Hinweise für die Betonung.)

Obwohl die Lautmalerei in der Literatur modern erscheint, ist sie als eigene Kunstform schon mehr als 100 Jahre alt. Immer wieder gab es Künstler, die mit der Sprache oder auch mit Sprachlauten zur Klangerzeugung experimentierten. Aber das erste, richtige Werk der Lautmalerei in deutscher Sprache verfasste Paul Scheerbart (1863-1915): das Gedicht Kikakokú!.
Die Lautmalerei arbeitet stark mit Verknüpfungen von sprachlichen Assoziationen, von Klang-Vorstellungen und Laut-Bildern, die wir aus unserer Muttersprache im Kopf haben.
Die Lautpoesie weist immer drei Merkmale auf:

Es gibt keine Wörter und Sätze, die eine Bedeutung haben.
Die Dichter arbeiten nach selbst ausgedachten Vorschriften und danach bauen sie die Sprachlaute zusammen und prägen so akustische Neuwörter.
Die Sprachwirkung zeigt sich erst beim Sprechen.

Paul Scheerbart, der Philosophie und Kunstgeschichte studiert hatte und zeichnete, wissenschaftliche Abhandlungen verfasste, Romane und Gedichte schrieb, wollte mit seiner Lautdichtung die Wunderwelt der gesprochenen Sprache darstellen und gleichzeitig Kritik üben. Er wehrte sich dagegen, dass seine Mitbürger die Kunst vor allem nur als ein Mittel zu ihrer Unterhaltung, zu ihrer Zerstreuung ansahen. Die meisten Menschen verstanden aber Scheerbart nicht, sie lachten über ihn. Er war für sie ein Spinner.

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